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Archiv der Kategorie: Was in der Welt passiert

Kann ich noch Christin sein, wenn ich an Gott zweifeln muss?

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Heiner Geißler ist ja nun leider vor kurzem verstorben. Vor seinem Tod habe ich aber noch sein Buch „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“ gekauft – und mittlerweile auch gelesen. Einige Gedanken dazu möchte ich nun hier festhalten.

Er fragt, wie es sein kann, dass man Gott Allmacht, Güte und Allwissenheit zuschreibt, bei all dem Leid auf der Welt. Die Theodizeefrage also. Aus dieser Frage leitet er aber eine weitere Frage ab: Ist Christsein möglich ohne Gott? Er denkt, dass es durchaus möglich ist. Ich weiß nicht, ob das stimmt.

Er schreibt über seine eigenen Glaubenszweifel – etwas, das mir wohlbekannt ist. Ich frage mich immer öfter, wo Gott ist, wenn ich an das ganze Leid auf der Welt denke. Schon seit längerer Zeit. Und derzeit frage ich mich, ob er überhaupt existiert.

In diesem Zusammenhang zitiert Herr Geißler den afrikanischen Kirchenlehrer Lactantius, was ich an dieser Stelle auch tun möchte:

Warum hat Gott das Übel nicht verhindert?

Entweder Gott kann es nicht, dann ist er nicht allmächtig.

Oder er will nicht, dann ist er nicht gut und gerecht.

Oder er kann und will nicht, dann ist er ohnmächtig und böse zugleich.

Oder er kann und will, warum tut er es dann nicht?

Viele Menschen haben sich Gedanken zur Theodizeefrage gemacht, die großen Kirchen natürlich auch. Acht verwendete Antworten führt Herr Geißler in seinem Buch an:

  1. Leiden ist Strafe für Sünden

  2. Die Leiden sind von Gott geschickt

  3. Gott nach dem Leid zu fragen (Rechtfertigung Gottes), ist eine Anmaßung des Menschen

  4. Gott will geliebt werden, dies setzt aber den freien Willen des Menschen voraus, auch das Böse zu tun. Ohne das Böse gibt es keinen freien Willen

  5. Nicht Gott verursacht das Leid, sondern Hitler, Pol Pot, Assad, Psychopathen und Sadisten

  6. Leid wird verursacht durch den Teufel, Hexen, Zauberei

  7. Gott handelt, wie er will

  8. Gott sei Lob und Preis

Es gibt so viele Menschen, die nie etwas Böses getan haben, wofür werden die dann bestraft? Und wenn ich Gott nicht danach fragen darf, warum all das Leid passiert, dann finde ich das eine Anmaßung. (Und überhaupt, was ist das für ein Gott, der auf die Liebe der Menschen angewiesen ist?) Ich kann Gott auch nicht einfach so lobpreisen, wenn ich weiß, dass bei Anschlägen unschuldige Menschen sterben und mir nahestehende Menschen langsam von Krankheit zerfressen werden.

Ich war auch ziemlich schockiert, als ich las, dass Martin Luther der Meinung war, er dürfe Gott nicht danach fragen, warum er so krank sei, das sei ja Blasphemie. Ich muss zugeben, ich habe das trotz meines Lutheranerdaseins nicht gewusst. Man muss so was fragen dürfen.

Heiner Geißler ist nun also der Meinung, dass der Glaube an Gott letztlich irrsinnig ist. Jesus nimmt er dabei aber ausdrücklich heraus. Jesus mache nämlich den vom Pech verfolgten Menschen Mut. Er schreibe jedem Menschen Würde zu. All das, was Gott nicht tut. Er sei Helfer der Armen, Verstoßenen, Behinderten, die Verkörperung von Menschlichkeit und Barmherzigkeit. Er stelle etwas dar, an das man glauben könne.

Ich fand das Buch richtig gut. Und es gab mir zum Nachdenken. Wenn jemand das Buch auch gelesen hat oder auch einfach so Gedanken zum Thema hat, gerne damit in die Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Gelb ist eine warme Farbe

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Tagesordnungspunkt 1: Festivalzeit

Aus beruflichen Gründen war ich auf einem Metalfestival hier in der Nähe. Und ich hatte mehrere erste Male. Festival an sich, Pressebereich auf einem Festival, eine Band interviewen, die ich an dem Tag zudem zum ersten Mal gehört hatte… Ich war selten so kaputt und gleichzeitig hat es sich absolut gelohnt. Allein wegen der von mir interviewten Band, die jetzt my new brothers sind. (Ich würde euch ja ein Foto zeigen, allerdings weiß ich nicht, welches meine Redakteure für den Artikel verwenden, also ist das gerade schwierig…)

Tagesordnungspunkt 2: Gelb ist eine warme Farbe

Ich bin jemand, der bei wichtigen Prüfung tendenziell dazu tendiert, sehr nervös zu sein. Entsprechend nervös war ich auch diese Woche, als ich zur Gelbgurt-Prüfung im Ju Jutsu antreten musste. Ich ging fest davon aus, dass ich nicht bestehe, aber ich wollte nicht kneifen, zumal eine Mindestanzahl an Prüflingen vorgeschrieben war, die wir gerade so erreicht hatten. Also ging ich hin.

Am liebsten hätte ich begonnen, um es gleich hinter mir zu haben, aber jemand anders wurde zuvor drangenommen. Und fünf Minuten, nachdem ich schließlich antreten konnte, platzte irgendsoeine Aerobicfrau ins Dojo und fragte, warum wir die kleine Halle besetzen… weitere fünf Minuten brauchte der Trainer, um der Aerobicfrau zu erklären, wo der Trainingsplan hängt und dass wir nur diese Woche an dem Tag da sind und blablabla.

Dann konnte ich weitermachen… und musste zwei Mal unterbrechen, weil sich Anzug und Sport-BH dazu entschieden haben, mich zu trollen. Ich hoffe, niemand hat etwas gesehen… Nachdem mein Part vorbeiwar, spielte ich dann Gegnerin für einen anderen Prüfling und sie hat mich zwei Mal so hart auf die Matte geschickt, dass ich befürchtete, Kopfschmerzen zu kriegen. Ist aber nichts passiert.

Als Letztes war der Grüngurt-Prüfling dran. Was er vorführte, sah sehr beeindruckend aus… zumal er es geschafft hat, dem Gegner ein paar Schürfwunden zu verpassen, weswegen sie sich Wasser von mir geliehen haben, um die Matten zu putzen… mit durchschlagendem Misserfolg. Zusätzlich hatte mein Trainer gesehen, dass meine Gegnerin sich vorher mal die Hand überdehnt hatte, und er ist sehr fürsorglich. Also fragte er uns nach der Prüfung, ob alles in Ordnung sei. Als er mich sah, stockte er. „Bist wohl kein Prüfungsmensch, was?“ Nee.

Letzten Endes haben wir aber alle bestanden und ich fühle mich wie Beatrix Kiddo, oh yeah.

Tagesordnungspunkt 3: Gestern Abend in der Eisdiele

Trainingskamerad: Es ist so warm!

Ich: Ihr habt’s gut. Ihr könnt wenigstens oberkörperfrei rumlaufen.

Trainer: Och, DU kannst das auch! Ich bin ja auch für Femen. Brauchst ’nen Edding?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Noch’n Reisebericht

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Ich war zum 15. Mal in Schweden und zum ersten Mal in Finnland.

Montag

Ich bin doch tatsächlich um fünf Uhr morgens aufgestanden, um den Flug zu erwischen. So früh kann ich aber nichts futtern, ergo war mein Magen irgendwann sehr leer und als ich ankam, aß ich meinen Eltern erst mal den halben Kühlschrank leer. Viel mehr habe ich an dem Tag auch nicht gemacht, außer mit meiner Mutter Gras zu holen. (Das grüne Zeugs, das auf Wiesen wächst, bevor irgendwer fragt. Ihr Hase muss ja auch von irgendwas leben.) Als ich durch Stockholm fuhr, fielen mir irgendwann die ganzen Regenbogenflaggen auf. Stellte sich raus, genau zu der Zeit, in der ich in der Gegend war, war Stockholm Pride. 😀

Dienstag

Bad im örtlichen See. Und zwar um halb acht morgens. Noch vorm Frühstück. Da war das Wasser noch so kalt, dass ich hinterher immerhin von mir behaupten konnte, wach zu sein. War aber ganz cool (no pun intended). Später an dem Tag sind wir nach Värmdö gefahren. An diesem Ort ist mir aufgefallen, dass Schweden im Grunde ein einziger großer Naturporno ist. Ich habe alleine an diesem Ort ungefähr drei Millionen Fotos gemacht (die ich selbstverständlich alle, genau wie die anderen der Reise, auf Flickr hochladen werde). Übrigens fuhr auch in Värmdö ein Dampfer mit Regenbogenflagge herum…

Mittwoch

Was ist besser als ein Bad in einem See? Ein Bad in einem Meer. Und so begaben mein Vater und ich uns zu einem Ostseestrand. Es war wirklich sehr schön dort. Ich bade auch sehr gerne im Meer, habe nur leider selten die Gelegenheit dazu. (Das letzte Mal war 2012 im französischen Baskenland.)

Donnerstag

Ausflug in eine Küstenstadt ca. 60 Kilometer südlich der schwedischen Hauptstadt. Ich habe mir den Hafen und die örtliche evangelisch-lutherische Kirche angesehen, einen lyxshake getrunken und ein paar Postkarten gekauft. Ich habe sie noch am selben Tag verschickt, bis jetzt (11.08., 12:21 h) ist aber nur eine davon angekommen. Seltsam.

Freitag

Mein Vater hatte angeregt, einen Tagesausflug nach Finnland zu machen. Ursprünglich wollten wir nach Helsinki, aber das hätte doch sehr viel Zeit in Anspruch genommen, also haben wir stattdessen einen Ausflug nach Åland gemacht. Wie ein Freund sagte: „Die Region, die finnisch ist, sich aber für schwedisch hält.“ Einzige offizielle Amtssprache ist Schwedisch und man sieht (außer am Fährhafen) nirgendwo die finnische Flagge. Nur schwedische und die von Åland. Bezahlt wird mit Euro, vielerorts werden auch Schwedische Kronen akzeptiert. Und es geht noch weiter: Ich war in der Kirche von Eckerö. Dort gibt es Gesangsbücher der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands, aber sie sind auf Schwedisch… Aufgrund des Autonomiestatus haben die Ålander eigene Kennzeichen, die nicht aussehen wie die finnischen.

Åland war über Jahrhunderte ein Zankapfel verschiedener Staaten. Schweden, Russland und Finnland (und wenn ich das richtig sehe, auch noch andere) haben sich darum gekloppt. Seit gut hundert Jahren gehört diese Inselgruppe nun also als entmilitarisierte, autonome Zone zu Finnland. Besonders deutlich war die bewegte Vergangenheit zu merken, als ich Kastelholm besichtigte. Dort konnte man viel darüber erfahren. Auch sonst fand ich Kastelholm sehr interessant. Man konnte dort bspw. mittelalterliche Kleidung anprobieren. Stand mir sogar ganz gut. 😀

Samstag

Pausentag.

Sonntag

Stockholm. Ich war im Gottesdienst der dortigen Deutschen Kirche. Der Kirchenvorsteher fragte zu Beginn, wer wie weit angereist ist. Ich mit meinen 1200 Kilometern war nicht die Gewinnerin. Die Pastorin arbeitet normalerweise in Düsseldorf, es gab Besucher aus Stuttgart und der Schweiz.

Nach dem Gottesdienst liefen Vater, Bruder und ich durchs regnerische Stockholm und fanden dort einen Laden, in den ich mich sofort verliebt habe. Es gibt dort so viel Nerdkrams, dass ich ihn halb leer kaufen könnte. Wer ihn auch sehen will: Västerlånggatan 48.

Montag

Ich musste um fucking halb fünf aufstehen, um meinen Rückflug zu kriegen. Der verlief ganz gut, von kleineren Turbulenzen mal abgesehen. Und ich konnte diesmal, anders als auf dem Hinflug, tolle Luftbilder schießen.

Und sonst so?

Ich habe es selten erlebt, dass es in Schweden wärmer ist als in Deutschland. Diesmal war es aber so. Es war in Schweden (bis auf die letzten beiden Tage) so warm, dass es in der Nähe von meinen Eltern sogar einen Waldbrand gegeben hat. Es ist aber niemand zu Schaden gekommen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Reisebericht-, äh, Kitschautorin

Religionsunterricht

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Auf Twitter gab es neulich ein Gespräch über Religionsunterricht.

Bis jetzt stimmen fast 80 Prozent mit „Es wurde offen diskutiert“ ab. Ich muss sagen (ich habe auch gesagt), das Ergebnis überrascht mich.

Beim Religionsunterricht auf meinem Gymnasium (egal, in welcher Konfession) galt: Wer dem Lehrer nicht passt, bekommt schlechte Noten. Mein heutiger Mann hatte im katholischen Religionsunterricht einen alten Knacker, der einmal in einem Buch den Satz „Die Ehe ist eine Verbindung zwischen zwei sich liebenden Menschen“ durchstrich und „Mann und Frau“ drüberschrieb. Der Lehrer war im Allgemeinen so unbeliebt, dass mein Werte-und-Normen-Kurs in der 12 auf einmal total viel Zuwachs hatte. (Etwas Ähnliches ist drei Jahre zuvor bei meinem Schwager passiert.) Meine beste Freundin, die nicht christlich ist, hat einmal mündliche Prüfung im evangelischen Religionsunterricht abgelegt. Sie hatte den ganzen Stoff korrekt drauf, bekam von der Lehrerin aber trotzdem kein „sehr gut“, weil man eine Konfessionslose ja nicht genauso gut bewerten könne wie eine Gläubige.

Generell kann ich sagen, dass der Unterricht nicht eben dazu geeignet war, Interesse am Glauben zu wecken. Ich hoffe, dass sich das mittlerweile geändert hat. Schreibt gerne eure Meinung zum Thema Religions- (oder von mir aus auch Ethik-)Unterricht in die Kommentare, ich freue mich.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Bahn, Bibel und bunte Heftchen

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Tagesordnungspunkt 1: Die Bahn

Montag, 10 h 41: Ich sollte eigentlich unterwegs Richtung Kreisstadt sein, da ich dort etwas Wichtiges erledigen muss. Ich sitze aber immer noch am Bahnhof meines Wohnortes, da es auf der Strecke eine Stellwerksstörung gibt. Auf der Bahnhofsanzeige und in der Durchsage heißt es nur: „Aufgrund einer Stellwerksstörung verzögern sich alle Züge auf unbestimmte Zeit. Wir informieren Sie über Anschlussmöglichkeiten.“ Der Bus in die Kreisstadt ist da schon weg.

11 h 00: Der Zug fährt, ohne dass man uns irgendwie informiert hat.

11 h 30: Bin bei der wichtigen Erledigung angekommen. Werde dort angemeckert, weil ich nicht früher gekommen bin, muss deswegen Mittwoch noch mal wiederkommen.

12 h 00: Ich habe noch einige andere Dinge erledigt und möchte den Rückweg antreten. Laut DB-Navigator fährt der nächste Zug zwar eigentlich schon um 12 h 14, was etwas zu knapp ist, allerdings verspäte sich der Zug um 15 Minuten wegen der Stellwerksstörung. Das wäre dann okay, ich gehe also zum Bahnhof.

12 h 15: Der Zug fährt mir vor der Nase weg.

12 h 50: Ich sehe, dass der Gegenzug beträchtliche Verspätung aufgrund der Stellwerksstörung hat. Für meine Verbindung – 13 h 14 – wird nichts angezeigt.

13 h 30: Der Zug taucht nicht auf. Informationen über den Verbleib bekommen wir keine, weder per Durchsage noch per Anzeige. Aber immerhin ist der DB-Informationsmitarbeiter von seiner Mittagspause zurückgekehrt. Ich gehe also, mit ein paar anderen zusammen, hin.

13 h 35: Der DB-Mitarbeiter hat absolut keine Ahnung, wann überhaupt wieder Züge fahren werden. An den u.a. durch den DB-Navigator angekündigen Schienenersatzverkehr glaubt er nicht. Ich habe genug und kaufe mir bei ihm ein Linienbusticket. Dann gehe ich zum Busplatz.

13 h 45: Der Schienenersatzverkehrsbus taucht auf. Da nur drei Leute am Busplatz sitzen, geht der Busfahrer zum Gleis, an dem eigentlich mein Zug hätte fahren sollen, und holt die Reisenden.

13 h 53: Die Reisenden, die noch am Bahnsteig waren, wurden anscheinend nicht durch Durchsage oder Anzeige darüber informiert, dass der SEV-Bus da ist.

13 h 55: Der Bus fahrt los.

14 h 35: Bin zu Hause angekommen und stinkwütend. Wenigstens besitze ich seit letztem Jahr den Führerschein Klasse B, sonst wäre ich noch häufiger auf diesen Sauverein angewiesen…

(Puh, das ist doch etwas länger geworden als geplant. Egal.)

Tagesordnungspunkt 2: Die Bibel

Ich antwortete auf Twitter auf diesen Tweet von Birgit Kelle, der durch einen mir bekannten Twitterer in meine Timeline geraten war:

Meine Meinung zu gleichgeschlechtlicher Liebe ist hinreichend bekannt. Folgerichtig antwortete ich auf den obigen Tweet mit „Mit Verlaub, das ist Blödsinn“. In Folge kam es zwischen mir und verschiedenen anderen Twitterern zu einer großen Diskussion, in der mir u.a. Relativismus vorgeworfen wurde, weil ich eine nicht homophobe Bibelauslegung bevorzuge. (Wer mehr darüber lesen will, hier steht was Interessantes dazu.)

Unabhängig davon, wie man zu gleichgeschlechtlicher Liebe steht oder nicht: Dass ich Relativismus in Bezug auf die Bibel betreibe, ist Blödsinn. Es ist eine mögliche Bibelauslegung. Im Übrigen selektieren diejenigen, die mir Relativismus vorgeworfen haben, genauso. Keiner kann alle Gesetze aus der Bibel befolgen. Ich berichtete ja schon einmal darüber, dass A. J. Jacobs das ein Jahr lang versucht hat, und er wurde halb verrückt dabei.

Aber wenn es wenigstens nur das gewesen wäre. Einer der Diskutanten verlinkte eine Rezension zum Buch „Streitfall Liebe“ von Valeria Hinck, in dem sich gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen gewandt wird. Der Rezensent gab zu verstehen, dass er Homosexualität für eine Krankheit hält. Ich habe die Diskussion mit diesem Menschen daraufhin eingestellt.

Und es ging noch weiter: Derselbe Twitter-User verlinkte einen Blogartikel, in dem Homosexualität als Sünde dargestellt wurde. Ich hatte dazu einige Anmerkungen:

Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass im dritten Buch Mose nur Geschlechtsverkehr unter Männern erwähnt wird. Was aber ist mit Geschlechtsverkehr unter Frauen? Außerdem liegt bei 1. Korinther 6,9 der Fokus eher auf Verkehr mit Minderjährigen / Prostituierten und nicht unter gleichgestellten Partnern, die sich freiwillig und auf Augenhöhe aneinander binden. Darüber hinaus möchte ich noch anmerken, dass die Neues-Leben-Bibelübersetzung nicht immer ganz genau ist, sondern zu Vereinfachungen und zur Emphase neigt.

Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

Freundliche Grüße

Ich bekam auch postwendend eine Antwort. Der Blogartikel-Autor warf mir vor, ich wolle Gottes Wort aus der Welt schaffen und legte indirekt nahe, dass es mit meiner Nächstenliebe nicht gut bestellt sei, weil ich mich sicher nicht trauen würde, die iranische Botschaft zu diesem Thema anzumailen. Ich antwortete, dass ich eine andere Bibelinterpretation (also eine nicht homophobe) für möglich halte, und verbat mir irgendwelche Mutmaßungen zu meiner Nächstenliebe. In der nächsten Antwort wurde der Relativismusvorwurf seinerseits dann auf die Spitze getrieben, indem gesagt wurde, dass die Nazis ja auch derart gearbeitet hätten. Da stellte ich die Diskussion meinerseits dann ein. Der Blogartikel-Autor hat mir danach noch drei E-Mails geschrieben, in denen er mich indirekt als scheinheilig bezeichnete, sagte, ich sei auf dem falschen Weg, das mit der Nächstenliebe wiederholte und mir vorwarf, ich sei

vom Ich-zentrierten Stolz verführt.

Ich bin gespannt, ob noch weitere E-Mails kommen, beantworten werde ich sie nicht.

Tagesordnungspunkt 3: Bunte Heftchen

Eine sehr liebe Person hat mir aus Schottland ein deutschsprachiges christliches buntes Heftchen mitgebracht, auf das ich hier eingehen möchte. John Blanchard – „Von größter Bedeutung“. Nun denn.

Ich muss sagen, dass ich gegen das Heftchen nicht unbedingt was habe. Der Autor hat zwar zu vielen Themen eine andere Meinung als ich, aber das kann ich akzeptieren. Nur zwei Sachen will ich anmerken: Auf Seite 4 werden Evolution und Gottglaube entgegengesetzt. Ich glaube nicht, dass sich das widersprechen muss, ich bspw. bin gläubig und halte die Evolution für wahr.

Darüber hinaus findet sich auf Seite 7 Folgendes:

In 2000 Jahren konnte kein Experte auf irgendeinem Gebiet auch nur eine Aussage der Bibel widerlegen.

Nun ja…

So, das war’s mit Bloggen für heute. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder, und Respekt an jeden, der das alles hier gelesen hat.^^

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ich bin kein Model und ich seh doof aus

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Neulich las ich wieder einmal die Neue Osnabrücker Zeitung. Und so entdeckte ich eine Meldung, in der verkündet wurde, dass Céline Bethmann Deutschlands nächstes Topmodel geworden ist. Ich stutzte nicht nur darüber, dass sie auf dem Foto aussieht, als hätte ihr jemand verkündet, ihre Oma wäre gestorben. Besonders schön war auch die Bildunterschrift:

Mit dem Titel gewinnt die Schönheit […] die zweifelhafte Einsicht, dass sie trotz des Sieges nicht die tollste Persönlichkeit des Formats hatte. Denn auch für die vergab Klum im GNTM-Finale einen Preis. Er ging an eine von zwei Transgender-Kandidatinnen.

Das ist auf so vielen Ebenen abgedreht, dass ich es kaum formulieren kann. Eine Sendung, die wie keine andere auf Oberflächlichkeit setzt, kürt die beste Persönlichkeit?

Ein guter Freund meinte neulich, dass sich die Sendung in ihrer Machart eher so an 14jährige Mädels richte. Mir wird halbschlecht, wenn ich daran denke, dass die so eine Sendung sehen. Man muss die Oberflächlichkeit ja nicht noch weiter heranzüchten. Ein Alibi-Persönlichkeitspreis bringt’s da auch nicht wirklich.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ein Schwarzer und ein AfD-Mitglied gehen in eine Bar

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Ich wurde kürzlich auf eine Dokumentation aufmerksam gemacht. Ein dunkelhäutiger Mann aus Frankfurt und ein AfD-Kreisvorsitzender aus einer hessischen Kleinstadt treffen sich und lernen die Leben des jeweils anderen kennen. Wer es sich ansehen möchte, findet es hier:

Ein paar kurze Kommentare von mir: Wirklich sehr interessant. Beispielsweise in dem Moment, in dem Fabian – ab Minute 14 – ein paar von Bobs Freundinnen besucht und dann (die Frauen erwähnen Flüchtlinge) von Angsträumen in Deutschland redet. Früher sei es ja als Frau möglich gewesen, abends ohne Angst rauszugehen, und jetzt gehe das ja gar nicht mehr. Auf Nachfrage sagt er aber nicht, wo sich diese Angsträume befinden, sondern erzählt nur von seinen weiblichen Bekannten, die sämtlich mit Pfefferspray ausgehen. Mmh. Is klar, Ali.

Wirklich heftig wird es erst später. Bob und Fabian besichtigen ein Antiquariat in Fabians Heimatort. Ich gruselte mich schon ein wenig, als die Ladenbesitzerin Bob fragte, wo in Afrika er beheimatet sei. Ich weiß bei solchen Fragen wirklich nie, ob das jetzt harmloses Interesse oder die versteckte These „Du bist kein Deutscher“ sein soll. Nachdem die Herkunft von Bob geklärt wurde, fragt er, warum Fabian sich der AfD zugewendet hat, und bekommt als Antwort total dümmliche Phrasen. Die AfD wolle ja nur Gerechtigkeit, man müsse Asylanten bei der Rückkehr in ihre Heimat helfen und die Partei sei ja total anständig. Aha.

Noch besser wird es, als Fabian Bob zu seinem AfD-Stammtisch mitnimmt. (Wer es sich ansehen will: Ab Minute 37.) Ich höre eigentlich die ganze Zeit nur ein „Wir sind für das Asylrecht, ahhhber…“ Und dann erzählt einer der Anwesenden auch noch, es gebe doch Rassemerkmale, das sage doch jeder Biologe. Ähm, ja. Ich habe im Biologieunterricht der Oberstufe gelernt, dass der von Biologen vertretene Rassenbegriff (der im Übrigen zunehmend obsolet ist) nichts mit dem ausgewachsenen Sozialdarwinismus zu tun hat, den gewisse Leute vertreten.

Was bleibt sonst noch zu sagen? Ich finde das Sendungsprinzip gut und ich finde gut, dass Fabian sich der Konfrontation gestellt hat. Man hat viele interessante Einblicke in beide Welten gewonnen. Ich fand auch die Machart der Sendung sehr gut. Wie dem geneigten Beobachter mittlerweile aufgefallen sein dürfte, bin ich kein Freund der AfD, aber ich hätte keine Dokumentation gebraucht, die mir 45 Minuten lang einfach nur stumpf erzählt, dass die AfD dumm ist. Die neutrale Machart gefiel mir.

Wenn ihr irgendwelche Anmerkungen oder Fragen habt, gern ab damit in die Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin