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Monatsarchiv: Juni 2011

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 3

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Krank sein ist natürlich nie schön. Es gibt aber Länder, in denen man sich zumindest sicher sein kann, dass man auch ohne Geld eine relativ anständige Behandlung erhält. Und es gibt ein Land, in das ich unbedingt mal fahren möchte, aber ich habe Angst davor. Dort dürfte mir nämlich überhaupt nichts passieren. Ich rede natürlich von den USA.

Ich habe schon einiges über die Vereinigten Staaten von Amerika und ihr krankes Gesundheitssystem gelesen, das man in einem Land mit diesen Ausmaßen so gar nicht vermuten würde. Ich finde es schrecklich, dass es anscheinend immer noch nicht funktioniert hat, den Amerikanern ein vernünftiges Gesundheitssystem aufzubauen. Umso mehr hat mich eine Meldung schockiert, die ich am Freitag in der Neuen Osnabrücker Zeitung gelesen habe. Demnach hat ein arbeitsloser Amerikaner eine Bank überfallen, nur damit er im Gefängnis wieder krankenversichert ist. Leider habe ich den Artikel auf der Internetseite der NOZ nicht wiederfinden können, aber ich habe einen anderen Artikel zum selben Thema hier wiederentdeckt:

http://www.suite101.de/content/der-bankraeuber-dem-ein-dollar-genuegte-a116375

Er wollte ins Gefängnis, weil ihm dort im Gegensatz zur Freiheit kostenlose medizinische Versorgung gewährt wird. Er ist bettelarm, bis zur Medicare (staatl. Krankenversicherung für Rentner) sind es noch drei Jahre und sein Körper quält ihn.

Hier sieht man richtig deutlich, was mit der amerikanischen Krankenversorgung los ist. Eine Reform wäre dringend nötig, aber es gibt noch immer 16 Prozent Amerikaner, die nicht krankenversichert sind. Unter anderem deswegen, weil einige republikanische Hardliner immer noch der Meinung sind, so etwas sei der erste Schritt in den Kommunismus. Ich möchte ihnen zurufen: Sagt mal, habt ihr sie noch alle?! Es gibt Leute, die gestorben sind, weil ihr ihnen keine angemessene medizinische Versorgung gewährt – mit solch bescheuerten Begründungen? Große Teile von Obamas Gesundheitsreform greifen noch nicht. Es wird höchste Zeit.

Der Bankräuber, dem ein Dollar genügte, wird übrigens nicht wegen Bankraubs angeklagt, sondern wegen Diebstahls. Dies bedeutet also, dass er im Falle einer Inhaftierung nicht die Zeit bis zur Medicare, sondern allenfalls bis nächsten Herbst überbrücken könnte. Bleibt zu hoffen, dass bis dahin eine vernünftige Lösung für ihn gefunden wurde. Und für die anderen rund 46 Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung.

Wen das Thema interessiert, der kann hier weiterlesen:

http://www.neon.de/kat/sehen/gesellschaft/211713.html

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 2

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http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/guttenberg-will-offenbar-auswandern/

Unser ehemaliger Verteidigungsminister möchte ein Sabbatical machen. Er hat beschlossen, dass er hier kein Bein mehr auf die Erde kriegt und will deswegen mit seiner unsäglichen Frau und den Kindern eine Weile ins Ausland verschwinden. Auf Englisch würde man dazu übrigens „to take French leave“ sagen, für alle Frankreichhasser unter uns.

Ich weiß nicht, ob er noch Chancen in der Politik hätte, nach dem Mist, den er verzapft hat. Interessant wird jedenfalls, ob man sich nach den mindestens zwei geplanten Rückzugsjahren noch an ihn erinnert. Vielleicht ja – er war schließlich eine bedeutungsvolle Persönlichkeit, die Engländer sagen dazu schön doppelbödig „a memorable experience“. (Ja, ich habe vor fünf Tagen meine schriftliche Englisch-Abschlussprüfung hinter mich gebracht.) Erst war er ein als total charismatisch gehandelter Politiker und auf die Nachricht, dass er seine Doktorarbeit total selbst zusammenkopiert hat, folgte der Absturz. Absurderweise feierten ihn die Kommunisten dafür, weil er angeblich den „kapitalistischen Begriff geistigen Eigentums außer Kraft gesetzt hat“ oder so.

Quelle: engl. Wikipedia

Würde ich an seiner Stelle ins Ausland abdampfen? Wahrscheinlich schon, aber ich bin (das gebe ich gern zu) eine total empfindliche Tussi. Das ist jedenfalls das erste Mal, dass ich bewusst mitkriege, dass ein Mist gebaut habender Politiker ins Ausland abdampfen will. Dabei sind Leute, die schon viel Schlimmeres gemacht haben, in seiner Partei immer noch relativ groß geworden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Wiesheu

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 1

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Auch wenn es bis jetzt noch nicht den Anschein gehabt haben mag (ist das grammatikalisch richtig?), ich bin jemand, der sich im Grunde sehr für Politik interessiert. Ich verfolge die Nachrichten, und das mit Interesse. Und da ich immer mal wieder über interessante Nachrichten stolpere, sei es bei Twitter oder in der Tagesschau, möchte ich an dieser Stelle den Beginn einer neuen Reihe ausrufen:

Kurz kommentiert (mehr oder weniger)

In dieser Reihe geht es darum, dass ich zu aktuellen Ereignissen mehr oder weniger meinen Senf dazugebe. Inspiriert ist der Titel von meiner Lieblingsinternetserie „Fernsehkritik-TV“, in der es eine Ecke „Kurz kommentiert“ für kurze Abhandlungen zu aktuellen fernsehmäßigen Themen gibt.

Den Anfang macht ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung zum ersten G8-Abitur: http://www.tinyurl.com/5toprt3

Ich war schon immer eine Gegnerin des G8-Abiturs und dieser Artikel hat mich  in meiner Meinung bestärkt. Die bayerischen Abiturienten konnten ja nur im großen Stil danebenlangen. Es ist einfach verdammt hart, wenn du enorm lange in der Schule sitzt und Themen in deinen Kopf bimsen musst, die du noch gar nicht verstehst. Da ich eine Klasse übersprungen habe, habe ich auch quasi G8 gemacht – und in der ersten Zeit war es wirklich so, dass ich kaum spielen konnte oder sonst irgendwas, nur lernen. Und ich hatte KEINEN Unterricht bis spätnachmittags.

Außerdem ist es so, dass die frühere Ansetzung mancher Themen einfach schlecht gemacht ist. Mein bester Freund studiert Physik und Chemie auf Lehramt. Ihm ist aufgefallen, dass der radioaktive Zerfall schon recht früh behandelt wird, ohne die konkreten mathematischen Hintergrundkenntnisse, die sich die Schüler erst ein paar Jahre später aneignen.

Der übliche Druck auf Abiturienten wird hier noch verschärft. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Noten bei den nächsten paar Versuchen nicht wieder korrigiert werden müssen.

Als Nächstes möchte ich ein paar Worte zu einem Artikel in der französischen Zeitung „Le Monde“ sagen (http://lemde.fr/jGrNWi), in dem es darum geht, dass die Chefin der Front National (frz. rechtsextreme Partei), Marine Le Pen, sich gegen doppelte Staatsangehörigkeiten ausgesprochen hat. Ich selbst bin eigentlich weder dafür noch dagegen. Ich kann aber durchaus verstehen, wenn jemand meint, er fühle sich eben zwei Staaten angehörig.

Das Thema scheint dadurch gewisse Brisanz zu gewinnen, dass einige Franzosen meinen, Frankreich habe Probleme mit Einwanderern. Laut eines im Artikel auftauchenden und meiner Meinung nach recht zutreffenden Zitats aber nicht mit allen:

Eine große Anzahl unserer Mitbürger sind aufgrund ihrer Familiengeschichten oder ihrer zufälligen Geburtsorte französisch und deutsch, französisch und schweizerisch, französisch und amerikanisch. Sind das die Leute, die die FN dazu zwingen will, sich dazu zu entscheiden, französisch zu sein? Natürlich nicht.

(Nathalie Koscuiko-Morizet, „Le Front antinational“. Übersetzung von mir.)

Dies soll es dann erst mal gewesen sein. Kommt Zeit, kommen mehr Nachrichten (und dann auch mehr Artikel für diese Reihe). Und noch eins geb ich euch mit auf den Weg, was ich auch schon auf Twitter verkündet habe (dort heiße ich gdrbaby): Geht Blutspenden. Auch ohne Ehec hat man viel zu wenig Konserven.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin