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Monatsarchiv: November 2015

Mein neuer Wohnsitz

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Ich freue mich sehr darüber, dass ich eine Arbeit gefunden habe. Weil ich dadurch auch nicht mehr auf Kindergeld angewiesen bin, darf ich mich auch darüber freuen, dass ich meinen Wohnsitz endlich offiziell in einem niedersächsischen Dorf anmelden darf. Und das bedeutet, dass ich nie wieder Ärger mit meiner Großmutter haben muss. Der letzte gab mir den Schub, endlich zum Amt zu gehen. (Ich hätts gestern machen wollen, aber mittwochs hat das Amt nur bis halb eins auf.) Selten hat ein Aufkleber auf einem Personalausweis so viel Freude gebracht.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Einen Nachsendeantrag hab ich auch gleich gestellt, damit meine Post nie wieder ungefragt geöffnet wird. (Fun fact: Das war ein Verstoß gegen Artikel 10 des Grundgesetzes.)

Vielleicht noch ein schöner Abend

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Ich habe die Kursteilnehmer, deren Unterkunft gebrannt hat, noch am Freitagabend besucht. Und es war trotz aller Schwierigkeiten noch ein recht schöner Abend. Ich habe den ersten Tee meines Lebens bekommen, der mir wirklich geschmeckt hat. Sie verstehen ja nicht so gut Deutsch, sie haben mir aber die Packungen gezeigt. Es stellte sich heraus, es war Schwarztee… mit Zimt. Zimt! Das ist also das Geheimnis.

Sie haben mir gezeigt, was sie sich gerne im deutschen Fernsehen ansehen. Es sind viele Cartoons dabei, von Disney und so. Und einer hat mir gezeigt, was er früher in Syrien gearbeitet hat. Seifenherstellung.

Als ich sagte, dass ich nach Hause müsse wegen Hunger, lud man mich wild gestikulierend dazu ein, doch dazubleiben. Ich bekam so leckeres Essen, dass ich sagte, beim nächsten Mal bringe ich meinen Mann mit. (Reis mit Kartoffeln, Sultaninen und Hähnchen, Hummus mit wahnwitzig viel Knoblauch, Tomaten-Gurken-Minze-Salat und ein Tomatengericht, dessen Namen ich leider vergessen habe.) Man hat mir dann noch was mitgegeben, damit er es auch mal probieren kann. Und die Jungs sind so unglaublich höflich, haben mich durch alle Türen zuerst gehen lassen und mir das Essen nach draußen getragen zum Fahrrad. Man hat mir sogar angeboten, mich noch nach Hause zu bringen, das habe ich dann aber abgelehnt.

Wir hatten wirklich gute Gespräche. Teilweise hat der Besuch (noch so eine tolle Sache, die bekamen unglaublich viel Besuch) gedolmetscht, aber als der weg war, ging es trotzdem gut. Was ihr Deutsch nicht kann, erledigen Gesten. Man braucht gar nicht so viel.

Viele Leute, denen ich von meiner Arbeit erzählt habe, fragten, ob es denn mit den Teilnehmern keine Berührungsängste gebe, meine Kollegin und ich seien doch schließlich Frauen. Da kann ich nur sagen: ist überhaupt nicht so. Es sind zwei Ehepaare im Kurs, die anderen hören uns zu, lernen mit uns und man gibt uns sogar die Hand. Von der Gastfreundschaft der Jungs bin ich jedenfalls begeistert und werde sie sicher noch mal besuchen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kein schöner Tag

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Ich halte mich mit diesem Eintrag zwar nicht an die selbstgesteckte Regel von sechs positiven Einträgen vor einem negativen, aber ich muss jetzt darüber schreiben, sonst platze ich.

Gestern Abend habe ich mich über das Geräusch eines vorbeifahrenden Feuerwehrautos gewundert. Heute Morgen habe ich mich gewundert, warum die fünf Kursteilnehmer, die normalerweise mit mir zusammen im Zug sitzen, nicht da waren. Auf der Arbeit habe ich es dann erfahren. Man hat versucht, ihre Unterkunft anzuzünden. Es ist ihnen nichts passiert, sie konnten das Feuer selber löschen, sie waren aber heute nicht im Kurs und die Polizei war bei ihnen im Haus, um sie zu schützen. Wenn ich einen der anwesenden Teilnehmer richtig verstanden habe, hat man die Scheibe eingeworfen, um das Feuer anzuzünden.

Die Polizei ermittelt mittlerweile und ich hoffe, dass sie die Täter schnell finden. Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, musste ich vorhin lesen, dass Salafisten anscheinend dort versucht haben, Flüchtlinge für sich zu gewinnen. Warum passiert so was?

Mit fragenden Grüßen

Die Kitschautorin

Mitarbeit

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Ich bleibe nach wie vor dabei, dass ich meine Arbeit mag und tolle Kursteilnehmer habe. Leider gibt es zwei, an denen meine Kollegin und ich fast verzweifeln.

Es geht um ein Ehepaar, das die ersten beiden Kurstage einfach nicht erschien und von meiner Vorgesetzten zunächst herausgenommen wurde. Einen Tag später waren sie auf einmal doch da. Gut, nehmen wir sie halt wieder rein.

Das Problem war nur: Sie fehlten dauernd, meist ohne Entschuldigung, und wenn man versucht, sie am Unterricht zu beteiligen, bringen sie kein gerades Wort heraus. Als der Mann mir klarmachen wollte, dass er zum Zahnarzt muss, und ich ihm klarmachte, dass er mir von ihm eine Bescheinigung mitbringen soll, brauchten wir über zehn Minuten.

Gut, dachte ich, nicht jeder lernt eine Sprache gleich gut und manche Leute sind auch schüchtern, was die Sache zusätzlich erschwert. Allerdings sprach ich mit meiner Kollegin drüber… und mit meiner Chefin. Dabei fand ich heraus, dass die beiden seit April in einem anderen Deutschkurs waren. Ernsthaft? Die sind seit über einem halben Jahr am Lernen und bringen nicht mal heraus, wo sie wohnen?

Meine Chefin bat mich und meine Kollegin, noch stärker mit den beiden zu arbeiten, zumal sie wohl in den anderen Kurs zurückwollen. (Weil da auch Leute sind, die sie kennen.) Den Gefallen werden wir ihnen aber nicht tun. Ich frage mich aber, wie wir das hinbekommen sollen, wenn seitens der beiden einfach mal null Interesse besteht.

Dieser Eintrag ist jetzt länger, als ich es eigentlich wollte. Aber diese Sache macht mich fertig. Gegenüber Leuten, die mitarbeiten wollen, es aber kaum können, kann ich viel Geduld aufbringen, aber nicht bei Leuten, die es eigentlich gar nicht wollen.

Mit ärgerlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Man merkt auch gleich, wie viel besser der Kurs auf einmal vorangeht, wenn man den beiden mal nicht alles drei Mal vorkauen muss… seufz.

Bahlam

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Im letzten Blogeintrag schrieb ich ja, dass ich gerne einige Brocken Arabisch können würde. Als ich heute den Begriff „Traumhaus“ erklären wollte, fiel mir auf einmal die arabische Übersetzung für den ersten Teil des Wortes ein, die ich weiß, weil es da so ein schönes Lied gibt:

Nicht so schön ist hingegen das Lied, das sie heute ausgruben, weil wir das Verb „lieben“ behandelten. Wieso zur Hölle kennen sie den 15 Jahre alten Song eines ehemaligen Big-Brother-Teilnehmers, der mit Jenny Elvers ein Kind hat?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Dankbarkeit, Teil zwei

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Ich schrieb ja bereits, dass die Leute sehr dankbar sind für das, was meine Kollegin und ich ihnen beibringen. Ich konnte das jetzt ein paar Mal öfter sehen. Eine Kursteilnehmerin fragte, ob sie früher gehen darf, weil sie ihre Tochter von der Schule abholen muss. Ich habe ihr dann erklärt, dass sie das nicht muss, weil die Busse zu Schulzeiten anders fahren als in den Ferien. Sie hat sich über meine ausführliche Erklärung so gefreut, dass sie mir auf Persisch sagte, ich sei lieb. Leider habe ich mir die Worte nicht gemerkt. (Überhaupt will ich mir mal ein paar Brocken Persisch und Arabisch reinhauen.)

Eine Dozentin hat mir mal gesagt, dass die Leute, die einem Neuankömmling Deutsch beibringen, einen besonderen Platz im Herzen haben. Uns mögen die Kursteilnehmer wohl so gern, dass sie heute Fotos mit uns machen wollten. Als ein älterer Herr unsere Gruppe bemerkte, wollte er dann 20 Euro in die Hand drücken, „so you can buy coffee“. Wir haben abgelehnt, uns aber sehr gefreut.

Auch sonst passieren auf der Arbeit sehr interessante Sachen. Ein Teilnehmer wollte sehr hilfreich sein und hat uns für das Whiteboard einen neuen Stift gegeben, der auch sehr gut schrieb… und haftete. Wir haben eine halbe Stunde gebraucht, um ihn wieder abzukriegen. Ich habe nur gehofft, dass das im Büro nebenan niemand merkt, denn wer will schon Leute beschäftigen, die Firmeneigentum beschädigen? 😀

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin