RSS-Feed

Schlagwort-Archive: brauch

Lange Nacht der Kirchen

Veröffentlicht am

Ich habe die Lange Nacht der Kirchen, die gestern in meiner Heimatstadt stattfand, genutzt, um mir die serbisch-orthodoxe Kirche anzusehen. Das Erste, was mir auffiel: Der unglaubliche Geruch nach Weihrauch. Viel stärker als in der katholischen Kirche. Die junge Frau, die uns durch die Kirche führte, erzählte uns, dass Weihrauch sehr wichtig in der Orthodoxie sei.

Die Führung fing in der Krypta an. Dort kommen die Überreste von Menschen hin, deren Gräber auf dem Friedhof aufgelöst wurden (übrigens kommen manche auch von weit her hierhin), und sie bleiben für immer und ewig da unten. Die Krypta ist erst zur Hälfte gefüllt. Ich habe versucht, die Namen und Orte auf den Gräbern zu entziffern. Da ich Kyrillisch lesen kann, ging das einigermaßen. Es waren viele serbische Kriegsgefangenen dabei, die in der Krypta haben den Krieg aber alle überlebt.

*kleiner Geschichts-Exkurs*

1960 wurde beschlossen, diese Kirche zu bauen, in Gedenken an die Opfer des Bombenangriffs vom 6. Dezember 1944 – bei dem tragischerweise viele Kriegsgefangenen ums Leben kamen –, aber auch an alle übrigen Opfer des Zweiten Weltkrieges. 1964 bekam die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde von der Stadt ein Grundstück geschenkt und fing an zu bauen. Die Spenden dafür kamen aus der ganzen Welt. 1975 bis 1977 kam die Krypta dazu, die als letzte Ruhestätte besonders für die in der Stadt und Umgebung verstorbenen Offiziere und Generäle dienen sollte. Die Kirche und die Krypta stehen unter Denkmalschutz.

Mit dem Offizierslager Oflag VI C fing das serbische “Leben” in der Stadt an. Es wurde im April 1941 errichtet. Der erste Gottesdienst fand am Tag des Heiligen Georg statt, daher ist er auch der Namenspatron der Kirche. Zunächst fanden die Gottesdienste unter freiem Himmel statt, dann in den Lagerbaracken. 1947 übernahm die britische Armee die serbischen Emigranten in ihre Dienste. In den 50er Jahren siedelten sich immer mehr Serben in der Stadt an, so wurde schließlich eine Kirche gebraucht. Bevor es sie gab, mussten die Gläubigen ihren Gottesdienst in einem Kellerraum feiern.

*Geschichts-Exkurs Ende*

Nicht nur der Weihrauch ist anders als in “unseren” Kirchen. Es gibt, zumindest in den Gebäuden, die bereits als orthodoxe Kirchen gebaut wurden, keine Bänke und die Gläubigen, die nicht gerade alt oder schwanger sind, müssen stehen. Und das ist nicht leicht, denn die Gottesdienste sind mit anderthalb Stunden (an Ostern können es auch mehrere Stunden werden) länger als bei “uns”. In der Kirche gab es eine sehr schöne Ikonenwand, von der ich einige Fotos gemacht habe, und viele Fresken. Wenn ich die Führerin richtig verstanden habe, gleichen sich die verschiedenen orthodoxen Kirchen mehr oder weniger, nur dass man z.B. in einer russisch-orthodoxen Kirche andere Nationalheilige finden dürfte. Apropos: Russisch- und georgisch-orthodoxe Gläubige haben in der serbisch-orthodoxen Kirche eine “Unterkunft” gefunden. Daher gibt es dort regelmäßig Gottesdienste auf Russisch und Georgisch. Die Führerin meinte dazu, dass Georgisch ihrer Meinung nach einen sehr interessanten Klang habe. So als würde ein Deutscher Serbisch hören.

Wir hatten auch die Gelegenheit, kurz mit dem Priester zu sprechen. Der muss übrigens immer ein Mann sein, und zwar entweder verheiratet oder Mönch. In der Kirche ist es auch so, dass Frauen und Männer getrennt stehen – Frauen auf der Seite der Ikonenwand mit Maria und Männer auf der anderen. (Da war auch eine bestimmte männliche Ikone, ich muss aber gestehen, dass ich nicht mehr weiß, wer da abgebildet war.)

Ich fand es sehr interessant, diese Kirche mal von innen betrachten zu können, und freue mich, dass es so etwas wie die Lange Nacht der Kirchen gibt. Im nächsten Jahr werde ich wieder teilnehmen und mir dann noch mehr ansehen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Religionsfeinde bitte weitergehen

Veröffentlicht am

Ich habe gesagt, dass die Bibel miserabel geschrieben ist. Ich habe gesagt, dass ich nie wieder eine Kirche betrete, wenn’s nicht unbedingt sein muss. Ich habe gesagt, ich sei gottlos. Ich habe gesagt, ich sei Agnostikerin. Und mittlerweile denke ich nichts mehr davon. Wisst ihr, wie komisch man sich fühlt, wenn man auf einmal merkt, dass nichts mehr stimmt?

In den letzten Wochen hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Ich fragte mich, ob da nicht doch etwas ist. Und dann passierte etwas sehr Merkwürdiges. Auf einmal war da eine innere Stimme, die mir sagte, wohin es geht. Erst leise, dann immer lauter. Ich konnte nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken. Ich sah Kopftuchträgerinnen auf der Straße und dachte: “Die wissen etwas, was ich nicht weiß.” Ursprünglich wollte ich mich noch viel länger mit unterschiedlichen Religionen beschäftigen. Dann besuchte ich einen Gesprächsabend der Evangelischen Studierendengemeinde. Und auf einmal sagte mir die Stimme ganz deutlich, wohin ich gehen soll. Nachdem ich einen Online-Glaubenskurs der Evangelischen Kirche in Deutschland mitgemacht und mit dem Pastor der für mich zuständigen Gemeinde aufgenommen habe, bin ich mir sicher: Ich möchte mich evangelisch taufen lassen.

Nach meinem Outing habe ich gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Der Pastor, mit dem ich gesprochen habe, ist sehr offen und interessiert. Er beantwortet mir Glaubens- und Bibelfragen und hört mir zu. Auch die Gemeinde an sich scheint recht offen zu sein. Es gab dort bereits queere Gottesdienste. Mir wurde eine bestimmte Ausgabe der Bibel nahegelegt, genauer gesagt, des Neuen Testaments plus Psalmen. Sie ist sehr gut (beim Shop bestelle ich aber nicht mehr – lange Lieferzeit, keine Versandmail). Der Text ist sehr einfach gehalten und an den Seitenrändern stehen Worterklärungen. Es gibt sogar Themenseiten – so was habe ich immer gesucht. Wer mehr darüber wissen will: http://www.basisbibel.de/home/ Und was den Inhalt angeht: Mittlerweile habe ich festgestellt, dass in der Bibel zwar viel Mist steht, aber auch sehr viele schöne Geschichten – stellvertretend sei hier die Geschichte vom verlorenen Sohn genannt.

Nicht alle sind so offen, wenn man sich einer Religion zuwendet. Das stellte ich fest, als ich auf der Suche nach Taufpaten meine Großmutter anrief – eine der wenigen evangelischen Menschen, die ich kenne, und wir stehen uns an sich relativ nahe. Doch als ich sie fragte, ob sie meine Patin werden möchte, war sie nicht gerade begeistert. Der Tenor war: Sie würde es zwar machen, fragte mich aber, ob ich mich da nicht in was verrenne, und ich müsse dann ja auch Kirchensteuer bezahlen. Mein Opa tat das Ganze gleich als Quatsch ab. Ich hoffe, dass sie ihre Meinung irgendwann ändern. Vielleicht brauchen sie einfach nur etwas Zeit.

Ich bin schon gespannt, wie meine Eltern reagieren. Am Sonntag fliege ich wieder zu ihnen. Als ich Weihnachten 2011 das letzte Mal da war, hat mein Freund am Gottesdienst in der Deutschen Kirche teilgenommen. Dieses Mal komme ich einfach mit.

Viele sind der Meinung, dass man keine organisierte Religion braucht, und ich kann das sehr gut verstehen. Ich möchte aber am Gemeindeleben teilnehmen (Gottesdienste, Chor etc.) und das Ritual der Taufe ist mir sehr wichtig. Viele Menschen haben ja so ihre Probleme damit, der Kirche anzugehören, weil dort vieles einfach nicht stimmt. Ich bin aber der Meinung, dass man trotzdem einer Kirche angehören kann. Ich bin kein Andreas Englisch, der x Sachen nennt, die in der katholischen Kirche nicht stimmen, und dann trotzdem den Papst über den grünen Klee lobt. Aus dem Grund trete ich auch nicht der katholischen, sondern der evangelischen Kirche bei.

Und um das noch mal abschließend festzustellen: Ich trete der evangelischen Kirche nicht wegen einer kirchlichen Hochzeit bei und auch nicht, weil ich mir dadurch irgendwelche Vorteile bei der Jobsuche oder Ähnlichem verschaffen will. Ich tue das, weil ich glaube. Und aus diesem Grund macht es mir auch nichts aus, dass ich irgendwann mal Kirchensteuer bezahlen muss. Es geht an etwas, das ich glaube.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Es weihnachtet sehr

Veröffentlicht am

(Reaktion auf diesen Eintrag: http://nightfallrowen.wordpress.com/2013/12/15/rowen-beim-weihnachtsmarkt/)

Normalerweise kann man an Sonntagen ja nicht viel machen. In der Weihnachtszeit sieht das aber etwas anders aus und so nutzte ich meine freie Zeit, um zusammen mit Rowen und meinem Freund in die größte Stadt Niedersachsens zu fahren.

Auf dem Weihnachtsmarkt, der rund um die Marktkirche angesiedelt ist, aß ich ein leckeres fleisch-, knoblauchsoßen- und zwiebelgefülltes Brötchen. Danach gingen wir in die Marktkirche. Das Gebäude sieht schon von außen toll aus. Dazu kommt noch, dass die Kirche im Gegensatz zu vielen anderen evangelischen Kirchen jeden Tag geöffnet ist. Also nichts wie rein.

Ich bin nicht so oft in großen Kirchen, von daher war ich ziemlich beeindruckt, als ich in der Marktkirche stand. Sie sieht insgesamt sehr schön aus. Hier ein Bild, das ich von den Kerzen gemacht habe (ein Brauch, den ich sehr gern mag):

Kerzen in der Marktkirche

Als Nächstes besichtigten wir die Gedenkstätte Aegidienkirche. Früher war das mal eine Kirche, bis sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Seitdem stehen die Überreste als Mahnmal da. Es war ziemlich bedrückend.

Gedenkstätte Aegidienkirche 7

Danach gingen wir zurück zum Weihnachtsmarkt, wo ich ein paar Vanillemandeln aß und meine Freunde ein wenig heißen Met tranken. Ich durfte davon probieren. Nicht zu empfehlen. Ach ja: Der Rechner, der auf Rowens letztem Bild zu sehen ist, ist meiner. Smiley mit geöffnetem Mund

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kitschi hat ferngesehen

Veröffentlicht am

(Juhu, “Kitschi” wird von der Windows-Live-Writer-eigenen Rechtschreibkontrolle als falsch angestrichen.)

Vor genau zwei Wochen saß ich schon einmal gegen viertel nach acht vorm Fernseher, um “Vorfahren gesucht” einzuschalten. Damals ging es um die Kelly-Family. Ich war höchst interessiert, als ich erfuhr, dass es zwei Wochen später eine Sendung mit Hugo Egon Balder geben würde, also schaltete ich erneut ein.

Man hat viele interessante Sachen über die Familie des Entertainers erfahren. Und die Geschichte der Familie Balder ist alles andere als schön. Seine Großmutter, seine Eltern, seine Brüder und die erste Frau seines Vaters wurden von den Nazis verfolgt, weil sie jüdisch bzw. mit einer Jüdin verheiratet waren. Letztgenannte Person ist in einer Nervenheilanstalt gestorben. Die Großmutter, die Mutter und ein Bruder waren in Theresienstadt (und haben Gott sei Dank überlebt).

Es war sehr merkwürdig, in Bezug auf den Menschen, der einen jahrelang in einer Comedy-Ratesendung mit seinen Witzen unterhalten hat, mit solch einem ernsten Thema konfrontiert zu werden. Balders Großmutter liegt auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee, über den ich, als ich im Sommerlager war, eine interessante Dokumentation gesehen habe. Die Verwandten konnten der Beerdigung damals nicht beiwohnen aufgrund der Berliner Teilung (es war kurz nach dem Mauerbau). Als Hugo Egon Balder auf dem Friedhof das Grab seiner Oma suchte, erzählte der Sprecher auch, woher der Brauch mit den Steinen auf dem Grabstein kommt – früher wurden die Grabhöhlen mit Steinen verschlossen. (Wie bei Jesus.) Ich wollte immer schon mal wissen, woher der Brauch kommt. Ich finde ihn gut.

Bevor es an die Familienforschung ging, wurde über den Mann, der seine Familiengeschichte erforschen wollte, berichtet. Herr Balder ist ja im Besonderen bekannt für seine Sendung Tutti Frutti. Er sagte darüber: “Heute würde sich dafür keiner mehr interessieren. Solange keine Hartz-IV-Empfänger vorgeführt werden, ist das doch nicht interessant.”

Ich fand die Sendung sehr interessant und kann sie, falls der eine oder andere eventuell vorhat, sie in der Mediathek zu gucken, nur empfehlen.

Mit nachdenklichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ein ganz besonderer Geburtstag

Veröffentlicht am

Vor 2011 Jahren wanderte ein Pärchen durch die Wüste und brachte in einem Stall ein Kind zur Welt, und weil das Baby ein ganz besonderes Baby war, wird dessen Geburtstag heute noch gefeiert, nicht nur von denen, die an die Existenz dieses Babys glauben und die Ursprungsbedeutung scheint vielen nicht mehr bekannt zu sein.

Media Markt wirbt mit dem Slogan „Weihnachten wird unterm Baum entschieden!“, und wenn ich mitbekomme, wie viel Geld Leute an Weihnachten raushauen, wird mir schwindelig. Nicht umsonst habe ich eine Zeitlang Weihnachten nur als Konsumfest bezeichnet. Vor einigen Jahren habe ich im Fernsehen eine Dokumentation über eine Familie aus Nordrhein-Westfalen gesehen. Der Sohn weigerte sich, mit in die Kirche zu kommen, und antwortete auf die Frage seiner Mutter, was er denn an Weihnachten feiere, mit: „Den Konsum!“ Bei vielen scheint es so zu sein.

Es ist aber auch immer interessant, zu sehen, wie unterschiedlich Leute Weihnachten feiern. Vor ein paar Tagen war im WDR die Dokumentation „Meine Kindheit in der Weihnachtszeit“ zu sehen. Befragte Zeitzeugen waren Verwandte verschiedener Prominenter sowie eine Muslima. Die Schwester von Trude Herr berichtete, wie auch in ihrer armen Familie versucht wurde, das ganz besondere Wiegenfest besonders zu gestalten, der Enkel von Konrad Adenauer hatte opulente Weihnachten, sollte aber auch immer irgendwas auswendig lernen und die Tochter eines türkischen Gastarbeiters hat ihr erstes „deutsches“ Weihnachten erst vor fünf Jahren gefeiert, aber immer einige Bräuche rund ums Fest mitgekriegt.

Die eigene Religion hat aber nicht immer was mit der Art der Feier zu tun. Eine meiner Klassenkameradinnen ist muslimisch und feiert kein Weihnachten. Ich bin „gottlos“ und tue es. Die Mutter meines Freundes (katholisch) wollte von mir wissen, wie ich denn Weihnachten feiern könnte, ich sei ja schließlich nicht christlich. (Die Übernahme fremder Bräuche bei Festen ist doch durchaus üblich, Ostern hat ja beispielsweise auch heidnische Wurzeln.) Ich habe dann erklärt, dass in unserer Familie Weihnachten als Fest der Liebe gefeiert wird und dass es im Prinzip genauso ist wie bei ihnen, nur ohne Bibellesung und Kirchbesuch.

Letztes Jahr war ich aber tatsächlich an Heiligabend in der Kirche (auch wenn das eher damit zu tun hatte, dass mein Freund an dem Abend Lektor war). Das wird sich jedoch sicher nicht wiederholen. Ich habe in diesem Jahr sehr viel über den christlichen Glauben und mein Verhältnis zur Kirche nachgedacht und ich will definitiv keine Kirche mehr betreten, wenn es nicht unbedingt sein muss. Eigentlich dürfte ich ja nicht mal herein, und selbst wenn ich es dürfte, müsste ich die Klappe halten:

In die Versammlung des Herrn darf kein Bastard aufgenommen werden, auch in der zehnten Generation dürfen seine Nachkommen nicht in die Versammlung des Herrn aufgenommen werden. (5. Mose 23,3)

Wie es in allen Gemeinden der Heiligen üblich ist, sollen die Frauen in der Versammlung schweigen; es ist ihnen nicht gestattet zu reden. (1. Korinther 14,33-34)

Bis vor zwei Jahren sahen meine Weihnachten immer so aus: Um achtzehn Uhr ist Bescherung, danach gibt es Kartoffelsalat mit Bockwurst und dann sitzt man unterm Weihnachtsbaum, bewundert seine Geschenke und lässt den Fernseher laufen. Irgendwann verziehe ich mich dann aufs Zimmer, futtere einen Großteil der Weihnachtssüßigkeiten und befasse mich mit meinen Geschenken (zumindest dann, wenn es Bücher oder Ähnliches sind). Außerdem wird über die drei Weihnachtsfeiertage pausenlos Weihnachtsprogramm geguckt. Ich war total begeistert, als ich entdeckt habe, dass es die Weihnachtsfolge von Heinz Becker auch auf Youtube gibt:

2009 haben es meine Eltern nicht nach Deutschland geschafft, weil sie mittlerweile in Schweden leben und es das dortige Wetter zu der Zeit nicht zuließ. 2010 war ich die letzten paar Tage des Jahres bei meinen Großeltern und hab sie dort getroffen. Dieses Jahr nun werde ich mit meinem Freund nach Stockholm fliegen und meine dort in der Nähe lebenden Eltern besuchen. Bin schon gespannt, wie es dort wird. Auf jeden Fall wird es eine recht internetfreie Zeit und ich werde höchstens mal meine E-Mails checken. (Was in der Zeit auf Twitter alles los sein wird…) Also, bis dann und schöne Feiertage.

Mit weihnachtlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 5 & Ich darf wählen

Veröffentlicht am

http://www.bildblog.de/32950/er-hat-jude-gesagt/

Ich war schon immer der Meinung, dass die Vergangenheitsbewältigung der Jahre 1933 bis 1945 hierzulande nicht so gut geklappt hat. Von beiden Seiten. Jetzt ist in Bremen etwas ziemlich Ungeheuerliches passiert. Ein Bremer CDU-Politiker hatte vor kurzem ein Fastenbrechen veranstaltet, zu dem natürlich mehrheitlich Muslime, aber auch andere Personen geladen waren. Viele Vertreter der örtlichen Partei fanden dies nicht so toll. Malte Engelmann, der Vorsitzende der Jungen Union in Bremen, hat dies in einem Blogartikel kommentiert, der folgendermaßen überschrieben war (natürlich ironisch, und deswegen besonders treffend):

DEUTSCHE! Kauft nicht beim Juden!!! Äh, ich mein: HEIKO!!! Koch nicht für den Muselmann!!!

Mit „Heiko“ ist der das Fastenbrechen veranstaltende Politiker gemeint. Ich weiß nicht, ob die Öffentlichkeit einfach zu dumm ist, um Ironie zu erkennen, oder ob sie dem nationalen Berufsbetroffenheitsclub beigetreten sind. Vom Weser-Kurier bis zum Fraktionsvize regten sich jedenfalls alle so auf, dass Herr Engelmann von seinen Ämtern zurücktreten musste.

Medien sowie Politiker frage ich: Was läuft bei euch falsch? Es ist doch offensichtlich, dass Malte Engelmann keine „Nazi-Parolen“ (Zitat Weser-Kurier) verbreiten wollte, sondern die kritische Haltung zum CDU-veranstalteten Fastenbrechen kritisierte. Was soll das bitte?! Und nicht nur, dass man sich sofort wieder wie auf Kommando empört, sobald jemand „Jude“ sagt, es wird auch noch realitätsverfälschend berichtet. Oben erwähntes Medium ließ den zweiten Teil der Blogüberschrift nämlich einfach weg. Da brauchen ein paar Leute offensichtlich Nachhilfe in Ironie. Einige auch noch in vernünftiger Berichterstattung.

Und jetzt zum zweiten Teil meines Blogeintrags. (Ja, es ist ein harter Eintrag für all die Politikverdrossenen unter meinen Lesern, haha. Und das ist gut so.) Ich habe ja schon mal erwähnt, dass ich offiziell bei meiner Oma wohne. Und das bedeutet, dass ich gestern 1.) Briefwahl machen und 2.) dabei gleich sechs Zettel ausfüllen durfte. Die da wären:

– 2 Wahlscheine

– 1 Stimmzettel für die Wahl zum mecklenburg-vorpommerschen Landtag

– 1 Stimmzettel für die Kreistagswahl

– 1 Stimmzettel für die Landratswahl

– 1 Stimmzettel für den Bürgerentscheid zum Thema „Name für den Landkreis, der vorläufig ‚Mittleres Mecklenburg‘ heißt“

Ganz schön viel. Und ich hab alles ausgefüllt und in die passenden Umschläge sortiert, was nicht ganz einfach war. Aber ich wäre ja schön blöd, wenn ich auf die Wahl verzichten würde. Ich habe übrigens keine rechtsextremistischen Parteien gewählt, wie ich hier mal deutlich betonen möchte. Und ich möchte hiermit alle auffordern, das auch nicht zu tun. Wählt weder NPD noch Republikaner. Ich liefere mir gerade auf Twitter ein Gespräch mit einem… argh… verdammten Klappspaten, der der Meinung ist, NPD sei ja viel besser als der Rest. Wie kann man nur so dumm sein?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin