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Schlagwort-Archive: Eichmann-Seminar

Kurz kommentiert (mehr oder weniger), Teil 36

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http://www.br.de/nachrichten/csu-integration-sprache-100.html

Liebe CSU, ich möchte Ihnen jemanden vorstellen:

http://www.sozialisation.uni-osnabrueck.de/index.php/de/personen/wassillis-kassis

Dieser Mann ist im Alter von zehn Jahren aus Griechenland in die Schweiz gekommen und arbeitet seit einigen Jahren in Deutschland. Er ist ein beliebter Professor – seine Veranstaltungen sind immer voll – und wurde schon von verschiedensten Presseerzeugnissen zu seinen Forschungsprojekten interviewt. Würden Sie diesen Mann, der mit seiner Familie grundsätzlich nur Griechisch spricht, als unintegriert beschreiben?

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Lebenszeichen

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Ich habe jetzt sehr lange nichts mehr gebloggt. Seit ich von meinen Großeltern wieder zurück bin, ist nicht viel passiert. Ich kämpfte mich bis letzten Montag durch drei Hausarbeiten, von denen ich zwei erst zwei Wochen vorher beginnen konnte, weil der Dozent nicht früher Zeit für mich hatte. Und vorhin habe ich entdeckt, dass mein Frühlingsgedicht von Zeit Online übernommen wurde (http://t.co/5dsOtnYuLT – das unterste auf der ersten Seite). Naja, mein Leben wird sicher besser, wenn die Uni wieder anfängt und ich mit dem ganzen Trubel rund um die Taufe durch bin.

Eigentlich wollte ich mir in einer Woche einen Lebenstraum erfüllen, was dadurch verhindert wurde, dass Ennio Morricone wegen einer Rücken-OP keine Konzerte geben kann. Es sind auch noch ein paar andere doofe Sachen passiert. Ich würde sie gern aufschreiben oder in einer Geschichte verarbeiten, Worte würden dem aber nicht gerecht werden, daher füge ich hier jetzt ein Youtubevideo ein, das es viel besser kann:

https://www.youtube.com/watch?v=RCObXuAwCIA

Ich wünschte, ich könnte so tolle Geschichten schreiben wie dieses Lied.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Nazis und Austauschstudenten

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Ich war schon immer der Meinung, dass die Vergangenheitsbewältigung in punkto Nationalsozialismus nicht so gut geklappt hat. Aber selten war es so deutlich wie in der vorletzten Sitzung des Seminars „Eichmann in Jerusalem“. Eugen Steimle, ranghoher Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes und verantwortlich für Massenmorde in der Sowjetunion, wurde zuerst zum Tode und dann zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, wovon er sechs Jahre absaß. Nach der Freilassung arbeitete er als Gymnasiallehrer für Deutsch (!) und Geschichte (!!). Werner Heyde, einer der Hauptorganisatoren der Euthanasiemorde, konnte nach dem Krieg als Arzt praktizieren. Das gehört zu den Gründen, aus denen ich mir immer an den Kopf fasse, wenn mal wieder irgendjemand behauptet, man solle die Nazizeit doch langsam mal vergessen. Wie kann man so was nur vergessen?

Derselbe Dozent, der das Eichmann-Seminar gibt, ist auch für das Seminar „Integration oder Assimilation?“ verantwortlich. Vor kurzem beschäftigten wir uns ja mit Sarrazin. Der Dozent überlegte, was er in der letzten Sitzung mit uns anstellt, meinte aber, dass wir uns Sarrazin als Gast wohl nicht leisten könnten, denn der nehme 15000 Euro. 15000 Euro für so einen Müll. Wow. Wir alle wissen ja, dass es Fremdenfeindlichkeit nicht nur in Deutschland gibt. In der Schweiz (dem Land, aus dem unser Dozent kommt) gibt es eine von der SVP ausgehende Initiative gegen die „Masseneinwanderung“ der Deutschen. Am 9. Februar soll es sogar einen Volksentscheid darüber geben. Und so, wie’s aussieht, liegen die Antideutschen vorn.

Bevor mein Dozent in der Schweiz lebte, kam er aus Griechenland. Auch die Familie seiner Frau stammt daher. Sein Schwiegervater war mal Austauschstudent in Österreich und lebte dort bei einer alten Nazitante, die die ganze Zeit Nazilieder vor sich hersang. Unwissend, was das alles bedeutete, nahm der damals junge Mann die Lieder in sich auf. Zig Jahre später trifft dieser mittlerweile alt gewordene Mann auf den Freund seiner Enkelin. Er bekommt mit, dass dieser Deutscher ist. Und um sich mit ihm gut zu stellen, singt der alte Mann eins der Lieder aus seiner Untermieter-Zeit. Das kam nicht so gut an.

Heute hatte ich nun wieder eine Sitzung „Eichmann in Jerusalem“. Diesmal ging es u.a. um die Kollaboration in Frankreich. Und ich war eine von ganzen zwei Studenten, die sich schon vor dem Referat mit diesem Thema beschäftigt haben. Eine Studentin, die in Basel zur Schule gegangen ist, erklärte sogar, dass das Ganze bei ihr im Unterricht niemals thematisiert wurde. Schockierend.

Es gibt natürlich auch lustige Momente in meinem Studium. In einem meiner Seminare gibt es einen Erasmus-Studenten aus Spanien. Mit Vornamen heißt er Jesús, was immer wieder Anlass für verschiedene Witze ist. Beispiel: Er fehlte in der letzten Sitzung vor Weihnachten und meine Dozentin äußerte sich folgendermaßen:

Jetzt ist bald Weihnachten und ausgerechnet heute ist Jesús nicht da.

Die Dozentin hat in der letzten Sitzung aber auch eine furchtbare Geschichte erzählt: Sie hat mal (in Gedenken an ihre Mutter, die sich selbst vorwarf, nicht genug für die Rettung der Sinti und Roma getan zu haben) Stolpersteine verlegen lassen. Als sie sah, dass diese dreckig geworden waren, putzte sie die Steine. Es kamen Leute an und haben sie gefragt: „Müssen Sie das machen? Sind Sie Hartz IV?“

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Erster Unitag im neuen Semester

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Das neue Semester fing ziemlich brutal an. Meine erste Veranstaltung nannte sich “Eichmann in Jerusalem – Zur alltäglichen Möglichkeit, sich dem Bösen hinzugeben oder zu widersetzen”. Zweifellos sehr interessant. Aber der Dozent zeigte uns einen Film darüber, was bei der Befreiung der Konzentrationslager vorgefunden wurde. Es war heftig, die ganzen Leichen zu sehen. Wie kann man so was nur leugnen?

Das Eichmann-Seminar wird aber nicht die einzige Veranstaltung sein, die thematisch in diese Richtung geht. Ich habe nämlich auch noch versucht, in ein Seminar namens “Pädagogik als Unpädagogik? Bildung und Erziehung in der Zeit des Nationalsozialismus” hereinzukommen (mehr dazu hier: https://kitschautorin.wordpress.com/2013/09/02/zwischenbericht/, Ende des zweiten Absatzes). Heute Morgen stellte ich fest, dass ich auf der Warteliste auf Platz 4 vorgerückt war. Wenn man dort steht, hat man den Seminarplatz schon relativ sicher. Es sei denn, der Dozent entscheidet sich, nachdem er die ersten drei Studenten der Liste noch nachrücken ließ, auf einmal dazu, den Rest so zu vergeben, wie die Studenten es wollen. Und die Mehrheit war dafür, auszulosen. Und ich wurde nicht gelost.

Nachdem ich mich etwas beruhigt hatte, schrieb ich dem Dozenten eine E-Mail, und er hat sie anscheinend gelesen. Ich bekam vor ca. anderthalb Stunden eine Systemnachricht, dass ich in die Veranstaltung eingetragen wurde – und das bin ich tatsächlich. Ihr seht: Manchmal bringt eine Beschwerde doch etwas.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin