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Schlagwort-Archive: Clown Pagliacci

Advocatus diaboli

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Neulich las ich, auf Empfehlung einer sehr netten Klosterschwester, das Buch „Wenn dir das Lachen vergeht“ von Willibert Pauels. Willibert Pauels ist Büttenredner im Kölner Karneval und katholischer Diakon. Und er hat jahrelang mit Depressionen gekämpft. Ich kann das Werk nur empfehlen. Jeder, der Informationen über diese psychische Krankheit sucht bzw. mehr darüber wissen will, ist damit gut beraten. Dennoch gab es da einige Stellen, die ich hier jetzt mal besprechen will.

Normalerweise sage ich ja immer etwas scherzhaft, dass ich Niedersächsin mit mecklenburgischem Migrationshintergrund bin. Genauso gut könnte ich jedoch sagen, ich bin Lutheranerin mit atheistischem Migrationshintergrund. Und das macht sich bei gewissen religiösen Texten immer bemerkbar.

Herr Pauels ist zum Beispiel der Meinung, dass eine atheistisch-materialistische Weltsicht, in der es keinen Geist gibt, sondern nur Materie, eine tiefe Trostlosigkeit zur Folge habe. Und da frage ich mich: Muss es das automatisch? Es gibt viele Atheisten, die mit sich und ihren Ansichten total zufrieden sind. Die eben nicht in eine große Sinnkrise geraten.

Oder kannst du deinem Kind in die Augen schauen und ihm erklären: Du, Kind, bist letztlich nichts anderes als ein Zellhaufen, der biochemisch reagiert. Und wenn ich dich lieb habe, Kind, ist auch das letztlich nichts anderes als eine biochemische Reaktion in meinem limbischen Gehirnlappen.

Man korrigiere mich, wenn ich falsch lege, aber ich interpretiere diese Stelle so, als würde er allen Atheisten unterstellen, sie könnten so etwas wie Liebe gar nicht empfinden, weil sie schließlich nicht an Gott glauben und deswegen keine Ahnung davon haben. Meine Eltern sind Atheisten und ich habe nie das Gefühl gehabt, sie würden mich oder meinen Bruder nicht lieben, nur weil ihnen laut ihrer Ansicht kein Gott Liebe ins Herz gepflanzt hat.

An einer anderen Stelle geht Herr Pauels auf die Bedeutung des Karnevals in der katholischen Welt ein. In diesem Zusammenhang schreibt er wie folgt:

Im Übrigen gehört die angebliche Leib- und Sinnenfeindlichkeit der Kirche zu den großen, aber unausrottbaren Irrtümern. Der ausgelassenste, der rauschhafteste Karneval wird in den katholischen Ländern Mittel- und Südamerikas gefeiert. Unvorstellbar etwa, dass der erotischste Tanz, der Tango, im nordamerikanischen Bible Belt erfunden worden wäre. Oder in Dschalalabad… Unvorstellbar.

Das erinnert mich daran, als ich sechs Jahre alt war. Meine Mutter hatte mir total verboten, von den Süßigkeiten im Küchenschrank zu naschen. Und genau deswegen habe ich es mit Freude getan. :3

Über Papst Benedikt schreibt er auch. Er sagt, dass die jungen Leute, die Benedikt beim Weltjugendtag zujubelten, verstanden hätten, dass es um „solche Fragen“ (gemeint sind die, naja, sehr traditionellen Positionen, die der emeritierte Papst vertritt) in der Religion nur am Rande geht. Und er zitiert sich selbst aus einer alten Zeitungskolumne:

Es war köstlich zu beobachten, mit welcher Verbissenheit kritische Medien immer wieder versuchten, die Themen Sexualmoral und Frauenpriestertum in den Mittelpunkt zu stellen, und von den Jugendlichen (die zum allergrößten Teil nicht die rigorose Sexualmoral der katholischen Kirche befolgen) ebenso regelmäßig als Antwort bekamen: Das ist mir doch egal…

Liebe Kritiker, kapiert doch endlich: All diese Punkte, die ihr mit empörter Aufgeregtheit, zum Teil auch berechtigt, thematisiert, sind aus der Perspektive einer gesunden Religiösität Randthemen.

Es ist also ein Randthema, wenn über die Hälfte der Weltbevölkerung diskriminiert wird? Wenn man gläubige Menschen nicht dazu zulässt, das Wort Gottes zu verkünden, nur weil ihnen nichts zwischen den Beinen baumelt? Wenn man junge Menschen davon abhält, ein gesundes Geschlechtsleben zu entwickeln, aufgrund total überkommener Moralvorstellungen? Wenn mein guter Freund seine große Liebe nicht heiraten darf, weil die ein Mann ist?

Da kann er noch so lange Papst Benedikt zitieren, dass jeder von Gott geliebt ist. Nach solchen Zitaten wie dem da oben glaubt man das auch nicht mehr unbedingt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ruhe in Frieden, Robin Williams

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Ein Mann kommt zum Doktor und sagt, er sei depressiv und das Leben sei hart und grausam. Er fühle sich allein in einer gefahrvollen Welt, wo die kommenden Dinge vage und ungewiss sind. Der Doktor sagt: “Einfach zu behandeln. Der große Clown Pagliacci tritt heute auf. Sehen Sie ihn sich an. Er wird Sie aufmuntern.” Der Mann bricht in Tränen aus und sagt: “Aber Doktor… ich bin Pagliacci.”

Robin Williams hat sich umgebracht. Er war depressiv (und alkoholsüchtig). Ich hatte zwar nie Selbstmordgedanken, weiß aber trotzdem, wie es sich anfühlt, wenn man vor lauter Traurigkeit nicht mehr weiterweiß.

Vor etwas mehr als vier Monaten gab es ein Treffen mit der Familie meines Freundes. Ich weiß nicht mehr genau, warum, aber es wurde auch über Depressionen und damit zusammenhängende Selbstmorde gesprochen. Ein Anwesender meinte, da könne man sich doch ganz einfach behandeln lassen. Ich war damals so wütend, dass ich leider kein Wort herausgekriegt habe. Am liebsten hätte ich ihm ins Gesicht geschrien, wie schwer es ist, sich aus einer Depression herauszustrampeln und dass es nicht gerade hilft, wenn man Leuten so etwas an den Kopf wirft. Ich bereue, dass ich es nicht getan habe.

Heute Morgen entdeckte ich in meinem Posteingang eine Aufforderung, eine Petition zu unterschreiben, was ich auch sofort gemacht habe. Der Fox-News-Moderator Shep Smith hat Robin Williams einen Feigling genannt. Die Ersteller der Petition fordern dazu auf, dass dieser Mann gefeuert und das gesamte Personal zu den Themen “Psychische Krankheiten” und “Selbstmord” fortgebildet wird. Ich unterstütze dieses Anliegen, weil Smiths Äußerung ein Schlag ins Gesicht für alle Menschen ist, die am Boden liegen und Hilfe brauchen. Außerdem muss sensibler über Selbstmorde berichtet werden. Wer noch unterschreiben möchte: http://act.sumofus.org/go/5368?t=2&akid=6598.828161.I_IGCn

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin