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Schlagwort-Archive: der spiegel

Leukämie ist ein mieses Arschloch

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Guido Westerwelle ist gestern gestorben. Ich war politisch gesehen nicht mit ihm einer Meinung, aber sein Tod ist trotzdem traurig. Noch dazu, wenn man weiß, wie es passiert ist. So etwas gönne ich keinem. Herr Westerwelle hatte akute Leukämie, die vor zwei Jahren diagnostiziert wurde, und wenn man nicht zufällig darüber gestolpert wäre, wäre er schon viel eher gestorben.

Er hat dem Spiegel ein längeres Interview gegeben letzten November. Es ist wirklich sehr interessant: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/guido-westerwelle-im-spiegel-gespraech-und-dann-stirbste-a-1083100.html Er redet darüber, was er bereut, über seine Erfahrungen mit Homophobie, über Möllemanns Antisemitismus und vieles mehr.

Wie immer, wenn irgendwo irgendwas passiert, schaut man, ob man die Nachricht mit sich selber verbindet. Ich musste ziemlich schnell an meinen Großvater denken. Der leidet zwar an einer anderen Form der Leukämie und lebt nun schon über neun Jahre damit, aber es gibt Zeiten, wo es ihm auch richtig schlecht geht. Einmal hätte er fast eine Knochenmarkspende gebraucht. Als ich erfahren habe, dass er krank ist, habe ich mich direkt typisieren lassen (und ich kann euch nur empfehlen, das auch zu tun). Mein Großvater muss höllisch aufpassen. Krankheiten, die normale Menschen sehr einfach wegstecken würden, bringen ihn immer gleich ins Krankenhaus. Ich hoffe, dass er irgendwann nicht mehr leiden muss. Dass irgendwann niemand mehr daran leiden muss.

Grüße

Die Kitschautorin

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Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 37

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Den Vormittag des 8. Januar verbrachte ich in einem Arztwartezimmer. Wie immer waren die Zeitschriften ein wenig veraltet und so bekam ich den “Spiegel”, 51/2014, in die Finger. In einem Artikel stand Folgendes:

Aufruhr herrschte kürzlich auch an einer renommierten Privatschule: dem Elite-Internat Schloss Salem. Mit dem neuen Schuljahr verfügte dessen Leiter Bernd Westermeyer, 45, jeden Abend um 21.30 Uhr die Smartphones aller Mittelstufenschüler einzusammeln und erst am Tag darauf gegen 14.30 Uhr zurückzugeben; bisher hatte es derlei strenge Regeln nur für die jüngeren Schüler der traditionsreichen Bildungsstätte am Bodensee gegeben.

Meine Meinung über diese Einrichtung, die ich ja schon mehrmals in diesem Blog kundgetan habe, hat sich durch diesen Artikel nicht gerade geändert. Eine “renommierte” und “traditionsreiche” Privatschule schafft es nur durch ein temporäres Handyverbot, die Nutzungsgewohnheiten ihrer Schüler in den Griff zu bekommen? Nicht sehr beeindruckend. Höchstens im negativen Sinne. Das Einsammeln der Handys stellt meiner Meinung nach einen schwerwiegenden Eingriff in die Privatsphäre der Schüler dar. Und man weiß doch, was Laotse gesagt hat:

Je mehr Verbote und Beschränkungen das Reich hat, desto mehr verarmt das Volk.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Mein Schultag

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08 h 09: Es sind vier Leute da. Der Lehrer erläutert seine Korrekturen jedem persönlich.
08 h 11: Ich bin die Einzige, die den Aufgabenzettel vom Test dabeihatte. Kommt auch nicht jeden Tag vor.
08 h 43: Der Lehrer hat vorhin eine Geschichte aus seiner Anfangszeit als Übersetzer erzählt. Er hatte bei einer Übersetzung für einen wichtigen Großauftrag einer Firma vergessen, das Datum hinzuschreiben, zu dem die Ware an Bord des Schiffes sein muss. Eingefallen ist ihm das am Nachmittag vor der Deadline. Er ist wie ein Blöder zum Verladungsort gerast und die Ware war kurz vor Mitternacht auf dem Schiff, also in allerletzter Minute. Die Firma ist zwei Jahre später pleitegegangen, aber nicht etwa, weil mein Lehrer was verbaselt hat. Der Chef wurde von sechs Staatsanwälten gesucht. Am Morgen, als ein Enthüllungsartikel im Spiegel erschien, ist die Frau vom Chef zu den zwei Zeitungsläden in ihrem Wohnort gegangen und hat alle Spiegel-Ausgaben gekauft.
09 h 22: Ich habe einen Ohrwurm von einem Stück aus „The King’s speech“. Und zwar von dem Teil, der läuft, als George VI. gerade seine Kriegseintrittsrede hält. Sehr interessant.
09 h 37: Pausengespräch. Schülerin 1: „Was machst du mit deinem Nachhilfeschüler?“ Schülerin 2: „Französisch.“

Quelle: echtlustig.com

10 h 05: Gespräch über die „deutsche Identität“. Und natürlich muss wieder auf Nazideutschland eingegangen werden. Mittlerweile sind übrigens acht Leute da.

10 h 25: Der Lehrer erzählt, dass Engländer, die in Schottland studieren, Studiengebühren bezahlen mssen, Schotten und Ausländer aber nicht.
10 h 32: Der Lehrer zeigt uns den Dialekt seiner Heimatregion. Er klingt wie Andy aus „Little Britain“.
11 h 39: Es wird einstimmig beschlossen, dass der Rest des Unterrichts ausfällt, weil nur noch vier Leute da sind und sich das nicht lohnt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Zeit für Zeitungen

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Heute habe ich fast sechs Stunden damit verbracht, Zeitungen zu lesen, da ich Zugang zu einigen E-Papern erhalten habe. Zuerst war die FAZ dran, dann die Süddeutsche und zuletzt der Spiegel.

Ein großes Thema in den Tageszeitungen war die gestrige Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt. Die FAZ hatte die dortigen Reden abgedruckt. (Ich frage mich, was Reden bringen sollen, aber das ist ein anderes Thema.) Das Tolle daran war: Genau das hatte die Süddeutsche Zeitung auch gemacht, deswegen musste ich nicht alles lesen. Ich kannte es ja schon.

Wieso muss es denn sein, dass überall dasselbe gezeigt wird (auch wenn es ein wichtiges Thema ist)? Sollte sich eine Zeitung nicht vielmehr durch etwas Eigenes, Einzigartiges hervortun? Ich hätte jedenfalls keine Lust, mir etwas zu kaufen, wo eh nur das Gleiche drinsteht wie bei allen anderen.

Mein erster Gedanke beim Lesen des Spiegels galt der vielen Werbung. Interessehalber habe ich mal nachgezählt, wie viel Werbung in der Zeitschrift enthalten ist. Ich kam auf 28 ganzseitige Anzeigen, dazu kommen noch zirka viereinhalb Seiten mit Anzeigen, die nicht die ganze Seite bedecken. Insgesamt sind das also 32,5 Seiten. Der Spiegel hat 152. 21,3 Prozent – das ist ja so schlimm wie im Fernsehen. „Und jetzt unterbrechen wir die Berichterstattung über die Zustände in Syrien für ein wenig Werbung!“

Ich finde es jedenfalls toll, dass es solche E-Paper gibt. In Zukunft werde ich die Zugangsmöglichkeit dazu noch weiter nutzen und evtl. über den Inhalt der Zeitungen berichten. Denn es passiert auf der Welt unheimlich viel – und es wird auch unheimlich viel Mist geschrieben, teilweise sogar in seriösen Zeitungen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin