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Schlagwort-Archive: begegnung der dritten art

Geschützt: Manga Love Story

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Butterkeks, Doppelkupplungsgetriebe, Apostasie

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(Vielen Dank an Klopfer für diesen tollen Titel. Ernsthaft, wtf? :D)

Freitag, 13 Uhr. Endlich hatte sie es geschafft. Eine Arbeitswoche war vorbei. Und die war diesmal so anstrengend gewesen wie noch nie. Den blöden Antrag zur Projektverlängerung fertigschreiben, unzählige Fälle bearbeiten und gerade noch die Sitzung mit ihren Vorgesetzten. Wer würde es ihr da übelnehmen, wenn sie etwas Entspannung brauchte?
Gerade so unauffällig, wie es möglich war, räumte sie die Hinterlassenschaften der Sitzung weg, damit sie sich endlich davonmachen konnte. Die Butterkekse in den Schrank, die Gläser in die Spülmaschine und ihre Akten in die Tasche. Sie überlegte kurz, ob die Spülmaschine so voll war, dass sie sie anstellen musste, und entschied sich dann dagegen. Und außerdem musste sie ja einen Zug kriegen. Schnell schloss sie ihr Büro ab und huschte davon.
Ungeduldig wartete sie auf den Bus, der sie zum Bahnhof brachte. Natürlich hätte sie auch ein Taxi nehmen können, aber an diesem Wochenende würde sie noch genug Geld ausgeben, da musste das nicht auch noch sein. So gab es halt zwanzig Minuten Fahrt und drei merkwürdige Gespräche mit Fahrgästen extra, bevor sie sich und ihren Rollkoffer zu Gleis 11 dirigieren konnte.
Unten angekommen konnte sie sich direkt wieder ärgern. Schaffte es die Deutsche Bahn eigentlich nie, ihre Züge mal pünktlich ankommen zu lassen? Gerade jetzt, wo es so wichtig war! Sie wartete eine gefühlte Ewigkeit, bis der Zug in die große Stadt endlich einfuhr und sie sich auf den blauartigen Sitzpolstern niederlassen konnte.
Und während der Zug davonfuhr, konnte sie all die Gedanken der letzten Woche langsam hinter sich lassen und darauf konzentrieren, was noch vor ihr lag. Sie wollte einen Freund besuchen, den sie länger nicht gesehen hatte. Seit sie berufstätig war, schafften sie es kaum noch, sich zu sehen, aber wenn, war es immer toll. Sie genoss seine Gesellschaft, die eine der wenigen Sachen war, die ihr Leben noch in irgendeiner Weise interessant machten.
Sie schrieb ihm kurz, dass sie im Zug saß und in gut vier Stunden ankäme, und ließ sich dann wieder in den Sitz sinken. Abgesehen vom Fahrkartenkontrolleur sprach sie mit niemandem und niemand mit ihr. Sie hatte es so an sich, sich abzuschirmen. Mit niemandem zu kommunizieren, mit dem es nicht unbedingt nötig war. Die meisten Menschen waren es eh nicht wert, dachte sie im Grunde. Sie war sich selbst der nächste Gesprächspartner, abgesehen von einigen wenigen Freunden vielleicht.
Ohne dass sie es wirklich registrierte, sank die Sonne immer weiter nach unten. Als sie schließlich den Zug verließ, war sie gar nicht mehr zu sehen. Sie schritt durch das Glasgebäude, in ihrer altgewohnten Ich-habe-zu-tun-bitte-sprechen-Sie-mich-nicht-an-Haltung, und setzte sich in die S-Bahn. Sie betrachtete all die Menschen, die dort saßen, ohne ihnen in die Augen zu sehen. Mit ihrem anthrazitfarbenen Hosenanzug stach sie schon etwas heraus, aber es gab andere Menschen, die mehr herausstachen als sie.
Schließlich kam ihre Station. Ihr Handy vibrierte zwei Mal, aber sie ging erst einige Meter, bevor sie dazu kam, nachzusehen, wer da etwas von ihr wollte.
Tut mir echt voll leid, aber ich muss noch was ganz Dringendes erledigen. Machts dir was aus, wenn wir uns ne halbe Stunde später treffen? Bis später, D.
Das konnte doch nicht wahr sein, oder? Das war doch nicht wahr, oder? Sie hatte eine total harte Arbeitswoche hinter sich, fuhr vier Stunden, um ihn zu sehen, und dann das? Was bildete der sich eigentlich ein?
Sie war so sauer, dass sie ignorierte, eigentlich noch zwei Straßen weiter zu müssen, und ging kurzerhand durch die nächstbeste Tür. Was zufällig die Tür einer Kneipe war.
Das Interieur war nicht gerade einladend, aber das war ihr dann auch egal. Sie sank auf einen Hocker am Tresen. „Na, auf Geschäftsreise?“, fragte sie der Wirt, und sie watschte ihn sogleich ab. „Das geht Sie nichts an. Ich hätte gerne ein großes Helles mit Schuss, bitte.“
Der Wirt zuckte mit den Augenbrauen und erledigte ihre Bestellung. Sie lehnte sich missmutig über den Tresen und wünschte, sie wäre zu Hause geblieben. Der Liebesfilm, den sie vor drei Wochen aufgenommen hatte, wäre eine viel angenehmere Gesellschaft gewesen als ein Typ, der sie einfach versetzte.
„Alles Idioten hier“, rief ein Typ in der Ecke laut, wofür er vom Wirt gemaßregelt wurde, mit recht unfreundlichen Worten. Irgendwie hatte der Besoffene da hinten Recht, dachte sie und musterte die anderen Gäste.
Da ging die Tür auf. Ein Kerl mit langen Haaren und Bart kam herein, bestellte ein Bier und setzte sich auf den Hocker neben sie. Ernsthaft? Neben sie? Wo noch so viele andere Plätze frei waren? Sie starrte auf das dunkle Holz des Tresens und hoffte, dass der Typ sie  nicht ansprechen würde.
„Was guckst du denn so missmutig?“
Tja, die Hoffnung war soeben gestorben. „Alles in Ordnung“, brummte sie. „Was macht so ’ne schöne Frau wie du an so ’nem Ort?“
„Sich die Birne wegsaufen“, antwortete sie, ohne hinzusehen, und holte ihr Handy aus der Tasche. Da war ja noch eine Nachricht.
Hallo, wie geht es dir? Papa und ich gehen gleich essen. Ruf doch mal wieder an! Grüße, Mama.
Das würde sie vielleicht sogar tun, wenn sie nur wüsste, was sie sagen sollte. So aufregend war ihr Leben nicht. Viel arbeiten, gelegentlich Freunde treffen. Sie schnaubte. Wenn die nicht gerade Anderes vorhatten.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“, wollte ihr Sitznachbar wissen. „Wie würdest du dich denn fühlen, wenn du dich ewig auf ein Treffen mit deinem Kumpel freust und dann versetzt er dich einfach?“, rief sie und war im nächsten Augenblick selber erstaunt über diesen Ausbruch.
„Wohl nicht besonders gut“, entgegnete der Typ. Der Wirt stellte die Biere vor die beiden. Sie nahm sogleich einen großen Schluck. „Was hat er denn gesagt?“
Sie schnaubte wieder. „Er muss was total Wichtiges erledigen und ob es mir was ausmachen würde, wenn wir uns ’ne halbe Stunde später treffen. So ein Scheiß!“
„Moment, hast du nicht gerade gesagt, er hat dich versetzt?“, erkundigte sich der Typ verwirrt.
„Ja, und?“, war die Antwort.
Der Kerl lachte auf. „Mädel, ich hab keine Ahnung, was bei dir schiefgelaufen ist, aber bei dir muss was mächtig schiefgelaufen sein.“ Er trank von seinem Bier.
„Moment mal, was bil…“, wollte sie zu einer Riesenverteidigung ansetzen, als er sie unterbrach. „Schon klar, du bist wohl am liebsten allein und musst das auch jedem zeigen. Schon klar.“ Und er trank wieder.
Sie klappte den Mund auf und zu wie ein Fisch, der auf dem Trockenen lag. Erst viel später fiel ihr eine Antwort ein. „Bist du Jesus oder so? Glaubst du, in Menschen hineinsehen zu können?“
„Nein“, lachte er, „auch wenn ichs lange versucht hab. Ich hab mich sogar für Theologie eingeschrieben.“
„Theologie, Hilfe“, stöhnte sie. „Warum studiert man so was?“
„Damals hielt ich es jedenfalls für ’ne gute Idee. Nach 13 Semestern hab ich es sogar geschafft, mich für die Abschlussarbeit anzumelden.“
„Wow, total schnell“, meinte sie und zuckte mit den Augenbrauen.
„Hat am Ende aber nichts gebracht. Ich musste einsehen, dass Apostasie in den abrahamitischen Religionen nicht so das affengeile Thema ist.“
„Und stattdessen nervst du jetzt Frauen in Kneipen“, lachte sie auf und stierte wieder auf ihr Handy.
„Ich nerve niemanden, der nicht dazu einlädt“, sagte er, zwinkerte ihr zu und trank dann weiter von seinem Bier.
Sie sah auf ihre Armbanduhr und erschrak. In einem Zug trank sie den Rest ihres Bieres aus, unterdrückte einen riesigen Rülpser, so gut es ging, und knallte dem Wirt ihr Geld auf den Tresen. Dann eilte sie aus der Kneipe.
Eine Straße weiter sah sie aus dem Augenwinkel eine große Werbetafel für den neuesten koreanischen Kleinwagen mit Hybridantrieb und Doppelkupplungsgetriebe. Na, das wäre ja was für ihren Vater, der war total autoverrückt. Sie nahm sich vor, bald ihre Mutter zu fragen, ob er immer noch Autozeitschriften auf dem Klo las. Aber erst morgen. Erst musste sie zu ihrem Kumpel und ihm von dem Irren aus der Kneipe erzählen.

Party

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Das Leben ist eine Party.

Die coolen Kids werden sofort hereingelassen, während die uncoolen Kids um jede Möglichkeit kämpfen, eingelassen zu werden, und es entweder nicht schaffen oder nur als Getränkelieferant. Manchmal passiert auf Partys stundenlang nichts Relevantes und man sitzt einfach nur rum und quatscht. Manchmal sind Partys toll, manchmal hasst man sie. Manchmal sitzt man dort herum und denkt, dass alles scheiße ist, bis diese eine bestimmte Person auftaucht. Und auf manche Partys wäre man lieber nie gegangen, weil dort der Exfreund mit seiner Neuen auftaucht und ein öffentliches Vorspiel abhält. Bei manchen Partys merkt man auch erst hinterher, wie geil sie eigentlich wären. Manche Arten von Partys werden total gehypt und dann geht man selber hin und findet sie scheiße. Häufig traut man sich auf Partys nicht, aus sich herauszugehen. Manche Partys möchte man gar nicht verlassen und wenn die anderen merken, dass man weg ist, sind sie traurig darüber, und man musste trotzdem gehen.

Am allerwichtigsten: Partys gehen auch ohne Alkohol, aber mit machen sie mehr Spaß. 😉

Mit chipsessenden Grüßen

Die Kitschautorin

Kitschi leistet Detektivarbeit

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Vor ziemlich genau einem Jahr, ich war gerade hierher gezogen, bekam ich einen Anruf von einer Rechtsanwaltskanzlei. Für einen Herrn Z. – die Familie, die direkt vor meinem heutigen Mann und mir hier wohnte, hieß nicht Z., sondern B., aber okay.

Diese Woche bekam ich dann einen Anruf vom Kundencenter einer bekannten spanischen Bank (bei dem man meinen fünfbuchstabigen Nachnamen partout nicht auf die Reihe bekam), man habe an Herrn Z. eine Frage wegen eines Kredits. Da wurde ich dann skeptisch. Ich fragte einen guten Bekannten, der zufällig bei meinem Provider arbeitet, ob der Rufnummern mehrmals vergibt.

Einen Tag später bekam ich einen Anruf vom Schornsteinfeger, ebenfalls für Herrn Z. – weil der recht redselig war, erfuhr ich den Ort und eine Hausnummer. Der Ort war nicht der, in dem wir wohnen, teilt sich mit diesem aber die Vorwahl. Jetzt war ich mir sicher, dass er die Rufnummer hatte, die mein Mann und ich jetzt haben. Fragt sich nur, warum die Rechtsanwaltskanzlei, die Bank und der Schornsteinfeger nicht die aktuelle Nummer von Herrn Z. haben. Falls es eine gibt. Watson und ich bleiben dran.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Dankbarkeit, Teil zwei

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Ich schrieb ja bereits, dass die Leute sehr dankbar sind für das, was meine Kollegin und ich ihnen beibringen. Ich konnte das jetzt ein paar Mal öfter sehen. Eine Kursteilnehmerin fragte, ob sie früher gehen darf, weil sie ihre Tochter von der Schule abholen muss. Ich habe ihr dann erklärt, dass sie das nicht muss, weil die Busse zu Schulzeiten anders fahren als in den Ferien. Sie hat sich über meine ausführliche Erklärung so gefreut, dass sie mir auf Persisch sagte, ich sei lieb. Leider habe ich mir die Worte nicht gemerkt. (Überhaupt will ich mir mal ein paar Brocken Persisch und Arabisch reinhauen.)

Eine Dozentin hat mir mal gesagt, dass die Leute, die einem Neuankömmling Deutsch beibringen, einen besonderen Platz im Herzen haben. Uns mögen die Kursteilnehmer wohl so gern, dass sie heute Fotos mit uns machen wollten. Als ein älterer Herr unsere Gruppe bemerkte, wollte er dann 20 Euro in die Hand drücken, „so you can buy coffee“. Wir haben abgelehnt, uns aber sehr gefreut.

Auch sonst passieren auf der Arbeit sehr interessante Sachen. Ein Teilnehmer wollte sehr hilfreich sein und hat uns für das Whiteboard einen neuen Stift gegeben, der auch sehr gut schrieb… und haftete. Wir haben eine halbe Stunde gebraucht, um ihn wieder abzukriegen. Ich habe nur gehofft, dass das im Büro nebenan niemand merkt, denn wer will schon Leute beschäftigen, die Firmeneigentum beschädigen? 😀

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Man hat mir nichts geklaut

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Die wichtigste Info zur Polenreise, die vor allem meine Oma interessieren dürfte, gleich vorweg. Jetzt kommt der Rest.

Montag

In Garbsen hielten wir nach knapp zwei Stunden Fahrt das erste Mal. Auf der Toilette (die gleichzeitig auch Dusche war) lagen einfach mal ein paar Socken herum, ich habe keine Ahnung, wieso. An Marienborn fuhren wir vorbei und mir fiel wieder einmal auf, dass man kaputte Gebäude erblickt, sobald man die ehemalige innerdeutsche Grenze überquert hat. Am Rastplatz Börde-Süd hielten wir das zweite Mal. Wenn ich früher lange Fahrten unternommen habe, zum Beispiel zu Verwandten, bin ich ganz viel über die Rastplätze gelaufen. An dem Tag latschte ich herum und sah einfach mal, dass einer ungeniert in den Busch gepinkelt hat. Schwein.

Zwischendurch bemerkte Dozent 2, dass wohl keiner polnisches Geld dabeihabe. Ich und einige andere verneinten. Antwort: “Dann sind Sie wohl schlauer als wir.” Smiley mit geöffnetem Mund

Ein paar Kilometer später bot ich Dozent 1 selbstgebackene Brownies aus meinem Proviant an, er lehnte dankend ab. “Schade, ich hatte gehofft, einen Brownie-Bonus auf meine Bachelorarbeit zu bekommen.” “Da müssen Sie schon mit mehr kommen. Ab 300 Euro sind Sie dabei.” Ich überlege es mir.

Zu den Klängen von “Ya na mori”, die aus meinem MP3-Player stammten, überquerten wir die Grenze nach Polen. Für uns interessierte sich niemand, aber auf der anderen Seite der Autobahn standen Grenzer, die einzelne Vehikel herausgewunken haben. Apropos Vehikel – ich sah auf der Autostrada 4 sehr interessante Sachen, zum Beispiel ein Auto, bei dem die Heckscheibe aus ein wenig Plastikfolie bestand… Ansonsten bemerkte ich noch, dass weite Teile von Polen auch nicht anders aussehen als Ostdeutschland.

Gegen 21 Uhr abends kamen wir nach 14 Stunden Fahrt am Hotel an. Mit dem Etablissement, das nach polnischem Standard drei Sterne trug, war ich sehr zufrieden. Ich hatte ein Doppelzimmer für mich allein und in drei Minuten Entfernung gab es eine Pizzeria, bei der “klein” schon größer und billiger als zu Hause war. Und im Hotel gab es gratis WLAN. Lief bei mir! Die Pizza Don Corleone war so gut, dass ich glaubte, davon zu träumen. Nebenbei habe ich mich nett mit dem Sohn von Dozent 1 unterhalten, der auch dabei war.

Dienstag

Aufgewacht bin ich um 10 vor 6 dadurch, dass die Sonne in mein Fenster schien, es gab nämlich keine Jalousien. Aber ich konnte ja wieder einschlafen, also was soll’s. Ich habe übrigens geträumt, jemand klaut mein Portmonee und bedroht mich dann mit einem Messer. Habe dann den Rest der Reise wie ein Luchs auf meine Sachen aufgepasst.

Im Hotel (es geht übrigens um das Hotel Demel) war es entgegen gewisser Berichte gar nicht so laut und ich habe die Ohrenstöpsel umsonst mitgenommen. Das Frühstück war auch sehr lecker.

Wir haben mit Studenten der örtlichen Universität gearbeitet, danach habe ich ausgiebig die Altstadt erkundet und während des Abendessens ausgiebig mit der polnischen Dozentin geredet. Und mit einer kroatischen Erasmus-Studentin. Die wollte nicht neben Dozent 1 an der Ecke sitzen, weil das laut Aberglauben bedeutet hätte, dass sie nie heiraten wird. Aber Dozent 1 hatte so oder so seinen Spaß, der konnte mit zwei anderen Studenten nämlich in seiner Muttersprache reden. Der Weg zurück ins Hotel war sehr witzig, erst haben wir ewig nach der Straßenbahn-Haltestelle gesucht und dann war da ein Pole, der uns wohl erklären wollte, mit welcher Linie wir fahren und wie lange wir warten mussten. Problem: Er hat mit uns stumpf Polnisch gesprochen und das beherrschte keiner.

Mittwoch

Beim Aufwachen habe ich mich gefragt, ob man vergebene Leute daran erkennt, dass sie, auch wenn sie ein Doppelbett für sich allein haben, trotzdem auf einer Seite davon schlafen. Nachdem ich mich aus dem Bett, in den Frühstücksraum und zurück ins Zimmer geschafft habe, ging es los Richtung Auschwitz-Birkenau. Ich möchte an dieser Stelle den Leuten dafür danken, die mir Sonnencreme gespendet haben, ansonsten sähe ich jetzt vermutlich aus wie ein Steak. Und ich kann nicht glauben, dass ich mir über die Knallsonne mehr Sorgen gemacht habe als über das Lager an sich. Der kanadische Student, der zurzeit Praktikum in der Gedenkstätte macht, meinte, ich hätte später sicher noch einen Betroffenheitsmoment.

Im Lager haben wir aber schon komische Sachen erlebt. Leute, die Selfies vor dem Eingangstor oder an der Wand machen, wo viele Häftlinge abgeknallt wurden, ein Niederländer, der die Führerin fragte, warum die Deutschen die Juden eigentlich so gehasst haben… Manche Leute aus meiner Gruppe wollten ihm erst mal einige Zusatzstunden Geschichtsunterricht verpassen, was ich gut verstehen kann.

Am Abend ging es wieder in die Pizzeria nahe des Hotels und dort habe ich einige lustige Sachen erlebt… inklusive eines Spiels, das ich vorher selber nicht kannte und trotzdem gewonnen habe (“Tot, töter, am tötesten”), und die Dozenten haben auch mitgespielt. Ist das nicht cool – Dozenten, die so was mitmachen?

Donnerstag

An diesem Tag ist nicht so viel passiert. Ich schrieb ja, dass die Fahrt um einen Tag verkürzt werden musste, die Dozenten mussten die Planung also umschmeißen. Was sie nicht bedacht haben: Donnerstag war Fronleichnam und im hochkatholischen Polen haben da unglaublich viele Sachen geschlossen. Unter anderem die Programmpunkte Schindler-Fabrik und Alte Synagoge. Das nenne ich mal gelebte Interreligiösität.

Letzten Endes sind wir durch Kazimierz gelaufen und dort habe ich mich dann einem kleinen Grüppchen angeschlossen, das in eine Kneipe hinter der Izaak-Synagoge wollte. Ich habe dort einen sehr guten Virgin Mojito getrunken, die anderen haben sich an Honig- und Haselnusswodka gehalten. Wir kamen zu spät zum abendlichen Treffpunkt mit dem Rest, weil unbedingt noch im Alkladen eingekauft werden musste. Ich habe für ein Mädel Kippen gekauft (“damit ich mich nicht anstellen muss”) und für meinen Freund ein bisschen Honigwodka.

Zu Abend aß ich georgische Pfannkuchen (sehr, sehr lecker) und auf dem Rückweg war es wieder mal sehr lustig, weil die Straßenbahn rasanter fährt als die in Rostock und nebenbei noch Tickets gekauft werden mussten. Ich habe Leuten Zlotys für den Automaten geliehen und es in Euro wiederbekommen.

Übrigens, am Neuen Platz bekommt man Baguettes, die so groß sind wie ein Unterarm und nur 6 Zloty kosten. Das hätte ich mal der Caféteria-Dame vom Gymnasium sagen wollen, die einem für ein handgroßes Teil ein Euro zwanzig abknüpfen wollte.

Freitag

Die Fahrt war ganz in Ordnung. Blöd ist nur, wenn man grad dringend schlafen will und die Dozenten dann mit einer Gruppenarbeit kommen. Der Busfahrer, der uns die letzten vier Stunden kutschierte, kutschierte uns bei der Ankunft dann zunächst mal dorthin, wo Busse gar nicht reinfahren dürfen, inklusive eines Einbiegeversuchs zum Taxistand, in der falschen Richtung übrigens. Ansonsten ist aber nichts passiert.

Als ich gegen zwanzig nach neun zu Hause ankam, wusste ich nicht, ob ich glücklich oder traurig sein sollte. Eins steht aber fest: Ich werde auf jeden Fall wieder dahin reisen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Krümelmonster, Teil 19

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„Dreh dich mal unauffällig um“, raunte Anna. Da entdeckte ich den Grund ihres unerwarteten Fluchausbruchs. Er hatte orangefarbene Stoppeln und nannte sich Frederik. Abgekürzt: Freddy. Ich hoffte aus irgendeinem Grund inständig, dass er uns nicht entdeckte. Leider tat er es doch.
„Wir müssen es ihm irgendwie sagen, was jetzt?“, rief Anna.
„Keine Ahnung… hey, wo willst du denn hin?“ Anna haute einfach ab, ich glaubte es ja nicht! Jetzt überließ sie mir die heikle Arbeit, ihn an einen Ohrt einzuladen, an den er unter Garantie nicht wollte. Doch ich versuchte, mir meine Anspannung und meinen Ärger nicht anmerken zu lassen, und lächelte ihn an. „Hey, Freddy, lange nicht gesehen! Wie, äh, geht’s dir?“
Er brummte bloß herum. „Dumme Frage! Mit Aurélie läuft zurzeit alles schief. Ich verstehe das Weib einfach nicht mehr! Liebt sie mich überhaupt noch? Sie macht mich einfach fertig! Erst kann sie gar nicht mehr genug von mir kriegen, dann macht sie solche Spielchen mit mir und jetzt will sie mich gar nicht mehr sehen!“
Oh Mann. Ich atmete tief durch. Das schien mein Vorhaben ja sehr zu erschweren. Ich sah ihn mir an. Er hatte Augenringe, roch nach Rauch – ein deutliches Anzeichen für Stress – und wirkte insgesamt irgendwie, als hätte er eine Woche lang nicht geschlafen.
„Weißt du, was du brauchst?“
„Nein, was brauche ich denn?“
„Du brauchst… mal Ablenkung von deinen Problemen! Dann siehst du alles irgendwann etwas klarer“, behauptete ich und fand das, was ich da zusammenbrabbelte, ziemlich bescheuert. Doch es schien zu wirken. Zumindest hellte sich sein Gesicht ein klein wenig auf. „Ablenkung, klar, aber wie denn?“
„Hast du Lust, heute Abend mit Anna und mir ein paar DVDs zu gucken?“
„Gerne, wann denn?“ Bis jetzt lief das ja ganz gut…
„Wie wäre es heute Abend um sieben?“
„Hm, weiß nicht… ich wollte noch für die Uni arbeiten…“
Mein Gesicht stürzte in sich zusammen. Oh, er musste heute kommen, sonst –
„Aber eigentlich kann ich das auch noch morgen machen“, verkündete Freddy. Boah, war ich erleichtert. Bis jetzt hatte ich alle Hindernisse überwunden. Blieb noch ein letzter Punkt…
„Wo soll das Ganze denn stattfinden?“, fragte Freddy interessiert.
Oh Hilfe…
„Bei Anna in der WG…“, flüsterte ich und ging innerlich in Deckung.
„In der WG? Vergiss es, da komm ich nicht hin“, rief Freddy und wollte sich davonmachen. Ich konnte ihn gerade noch aufhalten. „Aurélie wird nicht da sein! Die… hat jetzt abends noch so einen Französischkurs von der Uni und kommt erst ganz spät wieder zurück. Dann bist du schon gar nicht mehr da!“
„Meinst du wirklich?“ Freddy war skeptisch. Zu Recht…
„Aber na klar! Du wirst ihr heute Abend auf keinen Fall begegnen“, versicherte ich ihm. Schließlich willigte er ein und ich konnte endlich beruhigt zu meinem Essen zurückkehren. Das ich aus Protest gegen Annas unerwartete Flucht schweigend einnahm.

Abends war es dann so weit. Die Aktion konnte losgehen. Ich hatte ein paar DVDs mitgebracht und Anna hatte auch einige besorgt. Nachdem wir alles noch ein letztes Mal besprochen hatten, saßen Aurélie, Anna und ich im WG-Wohnzimmer zwischen Flipsschüsseln und Gummibärchenpackungen (nicht für mich natürlich). Anna und ich waren so nervös, als müssten wir James Bond bei einem seiner hochgefährlichen Einsätze vertreten. Aber natürlich durften wir das, genauso wie der Geheimagent, nicht zeigen.
„Oh, ich freue mich ja so, dass ich endlich mal einen Abend ohne Freddy und ohne Sorgen verbringen darf. Endlich mal ein Abend in Ruhe und Frieden, nur mit meinen besten Freundinnen. Freut ihr euch auch?“
Ich zuckte zusammen, während Anna nur total trocken ein Ja brummte. Gegen sieben wollten wir dann die erste DVD einschieben. „Ich bin dafür, dass wir zuerst die Amélie gucken“, äußerte sich Aurélie. „Wo liegt der Film denn?“
In diesem Augenblick klingelte es an der Haustür. Anna und ich sahen uns an.
„Verflixt“, rief Anna geistesgegenwärtig. „Den hab ich im Zimmer vergessen! Komm, Aurélie, wir suchen ihn eben. Sara, gehst du bitte mal an die Tür?“
„Na sicher!“, rief ich sofort, sprang auf, rannte zur Haustür, natürlich nicht, ohne vorher die Wohnzimmertür dezent anzulehnen.
Wie erwartet war der Mensch, der geklingelt hatte, Freddy. Ich begrüßte ihn, hängte seine Jacke an den Haken und sah im Hintergrund, wie Anna den Zettel aus der Küche holte.
„Gehst du schon mal ins Wohnzimmer? Du weißt ja, wo es ist“, forderte ich ihn höflich auf. Er tat mir den Gefallen.
Mein Herz klopfte ziemlich stark. Eigentlich lächerlich, oder? Ich konnte es nicht genau sagen. Anna jedenfalls wirkte ziemlich cool, aber ich wusste aus über zehn Jahren Freundschaft mit ihr, dass das nicht stimmen musste. Zusammen stellten wir uns neben den Wohnzimmereingang und warteten, bis Aurélie ihr Zimmer verließ und in die Stube stürmte.
„Hey, Anna, der Film ist gar nicht… Was machst du denn hier???“ Wie angewurzelt blieb unsere gute Freundin ein paar Schritte hinter der Türschwelle stehen.
„Das Gleiche könnte ich dich fragen… ich dachte, du bist in der Uni?“
Das war der Punkt, an dem Anna und ich langsam die Tür zuzogen und abschlossen.
Das sollten die mal schön unter sich ausmachen. Zuerst schienen sich die beiden tierisch zu streiten. Nach einer Weile bummerte Aurélie an die Tür. „Lasst mich sofort raus, verdammt noch mal, das ist Freiheitsberaubung, los jetzt, oder ich rufe die Polizei!“
Anna schob den Zettel unter der Tür durch, dann zogen wir unsere Jacken an und gingen ins Café.
An dieser Stelle will ich erzählen, was auf dem Zettel stand, den wir den beiden unter der Tür durchgeschoben haben:
Wir sind im Café und lassen euch in ein paar Stunden wieder raus, vorausgesetzt, ihr habt euch bis dahin wieder eingekriegt. So, wie ihr euch verhaltet, hält das ja keiner mehr aus. Mit diesem Kindertheater muss Schluss sein!
Freundliche Grüße
Anna und Sara