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Monatsarchiv: Juni 2013

Die Mitte der Gesellschaft

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In meinem Lieblingsforum vertrat neulich ein Nutzer folgende Meinung:

Vielmehr wird gesamtgesellschaftlich mit dem „Rechtsextremismus“- und „Kampf gegen Räääächts“-Gedöns hervorragend vom Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft abgelenkt.

Die Organisatorin der Ausstellung über Neofaschismus, über die ich vor einiger Zeit einen Radiobeitrag anfertigte, sagte etwas Ähnliches. Mich brachte das Ganze zum Grübeln. Ich war nun schon auf mehreren Demos gegen Rechtsextremismus, aber das kann nicht die alleinige Lösung sein. Ich wusste: Die Leute, mit denen ich gesprochen hatte und die fremdenfeindliche Äußerungen getätigt hatten – eine Freundin, die gegen Zigeuner wetterte, der antiislamische Onkel meines Freundes –, waren keine Nazis. Aber was soll man da tun?

Ich schrieb dem Urheber des obigen Zitats eine Nachricht und er antwortete recht ausführlich. Als einen Lösungsansatz führte er an, dass Deutsche mehr Kontakt mit Minderheiten bekommen müssen. Das konnte ich sofort nachvollziehen. Der Onkel meines Freundes kennt keine Moslems und war noch nie in einer Moschee. Und überhaupt: Man hegt doch immer Phobien gegenüber Sachen, die man nicht kennt.

Ein weiterer Lösungsansatz: Überwindung von strukturellem Rassismus. Im Besonderen ist damit „Racial Profiling“ gemeint. In zwei Paragrafen des Bundespolizeigesetzes steht, dass „verdachtsunabhängige Personenkontrollen“ durchgeführt werden dürfen, um die unerlaubte Einreise von Ausländern nach Deutschland zu verhindern. Die Folge: Leute, die wie Ausländer aussehen, werden verstärkt kontrolliert. Obwohl das so nicht im Gesetz steht. Und diskriminierend ist. Wer mehr darüber lesen will: http://www.sueddeutsche.de/politik/racial-profiling-bei-der-polizei-menschenrechtler-wollen-verbot-rassistischer-personenkontrollen-1.1706061

Besonders erschütternd fand ich eine Geschichte, die der Forenuser kürzlich mitbekam und die ich hier einmal wiedergeben möchte:

Als mein afrikanischer Student neulich überfallen wurde, hat sich die Polizei einen Scheißdreck dafür interessiert. Erst als er darauf hinwies, dass noch eine StudentIN, schon dem Namen nach weiß, betroffen war, wurden auf einmal alle Kräfte mobilisiert, um nach dem bis heute flüchtigen und bewaffneten Täter zu suchen. Während der Verhöre wurde mein schwarzer Student die ganze Zeit nur dumm angemacht und man hat mit ihm nur das Nötigste gemacht, während mit meiner weißen Studentin ordentlich umgegangen wurde und sie sich (obwohl nicht direkt involviert) sogar Fotos von bekannten Kriminellen anschauen durfte.

Er selber ist schwarzer Deutscher und durfte deswegen schon einiges durchmachen. Er wurde schon als Werte vernichtender Asylant beschimpft. Und wenn er in Leipzig (einer Stadt mit ziemlich geringem Ausländeranteil) durch die Straßen geht, krallen sich die Leute an ihren Wertsachen fest.

Natürlich ist es wichtig, Rechtsextreme genau zu beobachten. Aber das Gleiche gilt auch für die Mitte der Gesellschaft. Für die Leute ohne Springerstiefel, Glatze oder Baseballschläger.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Voll schwul, ey

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Ich berichtete neulich schon einmal über ein Flugblatt aus der Mensa, auf dem es um ein Festival ging. Heute fiel mir erneut etwas dazu unter die Augen. Diesmal geht es um homophobe Äußerungen einer bestimmten Band auf dem Festival, die für Aufruhr sorgten. Leider steht auf dem Flugblatt überhaupt nicht drauf, was die Band denn genau gesagt hat. Man kann an Hand der Vorderseite des Flyers

SCHWUL SCHWUL SCHWUL… bleibt als Schimpfwort eine homophobe Äußerung! Auf dem Fairytale Festival ist das ok?

nur dunkel erahnen, dass es um die Verwendung des Wortes „schwul“ als Schimpfwort geht. Was ich sehr schlimm fände, zweifellos. Aber worum zur Hölle geht es denn genau? Damit hat sich das autonome Schwulenreferat im AStA der Uni der viertgrößten Stadt Niedersachsens nicht gerade geholfen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Der Beweis, dass die Bravo keinen Wert auf Qualität legt

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Kurze Zwischenmeldung: Heute lag die aktuelle Ausgabe der Bravo am Empfang des Radiosenders, für den ich arbeite. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass es in der Zeitschrift eine kleine Notiz über den Sender gab. Der Name war allerdings falsch geschrieben, außerdem wurde osradio 104,8 als Privatsender bezeichnet. Dabei steht sogar auf Wikipedia, dass wir ein so genannter “nichtkommerzieller Bürgerrundfunksender” sind. Aber von den Bravo-Leuten kann man offenbar nicht einmal eine einfache Wiki-Recherche verlangen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ein fast normaler Tag

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Mein Tag war an sich relativ ereignislos. Ich dachte, das einzig Besondere daran sei, dass ich um fünf Uhr dreißig geweckt wurde, weil mein Freund sich frühmorgens Richtung “Rock am Ring” aufgemacht hat. Bis ich in “Demokratietheorien” saß.

Man sollte meinen, dass Politikstudenten einigermaßen sachlich diskutieren können. Aber dem ist offenbar nicht so. Als ich die Diskussionsfrage las, die sich die Referenten der heutigen Sitzung ausgedacht hatten – “Spielen Frauen in der Politik noch eine untergeordnete Rolle?” – , ahnte ich schon, dass das Zündstoff geben würde. Und so war es auch. Die größten Obermachos des Semesters und eine dagegenhaltende Studentin stritten sich darum, wer Recht hatte. Ich weiß weder alle Einzelheiten des Gesprächs noch den für die Eskalation der Situation Verantwortlichen, aber spätestens, als die Obermachos auf den Tisch klopften und johlten, wollte ich nach Hause. Es ist auch nicht so, dass ich zum Thema nichts zu sagen gehabt hätte, aber ich wollte mich irgendwann nicht mehr beteiligen. Man ließ die oben erwähnte Studentin ja nicht mal mehr ausreden.

Mein Sitznachbar sprach von einem interessanten Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, der Dozent bezeichnete die Diskussion als “belebt”. Jenseits aller Euphemismen fand ich die Diskussion einfach scheiße. Hätte ich gewusst, was mich da heute erwartet, ich hätte geschwänzt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Land unter, Gehirn auch

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Ich bin so sauer, ich muss was loswerden. Gerade erfuhr ich von Merit-Seto aus meinem Lieblings-IRC-Channel #fernsehkritik-tv, wie die Hochwasser-Hilfe der Baumarkt-Kette “toom” aussieht. Sie verkaufen Sandsäcke für teuer Geld. Ein kleiner kostet drei Euro fünfzig, ein großer vier Euro fünfzig. Ich finde das schon ziemlich bescheiden, aber richtig wütend wurde ich, als ich Folgendes las:

https://www.facebook.com/toom/posts/579631338743567?comment_id=6437026&offset=0&total_comments=5

Was zur Hölle…? (Falls der Post irgendwann gelöscht werden sollte: Eine junge Dame bittet toom um Unterstützung gegen das Hochwasser. Antwort: Für Geschädigte 10 Prozent Rabatt aufs gesamte Sortiment. In zwei Dresdner Filialen.) In Dresden gibt es viele Restaurants, die Essen verschenken, es gibt Unternehmen, die Sandsäcke und Schaufeln spenden, es gibt auch enorm viele ehrenamtliche Helfer – und toom denkt nur ans Geld. Das ist doch ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer.

Mit ärgerlichen Grüßen

Die Kitschautorin

P.S.: Hier kann man Geld an die Hochwasseropfer spenden: https://www.drk.de/spenden/online-spenden.html

Nachtrag vom 5. Juni 2013: Toom hat inzwischen eingelenkt und will in Dresden und Halle verschiedene Hilfsmaterialien spenden, unter anderem Schaufeln, Gummistiefel und Hochdruckreiniger. Geht doch. ^_^