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Ein ganz normaler Tag an der Uni

Veröffentlicht am

10 h 09: “Einführung in pädagogische Grundfragen von Erziehung, Bildung und Sozialisation”. Ich sitze mit ein paar hundert Leuten im Hörsaal. Normalerweise gehe ich immer mit einer Freundin hierhin, die Pädagogik als Anwendungsfach hat, doch heute ist sie nicht da. Im Grunde müsste ich an dieser Vorlesung nicht teilnehmen, da der Prof für die von mir zu erreichende Anzahl an Leistungspunkten nur aktive Teilnahme verlangt und nicht einmal auf die Anwesenheit schaut (wäre auch schwer möglich bei ein paar hundert eingetragenen Leuten). Aber ich komme trotzdem gern, denn er ist lustig. Mal sehen, wie es heute wird.

10 h 15: Der Dozent erklärt, dass es keinen anderen Raum geben wird und die Vorlesung auch nicht aufgezeichnet werden kann. Das ist zwar doof, aber es gibt Schlimmeres. Ich bin sowieso immer früher da.

10 h 20: Es ist cool, einem Menschen dabei zuzuhören, wie er mit griechisch-schweizerischem Akzent und einer für die Universität typischen Sprache was über Pädagogik erzählt.

10 h 29: Viele fragen mich, warum ich Pädagogik studiere, wenn ich Journalistin werden will. Eine Antwort könnte man in der heutigen Vorlesung finden. Als Beispiel für Rollendistanz hat der Dozent sich selbst genannt. Zu Hause spricht er Griechisch, unterwegs immer Deutsch. Pädagogik hat halt auch viel mit Gesellschaft zu tun.

10 h 37: “Jede Alltagssituation muss interpretiert werden. Sie alle haben ja sicher solch liebenswürdige Nachbarn, die beobachten, wann Sie rein- und rausgehen. (…) Dazu gibt es ja sogar ein schönes Lied von den Ärzten.”

15 h 03: “Regierungssystem der BRD”. Ich sitze erst seit 2 Minuten wieder im Vorlesungssaal. Leider habe ich die Blutspende nicht ganz so gut vertragen wie beim letzten Mal. Die Liberale Hochschulgemeinde (Veranstalter der Uniblutspende) hat sich aber gut um mich gekümmert, danke noch mal. Der Prof erzählt irgendwas über Verbände. Das Mädel schräg vor mir schläft.

15 h 19: Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum man im Hörsaal schläft. Rein theoretisch kann die da ja machen, was sie will, aber wenn ich pro Monat 130 Euro Studiengebühren bezahle, will ich doch auch was davon haben. Aber vielleicht hat sie ihr Studium ja bezahlt gekriegt, wer weiß.

18 h 43: “Tutorium Niedersachsenwahl”. Der andere Dozent hat gerade 10 Minuten früher Schluss gemacht. Das hätte ich mir schenken können. Die Pause zwischen vorhin und der jetzigen Veranstaltung habe ich mir im Radiosender vertrieben und dort mehr oder weniger fleißig gearbeitet. Im Tutoriumsraum hängt jetzt ein neues Smartboard. Meiner Meinung nach ziemlich unnütz. Der Meinung meiner Hintermänner nach aber immer noch besser als Anti-Rassismus-Flyer, die sich auf die Türsteher der örtlichen Nobeldisco beziehen. Letzte Woche an gleicher Stelle fühlte ich mich übrigens viel kaputter als jetzt. Komische Welt.

19 h 35: Die Tutoren beenden die heutige Veranstaltung. Entweder haben sie keine Lust oder wollen noch mehr Zeit haben, um das neue Smartboard auszuprobieren. Ich jedenfalls mache mich glücklich auf den Heimweg.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin eine junge Frau, die in der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens studiert und der Liebe wegen recht weit pendelt. Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich arbeite hauptberuflich als Politik- und Pädagogikstudentin. Nebenberuflich als Karla Kolumna eines örtlichen Radiosenders und einiger anderer Medien. Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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