RSS-Feed

Prosaisches Intermezzo

Veröffentlicht am

Ich hab ja schon im letzten Eintrag etwas über mein zweiwöchiges Intermezzo in der zweitgrößten Stadt Deutschlands bzw. deren Umgebung erzählt, aber da ist noch mehr und das kommt jetzt.

Wie angekündigt waren mein Freund und ich unterwegs, um uns das Erotic Art Museum anzusehen. Das hatte, warum auch immer, gerade nicht auf, und das, obwohl ich die Öffnungszeiten vorher im Internet überprüft hatte. Die kurzfristig ausgewählte Alternative, das Kommunikationsmuseum, existierte nicht mehr, wie uns die nette Apothekerin, die dort arbeitete, wo das Museum laut veraltetem Reiseführer (boah, bin ich froh, dass das nicht mein eigener war, der ist noch älter) sein sollte, mitteilte. Sie empfahl uns dann das Museum für Kunst und Gewerbe und da fuhren mein Freund und ich dann hin.

Ich fand das Museum auch sehr gut. Es gab dort Fotos von Steve McCurry zu sehen, einem amerikanischen Fotografen und Fotojournalisten. Einige von euch kennen vielleicht sein Bild eines afghanischen Mädchens mit grünen Augen. Am eindrucksvollsten fand ich das Foto dieses Jungen hier: http://2.bp.blogspot.com/-_8z3lV3appc/ULXtBToY3mI/AAAAAAAACco/qnXY74xf8CE/s1600/PERU-10027_2.jpg Ich fand es ziemlich hart, einige von euch vielleicht auch. Doch nicht nur Steve McCurrys Fotos sind sehenswert, man findet im Museum für Kunst und Gewerbe auch eine Ausstellung von “bösen Dingen”. Das wird dort ganz unterschiedlich definiert: von kitschigem Zeugs über rassistische Sachen bis zu Produkten, die zwar an sich nicht böse sind, aber unter Kinderarbeit etc. hergestellt wurden. Übrigens: Ihr könnt das, was ihr als “böse Dinge” definiert, dort gegen andere “böse Dinge” eintauschen. Wenn ich das mal vorher gewusst hätte.

Wenn mein Freund nicht zu Besuch gekommen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich zum Christopher Street Day aufgemacht. So begegneten uns, während wir durch die Stadt unterwegs waren, halt immer wieder als Frauen verkleidete Männer. (Ich weiß jetzt nicht genau, ob ich da “Transsexuelle” schreiben sollte. Aber ich glaube, Leute, die sich immer als Frau geben, obwohl sie eigentlich Männer sind, sehen normalerweise nicht so aus wie z.B. die Person mit lila Perücke und Schnurrbart, die mir in der U-Bahn begegnete. Ich weiß es nicht.)

Während der zwei Wochen, die ich bei einer Verwandten meines Freundes untergekommen war, hatte ich auch einen Fernsehanschluss, von dem ich häufig Gebrauch gemacht habe. Da gab’s unheimlich viel Zeug, das ich nicht vermisst habe, aber über einiges habe ich mich auch gefreut, z.B. die Wiederholung von “60 x Deutschland – die Jahresschau”. Sehr interessant fand ich ja den kleinen Clip über die Gebühreneintreiber der Bundespost (was hatte die Post denn mit Fernsehen zu tun?), die genauso klangen wie die GEZ.

Jedes Gerät ist sofort nach Inbetriebnahme anzumelden!

Man hat dort auch ziemlich viel über die DDR und die Nachwirkungen der NS-Diktatur gesehen und das hat mich etwas ins Grübeln gebracht. Wie hätte ich mich verhalten, wenn ich in einem solchen System gelebt hätte (oder leben würde)? Hätte ich mich angepasst oder wäre ich zur Widerstandskämpferin geworden? Oder wäre ich irgendwo dazwischen gelandet? Es ist ja immer leicht, zu sagen, dass man sich gegen ein solches System gestellt hätte. Aber wenn man drin ist, ist es doch nicht so einfach. Was nicht heißt, dass man es nicht versuchen sollte. Aber es ist halt nicht einfach.

Bemerkenswert, allerdings im negativen Sinn, fand ich einen Typen, der bei “mieten kaufen wohnen” eine Wohnung suchte. Bekanntermaßen wird im Privatfernsehen ziemlich viel gefakt und ich hoffe auch, dass der Typ, der in der Sendung frauenfeindlichen Scheiß im Dutzend raushaute,

Meine Freundin kommt nicht mit zur Wohnungsbesichtigung, weil ich ja die Miete bezahle und sie da also keine Mitspracherechte hat und in ein paar Monaten eh wieder abhaut.

nicht echt war. Wenn sie ihm abhaut, weiß ich auch genau, warum. Ich würde mit ihm nicht zusammenleben, geschweige denn Kinder haben wollen, denn ein guter Vater wäre er sicher nicht. Als ich das im IRC sagte, fing aber sofort jemand an, von entrechteten Vätern zu labern, die ja allzu oft nur der Zahlmeister seien bei irgendwelchen Kindern, die sie nie zu sehen kriegen würden wegen biestigen Müttern und die so genannte Gleichberechtigung würde ja eh nur Bevorteilung von Frauen bedeuten und so weiter und so fort. Ja nee, is klar.

Nun bin ich also wieder zu Hause, kann es aber wegen andauernder Schwindelgefühle und diversen anderen Problemen nicht so richtig genießen. Hoffentlich geht das bald wieder weg. Der Arzt, den ich heute Vormittag konsultiert habe, sagt aber ja. Also dürft ihr euch bald auf neue Blogeinträge von mir freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Advertisements

Über kitschautorin

Ich bin Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

Eine Antwort »

  1. Den Künstler bzw das Bild (Link) oben kannte ich gar nicht. Es ist wirklich unglaublich emotional. Werde mir mal mehr Bilder von ihm ansehen.

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: