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Monatsarchiv: Juni 2012

Noch mehr Zonenkram

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Heute früh las ich auf der Internetseite der taz einen Artikel über ein Vorhaben der CDU Sachsen-Anhalt (http://www.taz.de/CDU-Programm-zum-Kinderkriegen/!96232/). Es geht darum, dass sie ein Ehestandsdarlehen nach DDR-Vorbild wieder einführen wollen. Frisch verheiratete Paare sollen ein zinsloses Darlehen über 5000 Euro bekommen. Mal abgesehen davon, wie bescheuert ich diesen Plan finde, wunderte ich mich auch sehr über das im Artikel verwendete Wort “Abkindern”. Das bedeutet, dass man die abzuzahlende Kreditsumme mit Kinderkriegen mindern kann (dies soll übrigens auch beim “neuen” Darlehen der Fall sein). Das Nachschlagen dieses Wortes führte mich zum Wikipedia-Artikel “Sprachgebrauch in der DDR”, wo ich einige andere schöne Wörter fand, die ich hier jetzt auflisten möchte.

akrobatischer Volkstänzer – offizieller Sprachgebrauch für “Breakdancer”. (Interessant, diese Vermeidung von Anglizismen. Gibt es ja heute auch noch, nur unter anderen Vorzeichen.)

Asche – umgangssprachlich für “Nationale Volksarmee”. (Kann mir jemand erklären, woher der Ausdruck kommt? Ich habe keinen blassen Schimmer.)

Berlinverbot – umgangssprachlich für eine „Aufenthaltsbeschränkung“ nach §§ 51f. DDR-StGB für das Gebiet der „Hauptstadt der DDR“

Blaue Eminenz – ironische Bezeichnung für Margot Honecker, wegen ihrer blau-violetten Haartönung

Dederon – Handelsname für Polyamid (auch bekannt als Perlon / Nylon), gebildet aus “DDR” und “on)

Erdmöbel – Sarg

Fahrerlaubnis – Führerschein (also auch das Dokument. An dem Wort merkt man gut, wer aus meiner Familie wo aufgewachsen ist. Meine Eltern und Großeltern sagen “Fahrerlaubnis”, ich sage “Führerschein”. Im Osten wurde aus nachvollziehbaren Gründen nicht “Führerschein” gesagt.)

Grilletta – Hamburger

Jahresendprämie – Weihnachtsgeld

Ketwurst – abgewandelte Form des Hot Dogs

Kumpeltod – Trinkbranntwein (32 %) als steuerfreier Deputatlohn für Bergleute

Lokomofeilow – Spaßwort für “Unmöglichkeit”

Rotlichtbestrahlung – spöttische Bezeichnung für politische Indoktrination, in Form von Lehrgängen

Schrottgorod – scherzhaft für Eisenhüttenstadt (vom russischen Wort für “Stadt”)

Schwangerschaftsunterbrechung – Schwangerschaftsabbruch. (Welch Euphemismus. Da konnte eine Schwangere ihr Gewissen damit beruhigen: “Ich breche die Schwangerschaft ja nicht ab, ich unterbreche sie nur.”)

Wunschkindpille – umgangssprachlich für die Antibabypille

Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht, diese Liste zu lesen. Falls irgendwer noch was Interessantes kennt, darf er sich gerne bei mir melden.

Mit sozialistischen Grüßen Smiley mit geöffnetem Mund

Die Kitschautorin

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Eindrücke aus der Zone

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Wegen bürokratischer Angelegenheiten bin ich für ein paar Tage zu meinen Großeltern gefahren. Mit der Bahn ging es von der drittgrößten Stadt Niedersachsens in ein kleines Kaff in relativer Ostseenähe. Interessant ist, dass sich an der vorbeifliegenden Landschaft erkennen lässt, ob man sich bereits auf ostdeutschem Territorium befindet. Eine hohe Dichte an Plattenbauten und kaputten landwirtschaftlichen Gebäuden weist darauf hin. Freitagvormittag habe ich beim Einkaufen noch eine interessante Beobachtung gemacht: Im Supermarkt waren fast nur ältere Leute zu sehen. Mein Freund und ich waren die einzigen jungen Menschen. Der Osten (besonders Meck-Pomm) ist für junge Menschen auch nicht eben die beste Lebensgegend, denke ich.

Meine Großeltern waren und sind nicht wirklich begeistert, was meine Studienpläne angeht. Sie zeigten sich aber interessiert und stellten viele Fragen. Mein Freund, der ja nun schon über dreieinhalb Jahre studiert, konnte mir im Gespräch beispringen. Ich habe überdies von Donnerstag bis Samstag wahnwitzig viel gegessen, glaube ich. Aber über Omas Essen freut man sich immer.

Nicht so sehr über die diversen Aufkleber, die mein Freund und ich bei einem kleinen Spaziergang an Telefonzellen und Straßenlaternen entdeckten. “Kein Ort ohne Neonazis”. Manche Leute machen sich echt die Mühe, das bekannte Klischee über den Osten zu verstärken. Gerade das. Es ist so traurig. Schon beim letzten Besuch hatten wir so viele Nazipappereien entdeckt. Mein Freund und ich haben unser Möglichstes getan, um diesen Dreck zu entfernen. Ich habe mir vorgenommen, für solche Fälle künftig immer was zum Abkratzen oder mindestens zum Übermalen dabei zu haben. Ich hoffe, dass das irgendwann nicht mehr nötig ist.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Solange sie sich benehmen

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Ich bin gerne über die Gegend informiert, in der meine Wurzeln sind, und habe mir deswegen vorhin einen Ausschnitt aus dem “Nordmagazin” (NDR) angeschaut. Es ging um den Festumzug anlässlich des 800jährigen Jubiläums eines Dorfes, bei dem auch Nazis mitmarschiert sind. Ganz offen. Es wurden auch einige Dorfbewohner dazu befragt und ein schon etwas älterer Mann meinte: “Solange sie sich benehmen…”

Mir ist klar, dass man rechtlich gesehen nur bedingt etwas gegen Nazis unternehmen kann, solange sie keine Straftaten begehen. Aber muss man denn immer warten, bis etwas passiert? Ich halte Nazis für brandgefährlich und ihr Gedankengut für gesellschaftsschädlich. Es sollte nicht noch mehr Hass gesät werden, daher finde ich so einen Marsch schlimm genug. Genauso wie diese Egalhaltung des älteren Mitbürgers.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 11

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http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/11/st12/st12196-re03.de11.pdf

Wenn ich heute schon nicht zu einer der zahlreichen Anti-Acta-Demos fahre, schreibe ich wenigstens darüber, um meine Blogleser darüber zu informieren.

Unter oben stehendem Link kann man den Text von Acta nachlesen. Er fängt mit recht viel Geschwafel à la „In der Absicht, die Rechte zu schützen“ an.

Eine Vertragspartei darf in ihrem Recht eine umfassendere Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums festschreiben, als es dieses Übereinkommen vorschreibt, sofern die betreffenden Maßnahmen diesem Übereinkommen nicht zuwiderlaufen. Es steht jeder Vertragspartei frei, die für die Umsetzung dieses Übereinkommens in ihrem eigenen Rechtssystem und in ihrer Rechtspraxis geeignete Methode festzulegen.

Was zur Hölle hat das denn zu bedeuten? Welche Form der Durchsetzung von Rechten hat uns zu erwarten? Ich hätte mir hier eine deutlichere Formulierung erhofft.

Im Artikel 4.1 geht es um Privatsphäre und Offenlegung von Informationen. Dieser Abschnitt beschreibt dezidiert, welche Informationen die Vertragsparteien nicht offenlegen müssen, und wirkt der eigentlich notwendigen Transparenz somit ziemlich entgegen (man sehe sich Artikel 4.1c) an).

Sehr interessant sind auch die Begriffsklärungen aus Artikel 5, in denen zum Beispiel Folgendes extra erwähnt werden muss:

WTO ist die Welthandelsorganisation

Bei der Durchführung der Bestimmungen dieses Kapitels berücksichtigt jede Vertragspartei, dass ein angemessenes Verhältnis zwischen der Schwere der Rechtsverletzung, den Interessen Dritter und den anzuwendenden Maßnahmen, Rechtsbehelfen und Strafen bestehen muss.

Irgendwie schwer zu glauben, wenn man sich die Stelle bzgl. der Durchsetzung von Rechten ansieht.

Auch zum Thema Schadensersatz gibt es einen Abschnitt. Darin geht es unter anderem um die Festlegung der Höhe und das vom Rechteinhaber vorgelegte legitime Wertmaß. Da sehe ich eine große Gefahr der Willkür.

Wir springen etwas weiter und kommen zu Artikel 27:

Jede Vertragspartei sorgt dafür, dass Durchsetzungsmaßnahmen in dem in den Abschnitten 2 (Zivilrechtliche Durchsetzung) und 4 (Strafrechtliche Durchsetzung) bestimmten Umfang in ihrem Recht vorgesehen sind, damit wirksam gegen eine Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums, die im digitalen Umfeld erfolgt, vorgegangen werden kann; dies umfasst auch Eilverfahren zur Verhinderung von Verletzungshandlungen und Rechtsbehelfe zur Abschreckung von weiteren Verletzungshandlungen.

Und was ist damit genau gemeint? Wieder so eine Stelle, die einen ratlos zurücklässt.

Eine Vertragspartei kann in Übereinstimmung mit ihren Rechts- und Verwaltungsvorschriften ihre zuständigen Behörden dazu ermächtigen, einem Online-Diensteanbieter gegenüber anzuordnen, einem Rechteinhaber unverzüglich die nötigen Informationen zur Identifizierung eines Teilnehmers offenzulegen, dessen Nutzerkonto zur mutmaßlichen Rechtsverletzung genutzt wurde, falls dieser Rechteinhaber die Verletzung eines Marken-, Urheber- oder verwandten Schutzrechts rechtsgenügend geltend gemacht hat und die Informationen zu dem Zweck eingeholt werden, diese Rechte zu schützen oder durchzusetzen.

Dies stellt meiner Meinung nach einen gravierenden Eingriff in die Privatsphäre dar. Zwar wird anschließend darauf hingewiesen, dass bei der Einholung von Daten die Privatsphäre geschützt werden soll, allerdings ist dies nicht wirklich gegeben, denn bereits der Verdacht auf Rechtsverletzung stellt einen ausreichenden Vorwand dar.

Im Übrigen tritt Acta laut Abkommenstext erst in Kraft, wenn sechs Unterzeichner ihre Ratifikations-, Annahme- oder Genehmigungsurkunde hinterlegt haben (und dann auch erst nach 30 Tagen). Noch hat dies kein einziges Land getan. Ein Rücktritt tritt übrigens erst nach 180 Tagen in Kraft.

Der Rest des Abkommens ist entweder schwammig oder für Laien recht unverständlich formuliert. Ich hoffe immer noch, dass Acta nicht durchgesetzt wird. Bei der nächsten Demo dagegen wäre ich auf jeden Fall wieder dabei. Ziel ist natürlich, dass es keine nächste geben muss.

Mit hoffnungsvollen Grüßen

Die Kitschautorin

Alltagsgeschäft

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Es kommt selten vor, aber ab und zu hab ich doch noch was zu lachen. Gestern nutzte ich etwas gewonnene Zeit, um in den Sexshop zu fahren. Dort erblickte ich einen wirklich riesigen Dildo (ungefähr so groß wie mein Unterarm), der zur Präsentation ausgestellt war und auf dem ein Zettel mit der Aufschrift „Bitte nicht mitnehmen“ klebte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwer so ein Riesending wirklich benutzen will, aber viele Menschen denken da offenbar anders.

Im Internet ist heute vielerorts zu lesen, dass Miley Cyrus sich verlobt hat. Sie gehörte ja früher zu den prominenten Trägern des Purity Rings – hat ihn aber abgelegt, daran kann’s also nicht liegen. Ich begrüße diese Entscheidung sehr. Mal ehrlich, wer ist heutzutage noch so blöd, einen Schwur über Enthaltsamkeit bis zur Ehe abzulegen? Ich hab nichts dagegen, wenn man noch keinen Sex haben will, aber einen Schwur daraus zu machen, finde ich nicht gut. Und irgendwann vor der Hochzeit SOLLTE man ausprobieren, ob man im Bett miteinander harmoniert, oder es gibt mit großer Wahrscheinlichkeit ein großes Desaster.

Wo wir gerade bei Neuigkeiten aus dem Internet waren: Der Trololo-Mann ist gestorben. Irgendwer kannte den wohl nicht, jedenfalls zeigte eine Mitschülerin ein paar Leuten das entsprechende Lied auf dem Handy. Dies sorgte für einen weiteren amüsanten Moment in meinem Leben: Das Gleiche tat sie nämlich noch mal aus Versehen mitten im Unterricht, was den faden Unterricht etwas aufgelockert hat. Wenn so was noch öfter passiert, halte ich die anderthalb Monate bis zu den Sommerferien wohl doch irgendwie durch.

Zu Hause konnte ich mich dann mit schöneren Sachen beschäftigen und u.a. eine Antwort-E-Mail meines Lieblingsrockstars entdecken (die Leser dürfen gerne raten, wer es denn ist, aber wer mich kennt, weiß das schon). Er war sehr freundlich und hat alle Punkte meiner E-Mail beantwortet. Als ich das im Posteingang gesehen habe, fühlte ich mich wie dreizehn. Ich werde mir die E-Mail gleich ausdrucken und an die Wand hängen. Es war ja schon ein sehr tolles Erlebnis, ihn live zu sehen, als er mit seiner Band zirka hundert Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt auftrat (daher auch die Konzert-Zitate neulich). Den norddeutschen Dialekt hat er sehr schön erklärt. „Moin“, wenn man irgendwelchen Leuten in einer dunklen Straße begegnet und „Moin Moin“, wenn man mit seinem Geschlechtspartner von letzter Nacht am Frühstückstisch sitzt. So isses.

Zum Abschluss noch ein nettes Zitat:

Willst du heiraten, so besinn dich fein / Sonst bekömmst du Essig statt des Wein! (Abraham a Sancta Clara)

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Gedanken beim Lesen der „Mädchen“

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Da ich eh nichts Besseres zu tun habe, bespreche ich heute mal wieder eine schlechte Zeitschrift. Ich war vorhin einkaufen und verspürte fast schon ein merkwürdiges Gefühl des Bedauerns, als ich im Supermarkt meines Vertrauens keine einschlägige Zeitschrift entdeckte. Doch ich musste schließlich nicht leer ausgehen und so gibt es jetzt einen neuen Blogartikel.

Auf der Seite mit dem Inhaltsverzeichnis darf einer der Grafikmenschen der „Mädchen“ in einer kleinen Notiz zu Wort kommen. Er spricht darin über die bevorstehende Fußball-EM. Ich interessiere mich überhaupt nicht für Fußball und ich bin mir todsicher, dass es der Zielgruppe dieser Zeitschrift genauso geht – aber mädchentypisches Fußballanhimmeln mit Schminke, EM-Party und sexy Spielern (ich sollte später Mario Götze als Anschauungsbeispiel entdecken) geht natürlich trotzdem. Dies will wohl zumindest die vor mir liegende Zeitschrift vermitteln.

Auf der nächsten Seite die „bessere (also schlechtere) In-und-Out-Liste“. Und mir blutet das Herz, da ein großer Star wie James Dean mit Flachbirnen wie Justin Bieber verglichen wird. Doch nicht nur der rote Lebenssaft will meinen Körper verlassen, auch die Kotze hat mal wieder ihren großen Auftritt. Lady Gaga ist jetzt out aufgrund folgenden Tweets:

Ich esse Salat und denke an Cheeseburger… Popsängerinnen essen nicht!

Die Meinung der „Mädchen“ dazu:

Da hat wohl jemand seine Vorbildfunktion vergessen!

Man blättere auf die Titelseite zurück und sehe sich eine kleine Ecke in der Mitte rechts an. Kleine Leckereien werden uns da als „süße Sünden“ vorgestellt. Fällt euch was auf?

Außerdem hat man in der Rubrik noch eine Meinungsumfrage, die ja doch nur dazu dienen soll, dass Mädels, die keine eigene Meinung haben, wissen, was sie über das Sex-and-the-City-Prequel oder Daniela Katzenberger denken sollen. Mode gibt es in diesem Druckerzeugnis natürlich wieder im Überfluss. Der Kapitalismus muss ja, wie ich in einem früheren Eintrag bereits feststellte, am Leben gehalten werden. Sogar das Quiz dreht sich um Mode und ich könnte selbst mit Glück höchstens drei Fragen beantworten.

Zum Lachen brachte mich eine Notiz auf Seite 17 („Alles, was dich bewegt“). Dort wird mitmischen.de beworben, das Jugendportal des Bundestages. Ich arbeite ja unter anderem für diese Seite und ich habe das dumpfe Gefühl, dass sich die beiden Zielgruppen nicht gerade überschneiden. Ich muss sagen: Bis jetzt habe ich recht viel soziales Gewissen abgekriegt, allerdings immer so, dass es die geneigte Leserin nicht stören wird und sie weiter über Klamotten, Schminke und Jungs nachdenken kann. Und vielleicht täuscht das ja auch – vielleicht kriege ich ab sofort nur noch Oberflächliches zu lesen. Also weiter.

Beim Test, mit dem man angeblich total viel über sich selbst herausfinden soll, habe ich die Kategorie „Glamour-Girl“ erzielt. Wer mich kennt, weiß: Ich bin das Gegenteil davon. Die Beschreibung trifft auch nicht auf mich zu. Die Frage, welchen Film ich mir gerne wieder anschauen würde, konnte ich gar nicht richtig beantworten – entweder ich hasste die Filme oder hatte sie noch nie gesehen. Es beruhigte mich aber, dass man bei Frage 43 („Was machst du am liebsten auf Facebook?“) auswählen konnte, dass man gar nicht bei Facebook ist. Ich dachte, es geht heutzutage schon gar nicht mehr ohne.

Danach hat man dann eine Bubble-Tea-Werbung mit zwei Gutscheinen, da man ja jedem Trend hinterherlaufen muss, und die übliche Wir-wollen-wissen-was-„Jungs“-denken-Kategorie. Diesmal geht es um Lieblingsfotos. Dazu kann man im Grunde nichts sagen, außer dass ich es sehr lustig fand, dass alle Kerle außer einem Fotos von sich selbst ausgewählt haben. Der darauffolgende Artikel über „Zocken“ ist okay. Allerdings wird erklärt, warum Jungs so gerne zocken (ein Grund ist das Abschalten vom Alltag) und dann kommt die Frage:

Also, Mädels, vielleicht lassen uns die Jungs ja mal mitspielen?

Es gibt Sachen, die immer dabei sind, zum Beispiel das übliche „Will er mich oder nicht?“ und die Peinlichkeitsecke. (Nein, damit meine ich nicht das ganze Heft.) Die ist in Ordnung, auch wenn ich nicht verstehe, wieso das Schwarm-Kirsch-Hinsetz-Desaster als schlimmer eingeordnet wird als die Pfützen-Anspritz-Aktion.

Da frau sich ja nicht den ganzen Tag mit Mode und Jungs beschäftigen kann, auch wenn sie das gerne möchte, wird im Heft der Beruf der Tierpflegerin vorgestellt.  Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass der Beruf nichts für die typische Leserin ist, da man unter anderem Ställe ausmisten, früh aufstehen und teamfähig sein muss.

Die Traumdeutung ist wirklich grandios. Es geht darum, dass die beste Freundin einen plötzlich wie eine Fremde behandelt – und die Traumdeuterin bietet als Lösungen Folgendes an: Es ist tatsächlich etwas vorgefallen, es gibt leichte Unstimmigkeiten und es ist alles in bester Ordnung. Wunderbar. Das wäre ja in etwa so, als wollte ich sagen: Entweder ich gehe heute zur Schule oder ich bleib zu Hause.

Beim Fotoroman lief ich starke Gefahr, zu erblinden. Ich schlug die Doppelseite auf und erblickte elf nackte halbwüchsige Kerle. Mit dreizehn hätte ich mich drüber gefreut. Vier Wochen vor meinem 21. Geburtstag nicht mehr. Über die Abwechslung nach etwas über einer Seite Fotoroman freut man sich auch nicht, da sie aus einem Poster mit der Frau ohne Gesichtsausdrücke besteht.

Wir ziehen uns um – und dann geht die Party richtig los!

Meint ihr nicht eher „aus“, damit ihr dem halbwüchsigen Fußballteam endlich eure Leiber opfern könnt?

In der Ratgeberecke meldeten sich drei Mädchen zu Wort, die in denselben Kerl verliebt waren.

Sag uns doch bitte, wer ihn kriegen darf!

Wenn’s nach mir ginge: keine von euch. Ein anderes Mädel will wissen, mit welchen Stellungen sie den Geschlechtsverkehr interessanter gestalten kann – und sie kriegt mehr oder weniger die Antwort, dass das doch eh völlig egal ist, weil andere Dinge wichtiger sind. Ganz toll.

Eine wichtige Frage stellte sich mir beim Lesen des Horoskops. Wenn das Sternzeichen meines Freundes nicht als Flirtpartner bei meinem Sternzeichen auftaucht, aber andersrum – gilt das dann trotzdem?

Fazit: Es war wieder sehr unterhaltsam und mit vielen Facepalm-Momenten durchsetzt. Wenn ich nicht unter dem Gesichtspunkt einer Lästerei am Zeitschriftenstand gestanden hätte, hätte ich die „Mädchen“ nicht gekauft.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

P.S. Dialog während des Schreibens zwischen mir und meinem Freund:

– Ist Flachbirne ein Wort?

– Ja.

– Okay!