RSS-Feed

Monatsarchiv: April 2011

Sinnkrise

Veröffentlicht am

Vieles, was ich tue, hat keinen Sinn.

Was soll das bedeuten? Es hat zwei Bedeutungen. Zum Einen bedeutet es, dass ich unheimlich viele Sachen tue, die keinen Sinn ergeben. Soll heißen, die unheimlich dämlich sind. Dazu gehört unter anderem, Sachen hier hochzustellen, die in diesem Blog nicht hätten stehen sollen. Die betreffenden Sachen sind nicht mehr hier enthalten. Ich war wütend, als ich das schrieb, und ich weiß, dass Schreiben ein unheimlich guter Weg ist, emotionales Gepäck loszuwerden. (Oder zumindest leichter erscheinen zu lassen.) Und ich wollte die Sachen mit anderen teilen. Dies hätte ich natürlich nicht online tun sollen. Ich möchte mich hiermit bei allen entschuldigen, denen diese Texte weh getan haben.

Der Eingangssatz hat aber noch mehr Bedeutungen als die, dass ich manchmal unheimlich blöde Fehler mache. Jeder kennt doch die Behauptung von deprimierten Menschen: „Hat doch eh alles keinen Sinn!“ Und da fällt mir grade etwas auf. Der Unterschied zwischen ‚deprimiert‘ und ‚depressiv‘ ist wohl der, dass ‚deprimiert‘ wohl nur etwas Vorübergehendes beschreibt. Ich weiß mittlerweile nicht mehr, auf welcher Seite ich mich befinde.

Stimmungsschwankungen hat wahrscheinlich jeder. Mir sagt man nach, dass ich sie quasi dauerhaft hätte. Und dass ich viel zu empfindlich sei. Das stimmt wohl. Beides. Jeder schwankt in seiner Stimmung, jeder ist mal empfindlich. Nur bei mir ist das wohl nicht mehr normal.

Es geht immer vorbei. Es gibt bei mir noch Augenblicke, in denen ich das Leben wieder genieße und mir bewusst wird, wie viel ich doch habe. Hab ich ja eigentlich auch. Ich bin gesund (jedenfalls nicht unheilbar krank), habe einen tollen Freund, tolle Freunde und eine mich unterstützende Familie. Und dann kommt der nächste Absturz.

Dann kommt es vor, dass ich wegen so Kleinigkeiten weine wie dass das Internet zehn Sekunden lang nicht funktioniert. Und wenn ich mich wieder zusammengerissen habe, frage ich mich, was zur Hölle mit mir los ist.

Woher kommt das alles? Ich habe keine Ahnung. Früher war alles noch schlimmer. Bis ich ungefähr sechzehn war, habe ich jedenfalls nur in meinem Zimmer herumgehangen und gelesen, geschrieben oder ferngesehen. Dann habe ich ein paar Freunde und – was wohl am allerwichtigsten war – meinen Freund dazugewonnen. Das hat einiges verbessert. Aber nicht alles geheilt.

Das Glück ist immer da, wo du nicht bist / du willst immer das, was du nicht kriegst / und du beklagst dich, es ist nicht fair / schön ist nur das, was du verpasst / du brauchst irgendwas, was du nicht hast / du bist nie zufrieden, du willst immer mehr / du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er / du wärst gern jemand anders, Hauptsache irgendwer / Glück gibt es überall, vielleicht auch hier / es liegt an dir / du siehst die Anderen und dich packt die Wut / warum geht es dir schlecht und denen gut? / du fühlst dich einsam, du fühlst dich leer / du gehst an so vielen Dingen achtlos vorbei / für immer Sklave der Angst, nie wirklich frei / mach dir das Leben doch nicht so schwer / du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er / du wärst gern jemand anders, Hauptsache irgendwer / Glück gibt es überall, bestimmt auch hier / es liegt an dir / vielleicht wirst du’s begreifen, irgendwann / und wenn’s so weit ist, bitte denk daran: / Glück ist zerbrechlich, fass es vorsichtig an, wie Porzellan / du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er / du wärst so gern jemand anders, Hauptsache irgendwer / Glück gibt es überall, bestimmt auch hier

(Farin Urlaub – Porzellan)

Es liegt an mir. Ich werde versuchen, das Positive im Leben zu sehen, mein Leben besser zu gestalten und zu sehen, dass es Glück auch hier gibt. Wobei ich einen großen Traum hab, der sich hier nie im Leben erfüllen wird.

Schon immer war es nämlich ein Traum von mir, ins Ausland zu gehen. Ich weiß noch überhaupt nicht, wohin es mich wie lange und wann führen wird. Und auf welche Weise. Meine Eltern und mein Bruder leben in Schweden. Schon eine ganze Weile. Meine ehemalige Nachhilfeschülerin leistet „einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Dar es Salaam in einem Kindergarten ab“. Ein Jahr lang. Eine ehemalige Mitabiturientin ist jetzt mit einer kleinen Unterbrechung seit zwanzig Monaten in Südafrika, war dort unter anderem als Freiwillige, hat das Land bereist. Eine Freundin von mir geht ein Jahr lang in Frankreich zur Schule und hat dort sogar schon das frz. Vorabi mitgeschrieben. Ein paar andere ehemalige Mitabiturienten machen eine ausgedehnte Radtour und sind bis nach Asien gekommen, waren dort sogar schon im Fernsehen… und ich könnte diese Liste ewig weiterführen.

http://tiziaintansania.blogspot.com/

http://phelina.wordpress.com/

http://sonia-en-france.npage.de/

http://my.opera.com/ecstaticray/blog/

Ich beneide obenzitierten Rockstar darum, dass er genug Geld hat, um die Welt zu bereisen und alles kennen zu lernen. Das würde ich auch gern tun. Jedenfalls möchte ich mal rauskommen und in einem anderen Land leben als hier. Ich finde diese Stadt ja ganz schön und das soll auch gern mein Wohnort bleiben, aber mal was anderes zu sehen, wäre echt spitze. Mein Freund hat mich gefragt, ob sich solche Auswanderungswünsche eigentlich vererben. So Unrecht hat er da gar nicht mal.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Advertisements

Alles glänzt so schön neu

Veröffentlicht am

Während ich dies hier schreibe, piepsen draußen die Vögel und die blühenden Bäume grinsen mich aus verschiedenen Gärten an. Ich werde gleich noch einmal rausgehen – mindestens, um den Frühling zu genießen. Ich bin ja nicht gerade jemand, der häufiger rausgeht, aber wenn es draußen so schön ist, tue ich das gern. In den letzten Wochen hatte ich auch immer was zu tun.

Vor zwei Wochen fand hier zum Beispiel der Hochschulball statt. Der war zwar eine relative Enttäuschung, aber der vorbereitende Tanzcrashkurs war sehr lustig. Mein Freund sagte auch, ich hätte ihn nie als führend akzeptiert, den Tanzlehrer dagegen immer. Ich bin eben eigensinnig.

Letzte Woche Donnerstag war ich bei meinem Lieblingskabarettisten. Naja, bei dem ohne furchtbaren Dialekt. Der rheinische Michael Moore, wie ihn die örtliche Tageszeitung betitelte, hat es wirklich drauf, um es mal so zu formulieren. Er schwankt immer zwischen bitterböse und urkomisch. Drei Stunden habe ich den Mund gar nicht mehr zugekriegt vor Lachen und bin am Ende sogar mit einem Autogramm von ihm wieder rausgegangen, stolz wie Oskar.

Er hat ein interessantes Programm am Laufen. Es heißt „Bis neulich“ und besteht aus einer Mischung von neuen und alten Texten, wird laufend aktualisiert. Ich kenne es in mehreren Fassungen, eine ganz gute findet man beispielsweise hier:

Falls ihr dieses Programm demnächst auch besuchen wollt, möchte ich natürlich nicht zu viel verraten. Nur so viel: Katholiken könnten sich ganz schön auf den Schlips getreten fühlen. So ging es jedenfalls der Tante meines Freundes (ich berichtete bereits über sie), und es war bestimmt kein Spaß. Obwohl ich die meisten Bemerkungen schreiend komisch fand, musste ich mich beim Klatschen jedes Mal zurückhalten, um nicht noch mehr „Not-amused-ness“ zu erzeugen. Die Tante saß schließlich direkt neben mir, und das war in dem Fall nicht schön.

Auf jeden Fall war es ein toller und herzerfrischender Abend, und ich freue mich schon darauf, wenn mein anderer Lieblingskabarettist im Oktober hierhin kommt – der mit dem furchtbaren Dialekt.

Nicht so schön ist hingegen, dass ich jetzt erst mal eine Weile nicht mehr Blut spenden darf. Und nein, ich bin nicht ansteckend oder sonstwie schwerkrank – ich habe einen Eisenmangel. Schon lustig, wenn dich der Hämoglobin-Messer drei Mal piekst, weil er einen schönen Eisenwert haben will. In der Zeit werde ich schön fleißig Fleisch, Hülsenfrüchte und Tabletten zu mir nehmen und hoffen, dass ihr alle schön fleißig Blut spenden geht. Es ist nichts dabei – wenn ihr gesund seid, könnt ihr das meist ohne Probleme tun. Und ihr tut damit ein gutes Werk.

Und zum Erholen habe ich jetzt Gott sei Dank erst mal zwei Wochen Zeit. Die sind auch bitter nötig. Quälend langsam sind die Unterrichtsstunden rumgegangen, denn in vielen davon kann man es sich nicht mal leisten, offensichtlich was anderes zu tun, als aufzupassen. Dank Arztterminen und ähnlichem Kram hab ich mir die Wochenenden oft verlängern können, aber das geht jetzt auch nicht mehr so furchtbar oft. In die Zeit von den Weihnachtsferien bis jetzt fallen die furchtbarsten Unterrichtsdiskussionen und einige der schlimmsten Rumzickereien von meinen Klassenmithühnern. Und nicht zuletzt war die Unterrichtsgestaltung manchmal einfach nur mies. Ich will nicht bestreiten, dass Audrey Tautou eine tolle Schauspielerin ist, einer ihrer Filme gehört ja selbst zu meinen Lieblingsfilmen. Aber mittlerweile haben wir uns den VIERTEN Film mit ihr reinziehen müssen. (Und das auch noch ohne Untertitel, wo man die schnell sprechenden Franzosen als Nicht-Muttersprachler doch kaum versteht.) Aber was anderes als Liebesfilme scheint hier ja nicht zu funktionieren. Als ich „Inglourious Basterds“ mitbrachte, wurde der zwar auch geguckt, aber das machte keinen Spaß:

a) Schon nach fünf Minuten jammerten die anderen so stark, dass auf die „deutsche“ Fassung (haha) umgestellt werden musste.

b) Wie üblich wurde an den blödesten Stellen unterbrochen, um auch den Blödesten die Handlung noch mal bis ins Kleinste wiederzukäuen. So nach dem Schema: Zehn Minuten gucken, zwanzig Minuten nacherzählen. Natürlich nicht, ohne zwischendurch mal laut eine Worterklärung reinzurufen, sodass keiner mehr den Film versteht.

c) Ich bin ja selber nicht gerade jemand, der gern Blut sieht, aber es ist schon eine entbehrliche Erfahrung, mit fast zwanzig anderen Mädels in der Klasse zu sitzen und jedes Mal, wenn ein Spritzer roter Körpersaft zu sehen ist, ihr Kreischen in den Ohren zu haben. Bei der Schlussszene durfte ich mir anhören, dass ich ja wohl auf Blut stehe. So ein Blödsinn.

Mittlerweile stöhne ich auf, wenn irgendwo im Unterricht das Wort „Film“ erwähnt wird.

Zum Abschluss hier noch mal meine Version des bekannten Proust-Fragebogens:

Wo möchten Sie leben? Die Stadt, in der ich grade lebe, trifft es schon ganz gut. Korrektur 15. September 2015: Ich habe diese Stadt verlassen, aber der Ort, der danach kam, ist auch nicht schlecht.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Gesundheit.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? Kleine Fehler, so wie Vergesslichkeit und ähnliche.

Ihre liebsten Romanhelden? Marco Stanley Fogg aus „Mond über Manhattan“. Korrektur 15. September 2015: Er ist mir in gewisser Weise zwar ähnlich, aber dass er sich selber verwahrlosen lässt bis hin zum Fast-Tod, ist dumm. Ansonsten fällt es mir schwer, einen geeigneten Helden zu finden.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte? Die Geschwister Scholl.

Ihre Lieblingstiere in der Wirklichkeit? Katzen.

Ihre Lieblingsheld/in in der Dichtung? Nathan der Weise.

Ihr Lieblingsmaler? Habe keinen.

Ihr Lieblingskomponist? Ennio Morricone, der Altmeister der Filmmusik.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? Aufrichtigkeit, Intelligenz, Witz, Charme und Verlässlichkeit.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? Dieselben wie bei einem Mann.

Ihre Lieblingstugend? Gerechtigkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung? Das Schreiben von Texten.

Wer oder was hätten Sie sein mögen? Niemand und nichts anderes – ich bin schon ganz zufrieden damit, in meinem Körper zu stecken.

Ihr Hauptcharakterzug? Meine riesengroße Empfindsamkeit.

Was schätzen Sie bei ihren Freundinnen und Freunden am meisten? Dass die meisten von ihnen immer noch Lust haben, sich mit mir abzugeben, obwohl ich nicht gerade der einfachste Mensch bin, und dass sie immer noch für mich da sind.

Ihr größter Fehler? Ich reagiere auf alles zu empfindlich.

Ihr Traum vom Glück? Gesund, glücklich und für immer an der Seite des Mannes zu leben, den ich liebe.

Was möchten Sie sein? Geduldig, entspannt und gerecht. Und weniger neugierig.

Ihre Lieblingsfarbe? Ein intensives Rot.

Ihre Lieblingsblume? Die Hortensie, die kann ihre Farbe so schön wechseln.

Ihre Lieblingsnamen? Habe keine.

Was verabscheuen Sie am meisten? Ungerechtigkeit und Unaufrichtigkeit.

Welche geschichtlichen Gestalten verabscheuen Sie am meisten? Alle Diktatoren.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten? Schwer zu sagen – ich kenne mich in dem Bereich leider überhaupt nicht aus.

Welche Reform bewundern Sie am meisten? Die Wende.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Heilkraft.

Wie möchten Sie sterben? Kurz und schmerzlos.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? Ganz in Ordnung, denke ich.

Ihr Motto? Schlimmer geht’s immer.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin