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Ein Zufall, der einen Blogeintrag auslöst

Veröffentlicht am

Im Radiosender, für den ich arbeite, unterhielt ich mich heute mit den Schülerpraktikanten über die Suchmaschine “yasni.de”. Ich war neugierig, was diese Suchmaschine über mich wusste, und gab meinen Namen ein. Und da fand ich heraus, dass mein Artikel über Mobbing, den ich vor einigen Monaten für den Spießer geschrieben hatte (ist in der aktuellen Ausgabe gelandet), von Spiegel Online übernommen wurde:

http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/mobbing-im-internet-und-in-der-schule-taeter-und-opfer-erzaehlen-a-873794-3.html

Ich habe nur zufällig herausgefunden, dass der Artikel von Spiegel Online übernommen wurde, weil die Spießer-Redaktion es versäumt hatte, mich darüber zu informieren – sowohl persönlich als auch im Kleingedruckten des Auftrags damals. (Der gute Klopfer hatte den Artikel auf Spiegel Online gelesen, hatte mir aber auch nichts gesagt. Zwinkerndes Smiley) Nun gut, ich will mich jetzt den Kommentaren zum Artikel widmen. Normalerweise lese ich ja keine Online-Kommentare, außer es geht um Sachen, die ich verantwortet hab. Wie halt den Artikel über Mobbing.

Im Folgenden zitiere ich (nicht wörtlich, sondern aus dem Gedächtnis) Thesen, die meist vielfach vertreten wurden, und gebe meine Meinung dazu wieder.

Wer sich nicht wehrt, ist selber schuld

Wie ich in meinem Artikel bereits schrieb, ist Mobbing manchmal so heftig bzw. effektiv, dass man sich nicht mehr wehren kann oder nicht weiß, wie man es tun soll. Es ist ein wenig so, als wäre man ein kleines Insekt, das unversehens bei einer Spinne im Netz landet und dort festklebt und am Ende aufgegessen wird. Diese These ist auch aus einem anderen Grund falsch. Schwäche kann ja nicht die Entschuldigung für Mobbing (oder andere Untaten) sein. Erinnert mich ein klein wenig an die Vollhonks, die, wenn eine Frau vergewaltigt wurde, behaupten: “Die hat ja voll dazu aufgefordert mit ihrem Minirock!”

Gewalt kann eine Lösung sein

Zunächst mal bin ich grundsätzlich gegen Gewalt. Und selbst wenn es in manchen Fällen doch verständlich ist, weil man einfach nicht mehr weiter weiß: Für mich wäre Gewalt keine Option gewesen. Ich war mindestens ein Jahr jünger als alle anderen, ziemlich klein und schmal, und die meisten Mobber waren männlich. Da hätte ich mit Zuhauen nicht viel ausrichten können – es wäre vermutlich ein Schneiden ins eigene Fleisch gewesen.

gerichtliche Androhungen helfen

Da muss ich zugeben, dass ich dieses Mittel nicht ausprobiert habe. Allerdings hätte eine reine Androhung in meinem Fall wohl reichen müssen, da meine Eltern, so vermute ich, kaum das Geld für einen Prozess über hatten. Und wie ein Kommentator schon richtig erkannt hatte: Oft steht Aussage gegen Aussage. Und wem glaubt man dann? Den Leuten, die in der Überzahl sind – also den Mobbern.

Mobbing ist ganz normal, es wird nie aufhören, egal, was irgendwelche Sozialpädagogen-Gutmenschen behaupten und die Opfer müssen sich verbiegen

Mobbing ist NICHT ganz normal. Es ist unheimlich grausam. Der Mensch, der die Sozialpädagogen-Gutmenschen-Formulierung verwendete (im Übrigen hasse ich das Wort “Gutmensch”), suchte wohl nur eine Entschuldigung dafür, dass er selbst nicht genug Zivilcourage hat. Und was Opfer angeht, die sich verbiegen müssen: siehe oben.

die Leute, die ich damals gemobbt habe, sind heute erfolgreiche, anerkannte Leute

Auch das ist in meinen Augen keine Entschuldigung für Mobbing. Ich will an dieser Stelle mal einen etwas abgefahrenen Vergleich wagen, in der Hoffnung, dass man versteht, was ich meine: Wenn man an irgendeinem Gebäude Brandstiftung verübt und es kamen durch Zufall keine Menschen zu Schaden, bleibt es nichtsdestotrotz gefährliche Brandstiftung. Und dass die ehemals Gemobbten heute erfolgreich sind, heißt ja nicht, dass sie nicht trotzdem enorme psychische Probleme bekamen.

Stromberg würde sagen: Schule ist Krieg.

Da muss ich definitiv zustimmen. Es war für mich wie ein einziger Krieg, es war so, als ob ich durch ein Minenfeld laufen müsste, ohne auf eine zu treten. Hat geklappt, aber manchmal war ich verdammt dicht an einer Mine dran.

Kartoffeln sind in vielen Schulen in der Unterzahl, Türken kennen unsere Gesetze nicht, bloß die Scharia

An den User “dickebank”, falls er das lesen sollte: Es ist für mich unter aller Sau, dass du sofort wieder die “Scheiß-Ausländer”-Keule rausholen musstest. Erstens hat es überhaupt nichts mit dem Thema des Artikels zu tun, zweitens fällst du auf ein blödes Klischee rein und drittens möchte ich hinzufügen, dass ich damals auf eine Schule ging, auf der es Ausländer so gut wie gar nicht gab.

Mehrere Kommentatoren erzählten, dass sie ihre ehemaligen Mobber nach vielen Jahren wiedergesehen und die Mobber scheißfreundlich getan hätten. So etwas habe ich auch erlebt. Das im Artikel erwähnte “Wasch-dich-mal”-Mädel habe ich vor einigen Monaten in der Unimensa getroffen, als ich dort meinen Freund besuchte. Es folgte freundliches Geplapper à la “Und, was machstn du so?”. Leider war ich zu freundlich, um einfach zu sagen “Lass mich” und woanders hinzugehen. Ich hätt’s tun sollen.

An den Kommentaren fand ich generell schade, dass kaum einer auf die Artikel einging, sondern die meisten einfach nur ihre generellen Erfahrungen und Meinungen zum Thema “Mobbing” abließen. Aber gut, es ist Spiegel Online, da lese ich die Kommentare ja wie gesagt eh nie, weil ich davon nichts erwarte.

Schließen möchte ich mit einer wichtigen Information: Leider hat die Redaktion für die Veröffentlichung einen Hinweis in meinem Artikel herausgekürzt, den ich an dieser Stelle wieder einfügen möchte:

Ohne meine beste Freundin und meinen Freund hätte ich die Schule wahrscheinlich abgebrochen.

Falls ihr das lest: Vielen Dank noch mal.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin eine junge Frau, die in der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens studiert und der Liebe wegen recht weit pendelt. Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich arbeite hauptberuflich als Politik- und Pädagogikstudentin. Nebenberuflich als Karla Kolumna eines örtlichen Radiosenders und einiger anderer Medien. Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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  1. Da ich selbst jahrelang Mobbingopfer war, kann ich dich gut verstehen!

    Bei mir hat’s in der Grundschule angefangen. Schon vor der Grundschule habe ich Mathematik geliebt! Ich habe mit 4 angefangen zu rechnen. Ich wollte mit 4 in die Schule, konnte das gesamte 1*1, und im Kopf schneller rechnen, als irgendwer sonst, den ich kannte. Die Behörde hat meinen Schulantritt abgelehnt. Mit 5 kam ich dann – wie ich damals dachte – endlich in die Schule. Ich war nie der Meinung etwas besseres zu sein, ich wollte aber wohl meine Talent fördern, und mich anstrengen. Ich wollte gut sein – ja, aber nie etwas besseres sein! Ich wollte für mich gut sein!

    Ein Junge konnte das nicht ertragen. Jedes Mal wenn er schlechte Noten bekam, hat er einen der „guten“ die von der Lehrerin stets vorgelesen wurden (obwohl ich sie bat, dies zu unterlassen), verprügelt. Immer wieder!

    Dieser Junge – Robert – war verspätet eingeschult worden, und ist sitzen geblieben, damit war er 3 Jahre älter als ich…

    Ein Mal dann hat er mich angegriffen, zu Boden geworfen, und ist mit den Füßen vorran auf mich gesprungen! Schwere innere Verletzungen, ein Riss der Milz, der mich fast getötet hätte, und ein langer Krankenhausaufenthalt waren die Folge. Robert hatte an die 30Zeugen, die ihn gaaaaaanz woanders gesehen haben. Es wurde versucht mich wegen falscher Verdächtigung dran zu kriegen. Ich wollte ein Jahr überspringen, um ihn los zu sein, bin aber 2 mal an fehlender Deutsch-Kenntnisse gescheitert. Während meine Mathe-Kenntnisse überdurchschnittlich waren, galt das nicht für deutsch.

    In der 5. Klasse konnte ich die Vorabi-Klausur meiner Schwester fehlerfrei lösen, im Matheunterricht war ich unterfordert, und zog Neider auf mich. 8 Mal gewann ich die Matheolympiade, und warum auch immer, die Klasse hasste mich dafür.

    Ein Mal kam ich zur Schule, und Sascha L. trat mir in die Genitalien. Ein Lehrer, der von mir hinzugezogen wurde, wurde von der Klasse kollektiv belogen, und ich bekam den Ärger. Nach der Schule wurde ich in einen Fluss geworfen, weil ich den Lehrer hinzugezogen hatte (bei 7°C). Vor Gericht gab es Zeugen, ich sei selbst hereingefallen. Als Rache für das Gericht wurde ich noch mehr fertig gemacht.

    Ich habe die Schule aus Wut abgeschlossen, mich immer mehr angestrengt um Ihnen zu zeigen, dass ich nicht aufgebe, und dass Sie niemals gewinnen werden!

    Mittlerweile gehe ich zur Uni. Und fragt man nun, ist alles besser geworden?

    Nicht wirklich! Ich sehe es sofort, wenn der Professor einen Flüchtigkeitsfehler macht. Und was passiert dann? Ich dachte, die Studenten würden nichts falsches abschreiben wollen, und habe den Prof. höflich darauf aufmerksam gemacht. Der Professor hat sich bei mir bedankt, dass ich gut aufpasse, und mich gelobt. In den Übungsgruppen werde ich ausgelacht, wenn der Leite mich zur Vorrechnung schwieriger Aufgaben an die Tafel bittet. Ich habe aufgehört, mich zu melden.

    Und nun frage ich mich, was mit mir nicht stimmt. Ich weiß, in Mathe bin ich gut, aber was stimmt mit mir nicht. Warum wurde und werde ich fertig gemacht? Was kann ich dafür, dass ich ohne zu lernen in Mathematik nicht schlecht bin? Soll ich mich dümmer zeigen?

    Das kranke daran ist, dass ich nie versuche über anderen zu stehen. Ich habe eine Internetplattform ins Leben gerufen, für Studenten, denen der Lernstoff schwer fällt, und erkläre dort kostenlos. Ab und an werde ich von wildfremden Studenten der Vorlesung um Hilfe gebeten, und immer helfe ich. Ich verbringe knapp 6 Stunden/Woche damit, anderen zu Helfen, und trotzdem fühle ich mich verstoßen.Einige schätzen mich, viele hassen mich.

    Der Hammer war, als unsere Übungsgruppenleiterin einen Fehler in der Korrektur einer Abgabe gemacht hat, und damit nach eigenen Angaben 27/31 Studenten jeweils 2 Punkte abzog. Ich habe dies in der Übungsgruppe angesprochen, und wurde sofort von der Gruppe übertont. In einem Fall ist wegen dieser 2 Punkte die Zulassung versagt worden. Wie kommt es, dass ich sogar dann übertont werde, wenn ich etwas Gutes für die ganze Gruppe will? Wollen einige lieber weniger Punkte haben, ggf. für die Prüfung nicht zugelassen werden, als die Punkte zu bekommen, weil ich den Fehler entdeckt habe? Ich verstehe die Welt nicht mehr.

    Auf jeden Fall kann ich dich gut verstehen! Gegen Mobbing kann man nichts tun. Ich habe gekämpft, wie ein Löwe, und verloren. Den einzigen Sieg, den ich davon tragen konnte, war der, mich nicht unterkriegen zu lassen. Es gab Zeiten, da habe ich mich nur deswegen nicht umgebracht, um die nicht siegen zu lassen.

    Naja, was ich hier noch hinterlassen möchte, ist mein Verständnis. Gegen Mobbing kann man oft nichts tun. Die Lehrer schauen systematisch weg!

    „Wenn es Mobbing an meiner Schule gäbe, würde das dem Ruf der Schule schaden! Sie sollten durch Ihre Erfolge den Ruf der Schule verbessern! Eine Schädigung des Rufes der Schule kann ich nicht zulassen, folglich existiert auf meiner Schule kein Mobbing.“
    Zitat des Schulleiters. Dementsprechend ging auch die Anweisung an die anderen Lehrer aus, sich raus zu halten.

    Antwort
  2. Oh, wie nett. Deutlich hervorgehoben, dass du doch nicht ganz allein warst. 🙂

    Antwort
  3. Ich wurde auch gemobbt, aber erst ab der 8ten Klasse. Schlimm genug für mich. Meine Mutter tut es ab mit einem „So schlimm war es doch gar nicht.“
    Meine Jacke (die ich in dem Moment trug) stand in Flammen – Natürlich, Es war nicht schlimm!

    Nur das ich die Fehler immer bei mir suchte und somit wohl zu dem Mensch geworden bin, der ich jetzt bin… Nicht falsch verstehen: Ich mag mich im allgemeinen, aber hasse meine Selbstzweifel.

    Antwort

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