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Schlagwort-Archive: bundestag

Libanesen, die Sowjetunion und Schwule

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Am Dienstagmorgen sah ich im Rahmen einer Seminarssitzung den Film “Neukölln unlimited”. Ziemlich harter Tagesbeginn. Nach dem Film war ich wütend auf ganz schön vieles. Ich war wütend auf die Leute, die zuließen, dass mit der Familie Akkouch so umgegangen wird. Sie müssen teilweise immer noch damit rechnen, dass sie zurück in den Libanon abgeschoben werden, obwohl sie das Land kaum kennen. Die überraschende Abschiebung 2003 hat bei der Familie sowohl seelische als auch körperliche Schäden hinterlassen (eine der Töchter bekam Bulimie). Ich war wütend auf Maradona, weil er mit seinen idiotischen Aktivitäten die Integrationsbemühungen seiner Familie torpedierte. Und ich war wütend auf mich selbst, weil ich so ein tolles Leben habe und mich trotzdem total oft darüber beschwere. Jeder, der es gut hat, hat die verdammte Pflicht, aus seinem Leben etwas zu machen. Und sich für andere einzusetzen.

Der Tag ging aber ganz gut weiter. Zu Hause konnte ich eine gebrauchte Ausgabe von “Küche totalitär” in Empfang nehmen. Mein Lieblingsautor (Wladimir Kaminer) und seine Frau haben eine unterhaltsame Mischung aus Geschichten über diverse Völker der ehemaligen Sowjetunion und interessanten Kochrezepten zusammengestellt. Ich bin schon fast durch und kann das Buch nur weiterempfehlen. In meiner Buchausgabe steckten übrigens ein FAZ-Artikel aus dem Jahr 2007, der sich mit Kaminer befasst, und eine Postkarte. Eine Frau mit altdeutschem Namen schreibt an eine andere, dass sie es schade findet, dass sie nicht zu ihrer Geburtstagsfeier kommen kann. Die Postkarte ist nicht frankiert und wurde am 8. Juni 2006 in Bochum geschrieben. Ich mag gebrauchte Bücher. Sie haben eine Seele.

Am Mittwoch habe ich immer nur eine Veranstaltung, die mir aber sehr gut gefällt: “Biografien von Migranten der ersten Generation und ihrer Kinder”. Die gestrige Sitzung beinhielt eine Präsentation über die Familie eines Kommilitonen, die aus Rumänien geflüchtet war. Einer der Präsentatoren holte etwas aus und erzählte etwas zur Geschichte des Heimatortes. Er sah sich ernsthaft dazu gezwungen, zu erklären, was die Habsburger sind. Wer das nicht weiß, sollte an einem solchen Seminar nicht teilnehmen dürfen. Ansonsten war die Präsentation aber sehr gut gemacht. Und es war sehr bedrückend, was man dort erfahren hat. Schreckliche Zustände in Rumänien, mal wieder deutsche Behörden, die einem das Leben schwer machen (und das trotz in diesem Fall vorhandener Deutschstämmigkeit), und familiäre Dramen rund um die Flucht. Es ist außerdem immer wieder interessant, was für Geschichten hinter Menschen stecken, die man kaum kennt. Ich finde gut, dass so was im Unibetrieb Platz hat.

Die Dozentin dieser Veranstaltung hat lange Zeit Einwandererkinder in Deutsch unterrichtet und im Verlauf dieser Tätigkeit unheimlich viel erlebt. Unter anderem folgende Geschichte, die ich gern mit euch teilen möchte: Ein bosnischer Junge fragte einen srilankischen Jungen, wer denn bestimme, ob er als Blume, Hund oder Mensch wiedergeboren werde. Antwort: “Vielleicht derselbe, der bestimmt, ob du in den Himmel oder die Hölle kommst.” Kinder…

Heute Morgen habe ich mich ziemlich geärgert. Zunächst ist etwas eigentlich sehr Schönes passiert: Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich als schwul geoutet. Aber dann las ich (eigentlich wollte ich für etwas ganz anderes recherchieren) auf einer FDP-Seite, dass Westerwelle sagte, das Coming-out von Hitzlsperger verdiene größten Respekt. Sagt der Mann, der seinen Lebenspartner nicht auf eine Auslandsreise mitnahm, weil irgendein islamistischer Staatschef dagegen war, auf eine E-Mail-Aufforderung meinerseits, in punkto Putin Farbe zu bekennen, mit einer Wischi-Waschi-Mail antwortete und sich bei einer wichtigen Abstimmung zur Gleichstellung von Lebenspartnerschaften enthielt. Von dem Mann habe ich nichts zu erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Nach dem Rechten sehen

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Wahlen sind eine der wenigen Möglichkeiten, die man als Bürger hierzulande noch hat, wenn es darum geht, mitzugestalten, und ich nehme diese Möglichkeit gerne wahr. Deswegen habe ich heute per Brief gewählt. Als ich den Umschlag mit den angeforderten Unterlagen öffnete, war ich erst mal total überfordert. So viele bunte Zettel und Umschläge! Aber als ich die Anleitung gefunden hatte, ging alles ganz leicht. Zusätzlich zum Bundestag durfte ich auch einen Landrat wählen. Da ich keine Ahnung hatte, dass diese Wahl angesetzt war, wusste ich auch zunächst nicht, wen ich wählen sollte, und habe erst mal alle Kandidaten gegoogelt. Bei den meisten habe ich nicht mal herausfinden können, wofür sie eigentlich stehen. Aber ich habe dann doch jemanden gefunden.

Wählen ist bekanntlich wie Zähneputzen: Wenn man’s nicht macht, wird’s braun. Leider gibt es Leute, bei denen es quasi so oder so braun wird. Und sie hängen fleißig Wahlplakate auf. Ich möchte mich am liebsten übergeben, wenn ich diese menschenverachtenden NPD-Wahlplakate sehe. (Unverständlich auch die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Kassel, dass die Teile nicht den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen: http://www.publikative.org/2013/09/15/kz-gedenkstaette-erstattet-anzeige-gegen-npd/) Ich freue mich immer, wenn sie verschwinden. Vor der Grundschule, in die mein Freund vor Ewigkeiten mal gegangen ist, hingen zwei Teile, die sind jetzt weg. Ich freue mich auch sehr über kreative Aktionen gegen NPD-Wahlplakate. Eine besonders schöne Idee findet man hier:

http://www.kaputtmutterfischwerk.de/?p=4157

In der Stadt meines besten Freundes gab es diese tolle Aktion:

http://www.ruhrbarone.de/giessen-meine-oma-mag-auch-sinti-und-roma/

Wo ich gerade von meinem besten Freund sprach: Übernächstes Wochenende werde ich es zum ersten Mal seit seinem Umzug schaffen, ihn zu besuchen. (Bin gespannt, wie es sein wird. Ich war noch nie in Hessen.) Ich werde sieben Stunden lang mit Bummelzug dorthin unterwegs sein, weil mein Geld etwas zu knapp für den Fernzug war. Den werde ich dann nutzen, wenn ich mich am Tag der deutschen Einheit Richtung Großeltern aufmache. Der Tag der deutschen Einheit ist sehr wichtig für mich, weil ich ohne Wiedervereinigung vermutlich nie in Westdeutschland gelebt hätte. Ich bin schon unzählige Male über die ehemalige innerdeutsche Grenze gefahren. Wenn man die A20 nimmt, erkennt man immerhin noch an einem Schild, dass man die Grenze überquert. An der Bahnstrecke Hamburg-Rostock weist nichts darauf hin. Man erkennt nur allmählich an den verlassenen LPG-Gebäuden und den Plattenbauten, dass man bereits im Osten angekommen ist. Neulich gab es im NDR einen interessanten Bericht über den Bahn-Grenzverkehr auf der Strecke, die ich schon öfters befahren habe:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/media/nordmagazin18881.html

Auf langen Fahrten ist Musik besonders gut. Heute kam das neue Album einer meiner Lieblingsbands heraus. Früher hat mein bester Freund immer für mich Musik geladen, weil er schon ein musicload-Konto hatte. Ich habe die Musik jetzt über Amazon geladen. Ging schnell und gut. Das neue Album von Placebo gefällt mir. Ich denke, dass man beim mittlerweile fast 41jährigen Brian Molko von einer in Würde gealterten Stimme sprechen kann. “Rob the bank” mochte ich wegen des etwas abgedrehten Textes nicht so sehr, aber insgesamt bereue ich es nicht, die 9,89 Euro ausgegeben zu haben.

Morgen wird es hier wieder einen neuen Kurzgeschichtenteil geben. Bis dahin:

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Abgeordnete und ihr Bild von unserer Jugend

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Ab und zu muss auch ich etwas Geld verdienen und so nahm ich einen Auftrag an, der darin bestand, einen Bundestagsabgeordneten zum Thema “Parlamentarismus in Deutschland” zu interviewen. Es war nicht mein erstes Telefoninterview, aber das erste, bei dem ich nichts aufnehmen konnte. Ich musste selbst mitschreiben. Und so geschah etwas sehr, ähm, Interessantes.

Das Interview mit dem Bundestagsabgeordneten verlief ganz normal. Bis auf die Stelle, als ich ihn bat, ein Wort zu wiederholen.

“Europäischer Stabilitätsmechanismus, ist das richtig?”

“Ach, scheißegal! Schreiben Sie einfach ‘Eurokrise’, von den Lesern Ihrer Zeitung versteht das sowieso keiner!”

Der Auftrag kam zwar von einem Jugendmagazin, aber ich nehme mal stark an, dass die Leser des Jugendmagazins des Bundestages (!) zumindest verstehen, worum es geht.

Ich muss zugeben, dass ich den oben stehenden Auszug nicht mit übernommen habe, weil ich keinen Ärger wollte. Nach einigem Nachdenken mailte ich die Begebenheit aber doch an die Redaktion zwecks Information. Bis jetzt keine Reaktion. Ich gehe mal davon aus, dass das Ganze auch nicht drinstehen wird, wenn es irgendwann diesen Monat veröffentlicht wird. Mal sehen, was ich noch unternehmen werde.

Mit abwartenden Grüßen

Die Kitschautorin

Nachtrag vom 10. September 2013: Gestern habe ich per E-Mail nachgehakt. Die Redakteurin hat sich sehr über die Äußerung des Abgeordneten geärgert. Die steht in der veröffentlichten Version des Interviews zwar nicht drin, allerdings hat die Redakteurin den strittigen Begriff aus Protest in „Euro-Rettungsschirm ESM“ geändert. Wer das Interview lesen möchte: http://www.mitmischen.de/diskutieren/topthemen/politikfeld_kultur/deutscher-dom/interview-schneider/index.jsp

Geschützt: Hello, Hollywood Hills

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Post aus Berlin – Nachschlag

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Auf Wunsch hier der bisherige E-Mail-Wechsel zwischen mir und dem Bundestagspräsidenten (bzw. irgendwelchen Bundestagsmitarbeitern).

E-Mail 1

E-Mail 2

Antwortschreiben

E-Mail 3

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Post aus Berlin

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Aufmerksame Leser meines Blogs werden sich daran erinnern, dass ich vor dreieinhalb Wochen eine E-Mail an den Bundestagspräsidenten verfasst habe, weil ich wütend über die Leiharbeiter im Bundestag war (und über die unbezahlten Praktika). Ich habe heute eine Antwort bekommen. Dass mir Dr. Lammert persönlich antwortet, war wohl nicht zu erwarten, schließlich ist er der protokollarisch zweitwichtigste Mann in der BRD. Dass der Absender der E-Mail und der Unterzeichner des Antwortschreibens an sich, das als Word-Anhang beigefügt wurde, zwei verschiedene Personen sind, fand ich aber schon merkwürdig.

Das Schreiben hat mich nicht wirklich überzeugt. Meine E-Mail war zwar teilweise falsch formuliert, da sie nahe legte, dass alle Schreibkräfte im Bundestag als Leiharbeiter ausgebeutet werden. Das stimmt natürlich nicht. Trotzdem gibt es immer mehr Fälle – und im tagesschau.de-Artikel, auf den ich u.a. in der E-Mail verwies, stand das auch so. Und es entschuldigt nicht, dass es – auch wenn es nicht alle sind – Leute gibt, die aufgrund von Leiharbeiterschaft so mies bezahlt werden, dass sie aufstocken müssen.

Außerdem informierte mich der Mitarbeiter des Deutschen Bundestages darüber, dass Praktikanten ausschließlich als studentische Pflichtpraktikanten oder Schülerpraktikanten beschäftigt würden und sie deswegen keine Vergütung erhielten. Bei Schülerpraktikanten kann ich das eventuell noch verstehen, aber dass Studenten dort so ausgebeutet werden, finde ich immer noch eine Sauerei. Nur dass sie im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum machen müssen, kann kein Grund für Nichtbezahlung sein.

Tut mir Leid, Herr Dr. Lammert, aber Sie bzw. Ihre Mitarbeiter haben mich nicht überzeugt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Nachtrag vom 25. Dezember 2012: Unter folgendem Link kann man den E-Mail-Wechsel einsehen: https://kitschautorin.wordpress.com/2012/12/25/post-aus-berlin-nachschlag/

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 17

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http://www.tagesschau.de/inland/aufstocker-bundestag100.html

Wenn Leute irgendwo als Leiharbeiter angestellt sind und so wenig verdienen, dass sie dazu noch Geld vom Staat erhalten müssen, ist das bitter. Wenn diese Leute im Bundestag arbeiten, ist das echt arschig. Es geht eindeutig zu weit, dass der Staat, der Gesetze macht, diese unterläuft und den im Artikel erwähnten Leuten nicht genügend Geld zum Leben bezahlt. Ich habe gerade eine E-Mail an Herrn Dr. Lammert, den Bundestagspräsidenten, geschrieben, weil so etwas einfach nicht sein darf.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin