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Interview mit einem Vam… äh, Freund

Veröffentlicht am

Ein guter Freund von mir hatte mich um ein Gespräch gebeten, das sich um ein ihm sehr am Herzen liegendes Thema dreht. Da meine Freunde mir sehr wichtig sind, komme ich bei ihm vorbei. Als ich seine Küche betrete, steht eine dampfende Tasse grüner Tee auf seinem Tisch. Er bietet mir auch eine an, ich lehne aber dankend ab, da ich keinen Tee mag.

Kitschautorin: Also gut, dann bitte ich dich, mir kurz zu schildern, was in den letzten Tagen vorgefallen ist. *zieht Augenbrauen hoch*

Raphael: *denkt nach* Hm, wie soll ich das erklären … also, da unterhält man sich nichtsahnend mit flüchtigen Bekannten über Sex, und prompt wird man angegraben. *setzt ein genervtes Gesicht auf* Dazu muss man wissen, dass ich bei einem normalen Gespräch zunächst keine Hintergedanken habe. Und dann dementsprechend erst mal nicht weiß, wie man auf so was reagieren soll. Was würdest du in so einer Situation tun, Kitschautorin?

Kitschautorin: *denkt kurz nach* Ich würde dieser Person freundlich sagen, dass ich nichts von ihr will. Was ist denn bei dir als Nächstes passiert?

Raphael: Das habe ich getan, hat aber wenig genützt. Dafür hatte ich dann plötzlich einen virtuellen Kuss auf meiner Backe…

Kitschautorin: *verwirrt* Ein virtueller Kuss auf deiner Backe? Wie hab ich mir das vorzustellen?

Raphael: Ach, es war halt virtuell in einem Chat, aber schon verstörend genug. Da kam dann so etwas wie: “Ich steh‘ auf ehrliche Männer” und eine eindeutige Einladung zum Cybersex – auf die ich natürlich nicht eingegangen bin. Betrifft das nur Frauen, oder sind auch manche Männer so aufdringlich?

Kitschautorin: In meinem Chat traf ich mehrere Male auf Wesen, die ein Nein nicht akzeptierten, und auch ein Freund von mir musste erst mit der Holzhammermethode drauf gestoßen werden. *zieht Augenbrauen hoch*

Raphael: Ich frage mich nur, was man im Vorfeld tun könnte, um solche Situationen zu vermeiden. Ich fände es sehr schade, in Zukunft auf teilweise sehr interessante Gespräche zu verzichten, bloß um niemanden zu “ermutigen”. Wenn ich mit jemanden ein Gespräch über Sex führe – virtuell – geht es mir zunächst einfach darum, Erfahrungen und Meinungen auszutauschen. Und neugierig bin ich natürlich auch … *zwinkert* Aber nicht auf mehr aus.

Kitschautorin: *seufzt* Das kenne ich ja so gut, als Besitzerin eines IRC-Channels namens “sex”.

Raphael: Bereust du es, diesen Channel zu haben? Das klingt, als hättest du bereits mehrere schlechte Erfahrungen damit gemacht.

Kitschautorin: Ich bereue es nicht, auch wenn es manchmal echt nervige Leute dort gab.

Raphael: Nur Männer – oder war es eher gemischt?

Kitschautorin: Ich schätze, es waren Männer. Oder pubertierende Jungs, die ihre Geilheit abbauen wollten. *zieht Augenbrauen hoch* Ich hatte auch mal ne religiöse Eifererin da, aber das ist ein anderes Thema.

Raphael: In Ordnung. Aber wenn du den Channel nicht aufgegeben hast, musst du dort auch einige positive Gespräche geführt haben. Das gibt mir die Hoffnung, dass normale Gespräche über Sex möglich sind, und ich einfach nur den falschen Gesprächspartner erwischt habe.

Kitschautorin: Das ist sicher möglich, mit den meisten Leuten kann ich mich auch normal unterhalten.

Raphael: *lächelt* Das Thema Sex ist ja zunächst weit gefasst. Gibt es Tabuthemen, die ihr nicht ansprecht, oder ist der Chat zunächst offen für alles?

Kitschautorin: Er ist offen für alles. Was ich dort allerdings nicht haben möchte: Homophobie. Oder so abartige Sachen wie Nekrophilie, aber das ist Gott sei Dank noch nicht vorgekommen.

Raphael: Und was ist mit anderen Sachen? Wenn jetzt zum Beispiel jemand mit einem Fetisch eine Diskussion anfangen würde, oder jemand unbedingt seine Bondageerfahrung heraus posaunen möchte? *zieht Augenbrauen hoch* Aber es ist gut, dass du dort keine Homophobie zulässt, das halte ich selbst auch für sehr wichtig.

Kitschautorin: Wichtig ist, dass sich niemand belästigt fühlt. Wenn das erfüllt ist, ist alles ok.

Raphael: Vielen Dank für unser Gespräch, jetzt fühle ich mich gleich viel besser. Den virtuellen Kuss lasse ich als Verabschiedung mal lieber – nachher gibt es ein Déjà-vu in der Matrix. Dieses “ich stehe auf ehrliche Männer” hallt bei mir immer noch unangenehm nach. *lacht*

Habt ihr so etwas auch schon mal erlebt? Wenn ja, wie seid ihr damit umgegangen? Fühlt euch frei, eure Erfahrungen mit mir zu teilen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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  1. Hm, sowas ähnliches hatte ich vor einiger Zeit auch. Die Geschichte fängt aber viel früher an, als ich mit einer Online-Bekanntschaft immer mal wieder CS hatte. Mit der Zeit lernten wir uns besser kennen und trafen uns auch ein, zweimal „in echt“.
    Danach verloren wir uns ein wenig aus den Augen, bis ich ihr irgendwann virtuell wieder über den Weg lief, und schon nach wenigen Sätzen wollte sie mir wieder an die Wäsche. Bloß hatte sich in der Zwischenzeit meine Meinung darüber geändert und ich hatte das Gefühl, ich würde dadurch ihren Freund mit ihr betrügen, so dass ich die Versuche (zugegebenermaßen recht rüde) abgeblockt habe. Es hat eine Weile gedauert, bis sie eingesehen hat, dass sie an meinem Standpunkt nichts ändern kann. Und so ganz verziehen, so kommt es mir manchmal vor, hat sie mir bis heute nicht.

    Antwort
    • Oh, das ist traurig, wenn Freundschaften so zerbrechen. 😦 Mitunter einer der Gründe, warum ich kein CS mag. Man benimmt sich im Internet ja oft freier als „in echt“, und wenn man die Personen dann kennenlernt, kann es auch schnell zu peinlichen Situationen kommen.
      Oder wie in deinem Beispiel zu einem Meinungsumschwung. Vielleicht würde euch ein ernstes Gespräch helfen, damit beide Seiten sich aussöhnen können. 🙂

      Antwort
  2. Direkt zum Thema habe ich nichts zu sagen.. Aber du magst kein Tee? Mein Freund kann nicht verstehen, wie ich kein Tee mögen kann…

    Antwort

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