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Schlagwort-Archive: begleitung

Neues Jahr, neues Glück

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Noch am Sonntag habe ich herumgejammert, dass ich garantiert nie einen Job finden werde, und am Folgetag hatte ich dann auf einmal einen. Ich habe in einer Grundschule hospitiert, als so genannte „persönliche Assistenz“ für ein Kind mit Förderbedarf, und sowohl das Kind selbst als auch die Klassenlehrerin mochten mich.

Über das Kind resp. seine Probleme möchte ich aus Datenschutzgründen nichts sagen, aber ein bisschen kann ich wohl trotzdem über meine Stelle berichten. Zunächst einmal fiel mir auf, wie unterschiedlich die Grundschule zu meiner damals ist. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Es ist (anders als bei mir) eine Ganztagsschule, und er wächst (anders als ich) in einer Großstadt auf. Es gibt aber wirklich so einige Unterschiede: Die Kinder haben Schuhe nur für die Klassenzimmer, ich hatte das nicht. Es gibt pädagogisches Personal, bei mir gab es das nicht. Es gibt einen PC-Raum, bei mir stand damals nicht ein einziger Computer im Gebäude. Es gibt eine Mensa, ich konnte nur davon träumen. Mein Schützling hat Englischunterricht, ich hatte nur so ein bisschen AG spaßeshalber. Die Lehrerin bemüht sich dort übrigens, alles auf Englisch zu sagen. Wenn das mal nicht geht, schaltet sie mit dem Wort „Klickklack“ zwischen den Sprachen hin und her. Etwas gewöhnungsbedürftig für mich. Was mir auch aufgefallen ist: Die ethnische Zusammensetzung ist eine deutlich andere. Ich habe an den vier Tagen, die ich nun schon dort arbeite, viel mehr Dunkelhäutige und Asiaten gesehen als in den drei Jahren hier im Dorf. Die Zeiten haben sich wirklich geändert. Jedes Kind isst gerne Rollos und ich wusste mit 10 nicht mal, dass so was existiert.

Noch zum Englischunterricht: Die Kinder sollen anscheinend nur britisches Englisch lernen. Ich erfuhr das, als die Lehrerin „football“ dort verwendete, wo ich „soccer“ für angebrachter hielt. Laut pons.de verwenden die Briten „football“ durchaus auch für Europäischen Fußball. Wieder was gelernt. Ich war aber durchaus irritiert, als die Lehrerin mich darüber informierte, dass die Kinder nur britisches Englisch lernen sollen. Erinnerte mich etwas an eine Begebenheit aus meiner Grundschule, als ich zwei minus fünf rechnen wollte und die Lehrerin sagte, das ginge ja gar nicht, nur weil Minusrechnen damals nicht im Lehrplan stand.

Überhaupt – Lehrplan. Die Kinder haben so viel, was ich in der Grundschule noch gar nicht machen musste, und damit meine ich nicht nur Englischunterricht. Mein Einsatzort ist eine vierte Klasse, und die hat bereits gelernt, was Balkendiagramme sind. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das hatte. Heute gab es sogar eine Aufgabe, die man im Prinzip durch eine Gleichung mit zwei Unbekannten lösen muss – das hatte ich erst auf dem Gymnasium.

Die Kinder begrüßen mich alle mit großem Interesse. Sie fragen mich, wie mein Stoff-Patrick-Star aussieht, ob ich auch bunte Steine zu Hause habe, was ein bestimmter englischer Satz auf Deutsch bedeutet oder ob es Geister gibt. Und sie sind lustig. Die Klassenlehrerin fragte ein Mädchen neulich, ob eine bestimmte Aufgabe denn im Wochenplan drinstehe. Antwort: „Ja, wenn ich es eintrage.“ xD

Heute hatte ich leider nicht so viel zu tun, da ich kurz nach meinem Eintreffen erfuhr, dass der Winzling, für den ich zuständig bin, krank ist. Dennoch gab es einiges für mich zu erledigen. Ich habe zum Beispiel die Lehrerin (und die brandneue Referendarin, die aber nur für ein paar Wochen da ist…) beim Unterricht unterstützt und mit einigen Kindern Vorlesen geübt. Das hat mir richtig viel Spaß gemacht.

Bis jetzt gefällt es mir auf jeden Fall richtig gut. Klar kann sich das noch ändern, bei Grundschülern weiß man ja auch nie und jeder Tag mit ihnen ist ein Abenteuer. Aber ich bin gespannt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Valerie und der Priester

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Neulich bin ich auf ein interessantes Projekt gestoßen. Die atheistische Berliner Journalistin Valerie Schönian begleitet ein Jahr lang den Priester Franziskus von Boeselager. Und lernt enorm viel über ihn und seinen Glauben. Zu einigen Artikeln möchte ich jetzt meine Gedanken niederschreiben.

Zu Hause bei Franziskus im Sauerland

Valerie schreibt darüber, dass in Franziskus‘ Familie der christliche Glaube ganz selbstverständlich präsent war, anders als bei ihr. Das erinnerte mich an etwas, das mein Vater neulich gesagt hat. „Wir sind halt nicht damit aufgewachsen. Sonst wären wir vielleicht auch Christen geworden.“

Ich bin ja nun auch nicht damit aufgewachsen und habe mich trotzdem irgendwann taufen lassen, dachte ich gerade. Aber so ganz stimmt das ja auch nicht. In meiner Welt, anders als bei meinen Eltern, war der christliche Glaube ja durch Schule und Freunde durchaus präsent. Andererseits war die Mehrheit in meiner Heimat ja nicht evangelisch, sondern katholisch. Und ich habe immer gesagt, dass die Schulzeit mich dem Glauben nicht gerade näher gebracht hat. Hm.

Ich glaube, wer hier aufwächst, hat immer einen Bezug zu Gott. Man kann sich vielleicht gegen ihn entscheiden, aber ignorieren kann man die Idee von ihm nicht.

Das schreibt Valerie über Franziskus‘ Heimat, und ich glaube, bei mir in meiner kleinen Heimat nördlich der drittviertgrößten Stadt Niedersachsens war das genauso. Man konnte Gott und das Christentum da gar nicht ignorieren.

Franziskus‘ Eltern sagen, dass sie ihren Kindern den katholischen Glauben schon mitgeben wollten, nur weniger streng. Irgendwann werden mein Mann und ich sicher auch Kinder haben, und wir reden jetzt schon gelegentlich darüber, wie wir das mit dem Glauben genau machen wollen. Werden sie getauft? Beten wir mit ihnen? Gehen wir mit ihnen in die Kirche und wenn ja, in welche? Kommt an Weihnachten das Christkind oder der Weihnachtsmann? Alles noch ungeklärte, aber wichtige Fragen.

Valerie schreibt darüber, dass Franziskus vor dem Essen betet und dass sie vorher niemanden kannte, der das tut. Ich kannte auch nur eine Person und selbst die tut das nicht immer. Dann war ich drei Tage im Kloster. Die Schwester, mit der ich Kontakt hatte, betet grundsätzlich vorm Essen, egal, zu welcher Tageszeit oder wer mit ihr isst. Ich finde das gewöhnungsbedürftig und ich tue es selbst auch nicht. Aber falsch finde ich das nicht unbedingt. Für die Speisen, die man hat, sollte man schon dankbar sein.

In dem Text geht es auch darum, wie ein Unfall von Franziskus‘ Schwester die Eltern wieder näher zum Glauben führte. Ich finde es toll, dass die das geschafft haben. Ich meine, ich zweifle heute noch oft genug an Gott. Gerade, wenn mir irgendwas Schlimmes passiert.

Wandmomente: Unsere Gespräche über Homosexualität stecken fest

Wenn zwei so unterschiedliche Menschen wie Valerie und Franziskus aufeinandertreffen, bleibt es ja nicht aus, dass es manchmal hakt. Ein wichtiger Punkt ist da Homosexualität. Für Valerie wie für mich, sozusagen. Ich habe lange gezögert, mich einer christlichen Kirche anzuschließen, weil ich spürte, dass da für manche Menschen eben nicht alle gleich sind.

Franziskus sagt, dass nach dem Verständnis der katholischen Kirche eine Ehe darauf ausgerichtet ist, Kinder zu bekommen. Aber es gibt ja auch Paare, die keine bekommen können oder wollen. Was ist mit denen? Die dürfen heiraten. Gleichgeschlechtliche Paare können ja auch miteinander Kinder haben, Stiefkinder oder adoptierte Kinder zum Beispiel. Warum sollen die das nicht haben dürfen?

Franziskus sagt, dass er damit niemanden oder diskriminieren will. Ich sehe das ein bisschen anders.

Er ist genauso Christ wie ich. Aber es gibt da trotzdem einen Punkt, bei dem man nicht zusammenkommen kann. Ein Wandmoment halt, wie Valerie sagt.

Vorweihnachtszeit mit einem Priester

Ich muss ja sagen, Weihnachten ähnelt bei mir eher dem Weihnachten von Valerie – mit Weihnachtsmärkten, Plätzen, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, geliebte Menschen treffen und so. Aber ein bisschen hat mich schon gestört, dass Weihnachten bei mir vergleichsweise wenig mit dem Christentum zu tun hatte die letzten Jahre. Obwohl ich ja Christin bin. Und seit 2013 Weihnachten jedes Jahr in der Kirche war. Letztes Heiligabend waren Monsieur und ich also im 23-Uhr-Gottesdienst. Und ich habe sogar aus meiner brandneuen Lutherbibel die Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Monsieur hätte nicht unbedingt auf einem Kirchbesuch bestanden. Naja, er war auch lange Jahre Lektor und in seinem Leben wahrscheinlich öfter in der Kirche, als ich es je sein werde.

Als ich den Abschnitt über die Austeilung des Abendmahls las, wurde ich wieder wütend. Mich macht immer noch total krank, dass offiziell kein gemeinsames Abendmahl möglich ist. Und dass ich das vermutlich nicht mehr erleben werde.

Drei Gottesdienste und eine heilige Nacht

Weiter oben schrieb ich, dass ich es etwas schade finde, wenn Weihnachten wenig mit dem Christentum an sich zu tun hat. Nichtsdestotrotz denke ich, dass auch Nichtchristen das Weihnachtsfest feiern können. Valerie schreibt, dass es ihr um die Familie geht, und das finde ich auch gut.

Sie schreibt außerdem, dass sie beim dritten Gottesdienst verwirrt darüber ist, wann was gesungen und gemacht wird (beim letzten Gottesdienst war das ja noch ganz anders). Das Gefühl kenne ich gut. Selbst wenn ich in einen ganz normalen evangelischen Gottesdienst gehe, kenne ich einige Teile der Liturgie nicht. Und als ich im Kloster mitgebetet habe, meine Güte…

Ihr Glaube ist fast anfassbar.

Das ist, was bei mir mehr ankommt als die Worte, und das so viele Menschen an Weihnachten in die Kirche treibt, auch wenn sie sonst nie kommen.

Ich glaube, das war lange Jahre mein Problem. Glaube war für mich nie anfassbar quasi, und dann habe ich irgendwann Menschen getroffen, bei denen das anders war. Hätte ich diese Menschen nicht getroffen, wäre ich wohl keine Christin geworden.

tl;dr: Das Projekt „Valerie und der Priester“ ist sehr interessant. Es gibt viele wichtige Einsichten und ich denke, dass man viel lernen kann, wenn man Menschen kennen lernt, die ganz anders sind als man selbst. Offenheit natürlich vorausgesetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Träume und eine Idee

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Ich hatte in der Nacht zu Dienstag einen Traum. Ich flog in die USA. Während des Fluges hatte ich irre Schiss, lernte im Flugzeug aber dann einen tollen Typen kennen, der mir die Angst nahm. Wir beschlossen, drüben in den USA ein bisschen was zusammen zu unternehmen. Ich schlief während des Fluges ein, hatte keine Ahnung, wo wir dann gelandet waren, und lief ein wenig herum. Als ich ein Schild mit deutscher Sprache sah, merkte ich, dass wir nie in den USA angekommen waren. In dem Augenblick bekam ich eine SMS von dem Kerl aus dem Flugzeug. Wir hätten wegen Wetter oder so umdrehen müssen, aber ich hätte es nicht mitbekommen, weil ich geschlafen hätte. Ich war erst irre traurig – und dann dachte ich: Wenn Trump bald Präsident wird, ist es wohl eh besser, wenn ich nicht in den USA bin.

Tja. Vielleicht gebe ich doch wirklich Japan den Vorzug. Ich weiß es nicht.

Apropos „nicht wissen“: Ich habe heute lange darüber nachgedacht, wie ich meine zahllosen Blogfans noch weiter beglücken kann. Und ich hatte dann eine Idee. In der Grundschule hatten wir mal eine coole Aufgabe für eine Kurzgeschichte: Die Lehrerin gab uns drei Worte, mit denen wir dann eine Geschichte schreiben mussten. Und genau das will ich auch mal versuchen. Bitte schreibt mir in den Kommentaren drei Wörter, aus denen ich dann was machen werde. Ich bin gespannt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Während ich das hier schreibe, gab es auf Twitter eine Meldung: Donald Trump will bis zu drei Millionen Ausländer abschieben oder einsperren lassen. Holleradulijöh.

Party

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Das Leben ist eine Party.

Die coolen Kids werden sofort hereingelassen, während die uncoolen Kids um jede Möglichkeit kämpfen, eingelassen zu werden, und es entweder nicht schaffen oder nur als Getränkelieferant. Manchmal passiert auf Partys stundenlang nichts Relevantes und man sitzt einfach nur rum und quatscht. Manchmal sind Partys toll, manchmal hasst man sie. Manchmal sitzt man dort herum und denkt, dass alles scheiße ist, bis diese eine bestimmte Person auftaucht. Und auf manche Partys wäre man lieber nie gegangen, weil dort der Exfreund mit seiner Neuen auftaucht und ein öffentliches Vorspiel abhält. Bei manchen Partys merkt man auch erst hinterher, wie geil sie eigentlich wären. Manche Arten von Partys werden total gehypt und dann geht man selber hin und findet sie scheiße. Häufig traut man sich auf Partys nicht, aus sich herauszugehen. Manche Partys möchte man gar nicht verlassen und wenn die anderen merken, dass man weg ist, sind sie traurig darüber, und man musste trotzdem gehen.

Am allerwichtigsten: Partys gehen auch ohne Alkohol, aber mit machen sie mehr Spaß. 😉

Mit chipsessenden Grüßen

Die Kitschautorin

Auslandsbericht

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Ich war bei meiner Familie.

Freitag

Papa hatte lange gearbeitet, Brüderchen auch und ich war acht Stunden unterwegs. Ergo entschieden wir uns dafür, in einem Schnellrestaurant einzukehren, nachdem sie mich vom Flughafen abgeholt hatten. Nur dass das Schnellrestaurant sein Kassensystem geändert hatte und gnadenlos unterbesetzt war. Ergo verdiente das Établissement die Bezeichnung „Schnellrestaurant“ gar nicht. Wir mussten sogar länger auf unsere Menüs warten, als es in den meisten normalen Restaurants üblich war.

Ich spreche kein Schwedisch, Papa musste die Bestellung also für mich erledigen. Er hatte mir nicht gesagt, dass es den Burger, den ich wollte, grundsätzlich im Menü gibt. Außerdem ahnten wir nicht, dass der „lyxshake“ eher Eis als Shake war. Folglich aß ich viel zu viel und saß am Ende vor einem halben Liter Blaubeereis. Brüderchen vermutete, dass die Bedienung nett sein wollte, weil wir so lange warten mussten.^^ Als ich dann endlich in der Wohnung meiner Eltern angekommen war, konnte ich nur noch ins Bett rollen.

Samstag

Brüderchen musste arbeiten, ich war also einen Großteil des Tages allein mit meinen Eltern. Wir diskutierten so lange über die Tagesplanung, dass ich mich irgendwann in einem Loriot-Sketch wähnte. Letztlich machten wir einen Ausflug zur Villa eines längst verblichenen schwedischen Prinzen. Dort sollte sich angeblich auch ein Restaurant befinden… in das man aber nur reinkam, wenn man vorher den Eintritt fürs Museum in der Villa geblecht hatte, wie wir nach einer Stunde Fußmarsch herausfanden. Ins Museum wollten wir ja eh, wir hätten aber gern auf die Stunde Fußmarsch verzichtet.^^

Das Museum war aber ganz interessant, man sah dort viele begabte Künstler, darunter den schwedischen Prinzen selbst. Ein Händchen für Inneneinrichtung hatte der Mann auch, ich hätte sein Studierzimmer gerne hier.^^

(Danach habe ich einige Postkarten gekauft und so ganz nebenbei erfahren, dass meine 20-Kronen-Scheine, die ich noch hatte, wegen einer Währungsumstellung quasi wertlos waren, juhu!)

Abends haben die Familie, inklusive wiedergekehrtem Brüderchen, und ich „Verschätzt noch mal“ gespielt. Kann ich sehr empfehlen. Ich vergaß auch nicht, vor Spielbeginn zu erwähnen, dass es einige Ab-18-Fragen gab. Schreckte aber niemanden ab, und Brüderchen ist ja auch seit einigen Wochen 18. 😀

Sonntag

Brüderchen musste schon wieder arbeiten. (Ich glaube, er ist viel fleißiger, als ich es in dem Alter war.) Meine Eltern und ich verbrachten den Tag daheim, abends ging es zum Bowlen. Brüderchen war von der Arbeit ziemlich kaputt und hat es trotzdem geschafft, besser zu bowlen als ich, wtf.

Montag

Rückflug. Mama hat sich netterweise freigenommen und mich bis zum Stockholmer Hauptbahnhof begleitet. Und mir eine Karte für den Zug zum Flughafen gekauft, kompliziertes Ticketsystem.^^ Am Flughafen selbst konnte ich einige interessante Beobachtungen machen. In der Hamburger Flughafenkapelle habe ich noch nie gesehen, dass sich ein Mann zum Schlafen hinlegt, anders als in Arlanda… aber hey, Religion soll den Menschen ja Entspannung verschaffen…

Ich war erst um viertel vor zehn zu Hause und musste heute direkt wieder arbeiten. Aber das war ganz okay.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Hochzeitsforum

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Ich verfolge ja die Devise: Ich versuche, vieles zu wissen, und wenn ich etwas nicht weiß, suche ich mir jemanden, der es mir sagt. Als ich mich letztes Jahr dafür entschied, zu heiraten, wusste ich über vieles, wie ich es machen wollte, aber ich wusste nicht, wo man Einladungskarten herbekommt. Also suchte ich mir ein Hochzeitsforum im Internet und fragte da nach.

Nachdem ich die gewünschte hilfreiche Information bekommen hatte, postete ich noch zwei oder drei Beiträge – und dann gar nichts mehr. Warum, fragt ihr euch vielleicht. Ich sage es euch.

Im Wesentlichen hatte ich zwei Probleme. Das erste Problem ist gemeinhin als „Bridezilla“ bekannt. Die beste Freundin kommt zum Anprobe-Termin zwei Minuten zu spät, weil sie ein Real Life hat? Was für eine egoistische Zicke! Ein Stückchen Tüll ragt beim Kleid dahin, wo es nicht hinsollte? Bei welchem Saftladen habe ich denn mein Kleid gekauft?!? Und wenn auf der Torte ein Marzipanröschen zu viel prangt, ist die Hölle los.

Das zweite Problem ist der – ich fasse es jetzt mal so zusammen – Umgang mit den jeweiligen Partnern. Es ist in dem Forum grundsätzlich üblich, statt „Zukünftiger“ nur „Z“ zu schreiben. Es wirkt immer so, als wäre der Mann die zehn anderen Buchstaben nicht wert, zumal viele Userinnen (denn natürlich sind es nur Userinnen) offen zugeben, dass der Partner bei der Hochzeitsplanung nicht viel zu sagen hat. „Der hat ja nun mal keine Ahnung von Dekoration oder Musik!“ Der Höhepunkt war dann eine Frau, die mit ihrem Mann schon zwei Kinder hatte – eines davon war ein Säugling – und ihn bestürmte, noch ein drittes zu zeugen. „Ja, ich weiß, wir sind grad mit dem Winzling so beschäftigt, aber ich will doch so gern eine Prinzessin!“ Ich hoffe, der Mann merkt noch rechtzeitig, dass er die Prinzessin bereits im Haus hat, wenn ihr versteht, was ich meine.

Und dann gab es noch ein ganz komisches Erlebnis. Mein Mann hat einmal gesagt, dass manche Frauen nur um der Hochzeit willen heiraten wollen. Daran musste ich denken, als ich im Forum von einer Frau las, deren Mann ihr drei Wochen nach der Hochzeit gestand, dass er sie auf dem Junggesellenabschied im besoffenen Zustand mit einer Prostituierten betrogen hatte. Sie schrieb davon, wie sehr sie das verletzt hatte – um nahtlos von den Planungen der Flitterwochen zu berichten. Was sollte das denn bitte? Wenn mein Partner so was mit mir anstellt, dann denke ich doch nicht mehr daran, mit ihm in die Flitterwochen zu fahren. Oder ich gebe gleich offen zu, dass ich das Ganze nur gemacht habe, um mich einen Tag lang wie eine Königin zu fühlen. Versteht ihr das?

Mit ratlosen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Der eine oder andere fragt sich jetzt vielleicht, warum ich über so etwas Irrelevantes geschrieben habe. Ich komme aber einfach nicht damit klar, dass manche Frauen wegen Kleinigkeiten so austicken und ihre Partner so respektlos behandeln.

Bedeutungsschwanger, Teil 8

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Eine Tasche war an mein Bett gelehnt. Ein Post-it klebte an ihr.
Hey, Sara, ich hab dummerweise vergessen, meiner Kommilitonin ihre Bücher wiederzugeben. Jetzt muss ich zum Zahnarzt. Könntest du sie ihr bitte vorbeibringen? Sie wohnt in der Franziusstraße 24! Vielen Dank! Anna.
Ich öffnete die Tasche. Darin war unter anderem ein Buch über Impressionismus. Ich sah prüfend auf die Uhr, dann hing ich mir die Tasche um, nahm Schlüssel, Handy und Portmonee an mich und verließ die WG wieder.
Die Sonne hatte sich vom Brennen aufs Lachen verlagert, die Vögel zwitscherten. Es war ein schöner Tag. Dennoch fehlte mir irgendetwas.
Auf einmal fühlte ich mich richtig leer. Paare liefen auf den Straßen und genossen den Sommer, ein ins Handy quatschender Typ lief sonnenbebrillt und lachend an mir vorbei, alle freuten sich des Lebens. Nur ich nicht. Dabei war es doch so schön. Mir fehlte etwas.
Ich hatte, bevor ich losgelatscht war, nicht auf den Stadtplan gesehen. Das erklärte auch, warum ich eine Art Déjà-vu hatte, als ich an der angegebenen Adresse ankam. Die Gegend kam mir nämlich äußerst bekannt vor. Ratlos stand ich vor dem Haus Franziusstraße 24 und versuchte, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Ich war noch nie eine gute Puzzlerin gewesen. Plötzlich ertönte über mir ein Geräusch. Ich zuckte zusammen und schaute nach oben. Ein Fenster schloss sich. Mir war, als hätte ich da oben eine Person gesehen, die ich kannte, jedenfalls waren die braunen Haare suspekt. Von irgendwoher hörte ich einen lauten Schrei und auf einmal hörte ich ein Lied. Ein Lied aus der Vergangenheit, und dann auch wieder nicht. Mit einem Mal fielen mir meine Riesentomaten von den Augen.
Tonight we drink to youth
And holding fast to truth
I don’t wanna lose what I had as a boy
My heart still has a beat
But love is now a feat
As common as a cold day in L.A.
Ich lief los, zwei Mal links, einfach eine Straße weiter, und in das Haus rein. Geradewegs auf den Probenraum zu.
Das Lied wurde noch bis zu Ende gespielt. Alle standen auf der Bühne. Und Lukas sang so intensiv wie noch nie. Während des Liedes stiegen mir fast die Tränen in die Augen. Aber die Genugtuung wollte ich Teilen der Musikanten nicht geben.
Als der Song zu Ende war, verließen alle den Raum.
Alle außer Kiki.
Sie ging auf mich zu. „Was soll das Ganze hier? Bin ich in einem billigen Film gelandet oder was? Und was willst du bitte von mir?“
„Dir erklären, dass das alles meine Schuld ist. Lukas hatte keine Ahnung, was ich vorhatte. Ich hab wieder Gefühle für ihn entwickelt und gehofft, dass es ihm genauso geht. Aber das stimmt nicht. Er liebt nur dich.“
„Ach ja? Und wieso sagt er mir das nicht selbst?“
„Schien nicht so, als würdest du das noch wollen.“ Sie zuckte die Schultern und packte ihr Instrument ein. „Ich hab alles gesagt, was ich sagen wollte.“ Und weg war sie. Ich hoffte stark darauf, sie nie wiedersehen zu müssen.
Eine Zeitlang stand ich hilflos im Raum herum. Dann kam Lukas herein.
Er sah mich an.
Ich sah ihn an.
„Hat sie mit dir gesprochen?“
Ich nickte.
„Glaubst du mir jetzt, dass ich nur dich liebe?“
Ich nickte wieder.
Und ganz langsam wurde mir klar, was mir gefehlt hatte.

Total aufgeregt saßen wir in der Kirche. Auf der einen Seite meine Familie, auf der anderen Seite Geros Familie. Es war wirklich interessant, so viele neue Gesichter zu sehen. Fasziniert stellte ich fest, dass Geros Mutter genauso aussah wie er. Sie hatte die ganze Zeit ein Taschentuch dabei, von dem sie auch oft Gebrauch machte. Darin ähnelte sie wiederum der Brautmutter sehr.
Heute Vormittag hatte die standesamtliche Hochzeit stattgefunden. Ich konnte mich noch genau daran erinnern, wie ich als Grundschulkind dazu gezwungen wurde, einer anderen Familienhochzeit beizuwohnen. Damals hatte ich es sehr langweilig gefunden und irgendwann sogar begonnen, laut zu singen. Meine Mutter hatte mir schnell den Mund zugehalten.
Jetzt hingegen… ich freute mich unheimlich, an diesem Tag dabei zu sein und meine Schwester dabei zu begleiten, wie sie sich in ein neues Leben aufmachte. Und in einen neuen Nachnamen.
Und jetzt waren wir alle in der Kirche versammelt und warteten darauf, dass Lea in ihrem wunderschönen Brautkleid einlief. Meine Eltern, Oma, die Clique, Lukas und ich saßen ganz vorne. Ich war froh, nicht allein da zu sein.
Schließlich kam Lea. Sie sah so wunderschön aus, dass die Mütter jeweils noch ein paar Extratränen verdrückten.
„Gero, willst du Lea Maria…“
Ihr ganzer Vorname, der normalerweise nie erwähnt werden durfte. Ich konnte sehen, dass Lea ganz leicht die Augen verdrehte.
„…lieben und ehren, in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod euch scheidet?“
Glücklich lächelte der Angesprochene. „Ja, ich will.“
„Lea, willst du Gero lieben und ehren, in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod euch scheidet?“
„Ja, ich will.“ Jetzt war es an ihr, zu lächeln.
Die Ringe wurden ausgetauscht. „Falls irgendeiner der hier Anwesenden einen Grund weiß, weswegen diese Trauung nicht stattfinden sollte, so möge er jetzt sprechen oder für immer schweigen.“
Natürlich hatte niemand einen Einwand. Obwohl ich deutlich sehen konnte, wie Mamas Wangen feucht glitzerten.
„Kraft des mir verliehenen Amtes“, rief der Pfarrer, „ernenne ich euch hiermit zu Mann und Frau. Du darfst die Braut jetzt küssen.“
Daraufhin folgte ein Kuss, wie ich ihn länger und schöner noch nie gesehen hatte. Alle applaudierten. Ich ganz besonders laut.
Nach der Trauung, als wir die Kirche bereits alle verlassen hatten, hieß es auf einmal: „Alle unverheirateten Frauen hierher!“ Es versammelten sich also Anna, Kati, diverse weibliche Wesen aus zwei nun verbundenen Familien und ich vor der Kirche. Mit großem Hallo warf Lea also den Strauß hinter sich. Ich betete, dass es nicht mich traf.
Vergebens. Alle applaudierten, Geros Tante kam auf mich zu und kniff mir in die Wangen mit den Worten: „Na, du bist also als Nächstes dran, was?“ Das konnte ich zwar nicht ausschließen, aber wenn, dann würde es noch sehr, sehr lange dauern. Und ich wusste genau, dass Lukas derselben Meinung war.

Laute Musik. Unmengen an Torte und Getränken. Ein großer Teil davon alkoholisch. Bunt durcheinandergemischt saßen die Gäste an den Tischen, unterhielten sich miteinander, tanzten oder wurden ihre ganz persönlichen Glückwünsche an das Brautpaar los. Auch ich ging irgendwann auf Lea und Gero zu.
„Ich wünsche euch beiden alles Gute! Lea, ich finde, du hast einen tollen Mann geheiratet“, sagte ich und umarmte meine Schwester. „Gero, ich finde es toll, dass du jetzt zu unserer Familie gehörst!“ „Ich auch“, antwortete mein frisch gebackener Schwager und lächelte Lea an.
Da wurde mir von hinten auf die Schulter getippt. Es war Freddy. „Hey, was gibt’s? Du siehst in deinem Anzug übrigens ziemlich umwerfend aus, wenn ich das mal so sagen darf!“
Freddy lächelte verlegen. „Oh, klar darfst du. Vielen Dank. Was ich fragen wollte: Hast du Anna gesehen? Ich wollte mit ihr noch was besprechen.“
Ich verneinte. „Aber wir können sie ja zusammen suchen. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei.“
Es dauerte einige Zeit, bis wir sie auf der hintersten Ecke der Tanzfläche fanden, Arm in Arm mit Kati.
„Hey, Anna! Ich, äh, wollte dir Aurélies Schlüssel zurückgeben.“
„Vielen Dank. Habt ihr Lust, kurz nach draußen zu gehen?“, fragte Anna. „Ich brauche frische Luft.“
Draußen wehte ein laues Lüftchen, die Sterne funkelten. Die Arme über einander gelegt, hockten wir auf einem Fenstersims und starrten in die Nacht.
Wir redeten nicht viel. Wenn man wirklich gut miteinander befreundet ist, muss man das auch nicht. In ihren Gedanken haben alle dasselbe und wissen genau, was der andere meint oder denkt.
„Ich finde es einfach toll, dass ihr euch gefunden habt“, meinte Freddy nach einer Weile.
„Meinst du wirklich?“
„Ja, wirklich. Bei euch sieht man sofort, dass was Tolles draus wird.“
Wortlos umarmten wir uns.
Da ich ein dringendes Bedürfnis verspürte, ging ich auf die Toilette. Eine Weile saß ich einfach nur in der Kabine, bis ich plötzlich von draußen Schmerzensschreie hörte. Ich schaute schnell nach, wer da war.