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Berlin, Berlin, ich fuhr nach Berlin

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Mittwoch und Donnerstag war ich in meiner Eigenschaft als Teilnehmerin der Veranstaltung “Exploring the past – Learning from the present – Developing the future” auf zweitägiger Exkursion in Berlin und Umgebung. Nach einer schlafarmen Nacht, einem Sprint zum Bahnhof, weil der Bus ausnahmsweise überpünktlich war, und einer siebenstündigen Busfahrt…

Moment, hat sie gerade siebenstündig gesagt? Ja, hat sie. Der Busfahrer hielt alle sechzig Minuten für dreißig Minuten an, warum auch immer. Aber seine und die Nikotinabhängigkeit eines Dozenten wird sicher eine Rolle gespielt haben.

Quelle: Photobucket / bawanaal

Also, nach all diesen Unannehmlichkeiten kam ich am Jüdischen Museum an, wo wir auf Studenten der University of Victoria (für alle Googlefaulen: Kanada) trafen, mit denen wir die Exkursion gemeinsam durchführten. Das Jüdische Museum war sehr interessant. Man erfuhr etwas über die jüdische Geschichte vor und nach dem Holocaust, wovon man ja nie was hört – immer nur vom Holocaust. Dazu sei aber noch gesagt: Mich haben vor allem die dargestellten einzelnen Schicksale der Verfolgten berührt. Wahrscheinlich ist das auch die richtige Art, sich an den Holocaust zu erinnern. Ansonsten sieht man immer nur die Masse und dann kann man all das leichter wegschieben.

Nach der Nachbesprechung mit den Kanadiern, bei der ich übrigens gemerkt habe, wie gern ich Englisch spreche, war der offizielle Teil zu Ende und ich nutzte meine freie Zeit, um mich mit einem Freund (dem mit dem Hasen-Spitznamen) zu treffen. Eigentlich wollte ich euch an der Stelle zwei kleine Videos zeigen, aber das eine lässt mich VLC leider nicht bearbeiten und bringt stattdessen meinen Laptop zum Hängen. Also seht ihr hier jetzt ein kleines Video (Mein erstes auf Youtube! Bitte lest euch auch die Beschreibung durch.): https://www.youtube.com/watch?v=6JQGUz1lYL8

Am nächsten Morgen ging es zur Gedenkstätte Sachsenhausen. Das, was ich da gesehen habe, war wirklich schlimm. Das Spezialgefängnis mit den Einzelzellen. Das Krematorium. Aber was ich auch schlimm fand: Die DDR hat fast alle Baracken plattgemacht, um ihren eigenen Gedenkplatz mit Massenkundgebungen und allem haben zu können. Auf dem natürlich nur an die politischen Gefangenen erinnert wurde. Jetzt verstehe ich jedenfalls, was mein Vater gesagt hatte, der das Lager in der Schulzeit zwangsbesichtigen musste und meinte, es gebe dort nicht mehr so viel. Mein Dozent meinte dazu: “Some way of memoralisation.” Ach ja: Oranienburg war übrigens voll mit NPD-Wahlplakaten. Und wieder:

Von der Gedenkstätte ging es für uns deutsche Studenten direkt zurück in die Heimat. Sie liegt von Berlin ungefähr dreißig bis vierzig Kilometer entfernt. Der Rückweg führte dann aber auf einmal über Hamburg, wodurch wir wieder einmal sieben Stunden unterwegs waren. (Dabei will man nach solch anstrengenden zwei Tagen einfach nur nach Hause!)

Von Busfahrten habe ich erst einmal genug. Was ich aber toll fand: Ich hatte in diesen zwei Tagen Kontakt zu so vielen tollen Leuten. Zum ersten Mal in meinem Leben hat mir eine Studienfahrt Spaß gemacht. Es war nicht so wie früher, wo ich mich immer total sozial isoliert gefühlt habe. Ich hatte Kommilitonen, mit denen ich gern geredet habe (andersrum wohl auch). Der Kontakt zu den Kanadiern hat mir auch gut gefallen. Ich hoffe, ich kann ihn aufrecht erhalten. Und nicht zuletzt war es klasse, dass ich meine beiden Lieblingsdozenten mal von einer menschlichen Seite erleben konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Als wir am Busbahnhof meiner Heimatstadt standen, bat der Dozent uns, dem Unipräsidenten mitzuteilen, wie toll die Exkursion war, damit er und sein Kollege dann wirklich mal 50000 bis 60000 Euro im Monat bekämen. Eine Studentin entgegne, dann könne er Auschwitz ja selber bezahlen. (Gemeint war damit die nächste geplante Exkursion.)

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Über kitschautorin

Ich bin Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

Eine Antwort »

  1. Leider hat mich das Thema zur Schulzeit so gar nicht interessiert. Auch als wir uns das KZ Lager angesehen haben, war das Desinteresse sehr groß. Doch mittlerweile würde ich wieder voll gerne solche Trips machen weil mich die Geschichte mittlerweile mehr interessiert als mit 16. Da hatte man einfach andere Sachen im Kopf. Zumindest ich xP Leider…

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