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So ein weiter Weg

Veröffentlicht am

Heute Morgen habe ich mich im Zug mit einer Frau unterhalten, die mich auf meinen Abispruch auf dem Pullover ansprach. Und darüber bin ich ins Nachdenken geraten.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir diesen „respektlosen und bescheuerten“ Spruch gegen unseren Direktor durchgesetzt haben. Und ich erinnere mich noch gut an die Abizeit. Fünf Prüfungen hatte ich abzulegen: Englisch, Französisch, Deutsch, Biologie und Politik. Durch die habe ich mich durchgearbeitet wie ein Regenwurm durch Gartenerde. Ich war begeistert, als ich in der Mündlichen acht Punkte hatte. Ich erinnere mich aber auch noch gut an die Ängste, die ich während dieser Zeit entwickelte. Würde ich das Abi schaffen? Oder das, was danach kam?

Ich war extrem nervös bei der Notenvergabe, außerdem kam ich aufgrund des superorganisierten Sekretariats zu spät. So wurde der Augenblick, in dem ich meine Note erfuhr, zum schönsten in meinem Leben. 3,1. Da war sogar die versaute Bioprüfung egal.

Du hast ein gutes Gefühl / du denkst an all die schönen Zeiten / es ist fast zu viel / jetzt im Moment neben dir zu stehen / du hast kein klares Ziel / aber Millionen Möglichkeiten / ein gutes Gefühl / und du weißt, es wird gut für dich ausgehen, yeah

(Die Ärzte – Himmelblau)

Nach dem Abiball begann der Ernst des Lebens mit all seinen Herausforderungen. Da wären z.B. mein 18. Geburtstag, die erste Blutspende, bei der ich einen Ohnmachtsanfall hatte, der Auszug von zu Hause und das Auswandern meiner Eltern. Nicht zuletzt habe ich gut zwei Monate nach dem Ball eine Ausbildung angetreten.

Und ich habe so vieles geschafft: die erste Nacht in meinem neuen Zimmer mit drei Lebensmitteln im 16-Personen-Kühlschrank, die Bioexperimente in der Wohnheimküche und zwei Umzüge. Es ist gut, Herausforderungen zu meistern, das gibt unheimlich viel Selbstbewusstsein. Da schaffe ich die Abschlussprüfungen und all die langweiligen Schultage, die ich noch vor mir habe, mit links.

Die Abizeit war wunderschön, und das obenzitierte Lied erinnert mich immer wieder daran. Ich denke gerne daran, wie ich kurz vor den Prüfungen zwei Wochen sturmfrei hatte. Wie ich nachts um drei mit meinen Freunden noch eine neue Partie „Spiel des Lebens“ angefangen habe. Wie wir am letzten Schultag nach unserem eigentlichen Biounterricht noch mit den Fünftklässlern Waffeln gebacken und Loriot geguckt haben. Und wie weit ich es seitdem geschafft habe.

„Ja, das war mein Abispruch“, habe ich zu der Frau im Zug gesagt. „Ich habe vor fast zwei Jahren Abi gemacht.“ Ist das echt schon so lange her?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin eine junge Frau, die in der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens studiert und der Liebe wegen recht weit pendelt. Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich arbeite hauptberuflich als Politik- und Pädagogikstudentin. Nebenberuflich als Karla Kolumna eines örtlichen Radiosenders und einiger anderer Medien. Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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  1. Hmmm… Hab ich es übersehen?
    Wie war denn der Abispruch?

    Antwort

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