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Alles glänzt so schön neu

Veröffentlicht am

Während ich dies hier schreibe, piepsen draußen die Vögel und die blühenden Bäume grinsen mich aus verschiedenen Gärten an. Ich werde gleich noch einmal rausgehen – mindestens, um den Frühling zu genießen. Ich bin ja nicht gerade jemand, der häufiger rausgeht, aber wenn es draußen so schön ist, tue ich das gern. In den letzten Wochen hatte ich auch immer was zu tun.

Vor zwei Wochen fand hier zum Beispiel der Hochschulball statt. Der war zwar eine relative Enttäuschung, aber der vorbereitende Tanzcrashkurs war sehr lustig. Mein Freund sagte auch, ich hätte ihn nie als führend akzeptiert, den Tanzlehrer dagegen immer. Ich bin eben eigensinnig.

Letzte Woche Donnerstag war ich bei meinem Lieblingskabarettisten. Naja, bei dem ohne furchtbaren Dialekt. Der rheinische Michael Moore, wie ihn die örtliche Tageszeitung betitelte, hat es wirklich drauf, um es mal so zu formulieren. Er schwankt immer zwischen bitterböse und urkomisch. Drei Stunden habe ich den Mund gar nicht mehr zugekriegt vor Lachen und bin am Ende sogar mit einem Autogramm von ihm wieder rausgegangen, stolz wie Oskar.

Er hat ein interessantes Programm am Laufen. Es heißt „Bis neulich“ und besteht aus einer Mischung von neuen und alten Texten, wird laufend aktualisiert. Ich kenne es in mehreren Fassungen, eine ganz gute findet man beispielsweise hier:

Falls ihr dieses Programm demnächst auch besuchen wollt, möchte ich natürlich nicht zu viel verraten. Nur so viel: Katholiken könnten sich ganz schön auf den Schlips getreten fühlen. So ging es jedenfalls der Tante meines Freundes (ich berichtete bereits über sie), und es war bestimmt kein Spaß. Obwohl ich die meisten Bemerkungen schreiend komisch fand, musste ich mich beim Klatschen jedes Mal zurückhalten, um nicht noch mehr „Not-amused-ness“ zu erzeugen. Die Tante saß schließlich direkt neben mir, und das war in dem Fall nicht schön.

Auf jeden Fall war es ein toller und herzerfrischender Abend, und ich freue mich schon darauf, wenn mein anderer Lieblingskabarettist im Oktober hierhin kommt – der mit dem furchtbaren Dialekt.

Nicht so schön ist hingegen, dass ich jetzt erst mal eine Weile nicht mehr Blut spenden darf. Und nein, ich bin nicht ansteckend oder sonstwie schwerkrank – ich habe einen Eisenmangel. Schon lustig, wenn dich der Hämoglobin-Messer drei Mal piekst, weil er einen schönen Eisenwert haben will. In der Zeit werde ich schön fleißig Fleisch, Hülsenfrüchte und Tabletten zu mir nehmen und hoffen, dass ihr alle schön fleißig Blut spenden geht. Es ist nichts dabei – wenn ihr gesund seid, könnt ihr das meist ohne Probleme tun. Und ihr tut damit ein gutes Werk.

Und zum Erholen habe ich jetzt Gott sei Dank erst mal zwei Wochen Zeit. Die sind auch bitter nötig. Quälend langsam sind die Unterrichtsstunden rumgegangen, denn in vielen davon kann man es sich nicht mal leisten, offensichtlich was anderes zu tun, als aufzupassen. Dank Arztterminen und ähnlichem Kram hab ich mir die Wochenenden oft verlängern können, aber das geht jetzt auch nicht mehr so furchtbar oft. In die Zeit von den Weihnachtsferien bis jetzt fallen die furchtbarsten Unterrichtsdiskussionen und einige der schlimmsten Rumzickereien von meinen Klassenmithühnern. Und nicht zuletzt war die Unterrichtsgestaltung manchmal einfach nur mies. Ich will nicht bestreiten, dass Audrey Tautou eine tolle Schauspielerin ist, einer ihrer Filme gehört ja selbst zu meinen Lieblingsfilmen. Aber mittlerweile haben wir uns den VIERTEN Film mit ihr reinziehen müssen. (Und das auch noch ohne Untertitel, wo man die schnell sprechenden Franzosen als Nicht-Muttersprachler doch kaum versteht.) Aber was anderes als Liebesfilme scheint hier ja nicht zu funktionieren. Als ich „Inglourious Basterds“ mitbrachte, wurde der zwar auch geguckt, aber das machte keinen Spaß:

a) Schon nach fünf Minuten jammerten die anderen so stark, dass auf die „deutsche“ Fassung (haha) umgestellt werden musste.

b) Wie üblich wurde an den blödesten Stellen unterbrochen, um auch den Blödesten die Handlung noch mal bis ins Kleinste wiederzukäuen. So nach dem Schema: Zehn Minuten gucken, zwanzig Minuten nacherzählen. Natürlich nicht, ohne zwischendurch mal laut eine Worterklärung reinzurufen, sodass keiner mehr den Film versteht.

c) Ich bin ja selber nicht gerade jemand, der gern Blut sieht, aber es ist schon eine entbehrliche Erfahrung, mit fast zwanzig anderen Mädels in der Klasse zu sitzen und jedes Mal, wenn ein Spritzer roter Körpersaft zu sehen ist, ihr Kreischen in den Ohren zu haben. Bei der Schlussszene durfte ich mir anhören, dass ich ja wohl auf Blut stehe. So ein Blödsinn.

Mittlerweile stöhne ich auf, wenn irgendwo im Unterricht das Wort „Film“ erwähnt wird.

Zum Abschluss hier noch mal meine Version des bekannten Proust-Fragebogens:

Wo möchten Sie leben? Die Stadt, in der ich grade lebe, trifft es schon ganz gut. Korrektur 15. September 2015: Ich habe diese Stadt verlassen, aber der Ort, der danach kam, ist auch nicht schlecht.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Gesundheit.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? Kleine Fehler, so wie Vergesslichkeit und ähnliche.

Ihre liebsten Romanhelden? Marco Stanley Fogg aus „Mond über Manhattan“. Korrektur 15. September 2015: Er ist mir in gewisser Weise zwar ähnlich, aber dass er sich selber verwahrlosen lässt bis hin zum Fast-Tod, ist dumm. Ansonsten fällt es mir schwer, einen geeigneten Helden zu finden.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte? Die Geschwister Scholl.

Ihre Lieblingstiere in der Wirklichkeit? Katzen.

Ihre Lieblingsheld/in in der Dichtung? Nathan der Weise.

Ihr Lieblingsmaler? Habe keinen.

Ihr Lieblingskomponist? Ennio Morricone, der Altmeister der Filmmusik.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? Aufrichtigkeit, Intelligenz, Witz, Charme und Verlässlichkeit.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? Dieselben wie bei einem Mann.

Ihre Lieblingstugend? Gerechtigkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung? Das Schreiben von Texten.

Wer oder was hätten Sie sein mögen? Niemand und nichts anderes – ich bin schon ganz zufrieden damit, in meinem Körper zu stecken.

Ihr Hauptcharakterzug? Meine riesengroße Empfindsamkeit.

Was schätzen Sie bei ihren Freundinnen und Freunden am meisten? Dass die meisten von ihnen immer noch Lust haben, sich mit mir abzugeben, obwohl ich nicht gerade der einfachste Mensch bin, und dass sie immer noch für mich da sind.

Ihr größter Fehler? Ich reagiere auf alles zu empfindlich.

Ihr Traum vom Glück? Gesund, glücklich und für immer an der Seite des Mannes zu leben, den ich liebe.

Was möchten Sie sein? Geduldig, entspannt und gerecht. Und weniger neugierig.

Ihre Lieblingsfarbe? Ein intensives Rot.

Ihre Lieblingsblume? Die Hortensie, die kann ihre Farbe so schön wechseln.

Ihre Lieblingsnamen? Habe keine.

Was verabscheuen Sie am meisten? Ungerechtigkeit und Unaufrichtigkeit.

Welche geschichtlichen Gestalten verabscheuen Sie am meisten? Alle Diktatoren.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten? Schwer zu sagen – ich kenne mich in dem Bereich leider überhaupt nicht aus.

Welche Reform bewundern Sie am meisten? Die Wende.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Heilkraft.

Wie möchten Sie sterben? Kurz und schmerzlos.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? Ganz in Ordnung, denke ich.

Ihr Motto? Schlimmer geht’s immer.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin eine junge Frau, die in der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens studiert und der Liebe wegen recht weit pendelt. Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich arbeite hauptberuflich als Politik- und Pädagogikstudentin. Nebenberuflich als Karla Kolumna eines örtlichen Radiosenders und einiger anderer Medien. Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

Eine Antwort »

  1. Wer ist denn der mit dem grauenhaften Dialekt? Der andere ist klar, bei dem war ich auch schon live aber grauenhafter Dialekt könnten bei mir viele sein, wenige davon mag ich

    Antwort

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