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Monatsarchiv: August 2012

Bücherorgie Teil 3

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Giles Foden – Der letzte König von Schottland

Der Roman ist fiktiv, basiert aber auf wahren Tatsachen. Es bleibt einem die Spucke weg angesichts der Gräueltaten, die im Buch beschrieben werden. Man wird hautnah in menschliche Abgründe mit hineingezogen. Ein tolles Buch – wenn man’s verdauen kann.

Ferdinand von Schirach – Schuld

Für die Kurzgeschichtensammlung gilt so ziemlich dasselbe wie für oben beschriebenen Roman. Der Autor ist ein auf Strafrecht spezialisierter Anwalt und hat viele seiner Erfahrungen in das Werk einfließen lassen. Niemand hat je die Frage nach Schuld und moralischer Verantwortung besser gestellt als in diesem Buch.

Oscar Wilde – Aphorismen

Selten habe ich bei einem Werk gleichzeitig so viel Zustimmung und so viel Ablehnung empfunden. Viele kleine kluge und unkluge Schnipsel sind in “Aphorismen” enthalten. Zwei Kostproben:

Vergnügen, Vergnügen! Was sonst sollte einen irgendwohin führen?

Frauen sollten mit Maßen denken, wie sie alles mit Maßen tun sollten.

Alles in allem habe ich das Teil aber gerne gelesen.

Ted Simon – Jupiters Träume

Das Buch habe ich mir für die Reise ins Baskenland aufgehoben. Und es eignet sich unheimlich gut als Reiselektüre. Das Buch macht Lust darauf, die Welt zu erkunden. Am besten auf einem Motorrad. Am Ende liest es sich zwar, als hätte Ted Simon irgendwann keine Lust mehr gehabt, aber das ist wohl nur verständlich. Ein tolles Buch.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Take me to the hospital

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In letzter Zeit sind mir zwei schlechte Sachen und eine sehr gute Sache passiert. Schlechte Sache Nr. 1: Die Hitze am Sonntag hatte mir so sehr zugesetzt, dass in der darauffolgenden Nacht ein Krankenwagen gerufen werden musste. Das erste Mal ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, juhu. Der Rettungsdienst (Malteser) hat seine Arbeit aber sehr gut gemacht und ich wurde im Krankenwagen sogar gefragt, welche Lieblingsfarbe ich habe, damit man entsprechendes Licht andrehen kann. Was für ein Service. Nachdem ich drei Tropfe bekommen hatte, ging es mir wieder gut und ich konnte wieder nach Hause. Allerdings merkte ich am nächsten Morgen, dass ich immer noch irgendwelche Halternubsis von Messinstrumenten am Körper hatte, und vom Zugang hatte sich so ungefähr meine gesamte linke Handfläche blau gefärbt. (Mittlerweile sieht sie übrigens grün aus.) Es tat echt weh.

Schlechte Sache Nr. 2: Ich hatte den Tag über sehr viel Stress, da ich auf der Suche nach einem Psychotherapieplatz bin. (Warum, tut hier nichts zur Sache.) Ich habe die gesamte entsprechende Abteilung der Gelben Seiten meiner Stadt durchtelefoniert, mit folgendem Ergebnis:

– Ich habe ein Dutzend Erstgespräche, kann aber bis auf ein, zwei Ausnahmen bei keinem Therapeuten mit Therapiebeginn vor Februar rechnen. Wie blöd ist das denn bitte? Man stelle sich mal vor, jemand, der ein dringenderes Problem hat als ich, kriegt so was zu hören. Andererseits hätte so jemand vermutlich auch schneller etwas gefunden. Ich frage mich, woran es liegt, dass man so lange warten muss. Entweder gibt es zu viele therapiebedürftige Leute oder zu wenige Therapeuten oder die Organisation ist bescheuert.

– Wegen der bescheuerten Sprechzeiten der Therapeuten musste ich bestimmt fünfzig Mal den gleichen bescheuerten Satz, der meinen Namen und meine Handynummer enthielt, auf Anrufbeantworter sprechen. Ich wurde dann den Rest des Tages alle fünf Minuten angerufen – meistens nur, damit mir irgendwer sagte, dass er keinen Therapieplatz mehr frei hat oder eine Privatpatientenpraxis betreibt.

Die gute Sache: Ich habe, noch während ich im Baskenland herumhing, die Zusage für meinen Studienplatz gekriegt. Ich werde also ab Oktober Politikwissenschaften und Erziehungswissenschaft im 2-Fächer-Bachelor (oder wie ich meistens sage, weil der offizielle Titel zu lang ist: Politik und Päda) studieren. Zur Zeit hab ich deswegen wahnwitzig viel Papierkram, aber den erledige ich gern, wenn das bedeutet, dass mein Traum wahr wird. Es ist übrigens ein ganz anderes Gefühl, wenn man in eine Uni geht und weiß, dass man dort auch tatsächlich studieren wird. Bis jetzt war ich immer nur wegen meines Freundes da. Ich freue mich schon so – in etwas über einem Monat geht es endlich los.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 13

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http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/brite-tony-nicklinson-locked-in-patient-ist-tot-a-851471.html

Der heutige Teil der “Kurz-kommentiert”-Serie weicht ein wenig von der sonstigen Themensetzung ab, es ist mir aber wichtig, darüber zu berichten. Seit sieben Jahren lebte der Brite Tony Nicklinson mit dem Locked-in-Syndrom. Er war geistig vollkommen fit, körperlich jedoch permanent auf Hilfe angewiesen. Er konnte seinen Zustand nicht mehr ertragen und wollte sich beim Sterben helfen lassen. Der Oberste Gerichtshof in London hat seine Klage abgelehnt. Jetzt ist Tony Nicklinson tot – seit dem Gerichtsurteil hat er die Nahrungsaufnahme verweigert, schnell körperlich abgebaut und schließlich raffte ihn eine Lungenentzündung dahin.

Ich war wirklich traurig, als ich davon auf Twitter erfahren habe. Wer wünscht sich schon, lebendig im eigenen Körper gefangen zu sein? Ich wünsche das niemandem. Ich muss ganz ehrlich zugeben – wenn mir so etwas passieren würde, hätte ich auch den Lebenswillen verloren. Wie inhuman muss die Justiz sein, dass sie Leuten wie ihm das Leiden verlängert? Sein einziger Ausweg aus dieser furchtbaren Situation war es, sich zu Tode zu hungern.

Vor einiger Zeit habe ich von seinem Schicksal erfahren und habe mich u.a. in einigen Unterschriftenaktionen dafür eingesetzt, dass er sich beim Sterben helfen lassen darf. Ich habe auch eine Mail an die örtliche Tageszeitung geschrieben, in der ich darum bat, über Tony Nicklinson zu berichten. Wenige Tage später bekam ich eine Antwort: Man habe schon darüber berichtet. Ich starrte mit totalem Unverständnis auf den Bildschirm meines Laptops. Über Syrien berichtet man bspw. auch nicht nur einmal. Ich fürchte, es gab zu viele Leute, die so dachten wie die eine Redakteurin – andernfalls hätte der Mann vielleicht die Chance auf eine kürzere Leidenszeit gehabt. Möge er in Frieden ruhen.

Tja, so ist das

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Ich bin wieder zurück in Deutschland und erstatte nachfolgend Bericht darüber, was mir auf der Reise passiert ist.

Anreise

Losgeflogen bin ich, wie schon gesagt, von Düsseldorf aus. Der Flughafen ist so groß, dass man sich dort verlaufen könnte. Die Schwebebahn, die vom Bahnhof zum Terminal führte, gefiel mir überhaupt nicht. Ruckartig und wenn ich runterguckte, wurde mir fast schwindelig. Im Warteraum am Gate hatte irgendjemand eine Süddeutsche liegen lassen, die ich gelesen habe.

Im etwa 8324. Interview, das das ZEIT-Magazin mit dem Altkanzler und ZEIT-Mitherausgeber veröffentlichte, […]

Den Satz fand ich sehr lustig. Der Flug war angenehm und ich war erstaunt, dass es den Tomatensaft (ein Getränk, das ich auch außerhalb von Flugzeugen sehr gern trinke) gratis dazu gab. Bei Ryanair sind die Preise gesalzen. Aus Bilbao wurde ich dann von einer Mitreisenden abgeholt und zusammen sind wir mit dem Bus zum Zielort gefahren. Unterwegs habe ich einen Lidl gesehen. Die Globalisierung sorgt irgendwie dafür, dass man sich auf der ganzen Welt wie zu Hause fühlen kann, so mein Eindruck. Es war übrigens cool, den Flughafen von Bilbao, den ich mir vorher bei Wikipedia angeguckt habe, in echt zu sehen. Im Bus wurde “Avatar” angedreht, allerdings auf Spanisch, sodass ich ihn nicht verstand.

Unterkunft

Es war megalaut und teilweise ein Wunder, dass ich überhaupt schlafen konnte. Die berühmte Zeile von Frank Sinatra

I wanna wake up in a city that doesn’t sleep

hätte auch auf uns zutreffen können. In den Apartments gab es Fernsehen, ich hätte aber lieber Türen für BEIDE Zimmer gehabt. Essen mussten wir selbst besorgen. Einen Wecker haben wir nicht gebraucht, da die Straßenreinigung das freundlicherweise für uns erledigt hat. Die war übrigens so eifrig, dass wir eines Tages eine Wasserpfütze bei der Haustür hatten – und zwar drinnen.

Mitreisende

Zu den meisten von ihnen kann man nicht so viel sagen, nett waren sie alle. Aufgefallen ist mir jedoch das enorme Sprachgefälle im Camp. Alle Deutschen und die Österreicherin sprachen super Englisch, der Belgier und der Franzose auch ganz gut (wenn auch mit deutlichem Akzent) und die Russinnen schlecht bis gar nicht. Eine der Russinnen hat gesagt, sie nehme am Camp teil, um ihr Englisch zu verbessern. Das geht aber nicht so gut, wenn man es nie versucht (und auch fast nichts da ist, um darauf aufzubauen). Die beiden Russinnen, die nicht in meinem Apartment untergebracht waren, haben während des jüdischen Gottesdienstes pausenlos getuschelt und an ihren Smartphones herumgespielt, unterhielten sich grundsätzlich nur auf Russisch und hielten die ganze Truppe ständig auf, weil sie alle 20 Meter Fotos von sich machen mussten und ständig zu spät kamen. Der Küchendienst war mit ihnen auch nicht gerade einfach. Ich hoffe mal, dass das nur an den Sprachproblemen lag.

Das Land

In Sichtweite des Busbahnhofs von Bilbao (und auch an der Busroute) gab es viele schöne Berge, die laut meiner österreichischen Mitreisenden aber nur Hügel sind – Bäume obendrauf und eh nicht besonders hoch. Ich habe in meiner Freizeit im Apartment viel ferngesehen und dabei bemerkt, dass alle Nahrungswerbungen mit Gesundheitshinweisen à la “Treiben Sie Sport und achten Sie auf eine gesunde Ernährung” versehen sind. Als wäre Brioche mit Kippen zu vergleichen. Außerdem habe ich auf Canal+ eine coole Sendung entdeckt, die “Zapping de la semaine” (“Zapping der Woche”) heißt und in der interessante Momente aus den vergangenen sieben Fernsehtagen gezeigt werden. (War natürlich sehr olympialastig.) Mit der Gruppe waren wir häufig am Strand, an verschiedenen Orten. Am Strand in der Nähe unseres Aufenthaltsortes konnte man nicht schwimmen, die Wellen waren einfach zu hoch. Ich bin dort nur am Rand langgelaufen und mein Rock war hinterher trotzdem klitschnass. Es hat dort aber trotzdem Spaß gemacht. Die Stadt an sich war sehr schön und wir haben eine interessante Stadtführung (auf Englisch, Gott sei Dank von einem gebürtigen Engländer) erhalten. Der Strand von Acotz hat mir nicht so gut gefallen, da ich meine Füße am heißen Sand verbrannt habe und ich den Rest des Tages nur noch unter Schmerzen gehen konnte. Das Museo San Telmo in San Sebastián kann ich nur bedingt empfehlen (zumindest für die Leute, die weder Spanisch noch Baskisch können), allerdings sollte man sich die Ausstellung über Bildschirme unbedingt ansehen. Der Strand von Socoa war sehr schön und ich habe dort wahnwitzig viele Muscheln gesammelt. Hondarribia hingegen hat mir überhaupt nicht gefallen. Dauernd waren Kanonenschüsse zu hören, weil dort gerade irgendein Fest stattfand, und meine Pizza Bolognese bestand zu 90 Prozent aus Teig.

Die Arbeit

Knüppelhart. Steine freilegen auf einem Friedhof ohne Bäume und das bei bis zu vierzig Grad Hitze. Einer Teilnehmerin ist das Feuerzeug in der Hosentasche explodiert, das sagt wohl alles. Da wurde die Dusche danach zur echten Wohltat. Nur am allerersten Tag musste wegen Regenwetter abgebrochen werden. Man erfuhr jedoch auch viel Interessantes über das jüdische Leben in der Gegend. Beispielsweise sind viele der Grabsteine auf Spanisch oder Portugiesisch verfasst (und viele Tote haben Namen, die so klingen), da die Juden vertrieben wurden. Außerdem habe ich eines Tages einen jüdischen Grabstein entdeckt, der ein falsches jüdisches Sterbedatum trug (es stellte sich irgendwann heraus, dass es doch richtig war), was die Frau etwa 200 Jahre alt gemacht hätte. Der deutsche Betreuer sagte später dazu, dass so etwas oft passierte, weil die Steinmetze die Umrechnung nicht richtig hingekriegt haben.

Sonstige Vorkommnisse

Am Tag nach der Ankunft war mir so schlecht, dass ich nicht mit zum Strand fahren konnte. So was hatte ich vor sechs Jahren schon mal, am Tag nach dem Ankunftstag in der Bretagne. Lange Reisen sind nicht schön, aber dazu gleich noch mehr. Beim ersten Strandausflug, den ich mitmachen konnte, hat eine Teilnehmerin ihre teuren Schuhe einfach irgendwo am Strand liegen lassen und sich hinterher gewundert, dass sie sie nicht mehr wiederfand. Der bereits erwähnte Gottesdienst war sehr interessant, auch wenn ich nichts verstanden habe, da er auf Hebräisch war. Eine Sache kam mir allerdings bekannt vor: Alle geben sich die Hände und sagen zueinander “Schalom Sabbat”.

Rückreise

Die Rückreise erfolgte komplett mit dem Zug. Der TGV ist, soweit ich weiß, ein sehr schneller Zug und hält irgendeinen Geschwindigkeitsrekord, davon habe ich aber nichts gemerkt, als ich mit ihm fuhr. Die zweite Klasse war jedoch sehr komfortabel (Steckdosen und ausklappbare Tische überall). Da Paris nur Kopfbahnhöfe hat, musste ich mit der Métro zum Gare du Nord weiterfahren. Die Station des Bahnhofs Montparnasse ist riesig und hat diese coolen Laufbänder. Am Gare du Nord selbst hatte ich das Vergnügen, zu beobachten, wie ein Haufen Fans und noch mehr Sicherheitsleute an den Eurostargleisen auf das französische Olympiateam warteten. Im Thalys hatte ich eine Sitznachbarin, die allerdings so gut wie gar nicht auf ihrem Platz saß, sondern immer irgendwo anders war, Gott weiß, wo. Ich war sehr froh, wieder in Deutschland zu sein (unter anderem deswegen, weil mein Geld langsam zur Neige ging). Im ICE war es unglaublich ruhig, wahrscheinlich, weil die anderen Passagiere so fertig waren wie ich. Als Reiselektüre diente mir die französische Ausgabe der Neon, die ich am Abfahrtsbahnhof gekauft habe. Ich wollte eigentlich etwas Deutsches lesen, aber es gab nur zwei deutsche Zeitungen – die eine war die Bild, die andere war die Frankfurter Allgemeine vom Vortag. Das fiel also aus. Die französische Neon war aber auch schön.

So weit, so umfangreich. Der nächste Bücherorgienteil kommt demnächst.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin