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Schlagwort-Archive: das rad

12 von 12 mal anders

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Seit Ewigkeiten nehme ich mir vor, bei „12 von 12“ teilzunehmen, und gestern habe ich das erste Mal rechtzeitig daran gedacht. Dummerweise habe ich momentan kein Smartphone (und die Digicam wird nur für wirklich besondere Anlässe benutzt). Also machen wir das heute etwas anders. 12 GIFs, die einigermaßen darstellen, was ich gestern so getrieben habe. (Und damit ihr keinen epileptischen Anfall bekommt, als Links.)

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Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Verkehrssituationen

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Gestern hatte ich meine erste praktische Fahrstunde. Und ich fühlte mich dabei ungefähr so:

Naja, Übung, Meister, blablabla.

Heute dann wieder Theorie und man hört Sachen, die glaubt man nicht. Es ging zum Beispiel um Halteverbotsschilder. An dem See, in dessen Nähe mein Freund aufgewachsen ist, findet man laut Fahrlehrer ein Schild, das so aussieht:

Schild

Wie soll man denn da reagieren? Mein Fahrlehrer hat gleich darauf hingewiesen, dass das kein offizielles Schild ist.

(Das hier habe ich übrigens gefunden, als ich nach Bildern von dem Schild suchte. Okay…)

Später hat er dann davon erzählt, wie ihm auf der Autobahn ein Reifen platzte, was dafür sorgte, dass sein Hintermann – der einen teuren BMW fuhr – u.a. eine Kiste Cola vorne drauf bekam. Erstaunlicherweise hielt der BMW-Mann nicht an. Mein Fahrlehrer vermutete, dass das Auto geklaut war.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Krümelmonster, Teil 3

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Nachdem Aurélie gegangen war, wollte ich nur noch Ruhe und Frieden. Ich hatte bereits so einen stressigen Tag gehabt, und jetzt kamen auch noch ihre Probleme dazu. Es war wie in diesem Beatsteaks-Song, den Lea so gerne mochte: I got a whole bag of trouble to be taken away.

Am besten entspannen konnte ich immer, wenn ich meine Lieblingsmusik hörte. Ich drehte Muse auf, stellte den Repeat-Modus ein und schmiss mich aufs Bett.

Far away

The ship is taking me far away

Far away from the memory

Of the people who care if I live or die…

Auf einmal wummerte es an der Zimmertür und ich wachte auf. Wie, ich wachte auf? War ich etwa eingenickt? Musste wohl so sein. Wer wummerte an meiner Tür? Ich ahnte schon, wer es war, und als ich die Tür aufschloss, bestätigte sich meine Vermutung.

Kati hätte fast auf meinem Kopf weitergeklopft. „Hey, dreh mal deinen Scheiß leiser, du bist hier nicht alleine!“

Sie klang wie meine Mutter. „Was? Ich kann dich nicht hören!“

„Ich sagte: Dreh deinen Scheiß leiser!“

„Tut mir Leid, ich kann dich nicht verstehen. Aber sprich mit meiner Hand, wenn das Gesicht dich nicht verstehen kann!“ Ich hielt der Tusse meine Hand entgegen und rollte nach einigen Sekunden die Finger an. „Oh, tut mir Leid, sie wollen dir wohl nicht zuhören. Kein Wunder!“

Mit den Worten knallte ich Kati die Tür vor der Nase zu und erfreute mich an ihrem Wutschnauben, das ich noch durch die Tür hörte.

Am Wochenende fuhr ich mit dem Zug nach Hause. Ich hatte mit Lea verabredet, dass sie mich vom Bahnhof abholte. Als ich etwas zu spät ankam – der Regionalzug war ständig zu spät! –, stand Lea bereits am Gleis und wartete auf mich. Sie hatte einen dicken Burger in der Hand und das erste, was sie zu mir sagte, war: „Mmm, Fara!“ Sollte wohl so was heißen wie Hallo, Sara. Ich verstand es nicht.

Nachdem sie mich mit nur einem Arm umarmt hatte, gingen wir nebeneinander zum Auto. Immer noch kauend erklärte sie mir, dass sie unheimlichen Appetit hatte und deswegen mit etwas zu essen angekommen war.

Verständlich. Als sie dann auch noch während der Fahrt ständig an einem Riesenmuffin nagte, fand ich das Ganze aber langsam bedenklich.

„Ist es wirklich so schlimm? Du überfährst gleich noch ’nen Fahrradfahrer!“, rief ich.

„Wenn es nicht so schlimm wäre, würde ich auf darauf verzichten. Reich mir mal den Becher im Fußraum“, befahl sie mir. Stirnrunzelnd hielt ich ihr den mit einem Strohhalm versehenen Becher hin und sie schlürfte.

Zu Hause angekommen, stellte sie fest, dass sie ihren Hausschlüssel vergessen hatte, also klingelte sie, immer noch schlürfenderweise.

Oma öffnete Lea und mir die Tür. Und was mich wirklich verwunderte: Sie steckte in einem weiten Rock und einem blauen T-Shirt, beide waren mit Farbe besprenkelt.

„Hallo, Sara! Schön, dass du wieder zu Hause bist!“, rief sie sogleich und umarmte mich herzlich.

Was war denn jetzt los? Das hatte sie früher nie getan.

„Du musst gleich ins Wohnzimmer kommen und dir mein neues Bild ansehen.“

„Wie? Was für ein Bild hast du dir denn gekauft?“

„Selbst gemalt, du Dummerle! Guck mal!“ Oma führte mich ins Wohnzimmer und zeigte auf eine Staffelei mit Leinwand. Darauf waren Sonnenblumen in einer blauen, bauchigen Vase zu sehen. Das Ganze hatte irgendwie etwas Impressionistisches an sich. Früher im Kunstunterricht wurde uns ein Bild gezeigt, das mit der so genannten Kommatechnik gemalt wurde. Daran musste ich denken, als ich dieses Bild sah.

Dadurch wurden auch die Farbspritzer auf Omas Klamotten erklärt, die im Übrigen hauptsächlich gelb und blau waren.

„Sieht schön aus“, sagte ich. Oma bedankte sich.

Dann ging sie Richtung Küche. „Komm, es gibt gleich Essen. Heute hat dein Vater gekocht!“ Wie ungewöhnlich. Es roch irgendwie nach Suppe, aber auch nach Milch, genau konnte ich das nicht sagen.

Als ich in der Küche stand, erlebte ich die nächste große Überraschung. Mama saß da. Das war zunächst nicht weiter neu, aber sie hatte ultraviolette Haare, die kürzer waren als meine, und meine Haare gehen mir nur bis zu den Ohrläppchen. Dazu trug sie noch so lange, filigrane Ohrringe mit Federn dran.

„Hallo, Mama, du siehst ja ganz anders aus…“, begrüßte ich sie total verdattert.

„Ja, nicht?“ Sie lachte. Ich hatte schon länger Lust auf eine Typveränderung. Und da geh ich neulich an so einem Frisörsalon vorbei und denke mir: Warum nicht? Die Ohrringe gab’s im Laden nebenan.“

„Sieht schön aus…“, sagte ich. Mama bedankte sich.

„So“, Papa setzte sich zu uns an den Tisch, „ich hoffe, die Milchsuppe, die ich gemacht hatte, schmeckt euch! Ich hab das Rezept mal im Kochbuch gesehen.“

Milchsuppe? Das klang höchst ungewöhnlich. Vielleicht so etwas wie Milchreis. Doch als ich den ersten Löffel nahm, wurde ich überrascht. Das Ganze schmeckte herzhaft… und ziemlich gut. Ich aß noch einen Teller und nahm dazu ein bisschen der Tofuwurst, die extra für mich gekauft wurde.

„Schmeckt echt gut“, sagte ich. Papa bedankte sich.

„Sag mal, wann wollte dein Freund noch mal vorbeikommen?“, fragte Oma. Lea antwortete, in einer Stunde wolle er da sein.

„Prima, dann kann er mir ja gleich bei diesem doofen Internetanschluss helfen.“

„Du kriegst Internet?“, fragte ich total erstaunt. Ich hatte bis jetzt nicht mal gewusst, dass Oma einen Computer hatte.

„Ja, denkst du denn, ich will hinterm Mond leben, nur weil ich seit einigen Jahren in Rente bin?“ Oma lachte. „Ich finde es wirklich interessant, was es da so alles gibt. Ich kann mir sogar Rezepte aus dem Internet aufschreiben, wenn diese Verbindung endlich mal steht.“

Ich sagte eine Weile erst mal nichts mehr. Ich war zu überrascht von all den Vorfällen, die sich hier ohne mein Wissen ereignet hatten. Ich krieg echt nichts mehr mit, dachte ich nur noch.

Lea war immer noch total hungrig. Sie aß ganze drei Teller der Milchsuppe und hatte sich dabei Unmengen an Salami hereingeschnippelt. Zuerst guckten unsere Eltern und unsere Oma nur ganz verwundert. Doch nach dem fünften Glas Apfelsaft sagte Mama: „Was ist denn heute mit dir los? Du frisst ja wieder wie ’ne siebenköpfige Raupe.“

„Haha, unheimlich komisch. Und ich dachte, ich wär den Spruch endlich los“, brummte Lea. Meine Güte, was war das denn? Sonst war sie doch nicht so schlecht drauf.

Das dachte auch unser Vater, denn er rief: „Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen?“

Und Oma fügte hinzu: „Wenn du weiter so das Essen in dich reinschlingst, wirst du noch krank, Kind!“

„Was kann ich denn dafür, wenn ich so viel Appetit habe?“, brauste Lea auf. „Kann ich doch nichts für.“

Oma vermutete, dass meine Schwester krank war, und empfahl ihr, zum Arzt zu gehen. „Das geht doch schon seit Tagen so. Warte mal, ich hab hier irgendwo noch Pillen gegen Verstopfung…“ Sie stand auf.

„Wieso glaubt eigentlich jeder hier, dass mit mir irgendwas nicht in Ordnung ist? Alles ist super!“, schrie Lea und verließ fluchtartig die Küche. Natürlich nicht, ohne die Küchen- und kurz darauf auch die Zimmertür zuzuknallen. Wenig später war aus ihrem Zimmer laute Musik zu vernehmen. Irgendetwas Rockiges.

„Wisst ihr, was mit ihr los ist?“, fragte Mama. Wir anderen schüttelten die Köpfe. Zirka fünf Minuten später ging ich zu ihr ins Zimmer. Es war allerdings die Tür abgeschlossen.

„Komm, Lea, lass mich rein!“, rief ich gegen die laute Musik an und klopfte gegen die Tür. Zuerst blieb die Tür verschlossen.

„Komm, Lea, ich bin’s, Sara!“

Sie machte auf. Ich stand in ihrem Zimmer, in dem mehrere Packungen dieser sauren Fäden herumlagen, oder wie man dieses Fruchtgummi noch gleich nannte. Die liebte Lea.

Meine Schwester schmiss sich mit dem Gesicht nach vorne auf ihr Bett. Nach einigen Minuten fing sie merkwürdig an zu zucken. Ich schloss schnell die Tür.

„Lea, was hast du denn?“, fragte ich sie. Keine Antwort. Ich strich ihr über den Rücken.

„Lea?“

Jetzt drehte sie sich um und ich sah, dass sie weinte. „Ich will nicht sterben!“

„Hey, wieso das denn? Du musst bestimmt nicht sterben, keine Angst!“

Immer noch schluchzend setzte sie sich auf und erzählte mir die Geschichte.

Schon wieder Einführungswoche

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Ich bin zwar jetzt schon im 3. Semester, aber weil man bei der Uni-Einführungsveranstaltung so viel Gratiszeugs abstauben kann, bin ich trotzdem hingegangen. Folgendes habe ich gekriegt:

– einen Block

– sechs Kulis

– sechs Postkarten (davon eine mit Wollfaden, die vom Studiengang “Textiles Gestalten” ausgegeben wurde und einen Witz zum Thema ‘rumspinnen’ enthielt)

– die aktuelle Ausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung plus Beilage “akademisches Viertel”

– zwei Bonbons

– siebzehn Tütchen mit Gummibärchen

– zwei Päckchen mit Klebezetteln

– einen Jackass-Einkaufschip

– eine Ausgabe des Magazins “Kino & Co.”

– diverse Flyer, Gutscheine und Infomaterialien

– fünf Luftballons

– zwei kleine Tuben Zahncreme

– zehn Aufkleber

– einen Schlüsselanhänger

– ein Minibuch “Meine Grundrechte in der Europäischen Union”

– ein Exemplar des Grundgesetzes

– einen Sattelschutz fürs Fahrrad

– einen biegsamen Bleistift

– ein Magazin namens “Coming out”

– eine Ausgabe des Magazins “OS.Nah”

– einen Stundenplan

– einen Studienplaner, der mir noch zugesandt wird, weil die AOK keine mehr am Stand hatte

– ein Taschenlämpchen

– drei Anstecker

– drei Stoffbeutel

– einen Keks

– einen Lolli

– ein Käppi

– eine winzige Tafel Schokolade

– einen Gratis-Sehtest (meine Dioptrienwerte haben sich nicht verändert, leider ist eine Hornhautverkrümmung dazugekommen)

– ein Smartphone-Reinigungsteil

– das Buch “Glaube im Kreuzverhör” von Lee Strobel

– ein Spielzeugauto aus Gummi

– ein Gratis-Rätsel auf einer Postkarte

– ein Päckchen Traubenzucker

– ein Lesezeichen

– ein Frisbee

– am Allerwichtigsten: ein Kondom Smiley mit geöffnetem Mund

Eines der Gummibärchen-Tütchen wurde mir vom Kerl in die Hand gedrückt, der euch bereits aus meinem Artikel “Demokratietheorien” bekannt sein dürfte (https://kitschautorin.wordpress.com/2013/05/09/demokratietheorien/). Ich begrüßte ihn mit “Na, was machstn hier Schönes?”. Er antwortete: “Gummibärchen verteilen.” Schon hatte ich noch ein Tütchen. Mir fiel auf, dass er mir keinen Junge-Union-Infozettel dazugegeben hatte. Offenbar weiß er, wo ich politisch stehe.

Später traf ich dann noch einen Freund, der Werbung für seinen Rollenspiel-Verein (http://www.rubicon-osnabrueck.de/) machte. Hier ein Auszug aus unserem Gespräch:

– Du bist aber kein Erstsemester!

– Na und? Warst du letztes Jahr doch auch nicht!

– *Denkpause* Äääähm, ich hab aber nen neuen Studiengang angefangen.

Nachdem ich dieses ganze Gratiszeug abgestaubt hatte, staubte ich ordentlich zu, und zwar, als ich zusammen mit meinen Mitbewohnern unseren Kellerraum ausräumte. Von den aktuellen WG-Bewohnern stand kaum was drin, dafür haben Vorbewohner, die ich teilweise noch nicht einmal kennen gelernt habe, uns schön viel Arbeit gemacht mit dem ganzen Zeug, das sie da gelassen haben. Das Zeug fiel in zwei Kategorien:

– der letzte Müll (bspw. Abfall von McDonald’s)

– Sachen, die noch voll in Ordnung sind und wo einfach jemand zu faul war, es mitzunehmen

Aus der letzten Kategorie habe ich mir so einige Schätze gesichert. Ich frage mich aber immer noch, wie ein Buch zum Thema “Fruchtbarkeit der Frau für eine Schwangerschaft erhöhen” (oder so ähnlich) in diesen Kellerraum kam. Bis ich dort eingezogen bin, lebten nämlich nur Männer in der WG – und die dürften das nicht unbedingt bei ihren Partnerinnen angewandt haben.

Heute kommt noch ein Blogeintrag, der sich mit LGBT-Rechten beschäftigen wird. Und es wird ein ganz besonderer: er wird nämlich dreisprachig.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Ich weiß noch, wie

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(Reaktion auf diesen Eintrag hier: http://rowennightfall.wordpress.com/2013/02/16/das-rad-der-zeit/)

Ich bin jetzt 21. Und es wundert mich, wie die Zeit doch vergangen ist. Das Gefühl habe ich nicht zum ersten Mal. An unserer Schule ist es Brauch, dass für die Abizeitungen alle Schulklassen am Anfang und am Ende fotografiert werden. Ich weiß noch genau, wie ich im zarten Alter von elf Jahren an der Tischtennisplatte fürs Foto posierte und mich fragte, wie die Gymnasiumszeit wohl wird. Als ich fast achtzehn war, durfte ich mich dann wieder dort aufstellen und dachte: Wow, die Zeit ist ja wie im Flug vergangen.

Mein Leben war, bis ich sechzehn wurde, nicht besonders aufregend. Man kann es mit einer Achterbahn vergleichen, bei der man sehr lange einfach nur am Boden herumtuckert und dann geht es plötzlich ohne Vorwarnung steil nach oben. In mein siebzehntes Lebensjahr fielen die erste selbst veranstaltete Party, der Eintritt in die Kursstufe und die ersten Liebesabenteuer, um nur einige aufregende Sachen zu nennen. Anstatt jeden Sonntag in die Kirche geschleppt zu werden wie andere, die ich kenne, ging ich sonntagmorgens häufig in die Bücherei und mokierte mich dann über die Dorfbevölkerung, die nach dem brav besuchten Gottesdienst in die Bücherei kam, um mit der Bibliothekarin den neuesten Dorfklatsch auszutauschen. Was mir aus der Zeit auch noch in Erinnerung geblieben ist, sind die ewig langen Busfahrten zur Schule und insbesondere nach Hause. Ich hatte während der Kursstufe mindestens ein Mal pro Woche bis zur neunten Stunde – damals gab es um die Zeit allerdings keine Schulbusse mehr und mein Heimatdorf hatte keinen Bahnhof. Also musste ich erst vom Gymnasium zum Bahnhof laufen und dann über eine Stunde durch die Gegend tuckern. Mit Umsteigezeit. Die Einzige, die ich kannte, die noch früher aufstehen musste als ich, war meine beste Freundin. Mit 15 hatte ich eine französische Austauschschülerin zu Gast, der das frühe Aufstehen extrem missfiel. Die haben aber auch viel humanere Unterrichtszeiten als wir, da kann ich das schon verstehen. In den Schulbussen gab es extrem viele Idioten und die einzige Rettung war mein MP3-Player, auf den ich heute immer noch nicht verzichten kann, wenn ich unterwegs bin.

Meine beste Freundin traf ich quasi nur in der Schule. Ich habe heute immer noch in guter Erinnerung, wie wir in den großen Pausen über den Schulhof stratzten und uns über alles Mögliche unterhielten. Im Sommer saßen wir auch oft unter dem Riesenbaum am Fluss, der ans Schulgelände angrenzt. Außer ihr hatte ich keine Freunde, zumindest keine, die ich heute als solche bezeichnen würde.

All das, was ich nicht selbst erlebte, konnte ich gut durch Geschichten ausgleichen, die sie mir erzählte. Aus der Kirche geklautes Weihwasser, Leute, die versucht hatten, ein Gummibärchen zu destillieren und so weiter.

Als ich noch jung war, hatte ich ziemlich viel Blödsinn im Kopf, auch wenn ich lange nicht so wild war wie andere. Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke, wie ich kurz nach meinem fünfzehnten Geburtstag in Gesellschaft einer damaligen Freundin auf dem örtlichen Schützenfest anderthalb V+ (!!!) getrunken hatte. Ich war wahnsinnig stolz auf die ungeheure Menge gewesen und darauf, dass weder meine Eltern noch mein Bruder etwas mitgekriegt hatten. Ich weiß auch noch, wie mir meine beste Freundin mal ein Rezept für einen „sehr gesunden“ Vitamintrunk gegeben hatte. Zutaten: eine Wasserflasche und eine Packung Vitamintabletten. Ich fand die Idee total klasse und hatte mir die Zutaten schon besorgt. Gerade habe ich mit meiner besten Freundin über die Geschichte gesprochen und sie sagte, dass eine Freundin von ihr auf diese Weise eine Klausur nicht mitschreiben musste… Hilfe. Irgendwie bin ich froh, dass es dann doch nicht dazu kam, dass ich das Zeug getrunken habe.

Zugtickets kosteten damals noch nicht so viel Geld wie heute. Ich habe trotzdem so lange, wie es ging, noch die Kinderfahrscheine gekauft (endlich mal eine Sache, für die mein junges Aussehen gut war). Einmal hab ich in der Stadt eine CD gekauft und auf dem Rückweg dann darauf spekuliert, dass mich niemand kontrolliert, weil ich für die CD das mit ausgegeben habe, was ich eigentlich für die Rückfahrkarte gebraucht hätte. Hat geklappt. Wenn ich eine Kugel Eis kaufen wollte, musste ich dafür in die nächstgrößere Stadt fahren, denn die Pizzeria, die bis dahin alle Dorfbewohner mit Kugeleis versorgt hatte, war irgendwann pleite gegangen.

Ich hatte erst sehr spät Internet bekommen. Ganz selten durfte ich an den Computer meiner Eltern, um den Modemanschluss zu nutzen. (Das Modem war übrigens pink. Cool, nicht?) Ich weiß noch, wie ich mal ein Bild von meiner besten Freundin und ihrem damaligen Freund aufrufen wollte, das sie mir per Mail geschickt hatte. Der Bildaufbau dauerte ZWEI Minuten. So lange brauche ich heute, um meinen Posteingang durchzugucken. Den Computer benutze ich damals wie heute, um Geschichten zu schreiben, nur kann ich es jetzt quasi überall machen, wenn nur der Akku voll genug ist.

Ich habe mit meiner besten Freundin immer noch regen Kontakt, aber irgendwie vermisse ich die Zeit der gemeinsamen Gänge über den Schulhof. Wenn ich am Bahnhof hier im Ort ankomme, weil mein Freund (den ich immer noch habe, seit ich 16 bin) hier wohnt, muss ich jedes Mal daran denken, wie ich zum ersten Mal hier war. Ich habe an der Maitour der Clique meiner besten Freundin teilgenommen. Ich trank ziemlich viel Alkohol (was aus heutiger Sicht schon gar nicht mehr so viel war) und hatte wahnsinnigen Spaß.

Tagebuch geschrieben habe ich früher übrigens auch. Irgendwo habe ich noch eine riesige Datei gespeichert mit Einträgen aus meinem früheren Leben. Wobei ich gar nicht weiß, wie ich da noch rankommen soll – ich vermute, dass sich die Einträge auf einer Diskette befinden. Wäre aber witzig, sich all das Zeugs mal wieder durchzulesen.

Hilfe, jetzt klinge ich wahrscheinlich wie eine alte Oma, die ihren Enkeln von früher erzählt. Naja, was soll’s.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Vorstellung

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Hallo erst mal. An dieser Stelle möchte ich mich kurz vorstellen. Ich bin die Kitschautorin, ein achtzehn Jahre altes, in der drittgrößten Stadt Niedersachsens wohnendes Mädchen. Wie mein Name vielleicht schon sagt, bin ich Autorin. Normalerweise beschränke ich mich auf kitschige, der Wahrheit überhaupt nicht entsprechende Kurzgeschichten. Doch will ich jetzt auch mein Können in einem Blog demonstrieren. (Welches Können? Eine Bekannte von mir bewegt sich ebenfalls hier und ist ja ach so viel besser als ich. Ich will keine Namen nennen.)

Warum möchte ich das? Nun ja, mir begegnet jeden Tag so ein großer Betrag an Irrsinn, dass ich es einfach nicht mehr ertrage. Natürlich begegnet mir dieser Irrsinn in verschiedenen Kategorien. Beispielsweise Mitmenschen, Tagesgeschichtliches oder einfach nur Dämliches, das man so erlebt. Eine Geschichte möchte ich jetzt mit Ihnen, den geschätzten Lesern (haha, als würde irgendjemand diesen Quatsch hier lesen…), teilen.

Sicher kennen alle diese alte Redensart: Alles neu macht der Mai. Nun, so etwas Ähnliches hatte ich mir auch gedacht und ich wollte zum Friseur, um mir eine neue Haarfarbe zuzulegen. Also habe ich mich auf mein Rad geschwungen und bin bei absoluter Knallsonne 6 Kilometer bis zum nächsten Friseur gefahren.

Dort kam ich an:

– Hallo. Ich möchte gerne meine Haare von Ihnen färben lassen.

– Ah, haben Sie denn ein Attest vom Hautarzt?

Ich stockte. Attest? Seit wann brauchte man das? Das hatte ich der vor mir stehenden Dame auch so gesagt. Und die Antwort war:

– Tja, das tut mir Leid, dann kann ich Ihnen leider nicht die Haare färben.

Es war wie im Film. Die berühmte Nadel kratzte runter von der Platte und die Hintergrundmusik war weg. Ich will gar nicht bestreiten, dass ich beim anschließenden Herumgejammere meinerseits ziemlich lächerlich klang. Aber nicht mal die Beteuerung, dass mein Hautarzt mir GESAGT hatte, dass mit meiner Kopfhaut alles in Ordnung war, half.

Gut, das Ganze wäre nicht halb so ärgerlich gewesen, wenn ich nicht zwölf Kilometer (hin und zurück) hätte fahren müssen. Aber das war nicht das Schlimmste.

Nun ja, wie soll ich sagen, manche Menschen scheinen gar nicht mehr auf ihre Mitmenschen zu achten. Nun kam ich also nach Hause in die WG. Meine werten Mitbewohner waren darüber informiert, warum ich gerade drei Stunden weggewesen war. Und dann hieß es, als ich wieder da war:

– Wow, also, deine neue Haarfarbe sieht echt super aus.

Ohne Worte. Ich verschwand einfach nur in meinem Zimmer.

Wenn ich in einer WG leben würde, in der mich meine Mitbewohner nicht mal von hinten angucken, wäre das ja noch verständlich. Da ich aber eigentlich jeden Tag was mit ihnen mache, ist das ja schon irgendwie bedenklich.

Na ja. Was soll ich dazu schon sagen, vielleicht ist mein Mitbewohner ja auch einfach mal schwupps! farbenblind geworden. Man weiß es nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin