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Archiv des Autors: kitschautorin

Meine Hausarbeit und der WDR

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Ich studiere immer noch. Wenigstens scheint sich das Ganze langsam mal dem Ende zuzuneigen (hoffe ich). Für mein Seminar „Gute Erziehung oder Scheitern am System?“ muss ich eine Hausarbeit zum von mir gewählten Thema „Das Erziehungskonzept in den Lebensborn-Heimen“ anfertigen. Gutes Thema, viel Material. Mir fiel ein, dass es dazu vor Jahren mal einen Fernsehfilm gab, den ich auch gesehen habe. Er heißt „Sie ist meine Mutter“.

Die Hauptperson reist mit ihrer greisen Mutter nach Norwegen, wo sie in einem Lebensbornheim zur Welt kam. Sie will rausfinden, was damals wirklich passiert ist und wie tief ihre Mutter in die Nazipolitik verstrickt war. Man könnte ja nun denken, dass dieser Film gut zu meinem Hausarbeitsthema passt. Auf Twitter fragte ich nach, wo ich diesen Film bekommen könnte, und das Erste Deutsche Fernsehen antwortete mir, dass ich über den WDR einen Mitschnitt beziehen könnte.

Ich mailte also den WDR-Mitschnittservice an. Für einen Film, der 88 Minuten lang ist, möchte man 49 Euro haben. Der Preis ist einfach unverschämt. Aber nicht nur das: Man würde mir den Film „innerhalb von 6 Wochen nach Zahlungseingang“ zusenden. In 6 Wochen ist der 1. September – und ich würde sehr gerne noch dieses Semester fertig werden…

Gut, muss ich also wohl auf den Film verzichten. Oder hat irgendjemand von euch eine andere Idee?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Religionsunterricht

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Auf Twitter gab es neulich ein Gespräch über Religionsunterricht.

Bis jetzt stimmen fast 80 Prozent mit „Es wurde offen diskutiert“ ab. Ich muss sagen (ich habe auch gesagt), das Ergebnis überrascht mich.

Beim Religionsunterricht auf meinem Gymnasium (egal, in welcher Konfession) galt: Wer dem Lehrer nicht passt, bekommt schlechte Noten. Mein heutiger Mann hatte im katholischen Religionsunterricht einen alten Knacker, der einmal in einem Buch den Satz „Die Ehe ist eine Verbindung zwischen zwei sich liebenden Menschen“ durchstrich und „Mann und Frau“ drüberschrieb. Der Lehrer war im Allgemeinen so unbeliebt, dass mein Werte-und-Normen-Kurs in der 12 auf einmal total viel Zuwachs hatte. (Etwas Ähnliches ist drei Jahre zuvor bei meinem Schwager passiert.) Meine beste Freundin, die nicht christlich ist, hat einmal mündliche Prüfung im evangelischen Religionsunterricht abgelegt. Sie hatte den ganzen Stoff korrekt drauf, bekam von der Lehrerin aber trotzdem kein „sehr gut“, weil man eine Konfessionslose ja nicht genauso gut bewerten könne wie eine Gläubige.

Generell kann ich sagen, dass der Unterricht nicht eben dazu geeignet war, Interesse am Glauben zu wecken. Ich hoffe, dass sich das mittlerweile geändert hat. Schreibt gerne eure Meinung zum Thema Religions- (oder von mir aus auch Ethik-)Unterricht in die Kommentare, ich freue mich.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Bahn, Bibel und bunte Heftchen

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Tagesordnungspunkt 1: Die Bahn

Montag, 10 h 41: Ich sollte eigentlich unterwegs Richtung Kreisstadt sein, da ich dort etwas Wichtiges erledigen muss. Ich sitze aber immer noch am Bahnhof meines Wohnortes, da es auf der Strecke eine Stellwerksstörung gibt. Auf der Bahnhofsanzeige und in der Durchsage heißt es nur: „Aufgrund einer Stellwerksstörung verzögern sich alle Züge auf unbestimmte Zeit. Wir informieren Sie über Anschlussmöglichkeiten.“ Der Bus in die Kreisstadt ist da schon weg.

11 h 00: Der Zug fährt, ohne dass man uns irgendwie informiert hat.

11 h 30: Bin bei der wichtigen Erledigung angekommen. Werde dort angemeckert, weil ich nicht früher gekommen bin, muss deswegen Mittwoch noch mal wiederkommen.

12 h 00: Ich habe noch einige andere Dinge erledigt und möchte den Rückweg antreten. Laut DB-Navigator fährt der nächste Zug zwar eigentlich schon um 12 h 14, was etwas zu knapp ist, allerdings verspäte sich der Zug um 15 Minuten wegen der Stellwerksstörung. Das wäre dann okay, ich gehe also zum Bahnhof.

12 h 15: Der Zug fährt mir vor der Nase weg.

12 h 50: Ich sehe, dass der Gegenzug beträchtliche Verspätung aufgrund der Stellwerksstörung hat. Für meine Verbindung – 13 h 14 – wird nichts angezeigt.

13 h 30: Der Zug taucht nicht auf. Informationen über den Verbleib bekommen wir keine, weder per Durchsage noch per Anzeige. Aber immerhin ist der DB-Informationsmitarbeiter von seiner Mittagspause zurückgekehrt. Ich gehe also, mit ein paar anderen zusammen, hin.

13 h 35: Der DB-Mitarbeiter hat absolut keine Ahnung, wann überhaupt wieder Züge fahren werden. An den u.a. durch den DB-Navigator angekündigen Schienenersatzverkehr glaubt er nicht. Ich habe genug und kaufe mir bei ihm ein Linienbusticket. Dann gehe ich zum Busplatz.

13 h 45: Der Schienenersatzverkehrsbus taucht auf. Da nur drei Leute am Busplatz sitzen, geht der Busfahrer zum Gleis, an dem eigentlich mein Zug hätte fahren sollen, und holt die Reisenden.

13 h 53: Die Reisenden, die noch am Bahnsteig waren, wurden anscheinend nicht durch Durchsage oder Anzeige darüber informiert, dass der SEV-Bus da ist.

13 h 55: Der Bus fahrt los.

14 h 35: Bin zu Hause angekommen und stinkwütend. Wenigstens besitze ich seit letztem Jahr den Führerschein Klasse B, sonst wäre ich noch häufiger auf diesen Sauverein angewiesen…

(Puh, das ist doch etwas länger geworden als geplant. Egal.)

Tagesordnungspunkt 2: Die Bibel

Ich antwortete auf Twitter auf diesen Tweet von Birgit Kelle, der durch einen mir bekannten Twitterer in meine Timeline geraten war:

Meine Meinung zu gleichgeschlechtlicher Liebe ist hinreichend bekannt. Folgerichtig antwortete ich auf den obigen Tweet mit „Mit Verlaub, das ist Blödsinn“. In Folge kam es zwischen mir und verschiedenen anderen Twitterern zu einer großen Diskussion, in der mir u.a. Relativismus vorgeworfen wurde, weil ich eine nicht homophobe Bibelauslegung bevorzuge. (Wer mehr darüber lesen will, hier steht was Interessantes dazu.)

Unabhängig davon, wie man zu gleichgeschlechtlicher Liebe steht oder nicht: Dass ich Relativismus in Bezug auf die Bibel betreibe, ist Blödsinn. Es ist eine mögliche Bibelauslegung. Im Übrigen selektieren diejenigen, die mir Relativismus vorgeworfen haben, genauso. Keiner kann alle Gesetze aus der Bibel befolgen. Ich berichtete ja schon einmal darüber, dass A. J. Jacobs das ein Jahr lang versucht hat, und er wurde halb verrückt dabei.

Aber wenn es wenigstens nur das gewesen wäre. Einer der Diskutanten verlinkte eine Rezension zum Buch „Streitfall Liebe“ von Valeria Hinck, in dem sich gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen gewandt wird. Der Rezensent gab zu verstehen, dass er Homosexualität für eine Krankheit hält. Ich habe die Diskussion mit diesem Menschen daraufhin eingestellt.

Und es ging noch weiter: Derselbe Twitter-User verlinkte einen Blogartikel, in dem Homosexualität als Sünde dargestellt wurde. Ich hatte dazu einige Anmerkungen:

Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass im dritten Buch Mose nur Geschlechtsverkehr unter Männern erwähnt wird. Was aber ist mit Geschlechtsverkehr unter Frauen? Außerdem liegt bei 1. Korinther 6,9 der Fokus eher auf Verkehr mit Minderjährigen / Prostituierten und nicht unter gleichgestellten Partnern, die sich freiwillig und auf Augenhöhe aneinander binden. Darüber hinaus möchte ich noch anmerken, dass die Neues-Leben-Bibelübersetzung nicht immer ganz genau ist, sondern zu Vereinfachungen und zur Emphase neigt.

Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

Freundliche Grüße

Ich bekam auch postwendend eine Antwort. Der Blogartikel-Autor warf mir vor, ich wolle Gottes Wort aus der Welt schaffen und legte indirekt nahe, dass es mit meiner Nächstenliebe nicht gut bestellt sei, weil ich mich sicher nicht trauen würde, die iranische Botschaft zu diesem Thema anzumailen. Ich antwortete, dass ich eine andere Bibelinterpretation (also eine nicht homophobe) für möglich halte, und verbat mir irgendwelche Mutmaßungen zu meiner Nächstenliebe. In der nächsten Antwort wurde der Relativismusvorwurf seinerseits dann auf die Spitze getrieben, indem gesagt wurde, dass die Nazis ja auch derart gearbeitet hätten. Da stellte ich die Diskussion meinerseits dann ein. Der Blogartikel-Autor hat mir danach noch drei E-Mails geschrieben, in denen er mich indirekt als scheinheilig bezeichnete, sagte, ich sei auf dem falschen Weg, das mit der Nächstenliebe wiederholte und mir vorwarf, ich sei

vom Ich-zentrierten Stolz verführt.

Ich bin gespannt, ob noch weitere E-Mails kommen, beantworten werde ich sie nicht.

Tagesordnungspunkt 3: Bunte Heftchen

Eine sehr liebe Person hat mir aus Schottland ein deutschsprachiges christliches buntes Heftchen mitgebracht, auf das ich hier eingehen möchte. John Blanchard – „Von größter Bedeutung“. Nun denn.

Ich muss sagen, dass ich gegen das Heftchen nicht unbedingt was habe. Der Autor hat zwar zu vielen Themen eine andere Meinung als ich, aber das kann ich akzeptieren. Nur zwei Sachen will ich anmerken: Auf Seite 4 werden Evolution und Gottglaube entgegengesetzt. Ich glaube nicht, dass sich das widersprechen muss, ich bspw. bin gläubig und halte die Evolution für wahr.

Darüber hinaus findet sich auf Seite 7 Folgendes:

In 2000 Jahren konnte kein Experte auf irgendeinem Gebiet auch nur eine Aussage der Bibel widerlegen.

Nun ja…

So, das war’s mit Bloggen für heute. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder, und Respekt an jeden, der das alles hier gelesen hat.^^

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Sechswortgeschichte

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Ich wollte wieder einmal eine Dreiwortgeschichte schreiben und habe auf Twitter nach Wortvorschlägen gefragt. Die Ergebnisse habe ich kurzerhand in einer Sechswortgeschichte verarbeitet. Vielen Dank an Des_Roin und Angriffsvektor für die Vorschläge!

 

Niemand wusste, was für ein Tag war. Ich hatte auch nicht vor, es irgendjemandem zu sagen. Was sollte es bringen? Ich versuchte einfach, mir einen schönen Tag zu machen. Aber das hätte ich auch an jedem anderen Tag versucht.
Es war ein sehr warmer Tag. Aus Sicht eines jeden anderen Menschen wäre das übertrieben gewesen. Alle anderen Menschen hätten gesagt, es wäre knallheiß. Aber ich hatte nun einmal einen etwas komischen Körper. Ich war ziemlich unempfindlich, was Temperaturen anging. Woher das wohl kam?
Ich hatte nichts zu tun, ich war allein. Und es war warm. Daraus folgte zwangsläufig, dass ich mich in die örtliche Groß-Eiswassertonne, sprich: ins Freibad begab. Doch zuvor musste ich mich noch eincremen. Ich hatte zwar kein gutes Temperaturempfinden, das hinderte meinen Körper aber nicht daran, bei mehr als zehn Minuten Sonne eine unangenehme krebsrote Färbung einzunehmen. Und so musste ich eben jeden Sommer der Sonnencremeindustrie einen Haufen Geld für 50er in den Rachen werfen. Ich schmierte mich also mit weißem Zeug ein, hoffte, dass ich keine Stelle vergessen hatte, und warf mich in Schale. Naja. In blaue Badebekleidung.
So gut sah ich darin nicht aus, aber das sollte mich nicht daran hindern, Bewegung im kühlen Nass zu suchen. Während ich noch einen Rock und ein T-Shirt überstreifte, überprüfte ich, ob ich etwas vergessen hatte. Das kam häufiger mal vor. Hatte ich nicht. Gut. Dann los.
Die warme Luft strich an mir vorbei, während ich auf dem Fahrrad Richtung Freibad rollte. Es fühlte sich eigenartig an. Ich rollte über die Flussbrücke und sah aus den Augenwinkeln, wie ein paar Männer am Ufer ihrem geliebten Fangsport nachgingen.

Ich erinnerte mich daran, wie ich bei meinem Opa in der Garage stand. Zwischen 80er-Jahre-Nacktpostern und Werkzeugen hatte er mir erklärt, wie seine Angel funktionierte. Und dass sie schweineteuer gewesen war. Ich wusste noch genau, wie sehr sie mich interessiert hatte. Naja, mit acht Jahren interessiert einen fast alles, was man nicht wirklich anrühren durfte. Mein Opa hatte mir viel gezeigt und mit mir viel gemacht. Er hatte mich auf dem Roller mitgenommen zum Brötchenholen. Allerdings war er nur komische Schleichwege gefahren, weil ich vorne sitzen musste und das eigentlich verboten war. Und er hatte mir zum Geburtstag immer einen Fünfziger geschenkt. Mittlerweile war es mit den Abenteuern wie auch mit dem Geburtstagsgeld eh vorbei, er lag seit drei Jahren in kalter mecklenburgischer Erde.
Ich zuckte mit den Schultern und fuhr in die Allee ein, in der das Freibad lag. Die Kassiererin verlangte beim Eintritt meinen Studentenausweis. Sie musterte ihn, dann riss sie ihre Augen auf.
„Alles G-“
„Schon gut“, winkte ich ab, nahm die Eintrittskarte und ging davon. Rasch zog ich in der Umkleide meinen Rock und mein T-Shirt aus. Dann schnappte ich meine Badutensilien und betrat das Bad.
Ich ließ mich auf der Wiese nieder und merkte ziemlich schnell, dass Zigarettenrauch in meine Nase stieg. Für einen Abend in einer Bar vielleicht ganz en chaud, aber nicht für einen Tag im Freibad. Ich nahm mein Handtuch und verzog mich ein paar Meter weiter unter einen schattigen Baum.
Ein Schluck aus der Wasserflasche, dann ging ich zum Becken. Ich hoffte, dass sie sich nicht in Heißwasser verwandelt haben würde, bis ich zurück war. Es könnte passieren.
Ich schwamm Bahnen vor mich hin und fühlte mich sofort in meinem Element. Wenn ich im Wasser war, vergaß ich immer alles andere.
Nachdem ich einen Kilometer geschwommen war, trieb es mich ins Nichtschwimmerbecken. Dort ruhte ich mich ein wenig aus. Einfach am Rand hängen. Und die Beine kreisen lassen.
Auch wenn ich es mir vielleicht gewünscht hatte, war ich nicht so alleine. Und so schwamm, ich weiß nicht, wie viel Zeit zwischenzeitlich vergangen war, ein ungefähr zehnjähriges Mädchen vorbei. Ich musste meine Beine einklappen, sonst hätte sie mich gerammt.
Ich blickte um mich. Ein paar andere Menschen waren noch im Wasser. Und auf einmal ertönte direkt hinter mir eine männliche Stimme.
„Weitermachen.“
Ich drehte mich um und erblickte den Bademeister, der mich anlachte. Ich lachte zurück und setzte meine Beine wieder in Bewegung.
Ich beobachtete ihn. Kurze, blonde Haare, ein orangefarbenes T-Shirt, blaue Shorts und eine Sonnenbrille. Nicht schlecht. Ob er noch länger hier arbeitete?
Ich beobachtete ihn noch eine ganze Weile, rutschte an ihm vorbei, schwamm in seine Richtung und wieder weg, bis ich das Becken verließ und mich auf meinem Handtuch ausstreckte. Das Mineralwasser war inzwischen lauwarm. Ich starrte in den blauen Himmel. Keine Wolke zu sehen.
Ich hob meinen Kopf leicht. Da drüben war die Imbissbude. Schwimmbekleidete Leute holten sich Eis, Pommes und Würstchen – und sahen teilweise selber so aus wie Bratwürstchen. Wohl zu lange in der Sonne gewesen. Nicht, dass sie am Ende noch verbrannten. Ich wusste, wie sich das anfühlte.
Gerne wäre ich noch weiter im Schatten geblieben, aber langsam überkam mich der Wunsch nach etwas in den Magen und etwas Unterhaltung. Und so stand ich auf, kaufte mir ein Eis mit Schokoladenhülle und holte mein Handy aus dem Schließfach. Dann legte ich mich wieder hin.
Ich genoss den süßen Geschmack, der sich auf meiner Zunge breitmachte. Und es war nicht nur süß, es war auch kalt. Was half, mich vom Schwitzen abzuhalten.
Ich schaltete mein Handy wieder an. 3 neue Nachrichten. Ein Urlaubsfoto von meiner besten Freundin, ein verpasster Anruf von meiner Oma und eine Nachricht von Tim.
Na, was machst du an diesem schönen Tag?
Er wusste, was für ein Tag heute war. Hatte sich aber dafür entschieden, nichts direkt zu sagen. Sehr gut. Hatte ich mir ja auch verbeten.
Bin im Freibad und du?
Oh, da wäre ich ja gerne dabei, schrieb er postwendend zurück. Das glaubte ich ihm sofort.
Glaubst du, das wäre eine gute Idee?, schrieb ich.
Naja, du dürftest dich halt dann nicht wundern, wenn ich eine mega Erektion bekomme, lautete die nächste Nachricht in meinem Postfach.
Ich lachte auf. Das war wieder typisch für ihn. Siehste, genau das meinte ich, antwortete ich und legte mich wieder hin.
Ich musste zugeben, dass mein Leben ziemlich langweilig gewesen war, bis ich ihn kennen gelernt hatte. Klar, er war nicht der Erste gewesen, der an mir Interesse bekundet hatte, aber trotzdem tat es ziemlich gut. Außer wenn er es mal wieder zu weit trieb.
Gelegentlich hatte ich auch einfach das Gefühl, ihn nicht zu verstehen, nicht schlau aus ihm zu werden. Ich wusste manchmal nicht, ob ich es toll finden sollte oder nicht. So sehr mir die Anziehung gefiel, manchmal schreckte ich auch zurück. Liebe konnte ich von ihm jedenfalls nicht erwarten, das war mir klar. Manchmal fand ich das nicht schlimm. Manchmal dachte ich, warum schreibe ich mit jemandem, für den ich eh nur eine willkommene Ablenkung bin?
Ich seufzte und starrte in den blauen Himmel.
Wahrscheinlich hatte es damit zu tun, dass ich einfach nach Aufmerksamkeit gierte und mich darüber freute, wenn mich ein Kerl geil fand.
Ich reckte den Kopf, ich lächelte den Bademeister an, der lächelte zurück. Ich legte den Kopf wieder zurück.
Mein Handy vibrierte.
Schade, du würdest es nicht bereuen.
Ich flirtete gerne ein wenig. Und ab und zu gab es einen Kerl, der da nicht schreiend wegrannte. So wie Tim eben. Ich freute mich darüber, wenn ich eine positive Reaktion bekam. In meinem Kopf war ich immer noch das kleine, hässliche Mädchen, das keiner leiden konnte, schlecht im Sport war und eine Zahnspange trug. Furchtbar, das Ding…
Ich schüttelte mich kurz, stand auf, packte das Handy zurück ins Schließfach und sprang wieder ins Sportbecken.
Schwimmen war der einzige Sport auf der Welt, der mir gefiel und den ich einigermaßen beherrschte. In meiner Jugend war ich mal Basketballfan gewesen, aber da hatte ich mich auch eher aufs Gucken beschränkt. Mit einer Größe von einsfünfundsechzig konnte man aktiven Basketball auch eher vergessen. Meine beste Freundin hatte mich vor ein paar Jahren mal zum Lacrossetraining eingeladen. Auch toll zum Ansehen, aber mehr auch nicht. Und so verlagerte ich mich eben aufs Schwimmen. Freibad im Sommer, Hallenbad im Winter. Und wenn ich es mir leisten konnte, fuhr ich ans Meer.
Ich zog meine Bahnen durchs Becken und erblickte dabei am Horizont die Kirche. Wie gut, dass ich da nicht mehr reinmusste, das war ja früher das Sonntagsritual gewesen in meiner Familie. Seit ich da ausgezogen war, zwang mich keiner mehr dazu. Und keiner zwang mich dazu, was zu glauben.
Die Kirche war nicht das einzige Sonntagsritual in meiner Familie gewesen. Sonntagabends hatten wir immer alle zusammengegessen und „Die Fallers“ geguckt. Es war die Lieblingsserie meiner Oma. Das heißt, Vaters Mutter. Sie war zu uns ins Haus gekommen, nachdem Opa gestorben war, und sie bestand darauf, ihre Lieblingsserie zu gucken, jeden Sonntagabend. Und da sie kaum noch hören konnte, war der Fernseher immer extrem laut. So wusste jeder, der sich im Haus aufhielt, irgendwann zwangsläufig genau, was in der Serie jetzt wieder abging. Ob Caro Sonntag ihren Sohn mittlerweile dem Vater gezeigt hatte? Wollte Oma mir bestimmt erzählen, als sie mich vorhin angerufen hatte. Oder es hatte mit dem heutigen Tag zu tun. Wobei ich mir das verbeten hatte, aber so was hatte Oma noch nie interessiert.
Ich packte mein Zeugs wieder zusammen, zog mich wieder an und verließ das Schwimmbad. Auf dem Heimweg überlegte ich, was ich mit dem Rest des heutigen Tages anfing. Morgen musste ich wieder los. Ich seufzte laut. Das war ein weiterer Grund, warum ich Sonntage immer gehasst hatte. Immer schon die Schrecken des Montags im Nacken. Und ich musste noch das Seminar vorbereiten. Ich war morgen mit einem Referat dran, für das ich unbedingt noch ein Youtubevideo raussuchen musste. Ob es Youtube noch geben würde, wenn ich eines Tages wirklich mal in einer Klasse stand und Biounterricht gab? Ich wusste es nicht.
Zu Hause angekommen öffnete ich meinen Briefkasten. Außer einem Werbebrief von WWF war aber nichts drin. Wie langweilig. Ich ging in meine Wohnung und setzte mich auf mein beiges Sofa. Ich öffnete den WWF-Brief, der mich von der Wichtigkeit des Artenschutzes überzeugen wollte, der natürlich nur mit einer Spende an diese Organisation funktionieren würde. Dann legte ich ihn weg. Eine ganze Weile lang lauschte ich der Stille. Dann seufzte ich.
Ich öffnete den Laptop. Nützte ja alles nichts. Ich suchte in meinen Unterlagen nach dem Video über Evolution, das ich der Seminargruppe morgen im Referat präsentieren wollte. Hatte ich es nicht hier irgendwo in den Unterlagen abgespeichert? Ich suchte im Fotoordner nach dem Link. Irgendwann hatte ich mir mal den Tick mit dem Handy-Bildschirm-Abfotografieren angewöhnt. Hier war es nicht. Statt dem erwünschten schlechten Screenshot hatte ich nur ein Foto von der letzten Silvesterparty gefunden. Eine blaue Flamme.
Blaue Flamme? Silvesterparty? Was war das noch gleich?
Ach, richtig. Meine Freunde und ich hatten Feuerzangenbowle gemacht. Ich erinnerte mich dunkel daran, dass ich den Arm um Tim gelegt hatte und ihm halbbetrunken versucht hatte, zu erklären, dass unser Chemielehrer im Unterricht Feuerzangenbowle gemacht hatte und warum das nicht gut war. Man hätte den Karamellisierungsprozess ja auch anders erklären können oder so ähnlich, wollte ich ihm weismachen.
Ich schüttelte mich kurz und suchte weiter. Da vibrierte mein Handy.
Kommst du vorbei?
Ich muss unbedingt noch das Referat zu Ende vorbereiten, antwortete ich Tim. Nicht mitgeschriebener Untertitel: Glaubst du eigentlich, ich habe sonst nichts zu tun? Du bist nicht der wichtigste Mensch auf dem Planeten. Ich recherchierte weiter.
Mein Handy vibrierte.
Nanu, ein Foto?
Eine Weinflasche. Und darunter eine Nachricht.
Schade, ich hatte nicht vor, die allein zu trinken. ;D
Ich grinste, klappte meinen Laptop zu und zog mir ein schönes Kleid an. Dann fuhr ich los.

Ich bin kein Model und ich seh doof aus

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Neulich las ich wieder einmal die Neue Osnabrücker Zeitung. Und so entdeckte ich eine Meldung, in der verkündet wurde, dass Céline Bethmann Deutschlands nächstes Topmodel geworden ist. Ich stutzte nicht nur darüber, dass sie auf dem Foto aussieht, als hätte ihr jemand verkündet, ihre Oma wäre gestorben. Besonders schön war auch die Bildunterschrift:

Mit dem Titel gewinnt die Schönheit […] die zweifelhafte Einsicht, dass sie trotz des Sieges nicht die tollste Persönlichkeit des Formats hatte. Denn auch für die vergab Klum im GNTM-Finale einen Preis. Er ging an eine von zwei Transgender-Kandidatinnen.

Das ist auf so vielen Ebenen abgedreht, dass ich es kaum formulieren kann. Eine Sendung, die wie keine andere auf Oberflächlichkeit setzt, kürt die beste Persönlichkeit?

Ein guter Freund meinte neulich, dass sich die Sendung in ihrer Machart eher so an 14jährige Mädels richte. Mir wird halbschlecht, wenn ich daran denke, dass die so eine Sendung sehen. Man muss die Oberflächlichkeit ja nicht noch weiter heranzüchten. Ein Alibi-Persönlichkeitspreis bringt’s da auch nicht wirklich.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ein Schwarzer und ein AfD-Mitglied gehen in eine Bar

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Ich wurde kürzlich auf eine Dokumentation aufmerksam gemacht. Ein dunkelhäutiger Mann aus Frankfurt und ein AfD-Kreisvorsitzender aus einer hessischen Kleinstadt treffen sich und lernen die Leben des jeweils anderen kennen. Wer es sich ansehen möchte, findet es hier:

Ein paar kurze Kommentare von mir: Wirklich sehr interessant. Beispielsweise in dem Moment, in dem Fabian – ab Minute 14 – ein paar von Bobs Freundinnen besucht und dann (die Frauen erwähnen Flüchtlinge) von Angsträumen in Deutschland redet. Früher sei es ja als Frau möglich gewesen, abends ohne Angst rauszugehen, und jetzt gehe das ja gar nicht mehr. Auf Nachfrage sagt er aber nicht, wo sich diese Angsträume befinden, sondern erzählt nur von seinen weiblichen Bekannten, die sämtlich mit Pfefferspray ausgehen. Mmh. Is klar, Ali.

Wirklich heftig wird es erst später. Bob und Fabian besichtigen ein Antiquariat in Fabians Heimatort. Ich gruselte mich schon ein wenig, als die Ladenbesitzerin Bob fragte, wo in Afrika er beheimatet sei. Ich weiß bei solchen Fragen wirklich nie, ob das jetzt harmloses Interesse oder die versteckte These „Du bist kein Deutscher“ sein soll. Nachdem die Herkunft von Bob geklärt wurde, fragt er, warum Fabian sich der AfD zugewendet hat, und bekommt als Antwort total dümmliche Phrasen. Die AfD wolle ja nur Gerechtigkeit, man müsse Asylanten bei der Rückkehr in ihre Heimat helfen und die Partei sei ja total anständig. Aha.

Noch besser wird es, als Fabian Bob zu seinem AfD-Stammtisch mitnimmt. (Wer es sich ansehen will: Ab Minute 37.) Ich höre eigentlich die ganze Zeit nur ein „Wir sind für das Asylrecht, ahhhber…“ Und dann erzählt einer der Anwesenden auch noch, es gebe doch Rassemerkmale, das sage doch jeder Biologe. Ähm, ja. Ich habe im Biologieunterricht der Oberstufe gelernt, dass der von Biologen vertretene Rassenbegriff (der im Übrigen zunehmend obsolet ist) nichts mit dem ausgewachsenen Sozialdarwinismus zu tun hat, den gewisse Leute vertreten.

Was bleibt sonst noch zu sagen? Ich finde das Sendungsprinzip gut und ich finde gut, dass Fabian sich der Konfrontation gestellt hat. Man hat viele interessante Einblicke in beide Welten gewonnen. Ich fand auch die Machart der Sendung sehr gut. Wie dem geneigten Beobachter mittlerweile aufgefallen sein dürfte, bin ich kein Freund der AfD, aber ich hätte keine Dokumentation gebraucht, die mir 45 Minuten lang einfach nur stumpf erzählt, dass die AfD dumm ist. Die neutrale Machart gefiel mir.

Wenn ihr irgendwelche Anmerkungen oder Fragen habt, gern ab damit in die Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Heftchen im Bahnhof

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Im Internet trifft man viele Menschen, mit denen man gute Gespräche führen kann. Mit einem von ihnen (hallo, Charlie! :D) habe ich mich neulich mal über diese kleinen christlichen Heftchen unterhalten, die zuhauf in Bahnhofshallen herumliegen, so auch in der meiner Heimatstadt. Die meisten entsorge ich nach dem Lesen direkt, weil die Autoren die Verkündung des Christentums mit Hass gegen Andersgläubige und -lebende verwechseln. Eins habe ich aber mitgenommen, um es hier zu verbloggisieren. Es trägt den Titel „Alarm! Okkultismus! – Hände weg von Okkultismus und Aberglauben“.

Wie bei jeder guten Abhandlung folgt zuerst eine Definition der beiden Begriffe. Dann wollen wir doch mal sehen.

Okkultismus heißt Geheimwissenschaft. Darunter sind die Lehren und Praktiken zu verstehen, die sich mit der Wahrnehmung übersinnlicher Kräfte beschäftigen […]

So manche christliche Lehren sind für mich auch geheim, sprich nicht zu verstehen. Und unter „übersinnlich“ könnte man auch das Christentum fassen, wenn man es so bedenkt…

Aberglaube ist […] eine Weltanschauung, bei der man glaubt, ohne den lebendigen Gott durchs Leben zu kommen.

Das trifft auf den Atheismus ebenfalls zu. Oh, wo wir gerade dabei sind:

Ob jung oder alt, reich oder arm, ob gesund oder krank, jeder Mensch, der glaubt, ohne Gott mit dem Leben fertig zu werden, verfällt bewusst oder unbewusst auf irgendeine Weise diesem Teufelsdienst.

Whoa, Moment mal, habt ihr gerade gesagt, dass jeder, der euren Glauben nicht teilt, in die Hölle kommt?

Das Ganze wird an einer späteren Stelle noch bekräftigt, als gesagt wird: „Wer mit seiner Not nicht bei Gott Zuflucht nimmt, sondern solche Mittel und Irrlehren zur Hilfe nimmt, der geht mit dem Teufel ein Vertrauensverhältnis ein.“ Okay, ich ruf schon mal in der Hölle an…

Außerdem wird dann noch mal eben erklärt, wer der Teufel ist. Unter anderem wird über ihn gesagt, dass er zum Bösen verführt. Mich würde ja mal interessieren, was die Autoren dieses Heftchens alles als „böse“ fassen.

Ein paar Beispiele für Okkultismus und Aberglauben werden jedenfalls genannt. Eins davon: auf Zahlen achten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zahlensymbolik#Zahlensymbolik_in_der_Bibel

Auch Tagewählen – auf gewisse Tage, Stunden und Zeiten achten, die bestimmen, was man tut oder lässt – wird als schlecht angesehen. Ein wahrer Christ würde schließlich niemals bestimmte Tage einführen, an denen geruht oder kein Fleisch gegessen werden soll.

Oh.

Was gibt’s noch?

Meditative Praktiken. […] Diese Praktiken werden oft – als harmlose Übungen getarnt – empfohlen, haben aber die Selbsterlösung zum Ziel. Auch die Gruppendynamik ist hier einzuordnen. Durch sie wird die Manipulation der Meinung der Gruppenmitglieder erreicht.

Nebenbei wird dann noch behauptet, dass Transzendentale Meditation häufig zu Psychosen führt. Da direkt hinterher gesagt wird, der Übende wisse nicht, dass TM ein klassisches Hindu-Ritual sei, nehme ich mal an, die beiden Umstände sind für die Autoren des Heftchens gleich schlimm.

Das Autogene Training ist auch schlimm, weil man ja schließlich dabei versucht, sich selbst von Sünden zu erlösen. Und Akupunktur ist böse. Jup, ich lande so was von in der Hölle.^^

Wer wissen will, wer hinter dem Heftchen steht: Es ist der Verein „Verbreitung der Heiligen Schrift“. Wer mehr wissen will: http://www.bruederbewegung.de/gruppen/geschlossen.html

Ich muss jetzt erst mal ganz viel Rammstein hören.^^

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin