RSS-Feed

Vom Missbrauch der Disziplin

Veröffentlicht am

Ich erwähnte ja neulich schon einmal, dass ich ein Seminar habe, das sich mit Buebs “Lob der Disziplin” befasst. Der Mann hat einige merkwürdige Ansichten, hier sind ein paar Beispiele.

Auf Seite 42 thematisiert er eine seiner Meinung nach eine ganz besonders tolle pädagogische Maßnahme:

Wenige verbinden Glück mit Taten der Nächstenliebe, weil sie zu solchen Taten wenig verführt sind. Kurt Hahn, der Gründer Salems, hat seinen Schulen eine geniale pädagogische Einrichtung mit auf den Weg gegeben, die Dienste. […] Jedes Mädchen und jeder Junge muss von der zehnten bis zur dreizehnten Klasse einen Nachmittag in der Woche, also zwei bis drei Stunden, im Dienste anderer Menschen verbringen. Es gibt technische Dienste, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk, der zahlenmäßig stärkste Dienst ist der Sozialdienst. […] Die Dienste sind verpflichtend und gerade darin liegt ihre Qualität. […] und Jugendliche erfahren, wie viel Freude und Glück das Helfen bereiten kann.

Glaubt der Mann wirklich, dass er auf die Weise tätige Nächstenliebe fördern kann? Der Zwang dürfte die meisten Leute doch eher zum Gegenteil bringen. Und so, wie sich der Abschnitt las, musste ich an eine Frau denken, die zwangsverheiratet wird und dann hinterher sagt, sie sei in ihrer Ehe ja total glücklich.

Doch die Merkwürdigkeiten gehen weiter. Auf Seite 66 verlangt er eine strengere Gesetzgebung bei Alkohol und Kippen:

Der Gesetzgeber erlaubt Alkohol und Zigaretten ab sechzehn. Warum eigentlich? Ich habe noch nie eine plausible Erklärung für diese Gesetze gefunden außer unsere puddinghafte Pädagogik. Amerika, das Land der Freiheit, besitzt eine jugendgerechtere, nämlich schützende Gesetzgebung.

Wie weltfremd ist der Mann? Glaubt er ernsthaft, Jugendliche würden aufhören, wenn das Schutzalter höher wäre? (Haben sie ja auch nicht, es wurde seitdem ja erhöht.) Verbote machen sexy! Außerdem: Was glaubt der Mann, warum die Leute bei den Spring Breaks immer so durchdrehen? So toll ist das in den USA auch nicht.

Mit pädagogischen Grüßen

Die Kitschautorin

Advertisements

Über kitschautorin

Ich bin eine junge Frau, die in der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens studiert und der Liebe wegen recht weit pendelt. Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich arbeite hauptberuflich als Politik- und Pädagogikstudentin. Nebenberuflich als Karla Kolumna eines örtlichen Radiosenders und einiger anderer Medien. Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

Eine Antwort »

  1. Also die Aussage mit Glück und Nächstenliebe ist ja totaler bullshit. Wie du schon sagst, der Zwang bewirkt eher das Gegenteil…

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: