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Schlagwort-Archive: Aufenthaltsbescheinigung

Ja, ich will… unterschreiben.

Veröffentlicht am

(Danke an meinen Freund für den Titel.)

Wenn mich jemand fragen würde, was ich am meisten mit Deutschland verbinde, würde mir sofort ein Wort einfallen: Bürokratie. Man sollte ja meinen, wenn sich zwei junge Menschen dafür entscheiden, in den traditionellen Stand der Ehe einzutreten, kommt Freude auf. Irrtum.

Normalerweise benötigen zwei Heiratswillige ihre Personalausweise und Abschriften aus dem Geburtsregister. Mein Freund und ich wollen in einer Stadt heiraten, in der wir nicht bzw. nicht mehr wohnen, also muss das eigentlich zuständige Standesamt dem von uns gewünschten Amt mitteilen, dass alles okay ist. Ihr wollt wissen, was man dafür braucht? Ich erzähle es euch.

Die Beantragung der Abschriften aus dem Geburtsregister war bei mir und meinem Freund relativ umständlich, weil er eine Stunde von seiner Geburtsstadt entfernt wohnt, ich ganze vier. Wir mussten und müssen haufenweise Gebühren bezahlen – für die Abschriften, die Hochzeit an sich und meine Aufenthaltsbescheinigung.

Sagte ich Aufenthaltsbescheinigung? Ja, sagte ich. Man glaubt mir, die ich mit erstem Wohnsitz in einem mecklenburgischen Dorf gemeldet bin, nicht, dass ich ich bin und heiraten darf und deswegen brauchte ich eine Aufenthaltsbescheinigung, auf der genau das stand. Für diesen Wisch hätte ich beinahe vierhundert Kilometer fahren müssen. Ich hatte dann Glück und die Standesbeamtin ließ sich bequatschen. Ich verstehe das nicht. Im Grundgesetz steht doch eindeutig, dass man sich als deutscher Bürger frei im gesamten Bundesgebiet bewegen darf, und trotzdem behandelt man mich, als wäre ich eine Ausländerin.

Wir haben es jetzt endlich geschafft, alle an sich nötigen Unterlagen zusammenzukriegen (und das, obwohl das Standesamt der größten deutschen Ostseestadt ewig gebraucht hat). Die Trauung konnte heute trotzdem nicht beantragt werden, denn das müssen beide gemeinsam machen. Ich durfte dann heute zum Amt kommen, um mir den Vordruck für eine Vollmacht zu holen, nachdem ich klarmachte, dass mein Freund berufstätig ist und sich nicht mal eben einen Tag freinehmen kann. Er hätte die längere Öffnungszeit am Donnerstag abwarten müssen und dann hätte das Amt sicher Scherereien wegen einer nicht aktuellen Aufenthaltsbescheinigung gemacht. Was sie aber sicher eh tun werden. Als ob ich seit letztem Dienstag umgezogen wäre und geheiratet hätte…

Und ich hab noch zwei Fragen:

1.) Wieso steht bei meinem Freund die Religion seiner Eltern dabei und bei mir sind es die Berufe meiner Eltern?

2.) Wieso wird eine “Abschrift aus dem Geburtsregister” verlangt, die zehn Euro kostet, wenn ich meine Geburtsurkunde doch schon dahabe?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Nachtrag vom 19. Mai 2015, 11:56 Uhr: Frage 2 wurde beantwortet und die Antwort ist theoretisch sogar sehr einleuchtend. Der Inhalt einer Geburtsurkunde ist nicht in Stein gemeißelt. Auch bei mir war es so, dass er sich 1995 änderte, als meine Eltern heirateten. In der Geburtsregisterabschrift steht dann aber alles drin: Name bei der Geburt, geänderter Name, blablabla. Ich habe den Standesbeamten dann auch noch gefragt, warum ich eine Aufenthaltsbescheinigung benötigte. Darin steht, dass ich ledig bin und deutsche Staatsangehörige. Ja, das ist wichtig: deutsche Staatsangehörige, nicht bloß deutsch. Es gibt nämlich Leute, die deutsch sind, eine deutsche Staatsangehörigkeit wurde aber noch nicht festgestellt (Russlanddeutsche zum Beispiel). Im Übrigen wurde nicht gemeckert, weil die Aufenthaltsbescheinigung älter war als acht Tage. Allerdings wurde gemeckert, weil da nicht drinsteht, dass ich Lutheranerin bin. Der Beamte hat mir aber geglaubt. Oh, und ich bekomme bald eine Rechnung, weil die 40 Euro Trauungsgebühr nicht dort bezahlt werden müssen, wo wir heiraten, sondern hier. Dafür dürfen wir dann da, wo wir heiraten, 25 Euro Gebühr für eine auswärtige Trauung bezahlen. Und Gebühren für ein Stammbuch und Heiratsurkunden. Argh.

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