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Gegirlter Mist

Veröffentlicht am

Neulich verriss ich ja schon mal Jugendzeitschriften und weil das so viel Spaß gemacht hat, tue ich das jetzt noch mal.

Die Bravo Girl präsentiert nach einer Anzeige, die mit einem echt augenkrebsartigen Motiv versucht, Katy Perrys Parfüm zu bewerben, wieder einen Haufen Belanglosigkeiten und Müll. Den Anfang macht die übliche „Wir-schreiben-weiblichen-Teenagern-vor-welchen-Schrott-sie-kaufen-sollen“-Rubrik: „Das ist IN – das ist OUT“.

Was ist in / was ist out / die Frage ist doch falsch gestellt / wirklich in / für alle Zeit / sind Liebe und Frieden auf der Welt

Doch es gibt ein Novum auf der Seite! Bezüglich der weltbewegenden Frage, ob Strapse

cool oder mega-bäh

sind, werden die Leserinnen nach ihrer Meinung gefragt! Wow, anstatt direkt etwas vorzuschreiben, wollen die Bravo-Girl-Macher doch tatsächlich wissen, was ihre Kundinnen denken. Muss ich jetzt mein Weltbild ändern? Anscheinend nicht, denn schon auf der nächsten Seite wird der „Frisuren-Klau“ von Cheryl Cole mit folgenden Worten als „out“ betitelt:

 Den Frisuren-Klau à la Marge Simpson finden wir total uncool. Mensch Cheryl, such dir doch deinen eigenen Stil!

Wie schon gesagt, eigentlich müssten die Redakteure an einer Ironieüberdosis sterben. Zumal Cheryl Cole sich erscheinungstechnisch bei niemand anders bedienen darf, die Bravo-Girl-Macher aber schon.

Die Frau ohne Gesichtsausdrücke ist bei der Zielgruppe wohl immer noch ein sehr beliebter Star, deswegen werfe ich jetzt mal insgeheim den Twilight-Zähler an und weiter geht’s.

Die nächste Rubrik ist ganz praktisch. Falls Jungs nicht wissen, wie sie sich zu verhalten haben, können sie immer noch Nick fragen, denn der weiß zum Beispiel, wie Jungs Weihnachtsmärkte finden.

 Wie würde das denn kommen, wenn man einem Kumpel erzählen würde, dass man gestern einen ausgiebigen Spaziergang über den Weihnachtsmarkt mit anschließender Keks-Verköstigung unternommen hat? Es wäre mega-peinlich.

Ja. Mega-peinlich. Wenn man solche Freunde hat.

In einem etwas kleineren Artikel rät er einer Vierzehnjährigen, die sich in ihren Mathelehrer verliebt hat, nach einem anderen zu suchen.

 Gibt es da nicht einen coolen in der Parallelklasse?

Warum wird Mädchen eigentlich schon seit Jahrzehnten nahegelegt, dort nach Knutsch- und Fickpartnern zu suchen? Das Nächste ist nicht immer das Beste, was sich bestätigt, wenn ich mir mal die Leute aus meiner alten Parallelklasse anschaue.

Rihanna sieht in der Anzeige aus, als würde sie sich vor dem Fan, den sie da im Arm hat, ekeln, wenn man sich mal die Pommesgabel wegdenkt. Aber das ist immer noch schöner als das, was als Nächstes kommt. Vorsicht bei den Partyoutfits, die da beworben werden und laut Überschrift bei einem Preis von 28 Euro anfangen. Der Durchschnittspreis liegt bei 61,72 Euro und das billigste Outfit ist natürlich weit hinten im Artikel versteckt. Außerdem bestehen viele Outfits aus nicht viel mehr als einem ärmellosen Kleid.

Selbstverständlich ist es für weibliche Wesen zwischen 13 und 19 das Allerwichtigste, zu wissen, wie Jungs ticken, damit sie sich ihnen optimal und bedingungslos unterordnen können, daher erfährt man hier, was sich Jungs zu Weihnachten wünschen, und nebenbei auch noch, was sie selber verschenken.

 Hätte ich eine Freundin, dann würde ich ihr wahrscheinlich eine hübsche Kette, einen Armreif oder einen Anhänger schenken. Girls stehen doch auf Schmuck, oder?

Flo, du gnadenloser Frauenversteher, du hast uns so durchschaut.

 Ich wünsche mir von meiner Süßen dieses Jahr eine weiße „Ice-Watch“. […] Ich hab ihr jetzt so oft von meinem Wunsch erzählt, dass sie eigentlich gar keine andere Wahl mehr hat. Fies, oder? Ich bin ihr aber auch nicht böse, wenn es nicht klappt.

„Nein, Schatz, ich bin dir nicht böse, dass du mir keine Ice-Watch geschenkt hast. Nein, Schatz, Melanie und ich haben überhaupt nichts miteinander.“

Und damit die Weihnachtszeit für die Mädels so richtig schön wird, kriegen sie Tipps, wie sie im Winter Kalorien verbrennen können. So passen sie endlich in die von ihrer Lieblingszeitschrift empfohlenen Klamotten (die es in vielen Läden ja nur in Minigrößen gibt. Was war eigentlich zuerst da: das Huhn oder das Ei?).

Ich war früher ziemlich unglücklich, weil ich relativ lange keinen Freund hatte. Wenn ich mir die unzähligen Liebesgeschichten aus Mädchenzeitschriften angucke, weiß ich auch, warum. Wahrscheinlich hätte meine Mutter eher die Geschichtsseiten rausreißen sollen, die waren wohl viel schädlicher für mich. Hoffentlich kommen die Macher noch auf den Trichter, dass frau auch ohne Partner glücklich sein kann. Oder verarbeiten die da nur eigenen Frustrationen?

Wie üblich gibt es auch zwei Seiten soziales Gewissen, heute in Form eines Mädchens aus einer armen Familie, die sich beklagt, dass sie gemobbt wird, weil sie arm ist. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass die bekannten Mädchenzeitschriften mit ihrem Kauf-dir-alles-Mögliche-Wahn dazu beigetragen haben.

Später kehrt man dann zum Alltagsgeschäft zurück und erklärt den Leserinnen, wie sich Jungs in sie verlieben. (Meiner Meinung nach nie, denn Jungs stehen auf Mädels mit Hirn.) Beim Abschnitt „Locker bleiben“ habe ich mich fast angepinkelt vor Lachen.

 Das Traumgirl-Prinzip aus Jungs-Sicht ist ganz einfach: Du sollst wie ihr bester Kumpel sein, nur dazu noch sexy. Sprich, er will mit dir kuscheln und küssen, aber eben auch abhängen, freundschaftlich raufen und mal einen Witz auf deine Kosten machen können. […] Klingt einfach, oder? Ist es auch!

Ja. Einfach bescheuert. Das Prinzip „Freundschaft + Sex = Liebe“ habe ich schon vor mindestens vier Jahren als falsch entlarvt. Und wieso sprang mir eigentlich grad die ganze Zeit das Wort „Ficken“ durch die Gedanken?

Auf Seite 64 befindet sich ein Artikel, der inspiriert von einer Internetseite Stars mit bellenden Doppelgängern vergleicht. Natürlich sehen die abgebildeten Hunde ihren Stars überhaupt nicht ähnlich, obwohl das behauptet wird. Ich musste da aber an eine andere Internetseite denken: www.catsthatlooklikehitler.com Bezüglich Justin Bieber und seinem caninen Lookalike heißt es:

 Bei so viel Coolness können wir uns kaum entscheiden, wer der Coolere von beiden ist.

Ich schon. Der Hund. Der Kristen-Stewart/Twilight-Zähler liegt übrigens überraschenderweise nur bei drei Stück.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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  1. Also ich weiß nicht so recht, bei uns auf der Uni verabreden sich regelmäßig alle möglichen Leute auf dem Weihnachtsmarkt … 😛 und warum auch nicht?^^

    Antwort
  2. Der Teil mit dem Traumgirl-Prinzip, klingt als hätten Heteromänner ein Problem, welches ihnen erst dann klar wird, wenn sie alt genug sind um sich nicht mehr vor Homosexualität zu fürchten.

    Eigentlich egal, nach der oben von Bravo-Girl beschriebenen Regel sind sich die meisten Männer ohnehin ihr eigener bester Freund.

    Antwort
  3. Ich denke mir oft: So ein Unsinn könntest du auch schreiben und dein Geld verdienen. In meiner Elternzeit habe ich angefangen Sturm der Liebe anzuschauen. (Asche auf mein Haupt)… Das ist aber sooooo lustig! Sowas könnte ich auch schreiben…

    Antwort

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