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Krümelmonster, Teil 26

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Ich musste mit jemandem darüber reden. Also schnappte ich mein Handy und rief Anna an. Niemand ging ran. Sie hatte ihr Handy wohl mal wieder aus. Also rief ich den nächsten Namen im Telefonbuch an. Sieben Mal piepte es… und dann hörte ich eine stupide Mailboxansage, aufgenommen von der Person, die ihn besaß, und Freddy. „Tut mir Leid, Aurélie ist gerade nicht zu erreichen. Ruft am besten gleich zurück, wenn ich wieder da bin… oder auch nicht!“ Albernes Gekicher. Oh Mann! Ich legte auf und scrollte mich nach oben zu meiner Schwester durch. Wenn die jetzt nicht konnte, dann…

„Hallo, wer ist da?“

„Ich bin’s, Sara. Du, ich muss unbedingt mit dir reden!“

„Was ist denn- Uaaah!“ Würgegeräusche. Ich verzog angewidert mein Gesicht. Wenig später vernahm ich Geros Stimme. „Hallo, wer ist da?“

„Sara hier, hallo. Was ist denn mit Lea los?“

„Na ja, ihr geht’s gerade nicht so gut. Soll ich ihr was ausrichten?“

„Sag ihr einfach, sie soll morgen um zwölf in die Mensa kommen“, sagte ich, legte auf und verzog mich voll genervt von der Welt nach Hause.

Da wollte ich mal mit anderen über meine Probleme reden und niemand hatte Zeit für mich! Das war doch echt unglaublich. Mit niemandem konnte ich darüber reden, keiner hatte Zeit für mich! Wieso hatten Anna und Aurélie eigentlich Handys, wenn sie sowieso nicht rangingen? Lea hatte natürlich auch keine Zeit für mich gehabt. Musste sie denn ausgerechnet dann kotzen, wenn ich sie anrief? Ja, ich wusste schon, sie konnte nichts dafür. Nichtsdestotrotz war ich total verärgert und genervt. Ich wollte einfach nur mit jemandem sprechen, musste aber natürlich warten, bis Lea sich am nächsten Tag in die Mensa schleppte. Na gut, schleppen war vielleicht übertrieben. Aber nach dem, was ich gestern gehört hatte, konnte es ja nicht so toll sein.

Das sagte ich ihr auch, und dass ich sie am Vortag per Handy kotzen gehört hatte. „Tut mir Leid, aber seit ich schwanger bin, passiert mir das ständig. War keine Absicht, das gestern. Was hast du denn?“ Sie haute sich einen ordentlichen Bissen ihres Salates rein.

„Du ernährst dich nur noch gesund, was?“, bemerkte ich, während ich auf ihr Essen deutete.

„Ja“, antwortete sie. „Muss ich ja. Aber was ist jetzt mit dir? Gero sagte, du klangst gestern ziemlich nachdenklich.“

„Ja, da hat er wohl Recht. Ich wollte gestern unbedingt jemanden haben zum Reden… aber niemand hatte Zeit.“

„Was war denn los, meine Güte?“

Ich nahm erst einmal einen großen Bissen meines Wraps, ehe ich erzählte, wieso. „Na ja, ich hab Lukas gestern erzählt, was mir mit Hannes passiert ist, und danach wirkte er irgendwie kalt. Und er hat mich ganz schnell rausgeworfen, weil er zu einer Bandprobe musste.“

„Du hast WAS?“ Lea kreischte so laut, dass sich einige Leute nach ihr umsahen. „Du hast es ihm doch nicht ernsthaft erzählt, oder?“

„Ähm… Doch“, gab ich unsicher zurück, „er stand gestern nur mit Handtuch vor mir und da war ich so schockiert, dass er es mir angesehen hat und fragte, was los war… da hab ich es ihm halt gesagt.“

„Das ist doch nicht wahr! Wie blöd kannst du sein?“, regte Lea sich auf.

„Du bezeichnest mich als blöd? Komm erst mal wieder runter!“

„Der Kerl ist eindeutig in dich verknallt und da erzählst du ihm deine Männergeschichte? Meinst du nicht, du hast ihm damit ein bisschen weh getan? Und ich wette“, Lea zeigte mit dem Zeigefinger auf mich, „dass er die Bandprobe nur vorgeschoben hat, weil er keinen Bock hatte, den Stachel noch tiefer reingeschoben zu kriegen.“ Sie sah sich nach allen Seiten um und trank dann ihr Wasser.

