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Neues Jahr, neues Glück

Veröffentlicht am

Noch am Sonntag habe ich herumgejammert, dass ich garantiert nie einen Job finden werde, und am Folgetag hatte ich dann auf einmal einen. Ich habe in einer Grundschule hospitiert, als so genannte „persönliche Assistenz“ für ein Kind mit Förderbedarf, und sowohl das Kind selbst als auch die Klassenlehrerin mochten mich.

Über das Kind resp. seine Probleme möchte ich aus Datenschutzgründen nichts sagen, aber ein bisschen kann ich wohl trotzdem über meine Stelle berichten. Zunächst einmal fiel mir auf, wie unterschiedlich die Grundschule zu meiner damals ist. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Es ist (anders als bei mir) eine Ganztagsschule, und er wächst (anders als ich) in einer Großstadt auf. Es gibt aber wirklich so einige Unterschiede: Die Kinder haben Schuhe nur für die Klassenzimmer, ich hatte das nicht. Es gibt pädagogisches Personal, bei mir gab es das nicht. Es gibt einen PC-Raum, bei mir stand damals nicht ein einziger Computer im Gebäude. Es gibt eine Mensa, ich konnte nur davon träumen. Mein Schützling hat Englischunterricht, ich hatte nur so ein bisschen AG spaßeshalber. Die Lehrerin bemüht sich dort übrigens, alles auf Englisch zu sagen. Wenn das mal nicht geht, schaltet sie mit dem Wort „Klickklack“ zwischen den Sprachen hin und her. Etwas gewöhnungsbedürftig für mich. Was mir auch aufgefallen ist: Die ethnische Zusammensetzung ist eine deutlich andere. Ich habe an den vier Tagen, die ich nun schon dort arbeite, viel mehr Dunkelhäutige und Asiaten gesehen als in den drei Jahren hier im Dorf. Die Zeiten haben sich wirklich geändert. Jedes Kind isst gerne Rollos und ich wusste mit 10 nicht mal, dass so was existiert.

Noch zum Englischunterricht: Die Kinder sollen anscheinend nur britisches Englisch lernen. Ich erfuhr das, als die Lehrerin „football“ dort verwendete, wo ich „soccer“ für angebrachter hielt. Laut pons.de verwenden die Briten „football“ durchaus auch für Europäischen Fußball. Wieder was gelernt. Ich war aber durchaus irritiert, als die Lehrerin mich darüber informierte, dass die Kinder nur britisches Englisch lernen sollen. Erinnerte mich etwas an eine Begebenheit aus meiner Grundschule, als ich zwei minus fünf rechnen wollte und die Lehrerin sagte, das ginge ja gar nicht, nur weil Minusrechnen damals nicht im Lehrplan stand.

Überhaupt – Lehrplan. Die Kinder haben so viel, was ich in der Grundschule noch gar nicht machen musste, und damit meine ich nicht nur Englischunterricht. Mein Einsatzort ist eine vierte Klasse, und die hat bereits gelernt, was Balkendiagramme sind. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das hatte. Heute gab es sogar eine Aufgabe, die man im Prinzip durch eine Gleichung mit zwei Unbekannten lösen muss – das hatte ich erst auf dem Gymnasium.

Die Kinder begrüßen mich alle mit großem Interesse. Sie fragen mich, wie mein Stoff-Patrick-Star aussieht, ob ich auch bunte Steine zu Hause habe, was ein bestimmter englischer Satz auf Deutsch bedeutet oder ob es Geister gibt. Und sie sind lustig. Die Klassenlehrerin fragte ein Mädchen neulich, ob eine bestimmte Aufgabe denn im Wochenplan drinstehe. Antwort: „Ja, wenn ich es eintrage.“ xD

Heute hatte ich leider nicht so viel zu tun, da ich kurz nach meinem Eintreffen erfuhr, dass der Winzling, für den ich zuständig bin, krank ist. Dennoch gab es einiges für mich zu erledigen. Ich habe zum Beispiel die Lehrerin (und die brandneue Referendarin, die aber nur für ein paar Wochen da ist…) beim Unterricht unterstützt und mit einigen Kindern Vorlesen geübt. Das hat mir richtig viel Spaß gemacht.

Bis jetzt gefällt es mir auf jeden Fall richtig gut. Klar kann sich das noch ändern, bei Grundschülern weiß man ja auch nie und jeder Tag mit ihnen ist ein Abenteuer. Aber ich bin gespannt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Über kitschautorin

Ich bin Früh-ins-Bett-Geherin. Im Internet zu Hause. Fürs DRK als Blutspendenanmeldungshilfe aktiv. Gelernte Übersetzerin für Englisch und Französisch. Gegen Atomkraft und sinnlose Verbote. Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Politisch interessiert. Auf Flickr zu finden: https://www.flickr.com/photos/100511533@N08/ Ich blogge über alles, was mich bewegt. Soll heißen: über meine Arbeit. Meine Familie. Das Fernsehen. Meine Freunde. Meine schriftstellerischen Aktivitäten. Dämliche Printerzeugnisse. Bücher. Die drei Jahre in einer der schlimmsten Berufsschulen dieses Landes. Sexualität. Meine Beziehung. Die Universität. Zitate. Und alles, was ich sonst noch so erlebe. Ich mag Bücher. Nudeln. „Hör mal, wer da hämmert“. Die Ärzte. Zitate. Meine Arbeit beim Radio. Urban Priol. Volker Pispers. SpongeBob. Garfield. „Switch“. „Ein Herz und eine Seele“. Ich hasse Fremdenfeindlichkeit. Misogynie. Homo- und Frankophobie. Die meisten Sorten von Kohl (auch den aus der CDU, haha). Den Großteil des Fernsehprogramms. Armut. Arroganz. Die Bildzeitung. Leute, die anderen Leuten keine eigene Meinung gönnen. Das Wort „Gutmensch“. Fußball. Viele Politiker. Ich habe hier noch mehr über mich geschrieben: https://kitschautorin.wordpress.com/2011/04/16/alles-glanzt-so-schon-neu/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/17/11-fragen/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/07/22/immer-wieder-sonntags/ https://kitschautorin.wordpress.com/2012/03/07/mal-wieder-was-uber-mich/ https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/04/was-ich-unbedingt-noch-machen-will/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/11/fragebogen-zu-film-und-kino/ https://kitschautorin.wordpress.com/2014/04/15/nochn-fragebogen/

Eine Antwort »

  1. Ein Nachdenkender

    Hallo,

    mein Senf zu folgenden Dingen:

    „Die Lehrerin bemüht sich dort übrigens, alles auf Englisch zu sagen. Wenn das mal nicht geht, schaltet sie mit dem Wort „Klickklack“ zwischen den Sprachen hin und her. Etwas gewöhnungsbedürftig für mich.“

    Ich verspühre da sofort eine Abneigung gegen dieses alberne „Klickklack“.
    Kann mir dessen Sinn jemand logisch (nicht pädagogisch) begründen?
    Kinder verstehen das auch so. Oder lernen das zu verstehen, wenn man sie lässt.

    Das erinnert mich an die Reparatur einer Digitalkamera für Kinder,
    welche ich vor einigen Tagen durchgeführt habe.
    Die war von Gehäuse her etwas robuster und kindgerecht gestaltet.
    Und konnte recht vieles, wie eine übliche Kompaktkamera eben.
    Allerdings gab es nur einen Fixfokus.

    Was soll das denn?
    Da hat man eine Menge Funktionen in Menüs verbaut und dann nur einen Fixfokus?
    Ich dachte, Kinder sollen lernen. Die können das nämlich – besser als wir Erwachsene!
    Übringens kostet das Spielzeug etwas über 100 Euro – eine einfache gebrauchte Kompaktkamera wäre wesentlich günstiger gewesen…
    Und das Kind lernt, damit sorgsam umzugehen.
    Bevor es das versteht, braucht es auch keinen Fotoapparat.

    „Die Kinder sollen anscheinend nur britisches Englisch lernen.“

    Das war bei uns schon immer so. Ich habe 2008 das letzte Mal ein allgemeinbildendes Gymnasium besucht.
    Auch in der Berufsschule und sogar zur technisch orientierten Aufstiegsweiterbildung (2014)
    wurde nur britisches Englisch gelehrt – wenn auch das Sprechen von amerikanischem Englisch akzeptiert wurde.

    Ist das in anderen Bundesländern anders?

    Ich wünsche ein gesundes neues Jahr (wenn auch etwas verspätet).

    Antwort

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