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Hochzeitsforum

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Ich verfolge ja die Devise: Ich versuche, vieles zu wissen, und wenn ich etwas nicht weiß, suche ich mir jemanden, der es mir sagt. Als ich mich letztes Jahr dafür entschied, zu heiraten, wusste ich über vieles, wie ich es machen wollte, aber ich wusste nicht, wo man Einladungskarten herbekommt. Also suchte ich mir ein Hochzeitsforum im Internet und fragte da nach.

Nachdem ich die gewünschte hilfreiche Information bekommen hatte, postete ich noch zwei oder drei Beiträge – und dann gar nichts mehr. Warum, fragt ihr euch vielleicht. Ich sage es euch.

Im Wesentlichen hatte ich zwei Probleme. Das erste Problem ist gemeinhin als „Bridezilla“ bekannt. Die beste Freundin kommt zum Anprobe-Termin zwei Minuten zu spät, weil sie ein Real Life hat? Was für eine egoistische Zicke! Ein Stückchen Tüll ragt beim Kleid dahin, wo es nicht hinsollte? Bei welchem Saftladen habe ich denn mein Kleid gekauft?!? Und wenn auf der Torte ein Marzipanröschen zu viel prangt, ist die Hölle los.

Das zweite Problem ist der – ich fasse es jetzt mal so zusammen – Umgang mit den jeweiligen Partnern. Es ist in dem Forum grundsätzlich üblich, statt „Zukünftiger“ nur „Z“ zu schreiben. Es wirkt immer so, als wäre der Mann die zehn anderen Buchstaben nicht wert, zumal viele Userinnen (denn natürlich sind es nur Userinnen) offen zugeben, dass der Partner bei der Hochzeitsplanung nicht viel zu sagen hat. „Der hat ja nun mal keine Ahnung von Dekoration oder Musik!“ Der Höhepunkt war dann eine Frau, die mit ihrem Mann schon zwei Kinder hatte – eines davon war ein Säugling – und ihn bestürmte, noch ein drittes zu zeugen. „Ja, ich weiß, wir sind grad mit dem Winzling so beschäftigt, aber ich will doch so gern eine Prinzessin!“ Ich hoffe, der Mann merkt noch rechtzeitig, dass er die Prinzessin bereits im Haus hat, wenn ihr versteht, was ich meine.

Und dann gab es noch ein ganz komisches Erlebnis. Mein Mann hat einmal gesagt, dass manche Frauen nur um der Hochzeit willen heiraten wollen. Daran musste ich denken, als ich im Forum von einer Frau las, deren Mann ihr drei Wochen nach der Hochzeit gestand, dass er sie auf dem Junggesellenabschied im besoffenen Zustand mit einer Prostituierten betrogen hatte. Sie schrieb davon, wie sehr sie das verletzt hatte – um nahtlos von den Planungen der Flitterwochen zu berichten. Was sollte das denn bitte? Wenn mein Partner so was mit mir anstellt, dann denke ich doch nicht mehr daran, mit ihm in die Flitterwochen zu fahren. Oder ich gebe gleich offen zu, dass ich das Ganze nur gemacht habe, um mich einen Tag lang wie eine Königin zu fühlen. Versteht ihr das?

Mit ratlosen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Der eine oder andere fragt sich jetzt vielleicht, warum ich über so etwas Irrelevantes geschrieben habe. Ich komme aber einfach nicht damit klar, dass manche Frauen wegen Kleinigkeiten so austicken und ihre Partner so respektlos behandeln.

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Eine Hochzeit, die ist lustig, eine Hochzeit, die ist schön

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Am Wochenende konnte ich der Reihe “Erste Male” zwei weitere Punkte hinzufügen. Ich war zum ersten Mal in Baden-Württemberg und zum ersten Mal auf einer kirchlichen Hochzeit.

Der Cousin meines Freundes lebt mittlerweile in dem Bundesland, wo sie alles außer Hochdeutsch können. Und er ist dort als Unternehmensjurist tätig. Mit anderen Worten: Er hat ziemlich viel Asche. Und so konnte er sich eine epische Hochzeit in einem ehemaligen, auf einem Berg gelegenen Kloster und einen mehrmaligen deutschen Grillmeister auf der Feier leisten. Beides nicht zu verachten. Die Fotos von der Stiftskirche findet ihr auf Flickr.

Ich habe ja ein Herz für Kirchengebäude und deren Architektur und habe ziemlich viele Bilder verknipst (an dieser Stelle noch mal vielen Dank für die Kamera zum Geburtstag). Mein Freund meinte aber, der ganze Prunk stoße ihn ein wenig ab. Und das konnte ich auch wieder nachvollziehen. Muss auch nicht unbedingt sein. Auch schlichte Kirchen sind schön, zum Beispiel die, in der ich getauft wurde.

Untergebracht war ich in einer Ferienwohnung, die ganz schnuckelig war, allerdings von den diversen Hinweisen überall stark an die Simpsons-Folge erinnerte, wo die Simpsons in Ned Flanders’ Haus sind. Und überall standen Bücher darüber rum, wie schlecht Erdstrahlung doch ist. Merkwürdigerweise konnte ich in dem Haus nicht so gut schlafen wie zu Hause – hat mir die Erdstrahlung etwa gefehlt? Und das Bett hält nicht besonders viel aus.

Quelle: forums.crackberry.com

Insgesamt war das Wochenende klasse, nur habe ich jetzt genug von langen Autofahrten, der Lieblingsmusik der Fahrer und meckernden Müttern.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

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Mittlerweile wird jede dritte Ehe geschieden. Als Kitt benutzen die Leute eine unglaublich teure Hochzeit. So zumindest mein Eindruck, als ich heute die örtliche Hochzeitsmesse besuchte (mein Chef beim Radio hatte mir eine Freikarte geschenkt, die er von einer Verlosung übrig hatte).

Ich war nicht die einzige Besucherin. Als ich neben der Stadthalle aus dem Bus stieg, liefen mir aus Richtung des Parkhauses ziemlich viele Pärchen entgegen, die sich natürlich alle demonstrativ an der Hand hielten beim Laufen. Vor dem Eingang der Halle hatten zwei fette, geschmückte Werbe-Limousinen geparkt. Ich dachte schon, die seien protzig. Da hatte ich die Halle noch nicht betreten.

Ich musste mich stellenweise fast übergeben aufgrund der unglaublich teuren Sachen, die ich auf der Messe sah. Wenn man will, kann man für jeden einzelnen Teil einer Hochzeit wahnwitzig viel Kohle raushauen. Total übertriebene Fotos (reicht es denn nicht mehr aus, wie bei meinen Eltern einfach Gäste Fotos machen zu lassen, die meist eh viel besser aussehen?). Ein Fotograf, dessen Stand ich besuchte, bietet ein so genanntes “Komplettpaket”, das die Hochzeit vom Schminken bis zum letzten flüchtenden Gast begleitet, für 2000 Euro an. Ein Caterer bot ein Buffet für 80 Euro pro Nase an (wer, wenn nicht grade Trüffel oder Ähnliches im Essen enthalten sind, futtert denn an einem Abend für so viel Geld?). Das teuerste Kleid, das ich sah, wurde für 1700 Euro feilgeboten (wobei ich meinen Hintern darauf verwette, dass es da auch noch Teureres gab). Am allerschlimmsten fand ich aber die Ringe. Den teuersten, den ich erblickte, gab es für achttausend Euro. Damit könnte ich ein komplettes Studium finanzieren. Von einem Juwelier hab ich mir zwei Heftchen mit Ringen mitgenommen. Preise stehen da natürlich nirgendwo drin.

Ich verstehe auch nicht, warum man als Hochzeitspaar mittlerweile sonst wohin fahren muss, um sich zu vermählen. Am Stand eines Fotografen waren Bilder von Paaren vertreten, die sich in Norderney und am Gardasee trauen ließen. Einer der eher spärlich besuchten Stände gehörte der katholischen und der evangelischen Kirche. (Ich finde es übrigens sehr amüsant, wie viele Paare in ihrem sonstigen Leben nie in die Kirche gehen, den geistlichen Beistand bei einer Hochzeit aber auf einmal irre wichtig finden. Naja, vielleicht wollen sie auch einfach nur eine Ausrede haben, um zwei Mal feiern zu können.) Sie hatten so ein paar durchsichtige Plastikrohre aufgebaut, die mit “Liebe”, “Familie” und sonstigen Dingen beschriftet waren und wo die Messebesucher dann Kügelchen reinwerfen sollten, je nachdem, was ihnen in einer Ehe am wichtigsten war. Die Rohre “Sexualität” und “steuerliche Vorteile” waren am leersten. (Ob da nachgeholfen wurde?)

Bei einer ordentlichen Hochzeit darf natürlich auch gute Musik nicht fehlen. Irgendwann lief ich an einem Stand vorbei (das muss kurz, nachdem ich den Achttausend-Piepen-Klunker sah, gewesen sein), als ich einen Hochzeitsmusiker vernahm, der auf der Gitarre ein Lied klimperte. Fasziniert stellte ich fest, welches Lied es war: “Disturbia”. Wie passend für eine derartige Messe-Erfahrung.

An einem anderen Stand nahm ich mir eine Zeitschrift mit, die die Leser über Hochzeitsmöglichkeiten in meiner Stadt und Umgebung informieren sollte (zur Erinnerung: Ich wohne in der drittgrößten Stadt Niedersachsens.). Trotzdem las ich irgendwann Tipps über Borkum, Bad Tölz und München. Das Einzige, was mich an der Zeitschrift wirklich begeisterte, war die Hochzeits-Checkliste, die kann ich allerdings auch im Internet nachgucken und verbrauche dann nicht so viele toten Bäume dafür.

Die letzte Sache, die ich mir ansah, bevor ich schließlich flüchtete, war der Beginn der Modenschau. Das passte auch total, denn ich dachte, dass Hochzeiten mittlerweile zu einer Art Schaulaufen verkommen waren. Die Hochzeit soll ja der schönste Tag im Leben eines Menschen sein. Doch viele Menschen können offenbar nur glücklich sein, wenn sie dabei derart protzen, dass mir einfach nur schlecht wird. Wem wollen solche Leute eigentlich damit etwas beweisen? Ich will ja auch irgendwann mal heiraten, aber nach dem heutigen Tag habe ich es damit auf einmal gar nicht mehr so eilig.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin