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Schlagwort-Archive: begleitet

12 von 12 mal anders, Teil 2

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Mit freundlichen Grüßen

Die GIFKitschautorin

 

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Schwere Prüfungen

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Schwere Prüfung Nr. 1: Die Praktische

Gestern habe ich ja schon einen kurzen Eintrag dazu gemacht. Ich habe gestern die praktische Fahrprüfung Klasse B bestanden. Allerdings erst im zweiten Anlauf. Ich habe nur einen Fahrfehler, allerdings heißt der „Nervosität“. Beim ersten Versuch ließ ich mich davon ablenken, dass der Fahrlehrer und der Prüfer miteinander quatschten, fuhr beim Abbiegen auf den Busstreifen und lenkte panisch auf den Autostreifen. Klarer Fehler, durchgefallen.

Der zweite Versuch lief so einigermaßen, trotz Nervosität. Aber dann würgte ich, beim Anfahren nach der Gefahrenbremsung, den Motor ab. Und einmal fuhr ich geradeaus, wo der Prüfer mich angewiesen hatte, rechts abzubiegen. Und auf dem Einfädelungsstreifen vorm TÜV standen wir ewig herum…

  • Tja, Frau Kitschautorin, ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, ob ich Sie bestehen lasse.
  • Bitte sagen Sie Ja!
  • *streckt Hand hin* Herzlichen Glückwunsch.

Das fand ich schon ein bisschen gemein, aber ich war viel zu glücklich, als dass ich ihm das wirklich übelnehmen würde. Jetzt wird man sehen, wohin mich meine erste selbstständige Autofahrt führt. Hauptsache, mir passiert nicht das, was Monsieurs Tante passiert ist – sie hat sich nach den ersten 300 Metern einen Nagel in den Reifen gefahren…

Schwere Prüfung Nr. 2: Mein Ex-Arbeitgeber

Ohne jetzt zu viel darüber sagen zu wollen, aber ich wusste schon früh, dass bei meinem nun ehemaligen Arbeitgeber einiges drunter und drüber geht. Dazu kommt jetzt noch, dass ich seit genau vier Wochen auf mein Gehalt aus der Anstellung als Honorarkraft warte. Informationen bekomme ich immer nur, wenn ich x Mal nachhake, und man hat mir mehrmals gesagt, das Geld müsse aber bald da sein, ist es aber nicht. Ich gebe den Leuten jetzt noch zwei Tage und dann setze ich einen schönen Brief auf.

Schwere Prüfung Nr. 3: Was man manchmal so liest

Aus beruflichen Gründen habe ich heute ein Stadtmagazin gelesen. In diesem gab es eine Anzeige von einem Verein, der Vorschulunterricht erteilt.

Leistungsdruck verspüren die Kleinen schon sehr früh, da die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn bereits in der Grundschule fällt.
Und die Konsequenz daraus ist, dass man den Kindern schon vorm sechsten Geburtstag Wissen reinquälen will? Ich versteh’s nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Die Kitschautorin

Wie man einen Fahrlehrer zum Lachen bringt

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Fahrlehrer: Du schaffst das schon, werd einfach nicht nervös.

Ich: Das sagen Sie so einfach. Bei meiner Hochzeit war ich nicht so nervös.

Fahrlehrer: *lacht* Bei deiner Hochzeit warst du nicht so nervös? Dann sollte ich ja besser noch mal heiraten, anstatt weiter Prüfungen abzunehmen.

 

Letztlich war die ganze Nervosität aber umsonst:

Führerschein zensiert

Mit glücklichen Grüßen

Die Kitschautorin

Es wird Zeit für einen neuen Rechner, wenn

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… der alte für das Kopieren einer Staffel “Switch” auf eine externe Festplatte knappe vier Stunden veranschlagt und eine Minute braucht, um auf den Versuch zu reagieren, diese Festplatte zu entfernen. Aber der Reihe nach.

Ich verfolge eigentlich die Politik, Dinge so lange zu benutzen, bis sie nicht mehr benutzbar sind. Ich hatte früher mal einen Tower. Ich weiß absolut nicht mehr, wie alt der war (mein Dad hatte ihn vom Arbeitsplatz mit nach Hause genommen), zwischendurch hat mein Freund mal Teile hereingemacht, die schon total veraltet waren und ihn trotzdem schneller machten. Also war er schon sehr alt, als ich mich zu meinem 20. Geburtstag dazu entschloss, einen Laptop zu kaufen. Aufmerksame Leser wissen: Das ist ziemlich genau vier Jahre her.

In dem Alter darf ein Rechner natürlich auch Probleme kriegen. Es ist vermutlich normal, dass Thunderbird und Chrome anfangen zu hängen, dass er schnell warm wird, gerne mal ewig braucht, um zu reagieren, im Schnitt einmal pro Tag abstürzt… Naja. Als mein Tower damals soweit war, habe ich ihn erst mal von einem Reparaturshop begutachten lassen, sodass er noch ein paar weitere Monate lief… doch gestern sind Monsieur und ich zu einem Computerladen gefahren, weil er sich einen neuen kaufen wollte. Und dann passierte etwas ganz Komisches.

Ich bewunderte die ganzen neuen, tollen, sauberen, schnellen Modelle und dann fragte mein Freund mich, ob ich einen neuen Computer zum Geburtstag haben will. Ich schwankte zwischen “Versuch doch noch mal, aus dem alten was rauszuholen, der war teuer genug” und “Aber die neuen sind so toll und du musst doch auch bald deine Abschlussarbeit schreiben”. Letztlich verführte mich ein Tower der Marke acer. Wenn ich schon einen neuen hole, dann sollte es wenigstens ein Tower sein, die kann man nämlich im Allgemeinen länger halten. Ich danke meinem Freund für dieses tolle Geschenk und überlege, ein Tablet dazuzukaufen, wenn ich mal von unterwegs arbeiten muss. Kann jemand ein Modell empfehlen?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Dieser Eintrag ist noch auf dem alten Rechner entstanden. Den neuen benutze ich erst ab Freitag.

Krümelmonster, Teil 28

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„Weil ich mich in dich verliebt habe, Lukas.“

Jetzt war es raus. Er starrte mich an. Ich starrte ihn an. Eine ganze Weile lang. Dann wandte er sein Gesicht ab.

„Und das soll ich dir glauben? Wahrscheinlich hast du diese ganze Geschichte nur erfunden, weil du Hannes nicht haben kannst. Weil er jede Frau dieser Uni haben will, außer dir. Und weil ich gerade da bin, denkst du dir: Hey, ich nehme ihn als Ersatz!“

„Das ist nicht wahr!“, rief ich.

„Ja klar. Und als Nächstes friert die Hölle zu. Jetzt entschuldige mich bitte, ich muss hier ein Konzert geben mit meinen Leuten.“

Ich weiß nicht mehr, wie ich von der Bühne kam. Aber in dem Augenblick fühlte ich mich so niedergeschlagen wie noch nie.

Ich verzog mich in die hinterste Ecke des Ballsaales, der eigentlich die Aula war, und betrachtete den hässlichen Boden. Ich wünschte mich zehntausend Kilometer weit weg. Da hatte ich einmal in meinem Leben etwas riskiert – und eine Abfuhr bekommen! Ich hatte es gewusst, ich hätte heute gar nicht kommen brauchen. Missmutig sah ich auf und guckte den Leuten beim Tanzen zu. Hannes hatte wieder jemanden im Arm, Aurélie tanzte mit Freddy, sogar Anna tanzte mit irgendjemandem. Alle hatten jemanden, außer mir. Was war mit mir, verdammt? Wann kam ich endlich dran? Wieso bekam ich nicht den Menschen, den ich wollte?

Ich bekam zu viel. Ich stürzte nach draußen, vorbei an den Sekt trinkenden Mädels, den saufenden Jungs und den Suchtrauchern. Bis ich mit jemandem zusammenprallte.

„Hey, pass doch auf!“, beschwerte sich jemand – bis wir uns erkannten. Ich hätte Kati fast umgerannt.

„Du gehst in die falsche Richtung!“, bemerkte sie.

„Doch, ich gehe in genau die richtige Richtung.“

„Wieso das denn?“

„Weil ich mit Lukas gesprochen habe. Und es ist nicht das herausgekommen, was ich wollte.“

„Wirklich nicht? Ach, komm wieder mit rein, lass dir davon nicht die Laune vermiesen.“

„Zu spät! Und was befiehlst du mir da überhaupt wieder? Für dich ist es doch ein Leichtes, die Typen zu kriegen“, fuhr ich sie an, „du siehst super aus, dich will jeder haben!“

„Ich hab es ganz bestimmt nicht leicht. Wir haben darüber gesprochen.“ Kati sah mich eindringlich an. „Es bringt jedenfalls auch nichts, sich hängen zu lassen. Also, kommst du jetzt mit rein oder nicht?“

Ich hatte gar keine Wahl, sie hakte sich bei mir ein und zog mich mit sich. Als ich gerade im Gebäude war, blieb ich stehen. Ich ging ganz bestimmt nicht weiter.

