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Noch’n Reisebericht

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Ich war zum 15. Mal in Schweden und zum ersten Mal in Finnland.

Montag

Ich bin doch tatsächlich um fünf Uhr morgens aufgestanden, um den Flug zu erwischen. So früh kann ich aber nichts futtern, ergo war mein Magen irgendwann sehr leer und als ich ankam, aß ich meinen Eltern erst mal den halben Kühlschrank leer. Viel mehr habe ich an dem Tag auch nicht gemacht, außer mit meiner Mutter Gras zu holen. (Das grüne Zeugs, das auf Wiesen wächst, bevor irgendwer fragt. Ihr Hase muss ja auch von irgendwas leben.) Als ich durch Stockholm fuhr, fielen mir irgendwann die ganzen Regenbogenflaggen auf. Stellte sich raus, genau zu der Zeit, in der ich in der Gegend war, war Stockholm Pride. 😀

Dienstag

Bad im örtlichen See. Und zwar um halb acht morgens. Noch vorm Frühstück. Da war das Wasser noch so kalt, dass ich hinterher immerhin von mir behaupten konnte, wach zu sein. War aber ganz cool (no pun intended). Später an dem Tag sind wir nach Värmdö gefahren. An diesem Ort ist mir aufgefallen, dass Schweden im Grunde ein einziger großer Naturporno ist. Ich habe alleine an diesem Ort ungefähr drei Millionen Fotos gemacht (die ich selbstverständlich alle, genau wie die anderen der Reise, auf Flickr hochladen werde). Übrigens fuhr auch in Värmdö ein Dampfer mit Regenbogenflagge herum…

Mittwoch

Was ist besser als ein Bad in einem See? Ein Bad in einem Meer. Und so begaben mein Vater und ich uns zu einem Ostseestrand. Es war wirklich sehr schön dort. Ich bade auch sehr gerne im Meer, habe nur leider selten die Gelegenheit dazu. (Das letzte Mal war 2012 im französischen Baskenland.)

Donnerstag

Ausflug in eine Küstenstadt ca. 60 Kilometer südlich der schwedischen Hauptstadt. Ich habe mir den Hafen und die örtliche evangelisch-lutherische Kirche angesehen, einen lyxshake getrunken und ein paar Postkarten gekauft. Ich habe sie noch am selben Tag verschickt, bis jetzt (11.08., 12:21 h) ist aber nur eine davon angekommen. Seltsam.

Freitag

Mein Vater hatte angeregt, einen Tagesausflug nach Finnland zu machen. Ursprünglich wollten wir nach Helsinki, aber das hätte doch sehr viel Zeit in Anspruch genommen, also haben wir stattdessen einen Ausflug nach Åland gemacht. Wie ein Freund sagte: „Die Region, die finnisch ist, sich aber für schwedisch hält.“ Einzige offizielle Amtssprache ist Schwedisch und man sieht (außer am Fährhafen) nirgendwo die finnische Flagge. Nur schwedische und die von Åland. Bezahlt wird mit Euro, vielerorts werden auch Schwedische Kronen akzeptiert. Und es geht noch weiter: Ich war in der Kirche von Eckerö. Dort gibt es Gesangsbücher der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands, aber sie sind auf Schwedisch… Aufgrund des Autonomiestatus haben die Ålander eigene Kennzeichen, die nicht aussehen wie die finnischen.

Åland war über Jahrhunderte ein Zankapfel verschiedener Staaten. Schweden, Russland und Finnland (und wenn ich das richtig sehe, auch noch andere) haben sich darum gekloppt. Seit gut hundert Jahren gehört diese Inselgruppe nun also als entmilitarisierte, autonome Zone zu Finnland. Besonders deutlich war die bewegte Vergangenheit zu merken, als ich Kastelholm besichtigte. Dort konnte man viel darüber erfahren. Auch sonst fand ich Kastelholm sehr interessant. Man konnte dort bspw. mittelalterliche Kleidung anprobieren. Stand mir sogar ganz gut. 😀

Samstag

Pausentag.

Sonntag

Stockholm. Ich war im Gottesdienst der dortigen Deutschen Kirche. Der Kirchenvorsteher fragte zu Beginn, wer wie weit angereist ist. Ich mit meinen 1200 Kilometern war nicht die Gewinnerin. Die Pastorin arbeitet normalerweise in Düsseldorf, es gab Besucher aus Stuttgart und der Schweiz.

Nach dem Gottesdienst liefen Vater, Bruder und ich durchs regnerische Stockholm und fanden dort einen Laden, in den ich mich sofort verliebt habe. Es gibt dort so viel Nerdkrams, dass ich ihn halb leer kaufen könnte. Wer ihn auch sehen will: Västerlånggatan 48.

Montag

Ich musste um fucking halb fünf aufstehen, um meinen Rückflug zu kriegen. Der verlief ganz gut, von kleineren Turbulenzen mal abgesehen. Und ich konnte diesmal, anders als auf dem Hinflug, tolle Luftbilder schießen.

Und sonst so?

Ich habe es selten erlebt, dass es in Schweden wärmer ist als in Deutschland. Diesmal war es aber so. Es war in Schweden (bis auf die letzten beiden Tage) so warm, dass es in der Nähe von meinen Eltern sogar einen Waldbrand gegeben hat. Es ist aber niemand zu Schaden gekommen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Reisebericht-, äh, Kitschautorin

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Fünfundzwanzig

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Ich habe in meinem Leben einige blöde Sachen erlebt. Krankheiten, Menschen, die einem das Herz rausreißen und 12 Jahre deutsches Schulwesen. Umso erstaunlicher ist es, dass ich die ganze Zeit überleben konnte, seit meine Mutter mich aus ihrem Bauch flutschen ließ. Wer es nicht weiß: Das ist heute genau 25 Jahre her. (Ja, ich werde jeden, der mir nicht gratuliert, tothaten.)

Dass ich ein Vierteljahrhundert alt bin, verdient wohl eine angemessene Würdigung und so veranstaltete ich eine Draisinenfahrt mit anschließendem Umtrunk bei mir daheim. Auf der Hinfahrt mussten wir alle noch durch ein Gewitter, aber das hatte sich beruhigt. Lustig war auch: Der Draisinenveranstalter hatte uns alle eine Viertelstunde früher hinbestellt und kam dann selber mit einer Viertelstunde Verspätung an. 😀

Nach an uns vorbeiwatschenden nassen Ästen, einer uns anfeuernden Nordwestbahn und einer Kiste Mischbier war die Draisinenfahrt beendet. Hat viel Spaß gemacht. Um Mitternacht bekam ich viele schöne Geschenke, den weltbesten Kuchen und „Die Partei hat immer Recht“ als Lied. 😀

Der einzige Tiefpunkt des Abends war der Bruder der Nachbarin, der einem meiner Gäste ein paar Zigaretten ausgegeben hatte und das offenbar als Grund betrachtete, sich selbst einzuladen, sich mit einigen Gästen anzulegen, an die Tür zu kotzen, seinen Abfall auf unseren Balkon zu fegen und eine meiner Tassen kaputtzuschmeißen. Naja, immerhin hat er die Kippen wieder weggefegt. Zwar nicht in den Mülleimer, aber ich bin mir sicher, dass man sie an der Stelle vom Busch nicht sieht…

Gegen Mittag war ich mit meinen Leuten noch frühstücken, und vor ein bis zwei Stunden sind dann alle gefahren. Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat, Monsieurs Verwandtschaft zum Grillbuffet im örtlichen Gasthaus einzuladen, in einer halben Stunde sind sie hier… naja, man wird nur einmal fünfundzwanzig.

Oh, sehr schön ist es übrigens auch, wenn man sich Bekannte aus dem Internet einlädt, mit denen man sich dann einen Tag lang alle möglichen Spongebob-Sprüche an den Kopf wirft.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Mundraub

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Heute möchte ich euch eine Seite vorstellen, die ich vor kurzem entdeckt habe: http://mundraub.org/

Mundraub ist eine Seite, auf der ihr nachgucken könnt, wo in eurer Nähe „öffentliche“ Kräuter und Obstbestände wachsen. Ich finde diese Idee wirklich gut. Wie viel wächst und verfällt am Ende ungenutzt?

In meiner Nähe gibt es Holunder, Hopfen, Giersch (musste erst mal  nachgucken, was das ist), Brennnesseln und Äpfel. Schaut ruhig mal nach, was es in eurer Nähe gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Krümelmonster, Teil 14

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„Na, wenn du meinst…“ Oma sah mich mehr als skeptisch an. „Warum bist du denn so plötzlich hergekommen? Ist irgendetwas passiert? Brauchst du Geld von uns? Wie viel?“

„Nein“, wehrte ich ab, „finanzmäßig ist alles in Ordnung.“

„Was ist es denn? Ist es wegen Lea?“

Ruckartig hob ich mein Gesicht. Einen Augenblick lang musste ich selbst überlegen. War es wegen Lea? War es wegen Hannes? War es wegen Aurélie? Wirkte nicht alles irgendwie zusammen? Und was sollte ich ihnen davon erzählen? Ich wollte meiner Mutter und meiner trotz aller Entwicklungen doch noch relativ strengen Oma nicht von einem One-Night-Stand erzählen. Und ich wusste auch nicht, was Lea ihnen bereits über ihre Schwangerschaft gesagt hatte. Ob sie überhaupt schon davon wussten. Wie bereits erwähnt war ich mir nicht wirklich sicher, ob Lea sie informiert hatte oder bloß so getan hatte. Und wenn ich ihnen von Aurélie erzählte, wollten Mama und Oma sicher gleich den ganzen Rest wissen.

Schließlich ließ ich mich zu einem lahmen „Ach, ist nicht so wichtig“ hinreißen. Das hätte mir nicht mal ein Taubblinder abgenommen.

Oma wollte bereits etwas erwidern, doch da klingelte bereits das in der Küche deponierte Telefon. „Oh, das ist bestimmt Martin, der mir sagen will, wann ich ihn abholen soll!“, rief Mama und rannte aus dem Wohnzimmer.

Die Tür fiel zu.

„Mama muss Papa abholen?“, fragte ich.

„Ja, das eine Auto ist in der Werkstatt und dein Vater ist mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Also, was ist mit dir los? Ich sehe doch, dass du irgendetwas hast.“

Ich drehte und wand mich. „Eigentlich weiß ich nicht, ob ich es dir erzählen möchte“, gestand ich nach ein paar Sekunden.

„Na gut, musst du ja nicht. Soll ich dir einen Tee aus der Küche holen?“, bot Oma mir an.

„Ja, bitte.“

Oma ging aus dem Zimmer. Ich schaute aus dem Fenster auf den großen Garten, in dem wir als Kinder oft gespielt hatten. Lea und ich hatten Äpfel aus dem Garten gesammelt, im Baumhaus gehockt, geschaukelt und später auch Paul gezeigt, wie man Sandburgen baute. Ja, das waren noch Zeiten, wo wir einfach spielen konnten, ohne uns um irgendetwas Wichtigeres als das Einmaleins kümmern zu müssen. Wo wir uns noch nicht um solche Sachen wie Liebe kümmern mussten. Wo Freunde nach einem „Blöde Kuh!“ kapiert hatten, was Sache war, und wieder zur Räson kamen. Wo man nicht fürchten musste, plötzlich schwanger und dann noch vom Langzeitfreund verlassen zu werden. Ich seufzte.

„Hier ist dein Tee. Ich hoffe, er schmeckt dir noch. Er ist etwas kalt geworden, fürchte ich.“ Ich hatte gar nicht bemerkt, dass Oma wieder im Raum war. Sie setzte sich in den großen Sessel, in dem normalerweise mein Vater saß und Zeitungen las.

„Ich kann einfach nicht mehr“, seufzte ich und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. „Lea liegt da im Krankenhaus und ihr ganzes Leben ist total verändert. Ich weiß nicht, wie sie sich entscheiden will! Will sie das Baby behalten oder nicht? Bleibt Gero bei ihr oder nicht? Ich habe Angst! Und all das versteht Aurélie nicht. Die stürmt heute zu mir ins Café und brüllt mich vor versammelter Mannschaft an, warum ich ihr denn nicht bei ihren bescheuerten Liebesproblemen helfe. Die hat sie doch nicht mehr alle!“ Ich stöhnte. Ich konnte auch nicht glauben, dass ich meiner alten Großmutter das alles gesagt hatte.

„Wer war noch mal Aurélie?“, fragte Oma stirnrunzelnd.

„Die eine von meinen Freundinnen. So groß wie Mama, braune Haare, braune Augen.“

„Ach so.“

„Die hatte ein paar Probleme mit ihrem Freund und das nur, weil sie nicht einsieht, dass sie einige Dinge grundfalsch gemacht hat. Aber das wäre nicht so schlimm, wenn sie nicht behauptet hätte, dass ich total egoistisch wäre und ihr nicht helfen würde, weil ich ja mein dämliches Handy nicht angemacht hätte. So ein Mist!“ Ich haute aufs Sofakissen.

„Das hat sie bestimmt nicht böse gemeint. Weiß sie denn überhaupt, dass du bei deiner Schwester im Krankenhaus warst?“

„Nein. Woher sollte sie auch? Ich hab sie ja schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Und mein Handy hatte ich ja nicht angemacht! Das war doch verboten im Krankenhaus.“

„Ich bin mir sicher, dass deine Freundin nicht so sauer reagiert hätte, wenn sie gewusst hätte, dass du bei Lea warst.“

„Ja, vielleicht.“ Ich sah an die Decke. „Aber was machen wir mit Lea? Sie ist da ja in einen ganz großen Mist hineingeraten…“

„Das kannst du wohl sagen“, antwortete Oma. „Ich hab ja gleich gesagt, dass die beiden nicht einen Moment aufpassen können. Ich hab Lea ja gesagt, dass sie zu deiner Mutter gehen soll, als sie diesen Durchfall hatte. Da kann das ja nichts werden.“

„Moment mal, was meinst du damit?“ Ich war etwas unorientiert.

„Du weißt doch noch, dass Lea vor ein paar Monaten immer Durchfall hatte? Das lag wohl daran, dass sie die Pille nicht vertragen hatte. Aber davon wollte deine Schwester nichts wissen. Warum auch immer.“

„Ach so…“

„Warum ist Lea jetzt genau in Ohnmacht gefallen? Das hab ich immer noch nicht so genau verstanden. Und wieso ist Lea nicht zu deiner Mutter gegangen, sondern zu irgend so einem komischen Arzt in Frankfurt? Sie wollte sich wohl die Moralpredigt ersparen. Schön ausgedacht!“

„Nein“, versuchte ich, Oma etwas zu bremsen, „Lea dachte, sie hätte Diabetes. Weil sie doch pausenlos essen und trinken musste und ihr immer so schwindlig war. Und sie ist nach Frankfurt gefahren, weil sie euch nicht damit verrückt machen wollte.“

„Diabetes?“ Oma schaute verwirrt drein. „Wie kommt sie denn darauf?“

„Weil du ihr doch erzählt hast, dass Opa damals daran gestorben ist und weil Geros Mutter gesagt hat, dass man Diabetes auch vererben kann.“

„Ach herrje.“ Jetzt war es Oma, die ihr Gesicht in den Händen vergrub und seufzte. „Was hab ich ihr da bloß wieder gesagt? Wir haben sie doch extra durchchecken lassen. Dich auch! Weil wir wissen wollten, ob es euch auch erwischt hat. Auch deinen kleinen Bruder haben wir extra untersuchen lassen. Und keiner von euch hat je Diabetes gekriegt.“ Oma schaute mich an. „Und nur deswegen ist überhaupt rausgekommen, dass Lea ein Kind erwartet?“

In diesem Moment hielt Mama ihren Kopf in die Zimmertür. „Ich fahre jetzt los und hole Martin ab.“

„In Ordnung.“

Und weg war Mama wieder.

„Ich hoffe nur, dass deine Schwester sich richtig entscheidet“, sagte Oma und stand auf. Unruhig wanderte sie im Zimmer auf und ab.

„Ich weiß noch überhaupt nicht, wie sie sich entscheiden will. Davon hat sie mir noch nichts gesagt. Ist vielleicht auch etwas früh…“

„Guck mal“, rief Oma auf einmal hatte ein altes Fotoalbum herausgekramt. Sie zeigte auf ein altes Bild, das noch in Schwarzweiß gehalten war. Darauf waren eine junge Frau und ein kleines Baby zu sehen. Neben dem Bild stand Marie und ich.

„Ist das eins von deinen Geschwistern?“ Oma hatte viele Geschwister gehabt, das hatte sie mir mal erzählt.

„Nein, das ist deine Tante Marie.“

„Papas Schwester?“, fragte ich ungläubig. Tante Marie war Papas ältere Schwester und schon Ende fünfzig.

„Bei ihrer Geburt war ich gerade mal achtzehn Jahre alt. Ich war damals ein junges, lebhaftes Ding, genauso wie deine Schwester.“

Natürlich, aber warum war mir das nie aufgefallen? Ich wusste doch, dass Oma und Opa sehr früh geheiratet hatten und ein paar Monate später meine Tante zur Welt gekommen war.

„Man hat damals sehr früh Kinder gekriegt“, erzählte Oma, „aber ich wollte eigentlich noch gar keins.“ Sie stellte das Fotoalbum zurück ins Regal. „Ich musste mich auch ziemlich früh entscheiden, ob ich das Kind bekommen wollte oder nicht. Ich wollte Marie haben und habe das auch nie bereut. Aber es war ein ganz schön harter Kampf, das kann ich dir sagen. Denk ja nicht, dass es leicht ist, in dem Alter ein Kind zu erziehen!“

„Das hätte ich auch nie gedacht“, entgegnete ich.

„Wir wollen nur hoffen, dass deine Schwester und ihr Freund die richtige Entscheidung treffen“, gab Oma zu bedenken.

„Davon bin ich überzeugt“, entgegnete ich.

„Jaja, aber wird Gero Lea auch dann behalten wollen, wenn sie das Baby behält? Das weiß man bei diesen jungen Männern doch nie.“

„Ja, aber Opa ist doch auch bei dir geblieben. Und Gero machte nicht eben den Anschein, als wollte er Lea verlassen. Ich habe mit ihm gesprochen. Er liebt Lea sehr und stiehlt sich bestimmt nicht so einfach aus der Verantwortung.“

Die Tür ging auf und Papa kam rein. „Hallo, Sara! Das ist ja eine Überraschung!“ Er herzte mich und dann seine Mutter. „Was treibt dich denn hierher, Sara?“

„Ach, ich war gerade in der Gegend…“, antwortete ich.

„Soso!“ Er lachte. „Ich koche nachher Abendessen, was möchtet ihr haben?“ Oma schaute mich an.

„Ich hätte gerne Napoli“, sagte ich.

„In Ordnung“, entgegnete er und ging.

„Meinst du wirklich, Gero hat die nötige geistige Reife?“, fragte Oma.

„Auf jeden Fall. Nicht alle sind so drauf wie Hannes“, sagte ich und bereute es gleich darauf.

„Hannes?“, fragte Oma und wusste von nichts. Das sollte auch so bleiben, aber ich wusste, dass ich bereits zu viel verraten hatte. „Wer ist das?“, erkundigte sie sich neugierig. „Hast du dich etwa auch mit einem Typen eingelassen?“

„Nein, wie denn?“, regte ich mich auf. „Es hat ja geendet, bevor es wirklich angefangen hat. Er wollte gar nichts mehr von mir wissen.“ Traurig schaute ich auf den Boden.

„Habt ihr euch miteinander getroffen?“

„Ja, und jetzt ignoriert er mich einfach… Dabei hätte ich es wissen müssen, er hatte schließlich eine Freundin und schaut dauernd anderen Mädchen hinterher… Ich komme mir so idiotisch vor!“ Und wieder haute ich mit meiner Hand aufs Sofakissen.

„Oh je.“ Oma setzte sich neben mich. „Die erste Liebe ist immer die schwierigste, was?“

„Ich bezweifle, dass es sich bei allen so schlimm anfühlt wie bei mir…“, murmelte ich.

„Nicht bei allen, aber bei den meisten. Es fühlt sich immer schlimm an, wenn der Traummann nichts mehr von einem wissen will.“ Das stimmte wohl. Ich kam mir vor wie eine blöde Dreizehnjährige, die noch gar keine Ahnung von der Liebe hatte. Die hatte Oma zweifellos, aber wollte ich mit ihr wirklich darüber reden? Ich wusste ja nicht mal, ob sie mich verstand oder mir irgendeinen Rat geben konnte.

„Es fühlt sich so an, als würde es nie vorbeigehen. Letztlich muss da jeder für sich herausfinden. Aber wenn ich dir einen Rat geben kann: Ignoriere diesen Hannes einfach. So ein Kerl hat es einfach nicht verdient, dass du dich mit ihm abgibst. Wenn du ihm lange genug aus dem Weg gehst, denkst du irgendwann von selbst nicht mehr an ihn.“

„Leichter gesagt als getan…“

Wo ist die Liebe hin?, Teil 1

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Vor einigen Jahren begann ich eine Reihe über eine junge Frau namens Sara und stellte die entstandenen Teile auf neon.de hoch. Da ich den Account vor einiger Zeit gelöscht habe, wird die Geschichte nach und nach hier zu lesen sein. “Wo ist die Liebe hin?” ist der zweite Teil der Reihe. Viel Spaß beim Lesen.

Da rein und da raus. Da rein und da raus. Immer und immer wieder. Es gibt wohl keine Altersgruppe, die diesen Spruch so verinnerlicht hat wie die Gruppe der Kinder und Jugendlichen. Wie oft steht man als Kind oder auch Jugendlicher irgendwo herum und muss sich von den Eltern anmeckern lassen? Die einzige Möglichkeit, die man dann noch hat, ist, die Ohren auf „Da-rein-und-da-raus“ zu stellen. In ein Ohr gehen die elterlichen Ermahnungen herein, zum anderen gehen sie wieder heraus. Und der Nachwuchs denkt: Mich geht das alles nichts an.

So was hatte ich neulich auch. Und ich bin nicht die Einzige aus meiner Familie, die so etwas erleben muss. Meine Schwester Lea lebt immer noch bei uns, obwohl sie schon zwanzig ist und mittlerweile studiert. Sie muss sich von unseren Eltern und unserer Oma so einiges anhören. Ich auch. Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber ich habe den Eindruck, als würden sie unseren siebenjährigen Bruder Paul verschonen.

Jedenfalls saß ich neulich in meinem Zimmer und wollte auf keinen Fall gestört werden. Ich musste nämlich für mein Abitur lernen. Die erste Prüfung fand schon in zwei Tagen statt, also war es richtig eng. Gott sei Dank hatte ich rechtzeitig angefangen. Ich hatte schon von Kollegen gehört, die gestern erst angefangen hatten. Die lernten einfach die Nächte durch, dann würde es gehen. Sagten sie.

Ich dagegen nahm das Lernen fürs Abitur ernst. Jeden Tag hatte ich mich mindestens eine Stunde an den ganzen Stoff gesetzt. An diesem Tag, von dem ich jetzt erzählen will, saß ich bereits so lange lernend am Schreibtisch, dass ich im Lernstoff richtig versunken war.

Ich saß gerade an der Fotosynthese. Ein ätzendes Thema. Wie sollte ich das jemals verstehen? Ich hatte nur noch wenige Tage, um das hinzukriegen. Die Zeit war knapp.

Moment! Mir ging grade ein gewaltiges Licht auf! Es müsste doch so sein, dass –

„Sara! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du den Müll rausbringen sollst? Und die Küche hast du auch noch nicht aufgeräumt! Und im Bad stapelt sich deine dreckige Wäsche! Muss ich dir eigentlich alles tausendmal sagen? Immer muss ich alles hinter euch herräumen! Ich hab’s ja auch noch nicht schwer genug in meinem Beruf!“

Ich war stockwütend. Wozu klebte ich eigentlich ein Bitte-nicht-stören-Schild an meine Zimmertür, wenn es sowieso ignoriert wurde? Wieso kümmerte sich keiner darum, dass ich kurz vor meinen Abiturprüfungen stand und lernen musste?

Wie eine Furie hetzte ich durch die Wohnung und erledigte alles so schnell wie möglich, nur damit ich vielleicht mal in Ruhe gelassen wurde.

Das Letzte, was ich machte, war, die Küche aufzuräumen. Ich knallte das Besteck in die Schubladen, als wäre es an meiner Wut schuld.

Das Verhalten meiner Familie war verdammt kontraproduktiv. Wie oft sagten sie mir, dass ich lernen müsse, um einen guten Schnitt zu erreichen? Und als Nächstes hinderten sie mich am Lernen. So ein Mist!

Mit Schmackes warf ich ein Messer in die Schublade. Da kamen meine Mutter und meine Oma in die Küche.

„Kind! Sei etwas vorsichtiger mit dem Besteck!“, meckerte Oma.

„Wir wollen das Besteck auch noch ein bisschen länger behalten!“, pflichtete Mama bei.

Da war das Maß voll. Erst hinderten sie mich am Abi-Lernen und dann traten sie auch noch nach. Wäre ich eine Comicfigur gewesen, hätte mein Kopf jetzt die Farbe von Tomaten angenommen, Dampf über die Ohren abgegeben und ein Geräusch abgesondert, als würde das Wasser in einem Teekessel sieden.

Gut, dass ich sowieso fertig war. Ich knallte die Schublade so laut zu, dass man es bestimmt noch in Leas Zimmer hörte.

„Sara!“, rief meine Mutter, wahrscheinlich, um erzieherische Strenge vor meiner Oma zu demonstrieren, von der sie nicht besonders gemocht wurde.

Nun rief ich es ihnen ins Gesicht. „Nein! Lasst mich bitte in Ruhe! Ich muss für mein Abitur lernen und bitte darum, nicht gestört zu werden!“

„Junge Dame!“, rief nun meine Oma. Diesen Ausdruck konnte ich gar nicht leiden. Er klang in meinen Ohren viel zu autoritär.

„Du hast in diesem Haus Pflichten zu erledigen!“

„Meine oberste Pflicht ist es doch, ein gutes Abitur zu schaffen. Habt ihr doch beim Mittagessen erst gesagt“, hielt ich ihnen vor, während ich auf der Treppe stand und sie anschaute.

Worauf meine Mutter nur entgegnete: „Nun werd nicht noch frech!“

Noch so ein toller Elternsatz. Einfalls- und verständnislos.

Ich wurde noch wütender. Der Geduldsfaden riss mir endgültig, als erst Lea vorbei lief und mich fragte, wann ich ihr denn endlich den Pullover zurückgab, den sie in Wahrheit schon vor drei Wochen zurückbekommen hatte, und dann Paul mit einem Schulfreund das Haus betrat und auf meine Jacke trampelte, die nun ein dicker fetter Schuhabdruck zierte.

„Ahhh! Das ist ja nicht zum Aushalten!“ Ich stiefelte wie Rumpelstilzchen in mein Zimmer, packte alles Nötige in meine Tasche und rannte zur Haustür.

„Sara! Du bleibst noch hier! Du hast noch längst nicht alles erledigt!“

„Ich weiß!“, fauchte ich und knallte die Tür zu. Ich hörte noch einige Wortfetzen von meinen Geschwistern: „Was hat die denn?“

„Darf Sara jetzt weggehen?“

„Nein, eigentlich nicht“, sagte meine Mutter zu meinem jüngeren Bruder.

Unterwegs dachte ich nach. Im Grunde hatte Mama sich nicht wirklich verändert, seit sie vor knapp einem Jahr wieder angefangen hatte, zu arbeiten. Sie wirkte noch abgespannter, wenn sie nach zehn Stunden in der Praxis nach Hause kam, aber das war auch schon alles.

Ich kam an der Straßenbahnhaltestelle an und stieg in die Bahn ein. Mein Ziel war meine beste Freundin Anna. Bei ihr konnte ich bestimmt in Ruhe das Gelernte wiederholen.

Drei Stationen fuhr ich, dann war ich da. Praktischerweise wohnte sie direkt gegenüber der Haltestelle. Ich drückte auf die Klingel.

„Hey, das ist ja ’ne Überraschung!“ Anna umarmte mich zur Begrüßung, dann forderte sie mich freundlich auf, doch hereinzukommen und nahm in ihrem Zimmer auf einem orangefarbenen aufblasbaren Sessel Platz.

„Es ist ja schon lange nicht mehr vorgekommen, dass du so unangemeldet bei mir vorbeischneist. Was ist denn passiert?“

Nun setzte ich mich auch hin, auf ihren Schreibtischstuhl im Stil der 60er-Jahre. Wieso hatte ich mir nicht auch so einen Stuhl besorgt?

Ich schilderte ihr meine häusliche Lage. „Es ist total ätzend! Heute wollte ich einfach nur in Ruhe für die Prüfungen lernen. Ich saß gerade an der Fotosynthese und du weißt ja, Bio kann ich überhaupt nicht. Ich war gerade dabei, es zu kapieren, als meine Mutter ins Zimmer kam und mich angemeckert hat, dass ich nichts mehr für den Haushalt tue. Dabei hatte ich doch extra ein Schild an die Tür gehängt: Bitte nicht stören. Und als ich ihr das gesagt habe, ist sie ausgeflippt. Was kann ich eigentlich dafür, dass sie so einen Stress im Beruf hat? Hat sie ja keiner zu gezwungen!“ Ich holte tief Luft.

„Meine Güte, das ist ja ganz schön heftig“, stöhnte Anna. In diesem Augenblick ertönte von nebenan lautes Kindergeschrei. Über einige Minuten lang wollte es nicht mehr aufhören.

„Na toll“, entfuhr es mir. Anna hatte das gehört. „Was wolltest du hier denn tun? Etwa lernen?“, fragte sie.

„Na ja, weißt du…“

„Tut mir Leid, aber ich fürchte, das kannst du voll vergessen. Ich schaff’s ja selber nicht mehr, seit die Nachbarn“ – sie nickte mit dem Kopf Richtung Wand – „ihr Baby haben.“ Anna schnitt eine Grimasse. „Immerhin haben dadurch andere Geräusche aufgehört.“ Ich wusste genau, was sie meinte, und schnitt ebenfalls eine Grimasse.

„Das ist echt dämlich, ich weiß.“ Mit ihrer linken Hand haute sie auf die Sessellehne. „Ich frage mich auch schon: Kann man denn nirgendwo in Ruhe lernen?“

Seufzend antwortete ich: „Ich habe leider auch keine Ahnung.“

Doch da kam mir eine Idee.

Ich stand auf. „Komm mit, ich weiß, wo wir hinkönnten.“ Anna schaute verwundert drein, packte aber ihre Lernsachen und folgte mir.

Stimmung!

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Analog zu einem meiner Lieblingsblogger (http://rowennightfall.wordpress.com/2013/02/17/frhling/) möchte ich euch nun ein paar Fotos aus wärmeren Jahreszeiten zeigen, in der Hoffnung, damit ein wenig Stimmung zu verbreiten. Mir geht dieses miese Wetter da draußen auf den Sack, euch bestimmt auch, und ich sehne mich nach wärmeren Jahreszeiten. Wenn ich diese Bilder betrachte, geht es mir gleich etwas besser, und ich hoffe, euch auch.

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Das letzte Bild ist bei einer Draisinenfahrt mit Freunden von mir im Sommer entstanden. Wenn ihr eine Draisinenstrecke in der Nähe habt – nutzt sie, so eine Fahrt macht unglaublich viel Spaß.

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Irgendein Gebäude in Düsseldorf, versteckt hinter enorm viel Grün. So viel Grün würde ich mir in der momentanen Landschaft draußen wünschen, seufz.

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Da kriegt man doch richtig Lust, sich dazu zu setzen, oder nicht? Die letzten drei Bilder sind übrigens in meiner Heimatstadt entstanden.

In zweieinhalb Wochen reise ich wieder einmal zu den Wurzeln meiner Familie, in die Nähe der Ostsee. Hoffentlich hat sich das Wetter bis dahin verbessert, und das meine ich nicht nur wegen der Unzuverlässigkeit der Bahn, sobald die Temperatur unter fünf Grad Celsius sinkt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ich weiß noch, wie

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(Reaktion auf diesen Eintrag hier: http://rowennightfall.wordpress.com/2013/02/16/das-rad-der-zeit/)

Ich bin jetzt 21. Und es wundert mich, wie die Zeit doch vergangen ist. Das Gefühl habe ich nicht zum ersten Mal. An unserer Schule ist es Brauch, dass für die Abizeitungen alle Schulklassen am Anfang und am Ende fotografiert werden. Ich weiß noch genau, wie ich im zarten Alter von elf Jahren an der Tischtennisplatte fürs Foto posierte und mich fragte, wie die Gymnasiumszeit wohl wird. Als ich fast achtzehn war, durfte ich mich dann wieder dort aufstellen und dachte: Wow, die Zeit ist ja wie im Flug vergangen.

Mein Leben war, bis ich sechzehn wurde, nicht besonders aufregend. Man kann es mit einer Achterbahn vergleichen, bei der man sehr lange einfach nur am Boden herumtuckert und dann geht es plötzlich ohne Vorwarnung steil nach oben. In mein siebzehntes Lebensjahr fielen die erste selbst veranstaltete Party, der Eintritt in die Kursstufe und die ersten Liebesabenteuer, um nur einige aufregende Sachen zu nennen. Anstatt jeden Sonntag in die Kirche geschleppt zu werden wie andere, die ich kenne, ging ich sonntagmorgens häufig in die Bücherei und mokierte mich dann über die Dorfbevölkerung, die nach dem brav besuchten Gottesdienst in die Bücherei kam, um mit der Bibliothekarin den neuesten Dorfklatsch auszutauschen. Was mir aus der Zeit auch noch in Erinnerung geblieben ist, sind die ewig langen Busfahrten zur Schule und insbesondere nach Hause. Ich hatte während der Kursstufe mindestens ein Mal pro Woche bis zur neunten Stunde – damals gab es um die Zeit allerdings keine Schulbusse mehr und mein Heimatdorf hatte keinen Bahnhof. Also musste ich erst vom Gymnasium zum Bahnhof laufen und dann über eine Stunde durch die Gegend tuckern. Mit Umsteigezeit. Die Einzige, die ich kannte, die noch früher aufstehen musste als ich, war meine beste Freundin. Mit 15 hatte ich eine französische Austauschschülerin zu Gast, der das frühe Aufstehen extrem missfiel. Die haben aber auch viel humanere Unterrichtszeiten als wir, da kann ich das schon verstehen. In den Schulbussen gab es extrem viele Idioten und die einzige Rettung war mein MP3-Player, auf den ich heute immer noch nicht verzichten kann, wenn ich unterwegs bin.

Meine beste Freundin traf ich quasi nur in der Schule. Ich habe heute immer noch in guter Erinnerung, wie wir in den großen Pausen über den Schulhof stratzten und uns über alles Mögliche unterhielten. Im Sommer saßen wir auch oft unter dem Riesenbaum am Fluss, der ans Schulgelände angrenzt. Außer ihr hatte ich keine Freunde, zumindest keine, die ich heute als solche bezeichnen würde.

All das, was ich nicht selbst erlebte, konnte ich gut durch Geschichten ausgleichen, die sie mir erzählte. Aus der Kirche geklautes Weihwasser, Leute, die versucht hatten, ein Gummibärchen zu destillieren und so weiter.

Als ich noch jung war, hatte ich ziemlich viel Blödsinn im Kopf, auch wenn ich lange nicht so wild war wie andere. Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke, wie ich kurz nach meinem fünfzehnten Geburtstag in Gesellschaft einer damaligen Freundin auf dem örtlichen Schützenfest anderthalb V+ (!!!) getrunken hatte. Ich war wahnsinnig stolz auf die ungeheure Menge gewesen und darauf, dass weder meine Eltern noch mein Bruder etwas mitgekriegt hatten. Ich weiß auch noch, wie mir meine beste Freundin mal ein Rezept für einen „sehr gesunden“ Vitamintrunk gegeben hatte. Zutaten: eine Wasserflasche und eine Packung Vitamintabletten. Ich fand die Idee total klasse und hatte mir die Zutaten schon besorgt. Gerade habe ich mit meiner besten Freundin über die Geschichte gesprochen und sie sagte, dass eine Freundin von ihr auf diese Weise eine Klausur nicht mitschreiben musste… Hilfe. Irgendwie bin ich froh, dass es dann doch nicht dazu kam, dass ich das Zeug getrunken habe.

Zugtickets kosteten damals noch nicht so viel Geld wie heute. Ich habe trotzdem so lange, wie es ging, noch die Kinderfahrscheine gekauft (endlich mal eine Sache, für die mein junges Aussehen gut war). Einmal hab ich in der Stadt eine CD gekauft und auf dem Rückweg dann darauf spekuliert, dass mich niemand kontrolliert, weil ich für die CD das mit ausgegeben habe, was ich eigentlich für die Rückfahrkarte gebraucht hätte. Hat geklappt. Wenn ich eine Kugel Eis kaufen wollte, musste ich dafür in die nächstgrößere Stadt fahren, denn die Pizzeria, die bis dahin alle Dorfbewohner mit Kugeleis versorgt hatte, war irgendwann pleite gegangen.

Ich hatte erst sehr spät Internet bekommen. Ganz selten durfte ich an den Computer meiner Eltern, um den Modemanschluss zu nutzen. (Das Modem war übrigens pink. Cool, nicht?) Ich weiß noch, wie ich mal ein Bild von meiner besten Freundin und ihrem damaligen Freund aufrufen wollte, das sie mir per Mail geschickt hatte. Der Bildaufbau dauerte ZWEI Minuten. So lange brauche ich heute, um meinen Posteingang durchzugucken. Den Computer benutze ich damals wie heute, um Geschichten zu schreiben, nur kann ich es jetzt quasi überall machen, wenn nur der Akku voll genug ist.

Ich habe mit meiner besten Freundin immer noch regen Kontakt, aber irgendwie vermisse ich die Zeit der gemeinsamen Gänge über den Schulhof. Wenn ich am Bahnhof hier im Ort ankomme, weil mein Freund (den ich immer noch habe, seit ich 16 bin) hier wohnt, muss ich jedes Mal daran denken, wie ich zum ersten Mal hier war. Ich habe an der Maitour der Clique meiner besten Freundin teilgenommen. Ich trank ziemlich viel Alkohol (was aus heutiger Sicht schon gar nicht mehr so viel war) und hatte wahnsinnigen Spaß.

Tagebuch geschrieben habe ich früher übrigens auch. Irgendwo habe ich noch eine riesige Datei gespeichert mit Einträgen aus meinem früheren Leben. Wobei ich gar nicht weiß, wie ich da noch rankommen soll – ich vermute, dass sich die Einträge auf einer Diskette befinden. Wäre aber witzig, sich all das Zeugs mal wieder durchzulesen.

Hilfe, jetzt klinge ich wahrscheinlich wie eine alte Oma, die ihren Enkeln von früher erzählt. Naja, was soll’s.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin