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Noch mehr Zonenkram

Veröffentlicht am

Heute früh las ich auf der Internetseite der taz einen Artikel über ein Vorhaben der CDU Sachsen-Anhalt (http://www.taz.de/CDU-Programm-zum-Kinderkriegen/!96232/). Es geht darum, dass sie ein Ehestandsdarlehen nach DDR-Vorbild wieder einführen wollen. Frisch verheiratete Paare sollen ein zinsloses Darlehen über 5000 Euro bekommen. Mal abgesehen davon, wie bescheuert ich diesen Plan finde, wunderte ich mich auch sehr über das im Artikel verwendete Wort “Abkindern”. Das bedeutet, dass man die abzuzahlende Kreditsumme mit Kinderkriegen mindern kann (dies soll übrigens auch beim “neuen” Darlehen der Fall sein). Das Nachschlagen dieses Wortes führte mich zum Wikipedia-Artikel “Sprachgebrauch in der DDR”, wo ich einige andere schöne Wörter fand, die ich hier jetzt auflisten möchte.

akrobatischer Volkstänzer – offizieller Sprachgebrauch für “Breakdancer”. (Interessant, diese Vermeidung von Anglizismen. Gibt es ja heute auch noch, nur unter anderen Vorzeichen.)

Asche – umgangssprachlich für “Nationale Volksarmee”. (Kann mir jemand erklären, woher der Ausdruck kommt? Ich habe keinen blassen Schimmer.)

Berlinverbot – umgangssprachlich für eine „Aufenthaltsbeschränkung“ nach §§ 51f. DDR-StGB für das Gebiet der „Hauptstadt der DDR“

Blaue Eminenz – ironische Bezeichnung für Margot Honecker, wegen ihrer blau-violetten Haartönung

Dederon – Handelsname für Polyamid (auch bekannt als Perlon / Nylon), gebildet aus “DDR” und “on)

Erdmöbel – Sarg

Fahrerlaubnis – Führerschein (also auch das Dokument. An dem Wort merkt man gut, wer aus meiner Familie wo aufgewachsen ist. Meine Eltern und Großeltern sagen “Fahrerlaubnis”, ich sage “Führerschein”. Im Osten wurde aus nachvollziehbaren Gründen nicht “Führerschein” gesagt.)

Grilletta – Hamburger

Jahresendprämie – Weihnachtsgeld

Ketwurst – abgewandelte Form des Hot Dogs

Kumpeltod – Trinkbranntwein (32 %) als steuerfreier Deputatlohn für Bergleute

Lokomofeilow – Spaßwort für “Unmöglichkeit”

Rotlichtbestrahlung – spöttische Bezeichnung für politische Indoktrination, in Form von Lehrgängen

Schrottgorod – scherzhaft für Eisenhüttenstadt (vom russischen Wort für “Stadt”)

Schwangerschaftsunterbrechung – Schwangerschaftsabbruch. (Welch Euphemismus. Da konnte eine Schwangere ihr Gewissen damit beruhigen: “Ich breche die Schwangerschaft ja nicht ab, ich unterbreche sie nur.”)

Wunschkindpille – umgangssprachlich für die Antibabypille

Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht, diese Liste zu lesen. Falls irgendwer noch was Interessantes kennt, darf er sich gerne bei mir melden.

Mit sozialistischen Grüßen Smiley mit geöffnetem Mund

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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  1. „Schwangerschaftsunterbrechung“, was für ein Wort … ich stell mir grad Familie Muster-DDR beim Abendbrottisch vor, Sie zu Ihm „Schaaatz, dieses Jahr passt es mir nicht, lass uns unsere Schwangerschaft doch unterbrechen.“ *Brot mit Messer abhobel* *Mann guckt hoch* „Wieso eigentlich nicht.“ o.O

    Antwort
  2. Da hätt ich noch eine ganz schöne ^^

    rauhfutterfressende Großvieheinheit – Kuh

    Antwort
  3. Ich dachte gerade „Fahrerlaubnis? Ist doch ein ganz normales Wort.“ und dann wurde mir meine Herkunft wieder bewusst.

    Aus dem sozialistischen offiziellen Sprachgebrauch

    antifaschistischer Schutzwall – die Mauer
    Winkelement – was auch immer gegen das Wort Fähnchen sprach
    Jahresendfigur – Engel

    Und eine mögliche Erklärung für die Asche, ich glaube , die NVA-Uniformen waren grau

    Antwort

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