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Sinnkrise

Veröffentlicht am

Vieles, was ich tue, hat keinen Sinn.

Was soll das bedeuten? Es hat zwei Bedeutungen. Zum Einen bedeutet es, dass ich unheimlich viele Sachen tue, die keinen Sinn ergeben. Soll heißen, die unheimlich dämlich sind. Dazu gehört unter anderem, Sachen hier hochzustellen, die in diesem Blog nicht hätten stehen sollen. Die betreffenden Sachen sind nicht mehr hier enthalten. Ich war wütend, als ich das schrieb, und ich weiß, dass Schreiben ein unheimlich guter Weg ist, emotionales Gepäck loszuwerden. (Oder zumindest leichter erscheinen zu lassen.) Und ich wollte die Sachen mit anderen teilen. Dies hätte ich natürlich nicht online tun sollen. Ich möchte mich hiermit bei allen entschuldigen, denen diese Texte weh getan haben.

Der Eingangssatz hat aber noch mehr Bedeutungen als die, dass ich manchmal unheimlich blöde Fehler mache. Jeder kennt doch die Behauptung von deprimierten Menschen: „Hat doch eh alles keinen Sinn!“ Und da fällt mir grade etwas auf. Der Unterschied zwischen ‚deprimiert‘ und ‚depressiv‘ ist wohl der, dass ‚deprimiert‘ wohl nur etwas Vorübergehendes beschreibt. Ich weiß mittlerweile nicht mehr, auf welcher Seite ich mich befinde.

Stimmungsschwankungen hat wahrscheinlich jeder. Mir sagt man nach, dass ich sie quasi dauerhaft hätte. Und dass ich viel zu empfindlich sei. Das stimmt wohl. Beides. Jeder schwankt in seiner Stimmung, jeder ist mal empfindlich. Nur bei mir ist das wohl nicht mehr normal.

Es geht immer vorbei. Es gibt bei mir noch Augenblicke, in denen ich das Leben wieder genieße und mir bewusst wird, wie viel ich doch habe. Hab ich ja eigentlich auch. Ich bin gesund (jedenfalls nicht unheilbar krank), habe einen tollen Freund, tolle Freunde und eine mich unterstützende Familie. Und dann kommt der nächste Absturz.

Dann kommt es vor, dass ich wegen so Kleinigkeiten weine wie dass das Internet zehn Sekunden lang nicht funktioniert. Und wenn ich mich wieder zusammengerissen habe, frage ich mich, was zur Hölle mit mir los ist.

Woher kommt das alles? Ich habe keine Ahnung. Früher war alles noch schlimmer. Bis ich ungefähr sechzehn war, habe ich jedenfalls nur in meinem Zimmer herumgehangen und gelesen, geschrieben oder ferngesehen. Dann habe ich ein paar Freunde und – was wohl am allerwichtigsten war – meinen Freund dazugewonnen. Das hat einiges verbessert. Aber nicht alles geheilt.

Das Glück ist immer da, wo du nicht bist / du willst immer das, was du nicht kriegst / und du beklagst dich, es ist nicht fair / schön ist nur das, was du verpasst / du brauchst irgendwas, was du nicht hast / du bist nie zufrieden, du willst immer mehr / du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er / du wärst gern jemand anders, Hauptsache irgendwer / Glück gibt es überall, vielleicht auch hier / es liegt an dir / du siehst die Anderen und dich packt die Wut / warum geht es dir schlecht und denen gut? / du fühlst dich einsam, du fühlst dich leer / du gehst an so vielen Dingen achtlos vorbei / für immer Sklave der Angst, nie wirklich frei / mach dir das Leben doch nicht so schwer / du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er / du wärst gern jemand anders, Hauptsache irgendwer / Glück gibt es überall, bestimmt auch hier / es liegt an dir / vielleicht wirst du’s begreifen, irgendwann / und wenn’s so weit ist, bitte denk daran: / Glück ist zerbrechlich, fass es vorsichtig an, wie Porzellan / du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er / du wärst so gern jemand anders, Hauptsache irgendwer / Glück gibt es überall, bestimmt auch hier

(Farin Urlaub – Porzellan)

Es liegt an mir. Ich werde versuchen, das Positive im Leben zu sehen, mein Leben besser zu gestalten und zu sehen, dass es Glück auch hier gibt. Wobei ich einen großen Traum hab, der sich hier nie im Leben erfüllen wird.

Schon immer war es nämlich ein Traum von mir, ins Ausland zu gehen. Ich weiß noch überhaupt nicht, wohin es mich wie lange und wann führen wird. Und auf welche Weise. Meine Eltern und mein Bruder leben in Schweden. Schon eine ganze Weile. Meine ehemalige Nachhilfeschülerin leistet „einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Dar es Salaam in einem Kindergarten ab“. Ein Jahr lang. Eine ehemalige Mitabiturientin ist jetzt mit einer kleinen Unterbrechung seit zwanzig Monaten in Südafrika, war dort unter anderem als Freiwillige, hat das Land bereist. Eine Freundin von mir geht ein Jahr lang in Frankreich zur Schule und hat dort sogar schon das frz. Vorabi mitgeschrieben. Ein paar andere ehemalige Mitabiturienten machen eine ausgedehnte Radtour und sind bis nach Asien gekommen, waren dort sogar schon im Fernsehen… und ich könnte diese Liste ewig weiterführen.

http://tiziaintansania.blogspot.com/

http://phelina.wordpress.com/

http://sonia-en-france.npage.de/

http://my.opera.com/ecstaticray/blog/

Ich beneide obenzitierten Rockstar darum, dass er genug Geld hat, um die Welt zu bereisen und alles kennen zu lernen. Das würde ich auch gern tun. Jedenfalls möchte ich mal rauskommen und in einem anderen Land leben als hier. Ich finde diese Stadt ja ganz schön und das soll auch gern mein Wohnort bleiben, aber mal was anderes zu sehen, wäre echt spitze. Mein Freund hat mich gefragt, ob sich solche Auswanderungswünsche eigentlich vererben. So Unrecht hat er da gar nicht mal.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin eine junge Frau, die in der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens studiert und der Liebe wegen recht weit pendelt. Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich arbeite hauptberuflich als Politik- und Pädagogikstudentin. Nebenberuflich als Karla Kolumna eines örtlichen Radiosenders und einiger anderer Medien. Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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  1. Pingback: Was ich unbedingt noch machen will | Kitschautorin's Blog

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