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Monatsarchiv: November 2012

Lieber arm dran als Bein ab

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Der Titel dieses Blogeintrags ist inspiriert von einer Begegnung, die ich heute im Wartezimmer meines Hausarztes hatte. Ich hatte meine bevorzugte Sitzposition eingenommen: Unterschenkel des einen Beines im rechten Winkel über das andere. Der alte Mann, der kurz nach mir ins Wartezimmer kam, sagte zu mir, als er sich hingesetzt hatte: “Oh, da freue ich mich! Ich hatte ja gerade einen Schreck gekriegt!”

“Wieso denn das?”

“So, wie Sie da sitzen, dachte ich, Ihnen würde ein Bein fehlen!”

Nach dem Arztbesuch musste ich in meiner alten Schule zwecks Abholung irgendwelcher Papiere vorbeischauen. Der Schulleiter erkundigte sich nach meiner Studienwahl und erzählte mir, dass seine Tochter an etwas Ähnliches gedacht hatte. Ich sagte: “Falls sie sich dafür entscheiden wird – sie wird es nicht bereuen.” Als ich zur Tür rausging, fiel mir auf, welch kurzsichtige Aussage das im Grunde war. Ich weiß nicht, ob dem Mädel die Fächer liegen, ob es mit den Profs zurechtkommen würde und ob es nicht einfach total andere Erfahrungen machen würde als ich – trotz möglicherweise gleicher Voraussetzungen wie bei mir.

Heute hatte ich eine Vorlesung, um die herum mir ganz viele Jugendliche über den Weg liefen. Heute war nämlich Hochschulinformationstag. Ich frage mich, was all die Besucher wohl dachten, die durch die Uni und die Fachhochschule schlichen und sich über Studiengänge informieren wollten. Ich fand es richtig süß, wie all die Fast-Erwachsenen durch die Uni stromerten und versuchten, sich zurechtzufinden. Dabei bin ich a) noch gar nicht so alt und b) noch gar nicht so lange Studentin. Ich weiß auch noch sehr gut, wie ich vor genau fünf Jahren, damals war ich in der 12. Klasse und 16 Jahre alt, selber orientierungslos durch die Uniwelt streifte. Ich hatte mir damals Pflege an der FH und Deutsch, Europäische Studien, Englisch und Pädagogik angesehen. Ich wusste damals schon, dass ich irgendwann Pädagogik studieren will. Wofür sich die heutigen Besucher wohl entscheiden werden?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 17

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http://www.tagesschau.de/inland/aufstocker-bundestag100.html

Wenn Leute irgendwo als Leiharbeiter angestellt sind und so wenig verdienen, dass sie dazu noch Geld vom Staat erhalten müssen, ist das bitter. Wenn diese Leute im Bundestag arbeiten, ist das echt arschig. Es geht eindeutig zu weit, dass der Staat, der Gesetze macht, diese unterläuft und den im Artikel erwähnten Leuten nicht genügend Geld zum Leben bezahlt. Ich habe gerade eine E-Mail an Herrn Dr. Lammert, den Bundestagspräsidenten, geschrieben, weil so etwas einfach nicht sein darf.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ein ganz normaler Tag an der Uni

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10 h 09: “Einführung in pädagogische Grundfragen von Erziehung, Bildung und Sozialisation”. Ich sitze mit ein paar hundert Leuten im Hörsaal. Normalerweise gehe ich immer mit einer Freundin hierhin, die Pädagogik als Anwendungsfach hat, doch heute ist sie nicht da. Im Grunde müsste ich an dieser Vorlesung nicht teilnehmen, da der Prof für die von mir zu erreichende Anzahl an Leistungspunkten nur aktive Teilnahme verlangt und nicht einmal auf die Anwesenheit schaut (wäre auch schwer möglich bei ein paar hundert eingetragenen Leuten). Aber ich komme trotzdem gern, denn er ist lustig. Mal sehen, wie es heute wird.

10 h 15: Der Dozent erklärt, dass es keinen anderen Raum geben wird und die Vorlesung auch nicht aufgezeichnet werden kann. Das ist zwar doof, aber es gibt Schlimmeres. Ich bin sowieso immer früher da.

10 h 20: Es ist cool, einem Menschen dabei zuzuhören, wie er mit griechisch-schweizerischem Akzent und einer für die Universität typischen Sprache was über Pädagogik erzählt.

10 h 29: Viele fragen mich, warum ich Pädagogik studiere, wenn ich Journalistin werden will. Eine Antwort könnte man in der heutigen Vorlesung finden. Als Beispiel für Rollendistanz hat der Dozent sich selbst genannt. Zu Hause spricht er Griechisch, unterwegs immer Deutsch. Pädagogik hat halt auch viel mit Gesellschaft zu tun.

10 h 37: “Jede Alltagssituation muss interpretiert werden. Sie alle haben ja sicher solch liebenswürdige Nachbarn, die beobachten, wann Sie rein- und rausgehen. (…) Dazu gibt es ja sogar ein schönes Lied von den Ärzten.”

15 h 03: “Regierungssystem der BRD”. Ich sitze erst seit 2 Minuten wieder im Vorlesungssaal. Leider habe ich die Blutspende nicht ganz so gut vertragen wie beim letzten Mal. Die Liberale Hochschulgemeinde (Veranstalter der Uniblutspende) hat sich aber gut um mich gekümmert, danke noch mal. Der Prof erzählt irgendwas über Verbände. Das Mädel schräg vor mir schläft.

15 h 19: Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum man im Hörsaal schläft. Rein theoretisch kann die da ja machen, was sie will, aber wenn ich pro Monat 130 Euro Studiengebühren bezahle, will ich doch auch was davon haben. Aber vielleicht hat sie ihr Studium ja bezahlt gekriegt, wer weiß.

18 h 43: “Tutorium Niedersachsenwahl”. Der andere Dozent hat gerade 10 Minuten früher Schluss gemacht. Das hätte ich mir schenken können. Die Pause zwischen vorhin und der jetzigen Veranstaltung habe ich mir im Radiosender vertrieben und dort mehr oder weniger fleißig gearbeitet. Im Tutoriumsraum hängt jetzt ein neues Smartboard. Meiner Meinung nach ziemlich unnütz. Der Meinung meiner Hintermänner nach aber immer noch besser als Anti-Rassismus-Flyer, die sich auf die Türsteher der örtlichen Nobeldisco beziehen. Letzte Woche an gleicher Stelle fühlte ich mich übrigens viel kaputter als jetzt. Komische Welt.

19 h 35: Die Tutoren beenden die heutige Veranstaltung. Entweder haben sie keine Lust oder wollen noch mehr Zeit haben, um das neue Smartboard auszuprobieren. Ich jedenfalls mache mich glücklich auf den Heimweg.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin