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Archiv der Kategorie: Lästereien

Buntwäsche

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Neulich lag die Zeitschrift „Bunte“ im Zug herum und ich las aus Langeweile darin. (Glaubt es oder auch nicht.) Nun kann es sehr gut sein, dass es müßig ist, all das zu beklagen, was darin steht, aber einige Stellen möchte ich dennoch kommentieren.

Der Irrsinn beginnt schon auf dem Titelblatt.

„Tatort“-Star Adele Neuhauser – In einem Jahr verlor sie ihre ganze Familie“

Man stelle sich mal vor, den Bunte-Redakteuren würde dasselbe passieren. Wie glücklich wären sie dann wohl, wenn man es ihnen mit Hilfe eines etablierten Mediums unter die Nase reiben würde?

Neue Krebs-Therapien – Ärzte sprechen von einer „Revolution“

Ich wollte erst ausflippen, aber dann fiel mir ein, dass das Wort Revolution hier in Anführungszeichen steht. Der Gestalter des Titelblatts scheint hier also zuzugeben, dass es sich nicht um eine echte medizinische Revolution handelt.

Blättern wir also weiter. Auf Seite 7 nutzt Chefredakteur Robert Pölzer die Zeilen für seine Gedanken zu Corinna Schumacher. Er schreibt darüber, wie viel sie wohl durchmachen muss und dass sie, wenn vielleicht nicht immer physisch, doch auf jeden Fall in Gedanken bei ihm ist. Fällt euch was auf?

http://meedia.de/2016/09/16/fuer-bunte-koennte-es-teuer-werden-wegen-falscher-schumacher-berichterstattung-droht-100-000-euro-schadenersatz/

http://www.bildblog.de/56149/zeitschrift-mit-verfallsdatum/

http://www.bildblog.de/76660/wie-gemein-wer-setzt-solche-geruechte-in-die-welt/

http://www.tagesspiegel.de/medien/wie-geht-es-michael-schumacher-medien-bericht-veraergert-schumachers-managerin/12754792.html

Auf Seite 8 werden irgendwelche Mutmaßungen über den Raubüberfall bei Kim Kardashian angestellt. Das ist schon bescheuert, aber auf Seite 24 ff. findet man einen Artikel über Corinna Schumachers Zuhause in Texas. Mit dem Hinweis „Hier hat sie ihre Ruhe“. Wie viel Ruhe kann sie denn da haben, wenn Bunte-Mitarbeiter ihr dauernd nachstellen?

Auf Seite 28 geht es dann damit weiter, dass Amal Clooney eine Zwillingsschwangerschaft unterstellt wird, mit allen Tricks (das berühmte „geheimnisvolle Bäuchlein“ und eine Suggestivfrage als Artikel-Titel). Auch Prinz Harry wird nicht in Ruhe gelassen. Der Halbbruder seiner Freundin soll jemanden mit einer Waffe bedroht haben und das wird jetzt benutzt, um Leute in den Dreck zu ziehen. In den letzten beiden Sätzen des auf Seite 32 stehenden Artikels wird etwas über einen angeblichen Urlaub in der Schweiz geschrieben, der „hoffentlich nicht von immer neuen Skandalen überschattet wird“. Liebe Bunte: Der einzige Skandal ist die Berichterstattung der Yellow Press.

Moment!, werden jetzt vielleicht einige Leser dieses Blogartikels sagen, die Bunte hat auch gute Artikel. Welche denn?, kann ich da nur zurückfragen. Der Artikel über Flüchtlingsfrauen, den die Bunte und Nina Ruge benutzen dürfen, um Werbung für sich zu machen, oder die Umfrage über Donald Trump – also, über seine Frisur?

Was bleibt sonst noch zu sagen? Eine Doppelseite Witwenschütteln, weil Roman Herzog am 10. Januar gestorben ist.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Schon wieder eine schrottige Zeitschrift

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Ich weiß nicht, der wievielte Blogeintrag das nun ist, der Jugendzeitschriften kritisiert, und vieles wiederholt sich einfach, doch in bester Bildblog-Manier halte ich hier einige Fehltritte fest, die so vielleicht schon mal, in einigen Fällen auch auf jeden Fall schon passiert sind.

Du bist toll vs. Schlankheitswahn

Auf der Titelseite fängt es gleich an. Tipps für ein gutes Selbstbewusstsein werden direkt unter Atemübungen für die Traumfigur angekündigt.

Auf der „In-&-Out“-Seite freuen sich die Macher des Magazins, dass es Mode mit Fruchtaufdrücken gibt, weil die keine Kalorien hat. Und die Germanys-Next-Topmodel-Siegerin Lovelyn Enebechi will uns weismachen, dass sie sich ein Shirt von Heidi Klum gekauft hat, weil die so toll ist. Und nicht nur das: Leserinnen wird erst ans Herz gelegt, bei dem schönen Wetter doch mal ein Eis zu genießen, nur um einen Tipp loswerden zu können, wie man die Kalorien am besten… loswird.

Die Bravo Girl empfiehlt den Leserinnen all diesen Kalorienkrams nicht, damit die gesund leben. Das wäre ja noch okay. Yoga, Badminton und Co. werden nur nahegelegt, damit man schlank aussieht. Auf einem Zweiseiter wird über eine Sechzehnjährige berichtet, die an Adipositas leidet. Natürlich fehlt der passende Schnelltest nicht. Die Fragen sind enorm schwammig formuliert und der Hinweis, dass das keine Diagnose durch einen Arzt ersetzt, fehlt.

Die Boys

Die Bravo Girl liefert eine enorm schlecht gemachte Anleitung, um Jungs im Freibad abzuchecken. Wenn die Recht haben, bedeutet das, dass:

  • Spezialsonnencreme auf einen eitlen Typen hinweist
  • das Modell der Sonnenbrille erklärt, auf welche Art Mädchen er steht
  • die Badehose den Charakter verrät
  • eine gemischte Clique auf einen Casanova hindeutet
  • das, was er isst, und seine Kussart miteinander zu tun haben

Wenn ich mal versuche, all die Kriterien auf meinen Freund anzuwenden, heißt das, ich soll ihn auf total unterschiedliche Art und Weise ansprechen, er ist eitel, schickt mir häufig Herz-Emojis auf Whatsapp, ist viel zu nett, baggert aber auch total häufig Mädels an und steht auf wildes Geknutsche mit leichten Bissen. Äh, ja. Und was mache ich mit der Sonnenbrillenfrage? Er trägt nie eine.

Die Zeitschrift versucht auch, zu erklären, wo sich Traumprinzen möglicherweise rumtreiben. Hundebesitzer soll man so ansprechen: „Oh, ist der süß! Darf ich den mal streicheln?“

Hehe.

Dr. Sommer wird von einer Dreizehnjährigen konsultiert, die ihren sechzehnjährigen Schwarm fast geküsst hätte, bevor der sich mit den Worten „Du bist so süß, aber das geht nicht, ich mach mich sonst strafbar!“ zurückzog. Hand hoch: Wer glaubt noch, dass er bloß auf nette Art sagen wollte: „Du bist mir viel zu jung“?

Fazit

Die Freundin meines besten Kumpels hat sich die Zeitschrift nur gekauft, um das Extra (zwei Haargummis) abzustauben. Für mehr ist das Ding echt nicht zu gebrauchen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ich konnte nicht widerstehen

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Ich wollte eigentlich nur einen Terminkalender kaufen. Doch dann grinste mich eine Zeitschrift an, die so heißt wie ein gewisser Checkpoint an der Grenze zu Berlin, und ich kaufte doch mehr.

Medien-Empfehlungen

Nahegelegt werden den jungen Lesern die Serie “Reign” sowie die Filme “Traumfrauen” und “Honig im Kopf”. Hand hoch: Wer dachte bei “Honig im Kopf” noch an die Hersteller dieses Presseerzeugnisses? Dachte ich mir.

Traurig finde ich bei diesen Empfehlungen vor allem zwei Sachen: dass ausgerechnet dieser Film mit Hannah Herzsprung empfohlen wird, wo sie doch so viele tolle Sachen gemacht hat, und dass auch “Reign” es nicht schaffen wird, dass sich mehr junge Leute für Geschichte interessieren. (Oh, und dass “Traumfrauen” als Film mit “tollen Jokes” beworben wird.)

Tops und Flops

Als out gelten unter anderem:

Wenn du heimlich in jemanden verliebt bist und er dich seit Monaten ignoriert!

Weil du entweder der antiquierten Ansicht nachhängst, dass ein Mann eine Frau zuerst anzusprechen hat oder weil du zu dämlich bist, um dich bemerkbar zu machen…

Wenn das Handy dir mal wieder voll ins Gesicht kracht, weil du ja unbedingt im Liegen chatten musstest. Autsch!

Weil du es nicht schaffst, das Ding dabei festzuhalten, wtf?

Mode der Stars

Warum zur Hölle bekommt Nina Dobrev Lob für ein Outfit, das oberhalb ihres Bauchnabels quasi nur das Nötigste verdeckt? Um es mit Alfred Tetzlaff zu sagen:

Da kannste auch ne Briefmarke aufn Hintern kleben und sagen: Ist bedeckt!

Flirt-Tricks im Chat

Als positives Beispiel wird Selena Gomez angeführt, die “sexy” Selfies online stellte, um ihren Schwarm zu beeindrucken. Beeindruckt hätte mich das auch, aber nicht im positiven Sinne.

Aber auch für Normalos gibt es Tipps.

Spezialisier dich auf ein Hobby, das auch dein Schwarm mag – und poste Fotos davon Zwinkerndes Smiley

Weil er sich auch ganz sicher darüber freut, wenn er letzten Endes ein Mädel an der Backe hat, das etwas nur ihm zuliebe macht. Mal im Ernst, der Trick wurde schon vor Jahren entlarvt.

Retweete coole Posts von deiner/m Auserwählten. Aber nur einmal die Woche – höchstens!

Was soll denn die bescheuerte Regel? Ist ja fast auf einem Level mit dieser Wann-darf-ich-mich-nach-nem-Date-zurückmelden-Regel. Man sollte sich nicht zu verrückt machen.

Probier, dass dich Stars retweeten! Dein Schwarm wird dich dafür bewundern!

“Wow, Melanie wurde von Taylor Swift retweetet! Das macht sie zu einem besseren Menschen!”

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Quelle: meme-generator.de

 

Benutz Emojis! Aber setz sie überlegt ein. Ein Kuss-Smiley zu Beginn ist zu viel! Das wäre erst nach einer Woche Chatten okay.

Bin ich die Einzige, die sich grad vorgestellt hat, wie die Nutzerin (denn mal ehrlich, wer von den Kerlen schert sich um solche Regeln?) beim Chatten ständig die Kalenderfunktion ihres Smartphones bemüht?

Ein exklusives Selfie, nur für deinen Schwarm! Sexy Blicke, ja! Aber Nackt-Pics sind ein No-Go!!!

So richtig der Ratschlag ist… man gucke sich die eine Seite zuvor hochgelobten Selfies von Frau Gomez an und finde den Fehler. (Ja, ich weiß, sie war nur offenherzig und nicht nackt, aber wtf?)

Wissen aus dem Fernsehen

Tom Beck darf etwas zu den Songs aus seinem dritten Album sagen und verkündet zu Nummer zwei Folgendes:

Die Menschen werden immer beziehungsunfähiger – viele haben Angst, sich fest zu binden. Die Idee zu dem Lied kam mir, als ich eine Folge “Schwiegertochter gesucht” geschaut hab Zwinkerndes Smiley

Ich würde gerne etwas darüber schreiben, wenn Leute ihr Weltbild aus einer Fernsehsendung beziehen, über deren Produktionsbedingungen sie kaum etwas wissen. Die Idee kam mir, als ich “Bravo” las.

Freundschaften

In einem Zweiseiter reißt man das Model Cara Delevingne so richtig in den Dreck und benutzt dazu unter anderem diese Begründung:

Mit der Feindin der ABF abhängen: eigentlich ein absolutes No-Go!

Ja, wenn man beweisen will, dass man weder Hirn noch Eigenständigkeit besitzt und dass man simpler Freund-Feind-Denke anhängt.

Der große Persönlichkeitstest

Ich habe 85 Punkte und werde somit als “verträumter Pop-Fan” bezeichnet.

Langeweile ist für dich Horror, du willst immer tanzen. Aber pass gut auf, sonst wird es dir zu oft gebrochen!

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Quelle: weknowmemes.com

 

Germany’s Next Topmodel

Stefanie Giesinger, die Gewinnerin der oben genannten Sendung, darf auf zwei Seiten über den Einstieg ins Modelgeschäft reden.

Um im Model-Biz erfolgreich zu sein, musst du aber vor allem eins mitbringen: eine sehr starke Persönlichkeit!

Und den Willen, weiter abzunehmen, wenn Mama Klum dir das sagt, auch wenn du bereits untergewichtig bist.

Die dunkle Seite der Lust

(Ja, so heißt der Artikel wirklich.) Weil, wie im Teaser angemerkt wird, seit “Fifty shades of grey” alle von Sadomaso sprechen, gibt die Bravo jetzt auch ein paar SM-Tipps. Ich kann dazu nicht so viel sagen. Ich finde es nur gut, dass wir jetzt von dieser Ansicht aus meinem Achtzigerjahre-Biobuch weg sind, wonach alle, die darauf stehen, krank sind. Aber eines muss ich hier unbedingt anmerken: Wenn man antesten will, ob der Partner auf SM steht, sollte man nicht “Shades of grey” als Aufreißer nehmen. Ach ja, und Mal-die-Augen-Verbinden oder Verwöhnen mit Eiswürfeln hat mit echtem SM nicht viel zu tun.

Wie wichtig sind Worte in der Liebe?

Ausgangssituation: Eine Sechzehnjährige und ein Siebzehnjähriger sind seit sieben Monaten zusammen.

Wenn wir uns treffen, hängt Max meistens am Laptop oder seinem Smartphone. […] Und wenn wir uns doch mal unterhalten, geht es nur um belanglosen Mist. […] Das ist doch keine Liebe, oder?

Das nennt man Beziehungsalltag. Willkommen in der Realität.

Wenn man seit Monaten in einer Beziehung steckt, hat man sich eben nicht ständig was zu erzählen. […] Wenn wir uns treffen und ich ein bisschen am Computer chille, ist das meiner Meinung nach völlig okay. Ich lasse sie ja auch ewig lang mit ihren Freundinnen telefonieren und beschwere mich nicht. […] Ich bin doch nicht dafür verantwortlich, dass meine Süße pausenlos entertaint werden will. Hoffentlich kriegt sie sich bald wieder ein…

Muss sagen, Max ist mir sympathisch. (Mir fällt grad auf, dass das bei diesen Mann-Frau-Beziehungskisten in diesen Jugendzeitschriften immer so ist.)

Poster

Man bekommt unter anderem ein Kalenderblatt März mit total wichtigen Terminen wie dem Geburtstag von Justin Bieber, dem nächsten Auftritt von Berufsaufmerksamkeitshure Katy Perry oder dem Osterferienbeginn.

Quelle: journal.lu

 

Richtige Entscheidungen

Ständig macht die Clique Witze über den Neuen in der Klasse. Dabei fühlst du dich irgendwie komisch, denn er wirkt nett, und du würdest ihm gern helfen. Dieses mulmige Gefühl ist deine innere Stimme. Hab Mut und hör auf sie!

Ich glaube, Cara Delevigne würde es sehr interessant finden, wenn sie das liest. (Noch interessanter fände sie sicher den Fotoroman, in dem es um eine Intrigantin geht, die den Kerl ihrer AAAAAAABF für sich haben will und ihn aber nicht bekommt.)

Praktikumsfails

Ich habe wieder einmal den Eindruck, dass die Redakteure entweder vergessen oder bewusst ignorieren, was sie zuvor geschrieben haben. Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, wie erst Selena Gomez dafür gelobt wird, dass sie halbnackte Fotos von sich online stellt, und wie dann davon abgeraten wird, dass die Kollegen sexy Urlaubsbilder von einem in die Finger bekommen.

Horror-Geschwister

Besserwisser soll man schlagen, indem man ihnen vor versammelter Mannschaft fragen stellt wie “Du weißt doch immer alles. Wie heißt die Hauptstadt von Burkina Faso?” WER wirkt wohl dämlich, wenn er so was von seinem Bruder verlangt? Bei Labertaschen-Geschwistern wird geraten, das nächste hysterische Rumgequietsche zu filmen und mit Upload auf Youtube zu drohen. Muss mal den Cousin meines Freundes fragen, was der davon hält. Der ist Jurist.

Horoskop

Wieso andere den aktuellen Lernstoff nicht verstehen ist dir ein Rätsel. Lass das aber nicht raushängen – auf Besserwisser hat keiner Bock…

Ja, so ist das in der Welt der Pubertierenden: Beliebt sind nur die, die notenmäßig eher nicht so geil sind und die, die es sind, müssen massiv mobben, damit sie nicht selbst gemobbt werden. (Den Kommafehler haben übrigens die gemacht, nicht ich.)

Der Rausschmeißer

Liebes Ausbildungsförderwerk Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V.: Sie schreiben, dass man in Ihrer Branche gern draußen, teamfähig sein und richtig mit anpacken muss. Warum um alles in der Welt werben Sie dann ausgerechnet auf der Rückseite der Bravo für eine Ausbildung bei Ihnen?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Untersuchung einer „Bravo Girl“

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Als ich heute Mittag wegen eines Nudelsoßen-und-Süßigkeiten-Einkaufs zur Kasse latschte, lief ich am Zeitschriftenstand vorbei und dachte: Diese Gelegenheit kann ich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Also gibt es heute zum ersten Mal seit Dezember 2012 einen Eintrag, der sich komplett einer Jugendzeitschrift widmet – der Bravo Girl.

Die vorgestellten Stars

Ich konnte mal wieder feststellen, dass die heute von der Allgemeinheit verehrten Stars nicht die aus meiner Zeit sind. Auf Seite 4 wird Katy Perrys Schmuckkollektion vorgestellt. Ich kann diese Frau nicht riechen. Eine Frau, die ein wahnsinnig erfolgreiches Lied darüber herausgebracht hat, dass es ja so toll ist, dass sie als Frau Frauen küsst. Ja, ich gestehe, dass ich mir diese Single auch mal gekauft habe. Das war aber, bevor ich gemerkt habe, dass Katy Perry eine Aufmerksamkeitshure ist, die das alles nur behauptet hat, um einen Charterfolg abzugreifen, und in mehreren Interviews gesagt hat, dass sie nicht das geringste bisschen lesbisch oder bi ist.

Jungs

Für die typische Bravo-Girl-Leserin ist es unheimlich wichtig, zu erfahren, wie Jungs ticken (die meist als Boys bezeichnet werden). In der aktuellen Ausgabe findet sich auf Seite 15 ein Artikel eines männlichen Jungexemplars der Gattung Homo sapiens, der eine Freundin hat, die nicht will, dass er Jogginghosen trägt. Ich verstehe ja schon nicht, warum die Freundin sich so darüber aufregt, es wird dann aber noch abgedrehter, weil irgendwann rauskommt, dass seine Freundin grundsätzlich den BH auszieht, wenn sie nach Hause kommt. Ich hoffe, der Kerl haut bald irgendwann richtig auf den Tisch, so wie angekündigt. So kann das ja nicht weitergehen. Auf das BH-Problem geht auch die Bravo-Girl-Mitarbeiterin ein, die sich in einem Kommentar an Mädchen wie die oben genannte Freundin widmet.

Auch den BH kannst du mal weglassen. Ganz ehrlich: Er liebt ja schließlich dich, nicht deinen Kleiderschrank!

Mein erster Gedanke: Ich glaube, es herrscht sogar Freude darüber, wenn frau den BH weglässt…

Auf Seite 60 dürfen einige Jungen ihre Meinung zum Thema “Beziehung im Herbst” abgeben. Der fünfzehnjährige Lukas sagt zu seinem Beziehungsstatus:

Ich hab zwar keine Freundin, bin aber auch nicht wirklich single – es ist kompliziert! (lacht)

“Sie glaubt, ich liebe sie, aber in Wirklichkeit will ich nur ne günstige Gelegenheit zum Ficken!”

Mode

Wenn ein Teil hohe Qualität besitzt und fair produziert wurde, darf es auch ein wenig mehr kosten. Anzahl der Produkte der Modestrecken, die teuer sind und auf die meine Kriterien garantiert nicht zutreffen: 52.

Tests

Auf Seite 23 gibt es einen Test darüber, wer an erster Stelle steht – man selbst, Freunde oder der Schwarm. Ich möchte drei Punkte dazu anmerken.

1.) Frage 5 lautet:

Deine Klasse macht jetzt jeden Freitag eine Party. Bist du dabei?

Mir fehlt die Antwortmöglichkeit “Nein, weil man mich nicht einladen würde, aber es ist nicht schade drum, weils eh alles blöde Spacken sind”.

2.) Ich kriege das Ergebnis, ich sei mir selbst am wichtigsten. Ich will mir zwar selbst kein Ausbleiben von Egoismus bescheinigen, aber mir fällt mindestens eine Person ein, die mir wichtiger ist als ich selbst. Sie sitzt rechts neben mir und trägt einen zu meinem passenden Ring.

3.) Wieso gehen die Macher solcher Zeitschriften meistens davon aus, dass die Leserin noch keinen festen Freund hat? Die Leserschaft der Bravo Girl ist laut Wikipedia 12 bis 19 Jahre alt, laut diesem Artikel hier haben Mädchen ihren ersten festen Freund im Alter von 13 Jahren.

Auf den Seiten 70 bis 73 befindet sich ein Test mit dem Titel “Macht dein Style Jungs an?”. Die erste Frage geht darum, was man sich im Fernsehen am liebsten ansieht. Ich wusste gar nicht, was ich antworten sollte, weil ich seit über drei Jahren keinen Fernsehanschluss mehr habe und alle vorgestellten Sendungen als Müllfernsehen bezeichnen würde. Ich habe dann die Antwort angekreuzt, in der “Shopping queen” vorkam, weil ich das immerhin schon mal gesehen habe, auch wenn ichs kacke fand.

Frage 5 dreht sich um das coolste Topmodel. Irgendwas musste ich ja ankreuzen, also habe ich Erin Wasson genommen, obwohl ich alle zu dürr finde (und Heidi Klum überzeugt auch noch junge Frauen im Fernsehen davon, dass das cool ist).

Bei Frage 7 (“Deine Freundin hat ein neues cooles Kleid, was machst du?”) weiß ich gar nicht, was ich antworten soll, weil mir die Antwortmöglichkeit “Ich kaufe es einfach nach” fehlt. Es gibt nur “Ich frag sie, ob es okay ist, wenn ich es mir nachkaufe”. Ich frag sie doch nicht vorher um Erlaubnis!

Mein Testergebnis ist “Sweet Girl”, das zwar an sich relativ gut auf mich passt, in der Beschreibung steht aber auch, dass ich ein gutes Gefühl für Trends habe. Dabei gehen mir Trends am Arsch vorbei.

Ein anderes mögliches Testergebnis wäre “Style-Queen” gewesen, es schließt mit folgendem Satz:

Also schalt mal ‘nen Gang runter, bevor du mit deinem Style Mister Right verschreckst. Zwinkerndes Smiley

Wenn Mister Right ansatzweise brauchbar ist, wird er sich von so was Unwichtigem wie “Style” nicht abschrecken lassen.

Qualitativ hochwertiger Journalismus

Auf den Seiten 24 und 25 befindet sich ein Artikel darüber, dass Mädchen auch mal böse sein dürfen. In dem Abschnitt über Faulenzer steht folgender Satz:

Wissenschaftler raten Eltern dazu, ihren Kindern genügend Raum zum Faulenzen und Langweilen zu lassen.

Wäre es denn so ein großes Problem gewesen, wenigstens einen Wissenschaftler, der das behauptet, namentlich zu nennen?

Auf den Seiten 78 und 79 gibt es einen Bericht über eine Zwanzigjährige, die in einer Seehundstation arbeitet. Wobei Bilder 75 Prozent der Doppelseite ausmachen.

Moralisch fragwürdiges Verhalten

Im Artikel übers Böse-sein-Dürfen steht Folgendes:

Aber wenn das Outfit der Angeberin aus der Parallelklasse so was von daneben ist? Der Klassenschwarm sich sieben Mal am gleichen Wort verschluckt hat? Die Absage der Freundin auf deine Einladung echt bescheuert ist? Dann muss das raus! Lästern ist sooo lustig! Und wichtig für die Gemeinschaft: Es stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe – tschakka!

Es ist auch lustig, wenn sich ein Kerl in einer Videomissgeschicke-Sendung mit einem Fahrrad auf die Schnauze legt, dem Radfahrer tut das trotzdem total weh. Passt auch nicht so wirklich dazu, dass einer Dreizehnjährigen auf Seite 33 Tipps gegeben werden, wie sie einer gemobbten Mitschülerin helfen kann.

Die Sorgenecke

Auf Seite 32 beklagt sich eine Vierzehnjährige darüber, dass ihre Eltern sie wegen schlechterer Noten jeden Tag, sogar in den Ferien, total viel und total schwer lernen lassen. Ich kenne sie zwar nicht, aber ich habe den Verdacht, dass dieses total schwere Üben daraus besteht, dass sie überhaupt irgendwas machen muss.

Auf Seite 33 macht sich eine Fünfzehnjährige Sorgen darüber, dass ihre Brüste nicht mehr wachsen. Das Team weist darauf hin, dass Brüste noch bis zum 20. Lebensjahr wachsen können. Das ist so nicht ganz richtig – meine sind z.B. noch gewachsen, als ich über die 20 hinaus war…

Weiter unten fragt eine ebenfalls Fünfzehnjährige, ob sie schwanger sein könnte, weil beim Sex mit ihrem Freund das Kondom abgerutscht ist. Unabhängig davon, ob ja oder nein – wenn Gefahr im Verzug ist, meldet man sich doch nicht beim Bravo-Girl-Team, sondern beim Gynäkologen!

Peinliche Erlebnisse

Auf Seite 61 erzählt eine Sechzehnjährige, dass sie ihre Gitarre vorm Schulgebäude noch mal auspackte, weil sich ihr Abholservice verspätete, ein vorbeigehender Fußgänger ihr ein Geldstück hinwarf und in dem Augenblick ihr Schwarm kam und sie auslachte. Dieser Vorgang wird mit “Wie peinlich ist das bitte?!” kommentiert. Ich würde sagen: Elena, du kannst froh sein, dass sich dein Schwarm enttarnt hat. Wenn er dich wirklich mögen würde, hätte er dich nicht ausgelacht.

Weiter unten berichtet ein Fünfzehnjähriger, dass er sich vor seiner großen Liebe darüber ausließ, wie blöd er weibliche Wesen mit roten Haaren und Sommersprossen findet. Pech für ihn: In dem Augenblick tauchten die Mutter und die Schwester der Angebeteten auf. Rothaarig, sommersprossig. Tja, Lästern ist wohl doch nicht immer so toll, was?

10 verrückte Jobs

Das ist mal ein wirklich cooler Artikel. Ich habe noch nicht gewusst, wie man Tatortreinigerin, Glasaugenmacherin oder Unterwasserschweißerin werden kann. Ufologin ist allerdings ein Job, für den man den typischen Bravo-Girl-Leserinnen erst mal beibringen müsste, dass Schule im Allgemeinen wichtiger ist, als zu wissen, wie man sich am besten schminkt oder stylt. Ohne Astrophysikstudium wird aus der coolen Ufo-Job-Chance nämlich nichts.

Die Überraschung des Tages

Die Youtuberin Bibi gibt auf Seite 64 bekannt, dass sie den Tipp fürs richtige Kämmen (erst Spitzen, dann nach oben hocharbeiten, sonst gibts Knoten) von ihrem Papa gelernt hat.

Wie man Freundschaften so richtig zum Blühen bringt

Empfohlen werden unter anderem ein Zauber mit grünen Knöpfen, einer grünen Schnur, einer Haarsträhne, Rosenöl und Rosen sowie einer mit Spielkarten. Srsly?

Bravo-Girl-Humor

Lebensende mit drei Buchstaben? – Ehe.

Der schnellste Weg zum Herzen eines Mannes? – Durch die Brust mit einem scharfen Messer.

Wohin guckt ein Typ als Erstes, wenn er eine schöne Frau sieht? – Zu seiner Freundin, ob sie ihn beobachtet.

Soziales Gewissen

In dem 82 Seiten umfassenden Heft gibt es ganze zwei Seiten, die sich um etwas anderes als den üblichen Styling-Schule-Jungsscheiß drehen (der Seehund-Artikel).

Fazit

Die Schülerin “Bravo Girl” hat große Defizite in fast allen Fächern aufgezeigt und muss das Schuljahr daher wiederholen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Meine letzten drei Tage

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Tagesordnungspunkt 1: Ausflug ins kleinste Bundesland Deutschlands

Mein bester Freund ist gleichzeitig auch mein zukünftiger Schwager. Er ist schon vor einer ganzen Weile zu seiner Freundin nach Hessen gezogen. Jetzt sind sie aber wieder hier in der Gegend und ich nutzte die Chance, mit den beiden und einem Freund von ihnen in das kleinste Bundesland Deutschlands zu fahren.

Wir schauten uns das Überseemuseum an, das sich gleich neben dem Hauptbahnhof befindet (genauso wie ein Stück Berliner Mauer übrigens), und ich kann den Besuch wirklich nur empfehlen. Besonders für Asien- und Afrikafans. Wir fanden dort viele interessante Exponate, z.B. eine Trage, mit der man früher Könige herumgetragen hat. Weil ich sehr neugierig bin, bin ich mal hereingeklettert. Ja, das war erlaubt. Ich fand das Ding unglaublich eng, und so groß bin ich ja nun auch nicht. Dann ist der oben erwähnte Freund reingeklettert, und der Mann ist knapp unter zwei Meter groß. Das war ein Spaß!

Nachdem ich im Museumsladen drei Bücher (über China, Indien und Afrika) und einen kleinen Reisebegleiter gekauft habe (ich schätze, ich habe die Truppe damit geringfügig aufgehalten), gingen wir in die Stadt und ließen uns an einer Grünfläche nieder, um dort Döner bzw. Produkte eines Ladens, der wie ein Verkehrsmittel heißt, zu essen. Auf einmal hatten wir dann viele Leute, die mit uns aßen. Aber nicht Döner oder Sandwiches, sondern Suppe.

Als wir mit unserer Verköstigung fertig waren, gingen wir Richtung Schnoorviertel. Unterwegs sah ich viele schöne Gebäude, bei denen ich mir aber leider nicht gemerkt habe, wie sie heißen, was mir zu Hause Probleme bei der Benennung der Fotos einbringen sollte. Im Schnoorviertel wäre ich fast arm geworden, weil es dort viele tolle Läden gibt. Gott sei Dank konnte ich mich zügeln und kaufte dann nur zwei Emailleschilder. Eins mit einem Pin-up, das sich dank verschiedener Magnete als Kalender benutzen lässt, und eins mit dem Spruch: “Auf Rücksicht aus deine Mitmenschen: Fasse dich kurz!”. Oh, und eine Kugel Jogurt-Holunder habe ich auch noch gegessen, aber das war’s dann auch wirklich.

Auf dem Rückweg zum Hauptbahnhof kamen wir dann noch an einem Sexshop vorbei, wo der Freund und ich Porno-Pingpong gespielt haben. Vermutlich hält uns die Verkäuferin jetzt für unreif, weil wir so viel gelacht haben.

Tagesordnungspunkt 2: “Mädchen”-Test-Special

In einer Bahnhofsbuchhandlung fanden die Freundin meines besten Freundes und ich eine Zeitschrift, die uns (und allen mithörenden Fahrgästen) die Rückfahrt versüßen sollte: das aktuelle “Mädchen”-Test-Special. Wir haben alle Tests durchgeführt, für die in den knapp zwei Stunden Zeit war. Und zwar alle, egal, welches Geschlecht wir hatten, was dann oft für Irritationen sorgte, wenn mal wieder vom Traumboy die Rede war.

Es wird deutlich, dass wir (alle mindestens 18) nicht mehr in der normalen Mädchen-Leserinnen-Welt leben. Wir kannten keinen einzigen Song aus der Frage, was unser Lieblingssong denn ist, und auch keinen Promi aus der Frage, wer denn den coolsten Style hat. Interessant auch: Das Testergebnis ist oft konträr zu unserem tatsächlichen Wesen. Ich bin z.B. angeblich eifersüchtig, dabei gehöre ich schon zu den lockereren Frauen auf diesem Planeten. Richtig bescheuert war aber das Ergebnis, das ich beim Test “Welche Rolle spielst du in deiner Klasse?” bekam:

Durch deine Unzufriedenheit eckst du bei den anderen oft an. Oder kann es sein, dass du durch dein gespieltes Desinteresse zur unfreiwilligen Außenseiterin geworden bist? Wie auch immer: Diese Rolle macht doch doch nicht glücklich, oder? Bring dich etwas mehr in die Klassengemeinschaft ein, dann hast du auch Spaß an der Schule!

Bei solch oberflächlichen Menschen, wie ich sie in meiner Klasse hatte, will ich gar nicht dazugehören!

Oder nehmen wir z.B. den Test “Die Magie der Zahlen – Das verrät dein Geburtsdatum über dich”. Da ich an einem Dritten geboren wurde, bin ich total ordnungsliebend und durchstrukturiert und sollte mir mal einen Tag in der Woche nehmen, an dem ich rein nach dem Lustprinzip lebe… bester Witz des Jahrtausends!

Tagesordnungspunkt 3: “Neues vom Süderhof”

Vor einem Jahr schrieb ich hier darüber, dass ich oben genannte Serie gucken möchte, aber nicht kann. Vielleicht hat ja einer von der ARD meinen Artikel gelesen, ich weiß es nicht. Jedenfalls startete heute eine Wiederholung und ich habe mich sehr darüber gefreut. Aber als ich die heutige Folge dann anschaute, hatte ich eher gemischte Gefühle.

In der Folge geht es darum, dass sich Peggy in einen Jungen aus dem Kinderheim verliebt und auf einmal alles in Frage stellt. Ich fasste mir innerlich alle 30 Sekunden an den Kopf. Was da für Vorurteile kamen! “Wenn man keine Eltern hat, ist es doch ganz normal, dass man Blödsinn anstellt.” Meine Computerlehrerin von der Berufsschule meinte, dass man früher in den Lebenslauf schreiben musste, was die Eltern machten, und wenn das aus obigen Gründen nicht ging, dann bekam man nur schwer eine Stelle. Grausam.

Mich wundert aber auch ein wenig, wie die Familienmitglieder miteinander umgehen. Als Peggy sich darüber aufregt, wie wenig Verständnis den Heimbewohnern entgegengebracht wird, geht keiner auf das ein, was sie sagt, sondern fragt: “Was ist denn mit dir los?” Und die Welt aus diesen auf Kindersendern laufenden Jugendserien ist eine ganz andere. Da haben Jugendliche nie die Probleme, die man normalerweise als Jugendlicher so hat, und wenn, dann lassen sie sich total einfach lösen. Mal gucken, was da noch so kommt, vielleicht blogge ich dann wieder drüber.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Vom Missbrauch der Disziplin

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Ich erwähnte ja neulich schon einmal, dass ich ein Seminar habe, das sich mit Buebs “Lob der Disziplin” befasst. Der Mann hat einige merkwürdige Ansichten, hier sind ein paar Beispiele.

Auf Seite 42 thematisiert er eine seiner Meinung nach eine ganz besonders tolle pädagogische Maßnahme:

Wenige verbinden Glück mit Taten der Nächstenliebe, weil sie zu solchen Taten wenig verführt sind. Kurt Hahn, der Gründer Salems, hat seinen Schulen eine geniale pädagogische Einrichtung mit auf den Weg gegeben, die Dienste. […] Jedes Mädchen und jeder Junge muss von der zehnten bis zur dreizehnten Klasse einen Nachmittag in der Woche, also zwei bis drei Stunden, im Dienste anderer Menschen verbringen. Es gibt technische Dienste, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk, der zahlenmäßig stärkste Dienst ist der Sozialdienst. […] Die Dienste sind verpflichtend und gerade darin liegt ihre Qualität. […] und Jugendliche erfahren, wie viel Freude und Glück das Helfen bereiten kann.

Glaubt der Mann wirklich, dass er auf die Weise tätige Nächstenliebe fördern kann? Der Zwang dürfte die meisten Leute doch eher zum Gegenteil bringen. Und so, wie sich der Abschnitt las, musste ich an eine Frau denken, die zwangsverheiratet wird und dann hinterher sagt, sie sei in ihrer Ehe ja total glücklich.

Doch die Merkwürdigkeiten gehen weiter. Auf Seite 66 verlangt er eine strengere Gesetzgebung bei Alkohol und Kippen:

Der Gesetzgeber erlaubt Alkohol und Zigaretten ab sechzehn. Warum eigentlich? Ich habe noch nie eine plausible Erklärung für diese Gesetze gefunden außer unsere puddinghafte Pädagogik. Amerika, das Land der Freiheit, besitzt eine jugendgerechtere, nämlich schützende Gesetzgebung.

Wie weltfremd ist der Mann? Glaubt er ernsthaft, Jugendliche würden aufhören, wenn das Schutzalter höher wäre? (Haben sie ja auch nicht, es wurde seitdem ja erhöht.) Verbote machen sexy! Außerdem: Was glaubt der Mann, warum die Leute bei den Spring Breaks immer so durchdrehen? So toll ist das in den USA auch nicht.

Mit pädagogischen Grüßen

Die Kitschautorin

Bravo, Mädchen

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Nach langer Zeit ist es mal wieder soweit (oh, ein Reim): Ich werde mir oben genannte Zeitschriften durch den Kopf gehen lassen und meine Gedanken mit euch teilen. In Reihenfolge des Titels.

Jetzt sind […] Sänger Justin Bieber (18) in der “Family Guy”-Folge […] dabei. Jus wird darin allerdings fies verprügelt!

1. Mehr als verständlich, denn das ewige Gehype dieses Typen, u.a. durch bekannte Jugendzeitschriften, geht einem auf den Keks.

2. jus (frz.) = Saft

Auf Seite 6 wird darüber berichtet, wie toll Charlie Sheen doch ist, da er 115000 Euro gespendet hat, anstatt sie in Drogen zu investieren. Wofür er das Geld gespendet hat, wird nicht erwähnt – aber Charlie ist ja soooo toll!

Ein weiterer “In”-Tipp ist, die Stiefel der Eltern an Nikolaus zu füllen. Wobei es mir mittlerweile schwer fällt, zu glauben, dass es noch Leute gibt, die das ohne Hintergedanken tun würden.

An Weihnachten gibts sooo viele Leckereien. Und gerade jetzt willst du auf dein Gewicht achten? Quatsch! Greif zu und genieß die Süßigkeiten. Eine Diät kannst du dir ja fürs nächste Jahr vornehmen…

Quelle: quickmeme.com

Du nennst dein Zimmer “Bieber-Bau”? Sagst nicht “Tschüss”, sondern “Adele”? Dein Traumjob ist PSYchologe?

Zeit für die Klapse, würde ich sagen.

Zwischendurch schüttelte ich den Kopf darüber, dass Rihanna angeblich ihren Prügel-Ex zurückhaben will, der auf Twitter eine Moderatorin wüst beleidigte, als sie ihm sagte, was er ist. Doch wurden die Gedanken schnell verdrängt von der Müllsoap, die auf der nächsten Doppelseite beworben wurde. Die nächste Fernseh-Verdummungsattacke startet. Name: Köln 50667. Kennzeichen: Spackige Gesichter mit blödsinnigen Problemen. Seht es euch bloß nicht an.

Auf der “Fun”-Doppelseite sind zwei Fotos von Nicki Minaj zu sehen. Eins von ihr als Jugendliche und eins im Jetzt-Zustand.

Huch, die ausgeflippte Sängerin […] hat sich ganz schön verändert!

Ja, vom normalen Mädchen zur Transe.

Angus T. Jones hat sich auch extrem gewandelt – er ist jetzt Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten und findet seine alte Serie nur noch schrecklich. Man mag ja dazu stehen, wie man will, aber die Bravo gönnt ihm offenbar keinen eigenen Willen (“macht ‘Two and a half men’ kaputt”).

In der Fotostory geht es darum, dass ein Mädchen von ihrem Freund geschlagen wird und ein Mitschüler, der in das Mädchen verliebt ist, es davor retten will. Es endet mit einem Kuss zwischen dem Retter und dem Mädchen – doch so, wie ich die Welt kennen gelernt habe, wird sie den Retter vermutlich irgendwann verlassen und zum Schläger zurückkehren, weil sie den Drang nach einem Arschlochfreund hat.^^

Wo wir gerade bei Mädchen waren – jetzt zur gleichnamigen Zeitung. (Ich bin der Meister der Überleitungen.)

Die Bodenhaftung hat sie trotzdem nicht verloren: “Ich gebe nie mehr als 80 Euro für ein Fashion-Teil aus. Immerhin gibt es Menschen auf der Welt, die hungern müssen.”

Tja, damit dürfte Ruby Jean Wilson den klassischen Mädchen-Leserinnen so einiges voraus haben.

Ein Mädchen darf das Set seiner Lieblingsserie besuchen. K11. Ich dachte, ich werde nicht mehr. Wie kann man nur so was mögen?

Ich rede mich gerade ziemlich in Rage, weil ich mich über meine Nachbarin ziemlich aufrege. Sie ist genauso alt wie ich und kopiert mich und meinen Style eins zu eins. Voll nervig! […] Meine besagte Nachbarin ist aus dem Nichts aufgetaucht und hat natürlich alles mitbekommen. […] Immerhin meidet sie mich nach diesem Vorfall und hat sich einen eigenen Style zugelegt.

Ich sehe schon, die Nachbarin hatte zumindest ein bisschen mehr Hirn als die sechzehnjährige Lästertante, dessen Alter ich ihr auf keinen Fall abnehmen würde.

In der Beratungsecke fragt ein zwölfjähriges Mädchen, was ein Dildo ist. Hätte sie das nicht viel einfacher auf Wikipedia erfahren können? Und: Stimmt es, dass Vibratoren wirklich erst ab 18 Jahren erhältlich sind? Das bezweifle ich doch stark. (Als ich das gegoogelt habe, stieß ich in einem Forum auf den Ratschlag, dass die 17jährige, die einen Vibrator habe wollte, doch ein Handy nehmen solle. I lol’d.)

In diesem Sinne:

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin