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Dämliche Mitbewohner und anderer Irrsinn

Veröffentlicht am

Schon oft hatte ich das Gefühl, dass sich die ganze Welt gegen mich verschworen hat, um mir das Leben schwer zu machen. Wenn dies aber dort eintritt, wo man sich wie zu Hause fühlt (oder zu Hause ist), ist das schier unerträglich.

„Man muss immer auf der Hut sein, man weiß nie, was so passiert

Wenn ein durchgedrehter Haushalt gegen einen revoltiert…“

Das war ein Zitat von meinem Lieblingsrocker Farin Urlaub. Das Lied heißt Dusche und in dem Lied geht es darum, dass das lyrische Ich von seinen Haushaltsgegenständen attackiert wird. Mir war schon immer klar, dass das eine Metapher für eine furchtbare Umwelt ist, die einem das Leben schwer macht. Doch erst am Sonntagabend habe ich das so richtig verstanden.

Wie ich bereits in meinem letzten Eintrag erwähnte, lebe ich in einer WG mit zwei Typen zusammen. Bis jetzt hatten wir eigentlich nie größere Probleme, wenn man mal von der Sache absieht, dass einer der beiden bereits damit gedroht hat, mich aus der WG zu schmeißen, wenn sich mein Putzverhalten nicht verbessert, natürlich ohne vorher mal mit mir über das Problem gesprochen zu haben.

Schön, das hat vielleicht noch seine Berechtigung, und dass ich meine Kiste mit den Küchenutensilien, die nicht mehr ins Regal gepasst haben, nicht in die Küche stellen durfte, obwohl es keinen Platzmangel gab (gibt), habe ich eigentlich schon wieder vergessen. Doch Sonntagabend erlebte ich etwas, das dem Ganzen sozusagen die Krone aufsetzt.

Dazu muss ich Folgendes erklären: Ich habe einen Freund, der hier in der drittgrößten Stadt Niedersachsens studiert und dann auch öfter mal bei mir übernachtet. Dies hatte ich beim „Vorstellungsgespräch“ mal erwähnt und stellte zunächst auch kein Problem dar. Sonntagabend aber kam mein Mitbewohner auf meinen Freund zu und behauptete, es würde ihn stören, dass er ihm dauernd in der Küche und im Bad begegnen würde und er sich eigentlich nur auf eine neue Person in der WG eingestellt hätte.

Mein Freund teilte mir anschließend den Verlauf des Gesprächs mit. Im Flüsterton, während der DVD-Player lief, und teilweise nahm er auch Schreibmaterial zur Hilfe, damit man durch die hellhörigen Wände ja nichts mitkriegt.

Das Gespräch, von dem ich leider (oder Gott sei Dank?) nicht alles mitbekam, hatte folgende Quintessenz: Mein Freund darf ruhig hier sein, solange er in meinem Zimmer ist, darf das Bad oder die Küche aber nicht benutzen, solange mein Mitbewohner da ist. Irgendwann wurde mein Liebster dann gefragt, ob er Schlüssel von der Wohnung hätte. Dies wollte er gar nicht mehr zugeben, sondern fragte stattdessen: „Nein, darf ich denn welche haben?“

„Nein, das ist die falsche Richtung. Wenn du so fragst, dann finde ich das aufdringlich.“

„Aber du hast doch zuerst gefragt!“

„Ja, egal.“

Oh, Mann…

Und das Tollste ist: All das kreidet er mir an, obwohl meine beiden Mitbewohner selbst so gut wie nie hier sind. Der eine ist mir exakt drei Mal auf dem Flur begegnet, den anderen sehe ich gar nicht mehr, seit ich morgens als allererstes ins Bad gehe.

Ich habe natürlich beschlossen, an der Situation nichts zu ändern. Wer bin ich denn, dass ich jeden Monat so viel Miete zahle und dann nicht mal Besuch empfangen darf, wann ich will? Sogar meine Eltern waren toleranter als er.

Die Eltern meiner Mitschülerin scheinen allerdings zu tolerant mit ihrer Tochter zu sein, oder sie sind einfach nur zu doof. Was meine ich damit? Nun, diese Mitschülerin ist so gut wie nie da. Manche nennen sie schon „die Unsichtbare“.

Diesen Ruf hat sie sich damit verdient, dass sie erst mal so gut wie nie da ist. Wenn sie kommt, ist sie entweder zu spät oder sie verschwindet nach der zweiten Stunde einfach.

Ich habe einfach kein Verständnis dafür. Ich versuche jeden Monat, das Geld irgendwie zusammenzukriegen, um auf diese Schule gehen zu können, und das Mädel gibt einfach das Geld ihrer Eltern für eine Ausbildung aus, die sie eh nicht interessiert.

Einmal tauchte sie in den ersten beiden Stunden nicht auf. Das war klar. Dann sah ich sie aber an einem der Computer im Internet surfen. Beim nachfolgenden Computerunterricht entschuldigte sie sich dann folgendermaßen:

„Ja, ‚tschuldigung, bin nicht eher gekommen, hab verschlafen…“

Sie kennt keine Vokabeln, hat es immer noch nicht für nötig gehalten, sich die Lehrbücher anzuschaffen, und die Prüfungen hat sie entweder gar nicht oder erst beim Nachschreibtermin gemacht.

Neulich meinte eine aus meiner Klasse, dass sie im Laden neben dem großen schwedischen Bekleidungsgiganten arbeitet. Als ich geguckt habe, war sie gerade nicht da, aber ich werde das weiter verfolgen, denke ich. Vielleicht melde ich mich einfach mal einen Tag krank und gucke, ob sie tatsächlich da auftaucht.

In diesem Sinne:

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin eine junge Frau, die in der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens studiert und der Liebe wegen recht weit pendelt. Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich arbeite hauptberuflich als Politik- und Pädagogikstudentin. Nebenberuflich als Karla Kolumna eines örtlichen Radiosenders und einiger anderer Medien. Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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