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Gedanken beim Lesen der „Mädchen“

Veröffentlicht am

Da ich eh nichts Besseres zu tun habe, bespreche ich heute mal wieder eine schlechte Zeitschrift. Ich war vorhin einkaufen und verspürte fast schon ein merkwürdiges Gefühl des Bedauerns, als ich im Supermarkt meines Vertrauens keine einschlägige Zeitschrift entdeckte. Doch ich musste schließlich nicht leer ausgehen und so gibt es jetzt einen neuen Blogartikel.

Auf der Seite mit dem Inhaltsverzeichnis darf einer der Grafikmenschen der „Mädchen“ in einer kleinen Notiz zu Wort kommen. Er spricht darin über die bevorstehende Fußball-EM. Ich interessiere mich überhaupt nicht für Fußball und ich bin mir todsicher, dass es der Zielgruppe dieser Zeitschrift genauso geht – aber mädchentypisches Fußballanhimmeln mit Schminke, EM-Party und sexy Spielern (ich sollte später Mario Götze als Anschauungsbeispiel entdecken) geht natürlich trotzdem. Dies will wohl zumindest die vor mir liegende Zeitschrift vermitteln.

Auf der nächsten Seite die „bessere (also schlechtere) In-und-Out-Liste“. Und mir blutet das Herz, da ein großer Star wie James Dean mit Flachbirnen wie Justin Bieber verglichen wird. Doch nicht nur der rote Lebenssaft will meinen Körper verlassen, auch die Kotze hat mal wieder ihren großen Auftritt. Lady Gaga ist jetzt out aufgrund folgenden Tweets:

Ich esse Salat und denke an Cheeseburger… Popsängerinnen essen nicht!

Die Meinung der „Mädchen“ dazu:

Da hat wohl jemand seine Vorbildfunktion vergessen!

Man blättere auf die Titelseite zurück und sehe sich eine kleine Ecke in der Mitte rechts an. Kleine Leckereien werden uns da als „süße Sünden“ vorgestellt. Fällt euch was auf?

Außerdem hat man in der Rubrik noch eine Meinungsumfrage, die ja doch nur dazu dienen soll, dass Mädels, die keine eigene Meinung haben, wissen, was sie über das Sex-and-the-City-Prequel oder Daniela Katzenberger denken sollen. Mode gibt es in diesem Druckerzeugnis natürlich wieder im Überfluss. Der Kapitalismus muss ja, wie ich in einem früheren Eintrag bereits feststellte, am Leben gehalten werden. Sogar das Quiz dreht sich um Mode und ich könnte selbst mit Glück höchstens drei Fragen beantworten.

Zum Lachen brachte mich eine Notiz auf Seite 17 („Alles, was dich bewegt“). Dort wird mitmischen.de beworben, das Jugendportal des Bundestages. Ich arbeite ja unter anderem für diese Seite und ich habe das dumpfe Gefühl, dass sich die beiden Zielgruppen nicht gerade überschneiden. Ich muss sagen: Bis jetzt habe ich recht viel soziales Gewissen abgekriegt, allerdings immer so, dass es die geneigte Leserin nicht stören wird und sie weiter über Klamotten, Schminke und Jungs nachdenken kann. Und vielleicht täuscht das ja auch – vielleicht kriege ich ab sofort nur noch Oberflächliches zu lesen. Also weiter.

Beim Test, mit dem man angeblich total viel über sich selbst herausfinden soll, habe ich die Kategorie „Glamour-Girl“ erzielt. Wer mich kennt, weiß: Ich bin das Gegenteil davon. Die Beschreibung trifft auch nicht auf mich zu. Die Frage, welchen Film ich mir gerne wieder anschauen würde, konnte ich gar nicht richtig beantworten – entweder ich hasste die Filme oder hatte sie noch nie gesehen. Es beruhigte mich aber, dass man bei Frage 43 („Was machst du am liebsten auf Facebook?“) auswählen konnte, dass man gar nicht bei Facebook ist. Ich dachte, es geht heutzutage schon gar nicht mehr ohne.

Danach hat man dann eine Bubble-Tea-Werbung mit zwei Gutscheinen, da man ja jedem Trend hinterherlaufen muss, und die übliche Wir-wollen-wissen-was-„Jungs“-denken-Kategorie. Diesmal geht es um Lieblingsfotos. Dazu kann man im Grunde nichts sagen, außer dass ich es sehr lustig fand, dass alle Kerle außer einem Fotos von sich selbst ausgewählt haben. Der darauffolgende Artikel über „Zocken“ ist okay. Allerdings wird erklärt, warum Jungs so gerne zocken (ein Grund ist das Abschalten vom Alltag) und dann kommt die Frage:

Also, Mädels, vielleicht lassen uns die Jungs ja mal mitspielen?

Es gibt Sachen, die immer dabei sind, zum Beispiel das übliche „Will er mich oder nicht?“ und die Peinlichkeitsecke. (Nein, damit meine ich nicht das ganze Heft.) Die ist in Ordnung, auch wenn ich nicht verstehe, wieso das Schwarm-Kirsch-Hinsetz-Desaster als schlimmer eingeordnet wird als die Pfützen-Anspritz-Aktion.

Da frau sich ja nicht den ganzen Tag mit Mode und Jungs beschäftigen kann, auch wenn sie das gerne möchte, wird im Heft der Beruf der Tierpflegerin vorgestellt.  Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass der Beruf nichts für die typische Leserin ist, da man unter anderem Ställe ausmisten, früh aufstehen und teamfähig sein muss.

Die Traumdeutung ist wirklich grandios. Es geht darum, dass die beste Freundin einen plötzlich wie eine Fremde behandelt – und die Traumdeuterin bietet als Lösungen Folgendes an: Es ist tatsächlich etwas vorgefallen, es gibt leichte Unstimmigkeiten und es ist alles in bester Ordnung. Wunderbar. Das wäre ja in etwa so, als wollte ich sagen: Entweder ich gehe heute zur Schule oder ich bleib zu Hause.

Beim Fotoroman lief ich starke Gefahr, zu erblinden. Ich schlug die Doppelseite auf und erblickte elf nackte halbwüchsige Kerle. Mit dreizehn hätte ich mich drüber gefreut. Vier Wochen vor meinem 21. Geburtstag nicht mehr. Über die Abwechslung nach etwas über einer Seite Fotoroman freut man sich auch nicht, da sie aus einem Poster mit der Frau ohne Gesichtsausdrücke besteht.

Wir ziehen uns um – und dann geht die Party richtig los!

Meint ihr nicht eher „aus“, damit ihr dem halbwüchsigen Fußballteam endlich eure Leiber opfern könnt?

In der Ratgeberecke meldeten sich drei Mädchen zu Wort, die in denselben Kerl verliebt waren.

Sag uns doch bitte, wer ihn kriegen darf!

Wenn’s nach mir ginge: keine von euch. Ein anderes Mädel will wissen, mit welchen Stellungen sie den Geschlechtsverkehr interessanter gestalten kann – und sie kriegt mehr oder weniger die Antwort, dass das doch eh völlig egal ist, weil andere Dinge wichtiger sind. Ganz toll.

Eine wichtige Frage stellte sich mir beim Lesen des Horoskops. Wenn das Sternzeichen meines Freundes nicht als Flirtpartner bei meinem Sternzeichen auftaucht, aber andersrum – gilt das dann trotzdem?

Fazit: Es war wieder sehr unterhaltsam und mit vielen Facepalm-Momenten durchsetzt. Wenn ich nicht unter dem Gesichtspunkt einer Lästerei am Zeitschriftenstand gestanden hätte, hätte ich die „Mädchen“ nicht gekauft.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

P.S. Dialog während des Schreibens zwischen mir und meinem Freund:

– Ist Flachbirne ein Wort?

– Ja.

– Okay!

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Über kitschautorin

Ich bin eine junge Frau, die in der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens studiert und der Liebe wegen recht weit pendelt. Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich arbeite hauptberuflich als Politik- und Pädagogikstudentin. Nebenberuflich als Karla Kolumna eines örtlichen Radiosenders und einiger anderer Medien. Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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  1. Die ganzen armen Bubble-Tea-Läden die mittlerweile alle wieder verschwunden sind ^^

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