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Analyse eines Traums

Veröffentlicht am

Letzte Nacht habe ich in der Fußgängerzone dem Beginn einer Revolution beigewohnt. Leuchtbomben (oder wie immer man die nennen will) flogen durch die Luft und die Polizisten versuchten, sich mit so Plastikschildern zu schützen. Danach irrte ich durch die kleinen Straßem in der Nähe der Universitätsbibliothek, und mir fiel ein, dass ich noch zur Schule musste. Unterwegs traf ich einen früheren Mitabiturienten (den, der nach Mädchen aussah) und stellte ihm viele Fragen über sein jetziges Leben, aber er wollte mir nicht so recht antworten.

Ich beschloss, die U-Bahn zu nehmen, und ich musste auch nicht so lange warten. Als ich geschubst wurde, beschimpfte ich den Schubser als Arschloch, woraufhin er mich mit einem Messer bedrohte. Die Klinge schrappte bereits über meinen Finger und es blutete nicht zu knapp.

Kurz nach sieben wachte ich auf und dachte: Was soll der Scheiß? Nach drei langweiligen Unterrichtsstunden ist es mir klar geworden.

Sigmund Freud, Arthur Schnitzler und der oben erwähnte Mitschüler haben mir einiges über Traumdeutung beigebracht.Die aufkeimende Revolution bezieht sich nicht etwa auf die weltpolitische Lage oder die Montagsdemos, die hier neuerdings immer stattfinden. Natürlich ist das alles ein Symbol für mein Befinden. Ich bin nicht gewillt, den ganzen Wohnungs-, Schul- und Freundesscheiß, der in meinem Leben so passiert, noch länger hinzunehmen. Wenn das noch länger so weitergeht, lasse ich auch bald Geschosse fliegen. Im Traum irrte ich so wie grad im Real Life auch herum, ohne zu wissen, was ich will. Auf dem Weg zur Schule passiert mir etwas Schlechtes, also sollte ich dort gar nicht erst hin. Und die U-Bahn ist natürlich eine glasklare Anspielung auf meinen Trip nach und durch Düsseldorf, den ich letzte Woche unternahm und der nicht gerade optimal verlief. (Wie sollte es auch anders sein? Meine Heimatstadt verfügt gar nicht über eine U-Bahn.)

Und damit anderen Leuten nicht auch noch so was passiert, hier Kitschis Tipps für einen Kurztrip in eine unbekannte Stadt:

1. Falls ihr in Begleitung fahrt, trefft euch nicht zu früh am Bahnhof. Es ist nicht lustig, vierzig Minuten vor der Ankunft am Gleis zu sitzen und bereits nach zwanzig Minuten nicht mehr zu wissen, was man sagen soll.

2. Nehmt einen Plan mit, der besser ist als die kleinste Auflösung von Google Maps. Ohne gezielt was zu suchen, in der Stadt herumzulaufen, ist schön. Aber spätestens dann, wenn es zum eigentlichen Grund des Trips geht, sollte man über einen ordentlichen Stadtplan verfügen.

3. Nehmt ausreichend zu trinken und zu essen mit.

4. Je größer die Stadt, desto größer muss das Budget sein. Ersatzweise muss man sich bereits zu Hause mit dem, was man normalerweise unterwegs kaufen würde, eingedeckt haben. Siehe Regel 3.

5. Benutzt Kaugummis. Oder wenigstens Minzpastillen.

6. Schaut genau nach, wann welcher Zug zurück in die Heimat fährt. Es ist nicht lustig, zum Bahnhof zu gehen, weil man denkt, es würden ja vor dem anvisierten IC noch andere Züge nach Hause fahren, und dann merken, dass das nicht so ist und man noch viereinhalb Stunden rumkriegen muss.

7. Fahrt nicht nachts zurück.

8. Überlegt euch genau, mit wem ihr fahrt. Von der Wahl der Reisegenossen kann der relative Erfolg der Nacht abhängen.

9. Die Polizei ist (zumindest in den meisten Fällen) immer noch euer Freund und Helfer.

Ich habe jedenfalls eins gelernt: Ich werde alles tun, damit ich nicht noch mal so ein Wochenende wie das vorletzte erlebe. Gemeinhin zähle ich ja die Zeit nach dem Schulschluss am Freitag schon dazu, und da mir netterweise gesteckt wurde, dass meine Mithühner aus Gründen, die ich jetzt hier nicht näher erläutern will, sich hinter meinem Rücken das Maul über mich zerrissen haben, endete mein Schultag für mich zwei Stunden früher. Ich glaube, nach solch einer Entdeckung will niemand mehr in der Klasse sitzen. Man könnte sich eh nicht konzentrieren. Unter normalen Umständen hätte ich den Kurztrip auch noch abgeblasen, aber ich hatte ja so arschviel Geld für die Zugkarten ausgegeben.

Ich konnte den Freitagmittag nicht genießen, ich konnte die Fahrt in die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens nicht genießen, und nach dem Trip war ich so fertig, dass ich grad mal Frühstück essen und ins Bett fallen konnte. Den Samstag habe ich dann zu großen Teilen verschlafen, aber immerhin war in der verbleibenden Zeit mein Freund nur für mich da.

Naja, das letzte Wochenende war schon um einiges besser. Leider ist es immer viel zu schnell vorbei, aber ich liebe die zweidreiviertel Tage vom Schulschluss am Freitag bis zum Weckerklingeln am Montagmorgen. Es geht doch wirklich nichts über den Augenblick, in dem mein Wirtschaftskundelehrer das Ende der Stunde verkündet und ich die Sachen in Windeseile einpacke, um zum Hauptbahnhof zu gehen und in den Zug zu meinem Freund zu steigen.

Freitag, 13 Uhr – der Countdown läuft wieder. Noch drei Tage, einundzwanzig Stunden und ungefähr fünfundvierzig Minuten. Ich freu mich.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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  1. Die Nacht hätte ich auch wieder Traum analysieren müssen, aber als ich dann heute morgen aufgestanden bin, war das meiste weg. Vielleicht besser – es war unsinnig.

    Wenn ich so deine Beiträge lese, frag ich mich manchmal was alles so schief in deinem Leben geht. Es ist ja nicht alles schlecht, aber wenn man das mit den Mitschülern so liest.

    Aber im nächsten Moment denke ich mir: Bei mir ist/war es auch nicht besser…

    Antwort
    • Ich habe mal gehört, dass man sich an Träume nur dann erinnert, wenn man in einer Traumphase aufwacht.

      Ja, das habe ich mich auch oft genug gefragt. Mittlerweile läuft nicht mehr ganz so viel schief.

      Wieso war es bei dir nicht besser? (Kannst mir auch gern ne Mail schreiben.^^)

      Antwort

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