Kati ließ sich ihren Sekt schmecken. „Schmeckt gut. Lukas sieht auch nicht besonders glücklich aus.“

„Ja, und ich bin daran schuld.“

„Jetzt hör aber auf, verdammt noch mal!“, regte sich Kati auf. „Willst du den Abend überhaupt noch retten? Bin gleich wieder da.“

„Wo willst du denn hin?“

„Mich frischmachen gehen.“ Und schon war sie weg.

Den halben Abend stand ich alleine hinten an der Wand und trank Sekt. Wieso ließen mich immer alle alleine? Jetzt reichte es mir aber! Ich wandte mich zum Ausgang.

„Hey, wo willst du denn hin? Du bist doch gerade erst gekommen!“, ertönte es auf einmal hinter mir. Ich stöhnte laut auf.

„So leicht entwischt du uns nicht wieder“, rief Aurélie fröhlich. Freddy, der neben ihr stand, hob die Hand zum Gruß.

„Was soll das denn heißen?“, fragte ich pikiert.

„Dass du uns in den letzten Tagen ja voll aus dem Weg gegangen bist.“
„Ich hatte eben viel um die Ohren!“, versuchte ich mich zu verteidigen. „Da konnte ich mich nicht ganz so intensiv um euch kümmern.“

„Wir waren dir ja wohl völlig egal!“

„Aurélie! Sara! Meine Güte“, ermahnte uns Freddy, doch es war bereits zu spät.

„Ich hab nun mal nicht so ein tolles Liebesleben wie du!“ Ich deutete auf die Knutschflecken an Aurélies Hals. Sie versuchte noch, diese mit der Stola zu verdecken, klappte aber nicht. „Und es hat null geklappt! Und dann darf ich mir auch noch Egoismus vorwerfen lassen! Ach, lass mich doch in Ruhe!“ Ich stürmte davon.

„Sara? Hey, warte! Es tut mir Leid! Sara?“, rief sie noch hinter mir her, doch es war mir egal.

Ich merkte ja nicht einmal die Richtung, in die ich lief. Allerdings erblickte ich Kati an der Bühne. Sie flüsterte Lukas etwas ins Ohr. Was machte sie denn da? Wollte sie nicht eigentlich zu mir zurückkommen?

Lukas nickte und richtete sich wieder auf. Es war so, als suchte er irgendetwas im Publikum. Dann machte er eine Ansage: „Hey, Leute! Wir spielen jetzt das letzte Lied vor der Pause, also viel Spaß beim Abrocken!“ Die ‚Leute‘ applaudierten. Ich nicht.

Die ersten Akkorde ertönten. Was sollte das denn jetzt? Er spielte ein Lied, das ich nur zu gut kannte.

Tonight we drink to youth
and holding fast to truth.
I don’t want to lose what I had as a boy
My heart still has a beat
but love is now a feat
As common as a cold day in LA
Sometimes when I’m alone, I wonder
is there a spell that I am under
keeping me from seeing the real thing?
Love hurts…
but sometimes it’s a good hurt
and it feels like I’m alive
Love sings
when it transcends the bad things
Have a heart and try me
‚cause without love I won’t survive

Bei den letzten beiden Zeilen sah er mir in die Augen. Es fühlte sich an, als würden die schrammelnden Gitarrenakkorde, die er erklingen ließ, mein Herz zerschneiden.

Und sie trieben meine Beine an. Richtung Ausgang. Ich stürzte davon, während meine Tränen zu laufen begannen. Auch ich lief davon, im schnellen Tempo. Niemand war mehr draußen. Alle waren drinnen.

Plötzlich stolperte ich und lag der Länge nach auf dem Boden. Mein rechter Schuh lag irgendwo, mein Gesicht tat unheimlich weh, genauso wie mein rechtes Fußgelenk. Ich heulte richtig laut los. Nie wieder würde ich solche Schuhe tragen! Verdammter Mist!

Ich versuchte, mich aufzurichten, um nach meinem rechten Schuh zu greifen, aber das gefiel meinem rechten Fußgelenk überhaupt nicht. Es schmerzte unheimlich. Ich weinte noch lauter. Und mir wurde langsam kalt.

Aus der Ferne hörte ich, wie die Ballgäste applaudierten und Schritte sich näherten. Schließlich tauchte am Ende des roten Teppichs, zirka zwanzig Meter von mir entfernt, ein Mann auf. Ich konnte ihn nicht genau erkennen. Er drehte sich nach allen Seiten um und rannte dann auf mich zu! Hilfe! Was hatte er vor?

Es weihnachtet sehr

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(Reaktion auf diesen Eintrag: http://nightfallrowen.wordpress.com/2013/12/15/rowen-beim-weihnachtsmarkt/)

Normalerweise kann man an Sonntagen ja nicht viel machen. In der Weihnachtszeit sieht das aber etwas anders aus und so nutzte ich meine freie Zeit, um zusammen mit Rowen und meinem Freund in die größte Stadt Niedersachsens zu fahren.

Auf dem Weihnachtsmarkt, der rund um die Marktkirche angesiedelt ist, aß ich ein leckeres fleisch-, knoblauchsoßen- und zwiebelgefülltes Brötchen. Danach gingen wir in die Marktkirche. Das Gebäude sieht schon von außen toll aus. Dazu kommt noch, dass die Kirche im Gegensatz zu vielen anderen evangelischen Kirchen jeden Tag geöffnet ist. Also nichts wie rein.

Ich bin nicht so oft in großen Kirchen, von daher war ich ziemlich beeindruckt, als ich in der Marktkirche stand. Sie sieht insgesamt sehr schön aus. Hier ein Bild, das ich von den Kerzen gemacht habe (ein Brauch, den ich sehr gern mag):

Kerzen in der Marktkirche

Als Nächstes besichtigten wir die Gedenkstätte Aegidienkirche. Früher war das mal eine Kirche, bis sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Seitdem stehen die Überreste als Mahnmal da. Es war ziemlich bedrückend.

Gedenkstätte Aegidienkirche 7

Danach gingen wir zurück zum Weihnachtsmarkt, wo ich ein paar Vanillemandeln aß und meine Freunde ein wenig heißen Met tranken. Ich durfte davon probieren. Nicht zu empfehlen. Ach ja: Der Rechner, der auf Rowens letztem Bild zu sehen ist, ist meiner. Smiley mit geöffnetem Mund

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Krümelmonster, Teil 12

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Verschlafen meldete Anna sich. „Hallo?“

„Na, gut geschlafen?“

„Haha, du Scherzkeks. Das war ’ne Höllennacht, wie hätte ich denn da schlafen sollen?“, grummelte sie.

„Jaja, ist ja gut. Sag mal, was war da eigentlich gestern los? Ich hab gestern ganze sieben SMS von unserer guten Aurélie gekriegt, und dazu dann noch drei von dir.“

Anna gähnte ausgiebig. „Ich erklär es dir. Du hast doch sicher mitgekriegt, dass es bei den beiden nicht mehr ganz so gut läuft?“

„Ja, das weiß ich.“

„Nun ja, Aurélie hat vermutet, dass Freddy sie einfach nicht mehr so anziehend findet wie am Anfang…“

„So ein Blödsinn!“, entfuhr es mir.

„Ja, das sage ich ja auch, aber Aurélie wollte mir ja nicht zuhören. Dann hat sie sich ja die Haare blond gefärbt, aber das hat Freddy überhaupt nicht gefallen. Gestern nun wollte sie ihn überraschen und hat sich in die schärfsten Sachen geworfen, die sie so hatte, und dann ab in sein Bett, Rosenblätter und den ganzen Kram.“

„Was? Wie ist die denn in sein Zimmer gekommen?“

„Keine Ahnung. Freddy kam dann jedenfalls nach Hause und hat sich erst mal tierisch erschrocken, er hat sie angeschrien, die beiden haben sich gezofft und er hat sie mehr oder weniger verlassen.“

„Wow…“ Ich atmete tief durch. „Das ist ja wirklich…“

„…kacke, genau“, beendete Anna meinen Satz. „Deswegen bin ich jetzt auch zu Hause geblieben, weil Aurélie mich die ganze Nacht genervt hat. Was hast du gestern eigentlich noch so mit Lea gemacht?“

Jetzt war alles wieder da. Ärztehaus, Krankenwagen, Krankenhausflur, das Zimmer, meine Schwester auf der Liege, weinend…

„Bist du noch dran?“, rief Anna.

Ich schluckte zwei Mal. Mein Hals brannte wie Hölle und ich bemühte mich um einen möglichst neutralen Ton: „Na ja… Lea ist im Krankenhaus…“

„Was?“ Auf einmal war meine beste Freundin hellwach. „Was ist mit ihr? Komm, sag schon!“

„Das war echt eine merkwürdige Geschichte… Wie soll ich das bloß anfangen?“

„Am Anfang, wenn’s geht.“

„Zum Brüllen komisch, weißt du? Ich hab dir doch erzählt, dass sie wie wild am Fressen und Trinken war und sich ständig saumüde fühlte, richtig?“

„Ja, hast du…“

„Lea hat auf Diabetes getippt und war richtig besorgt deswegen. Also sind Gero und ich mit ihr zusammen zum Arzt gegangen und dann wurde sie auf einmal ohnmächtig rausgetragen…“

„Oh nein, hatte sie etwa einen diabetischen Anfall? Das ist echt ’ne schlimme Sache. Also, meine Tante, die…“

„Nein“, unterbrach ich sie, „sie hat… sie wird… sie ist schwanger! Und sie ist ohnmächtig geworden, weil sie so geschockt war von der Nachricht!“

Einige Sekunden lang war es still. Jetzt hatte es Anna wohl die Sprache verschlagen. Ich hörte sie tief durchatmen. Als sie wieder reden konnte, sagte sie: „Das sollten wir wohl besser nicht am Telefon besprechen, hä?“

„Da hast du wohl Recht…“

„Wie lange hast du noch Uni?“

„Ich arbeite noch bis drei Uhr und dann wollte ich mal ein bisschen lernen, wie wäre es, wenn wir uns heute Abend um acht Uhr treffen?“

„Okay, willst du zu mir kommen oder soll ich zu dir fahren?“

„Komm du ruhig zu mir…“

„Okay, dann bis heute Abend. Ciao!“

„Auf Wiedersehen“, sagte ich und wollte schon auflegen, da fiel Anna noch etwas ein. „Warte mal, Sara!“

„Was gibt’s denn noch?“

„Nimm dich bloß vor Aurélie in Acht. Die ist heute ’ne echte Kratzbürste.“

„Ach was. Kommt sie heute zur Uni?“

„Ja, sie ist jedenfalls grad nicht zu Hause. Gott sei Dank.“

„Na dann, danke für den Tipp und bis heute Abend.“

„Bis heute Abend“, sagte sie und wir legten auf.

Gestärkt für den Rest der Schicht ging ich nach vorne. Jedenfalls fühlte ich mich schon bedeutend besser. Es tat gut, mit jemandem gesprochen zu haben, der nicht sofort nach dem Warum fragte, der einen nicht sofort verrückt damit machte. Und was Aurélie und Freddy anging, wusste ich zumindest schon mal über die Situation Bescheid –

„Einen Latte macchiato mit zwei Stückchen Giotto und eine Cola light bitte“, bestellte eine weibliche Stimme, die mir sofort ins Ohr schnitt, warum auch immer. Ich rief nur mein übliches „Kommt sofort!“ und sortierte erst mal weiter Flaschen in den Kühlschrank ein. Erst als ich mich wieder aufrichtete, nahm ich wirklich wahr, wer mir da seine Bestellung ins Ohr geschnottert hatte und vor allem: wen diese Person im Schlepptau hatte.

Kati und Hannes!

Sie setzten sich an einen Tisch ganz hinten. War das nicht der, den mir Gero gestern beschrieben hatte, mit dem fetten Herz drin? Sie umarmten sich und küssten sich so, als gäbe es kein Morgen. Wollte er mit seiner Zunge ihren Magen erforschen, oder was machte er da? Die beiden sanken auf ihrer Sitzbank zurück und ich fühlte mich, als würde mein Herz aus der Brust auf den Boden rutschen und dort zerplatzen wie eine Wasserbombe.

„Ich komm gleich zurück, Schatz, okay?“, bildete ich mir ein, von Kati zu hören, wie sie es zu Hannes sagte und sie ging Richtung Damentoilette. Natürlich nicht, ohne vorher noch an mir vorbeizustöckeln und zu zwitschern: „Und denk an unsere Bestellung, Sara-Schatz, okay?“ Und weg war sie.

Ich bekam Lust, die Schlange zu erwürgen, sie das Klo runterzuspülen und ihren Arsch so lange mit klebrigem Zeugs vollzustopfen, bis sie platzte, ich wollte sie auf tausend Arten quälen, diese Missgestalt, aber das sah man meinem Gesicht vermutlich nicht gerade an. Es stürzte ein und ich senkte meinen Blick auf den Boden.

Plötzlich ertönte aus der erst kürzlich fürs Studentencafé erworbenen Anlage eine laute Schrammelgitarre und kurz darauf eine männliche Stimme. Das Lied kannte ich doch irgendwoher, was war das nur für ein Lied?

My heart still has a beat

but love is now a feat

As common as a cold day in LA

Sometimes when I’m alone, I wonder

is there a spell that I am under

keeping me from seeing the real thing?

Love hurts…

Die Frage nach dem Lied konnte ich zumindest schon mal beantworten. Das Herzschmerzlied schlechthin. Wollte mich mit Love hurts eigentlich irgendjemand da oben im Himmel ärgern? Hatte ich das verdient? Womit bloß? Mir war grottenschlecht.

Hannes schaute irgendwelchen Damen hinterher. Der Mann, in dessen Armen ich neulich noch gelegen und an dessen Lippen diese unsägliche Kati gehangen hatte, schaute anderen Studentinnen auf die Hintern und die Brüste und ihm lief der Speichel dabei fast aus dem Mund heraus. Und jeder begehrende Blick veursachte mir erneute Stiche in den Magen und ins Herz.

Ich konnte meine Augen nicht von ihm lassen, obwohl mir sein mich völlig ignorierendes Verhalten so weh tat. Als Kati von der Toilette zurückkam, richteten sich seine Augen wie auf Kommando wieder auf sie und er lächelte sie an. Erst vor ein paar Tagen hatte er mich so angelächelt…

Meine Chefin lehnte sich neben mich an die Theke. „So wie die gerade herumgeknutscht hatten, müssten wir die eigentlich wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses anzeigen, was?“ Sie lachte. „Machste eben die Latte und die Cola für die beiden fertig?“

Ich reagierte nicht. Ich konnte meine Augen nicht vom superverliebten Pärchen lassen und wünschte mich zehntausend Kilometer weit weg.

„Machst du das jetzt oder was?“, pflaumte meine Chefin mich an. Ich drehte mich um und schaute sie an. Keine Ahnung, wie beschissen ich ausgesehen hatte, jedenfalls zog sie nur die Augenbrauen hoch und sagte schnell: „Okay, ich mach’s eben selbst.“ Bevor ich auch nur blinzeln konnte, schrie auf einmal jemand meinen Namen in voller Lautstärke und ich erschreckte mich unheimlich. Mehrere Gäste drehten sich um.

„Saaaaaraaa!“ Und da erschien die Kratzbürste auch schon und wetterte so laut, dass ich nicht mal fragen konnte, was sie haben wollte. „Ich glaube, ich explodiere gleich! Da denke ich mir so eine tolle Überraschung aus und der Blödmann von Freddy, was tut der? Er schmeißt mich raus! Einfach raus. Der tickt doch nicht mehr richtig. Ich versuche wenigstens noch, irgendwas an unserer Beziehung zu ändern, aber der Trottel trifft sich nur mit seinen Kumpels und säuft sich voll. Ja, da brauchst du gar nicht so zu gucken, Sara, du hast es ja nicht mal für nötig gehalten, an dein Handy zu gehen. Obwohl ich echte Probleme hatte! Was guckst du denn so betroffen?“

Da piepste meine Armbanduhr drei Mal. Es hörte sich an wie das Piepsen, das in Filmen immer ertönte, kurz bevor eine Bombe platzte. Ich glaubte auch, selbst gleich zu explodieren.

„Was bildest du dir eigentlich ein?“, fuhr ich Aurélie an. „Du denkst, du hast Probleme und fragst nicht mal eine Sekunde lang, wie es mir geht? Lass mich doch in Ruhe mit deinem Geschwätz! Gott sei Dank muss ich dich jetzt nicht mehr bedienen, denn ich hab Schichtende!“ Wütend riss ich mir die Schürze vom Leib und nahm meine Jacke sowie die Handtasche an mich. „Ruf mich an, wenn du mich wieder eingeteilt hast. Bis dann!“, rief ich meiner Chefin zu und rannte aus dem Studentencafé. Einfach irgendwohin. Ich bildete mir ein, irgendjemanden hinter mir herrufen zu hören. Aber es war mir egal. Ob es jetzt Aurélie war, die Chefin, Kati, Hannes, der Weihnachtsmann oder alle zusammen, es war mir so egal.