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Monatsarchiv: August 2013

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 6

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Jeder kennt dieses Gefühl bestimmt: Morgens wacht man auf und spürt instinktiv, dass man einen super Tag vor sich hat, an dem alles super läuft, an dem man sich keine Sorgen machen muss und ganz viele tolle Sachen passieren. Die Sonne scheint einem beim Aufwachen aus einem wolkenlosen Himmel ins Gesicht und man fühlt sich einfach nur gut.

So fühlte ich mich jedenfalls am ersten Morgen, als ich in Paris aufwachte. Wir saßen noch im Zug, die meisten schliefen. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würden Frau Lacombe und Herr Nowitzki durch die Abteile laufen und alle zum baldigen Ausstieg in Paris-Est aufwecken. Aber noch war alles wunderbar ruhig und schön.

Ich sah aus dem Fenster des Zuges. In der Ferne war der Eiffelturm bereits auszumachen. Ganz dezent zwar, aber man sah ihn. Der Zug fuhr gerade über einen Kanal.

„Hey, Aurélie!“ Ich rüttelte an der Schulter. „Guck mal!“

„Mmm, was ist denn los?“, brummelte sie ganz verschlafen.

„Wir sind fast da!“, teilte ich ihr mit. Da sprang sie sofort ans Fenster, guckte heraus und rief: „Wunderschön!“

Langsam wachten auch Anna und Lea auf. Genauso wie Aurélie und ich schauten sie begeistert aus dem Fenster. Mit unseren Blicken saugten wir alles auf, was wir durch das leicht zerkratzte Zugfenster sehen konnten. Ich war wirklich der Meinung, dass es sich schon dafür gelohnt hatte, auch wenn ich so etwas sonst nie so schnell dachte. Als ich das den anderen Mädels erzählte, sahen sie es ganz genauso. Besonders, natürlich, Aurélie.

„Welch wunderbares Land meine Ahnen bewohnt haben!“, schwärmte sie.

Doch wir sollten nicht mehr lange das Vergnügen haben, aus dem Fenster zu starren. Unsere Begleitpersonen durchquerten wie erwartet unser Abteil und forderten uns dazu auf, unsere Sachen zu nehmen und uns für die Ankunft bereitzumachen.

Als unsere Reisegruppe schließlich in der Gare de l’Est stand, guckten wir weiter durch die Gegend, mit aufgerissenen Augen und offen stehenden Mündern. Sicher haben wir ausgesehen wie die kompletten Idioten. Mir fiel auf, dass bei einigen männlichen Vertretern noch ausgesprochen verkaterte Blicke dazukamen. Wie viel die wohl im Zug getrunken hatten?

Doch nicht alle unsere Männer guckten müde durch die Gegend. Herr Nowitzki war, wie immer eigentlich, blendend gelaunt und schäkerte mit Frau Lacombe. Die lachte die ganze Zeit und machte überhaupt insgesamt einen glücklichen Eindruck.

Ich schaute sie prüfend an. Lag das jetzt daran, dass sie wieder in ihrem Heimatland war, oder lag es an ihrem jungen, man war versucht zu sagen knackigen Kollegen? Oh là là! Wozu das nur führen würde…

Ich drehte mich herum, weil ich das Lea und Anna zeigen wollte. Doch da fiel mir wieder etwas auf.

Freddy starrte mich wieder so an. In diesem Augenblick zuckte mir ein Gedanke durch den Kopf: Die Kraft von eindringlichen Blicken wurde in der modernen Psychologie eindeutig unterschätzt! Jedenfalls hatte ich so etwas noch nie erlebt und mir wurde auf einmal ganz anders.

Was hatte dieser Junge nur vor? Denn er musste etwas vorhaben, so viel stand fest. Freddy drehte sich mal ein wenig nach links, mal ein wenig nach rechts, aber seine Augen wendeten sich einige Minuten nicht von mir. Zum Schluss lachte er sogar.

Beunruhigt drehte ich mich zu meinen drei Lieblingsberaterinnen.

„Habt ihr das auch gesehen?“

„Was denn?“, fragte Aurélie, was hier eher wie ‚Waf benn‘ klang, da sie zum Frühstück ein Croissant mampfte.

„Freddy!!“

„Wieso, was ist denn mit ihm!?“, wollte nun auch Lea wissen.

„Er hat mich schon wieder angestarrt!“

„Mmm, schon wieder?“, fragte Lea, nun etwas anzüglich.

„Ja!“, antwortete ich. „Als wir gestern Abend am Gleis gewartet haben, hat er das gemacht! Ich würde nur zu gern wissen, wieso?“

„Na, wieso wohl?“, antwortete Anna in ihrer typischen Art mit einer Gegenfrage. „Der Junge ist in dich verknallt, ganz offensichtlich!“

„Oh, nein, bitte nicht!“

„Was soll denn an dem so schlimm sein?“, brummte Lea leicht geistesabwesend, weil dieser braunäugige Schönling von vorhin sich näherte.

„Ich bitte euch! Seht ihn euch doch nur mal an! Ich möchte gar nicht, dass sich so jemand in mich verliebt! Ohne ihn beleidigen zu wollen, aber ich könnte nie im Leben was anfangen!“

„Ja, ja, das stimmt wohl“, pflichtete Aurélie mir bei.

„Sagt mal“, meinte ich lauernd, „ihr habt nicht zufällig irgendwas mit Freddy und mir vor, oder?“

Und in diesem Augenblick ereignete sich eine Szene, wie man sie sonst nur aus Filmen kennt. Alle liefen, ohne mir auf die Glaubensfrage zu antworten, mit einer kleinen Ausrede weg.

„Oh, da kommt Alex, ich muss sofort zu ihm hin!“, rief Lea und beeilte sich, ihm entgegenzulaufen.

„Ich hab noch eine dringende Frage an Frau Lacombe!“, behauptete Aurélie und verschwand ebenfalls.

„Und ich muss dringend mit Marie reden, wegen heute Abend!“, schob Anna vor und husch, weg war sie.

Anna? Mit Marie reden? Wegen heute Abend? Was sollte das denn nun schon wieder? Ich war irgendwie noch verwirrter als vorher.

Aber gut. Meine Freundinnen und meine Schwester waren eigentlich nicht die Art von Mädchen, die mich mit einem Jungen verkuppeln würden. Anna würde mir in so einem Fall höchstens zureden, dass ich den Betreffenden anspreche, selbst aber keinen Finger rühren. Aurélie hätte wohl wieder ganz viele romantische Vorstellungen, würde aber auch eher Zuschauerin bleiben. Und Lea, hmm…, na ja, die war eh abgelenkt, da sie momentan selbst einen Kerl in Aussicht hatte.

Schon am ersten Tag in Paris ging es richtig rund. Nachdem wir unsere Jugendherberge bezogen hatten, gab es grad mal eine kleine Führung durch die Unterkunft und schon begannen unsere Streifzüge durch die französische Hauptstadt.

Natürlich standen die großen Touristenattraktionen ganz oben auf der Tagesordnung. Zum Eiffelturm sollte es gehen, danach würden wir uns zum Arc de Triomphe sowie zum Musée d’Orsay bewegen. Nach der Besichtigung der Kathedrale Notre-Dame hätten wir dann einige Stunden Freizeit, sollten aber nicht die Ile de la Cité verlassen.

„Na toll! Wo sollen wir denn da billig essen?“, rief Lea dazwischen, wurde aber von Frau Lacombe zurechtgewiesen: „Soyez silente, s’il vous plaît!“ Wieso bestand sie eigentlich immer darauf, mit ihren Schülern Französisch zu reden?

Herr Nowitzki erklärte uns jetzt – Gott sei Dank auf Deutsch – den Weg zu einem netten, kleinen Bistro, wo man laut seiner Auskunft günstig speisen könne. Dies steuerten wir auch in der temps libre, wie Frau Lacombe es genannt hatte, an. Nur befand sich dort, dank der Ankündigung von Herrn Nowitzki, die halbe Reisegruppe. Ich schaute mich im Bistro um. Isa erzählte etwas und fuchtelte dabei mit ihrem Besteck in der Luft herum, Sören beschrieb seinem Gegenüber anscheinend, wie voll derundder gestern Nacht gewesen war, und in einer Ecke diskutierten Jessica und Lisa über die neueste Pariser Mode.

„Das ist ja wie beim McDonald’s auf der Hamburgfahrt, wisst ihr noch?“, raunte Anna zu Aurélie und mir.

Wir nickten. „Also, ich habe keine Lust mehr, hier zu bleiben!“, rief sie. „Wer ist dafür, dass wir uns was anderes suchen?“

Aurélie und ich riefen sofort einstimmig: „Ich!“ Lea zögerte noch etwas. Offensichtlich wollte sie mit der Entscheidung noch warten, bis sie wusste, ob sich ihr braunäugiger Lieblingsmitschüler hier aufhielt. Suchend glitt ihr Blick über die zirka fünfzig Schüler und die paar anderen Gäste. Schließlich schien sie festzustellen, dass er nicht hier war.

„Okay, lasst uns gehen!“, meinte nun auch sie.

Wir wanderten noch ein bisschen auf der Ile de la Cité herum und sahen dabei noch einige zugegebenermaßen ganz hübsche Gebäude und Häuser. Irgendwann stießen wir auf ein kleines Lokal, in dem niemand saß und in dem es außerdem ziemlich billige Gerichte gab.

Wir orderten etwas, das der Kellner „petites pizzas“ nannte, und unterhielten uns. Aurélie schwärmte wieder, wie wundervoll Paris doch sei. „Diese ganzen Sehenswürdigkeiten waren einfach wunderschön! Ich finde, es hat sich wirklich gelohnt, mitzufahren.“

„Aber dieser Angeber von Lars!“, warf Anna ein. „Habt ihr das mit dem Goldenen Schnitt an der Notre-Dame mitgekriegt? Natürlich musste er wieder als Erster damit herausplatzen!“

Lea nickte. „Das ist wie bei unserem kleinen Bruder, der kann auch kaum was und ruft deswegen bei jedem neuen Buchstaben, den er lernt, wie toll er das kann.“

Ich kicherte.

„Ach, vergiss doch den Blödmann“, wischte Aurélie den negativen Punkt beiseite. „Von dem werden wir uns doch nicht die wunderschöne Fahrt vermiesen lassen!“ Verträumt guckte sie an die rosa bemalte Decke.

Oh Mann, dachte ich und warf Anna einen Blick zu. Die schien das Gleiche zu denken wie ich.

„Aber“, nun versuchte ich, einen wirksam negativen Einwand zu machen, „hast du die Bettler am Eiffelturm gesehen? Alle Touristen haben sie um Geld angehauen. Nur uns nicht, aber wir standen auch ziemlich weit weg.“

„Ja, dieser Gegensatz von Arm und Reich, das ist faszinierend…“, sagte Aurélie nachdenklich.

Verstört schauten Anna und ich uns an. Mittlerweile dachten wir nicht mehr, dass unsere gemeinsame Freundin ein bisschen zu sehr für Frankreich und seine Hauptstadt schwärmte, wir zweifelten ernsthaft an ihrem Geisteszustand. Auch Lea merkte langsam, wie Aurélie drauf war, denn sie fing ganz schnell ein neues Thema an.

„Ich habe übrigens mit Marie wegen heute Abend gesprochen“, informierte sie uns. Sofort dachte ich wieder an die Szene in der Gare de l’Est. Dann war das mit Marie also doch keine faule Ausrede gewesen…

„Heute Abend wollen wir auf den Zimmern Party machen“, hieß es. „Katja und Alex wollen alles besorgen.“

Die beiden waren sitzengeblieben und würden deswegen keine Probleme mit den Verkäufern bekommen, wenn sie Alkohol kaufen wollten. Sie waren achtzehn, bald sogar neunzehn. Aber wie wollten sie es anstellen, dass Frau Lacombe und Herr Nowitzki nichts bemerkten?

Als ich Lea das fragte, schien das überhaupt kein Problem zu sein. „Ach, das schaffen wir schon. Die Lacombe und der Nowitzki sind doch eh mit sich beschäftigt.“

Da hatte sie nicht ganz Unrecht…

„Irgendjemand hat gesagt, die machen heute Abend eine romantische Fahrt mit einem Bateau-mouche“, berichtete Anna. Das ‚romantische‘ betonte sie ganz besonders, damit auch jedem die Brisanz des Gerüchtes klar wurde.

„Cool, dann kann die Party heute Abend ja steigen“, freute sich Aurélie.

Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte. Nicht, dass ich Partys überhaupt nicht mochte, aber wenn es auf eine Saufparty hinauslief, bei der irgendwann nur noch alle in den Ecken hingen und ihren Mageninhalt ein zweites Mal studierten, sprich: kotzten, dann wollte ich heute Abend nicht dabei sein.

„Hey, Sara, wieso siehst du denn so griesgrämig aus?“; sprach mich Aurélie auf mein Gesicht an.

Wieso konnte man nicht einmal nicht lächeln, ohne gleich Unverständnis zu ernten?, dachte ich unwillkürlich.

Zaghaft wagte ich, Kritik an den Plänen zu äußern. „Muss das sein? Können wir nicht lieber irgendwohin fahren, zum Beispiel an die Place de la Concorde?“

Alle guckten schon ungläubig.

„Die soll sehr schön sein, ehrlich!“, schob ich hinterher.

Nachdem sie erst ungläubig geguckt hatten, brachen meine Freundinnen und meine Schwester nun in Lachen aus.

„Natürlich kommst du mit!“, befahl Lea, die sich als Erste wieder beruhigt hatte. „Das wird total lustig!“

Ich schaute immer noch skeptisch drein.

Nun schaltete sich Aurélie ein: „Ach, Sara, komm doch mit! Was sollen wir denn da ohne dich?“

Blöde Frage. Die Stadt besichtigen? Gerade du, Aurélie, solltest daran doch das größte Interesse haben, wo du doch so auf Frankreich abfährst!

„Wieso kommst du nicht mit? Es wird bestimmt total lustig, ehrlich!“

Und das sagte Anna? Gerade sie? Es war klar, dass wir hier über eine Saufparty redeten und sie hatte doch sonst nicht so viel mit Alkohol am Hut. Sie erzählte uns immer wieder, dass Alkohol überhaupt nicht nötig sei und trank höchstens mal an Silvester ein kleines Glas Sekt oder so.

Jetzt schauten mich alle Mädels erwartungsvoll an. Eigentlich hatte ich gar keine Lust, mit auf die Zimmerparty zu kommen.

Andererseits konnte es schon sein, dass es recht lustig wurde, wenn alle von uns versammelt waren. Zusammen hatten wir Mädels immer einen Riesenspaß. Hm.

„Na gut, ich überlege es mir.“

Ihre Gesichter hellten sich auf.

„Aber das heißt nicht, dass ich auch mitkomme! Verstanden?“, schob ich hinterher.

„Ja, ja“, war die einstimmige Antwort. Offensichtlich dachten Anna, Aurélie und Lea, dass ich auf jeden Fall mitkäme. Aber zu diesem Zeitpunkt stand meine Entscheidung noch nicht fest.

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 5

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Zwei Wochen später stand ich mit zirka hundert anderen Schülern, darunter meine Schwester Lea, sowie den Begleitpersonen an einem Gleis des Bahnhofs und gähnte herzhaft, denn es war schon ziemlich spät und ich hatte lange nicht mehr geschlafen.

Alle waren total aufgedreht. Besonders die männlichen Vertreter diskutierten angeregt über den Alkoholkonsum während der Fahrt. Wenn sie sich dabei bewegten, hörte man das Klirren der Bierflaschen in ihren Rucksäcken, die sie sich schon für die Hinfahrt besorgt hatten.

Die Hin- und die Rückfahrt waren jeweils in die Nacht gelegt, damit wir schlafen konnten. Die würden bestimmt alles andere machen, als Schlafen, dachte ich. Dabei galt die Parisfahrt als Schulfahrt, somit war Alkohol strengstens untersagt. Natürlich wusste jeder, dass sich so ganz vermutlich eh niemand daran halten würde.

Na ja, wie auch immer.

Wie ich gerade schon erwähnt habe, ist Lea auch mitgefahren. Über die genauen Gründe bin ich mir heute immer noch nicht so ganz im Klaren; vermutlich hatte sie unser Zuhause ebenfalls satt.

Es kann aber auch sein, dass es an diesem braunäugigen Schönling lag, der in ihren Deutschkurs ging und ebenfalls mitfuhr. Sie unterhielt sich gerade mit ihm und streute immer mal wieder ein Lachen oder ein geschicktes Schütteln ihrer Haare ein. Da hatten wir es wieder: Paris, die Stadt der Liebe. Hoffentlich würde sie nicht den Reinfall ihres Lebens erleben.

Bei Aurélie hofften Anna und ich ja darauf, damit sie endlich wieder normal wurde. Sie war am Aufgedrehtesten von allen und scheute sich auch nicht, die Lehrer mit ihrem gesamten Familienhintergrund zu beladen. Ich musterte ihre Gesichter. Beide versuchten, ihr Desinteresse gekonnt zu überspielen; Frau Lacombe durch gelegentliche Fragen und Herr Nowitzki durch sein altbekanntes charmantes Lächeln.

Wieso war Herr Nowitzki eigentlich die männliche Begleitperson? Soweit ich wusste, unterrichtete er doch gar kein Französisch. Ich ging mal kurz zu den dreien und fragte ihn: „Wie kommt es eigentlich, dass Sie auf dieser Exkursion mitfahren?“

„Nun“, antwortete mein Deutschlehrer, „von den anderen männlichen Lehrern hatte niemand Zeit. Und da ich zur Hälfte Franzose bin, habe ich mich bereit erklärt, mitzufahren. Ich wurde ja auch so nett gebeten…“ Hier drehte er sich zu Frau Lacombe um und lächelte sie an, worauf sie lachte.

Oh Mann, dachte ich, denn wie bereits erwähnt, sah sie meiner Mutter sehr ähnlich. Zu Hause würde es sicher nicht so locker-flockig abgehen wie hier am Bahnsteig. Bestimmt machten sich meine Eltern gegenseitig Vorwürfe, weil sie mir erlaubt hatten, mitzufahren. Lea hatte für diese Fahrt ja keine elterliche Erlaubnis mehr gebraucht, die Glückliche.

„Also, das finde ich ja unheimlich interessant, dass Sie zur Hälfte Franzose sind, Herr Nowitzki. Bei mir war es ja so, dass meine Oma…“ Und schon hatte Aurélie das Thema zurück auf die französischen Wurzeln ihrer Familie gebracht.

Wie würde sie wohl die Hauptstadt des Landes finden, auf das sie seit kurzem so abfuhr? Nicht, dass wir ihr etwas Schlechtes wünschten, aber ich hoffte wirklich, dass bei ihr die Situation eintreffen würde, die Anna bereits vorausgesagt hatte.

Ich ging zu Anna, die sich gerade einen Schokoriegel aus dem Automaten neben den Fahrplänen zog.

„Guck mal“, sagte ich und nickte zum französischen Trio herüber. „Jetzt, wo wir ihr unser Desinteresse gezeigt haben, nagelt Aurélie andere fest.“

Anna sah zum Grüppchen herüber. „Tja“, antwortete sie nur.

„Na ja, vielleicht macht sie das nur, weil sie beleidigt ist. Einfach stumpf wegzugehen, das war von uns wohl auch nicht so ganz in Ordnung.“

„Ja, das habe ich auch schon gedacht“, gab Anna achselzuckend zu. Wir setzten uns auf eine noch freie Metallbank, etwas abseits von den anderen.

„Am besten sprechen wir sie gleich mal an, wenn wir im Zug sitzen“, schlug ich vor.

„Okay“, stimmte Anna zu. „Ich bin mir sicher, sie versteht das, wenn wir es ihr erklären.“

Zehn Minuten später traf der Regionalzug ein, der uns nach Frankfurt am Main bringen sollte. Dort würden wir in den Nachtzug nach Paris umsteigen.

Anna und ich schafften es, als die Ersten einzusteigen, um uns gute Plätze zu sichern. Wir ergatterten einen Vierer und setzten uns so hin, dass ich nicht rückwärts fahren musste. Denn ich hasse Rückwärts-Fahren, vor allem im Zug.

Aurélie betrat den Zug und ging in unsere Richtung. „Hey, Aurélie, willst du dich nicht zu uns…“, rief Anna, doch Aurélie ging an uns vorbei, ohne uns auch nur anzugucken.

„…setzen“, beendete Anna den Satz und fuhr fort: „So viel dazu. Die ist sauer, hundertprozentig. Eine von uns sollte nachher mal hingehen und mit ihr reden.“

„Stimmt. Ich werde das machen, denn schließlich war es ja meine Idee, einfach wegzugehen“, schlug ich vor.

Anna warf ein: „Ich hätte dich aufhalten können“, und grinste dabei schief. „Wir sollten es beide machen.“

„Na gut.“

In diesem Augenblick betrat Lea den Zug. Sie besprach noch irgendeine letzte Sache mit diesem braunäugigen Schönling von vorhin, dann ging er nach hinten zu seinen Freunden und sie ging nach vorne, zu uns. Natürlich lächelte Lea ihn noch einmal besonders verführerisch an, bevor sie sich trennten.

Danach setzte sie sich auf den Platz, der eigentlich für Aurélie bestimmt gewesen war. „Ach, ist das schön, drei Tage von zu Hause weg zu sein“, seufzte meine große Schwester glücklich.

„Ich bin auch froh darüber“, meinte ich lauernd, „nur ist bei mir kein einsachtzig großer Kerl daran schuld.“

„Sei nicht so neugierig, kleine Schwester“, entgegnete Lea und gab mir einen Stups auf die Nase. „Du bist noch viel zu jung für so was.“ Sie lachte.

„Was heißt hier klein“, verneinte ich entschieden, „ich bin nur einen Zentimeter kleiner als du und anderthalb Jahre jünger. Genauer gesagt, ein Jahr, fünf Monate, drei Wochen, einen Tag, vier Stunden und drei Minuten.“

Lea und Anna fingen schallend an zu lachen. „Mit welchem Taschenrechner hast du das ausgerechnet?“, fragten sie zum Scherz.

„Ha, ha, ha. Aber ich bin so froh, dass ich von zu Hause weg bin, ganz ehrlich. Das Gezoffe hätte ich keinen Tag länger ausgehalten.“

„Das sehe ich ganz genauso. Ich hoffe übrigens immer noch, dass Mama das Angebot von ihrer Freundin nicht annimmt. Das würde doch die gesamte Haushaltsplanung durcheinander schmeißen.“

„Mir ist es relativ egal, wie sie sich entscheidet. Ich kann beides verstehen“, äußerte ich meine Meinung. „Hauptsache, es gibt hinterher keinen Streit.“

„Wenn eure Ma nicht wieder arbeitet, wird sie vielleicht für den Rest ihres Lebens darüber jammern, was sie für eine großartige Chance hatte, die sie nicht genutzt hat“, gab Anna zu bedenken.

„Auch wieder wahr“, antwortete Lea nachdenklich.

Überraschend kam Aurélie zurück. „Hi, worüber redet ihr gerade? Tut mir Leid, dass ich einfach an euch vorbeigerauscht bin, aber ich musste mir unbedingt eine Info über Europareisen besorgen.“ Auf dem Bild war der Eiffelturm abgebildet.

Anna und ich tauschten einen Blick. Es sah so aus, als hätte Aurélie das gerade ernst gemeint.

„Wir reden über zu Hause“, begann ich.

„Was war denn los?“, fragte Aurélie.

„Unsere Mutter hat ein Angebot von einer Freundin bekommen. Es geht darum, dass sie in deren Arztpraxis miteinsteigt, was bedeutet, dass sie wieder arbeitet.“

„Oh“, machte unsere Freundin.

„Ich bin total dagegen“, musste Lea natürlich gleich wieder ihre Meinung kundtun.

„Aber was meinst du dazu?“, wollte Aurélie wissen.

„Mir ist es relativ egal“, antwortete ich. „Das Einzige, was mir an der ganzen Sache nicht gefällt, ist, dass sich zu Hause alle deswegen zoffen.“

„Phh“, kam es aus Leas Ecke. Sie zog die Augenbrauen hoch. Zweifellos dachte sie an den Streit von vor ein paar Wochen. Seitdem herrschte bei uns zu Hause so dicke Luft, dass man sie mit dem Messer hätte schneiden können. Wenn wir uns sonst beim Abendessen trafen, hatten wir immer miteinander geredet, über Schule, Arbeit, die aktuelle Politik oder sonstwas. Jetzt wurde nur noch das Nötigste ausgetauscht.

„Lange hätte ich es zu Hause auch nicht mehr ausgehalten“, erzählte Lea. „Deswegen bin ich mitgefahren.“

„Stimmt. Aber das kann nicht der Hauptgrund gewesen sein“, bemerkte ich spitz und nickte währenddessen in die Ecke, in der dieser eine Typ von vorhin saß. Der schien sich auch tüchtig über diese Reise zu freuen, denn er guckte Lea die ganze Zeit an. Immer, wenn eine von uns zurückschielte, tat er so, als würde er nur eine Fliege beobachten oder so ähnlich.

„Ach, hör auf“, brummte meine große Schwester.

Im Zug von Wetzlar nach Frankfurt versuchten wir, ein wenig zu schlafen, was uns aber natürlich überhaupt nicht gelang. Der Hauptgrund dafür waren die Jungs, die irgendwelche Lieder sangen und ab und an ihre Bierflaschen klirren ließen. Natürlich so, dass Frau Lacombe und Herr Nowitzki es nicht bemerkten. Aber die waren ohnehin abgelenkt, denn sie schäkerten miteinander und lachten häufig. Grund Nummer zwei dafür, dass wir im Regionalexpress nicht schlafen konnten.

Na ja, nicht so schlimm. Die Fahrt dauerte eh nicht lange. Um drei vor elf, also drei Minuten zu früh, fuhr der Zug in den Frankfurter Hauptbahnhof ein.

Unsere Reisegruppe ging sofort geschlossen zum Gleis, an dem wir gleich in den Nachtzug einsteigen sollten. Da wir aber zu früh waren, stand der Zug noch nicht bereit.

Ermattet stellte ich meine riesengroße Reisetasche und den Rucksack erst einmal auf dem Boden ab und setzte mich dann auf denselbigen. Ich atmete aus.

Da hörte ich lautes Gelächter. Ich drehte mich zur Ecke, aus der es gekommen war, und erblickte unsere Begleitpersonen. Na, die verstanden sich ja immer noch prächtig. Das wunderte mich bei Herrn Nowitzki allerdings nicht wirklich. Mit seiner Art und seinem Aussehen schaffte er es einfach, jede Frau um den Finger zu wickeln.

Ich schaute mir Frau Lacombe genauer an und wieder einmal fiel mir auf, wie ähnlich sie meiner Mutter doch sah. Frau Lacombe lachte jetzt, für meine Mutter ging es zu Hause bestimmt nicht so lustig zu.

Wahrscheinlich würde Mama alles dafür geben, so eine, hm, lebenslustige Frau wie meine Französischlehrerin zu sein. Bestimmt sah sie den Wiedereinstieg in die Arbeit als ersten Schritt dahin an. So gesehen fand ich es echt schade, dass der Rest der Familie sich so gegen Mamas Arbeitswunsch stellte.

Na toll! Da hatte ich mich für Paris gemeldet, weil ich mich von zu Hause ablenken wollte, und hatte das genaue Gegenteil erreicht. Ich seufzte und drehte meinen Kopf traurig in die andere Richtung.

Da passierte etwas. Jemand hob meinen Blick auf und hielt ihn fest, wenn man das mal so sagen kann. Dieser Jemand war Frederik, in unserem Jahrgang besser bekannt als Freddy.

Er war ein ziemlich schräger Vogel. Seine Haare trug er raspelkurz und orange, er trug ständig irgendwelche Band-T-Shirts (von total unbekannten Bands), und es soll Leute geben, die ihn außerhalb des Unterrichts noch nie reden gehört haben. Außer seinen Freunden vielleicht.

Irgendwas irritierte mich an der Art, wie er mich anstarrte. Von der Seite, den Kopf leicht nach unten geneigt. Und außerdem ließ er meinen Blick wirklich nicht los, Freddy schaute mich die ganze Zeit an, ich verstand nicht, wieso und zog meine linke Augenbraue fragend hoch, doch Freddy erklärte nichts und wendete seine Augen auch nicht von mir ab.

Komisch. Irgendwo hatte ich diese Sorte Blicke doch schon mal gesehen. Wo war das nur?

Bevor mir die Antwort einfiel, fuhr der Nachtzug nach Paris auch schon ein und Freddy und ich setzten uns in zwei entfernte Abteile. Ich dachte über diese Situation am Gleis auch nicht weiter nach. Dazu war ich eh viel zu müde.

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 4

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Ich merkte es schon, als ich vor der Haustür stand. Heute hatte Oma gekocht.

Als ich dann in der Küche stand, merkte ich auch, was sie zubereitet hatte. Auf meinem Teller lag auch schon etwas davon. Ich wollte von diesem Hackbraten nichts essen, ich war nämlich schon seit anderthalb Jahren Vegetarierin.

Also sagte ich zu meiner Mutter: „Ich möchte davon nichts essen!“

„Wieso nicht?“, schaltete sich Oma ein.

„Weil ich seit eineinhalb Jahren kein Fleisch mehr esse!“ Bekommt denn hier keiner was mit?, wollte ich am liebsten noch hinterherschieben, aber ich ließ es sein.

„Bitte iss was davon!“, befahl Mama und bemühte sich, ihrer Stimme einen energischen Ton zu geben. Doch dann sah ich den Ausdruck in ihren Augen: er hatte etwas Flehendes. Oh, oh, dachte ich. War die ach so tolle Harmonie etwa am Bröckeln? Das gefiel mir irgendwie nicht wirklich.

Einen Augenblick lang überlegte ich fast, ob ich das nicht doch ausnahmsweise mal essen sollte, um der Familienharmonie willen, doch da sagte Oma bereits: „Lass das Kind doch! Wenn sie nicht will, dann will sie eben nicht!“ Allzu glücklich sah sie aber auch nicht aus.

Mit Unbehagen gab ich meinen Braten an Paul weiter, der aß wie eine siebenköpfige Raupe, und füllte mir noch etwas mehr von den Kartoffeln auf.

Nach dem Essen räumte Mama schnell das Geschirr weg und verschwand wortlos.

Nanu, was war denn jetzt los?

Ich sollte es gleich erfahren: Sie kam mit einem großen hellblauen Plakat und einem Edding zurück.

„Passt mal auf! Ich habe mir da was überlegt!“, teilte uns Mama mit. „So kann es nicht weitergehen und deswegen dachte ich, wir überlegen uns jetzt ganz gründlich, wie wir in dieser Sache vorgehen.“

„Was heißt ‚vorgehen‘?“, fragte Paul, doch niemand beachtete ihn.

Mama rollte das Plakat auf und schrieb auf die eine Seite ein großes Plus, auf die andere Seite ein großes Minus.

Ah, ich verstand. Diese Methode kannte ich aus den Erziehungsberatern, die ich manchmal zu meinem Amusement las. Was dort vorgeschlagen wurde, war teilweise einfach nur lustig. Aber wenn das helfen sollte…

„Auf die Seite mit dem Plus schreiben wir alle Gründe, die dafür sprechen, dass ich wieder arbeite“, erklärte meine Mutter. „Auf die Seite mit dem Minus kommt alles, was dagegen spricht.“

Die Seite mit dem Plus fiel ziemlich dünn aus. ‚Mehr Geld‘ und ‚Selbstverwirklichung‘ stand dort.

„Wieso ’selbst verwirklichen‘, du bist doch schon da“, bemerkte Paul irritiert und oberschlau. Normalerweise hätte Mama über so eine Bemerkung gelacht. Diesmal guckte sie irgendwie traurig.

Als wir uns an die Minus-Seite machen wollten, kam Lea nach Hause.

„Worum geht’s?“, fragte sie interessiert.

„Wir überlegen uns gerade, ob deine Mutter das Angebot annehmen soll oder nicht“, erklärte Papa und fuhr sich durch die Haare.

„Ach so“, machte Lea und setzte sich auf einen Stuhl.

Oma schrieb in ihrer alten Schrift auf: ‚Wer kümmert sich um den Haushalt und die Kinder?‘

Lea hielt ihren Kopf schief, um Omas Punkt zu entziffern und meinte: „Wieso ‚um die Kinder‘? Wir sind alt genug, um auf uns selbst aufzupassen.“

„Das musst du gerade sagen!“, fuhr Oma sie plötzlich an. „Wer hat denn das Essen anbrennen lassen, während er telefoniert hat?“

Oh, das hatte ich ja gar nicht mitbekommen! Da musste ich wohl gerade bei Anna gewesen sein.

„Wieso hast du nicht danach geguckt?“, rief Lea.

„Du weißt doch, dass ich mit meinem Knie nicht gut laufen kann! Und überhaupt, so lange zu telefonieren wegen unwichtiger Sachen!“

„Das waren keine unwichtigen Sachen!“, behauptete Lea. „Das waren vielleicht fünf Minuten! Und ich musste meinen Freund anrufen, sonst hätte es Streit gegeben.“

„Wieso hast du überhaupt schon einen Freund?“, fragte Oma. „Zu meiner Zeit hätte es so etwas nicht gegeben! Außerdem vernachlässigst du seinetwegen die Schule!“ Jetzt wendete sie sich an Mama. „Monika, du erziehst die Kinder viel zu locker!“

„Das stimmt gar nicht!“, keifte Mama. „Ich habe drei wohlgeratene Kinder! Frag doch mal lieber deinen werten Sohn, wie er sich um seinen Nachwuchs kümmert!“

„Was soll das denn heißen?“, fragte der Angesprochene pikiert. „Ihr wisst doch ganz genau, dass ich in meiner Anwaltskanzlei sehr eingespannt bin! Und einer muss ja schließlich das Geld für alle verdienen!“

„Das sehe ich ganz genauso!“, pflichtete Oma ihm bei. „Es ist deine“, hier sah sie wieder meine Mutter an, „Aufgabe gewesen, die Kinder zu erziehen, und du hast auf ganzer Linie versagt! Guck dir die Gören doch mal an!“ Nun zeigte sie anklagend mit dem Finger auf mich. „Sie verweigert das gute Essen, und ich hab mir so viel Mühe gemacht!“

Ich wollte etwas einwerfen, doch ich kam gar nicht mehr zu Wort. „Es ist ihr gutes Recht, das zu tun“, setzte sich Mama schreiend für mich ein.

„So ein Schwachsinn“, rief Oma zurück. „Sie ist siebzehn! In dem Alter hat man sich danach zu richten, was -“

„Aaaaaaaah!“, brüllte auf einmal Paul dazwischen. „Nicht streiten!“ Er fing bitterlich an zu weinen.

Der arme Kleine. Er konnte Streit überhaupt nicht leiden und schon gar nicht, wenn unsere Eltern und unsere Oma böse waren. Das hier musste ihm tierisch an die Nieren gehen.

Ich nahm ihn an der Hand und ging mit ihm zur Tür. „Ihr solltet euch schämen!“, richtete ich mich anklagend an meine Familie, die wegen Paul in ihrem Gestreite inne gehalten hatte und uns nun verdutzt ansah. „Euch vor dem Kleinen zu streiten!“

Lea sagte etwas, doch es war mir egal. Um Paul zu trösten, zog ich mir meine Sachen an und ging mit ihm zum Spielplatz.

Ob es wohl zu spät war, sich für die Parisfahrt anzumelden?

Nein, war es nicht. Frau Lacombe war sehr erfreut, dass ich auch mitfahren wollte, und reichte mir sogleich alles, was ich für die Teilnahme an der dreitägigen Exkursion nach Paris ausfüllen musste.

Da ich erst in ein paar Monaten achtzehn wurde, brauchte ich hierfür noch die Einverständniserklärung meiner Erziehungsberechtigten.

Das konnte tatsächlich ein Problem werden. Bestimmt waren meine Eltern nicht so scharf darauf, ihre jüngere Tochter mal eben in ein anderes Land fahren zu lassen, nach so einem Streit.

Wie immer, wenn ich so einen heiklen Wunsch vorbringen wollte, wartete ich den besten Moment ab. In diesem Fall bot sich der Umstand an, dass Paul ein Diktat mit null Fehlern und Lea eine Klausur mit dreizehn Punkten wiederbekommen hatte.

„Äh, Mama?“, fragte ich.

„Was ist denn?“, fragte sie zurück und sah dabei ziemlich müde aus. Das war nicht so gut. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr.

Ich holte tief Luft und sagte: „Ich habe die Möglichkeit, an einer dreitägigen Exkursion unserer Schule nach Paris teilzunehmen. Es können alle mitfahren, die mindestens sechzehn sind und es gibt ein tolles Programm.“

„Aha“, brummte Mama.

„Also, ich finde das nicht gut“, stellte Oma sich gleich wieder dagegen. „Wer sagt denn, dass sie dort nicht irgendwelchen Blödsinn anstellt?“

„Ich“, entgegnete ich frech. „Wir haben zwei Begleitpersonen, die auf uns aufpassen und darauf achten, dass wir um 24 Uhr wieder in der Jugendherberge sind.“

„Wer sind denn diese Begleitpersonen?“, wollte Papa wissen und beugte sich auf dem Tisch vor.

„Frau Lacombe, meine Französischlehrerin, und Herr Nowitzki, mein Deutschlehrer.“

„Uuuuh“, machte Lea und zog dabei ihre Augenbrauen hoch. Sie kannte die beiden auch schon und wusste daher ebenso gut wie ich, was mich auf dieser Fahrt erwarten würde.

„Und wieviel soll das Ganze kosten?“, stellte Papa die Problemfrage. Ich wusste, die Antwort würde mich höchstwahrscheinlich ihr Einverständnis kosten. Wenn meine Eltern sich bis jetzt noch nicht ablehnend gezeigt hatten, so würden sie es jetzt bestimmt tun.

„Hundert Euro“, antwortete ich und betete, dass dieser Preis niemanden abschrecken würde. Hoffentlich würde es klappen. Papa verdiente doch nicht schlecht als Anwalt, vielleicht würde er zustimmen. Es bestand die Chance, dass –

„Das ist ziemlich viel für drei Tage“, antwortete er da mitten in meine Gedanken hinein.

„Eigentlich ist das ziemlich billig“, versuchte ich sogleich, Papas Aussage zu entkräften. „Das meiste davon geht für den Zug drauf. Und wenn man dann ausrechnet, wie viel für die Übernachtungen übrig bleibt…“

Zu meiner Unterstützung schaltete sich Lea ein. „Du sagst doch selbst immer, dass wir so viel für die Schule tun sollen. Wenn sie da hinfährt, kann sie Französisch mal mit Muttersprachlern sprechen. Das würde sie doch unheimlich weiterbringen.“

So ganz überzeugt schien Papa von dem Hammer-Argument leider nicht. „Na ja, drei Tage…“, setzte er an, doch da kam ihm Mama zuvor.

„Es ist doch unheimlich toll, dass sie die Chance hat, diese Stadt zu besuchen. Ich finde, wenn sie so eine Chance bekommt, sollte sie die auch nutzen.“ Sie fixierte ihn mit einem eindringlichen Blick.

Wieso wurde ich das Gefühl nicht los, dass Mama hier irgendwie eher über sich redete als über mich? Auf jeden Fall hatte ihre Äußerung diesen Unterton. Und Papa hatte offenbar denselben Eindruck. Nur leicht widerstrebend lenkte er ein: „N-n-na gut. Dann gib den Wisch mal her, den ich unterschreiben soll.“

„Super! Danke, Papa!“, freute ich mich und drückte ihm sogar einen Kuss auf die Wange. Das hatte ich bestimmt schon nicht mehr gemacht, seit ich aus dem Kindergarten raus war. Ich holte die beiden Formulare, die ich für die Fahrt ausgefüllt wieder abgeben musste. Formidable!

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 3

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Am nächsten Morgen gab es in der Schule einen echten Knaller – der Meinung unserer Lehrerin nach.

Sie heißt Frau Lacombe und sie ist meine Französischlehrerin. Als ich sie zum ersten Mal fragte ich mich direkt, was meine Mutter denn in der Schule machte, so ähnlich sah sie ihr. Schon häufig hatte ich mir in langweiligen Unterrichtsstunden ausgemalt, die beiden wären in Wahrheit Zwillingsschwestern und direkt nach der Geburt getrennt worden, so ähnlich wie diese Zwillinge bei Erich Kästner. Sie tragen beide genau die gleiche Frisur, die gleiche Brille, die Gesichtszüge sind fast gleich und manchmal tragen sie sogar ähnliche Klamotten.

Aber ich schweife ab. Ich wollte ja erzählen, welchen angeblichen Knaller uns Frau Lacombe damals präsentieren wollte.

Es ging um eine Schulfahrt nach Paris. Alle, die mindestens sechzehn Jahre alt waren, durften mitfahren. Tagsüber würde es Stadtrundfahrten und ein pädagogisch wertvolles Programm geben, abends stünde uns „die Zeit zur freien Verfügung!“ Aber nur bis 24 Uhr selbstverständlich.

Frau Lacombe fragte, wer denn grundsätzlich erst mal Lust hätte, mitzukommen, endgültig entscheiden sollte man sich bis nächsten Freitag. Ein paar Hände gingen in die Höhe. Meine nicht. Ich hatte mich bereits entschieden. Französisch konnte ich hier zu Hause auch genug kriegen, und außerdem wollte ich nicht ins Froschschenkel-Esser-Land.

In der Pause ereiferte sich Aurélie: „Ist doch toll, diese Fahrt! So habe ich endlich mal wieder die Chance, mein Lieblingsland zu besuchen – und außerdem ist es ja das Land meiner Ahnen.“ Sie biss in ihr Croissant.

Oh Mann, dachte ich wieder. War sie denn nun voll durchgedreht? Morgen würde sie uns vermutlich mit der Ankündigung kommen, ab sofort auf das Lycée Saint-Antoine in Marseille zu gehen.

„Ja, drei wundervolle Tage mit Madame Langweilig und Monsieur Dragueur“, sagte Anna und verdrehte ihre Augen himmelwärts.

„Aber bedenke doch mal, wie viele wundervolle Plätze, Sehenswürdigkeiten und Läden es in Paris gibt!“, schwärmte Aurélie. „Ganz zu schweigen von den Clubs!“

„Die du wohl kaum wirst genießen können, da wir ja um Mitternacht alle brav wieder da sein müssen. Wie Aschenputtel“, machte Anna unserer gemeinsamen Freundin die Illusion zunichte. Und sie schob noch hinterher: „Die Lacombe würde da auch keine Ausnahme machen. Du kennst sie doch.“

„Hm, stimmt. Aber ich finde es unheimlich toll, die Chance“ – natürlich französisch total korrekt ausgesprochen – „zu haben, diese Stadt zu besuchen. Wusstet ihr eigentlich, dass meine Uroma…“

Und es folgten weitere Details zur Geschichte der Familie Müller-Desbrosses.

So interessant das auch alles war, langsam nervte das ewige Gerede über dieses Thema. Es erinnerte mich ein bisschen an werdende Mütter, die ja meistens auch nur das eine Thema – nämlich ihr Nachwuchs – kennen. Egal, worüber man zuerst redet, über Steuererklärungen, Beziehungsprobleme oder den neuesten Kinofilm, sie schaffen es irgendwie immer, das Gespräch auf die kleinen Lebewesen in ihren Bäuchen zurückzubringen. So war es auch bei Aurélie. Seit sie vor kurzem diese Sache herausgefunden hatte, kannte sie nur noch La France. Hatte sie überhaupt mitbekommen, was gerade bei mir zu Hause los war?

„Hey, Aurélie, ich muss dir was erzählen -„, setzte ich an, kam aber nicht dazu, weiterzuerzählen.

„…und dann kam am 8. Mai 1945 meine Oma zur Welt. Quasi als Kind der Versöhnung und des Friedens…“

„Aurélie, ich hab Probleme zu Hause!“

„…unglaublich, dass ich das alles erst jetzt entdeckt habe. So lange ist das jetzt ja nun auch wieder nicht her…“

„Aurélie, bitte hör mir mal zu, ich -“

„Vielleicht wird mir das irgendwann mal nützlich, ich meine, da sind bestimmt noch irgendwelche Verwandten, bei denen ich mal unterkriechen kann…“

Da reichte es mir. Ich hakte mich bei Anna ein und zog sie von Aurélie weg, Richtung Haupteingang.

„Aber was habt ihr denn?“, rief Aurélie noch hinter uns her und guckte dabei ziemlich verständnislos.

Darauf sollte sie mal von selbst kommen.

Zuerst wollten wir in die Aula gehen, doch dort führte gerade eine Lehrerin Aufsicht, die mich überhaupt nicht leiden konnte – ich mochte sie genauso wenig. Also verzogen wir uns einfach in irgendeinen leeren Klassenraum.

„Mann, das regt mich einfach auf! Dreht die denn jetzt völlig durch? Ich will ihr was über meine Probleme zu Hause erzählen und die hört mir einfach nicht zu! Ich verstehe nur noch Bahnhof – nein, gare.“

„Harharhar“, machte Anna und pflanzte sich auf die Fensterbank. „Natürlich ist das unheimlich aufregend für sie. So ist sie nun mal – wenn sie einmal was gefunden hat, das sie mag, lebt sie quasi dafür. Kannst du dich noch an die Grundschule erinnern?“

„Dunkel. Wieso?“

„Damals war sie doch der allergrößte Britney-Spears-Fan der ganzen Stadt. Zu jedem Konzert wollte sie unbedingt, hat alle möglichen Artikel gesammelt. Sogar die Haare wollte sie sich so blond färben wie Britney-Püppchen. Durfte sie aber nicht. Fand sie total doof.“

Stimmt, jetzt erinnerte ich mich wieder.

„Weißt du noch, wie plötzlich diese Phase damals aufgehört hat? Wegen diesem einen Lied? Und so wird es sicher auch bei dieser Frankreich-Sache sein.“

In diesem Augenblick gongte es zur Stunde. Ein paar Fruchtzwerge aus der fünften Klasse wollten den Raum betreten, doch Anna scheuchte sie weg mit den Worten: „Haut ab, die Großen haben hier etwas zu besprechen!“ Eingeschüchtert verzogen sich die Kiddies.

„Wir haben doch neulich diesen Artikel mit dem Paris-Syndrom durchgenommen. Weißt du noch? Diese ganzen Japaner, die nach Paris kommen und den Schock ihres Lebens kriegen, weil Paris überhaupt nicht so ist, wie sie es sich vorgestellt haben?“

Ich nickte.

„Siehst du“, meinte Anna zufrieden. „So wird es auch bei unserer lieben Aurélie sein. Wir fahren hin, sie lernt die Stadt richtig kennen und wird schwupps wieder die Alte. Komm, wir müssen, sonst reißt uns die Heidemayer wieder den Kopf ab.“

Ich habe die unterschiedlichsten Gefühle, wenn ich von der Schule nach Hause fahre. Häufig bin ich kaputt von dem ganzen Stress, den uns die lieben Lehrer verursachen. Manchmal bin ich auch traurig, weil ich eine verhauene Klausur wiederbekommen habe. Es kam auch schon vor, dass ich richtig gute Laune hatte, weil irgendein Experte in der Schule wieder einen richtig lustigen Spruch abgelassen hatte. Aber es war bis jetzt noch nie vorgekommen, dass ich gespannt auf das war, was mich zu Hause erwartete.

Ja, bis heute. Nach der merkwürdigen Harmonie gestern und auch heute Morgen war das wohl kaum verwunderlich. Bei uns war es ja zugegangen wie in der Werbung. Die wunderbare glückliche Familie mit Vater, Mutter und drei Kindern. Manchmal ist auch noch eine Oma dabei.

Wer würde sich da nicht fragen, was als Nächstes passierte?

Auf dem Heimweg zählte ich die Busstationen, bis ich zu Hause war, und überlegte, dass das alles doch nur die Ruhe vor dem Sturm war. Anders konnte das doch gar nicht abgehen.

„Nächste Haltestelle Brückenstraße.“

Oder vielleicht doch? Hatten sie sich schon auf irgendwas geeinigt und ich hatte es nur nicht mitbekommen?

„Nächste Haltestelle St.-Marien-Krankenhaus.“

Ach Quatsch, das hätten sie mir doch schon längst erzählt.

„Nächste Haltestelle Nordkreuz.“

Hier musste ich aussteigen. In der Imbissbude an der Haltestelle sah ich ein junges Pärchen mit einem Baby. Die Eltern fütterten ihr Kind mit Pommes und es schien den beiden zu gefallen. Dem Baby auch.

Ob die in fünfzehn Jahren in einer ähnlichen Situation stecken würden wie meine Familie?

Ich seufzte und lief die hundert Meter bis nach Hause.

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 2

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„Guten Morgen!“

„Guten Morgen, Herr Nowitzki!“, antwortete der Kurs gelangweilt.

„Es tut mir Leid, ich hoffe, ihr musstet nicht weinen, weil ich später komme“, versuchte unser Deutschlehrer zu scherzen. Anna, die neben mir sitzt, verdrehte die Augen und raunte mir ins rechte Ohr: „Wahnsinnig witzig!“ Das brachte mich jetzt aber zum Lachen.

„Ich musste noch etwas wegen der Literatur-AG besprechen“, informierte er uns.

„Was denn. wird die neuerdings von der Bräuning geleitet?“, versetzte Anna. Die Bräuning war die neue Deutschreferendarin an unserer Schule und sah aus wie ein Supermodel. Zweifellos war sie seine Lieblingskollegin. Ich lachte.

„Was ist los, Sara?“, fragte Herr Nowitzki und grinste sein Alle-finden-mich-toll-Grinsen.

„Nichts, ich freue mich nur so, dass Sie da sind“, gab ich zurück und grinste ebenfalls.

„Das ist schön“, meinte er und begann mit seinem Unterricht.

Heute hatte er eine Kurzgeschichte über ein Mädchen in der Pubertät mitgebracht. Die hatte ein total unordentliches Zimmer, ließ ihre Freunde auf ihren Turnschuhen unterschreiben, trug laut des Ich-Erzählers viel zu kurze Miniröcke, dafür immer einen riesenlangen Schal und hörte ihre Musik so laut, dass man denken könnte, sie hätte bei sich eine Disko aufgemacht. Ich konnte nicht genau sagen, wieso, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, als wollte Herr Nowitzki sich mit dieser Kurzgeschichte an uns heranschmeißen.

Ich musste an meine Mutter denken. Wenn ich ihr diese Geschichte gezeigt hätte, hätte sie mit Sicherheit so etwas gesagt wie: „Wieso hat der Autor eine Geschichte über dich geschrieben?“ Ihr Standardspruch war, dass ich mein Zimmer auch Labor nennen könnte, weil ich dort ja Unmengen an biologischen Studien betreiben würde. Sie fand es eine Unsitte, dass meine Freundinnen auf meiner Schultasche unterschrieben hatten, nervte mich ständig damit, dass ich „meine Kapelle“ zu laut aufgedreht hätte, und meine Outfits gingen ja sowieso schon mal gar nicht. Hätte ich all die Gesundheitsschäden abbekommen, die meine Mutter mir deswegen angedroht hat, wäre ich schon tot.

Ich dachte nach. Hatte sie diesen ganzen Kram einfach satt? Wollte sie deswegen wieder als Ärztin arbeiten? Irgendwie konnte ich das verstehen. Es kam gelegentlich vor – na gut, es kam ständig vor, dass ich absolut keine Lust mehr auf mein Leben hatte und alles radikal ändern wollte. Wie oft hatte ich mir nach dem Realschulabschluss schon gewünscht, ich hätte nicht mit der Schule weitergemacht, sondern eine Ausbildung begonnen?

„Sara, du siehst zwar gut aus, aber bitte pass trotzdem auf“, unterbrach der Obercasanova meine Gedanken.

Und Sie sehen zwar gut aus, nerven aber trotzdem sehr. Ich habe wichtigere Probleme als diese dämliche Geschichte, dachte ich und tat ab jetzt so, als würde ich aufpassen.

Zu Hause kam ich mir irgendwie sehr unwirklich vor.

Es geschieht selten, dass wir alle gemeinsam zu Mittag essen, da Lea häufig bei Freunden ist, Oma ihr Mittagessen meistens alleine einnimmt und Papa meist lange arbeitet.

Doch an diesem Tag saßen alle da. Oma trug ein glückliches großmütterliches Grinsen im Gesicht, was für sie schon verdammt ungewöhnlich war. Papa trug einen merkwürdigen Strickpullover mit einem noch merkwürdigeren, mir gänzlich unbekannten Pullunder darüber. Mama grinste ebenfalls wie ein Honigkuchenpferd, tat Paul etwas von der Suppe auf und sagte dabei etwas zu ihm, was Paul zu einer unheimlich witzigen Bemerkung veranlasste. Alle lachten.

Ich kam mir vor wie in einem Werbespot. Ich wusste nicht, was diese unheimlich wirkende Harmonie erzeugt hatte, aber ich würde es herausfinden.

In diesem Moment bemerkte mich meine Familie.

„Hallo, Sara, setz dich!“, rief Lea fröhlich und wies mir den freien Platz neben ihr zu.

„Na, Sara, wie war’s in der Schule?“, wollte Mama wissen, als ich mich setzte.

„Wie immer“, antwortete ich. „Ich bin heute Morgen mit Lea hingefahren, habe sechs Stunden abgesessen, und dann bin ich mit dem Bus wieder nach Hause gefahren.“

Ach, du nun wieder, ließ Mamas Blick verlauten. Sie nahm einen Löffel von der Suppe.

„Wieso bist du eigentlich schon zu Hause?“, fragte ich Papa.

„Ich habe mir frei genommen“, entgegnete er. Komisch, das tat er äußerst selten.

Ich begutachtete den Inhalt meines Tellers. Blassbräunliche Suppe mit Nudeln drin. Wirkte irgendwie künstlich, wie aus einer dieser Tüten, die Lea immer benutzte, wenn sie mal kochen sollte.

Paul erzählte etwas über die Tiere, die sie heute in seinem Unterricht behandelt hatten. „So groß sind die!“, rief er und breitete seine kleinen Arme dabei voll aus.

„Aha“, machte Mama und goss sich noch etwas Suppe nach.

„Wollen wir heute zusammen in den Zoo gehen und uns die Vögel ansehen?“, schlug Oma vor.

Das verwunderte mich wirklich. Normalerweise beschränkte sich Omas Kontakt mit ihren Enkelkindern darauf, sie (also uns) zu bitten, den Fernseher leiser zu drehen, etwas im Haushalt zu tun oder zu wettern, wir würden alle noch von der Schule fliegen, wenn wir unsere schulischen Pflichten weiter so vernachlässigten.

„Au ja“, rief Paul begeistert.

Ich probierte etwas von der Suppe. Sie schmeckte merkwürdig.

„Äh, Mama?“, setzte Lea an. Ich kannte sie ziemlich gut und wusste daher: Sie will irgendwas von Mama.

„Wir wollen morgen von Deutsch aus ein Kurstreffen veranstalten. Können wir das bei uns im Keller machen?“

Oh, oh, das gibt Ärger, dachte ich. Die Erwachsenen, besonders Mama, hatten es nämlich überhaupt nicht gerne, wenn Lea hier etwas veranstalten wollte. Sie hatten Fantasien, dass alle mit einer Alkoholvergiftung enden oder mindestens alles vollkübeln würden.

„Aber natürlich, Lea! Um wieviel Uhr soll es losgehen?“

„Um acht. Boah, danke, Mama! Ich muss gleich alle anrufen und ihnen das erzählen.“ Meine Schwester hat viele Angewohnheiten. Dazu gehören das Liegenlassen von benutztem Geschirr im Zimmer, bis es total schimmlig ist, das laute (und falsche) Trällern der aktuellen Charts im Bad und das vorzeitige Verlassen des Esstisches.

Komischerweise blieb Lea jetzt bis zum Schluss sitzen, obwohl sie doch gerade jetzt einen Grund dafür gehabt hätte, ihrer Angewohnheit Nummer drei nachzugehen.

Ich schlürfte noch einen Löffel Suppe. Die schmeckte wirklich zu merkwürdig.

„Ich hab keinen Hunger mehr“, murmelte ich und verließ die Küche. Ich bekam noch mit, wie Paul fragte, ob er die übrig gebliebene Suppe essen dürfe, und ein „Ja, klar“ zur Antwort bekam. Warum wollte mich eigentlich niemand darauf hinweisen, dass ich mir einen Erdbeerjogurt mitgenommen hatte, obwohl ich doch angeblich keinen Hunger mehr hatte?

Ich ging in mein Zimmer. Ein Nachgeschmack der komischen künstlichen Suppe, so glaubte ich, hing noch auf meiner Zunge.

Während ich den Erdbeerjogurt löffelte, dachte ich über die gesamte Situation nach. Heute Morgen beim Frühstück hatten sich noch alle angeschwiegen. Das war nachvollziehbar, nach dem Stress gestern. Aber dann hatte Lea auf der Fahrt zur Schule so entschlossen gewirkt. Wieso nur? Was hatte sie vor? Und was war von der zur Schau gestellten Harmonie beim Mittagessen zu halten? Ich verstand das einfach nicht.

Hatte Lea Mama davon abbringen können, in das Angebot ihrer Freundin miteinzusteigen? Waren deswegen alle so friedlich? Anders konnte ich mir das nicht erklären. Und doch spürte ich, das es so einfach nicht sein konnte. Irgendwas musste noch kommen, von dem ich wusste, dass es nicht gut war. Da war ich ganz unruhig.

Im verzweifelten Versuch, mich von der Problematik abzulenken, machte ich sogar endlich mal wieder meine Hausaufgaben.

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 1

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Vor einigen Jahren begann ich eine Reihe über eine junge Frau namens Sara und stellte die entstandenen Teile auf neon.de hoch. Ich habe meinen dortigen Account gestern löschen lassen und werde die Sara-Geschichten jetzt im Blog präsentieren, in der Hoffnung, dass sie jemandem gefallen. Viel Spaß beim Lesen.

Alles fing damit an, dass meine Mutter wieder anfangen wollte zu arbeiten. Doch vielleicht sollte ich erst einmal unsere Familie vorstellen. Da wären meine Oma, meine Eltern, meine beiden Geschwister – und ich.

Meine Schwester heißt Lea und ist nur anderthalb Jahre älter als ich. Sie hat jetzt ihr Abitur und ständig musste sie sich von irgendwem anhören: „Wie willst du das nur schaffen?“ Meistens von meinen Eltern. Manchmal denke ich, sie verwenden ihre ganze Zeit dafür, zumindest solange sie nicht arbeiten. Mein Vater ist Anwalt, meine Mutter Ärztin. Als mein Bruder geboren wurde, hat sie aufgehört, zu arbeiten. Aber darauf komme ich später noch.

Genau, mein Bruder! Er heißt Paul und ist sieben Jahre alt. Seit Sommer letzten Jahres geht er zur Schule und ist total stolz auf alles, was er lernt. Ich glaube, am liebsten würde er bei jedem neuen Buchstaben und bei jeder neuen richtigen Rechenaufgabe laut rufen: „Siehst du, ich bin besser wie du!“ Diesen Sprachfehler macht Paul ständig. Oft korrigiert ihn dann Oma, die seit Opas Tod vor fünf Jahren bei uns wohnt.

Ich bin auch froh, wenn ich den Schulstoff korrekt behalte und wiedergeben kann. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich damit angeben möchte, oh nein. Ich freue mich einfach, dass ich so schwere Sachen kann. Ein Berg an Wissen, der sich anscheinend jeden Tag quadratisch vermehrt. Und wehe, ich behalte nicht alles richtig. Dann trifft mich auch schon mal der Satz, den sonst nur Lea zu hören kriegt. Ich bin achtzehn und mache nächstes Jahr mein Abitur, da ist das schon ziemlich wichtig.

Und eines schönen Tages saßen wir alle am Frühstückstisch, als Mama mit der sensationellen Neuigkeit herausrückte.

Eine Freundin von ihr wolle eine Arztpraxis aufmachen und sie könne mit einsteigen. Zunächst blieben wir ruhig sitzen. Papa und Oma nickten und brummten so etwas wie „Aha“, ich nahm mir eine weitere Toastscheibe und belegte sie mit Käse, Lea trank einen Schluck Milch.

„Und ich finde das eine ausgezeichnete Idee. Am liebsten würde ich sofort einsteigen. Was meint ihr dazu?“

Einen Moment lang guckten wir uns entgeistert an, dann redeten alle durcheinander. Kaum ein Wort war zu verstehen, doch eines war klar: Niemand war total begeistert.

„Wer macht dann den Haushalt?“, fragte Lea alarmiert.

„Kannst du dann nicht mehr mit mir spielen?“, wollte Paul ängstlich wissen.

„Aber ich verdiene doch genug Geld für uns beide!“, entgegnete Papa. Woraufhin Mama ziemlich wütend guckte. Als Oma dann auch noch meinte, dass sie lieber auf die Kinder aufpassen sollte, pfefferte sie ihr Brötchen aufs Brettchen, rief beleidigt: „Also, ich hätte von euch ein bisschen mehr Unterstützung erwartet!“ und verließ die Küche. Ich nehme an, sie ging zum Telefon.

Alles, was mir dazu einfiel, war: Oh Mann. Ich wusste gar nicht, was ich von den Plänen meiner Mutter halten sollte. Später saßen Lea und ich zusammen in meinem Zimmer und quatschten.

„Wie findest du es, dass Mama wieder arbeiten will?“, fragte sie.

„Hmm… weiß nicht“, antwortete ich und starrte an die Decke.

„Also, ich finde es überhaupt nicht gut“, rief Lea und haute zur Bekräftigung mit ihrer Handkante aufs Bett. „Wenn sie nicht da ist, wird Paul uns die ganze Zeit nerven und außerdem bleibt dann die ganze Hausarbeit an uns hängen.“

„Naja“, warf ich ein, „immerhin wäre dann eine Person weniger da, die die ganze Zeit auf uns aufpasst und an uns herummeckert. Und Paul ist doch eh ständig bei seinen Kumpels.“

„Sag bloß, du findest es gut, dass Mama wieder arbeiten will?“ Lea sprang auf und rannte auf und ab.

„Mir gefällt das jedenfalls überhaupt nicht. Und ich werde sie irgendwie davon abbringen. Ich weiß noch nicht, wie, aber irgendwas wird mir schon einfallen!“ Mit diesen Worten rauschte sie aus meinem Zimmer.

Oh Hilfe, was hatte sie bloß vor? Ich kannte meine Schwester. Wenn sie sich einmal etwas vorgenommen hatte, konnte sie nichts davon abbringen, ihr Ziel zu erreichen.

Abends kam Paul zu mir. Er trug bereits seinen Schlafanzug mit den Rennautos und hatte seinen Teddy in der Hand.

„Sara?“

„Ja, was ist denn?“

„Wenn Mama wieder arbeitet, dann kann doch niemand mehr mit mir spielen! Ich will, dass Mama hier bleibt!“

„Mach dir keine Sorgen, Kleiner!“, versuchte ich ihn zu beruhigen. „Es sind genug Leute da, die mit dir spielen können. Oma, Lea, ich, der Niklas aus deiner Schule…“

„Aber keiner kann mit mir so spielen wie Mama! Und sie kümmert sich immer um mich. Wer macht mir mein Lieblingsessen, wenn Mama weg ist? Nur sie kriegt das hin!“

„Weißt du, Mama –“, begann ich, wurde aber von Mama unterbrochen, die plötzlich in der Tür stand und fragte: „Wieso bist du noch nicht im Bett, Paul?“

Sie sah sehr betrübt und nachdenklich aus.

„Komm, Paul!“ Sie nahm die Hand, in der nicht der Teddy war, und ging mit ihm aus dem Zimmer. Ich hörte noch, wie Paul fragte: „Liest du mir die Geschichte mit den Dinosauriern vor?“ Und Mama erwiderte: „Aber natürlich!“

Ich war fast froh, als ich zur Schule musste. Beim Frühstück war außer „Holst du die Zeitung aus dem Briefkasten?“ so gut wie kein Wort zu hören. Das ist sonst immer ganz anders, da diskutieren wir über irgendwas und die Eltern wollen wissen, was die Kinder so vorhaben und wann sie aus der Schule kommen. Doch an diesem Tag hatte Papa Paul lediglich gebeten, die Zeitung aus dem Briefkasten zu holen.

Oh fantastisch. Mir gefiel die Stimmung beim Frühstück überhaupt nicht und ich spürte, dass irgendetwas nicht stimmte. So konnte es nicht weitergehen.

Als Lea und ich ins Auto stiegen, um zur Schule zu fahren, sagte ich ihr das ganz genau so. Sie meinte: „Ganz recht, so kann das nicht weitergehen.“ Dabei hatte sie einen entschlossenen Gesichtsausdruck, so, als wüsste sie ganz genau, was sie tun würde. Und wieder fragte ich mich, was sie nur vorhatte.

Am Schwarzen Brett traf ich auf meine beste Freundin Anna.

„Hi, Sara, du siehst ja müde aus!“, begrüßte sie mich.

„Vielen Dank“, muffelte ich, „eigentlich hatte ich eine andere Begrüßung erwartet!“

„Hey, was ist denn los?“

„Ach, Probleme zu Hause. Mama will wieder arbeiten, deswegen schieben alle total Stress.“

„Und was meinst du dazu?“, erkundigte sich Anna.

„Keine Ahnung“, antwortete ich und musterte nachdenklich den Aushang zu den Schulschachmeisterschaften. „Irgendwie bin ich weder dafür noch dagegen.“

„Bestimmt ist deine Mum relaxter, wenn sie wieder arbeitet. Immer nur zu Hause herumzuhocken, hat ihr auf Dauer wohl nicht mehr gereicht. Da wollte sie halt wieder anfangen.“

Das konnte ich mir gut vorstellen. Nach so vielen Jahren Haushalt und Babysitter-Spielen hätte ich wohl auch keine Lust mehr auf mein altes Leben. Ich würde etwas ändern wollen.

„Also, ich kann meine Mutter ja verstehen“, erklärte ich Anna, während wir zum Kursraum gingen. „Das eigentlich Ätzende sind die anderen aus der Familie. Besonders meine Schwester. Ich glaube, sie hat irgendwas vor.“

„Was denn zum Beispiel?“

„Keine Ahnung“, sagte ich und stieß die Tür zu unserem Kursraum auf.

„Du solltest dir nicht so viele Sorgen machen. Die beruhigen sich schon wieder, bestimmt müssen sie sich erst mal an den Gedanken gewöhnen.“ Sie setzte sich auf ihren Platz in der vorletzten Reihe.

Apropos gewöhnen, dachte ich. Da saß eine Neue bei uns in der Klasse. Komisch, war uns gar nicht angekündigt worden. Sie trug eine schwarze Franzosenmütze, eine Jeansjacke und ein rot-weiß geringeltes Shirt, außerde, starkes Make-up.

Ich ging zu Anna. „Du, sag mal, kennst du die da vorne?“

Plötzlich bekam Anna einen unkontrollierten Lachanfall. Sie konnte sich gar nicht wieder einkriegen. Schließlich antwortete sie keuchend: „Das ist doch Aurélie!“

Was, das sollte unsere gemeinsame Freundin sein? ich konnte das gar nicht glauben, so verändert sah sie aus.

Anna erläuterte: „Neulich hat sie herausgefunden, dass sie zu einem Achtel Französin ist. Und das hat sie dazu veranlasst, mal eben ihren gesamten Typ zu verändern.“

Da kam Aurélie auch schon auf uns zu. „Bonjour, mes copines! Comment ca va?“ Jetzt lachte sie auf ihre typische Art.

Anna und ich tauschten einen Blick. Oh Mann, dachte ich.

„Äh, hi, Aurélie, bei mir ist eigentlich alles in Ordnung. Was, ähm, hat dich denn dazu veranlasst, deinen Typ derartig zu verändern?“, fragte ich.

„Meine Uroma kam aus Frankreich“, erzählte Aurélie. „Ich habe es herausgefunden, als ich über meinen Stammbaum geforscht habe. Ahnenforschung ist ja so spannend…“

„Ja, ja, da hast du wohl Recht“, rief Anna mit hochgezogenen Augenbrauen, während sie ihre Deutschsachen auspackte. Ich wusste genau, was das bedeutete. Sie schien dasselbe über Aurélies Typwechsel zu denken wie ich. Oh Mann.

„Verstehe. Und da überkam dich einfach der Wunsch, dich so… äh… stark zu verändern“, bemerkte ich und starrte auf die Tafel, auf die irgendwelche Fruchtzwerge aus der Fünften gekritzelt hatten, wer nun alles doof ist.

„Ja, ich wollte mich einfach ein bisschen von meinen Vorfahren inspirieren lassen“, sagte Aurélie und lachte wieder.

Mittlerweile waren fast alle in der Klasse, wir warteten eigentlich nur noch auf unseren Deutschlehrer, Herrn Nowitzki. Er war mindestens so groß wie sein berühmter Basketball spielender Namensvetter und auch so athletisch gebaut, insgesamt sah er ziemlich gut aus und er war noch sehr jung. Deswegen rechnete ich mir aus, dass er noch mit irgendeiner Referendarin flirtete.

Aber eigentlich war es mir ganz recht, dass er noch nicht da war. Wie bereits erwähnt, war er noch ziemlich jung, er kam eigentlich gerade aus dem Studium. Und wie alle modernen Lehrer versuchte Herr Nowitzki, seinen Unterricht besonders pädagogisch wertvoll zu gestalten.

Ich packte mein Deutschbuch, meinen Block, mein Etui und eine kleine Dose Geleebohnen aus. Dann lehnte ich mich zurück, packte die Beine auf den Tisch und aß die Geleebohnen. Anna und Aurélie bekamen je zwei ab.

Fünf Minuten später betrat Herr Nowitzki die Klasse.

Disketten und Idiotie

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Gestern habe ich zum ersten Mal, seit ich aus der zweitgrößten Stadt Deutschlands wiederkam, etwas unternommen, das über Essensbeschaffung hinausging. Ich hatte einen ganz schönen Tag. Er fing damit an, dass ich meinen Thalia-Gutschein, den mein Freund mir zum Geburtstag geschenkt hatte, einlöste. Für zwei Bücher: “Meine russischen Nachbarn” von Wladimir Kaminer und “Neue Nazis” von Toralf Staud und Johannes Radke. Ich bin gerade dabei, diese Bücher zu lesen, und ich muss an dieser Stelle einmal festhalten, dass ich einfach nur erschüttert darüber bin, wie stark die rechte Szene in Deutschland mittlerweile ist. Ich bin erst bei ungefähr einem Drittel des zweiten Buches, und ich habe schon x Geschichten über rechte Verbrechen und darüber gelesen, wie man versucht, sie zu ignorieren. Viele Leute scheinen immer noch zu denken, dass man Rechtsextremismus am besten loswird, wenn man ihn nicht beachtet. Dabei ist Dortmund auf die Weise zu einer Hochburg von autonomen Nationalisten geworden.

Nachdem ich den Buchhandel mit 17,98 Euro unterstützt hatte, traf ich mich mit meiner besten Freundin. Wir alle wissen, dass Disketten ein veraltetes Speichermedium sind, und einige Leute haben sich überlegt, wie man die 3,5-Zoll-Scheiben wiederverwenden kann. Antwort: Untersetzer für Gläser und Becher. Ich hatte noch einen Haufen Disketten übrig, die ich dann an meine beste Freundin weitergegeben habe. Allerdings erst, nachdem wir zusammen ausgewertet haben, was sich auf den Scheiben befand. Meinen eigenen Tower hatte es leider beim Versuch, die Teile zu lesen, zerlegt (wahrscheinlich ist das Netzteil im ihr-wisst-schon), also suchten wir in den Computerräumen der Uni nach Computern mit Diskettenlaufwerk. Und so erfuhr ich ganz nebenbei davon, was die Uni sich geleistet hat.

Ein sehr wichtiges Unigebäude wurde wegen Brandschutzbestimmungen einfach mal quasi dichtgemacht. Die Seminar-, Computerräume und Hörsäle oberhalb des Erdgeschosses dürfen gar nicht mehr genutzt werden. Die Veranstaltungen, die dort stattfinden, müssen in andere Gebäude verlegt werden und die Studenten, die sie belegt haben, müssen wahrscheinlich am Samstag in der Uni antanzen. Und die großartige und total wichtige Naturwissenschaftsbibliothek kann nur noch als Magazin genutzt werden. Ich war unglaublich sauer, als ich gestern davon gehört habe. Mein Freund meinte dazu: “Gut zu wissen, dass ich einen Großteil meines Studiums in so einer Bude verbracht habe.”

Zu Hause untersuchte ich alle Dateien, die wir von meinen alten Disketten heruntergeholt hatten. Leider konnten wir nicht mehr alles retten, aber das ist bei Teilen, die vor fünf Jahren zum letzten Mal benutzt wurden und weit älter sind, wohl nur normal. Unter den Sachen, die wir retten konnten, waren uralte Kurzgeschichten von mir und eine Tagebuchdatei, die ich angefertigt hatte, als ich vierzehn bis fünfzehn Jahre alt war. Als ich die zirka 100 Seiten las, rief ich laufend: “Oh mein Gott, ist das peinlich!” Und es stimmt. Ich hatte damals absolut null Schreibtalent und habe immer nur kitschige Geschichten geschrieben, in denen die Heldinnen ihren Traumboy fanden. Außerdem habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich vor neun Jahren ziemlich panne gewesen muss. Wenn ich nur daran denke, was ich da über den Kerl geschrieben habe, in den ich fast die ganze Gymnasialzeit unsterblich verliebt war… oh Mann. Naja, irgendwie war es doch amüsant. Aber ich würd’s nie jemandem zeigen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin