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Studentenmädchenreport, Tag 21

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Heute musste ich um sechs aufstehen. Ohne das Verschieben des am Vorabend zubereiteten Frühstücks auf den Zug und einen mich großzügigerweise fahrenden Freund wäre es fünf Uhr zwanzig geworden. Um sechs Uhr vierzig stieg ich in den Zug Richtung Uni und wunderte mich darüber, dass ich nicht einschlief. War es der Schluck Mate? War es die Musik aus dem MP3-Player? Keine Ahnung.

Ich schlief im Zug also nicht ein und hatte ziemlich gute Laune, weil ich endlich mal wieder eine Unisitzung hatte. Die Dozenten sind mit uns den theoretischen Hintergrund, die Teilnehmer- und die Zimmerbelegungsliste durchgegangen. Auch das Programm wurde angesprochen. Eventuell werde ich mich nicht nur mit dem Judentum auseinandersetzen, sondern am vierten Exkursionstag auch noch über alpenhohe Berge klettern. Eine mögliche Alternative: das Polnische Jerusalem. Keine Ahnung, was mich mehr interessiert. Aber ich wette, das Polnische Jerusalem wird sich nicht durchsetzen.

Dozent 1 wies darauf hin, dass er und Dozent 2 die schnellste und günstigste Reisemöglichkeit (Bus, uah) herausgesucht hätten und dass man versuche, schnell ans Ziel zu kommen, ohne all zu viele Raucherpausen. Natürlich war klar, wen er meinte, wir mussten alle lachen. Insgesamt waren wir alle ziemlich gut drauf, zum Beispiel, als Dozent 1 erzählte, dass sein Sohn mitkommt, der übrigens ausgerechnet am gestrigen Tag eine Geschichts-Abiklausur über den Nationalsozialismus schreiben musste.

Die beiden Dozenten informierten uns darüber, dass sie alle möglichen Reaktionen auf ihre Auschwitz-Exkursionspläne bekommen hatten. Da kann ich nur sagen: ich auch. Erst gestern wurde ich gefragt, was ich denn da wolle und ob ich Jüdin sei (das wurde Dozent 1 auch gefragt. Zur Erinnerung: Er griechisch-orthodox, ich Lutheranerin.). Als ob sich nur Leute für so etwas interessieren dürfen, die selber mit hoher Wahrscheinlichkeit Verwandte im Holocaust verloren haben… Der Betreffende musste dann später noch von mir darüber aufgeklärt werden, was “Jedem das Seine” und Buchenwald bedeuten. Zuvor hatte er sich noch als “geschichtsinteressiert” bezeichnet. Auf Nachfrage hieß es dann, er sehe sich halt nur gerne Kriegsfilme an.

Fünf Minuten vor Sitzungsende rief mich dann der Vater meines Freundes an, der die Küche bezahlt hat, weswegen irgendwie immer er angerufen wird, wenn’s da was zu erledigen gibt. Als ich eine Minute nach Sitzungsende zurückrief, hieß es, die Monteure seien um zehn Uhr da. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade auf dem Weg zum Bahnhof und dementsprechend verärgert. Ich hatte gestern doch da angerufen, dass ich erst ab halb zwölf kann. Letzten Endes hatte ich Glück und der Monteur, der übrigens gerade fertig wurde (alle vier Herdplatten gehen, wheee!), kam erst um viertel vor zwölf.

Das Erste, was ich tue, wenn ich zu Hause ankomme, ist meist das Anschalten meines Laptops und so sah ich recht schnell, dass die Frau, die meine Zweitprüferin werden soll, die Sprechstunde nächsten Montag abgesagt hat. Habe sie jetzt per Mail über ihr Glück informiert und nach einem anderen Termin gefragt. Als ich sie fragte, ob sie meine Zweitprüferin werden will, fühlte sich das ein bisschen so an wie ein Heiratsantrag. Smiley mit geöffnetem Mund

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Ich tippte in einer SMS “Herdplatten”, das Handy schlug mir “Festplatten” vor. So weit ist es also schon gekommen.

Was willst du mal werden?

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Im Channel #sex tauchte gerade ein Sechzehnjähriger auf, der verkündete, seine Eltern würden ihn zwingen, in die Schule zu gehen, er selbst würde lieber abbrechen und Rapper und Musikproduzent werden. Er wisse selbst nicht, wie groß seine Erfolgschancen letztlich seien, aber er wolle es unbedingt und er habe ja auch einige Fans auf Facebook. Übrigens hatte er schlechte Noten, vermutlich, weil er, wenn er lernen muss, immer von Musik ablassen muss und das wolle er nicht.

Mal sehen, wie sich seine Karriere entwickelt. Vermutlich wird er aber eher nicht der nächste Star am Hiphop-Himmel. Wie dem auch sei, ich musste durch die Geschichte an meine Berufswünsche denken und was ich dafür getan habe. In der Schule war ich seit Beginn der Pubertät nicht mehr besonders gut. Das Einzige, was ich wirklich gern machen wollte, war, Journalistin zu werden. Ich habe aber kaum was dafür getan. Ich wollte zwar eigentlich immer studieren, aber in der 13. Klasse ging ich trotzdem erst einmal auf Ausbildungssuche, weil ich dachte, es wäre nicht schlecht, erst etwas Geld zu verdienen. Ich fand keine Ausbildungsstelle und überlegte, was ich bloß machen sollte – ich hatte keinen Plan. Da sah ich das Plakat der Sprachschule. Ich dachte: Hey, du hast doch immer gern übersetzt und du kannst es auch! Also meldete ich mich da an. Einer der größten Fehler meines Lebens. Als die drei Jahre fast rum waren, ging ich wieder auf Stellensuche. Aber ich fand nichts und die Lust, in irgendeinem Unternehmen als Sachbearbeiterin mein Dasein zu fristen, war auch nicht mehr da. Also bewarb ich mich an der Uni und wenig später bei einem Radiosender. Beide Gesuche waren erfolgreich – ich hatte zu dem Zeitpunkt auch schon eine Weile als freie Mitarbeiterin bei einem Verlag gejobbt. Mittlerweile bin ich auf einem guten Weg und voll glücklich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe schon versucht, etwas “Rechtes” zu lernen, aber auch etwas, das mir Spaß macht. Jedenfalls würde ich mich nicht allein darauf verlassen wollen, dass ich irgendwann als Schriftstellerin entdeckt werde. Oder als Rapperin.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin