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Monatsarchiv: November 2010

Fern sehen

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Mein Masseur sagte mir neulich, dass ich überdurchschnittlich stark auf seine Massagen reagieren würde. Irgendwas mit den Lymphen, vielleicht hätte ich mal einen nicht diagnostizierten Infekt gehabt. Infekt?, dachte ich mir, das ist nicht gut! Also vereinbarte ich einen Termin beim Hausarzt. Ich kam nicht sofort dran, also setzte ich mich erst mal ins Wartezimmer. Und wie immer, wenn die Batterie des MP3-Players leer ist, wird einem schnell langweilig und man blättert in den herumliegenden Zeitungen.

Und da kam ich wieder auf den Flimmo.

Das ist ein Druckerzeugnis, das sich zum Ziel gesetzt hat, Eltern bezüglich des Fernsehprogramms zu beraten. Nette Idee, nur leider bleibt es bei der Idee. Zum ersten Mal kam ich auf dieses Heftchen, als ich mit 13 auf die J1 beim Kinderarzt gewartet hab. Schon damals wunderte ich mich über die Weltfremdheit (ist das das korrekte Substantiv?) dieses Magazins. Seitdem hab ich es in all den Arztwartezimmern, die ich aufsuchte, immer wieder gern gelesen – es gibt eine gute Comedy ab.

Ich verstehe jedenfalls immer noch nicht, wie man ernsthaft der Meinung sein kann, dass „Tatort“ und „Dr. House“ nicht für Kinder geeignet sind, aber dann „Two and a half men“ als unbedenklich durchgehen lässt. Früher gab es wenigstens noch eine Art Bewertungs-Farbskala, aufgeteilt nach Altersgruppen: 3 bis 6, 7 bis 10, 11 bis 13. Die ist auch seit einiger Zeit weg.

Und nicht nur das: Teilweise scheinen die Schreiberlinge des Flimmos sich überhaupt keine Mühe zu geben. Ich war jedenfalls schockiert, als ich sah, dass unter der Beschreibung von „Mein Leben & Ich“ immer noch genau der gleiche Text wie vor sechs Jahren zu lesen war. Dabei hat sich die Serie sehr verändert.

Nun könnte man natürlich argumentieren, dass solche Hefte einen nicht davor bewahren, selbst zu denken, und sicherlich sind der Flimmo und ähnliche Erzeugnisse nicht dazu gedacht, dass man komplett nach ihnen handelt. Nur fürchte ich, dass es genug Eltern gibt, die genau das tun. Außerdem stoßen mir solche Unzulänglichkeiten, wie die, die oben beschrieben sind, einfach sauer auf.

Wo wir übrigens gerade bei „Weltfremd“ sind: Malta diskutiert gerade über die Aufhebung des Scheidungsverbots – und der Papst ist, wie sollte es auch anders sein, dagegen. Dieser Mann schafft es, eine Religion, die ihre Daseinsberechtigung hat wie die meisten anderen auch, echt in Verruf zu bringen. Was haben Menschen denn davon, wenn sie bei einer Person bleiben, die sie nicht lieben? Da muss man doch kaputtgehen. Ich finde es jedenfalls gut,  dass das

katholische Bollwerk Malta

sich wenigstens jetzt langsam klar wird, dass die Ansicht, dass Scheidungen verboten gehören, doch leicht überholt ist.

http://www.tagesschau.de/ausland/malta118.html

Gerade schaue ich aus dem Fenster. Bis jetzt ist der Riesen-Schneefall, wie von einigen Klassen-Mithühnern bereits befürchtet wurde, noch nicht eingetreten. Allerdings ist die ganze Landschaft von einer Frostschicht überzogen. Frostschicht, nicht Rostschicht. Der astronomische Nordwinter hat noch gar nicht begonnen, aber der temperaturmäßige auf jeden Fall. Und überall hängen schon Weihnachtslichter.

An dieser Stelle möchte ich ein Zitat des Fernsehkritikgurus Oliver Kalkofe zum Thema Weihnachten einfügen:

Ich trau dem Frieden einfach nicht. Ganz plötzlich geben sich alle Leute so unangenehm freundlich, lächeln ungefragt und heucheln Interesse an ihren belanglosen Mitmenschen, bevor sie pünktlich zum Ende der Feiertage ihre Ego-Automatik wieder übergangslos in den bewährten Arschlochmodus zurückschalten. […] Sämtliche Hilfsorganisationen der Erde sind gezwungen, sich in wenigen Wochen penetrant den Wolf zu betteln, um durch die kurzlebige saisonale Spendenlaune der Bevölkerung wenigstens halbwegs deren vollkommene Ignoranz in den elf übrigen Monaten auszugleichen.

In diesem Sinne:

Mit adventlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Geschützt: Oh mein Gott!

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