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Monatsarchiv: Mai 2014

Wahlergebnisse

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Gestern waren in meiner Heimatstadt zwei Wahlen, bei denen ich übrigens als Wahlhelferin aushelfen durfte: die Europawahl und die Befragung zu einer im Westen der Stadt geplanten Straße.

Mit dem Europawahlergebnis bin ich nicht so zufrieden. Die Union hat zu viele Sitze, genauso wie SPD, AfD, NPD und die Familienpartei. Und das, was ich gewählt hab, hätte noch mehr Stimmen vertragen können. Aber hey, immer noch besser als in Frankreich, wo der Front National stärkste Kraft geworden ist…

Heute Morgen habe ich in der örtlichen Zeitung den Artikel zum Wahlergebnis der Straßen-Befragung gelesen. Ein Befürworter des Straßenneubaus (die Wahl war mit 51,7 Prozent gegen die Straße ausgegangen) meinte, der Stadtrat könne die Entscheidung über die Straße nicht von ein paar hundert Leuten abhängig machen. Ob er dasselbe sagen würde, wenn seine Seite gewonnen hätte?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Lange Nacht der Kirchen

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Ich habe die Lange Nacht der Kirchen, die gestern in meiner Heimatstadt stattfand, genutzt, um mir die serbisch-orthodoxe Kirche anzusehen. Das Erste, was mir auffiel: Der unglaubliche Geruch nach Weihrauch. Viel stärker als in der katholischen Kirche. Die junge Frau, die uns durch die Kirche führte, erzählte uns, dass Weihrauch sehr wichtig in der Orthodoxie sei.

Die Führung fing in der Krypta an. Dort kommen die Überreste von Menschen hin, deren Gräber auf dem Friedhof aufgelöst wurden (übrigens kommen manche auch von weit her hierhin), und sie bleiben für immer und ewig da unten. Die Krypta ist erst zur Hälfte gefüllt. Ich habe versucht, die Namen und Orte auf den Gräbern zu entziffern. Da ich Kyrillisch lesen kann, ging das einigermaßen. Es waren viele serbische Kriegsgefangenen dabei, die in der Krypta haben den Krieg aber alle überlebt.

*kleiner Geschichts-Exkurs*

1960 wurde beschlossen, diese Kirche zu bauen, in Gedenken an die Opfer des Bombenangriffs vom 6. Dezember 1944 – bei dem tragischerweise viele Kriegsgefangenen ums Leben kamen –, aber auch an alle übrigen Opfer des Zweiten Weltkrieges. 1964 bekam die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde von der Stadt ein Grundstück geschenkt und fing an zu bauen. Die Spenden dafür kamen aus der ganzen Welt. 1975 bis 1977 kam die Krypta dazu, die als letzte Ruhestätte besonders für die in der Stadt und Umgebung verstorbenen Offiziere und Generäle dienen sollte. Die Kirche und die Krypta stehen unter Denkmalschutz.

Mit dem Offizierslager Oflag VI C fing das serbische “Leben” in der Stadt an. Es wurde im April 1941 errichtet. Der erste Gottesdienst fand am Tag des Heiligen Georg statt, daher ist er auch der Namenspatron der Kirche. Zunächst fanden die Gottesdienste unter freiem Himmel statt, dann in den Lagerbaracken. 1947 übernahm die britische Armee die serbischen Emigranten in ihre Dienste. In den 50er Jahren siedelten sich immer mehr Serben in der Stadt an, so wurde schließlich eine Kirche gebraucht. Bevor es sie gab, mussten die Gläubigen ihren Gottesdienst in einem Kellerraum feiern.

*Geschichts-Exkurs Ende*

Nicht nur der Weihrauch ist anders als in “unseren” Kirchen. Es gibt, zumindest in den Gebäuden, die bereits als orthodoxe Kirchen gebaut wurden, keine Bänke und die Gläubigen, die nicht gerade alt oder schwanger sind, müssen stehen. Und das ist nicht leicht, denn die Gottesdienste sind mit anderthalb Stunden (an Ostern können es auch mehrere Stunden werden) länger als bei “uns”. In der Kirche gab es eine sehr schöne Ikonenwand, von der ich einige Fotos gemacht habe, und viele Fresken. Wenn ich die Führerin richtig verstanden habe, gleichen sich die verschiedenen orthodoxen Kirchen mehr oder weniger, nur dass man z.B. in einer russisch-orthodoxen Kirche andere Nationalheilige finden dürfte. Apropos: Russisch- und georgisch-orthodoxe Gläubige haben in der serbisch-orthodoxen Kirche eine “Unterkunft” gefunden. Daher gibt es dort regelmäßig Gottesdienste auf Russisch und Georgisch. Die Führerin meinte dazu, dass Georgisch ihrer Meinung nach einen sehr interessanten Klang habe. So als würde ein Deutscher Serbisch hören.

Wir hatten auch die Gelegenheit, kurz mit dem Priester zu sprechen. Der muss übrigens immer ein Mann sein, und zwar entweder verheiratet oder Mönch. In der Kirche ist es auch so, dass Frauen und Männer getrennt stehen – Frauen auf der Seite der Ikonenwand mit Maria und Männer auf der anderen. (Da war auch eine bestimmte männliche Ikone, ich muss aber gestehen, dass ich nicht mehr weiß, wer da abgebildet war.)

Ich fand es sehr interessant, diese Kirche mal von innen betrachten zu können, und freue mich, dass es so etwas wie die Lange Nacht der Kirchen gibt. Im nächsten Jahr werde ich wieder teilnehmen und mir dann noch mehr ansehen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 28

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In Indonesien wurde eine junge Frau von einer Gruppe Männer vergewaltigt – als Bestrafung für die Affäre mit einem verheirateten Mann. Der Mann wurde geschlagen, die beiden mit Abwasser übergossen und zur nächsten Polizeistation gebracht. Und anstatt dass die Vergewaltiger ihre gerechte Strafe bekommen, muss die Frau als freundliche Draufgabe jetzt bis zu neun Stockschläge für den Ehebruch fürchten.

Was ist das für eine kranke Welt? Das kann man auch nicht mehr damit entschuldigen, dass in anderen Ländern andere Sitten gelten. Amnesty International hat für diese Frau eine Petition gestartet und ich würde mich freuen, wenn ihr sie auch unterschreibt: http://t.co/7MLzjPVoBu

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Die Disziplin wird schon wieder missbraucht

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Mittlerweile liegt eine weitere Sitzung der Veranstaltung „Vom Missbrauch der Disziplin“ hinter mir und weil ich Bernhard Buebs „Lob der Disziplin“ noch viel weniger mag, rede ich jetzt darüber.

Er vertritt die Ansicht, dass in der Erziehung zu viel diskutiert wird. Als Beispiel führt er ausgerechnet sich selbst und seine eigene Mutter an, die laut Bueb immer nur „darum“ und „Jetzt werd‘ nicht frech!“ rausgehauen hat, wenn ihr Jüngling wissen wollte, warum er eine Anweisung zu befolgen hatte. Versucht er, sich seine eigene Kindheit schön zu reden? Wir alle wissen doch, dass man etwas besser begreift, wenn man die Hintergründe kennt.

Von Demokratie in der Erziehung hält er nichts. Er sehnt sich zurück nach der Zeit, als Pädagogen unfehlbare Wesen waren, die das alleinige Sagen hatten. Als Beispiel nimmt er diesmal die Schülermitverwaltung des Internates, das er lange Zeit geleitet hat. Die sei demokratisch legitimiert und handle also nur nach dem Willen der Schüler und das sei nicht gut. Wir merken uns: Solche Verwaltungen sind nur gut, wenn sie das tun, was er sagt. Wo kämen wir denn auch hin, wenn Schüler auch was sagen dürften? Sodom und Gomorrha!!!

Der Mann widerspricht sich an mehreren Stellen selbst, z.B., wenn er sagt, dass die „autoritär wirkende Erziehung“ mit rigiden Schließzeiten, harten Regeln bei Drogen etc. sich „mit einem heiteren und lockeren Lebensstil“ verbindet. Unter Zivilcourage versteht er, dass vom Schulleiter bestimmte Helfer ihre Mitschüler bei Verstößen verpetzen. Interessant ist auch, dass er Ordnung über alles hochhält, sich aber auch über dessen Pervertierung zu Nazi- und Sozialismuszeiten beschwert.

Schuluniformen habe ich ja schon lange gegessen, dieser Mann hält Schulanzüge aber für die beste Erfindung, seit es Klamotten gibt. Dass Uniformierung nur Symptome, nicht aber die Ursachen bekämpft, scheint ihm egal zu sein.

Was mir außerdem auf die Nerven geht: Den Protestantismus kann er partout nicht leiden (er bezeichnet seine Anhänger bspw. als „Fetischisten der Innerlichkeit“ – wtf?). Ich sollte übrigens erwähnen, dass der Mann zur Zeit der großen Missbrauchsskandale an der Odenwaldschule gearbeitet hat.

Einer der für mich schlimmsten Punkte: die regelmäßigen Urinproben, bei denen nach dem Zufallsprinzip Schüler ausgewählt werden, die dann antreten müssen. Sehr bezeichnend in diesem Zusammenhang der Satz „Außerdem gelang es uns viel zu selten, Schülern Drogenkonsum nachzuweisen.“ Ich würde nicht in einem Internat leben wollen, das seine Schüler so überwacht und unter Generalverdacht stellt. Und überhaupt: Arbeitet man so wirklich am Verhalten der Schüler? Auch hier widerspricht er sich selbst, da er an einer Stelle schreibt, dass Kinder angstfrei aufwachsen dürfen müssen.

Strafen und Konsequenz findet Bueb sehr wichtig. In diesem Zusammenhang fragt er: „Wer ist im Straßenverkehr noch nie geblitzt worden und erst daraufhin langsamer gefahren? Wie viele anständige Bürger würden Steuern hinterziehen, wenn sie nicht Strafen fürchteten?“ Gegenfrage: Und bei wie vielen wirken solche Strafen nicht? Es fahren immer noch viel zu viele Leute zu schnell oder hinterziehen Steuern.

Seine eigenen Ex-Schüler zieht er gerne als Beispiel heran. Über Schüler, die nachts verbotenerweise das Internat verlassen und Alkohol getrunken hatten, schreibt er, dass sie beim nächsten vergleichbaren Vorfall mit Entlassung zu rechnen hatten. Mein erster Gedanke: Eigentlich eher eine Belohnung als eine Strafe.

Auf Seite 125 erweist Bueb sich noch als kleiner Sarrazin, da seiner Meinung nach die falschen Leute – Frauen ohne Berufsausbildung, mit Migrationshintergrund – Kinder zur Welt bringen. Was er genauso wenig mag wie ungebildete Migrantinnen: Fernsehen, Computer und Internet – für ihn die Saat des Teufels. Besonders das Fernsehen, das angeblich die Fantasie der Kinder verdirbt. Computerspiele mag er auch nicht – nennt er als Vorstufe zu Drogen. Anständige Erziehung ist mit diesen Medien seiner Meinung nach nicht möglich. Interessant ist aber, dass er auf Seite 138 feststellt, dass Fernsehen mit Verboten allein nicht bekämpft werden kann… Lässt auch seine anderen Äußerungen in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Ich habe in diesem ganzen Werk nur drei Stellen gefunden, die ich gut fand und die mich zum Nachdenken anregten. Er fordert pädagogische Ganztagseinrichtungen schon ab der Kinderkrippe. Er berichtet davon, dass die neunten Klassen seines Ex-Internats im Sommer zweiwöchige Abenteuerreisen machen, bei denen sie entdecken, was in ihnen steckt. Er erzählt von einem sechzehnjährigen Jungen, der mangels Selbstbewusstsein nichts aus seiner Begabung machte und mit dem sich die Pädagogen so lange beschäftigten, bis sich das änderte. Solch engagierte Menschen hätte ich mir auf meinem Gymnasium gewünscht.

Was ich mir hingegen nicht wünsche: einen Pädagogen, der mindestens im letzten Jahrhundert stehengeblieben ist und auf der einen Seite immer betonen muss, dass es die Nazis und die DDR falsch gemacht haben, in gewisser Weise aber doch diesem bestimmten Geist anhängt, den ich jetzt mal Totalitarismus nennen möchte. (Mein Freund meinte dazu: „Ich mag die Methoden, aber weil ich weder Nazi noch Kommunist bin, finde ich das nicht in Ordnung.“) Ich freue mich schon auf das Gegenwerk „Vom Missbrauch der Disziplin“, das wir demnächst im Seminar behandeln werden.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Berlin, Berlin, ich fuhr nach Berlin

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Mittwoch und Donnerstag war ich in meiner Eigenschaft als Teilnehmerin der Veranstaltung “Exploring the past – Learning from the present – Developing the future” auf zweitägiger Exkursion in Berlin und Umgebung. Nach einer schlafarmen Nacht, einem Sprint zum Bahnhof, weil der Bus ausnahmsweise überpünktlich war, und einer siebenstündigen Busfahrt…

Moment, hat sie gerade siebenstündig gesagt? Ja, hat sie. Der Busfahrer hielt alle sechzig Minuten für dreißig Minuten an, warum auch immer. Aber seine und die Nikotinabhängigkeit eines Dozenten wird sicher eine Rolle gespielt haben.

Quelle: Photobucket / bawanaal

Also, nach all diesen Unannehmlichkeiten kam ich am Jüdischen Museum an, wo wir auf Studenten der University of Victoria (für alle Googlefaulen: Kanada) trafen, mit denen wir die Exkursion gemeinsam durchführten. Das Jüdische Museum war sehr interessant. Man erfuhr etwas über die jüdische Geschichte vor und nach dem Holocaust, wovon man ja nie was hört – immer nur vom Holocaust. Dazu sei aber noch gesagt: Mich haben vor allem die dargestellten einzelnen Schicksale der Verfolgten berührt. Wahrscheinlich ist das auch die richtige Art, sich an den Holocaust zu erinnern. Ansonsten sieht man immer nur die Masse und dann kann man all das leichter wegschieben.

Nach der Nachbesprechung mit den Kanadiern, bei der ich übrigens gemerkt habe, wie gern ich Englisch spreche, war der offizielle Teil zu Ende und ich nutzte meine freie Zeit, um mich mit einem Freund (dem mit dem Hasen-Spitznamen) zu treffen. Eigentlich wollte ich euch an der Stelle zwei kleine Videos zeigen, aber das eine lässt mich VLC leider nicht bearbeiten und bringt stattdessen meinen Laptop zum Hängen. Also seht ihr hier jetzt ein kleines Video (Mein erstes auf Youtube! Bitte lest euch auch die Beschreibung durch.): https://www.youtube.com/watch?v=6JQGUz1lYL8

Am nächsten Morgen ging es zur Gedenkstätte Sachsenhausen. Das, was ich da gesehen habe, war wirklich schlimm. Das Spezialgefängnis mit den Einzelzellen. Das Krematorium. Aber was ich auch schlimm fand: Die DDR hat fast alle Baracken plattgemacht, um ihren eigenen Gedenkplatz mit Massenkundgebungen und allem haben zu können. Auf dem natürlich nur an die politischen Gefangenen erinnert wurde. Jetzt verstehe ich jedenfalls, was mein Vater gesagt hatte, der das Lager in der Schulzeit zwangsbesichtigen musste und meinte, es gebe dort nicht mehr so viel. Mein Dozent meinte dazu: “Some way of memoralisation.” Ach ja: Oranienburg war übrigens voll mit NPD-Wahlplakaten. Und wieder:

Von der Gedenkstätte ging es für uns deutsche Studenten direkt zurück in die Heimat. Sie liegt von Berlin ungefähr dreißig bis vierzig Kilometer entfernt. Der Rückweg führte dann aber auf einmal über Hamburg, wodurch wir wieder einmal sieben Stunden unterwegs waren. (Dabei will man nach solch anstrengenden zwei Tagen einfach nur nach Hause!)

Von Busfahrten habe ich erst einmal genug. Was ich aber toll fand: Ich hatte in diesen zwei Tagen Kontakt zu so vielen tollen Leuten. Zum ersten Mal in meinem Leben hat mir eine Studienfahrt Spaß gemacht. Es war nicht so wie früher, wo ich mich immer total sozial isoliert gefühlt habe. Ich hatte Kommilitonen, mit denen ich gern geredet habe (andersrum wohl auch). Der Kontakt zu den Kanadiern hat mir auch gut gefallen. Ich hoffe, ich kann ihn aufrecht erhalten. Und nicht zuletzt war es klasse, dass ich meine beiden Lieblingsdozenten mal von einer menschlichen Seite erleben konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Als wir am Busbahnhof meiner Heimatstadt standen, bat der Dozent uns, dem Unipräsidenten mitzuteilen, wie toll die Exkursion war, damit er und sein Kollege dann wirklich mal 50000 bis 60000 Euro im Monat bekämen. Eine Studentin entgegne, dann könne er Auschwitz ja selber bezahlen. (Gemeint war damit die nächste geplante Exkursion.)

Konservative Marktschreier

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Konservative Marktschreier

Aurélie hat so was von Recht. Traurig, wie viele Menschen es gibt, die so denken. Sind übrigens nicht alle über 60.

Vom Missbrauch der Disziplin

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Ich erwähnte ja neulich schon einmal, dass ich ein Seminar habe, das sich mit Buebs “Lob der Disziplin” befasst. Der Mann hat einige merkwürdige Ansichten, hier sind ein paar Beispiele.

Auf Seite 42 thematisiert er eine seiner Meinung nach eine ganz besonders tolle pädagogische Maßnahme:

Wenige verbinden Glück mit Taten der Nächstenliebe, weil sie zu solchen Taten wenig verführt sind. Kurt Hahn, der Gründer Salems, hat seinen Schulen eine geniale pädagogische Einrichtung mit auf den Weg gegeben, die Dienste. […] Jedes Mädchen und jeder Junge muss von der zehnten bis zur dreizehnten Klasse einen Nachmittag in der Woche, also zwei bis drei Stunden, im Dienste anderer Menschen verbringen. Es gibt technische Dienste, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk, der zahlenmäßig stärkste Dienst ist der Sozialdienst. […] Die Dienste sind verpflichtend und gerade darin liegt ihre Qualität. […] und Jugendliche erfahren, wie viel Freude und Glück das Helfen bereiten kann.

Glaubt der Mann wirklich, dass er auf die Weise tätige Nächstenliebe fördern kann? Der Zwang dürfte die meisten Leute doch eher zum Gegenteil bringen. Und so, wie sich der Abschnitt las, musste ich an eine Frau denken, die zwangsverheiratet wird und dann hinterher sagt, sie sei in ihrer Ehe ja total glücklich.

Doch die Merkwürdigkeiten gehen weiter. Auf Seite 66 verlangt er eine strengere Gesetzgebung bei Alkohol und Kippen:

Der Gesetzgeber erlaubt Alkohol und Zigaretten ab sechzehn. Warum eigentlich? Ich habe noch nie eine plausible Erklärung für diese Gesetze gefunden außer unsere puddinghafte Pädagogik. Amerika, das Land der Freiheit, besitzt eine jugendgerechtere, nämlich schützende Gesetzgebung.

Wie weltfremd ist der Mann? Glaubt er ernsthaft, Jugendliche würden aufhören, wenn das Schutzalter höher wäre? (Haben sie ja auch nicht, es wurde seitdem ja erhöht.) Verbote machen sexy! Außerdem: Was glaubt der Mann, warum die Leute bei den Spring Breaks immer so durchdrehen? So toll ist das in den USA auch nicht.

Mit pädagogischen Grüßen

Die Kitschautorin