„Was? Denkst du wirklich, Lukas hat… Gefühle für mich?“

„Aber natürlich, das sieht doch jeder Blinde. Du triffst dich mit ihm, er unterhält dich stundenlang, ist besorgt um dein körperliches Wohl… und ich hab gesehen, wie er dich ansieht. Er lächelt dich ständig an und seine Augen kleben sozusagen an dir. Also, der steht auf dich, hundertprozentig.“

„Meinst du wirklich?“, fragte ich ungläubig.

„Na klar. Nur leider hast du ihm wohl signalisiert, dass du überhaupt nichts von ihm willst.“

„Wie kommst du denn darauf?“

„Ich weiß ja nicht, was du ihm genau gesagt hast… aber wenn es dasselbe ist, was du mir auch gesagt hast, dann sieht es verdammt schlecht aus.“

„Oh Gott…“ Ich vergrub mein Gesicht in den Händen.

„Das kannst du wohl sagen.“

Den Rest der Mahlzeit nahmen wir schweigend ein. Wir brauchten gleich lang für unser Essen. Nur dass Lea sich etwa drei Mal so viel bestellt hatte wie ich. Ich stocherte in meinem Essen herum und sah zu, wie es von der Gabel zurück auf den Teller fiel. Ich hatte keinen Appetit mehr. Das Essen kam mir eklig vor… genauso wie ich selbst.

Nach einer halben Ewigkeit, in der Lea längst zu ihrer Vorlesung verschwunden war, stand ich auf und nahm mein Tablett mit. Dabei musste ich aufpassen, dass es mir vor lauter Energielosigkeit nicht aus den Händen glitt.

Seufzend stellte ich es auf die Ablage… und zuckte fast zusammen. An der Eingangstür stand Lukas! Er schien sich mit irgendjemandem zu unterhalten und mich dabei komplett zu übersehen. Das konnte ich ihm nicht einmal verdenken…

„Hi!“, rief plötzlich jemand von hinten und tippte mir auf die Schulter. Ich drehte mich um.

„Ich hasse es furchtbar, erschreckt zu werden!“, fauchte ich Hannes an. „Mach das nie wieder!“

„Entschuldigung, das wollte ich nicht. Hör mal, kann ich mit dir reden?“

„Muss das sein?“, nölte ich. „Warum geht’s denn?“

Wir gingen etwas zur Seite. „Hör mal“, begann Hannes. „Mir ist klar geworden, dass ich mich wie ein kompletter Idiot verhalten habe und ich wollte dir sagen, wie Leid es mir tut.“ Er sah sich um. „Also, wie hast du dich entschieden?“

„Dass ich dich nicht will. Also mal ehrlich, glaubst du wirklich, dass ich jetzt noch eine Beziehung mit dir will, nach all dem, was du mir angetan hast? Und Kati auch!“

„Ich denke, ihr habt mir mehr als deutlich klar gemacht, dass ich ein Vollarsch war. Willst du denn wirklich keine Beziehung mit mir? Ich bin mir über meine Gefühle für euch beide klar geworden… und ich weiß jetzt, dass ich nur dich liebe.“

„Aber ich empfinde nichts für dich.“

Hannes seufzte. „Ja, daran kann ich wohl nichts ändern.“ Er sah mich an. „Denkst du, wir können trotzdem Freunde bleiben?“

Ich sah ihn an. „Ja, vielleicht können wir das.“

„Aber… gute Freunde umarmen sich doch, oder?“, äußerte er sich, und ehe ich mich’s versah, lag ich in seinen Armen. „Was soll das?“ Ich riss mich von ihm los und klebte ihm eine. Danach rannte ich Richtung Eingangstür. Lukas war nicht mehr da. Verdammt, ich hätte ihm so gerne noch einiges gesagt! An Uni war jetzt natürlich nicht mehr zu denken.

Zu Hause randalierte ich total. Ich schmiss meine Kissen durchs Zimmer und ließ mich irgendwann total fertig auf den Boden fallen. Meinen Arm streckte ich so weit aus, wie es eben ging, und drückte auf den Anschaltknopf meines Radioweckers. Das Radio startete. Der meganervige Ansager rief etwas ins Mikrofon:

„Und jetzt, meine lieben Freunde, kommt der meistgewünschte Song unserer Hörer: Platz 1 – Incubus mit Love hurts.“

Das konnte doch nicht wahr sein! Wollten die mich alle quälen? Schlagartig stand ich wieder auf den Beinen und schnappte mir das große Kopfkissen. Ich haute so lange damit auf den Radiowecker, bis ich es irgendwie schaffte, den Knopf wieder zu betätigen und das nervige Teil zum Schweigen zu bringen. Doch damit war mein Wutanfall noch lange nicht vorbei. Ich schlug um mich und fluchte dabei so laut, wie ich konnte: „Scheiße! Verdammt! Mist! Shit! Damn! Blast! Merde! Mince! Zut!“ Plötzlich klopfte es laut an der Tür. Wütend riss ich sie auf. „Was?“

„Du fluchst ja ganz schön laut. Was ist denn los mit dir?“, fragte Kati.

„Hat man das bis zu deinem Zimmer gehört? Komm ruhig rein“, murmelte ich und räumte schnell das größte Durcheinander beiseite.

„Nein, ich bin bei dir vorbeigekommen, weil ich dich fragen wollte, ob du mitkommst zum Weihnachtsball. Dann besorg ich die Karten.“

„Was soll ich da?“, rief ich verzweifelt. „Ich werde ja doch nur in meinem schönsten Kleid in der Ecke stehen und traurig zur Bühne starren. Ich will da auf gar keinen Fall hin.“

„Aber wieso denn nicht?“

„Ich sag besser gar nichts mehr, bevor ich noch einer Person weh tue.“ Ich ließ mich mit dem Gesicht nach unten aufs Bett fallen.
„Wem hast du denn weh getan?“

„Lukas.“

„Und womit, wenn ich fragen darf?“

„Ich will eigentlich gar nichts sagen. Es reicht ja schon, dass ich Lukas zu viel erzählt hab. Und ihm damit ‘nen Dorn ins Herz gebohrt hab.“

„Du tust mir schon nicht weh damit. Erzähl ruhig“, drängte Kati.

„Ich hab Lukas gesagt, was mir mit Hannes passiert ist und er hat mich ziemlich schnell aus dem Haus geworfen. Er wirkte überhaupt nicht glücklich, das kann ich dir sagen.“

Kati riss die Augen auf und atmete tief aus. „Schöne Scheiße, was?“
„Das kannst du aber laut sagen.“

„Und wieso hast du’s ihm gesagt?“

„Na, weil ich so geschockt war, als Lukas nur mit ‘nem Handtuch vor mir stand.“

„Aber wieso hat er das gemacht?“

„Weil er duschen musste, nach der Schneeballschlacht, die wir veranstaltet haben!“, rief ich und zog mir das Kissen über den Kopf.

Kati sagte erst einmal eine Weile gar nichts mehr. Schließlich stand sie auf. „Dann willst du also nicht mit auf den Weihnachtsball kommen?“

„Auf keinen Fall. Wie gesagt“, brummte ich durchs Kissen.

„Aber gerade jetzt wäre es doch gut, wenn du mitkommst! Es wird bestimmt wieder alles gut, wenn du ihm erklärst, was du über ihn denkst!“

„Ich denke nicht, dass er mich nach dem heutigen Tag jemals wieder sprechen will“, rief ich und setzte mich wieder auf.

„Und wieso das bitte nicht?“

„Weil er gesehen hat, wie Hannes mich umarmt hat?“

„Wie, er hat dich umarmt? Das hast du mit dir machen lassen?“

„Es kam so plötzlich! Hannes hat mich gefragt, wie ich mich entscheide. Da hab ich gesagt, ich will keine Beziehung mit ihm. Und er fragte, ob wir vielleicht Freunde bleiben könnten und da hab ich ja gesagt. Und er meinte, gute Freunde würden sich umarmen, und hat mich gepackt! Und Lukas hat alles gesehen.“

„Und was hast du dann gemacht?“

„Ich hab Hannes eine geklebt, was sonst? Was musste der mich auch umarmen? So ein Arsch!“ Ich fing an zu schluchzen und nahm mein Gesicht sofort wieder in meine Hände. Kati setzte sich sofort neben mich und nahm mich in den Arm, aber das konnte mich auch nicht davon abhalten, zu weinen über all den Mist, der mir passiert war.

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Über kitschautorin

Ich bin Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

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