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Monatsarchiv: April 2013

Mein geliebter Computer

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Vor neun Tagen blieb mein Freund im Laptopkabel hängen, das ich unachtsamerweise mit dem Gerät verbunden gelassen hatte, und zog ihn vom Tisch runter. Das Gerät lief an sich noch, nur das Kabel und das Gehäuse waren leicht verbogen, aber soweit war alles in Ordnung. Bis ich tags darauf leicht am Kabel drehte, als ich den Computer auf den Tisch stellen wollte, und sich das Gerät schlagartig ausschaltete. Das passierte an dem Tag dann noch einmal, weswegen ich den PC dann vor einer Woche in die Reparatur gegeben hatte.

Der Verkäufer im Computerladen wies mich darauf hin, dass die Reparatur sehr lange dauern könne und dass der zuständige Mitarbeiter erst am Montag Zeit habe, sich um meinen Laptop zu kümmern. Als ich am Montag nachfragte, was denn nun genau bei meinem Rechenknecht gemacht werden müsse, bekam ich zur Antwort, dass man sich mein Gerät noch nicht angeschaut habe. Das wurde dann einen Tag später erledigt, genauso wie der Rückruf, der eigentlich Dienstag hätte erfolgen sollen und dann Mittwochmorgen im Seminarraum kam. Dann erhielt ich aber überraschenderweise die Nachricht, dass mein Computer wieder repariert sei. Ich ließ “Demokratietheorien” ausfallen, um die Kiste abzuholen. So sehr sehnte ich mich nach meinem geliebten Computer.

Im Computerladen erfuhr ich dann auch, was mit der möglicherweise sehr langen Dauer der Reparatur gemeint war. Natürlich sei der Kurzschluss-Fehler an meinem Gerät soweit behoben, allerdings könne man mein Akkukabel so nicht wieder zurechtbiegen und überhaupt sei es doch besser, wenn ich einige Teile austauschen würde. Der Verkäufer präsentierte mir einen Kostenvorschlag, der mit hundertfünfzig Euro ungefähr die Hälfte des Neupreises meines Laptops bedeutete. (Für das Netzteil waren 35 Euro angesetzt. Ein zu meinem Modell – Compaq Presario CQ57 – passendes Netzteil gab es bei Amazon schon für 14 Euro.) Ich sagte, ich wolle erst mal testen, ob das Ding denn jetzt läuft und wenn nicht, würde ich einige Teile austauschen lassen. Es ist jetzt nicht ganz 48 Stunden her, dass ich meinen Klapprechner abgeholt habe, und er läuft wunderbar. Ich kann mich aufs Bett legen und hinterher wieder mit dem Teil an den Tisch setzen, ohne dass ich einen ungewollt schwarzen Bildschirm erhalte.

Getestet habe ich meine Kiste unter anderem durch Ausprobieren eines neuen Programms – Visio 2013. Mir wurde in einem Pädagogikseminar ein Ergebnisprotokoll für eine Arbeitsgruppensitzung aufs Auge gedrückt (vermutlich, weil ich das Ganze als Einzige richtig vorbereitet hatte). Eine Aufgabe war, Rousseaus Erziehungskonzeption in einem grafischen Schema darzustellen. Ich fragte meinen Informatikerfreund, welches Programm dafür am besten geeignet wäre, und er antwortete: “Visio”. Da ich eine Studentenlizenz habe, konnte ich mir das Programm kostenfrei herunterladen und installieren (was ziemlich lange gedauert hat – vermutlich länger, als dann das Diagramm zu erstellen).

Gerade kam mir eine Idee: Was würdet ihr davon halten, wenn ich lustige Diagramme, also z.B. Flussdiagramme, erstellen und hier im Blog posten würde? Ich bräuchte nur ein paar Themenanregungen. Also, schreibt mir fleißig Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Streber, Sex und Statistik

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08 h 52: Shit. Portmonee im Auto vergessen. Ich weiß genau, dass ich Sachen nicht im Seitenfach der Autotür liegenlassen sollte und tue es trotzdem. Wie war noch mal der Spruch von doofen Leuten und gleichen Fehlern? Hoffentlich ist es noch da.

08 h 54: Es ist noch da. Schwein gehabt. Noch schnell was trinken und dann los.

09 h 08: Ein Freund von mir sitzt im Zug. Er sagt, dass er aufs Studium mittlerweile keine Lust mehr hat, ist allerdings auch schon im Master. Mal sehen, wann ich das Stadium erreiche.

09 h 11: Der Freund und der ältere Bruder meines Partners holen ihre Wasserflaschen raus. Ich tue es ihnen gleich – immer dieser Gruppenzwang…

09 h 50: Ich bin die Erste im Hörsaal. Es sitzen allerdings einige Mitstudenten vorm Hörsaal. Warum sitzen die nicht drin? Warten die noch auf jemanden? Oder haben die Angst, als Streber zu gelten?

10 h 27: “Einführung in die Wirtschafts- und Sozialstatistik”. Schräg vor mir sitzt ein Mädel, das ihr total hippes Määääcbook geräuschvoll gestartet hat. Außerdem hat das Teil lila Tasten und einen lila Hintergrund (zu sehen an der Task- und an der oberen Leiste).

10 h 35: Es geht gerade um uni- und bivariate Variablen. Wieso klingen diese Begriffe für mich so sexuell? (Wer wissen will, was das wirklich ist: http://www.medialine.de/deutsch/wissen/medialexikon.php?snr=1162)

10 h 39: Zwei Reihen hinter mir sitzt ein Mädel, das sich ein Haarband umgewickelt hat, was allerdings eher was von “Handtuchturban nach dem Duschen” hat.

10 h 50: Das Macbook-Mädel spielt irgendein Spiel auf dem Computer. Im Augenblick wird ihr angeboten, ihre Ausrüstung zu verbessern.

10 h 58: Ich bin überrascht davon, dass ich die Lektion in Statistik doch relativ interessant finde. Ist aber auch was anderes als das, was ich sonst in der Uni habe – der erste Matheunterricht seit vier Jahren. Meine Zwei in der Kursstufe war damals total unverdient, die Lehrerin mochte mich einfach. Hätte ich Matheabitur machen müssen, wäre ich durchgefallen – wie drei Viertel ihrer Prüflinge.

11 h 03: Die Studentin hinter mir sagt zu ihrer Sitznachbarin: “Ich will schlafen.”

11 h 20: Mittlerweile bin ich auch so weit, dass ich dauernd gähnen muss. Das liegt bei mir aber eher daran, dass die Luft in diesem Raum so bescheiden ist. Es gibt keine Fenster, nur so ein komisches Lüftungssystem.

11 h 29: Ich hätte jetzt gern das, was der Typ schräg vor mir hat. (Preisfrage: Worum handelt es sich?)

11 h 30: Der Dozent muss die Studenten zum ersten Mal zur Ordnung rufen. Das ist ein ganz guter Schnitt, normalerweise ist der Punkt schon viel früher erreicht.

11 h 35: Es ist doch erstaunlich, wie verzerrend Darstellungen sein können. Als Beispiel möchte ich hier einmal zwei Wahldiagramme mit denselben Daten nennen. Bei dem einen hört die Skalierung bei 100 Prozent auf, bei dem anderen bei 40 Prozent (in der Nähe befand sich die Partei mit den meisten Stimmen). Das erste Diagramm sieht so aus, als wäre keine Partei so richtig toll.

11 h 41: Es gibt hier die Unsitte, das Brett der Klapptischvorrichtung geräuschvoll nach oben fallen zu lassen. Ich weiß deswegen jetzt auch, wie meine Hinterfrau heißt – weil ihre Sitznachbarin laut “Oh, Franzi” gerufen hat.

11 h 50: Mein Sitznachbar hat gesagt, dass er gestern nicht in “Demokratietheorien” war, weil ihm das Wetter zu gut war. Ich war auch nicht da – allerdings habe ich die Zeit genutzt, um meinen Laptop wieder abzuholen, an dem ich dann auch den Rest des Tages saß. Hier ist übrigens grad ein Seniorenstudent reingekommen, der original so aussieht:

11 h 58: Kennt ihr das, wenn Studenten mindestens genauso gut angezogen sind wie die Dozenten? So ein Fall hat gerade den Hörsaal betreten. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, der studiert Jura. Sakko, Hemd und drei Kilo Gel in den Haaren. Vor mir sitzt übrigens eine unglaublich gut aussehende Studentin, bei der sich der Reißverschluss des Shirts hinten befindet. Wie gerne würde ich daran ziehen…

12 h 25: “Einführung in die Internationalen Beziehungen”. Der Beamer-Bildschirm hat sich soeben grün gefärbt. Mal was anderes. Nur dass der Dozent jetzt gelegentlich aussieht, als wäre ihm schlecht.

12 h 30: Gerade hat noch ein Student den Hörsaal betreten. Der Dozent regt sich über dessen Unpünktlichkeit auf. Er ist der erste Dozent, den ich kenne, der so was tut.

12 h 40: “[…] die marxistisch-leninistische Position, die in den 20ern von Rosa Luxemburg vertreten wurde…” Hoffentlich habe ich mich gerade verhört.

12 h 42: Hier hängt die ganze Zeit Aftershavegeruch in der Luft, der auch von meinem Opa stammen könnte. Es sind Menschen hier, die um einiges älter sind als er – und ich meine nicht den Dozenten.

13 h 00: Ich wurde grad unerwartet drangenommen und habe so ein bisschen die Farbe meiner Haare angenommen (oh, ein Reim). Bin aber auch stolz auf mich, weil ich eine richtige Antwort geben konnte.

13 h 10: Ein Student konnte den Spruch “Si vis pacem, para pacem” aus dem Stand übersetzen. Beeindrucktes Plenum.

13 h 20: Der Dozent ist mittlerweile ziemlich wütend aufgrund des Lärmpegels und weist darauf hin, dass die, die sich nicht für seine Ausführungen interessieren, doch bitte wegbleiben sollen. Wo er Recht hat.

13 h 42: Es ist so tolles Wetter und hinter mir, im Bus auf dem Weg zum Bahnhof, unterhalten sich zwei Leute darüber, wer von den Bekannten schon alles gestorben ist bzw. es bald hinter sich hat.

13 h 45: Der Bahnmensch, der mich vor einiger Zeit sehr unfreundlich darauf hinwies, wie ich mich auf der Bank im Warteraum zu positionieren habe, hat die Tür auf daueroffen gestellt, nachdem ich durchgegangen bin – und mich, was ich seinem Blick entnehme, offenbar wiedererkannt.

14 h 16: Ich habe soeben die merkwürdigste Hose ever gesehen. In einem scheußlich knalligen Rot, wie es unkleidsamer nicht sein könnte, und der Reißverschluss befindet sich hinten und ist ziemlich lang. Als hätte der Designer versucht, die Poritze nachzubilden.

15 h 02: Endlich zu Hause.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 21

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http://www.lemonde.fr/societe/article/2013/04/25/mariage-pour-tous-un-maire-refusera-d-appliquer-la-loi_3166511_3224.html?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter#ens_id=1727482&xtor=RSS-3208

Für alle, die kein Französisch sprechen: Der Bürgermeister von Abjat-sur-Bandiat, einer kleinen Gemeinde ca. 150 km nordöstlich von Bordeaux, hat angekündigt, sich nicht an das neue französische Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe zu halten, heißt: Er will keine gleichgeschlechtlichen Paare miteinander verheiraten. Als ob das an sich nicht schon schlimm genug wäre: In dem Artikel steht folgende Textstelle:

“Ich meine das ohne Homophobie oder dergleichen”, verteidigte sich der Politiker. “Es ist ihr Prinzip: Die Ehe wird zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen.”

Das ist ja in etwa so, als würde er sagen: “Ich habe nichts gegen Ausländer, solange sie in ihren Heimatländern bleiben.”

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Geschützt: Sachen, die ich gefunden habe

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Neulich im IRC

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Dieser Blogeintrag ist nicht auf meinem eigenen Computer entstanden. Mein eigener Rechenknecht musste in die Reparatur und ich habe keine Ahnung, wann ich ihn wiederkriege. Ich vermisse ihn aber sehr und würde es gerne feiern, wenn er wieder da ist. Und damit kommen wir auch schon zum heutigen Thema.

In meinem IRC-Channel #kitschi fragte ich, wie ich den Wiedererhalt meiner dann reparierten Kiste angemessen begehen könnte. Und dann passierte Folgendes:

Gesprächsteilnehmer: mit bier und schnaps ?

Kitschautorin: Ich steh doch nicht so auf Alk

Gesprächsteilnehmer: als stafe musst du trinken

Kitschautorin:

* Gesprächsteilnehmer reicht Kitschautorin nen cuba libre „stell dich nicht so an“ =)

* Kitschautorin gibt dem Gesprächsteilnehmer den Cuba libre zurück. Willst du mich umbringen?

Gesprächsteilnehmer: man man man

Gesprächsteilnehmer: bist du ne öko tussi

Also, ich musste mir wegen meines Fast-Antialkoholismus schon so einiges anhören, aber der Vorwurf, eine Öko-Tussi zu sein, war mir bis dato neu. Im weiteren Gesprächsverlauf wurde ich dann noch als „doof“ und „komisch“ betitelt. Der Gesprächsteilnehmer versuchte, mir klarzumachen, dass ich, wenn ich niemals betrunken war, doch etwas verpasst habe und gar nicht mitreden könne. Anschließend kam das hier:

Gesprächsteilnehmer: muss man das nicht als invesgaticer jounalistin in erfahrung bringen ?

Kitschautorin: Ich fand meine Jahrgangskollegen wegen vieler Sachen schrecklich, aber was mir irgendwann am meisten aufen Keks ging, waren die Wettbewerbe à la „Wer verträgt am meisten“ und „Wer stellt im Suff den blödesten Scheiß an?“

Kitschautorin:

Gesprächsteilnehmer: ja und genau sagen leute wie ich du wärst ne öko tussi

Gesprächsteilnehmer: *deswegen

Kitschautorin: Hach

Gesprächsteilnehmer: wobei das mit öko jetzt nicht viel zu tun hat

Gesprächsteilnehmer: aber allöe trinken doch

Wie schön, dass es noch so viele Leute gibt, die andere Menschen ihr eigenes Leben leben lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Ökotussi Kitschautorin

Level up

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Die erste Vorlesungswoche meines 2. Semesters an der Uni ist vorbei. Einige Ereignisse möchte ich jetzt mit euch teilen. Am Mittwochmorgen hatte ich einen Pressetermin in einer Schule. Da ich etwas zu früh vorm Klassenraum, in dem der Termin stattfinden sollte, erschien, setzte ich mich auf den Boden und blätterte in ein paar mitgebrachten Magazinen. Als ein zufällig vorbeigehender Lehrer merkte, dass ich auf dem Boden saß und von der Presse war, kontaktierte er sogleich den ebenfalls vorbeigehenden Schulleiter und der pflanzte mich und einen zu der Zeit gerade ankommenden Mitarbeiter der örtlichen Zeitung in einen leeren Klassenraum. War ganz nett. Am witzigsten war jedoch, dass der Lehrer mich für eine zu spät gekommene Schülerin hielt.

In der Uni selbst gab es auch einige ganz lustige Vorkommnisse. In einem Pädagogikseminar müssen alle eine Hausarbeit schreiben. Die Dozentin bat darum, alle Teile der Hausarbeit in einer einzigen Datei abzuliefern – und nicht etwa Deckblatt, Gliederung und Kapitel getrennt. Wer zur Hölle gibt ein Deckblatt als gesonderte Datei ab?

Einen Tag später nutzte eine studentische Initiative einige Veranstaltungen, um sich dort vorzustellen. Und da ich zwar sowohl die Veranstaltung “Einführung in die Wirtschafts- & Sozialstatistik” als auch die Veranstaltung “Einführung in die Internationalen Beziehungen” besuche, das aber nicht auf alle Teilnehmer zutrifft, kam ich gleich zwei Mal in den Genuss der Präsentation. Und deswegen hörte ich auch zwei Mal, wie eine Studentin ihrer Sitznachbarin gegenüber die falsche Betonung des Namens einer brasilianischen Stadt bemängelte, in dem sich ein Projekt dieser studentischen Initiative abspielte.

Es heißt Tô Ligado und nicht Tô Ligado!

Naja, nicht jeder kann Portugiesisch. In der Veranstaltung “Internationale Beziehungen” gab es noch ein Knallerzitat (diesmal aber positiv gemeint):

Theorien sind wie Brillenträger: Manche sind kurzsichtig.

Der Dozent teilte auch noch weitere Weisheiten mit dem Plenum. Er vertritt die Ansicht, dass Sozialwissenschaftler im Grunde alle Weltverbesserer seien, weil sie sich mit der Frage befassen würden, wie man diese Welt noch besser machen kann, und zur Auflockerung trug er uns ein kleines Gedicht zum Thema vor, das ihr unter folgendem Link findet:

http://www.lesekost.de/gedicht/HHLG26.htm

Ansonsten finde ich mich ganz gut zurecht und ich hoffe, das ist auch bei euch der Fall.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Gerade per Telefon erfahren: Mein vierzehnjähriger Bruder ist mittlerweile 1,80 m groß (ihm fehlen also noch acht Zentimeter, bis er meinen Dad auch noch überragt hat). Er wächst so schnell, dass er mittlerweile mehr Paar Schuhe im Schrank hat als jede shoppingsüchtige Frau, und er ist total dünn, weil er gar nicht so schnell essen kann, wie er wächst. o_O

Pray for Nigeria

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Vor ziemlich genau zwei Jahren gab es in Japan ein großes Erdbeben. Viele Menschen starben oder verloren ihre Unterkunft, und auf Twitter wurde der Hashtag “#PrayforJapan” zum großen Trend. Ähnliches passiert bei jeder Katastrophe, die sich auf dem Erdball ereignet.

Ich musste daran denken, als ich gerade von einer alten Schulfreundin eine E-Mail erhielt, in der sie schrieb, dass sie und ihre Gemeinde einen Film über die in Nigeria verfolgten Christen sahen und anschließend beteten. Das störte mich. Natürlich ist der Gedanke, dass in einer religiösen Gemeinde gebetet wird, nicht ganz abartig, und man muss heutzutage wohl schon froh sein, wenn sich überhaupt jemand für etwas interessiert, was nicht im eigenen Land passiert. Doch wurde ich das Gefühl nicht los, dass die Gemeinde danach nicht mehr unternommen hat, um ihren nigerianischen Glaubensbrüdern und –schwestern zu helfen. Anstatt einfach nur zu beten, hielte ich es für wichtiger, Aktionen zu starten, und z.B. die Öffentlichkeit über die Vorgänge in Nigeria zu informieren oder Goodluck Jonathan zu kontaktieren. Das hat mich als Nicht-wirklich-Gläubige schon 2011 gestört: Man sitzt in seinem stillen Kämmerlein und betet, anstatt etwas Wirksames gegen Missstände zu tun. In der Zeit, die so ein Gebet dauerte, hätten die Pray-for-Japan-Leute fünf Euro ans Rote Kreuz spenden können. Die Kirche spielte beim Zusammenbruch der DDR eine entscheidende Rolle, und das sicher nicht nur durch pures Beten.

(Ich möchte hier keinesfalls religiösen Leuten ihr Gebet absprechen und ich will nicht behaupten, dass die von mir vorgeschlagenen Aktionen wirklich der ultimative Bringer sind. Aber wirksamer als ein Gebet sind sie allemal.)

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin