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Oh là là

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Viele, die den nächsten Abschnitt lesen, werden sich jetzt sicher fragen, wieso ich mich denn so aufgeregt hab. Aber es muss raus, weil ich wirklich verdammt wütend war.

Natürlich hat man als Lehrperson dafür zu sorgen, dass die SchülerInnen aufpassen. (Ich glaube, in unserem Fall könnte man das „i“ sogar kleinschreiben, weil der einzige Mann aus unserer Klasse fast nie da ist.) Natürlich sollte ich im Unterricht aufpassen. Da mir das allerdings durch einen mittelschweren Eisenmangel erschwert wird, fand ich es nicht ganz so knorke, dass meine ach so hochgeschätzte Französischlehrerin mich genau im Konzentrationstief drannahm, dann rumschimpfte, warum ich nie aufpasse, und mir dann, als ich fragte, wo wir genau sind, einfach stumpf meine Sitznachbarin aufrief. Ich hab ja auch NIE mit Lehrern über meine Gesundheit gesprochen. Ich hätte kotzen können.

Ich war verdammt froh, als ich endlich wieder zu Hause war, und warf sogleich eine DVD ein. Sie enthält diese Aufklärungsserie vom Kika, über die sich zur Zeit alle so aufregen: „Du bist kein Werwolf“. Ich will diese mal stückweise besprechen:

1.) Der Beitrag über das Verstecken einer Erektion war schuld daran, dass ich auf die Serie aufmerksam wurde, denn er wurde in meiner Lieblingsinternetserie Fernsehkritik-TV besprochen. Im Gegensatz zu einigen anderen finde ich es aber grundsätzlich gut, dass so etwas mal im Kinderfernsehen gezeigt wird. Mir gefiel auch die Herangehensweise, wie man versucht hat, den Kindern das Thema „Wie merkt niemand, dass ich eine Erektion habe?“ nahezubringen. Weder versaut noch verkrampft, einfach ganz normal eben.

2.) Die Eingangssituation im Privatsphärebeitrag war mir nur zu vertraut. Ich erinnere mich an unzählige Szenen, in denen mein Freund und ich irgendwie versucht haben, Zeit für uns zu haben, was mir entweder durch meinen kleinen Bruder oder (was viel schlimmer war) durch meine Eltern zunichte gemacht wurde. Die Begründung der Mutter in dem Film, warum der Junge die Tür auflassen soll, wenn seine Freundin da ist, war total daneben, sie bestand lediglich aus dem Wort „Darum!“. (Bin ich froh, dass ich nicht mehr bei meinen Eltern wohne.) Auch die anderen Situationen mit Jens und Carla waren sehr gut nachvollziehbar. Ich fand Wolfmans Erklärungen gut, obwohl der etwas albern daherkam.

3.) Die Selbstversuche waren auch ganz interessant. Wie sich doch alles ändert, wenn man einen ganzen Tag nur lächeln soll. Es ist manchmal schwer, aber es erleichtert auch einiges. Man wird fröhlicher, war auch das Versuchsergebnis der vierzehnjährigen Alicia.

4.) Beim Beitrag über den Haarwuchs fühlte ich mich unweigerlich an die beiden anderen Sendungen erinnert, die Ralph Caspers sonst macht – „Die Sendung mit der Maus“ und „Wissen macht Ah!“. Hochwissenschaftlich und trotzdem sehr gut erklärt. Gleiches gilt für die anderen Beiträge über die jugendliche Anatomie.

5.) Die Pärchengeschichten waren echt süß. Und es scheint relativ realistisch beschrieben zu sein. Sofern man das in dieser Hinsicht behaupten kann.

6.) Ich fand einige Anmerkungen sehr treffend, beispielsweise, dass auch Polygamie angeschnitten wurde. Beim Beitrag über Verhütung mochte ich den Hinweis „einige sind nicht für Jugendliche geeignet, da zu unsicher“. Und den Hinweis, dass das Jungfernhäutchen nicht sicher verrät, ob ein Mädchen bereits Sex hatte, fand ich sehr interessant.

7.) Zu der Erwähnung mit der Nummer gegen Kummer muss ich allerdings sagen, dass das laut meiner Erfahrung nicht unbedingt was bringt. Ständig ist besetzt. Außerdem ist mir aufgefallen, dass uns die Nummer schon in der Vierten gegeben wurde.

8.) Ich habe sehr gelacht, als erklärt wurde, wie man am besten an seinen Schwarm rankommt und dann gesagt wurde: „Vielleicht kann man auch an der körperlichen Reaktion erkennen, ob der andere einen mag.“ Gemeint war eine sichtbare Erektion.

9.) „Männer und Gefühle, Lukas! Das geht!“

10.) Der Kika traut sich tatsächlich, ein Lesbenpärchen zu zeigen? Das ist schon mal ein großer Fortschritt.

Auch wenn es an der Sendung noch ein paar Sachen zu verbessern gibt, so kann ich im Grunde doch nur begrüßen, dass Kika versucht, so mit dem Thema umzugehen. Ich bin persönlich auch für einen offenen Umgang mit Sexualität. Ich hätte mir auch gewünscht, von meinen Eltern aufgeklärt zu werden anstatt von der Sachkundelehrerin in der dritten Klasse. Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, dass ich total verklemmt bin. Ich erinnere mich mit Gruseln an einige alkoholgestützte Abende, in der wir in der Clique über sexuelle Vorlieben diskutiert haben. Mit meiner Mutter habe ich genau zwei Mal über Sex gesprochen: als ich meinen ersten Freund bekam und nachdem ich operiert wurde. Mir ist natürlich klar, dass Sex etwas ganz Normales ist, und ich spiele ja nicht nur am Computer meines Freundes rum. Aber unterbewusst scheine ich wohl immer noch zu denken, dass Sex etwas Schmutziges ist. Wie sonst könnte ich jedes Mal, wenn das Gespräch auf „das Thema“ kommt, so rot werden wie meine Haare und mir wünschen, ich wäre an einem anderen Ort?

Vielleicht hat es aber auch nur mit unserer Gesellschaft zu tun. Man muss kein 83jähriger katholischer Priester sein, um zu denken, dass sie total übersexualisiert ist. Ich hatte mein erstes Mal mit sechzehn. Und wenn man so einigen Leuten Glauben schenken darf, bin ich damit bereits die totale Loserin. Und nicht wenige Menschen geben einem das Gefühl, zurückgeblieben zu sein, wenn man nicht so sexuell aktiv ist wie sie. In letzter Zeit scheint der große Trend ja bei SM zu liegen. Bin ich weniger wert, wenn ich das nicht machen will? Ich denke nein. Scheint aber die Meinung vieler zu sein.

Ich will ich sein. Vor allem in Liebesdingen. Und vielleicht bin ich verklemmt – aber das ist allemal besser, als keine Grenzen zu kennen und bei jeder Zusammenkunft früher oder später das Thema Sex anzuschneiden.

Wir sollten alle da hinkommen, der Meinung zu sein, daß sexuelle Neigung und sexuelle Präferenz letztlich die Privatsache eines jeden von uns ist. Ehrlich, ich will gar nicht wissen, mit wem mein Nachbar schläft.

(Jürgen Domian)

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

Eine Antwort »

  1. Mir hat deiin blogeintrag sehr gut gefallen, auch ich finde einen offenen umgang mit sexualität absolut wichtig. Nur eines fand ich ziemlich daneben QUOTE:“ in letzter Zeit scheint der große Trend ja bei SM zu liegen „, daher wollte ich dazu etwas schreiben.

    SM ist genausowenig eine modeerscheinung wie transexualität oder homosexualität. Natürlich kann es sein das menschen etwas ausprobieren weil zur zeit viel darüber geredet wird. Das sind dann aber keine „echten“ SMer, sondern einfach experimenterfreudige menschen. Es gibt allerdings menschen, und das sind gar nicht so wenige, die stellen bereits in ihrer kindheit fest, das bei ihnen etwas anders ist. Die würde ich als „echte“ SMer bezeichnen.
    Wir haben nachweise darüber zu allen zeiten und in vielen gesellschaften (dort wo keine direkten nachweise vorliegen ist meist allgemein das thema sexualität ein großes tabu, so das es wohl eher versteckt wurde als nicht stattfand) z.b. gibt es altgriechische vasen mit eindeitig SM haltigen motiven, wir fanden römische mosaike, es gibt aus späteren zeiten z.b. das bekannte werk des marquis de sade mit bücher nwie „Die 120 Tage von Sodom“ etc.etc.etc.etc.
    Wissenschaftlich ist kaum erforscht was jemanden zum sexuellen sadisten/masochisten macht, daher ist es schwer definitive aussagen zu machen. Ich weiß aber aus gesprächen das sehr vielen in der selbstreflexion schon sehr früh erste anzeichen zeigten, das bei ihnen etwas anders ist, ganz wie bei transexuellen oder homosexuellen ebenfalls. Aber anders als bei homosexuellen/transexuellen wird diese art der sexualität leider immer noch international als krankheit angesehen ( ICD-10 als „Störung der Sexualpräferenz“ (Schlüssel F65.5). Wir versuchen seit vielen jahren endlich auch die gleiche anerkennung zu erhalten und nicht weiterhin als krank angesehenh zu werden, oder als modeererscheinung. Dennoch macht man in der öffentlichkeit entweder witze über uns oder man wird als pervers abgestempelt. Ein großes problem sind hier leider die medien. Wenn da über das thema BDSM (bondage&discipline bzw Dominant/devot sadism masochism) berichtet wird, dann zu nahezu 100% über professionelle dominas. Stell dir mal vor was für ein eindruck du über normale sexualität hättest, wenn alle informationen die dir zur verfügung stehen dokumentationen über die zustände im puff sind. Ich denke du würdest eine extrem schiefes bild über sexualität bekommen. Ich kenne sehr viele menschen die devot sind, aber mir fällt gerademal exakt einer ein, der schonmal bei einer bezahldomina wahren, und das einmal und nie wieder. Die meißten leben in einer partnerschaft, und BDSM ist teil dieser partnerschaft. Wie diese partnerschaft genau aussieht ist allerdings genauso vielfältig wie bei allen anderen menschen. Wie (fast) alle anderen menschen wollen wir einfach in einer liebevollen partnerschaft leben, in der wir uns selbst verwirklichen können mit allen unseren seiten, ohne sich verstecken oder verbiegen zu müssen. Das ist in unserer jetzigen gesellschaft leider nicht einfach, da man mit vielen vorurteilen zu kämpfen hat. Ich kenne paare denen man die kinder wegnehmen wollte, als die nachbarn ihre sexuellen vorlieben dem jugendamt meldeten. Ist ja logisch, der verhaut gerne seine frau, also macht er das bestimmt auch mit den kindern. Ähnliche probleme hatten homosexuelle früher, wenn der männer liebt betatscht er bestimmt seine söhne. Natürlich haben auch homosexuelle immer noch mit vorurteilen zu kämpfen, aber gottseidank sind sie viel weiter als wir. Das BDSM so viel im licht der öffentlichkeiot steht zur zeit hat auch damit zu tun, das wir uns nicht mehr verstecken wollen, aufklären wollen, unser image verändern wie man so schön sagt.
    Sorry das mein comment so lang wurde. Ich bin dir nicht wirklich böhse über den satz, aber mir ist es wichtig das BDSM endlich ernst genommen wird und anerkannt. Daher verfalle ich manchmal etwas ins predigen, aber ich glaube nur so lkann man aufklärung schaffen. Wenn du oder ein anderer leser fragen hat kann er sich gerne bei mir melden.

    mfg feyn

    Antwort

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