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Monatsarchiv: Mai 2017

Ich bin kein Model und ich seh doof aus

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Neulich las ich wieder einmal die Neue Osnabrücker Zeitung. Und so entdeckte ich eine Meldung, in der verkündet wurde, dass Céline Bethmann Deutschlands nächstes Topmodel geworden ist. Ich stutzte nicht nur darüber, dass sie auf dem Foto aussieht, als hätte ihr jemand verkündet, ihre Oma wäre gestorben. Besonders schön war auch die Bildunterschrift:

Mit dem Titel gewinnt die Schönheit […] die zweifelhafte Einsicht, dass sie trotz des Sieges nicht die tollste Persönlichkeit des Formats hatte. Denn auch für die vergab Klum im GNTM-Finale einen Preis. Er ging an eine von zwei Transgender-Kandidatinnen.

Das ist auf so vielen Ebenen abgedreht, dass ich es kaum formulieren kann. Eine Sendung, die wie keine andere auf Oberflächlichkeit setzt, kürt die beste Persönlichkeit?

Ein guter Freund meinte neulich, dass sich die Sendung in ihrer Machart eher so an 14jährige Mädels richte. Mir wird halbschlecht, wenn ich daran denke, dass die so eine Sendung sehen. Man muss die Oberflächlichkeit ja nicht noch weiter heranzüchten. Ein Alibi-Persönlichkeitspreis bringt’s da auch nicht wirklich.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Ein Schwarzer und ein AfD-Mitglied gehen in eine Bar

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Ich wurde kürzlich auf eine Dokumentation aufmerksam gemacht. Ein dunkelhäutiger Mann aus Frankfurt und ein AfD-Kreisvorsitzender aus einer hessischen Kleinstadt treffen sich und lernen die Leben des jeweils anderen kennen. Wer es sich ansehen möchte, findet es hier:

Ein paar kurze Kommentare von mir: Wirklich sehr interessant. Beispielsweise in dem Moment, in dem Fabian – ab Minute 14 – ein paar von Bobs Freundinnen besucht und dann (die Frauen erwähnen Flüchtlinge) von Angsträumen in Deutschland redet. Früher sei es ja als Frau möglich gewesen, abends ohne Angst rauszugehen, und jetzt gehe das ja gar nicht mehr. Auf Nachfrage sagt er aber nicht, wo sich diese Angsträume befinden, sondern erzählt nur von seinen weiblichen Bekannten, die sämtlich mit Pfefferspray ausgehen. Mmh. Is klar, Ali.

Wirklich heftig wird es erst später. Bob und Fabian besichtigen ein Antiquariat in Fabians Heimatort. Ich gruselte mich schon ein wenig, als die Ladenbesitzerin Bob fragte, wo in Afrika er beheimatet sei. Ich weiß bei solchen Fragen wirklich nie, ob das jetzt harmloses Interesse oder die versteckte These „Du bist kein Deutscher“ sein soll. Nachdem die Herkunft von Bob geklärt wurde, fragt er, warum Fabian sich der AfD zugewendet hat, und bekommt als Antwort total dümmliche Phrasen. Die AfD wolle ja nur Gerechtigkeit, man müsse Asylanten bei der Rückkehr in ihre Heimat helfen und die Partei sei ja total anständig. Aha.

Noch besser wird es, als Fabian Bob zu seinem AfD-Stammtisch mitnimmt. (Wer es sich ansehen will: Ab Minute 37.) Ich höre eigentlich die ganze Zeit nur ein „Wir sind für das Asylrecht, ahhhber…“ Und dann erzählt einer der Anwesenden auch noch, es gebe doch Rassemerkmale, das sage doch jeder Biologe. Ähm, ja. Ich habe im Biologieunterricht der Oberstufe gelernt, dass der von Biologen vertretene Rassenbegriff (der im Übrigen zunehmend obsolet ist) nichts mit dem ausgewachsenen Sozialdarwinismus zu tun hat, den gewisse Leute vertreten.

Was bleibt sonst noch zu sagen? Ich finde das Sendungsprinzip gut und ich finde gut, dass Fabian sich der Konfrontation gestellt hat. Man hat viele interessante Einblicke in beide Welten gewonnen. Ich fand auch die Machart der Sendung sehr gut. Wie dem geneigten Beobachter mittlerweile aufgefallen sein dürfte, bin ich kein Freund der AfD, aber ich hätte keine Dokumentation gebraucht, die mir 45 Minuten lang einfach nur stumpf erzählt, dass die AfD dumm ist. Die neutrale Machart gefiel mir.

Wenn ihr irgendwelche Anmerkungen oder Fragen habt, gern ab damit in die Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Heftchen im Bahnhof

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Im Internet trifft man viele Menschen, mit denen man gute Gespräche führen kann. Mit einem von ihnen (hallo, Charlie! :D) habe ich mich neulich mal über diese kleinen christlichen Heftchen unterhalten, die zuhauf in Bahnhofshallen herumliegen, so auch in der meiner Heimatstadt. Die meisten entsorge ich nach dem Lesen direkt, weil die Autoren die Verkündung des Christentums mit Hass gegen Andersgläubige und -lebende verwechseln. Eins habe ich aber mitgenommen, um es hier zu verbloggisieren. Es trägt den Titel „Alarm! Okkultismus! – Hände weg von Okkultismus und Aberglauben“.

Wie bei jeder guten Abhandlung folgt zuerst eine Definition der beiden Begriffe. Dann wollen wir doch mal sehen.

Okkultismus heißt Geheimwissenschaft. Darunter sind die Lehren und Praktiken zu verstehen, die sich mit der Wahrnehmung übersinnlicher Kräfte beschäftigen […]

So manche christliche Lehren sind für mich auch geheim, sprich nicht zu verstehen. Und unter „übersinnlich“ könnte man auch das Christentum fassen, wenn man es so bedenkt…

Aberglaube ist […] eine Weltanschauung, bei der man glaubt, ohne den lebendigen Gott durchs Leben zu kommen.

Das trifft auf den Atheismus ebenfalls zu. Oh, wo wir gerade dabei sind:

Ob jung oder alt, reich oder arm, ob gesund oder krank, jeder Mensch, der glaubt, ohne Gott mit dem Leben fertig zu werden, verfällt bewusst oder unbewusst auf irgendeine Weise diesem Teufelsdienst.

Whoa, Moment mal, habt ihr gerade gesagt, dass jeder, der euren Glauben nicht teilt, in die Hölle kommt?

Das Ganze wird an einer späteren Stelle noch bekräftigt, als gesagt wird: „Wer mit seiner Not nicht bei Gott Zuflucht nimmt, sondern solche Mittel und Irrlehren zur Hilfe nimmt, der geht mit dem Teufel ein Vertrauensverhältnis ein.“ Okay, ich ruf schon mal in der Hölle an…

Außerdem wird dann noch mal eben erklärt, wer der Teufel ist. Unter anderem wird über ihn gesagt, dass er zum Bösen verführt. Mich würde ja mal interessieren, was die Autoren dieses Heftchens alles als „böse“ fassen.

Ein paar Beispiele für Okkultismus und Aberglauben werden jedenfalls genannt. Eins davon: auf Zahlen achten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zahlensymbolik#Zahlensymbolik_in_der_Bibel

Auch Tagewählen – auf gewisse Tage, Stunden und Zeiten achten, die bestimmen, was man tut oder lässt – wird als schlecht angesehen. Ein wahrer Christ würde schließlich niemals bestimmte Tage einführen, an denen geruht oder kein Fleisch gegessen werden soll.

Oh.

Was gibt’s noch?

Meditative Praktiken. […] Diese Praktiken werden oft – als harmlose Übungen getarnt – empfohlen, haben aber die Selbsterlösung zum Ziel. Auch die Gruppendynamik ist hier einzuordnen. Durch sie wird die Manipulation der Meinung der Gruppenmitglieder erreicht.

Nebenbei wird dann noch behauptet, dass Transzendentale Meditation häufig zu Psychosen führt. Da direkt hinterher gesagt wird, der Übende wisse nicht, dass TM ein klassisches Hindu-Ritual sei, nehme ich mal an, die beiden Umstände sind für die Autoren des Heftchens gleich schlimm.

Das Autogene Training ist auch schlimm, weil man ja schließlich dabei versucht, sich selbst von Sünden zu erlösen. Und Akupunktur ist böse. Jup, ich lande so was von in der Hölle.^^

Wer wissen will, wer hinter dem Heftchen steht: Es ist der Verein „Verbreitung der Heiligen Schrift“. Wer mehr wissen will: http://www.bruederbewegung.de/gruppen/geschlossen.html

Ich muss jetzt erst mal ganz viel Rammstein hören.^^

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Müllserien

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Ich schaue gerne Müllserien, ich gebe es zu. Ich sehe nicht nur gern „In aller Freundschaft“, ich gucke auch noch gern den Ableger „Die jungen Ärzte“. Grottig gemacht, mit grottigen Schauspielern, und das alles auch noch gebührenfinanziert. Serientechnisch habe ich einen absolut schlechten Geschmack. Ich weiß, ich würde auch viel lieber „Game of Thrones“, „Breaking bad“ oder irgendeine andere Serie gucken, die meine Altersgenossen gern mögen, aber das gibt mir alles nichts, und so mag ich eben Müllserien.

Hab ich schon gesagt, dass ich das früher nicht mal zugeben wollte? Ist aber so. Zugeben kann ich es mittlerweile, und ich gucke es immer noch gern, auch wenn es halt Müllserien sind.

Aber irgendwie kriegen sie mich. Samstag wurde meine Lieblingsfolge der jungen Ärzte wiederholt. Wen’s interessiert: Die da. http://www.daserste.de/unterhaltung/serie/in-aller-freundschaft-die-jungen-aerzte/sendung/ja-zum-leben-folge-77-100.html Mein Lieblingsassistenzarzt rettet einem Patienten auf dramatische Weise das Leben – der sonst eher ängstliche Elias wächst über sich hinaus. Und die Beziehung zwischen Theresa und Dr. Lindner beschäftigt mich nach wie vor.

Ach, ich bin nicht zu retten. Aber naja, aufgrund meiner Kurzgeschichten habe ich eh schon einen Spitznamen bekommen, der aus meinem Nachnamen und dem Vornamen Rosamunde besteht. Dann passt mein Seriengeschmack ja voll dazu.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Mein Dienstag

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11 h 50: Ich bin im Juristengebäude der Uni unterwegs, weil dort gleich „Gute Erziehung oder Scheitern am System?“ stattfindet. Vor mir läuft eine Frau mit blauen Haaren. Ich bin überrascht, weil man das hier normalerweise nicht sieht. (Ja, Fächerkulturen sind soziologisch nachgewiesen.) Erst später fällt mir ein, dass sie zu meinem Seminar gehört.

12 h 10: Ein Mann betritt den Seminarraum. Ich muss zugeben, ich bin überrascht. Nein, ich denke durchaus, dass Männer in der Pädagogik ihre Berechtigung haben. Aber man sieht sie halt nicht oft.

12 h 17: „Wenn ich zu leise bin, können Sie vielleicht doch das Fenster schließen.“ Problem 1: Das hilft nur bedingt, weil wir direkt am Stadtring liegen. Problem 2: Wir sitzen in einem viel zu großen Raum mit sehr hohen Decken.

12 h 42: Die Dozentin erklärt Indexikalität am Beispiel einer von ihr durchgeführten Studie. Kurzfassung: Aufgrund eines Missverständnisses mit der Studienteilnehmerin wurden Yves Rocher und Eve, die Rapperin, miteinander verwechselt.

13 h 01: „Was bedeuten die Hashtags da?“ Das sind Rauten! O tempora, o mores…

13 h 08: Die Dozentin redet über Kommunikationsprozesse. Sie sagt, im Prinzip seien die Versuche, sich in einen reinzuversetzen, immer Konstruktion und man könne sich nie sicher sein, was der andere denkt. Hilfe!

14 h 01: Der vorhin erwähnte Kerl hat übrigens ein Attest vorgelegt, weil er krank war. Sehr löblich.

16 h 00: Neumarkt. Zwei bekopftuchte Mädchen stehen im Regen. Eine hat ihren Schal über beide gebreitet, damit sie nicht ganz so schnell nass werden.

21 h 50: Das war der blödeste Cliffhanger aller Zeiten! Die Mutter eines Protagonisten bricht mit einem Schlaganfall zusammen und man erfährt nicht, was aus ihr wird. Ich bin so sauer.

(Wer noch mehr über Müllserien lesen will, bitte dranbleiben, es geht gleich weiter.)

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin