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Kunstgeschichte und andere Stories

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Meine Uni hat beschlossen, das Kunsthistorische Institut in sechs Jahren dichtzumachen. Warum das ziemlich banane ist, steht hier, genauso wie der Link zur Petition. Den letzten Stand findet ihr hier. Ich hoffe, dass die Proteste erfolgreich sind.

Ansonsten ist mein Leben zurzeit relativ langweilig. Ich arbeite und studiere unmotiviert vor mich hin. Nur eine interessante Sache ist passiert: Vorgestern habe ich zum ersten Mal Kontaktlinsen ausprobiert. Ich war zunächst etwas irritiert, da ich den Eindruck hatte, damit nicht so gut zu sehen wie mit der Brille. Das stimme auch, sagte die nette Optikerin, aber das sei ganz normal, man erreiche nie denselben Wert. Und es reiche für den Führerschein immer noch aus. Gut zu wissen, auch wenn ich die Linsen eher so beim Sport tragen werde.

Einsetzen ging ganz gut, das Rausnehmen… naja, ich sah hinterher aus, als hätte mir wer das Herz gebrochen. Hätte ich meinen Fingernagel früher gekürzt, hätte das aber auch gut geklappt. Am Mittwoch werde ich sie wieder tragen – für das Ju-Jutsu-Training, zu dem ich seit einigen Wochen gehe. Mal sehen, wie das wird.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Heute in der Uni

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Heute wollte ich in die Uni, um dort Einsicht in ein Gutachten zu beantragen.

Punkt 1: Ich brauchte nen schriftlichen Antrag, wovon ich vorher nichts wusste.

Punkt 2: Die Bachelor-Prüfungsamtsfrau war krank.

Punkt 3: Die Master-Prüfungsamtsfrau, die sie vertrat, hätte – ich hatte mittlerweile irgendwie den Antrag klargekriegt – mich ins Gutachten reinschauen lassen können, wollte aber nicht. Begründung: „Mir wäre aber schon lieber, wenn Sie dafür zu (BA-Frau) gehen, ich hab das ja gar nicht vorliegen und müsste das erst raussuchen, das geht ja gar nicht, weil das dauert viel zu lange…“

Es war zwar viertel nach elf und die normale Sprechstunde wäre um halb zwölf zu Ende gewesen, aber was ist das denn für eine Begründung? Wenn zu meinem Mann eine Kundenfirma kommt und an ihn eine Frage hat wegen eines Bauteils und der sagt: „Ne, das mach ich jetzt nicht mehr, weil ich in ner Viertelstunde Feierabend habe“, dann wird er gefeuert. Da kann man sich die Vertretung ja auch gleich sparen, wenn sie keine Zeit oder Lust hat, das zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Ich schrieb dann an die BA-Frau, ob wir, sobald sie gesundet ist, einen Termin für die Einsicht machen können. In der Abwesenheitsnotiz stand dann: „In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte ans Master-Prüfungsamt.“ Äh, ja.

Studentenmädchenreport, Tag 85

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Zulassung

Ich schätze, das heißt: Jetzt wird’s ernst…

Mit freundlichen Grüßen

Kitschautorin, cand. paed.

Studentenmädchenreport, Tag 70

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Mein Lieblingsdozent of all time hat den Antrag unterschrieben. Ich muss ihn jetzt zu meiner Zweitgutachterin bringen. Wenn die ihn unterschrieben hat, kann ich ihn im Dekanat abgeben – und dann gut zehn Tage später laut rufen: “Jetzt geht’s lo-hos!”

Inoffiziell ist es natürlich längst losgegangen. Ich war heute bei meinem Betreuer, um noch das eine oder andere mit ihm zu besprechen. Ich weiß jetzt, ob ich französische Quellen zitieren darf (darf ich) und wie die Arbeit ungefähr heißen wird (“Fremdenfeindlichkeit im heutigen Deutschland”).

Nicht so nett: Es gibt leichte Organisationsprobleme bzgl. früherer Leistungen, die ich bei ihm erbringen musste. Wo mache ich wie viele Punkte und macht das Prüfungsamt das mit? Es ist so nervig. Aber all das ist nichts im Vergleich zu dem, was diese Frau erleben musste:

http://www.tagesschau.de/inland/syllm-rapoport-101.html

Als ich das gelesen bzw. gesehen habe, dachte ich mir: Ich werde mich von dem kleinen bisschen, das mich nervt, nicht aufhalten lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Bier und Bibliotheken

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Tagesordnungspunkt 1: Bier

Gestern Abend wagte ich mich zum ersten Mal seit keine Ahnung wann in die einzige Kneipe der Welt, in der mir das Bier schmeckt, und bekam Folgendes zu hören:

Wir müsssssn jez geeeeehn. Ssssorry, wir wolllln nichhh stöööören, aber du hassss schönes Haar.

Ähm, danke.

Tagesordnungspunkt 2: Bibliotheken

Dozent empfiehlt mir bestimmtes Buch. Ich gebe es in die Suchmaske meiner Unibib ein. Ergebnis: “ausleihbar, Verlust”. Da hat also entweder irgendein Assi das Buch verstellt, damit es kein anderer ausleihen kann (und ich dachte immer, so was machen sonst nur Juristen) oder eine Bibliotheksaufsicht hat ihre Arbeit nicht richtig gemacht. Was ich aber noch toller finde: Eine 60 km entfernte Uni, die zu den kleinsten Unis in Deutschland zählt (und, nebenbei bemerkt, so klein ist, dass sie erst vor drei Jahren die Online-Immatrikulation eingeführt hat), hat das Buch. Irgendwas läuft hier falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Der Bereich der Uni, für den ich demnächst als Tutorin arbeiten soll, hat meinen Personalbogen verschlampt und ich darf alles noch mal ausfüllen resp. kopieren. Irgendwas läuft hier DEFINITIV falsch.

Zweiundzwanzig

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Dem einen oder anderen Blogleser dürfte bereits aufgefallen sein, dass ich die “tageszeitung”, kurz “taz”, sehr schätze. Ich habe ihren Newsletter abonniert. Und eines Tages landete Folgendes in meinem Mailfach:

http://www.neuraus.de/component/option,com_shopblog/showoffer,28367/

Entscheidend ist hierbei der Punkt drei. Der klang sehr interessant, also habe ich mich sogleich gemeldet. Vor ziemlich genau einem Monat besuchten mich dann zwei sehr nette taz-Mitarbeiterinnen, eine Redakteurin und eine Fotografin, bei mir zu Hause. Ich finde den Artikel okay, auch wenn ich dadurch wohl so rüberkomme, als wäre ich internetsüchtig. Aber es ist was Wahres dran und irgendwie finde ich das auch lustig. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann den Artikel hier lesen:

http://bit.ly/1aWJ5nq

Ich habe den Artikel auch einigen Internetfreunden gezeigt. Einer meinte, ich würde durch das Bild eine Null-Bock-Haltung vermitteln und das könnte mir eventuell Schwierigkeiten bei der Jobsuche einbringen. Dabei würde ich gar keinen Job haben wollen, wo es Probleme wegen eines solchen Artikels geben könnte.

Aber wenn es um deinen Traumjob geht, siehst du das vielleicht anders.

Wenn mir da so was in die Quere kommen könnte, wäre es nicht mein Traumjob. Ganz einfach.

Samstag erschien der Artikel, und seit gestern stimmt die Altersangabe, die darin steht, nicht mehr. Leider musste ich gestern ein Referat halten, weil die letzten beiden Termine der Veranstaltung „Demokratietheorien“ falsch eingetragen worden waren und ich es nicht rechtzeitig gemerkt habe. Aber immerhin habe ich viele tolle Geschenke bekommen. Die Liste ist nicht ganz vollständig, z.B., weil meine Oma das Paket erst nächste Woche losschickt, aber trotzdem möchte ich das bis jetzt Erhaltene hier aufzählen:

– eine Eismaschine

– zwei Tafeln Schokolade, eine davon riesengroß

– Geld (das ist sehr gut, weil ich diesen Monat die Studiengebühren fürs nächste Semester bezahlen muss, grr)

– einen Thalia-Gutschein

– einen Amazon-Gutschein

– das “Genial-daneben”-Spiel

– drei Bücher (darunter “Die Sauerei geht weiter” von Jörg Nießen und “Volkscomputer” von Brian Bagnall)

Ich finde alle Geschenke wirklich super, aber mir gingen die Augen total auf, als ich entdeckte, was sich noch unter den drei Büchern befand, die mir meine Eltern geschenkt haben: der zweite Fotoband von Farin Urlaub. Australien und Osttimor. Und ich hab nicht nur den sauteuren Band gekriegt, nein, er ist auch noch handsigniert. Selten habe ich mich so über ein Geschenk gefreut. Ich bin gerade dabei, es durchzugehen, und die Bilder sind wirklich atemberaubend. Den Amazon-Gutschein habe ich übrigens schon eingelöst – die Tora und der Babylonische Talmud sind auf dem Weg zu mir.

“Die Sauerei geht weiter” kann ich sehr empfehlen. Ich habe es gestern sehr schnell durchgelesen, weil die Geschichten des als Feuerwehrmann und Rettungsassistent arbeitenden Autors so amüsant waren. Mit “Volkscomputer”, einem Buch über die Firma Commodore, habe ich heute im Wartezimmer meines Hausarztes angefangen, und es ist auch sehr interessant.

Apropos Arzt – ich bin dort heute lieber mal hingegangen, weil mich das komische Drücken in der Brust, das mich schon vor einigen Wochen quälte, die ganze letzte Nacht nicht schlafen ließ. Als heute Morgen um sieben wegen eines Friseurtermins der Wecker klingelte, wäre ich am liebsten im Bett liegengeblieben, so fertig war ich. Ich habe es dennoch hingeschafft, aber nur, weil mich der tollste Mann der Welt gefahren hat. Auf dem Friseurstuhl wäre ich dann fast eingeschlafen. Das Brustdrücken ließ mich immerhin für den Rest des Tages in Ruhe. Bis auf eine kleine Episode, als ich in die mir verhasste Juristenbibliothek musste, um einen wichtigen wissenschaftlichen Aufsatz zu kopieren. Ich mag die Juristenbibliothek nicht, weil ich, als ich das letzte Mal da war und ein Spiel auf meines Freundes Laptop spielte, bei dem man ziemlich viel klicken muss, von einer blöden Jurastudentin angequatscht worden, ich solle doch bitte damit aufhören. Als ich heute was tippen musste, wurde ich zwar ein paar Mal blöd angeguckt, aber in Ruhe gelassen. Vielleicht hängt es auch an der Zeit, zu der man hingeht – die Leute, die einen Sonntagnachmittag in der Bibliothek der juristischen Fakultät einer Universität verbringen, sind wohl einfach nicht so locker drauf.

Ich fühlte mich unwohl, als ich heute in der Juristenbibliothek saß. Vor einiger Zeit habe ich mal in einem Studienführer einen Artikel über unterschiedliche Fächerkulturen gelesen. Und es scheint was dran zu sein. Vom Aussehen her passte ich mit meinen knallroten Haaren und den Schlabberklamotten jedenfalls gar nicht zu all den adrett gekleideten und, falls männlich, vollgegelten Wesen, die durch die Bibliothek stromerten. Bin aber auch irgendwie stolz drauf.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Einführungswoche

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Wie aufmerksame Leser bereits wissen, mache ich zurzeit ein Praktikum bei einem örtlichen Radiosender. Für diese Woche habe ich mich mit meinem Chef drauf geeinigt, dass ich zwei Tage beim Sender und zwei Tage in der Uni bin. Ich möchte jetzt von meinen Erfahrungen bei Letzterem berichten.

Erster Tagesordnungspunkt am Dienstag war die Sprechstunde mit einem Pädagogikdozenten.

1.) Ich hatte verpeilt, mir den Raum und das Gebäude aufzuschreiben, in dem besagte Sprechstunde statt fand.

2.) Ich ging auf gut Glück in ein Gebäude und fragte, wo die Sprechstunde sei. Mir wurde erklärt, wo die Pädagogen sitzen.

3.) In einem anderen Gebäude fragte ich noch mal nach, wohin ich muss. Die nette Psychologiestudentin erklärte mir, wo ich einen Computerraum finden konnte (auch sehr wichtig zu wissen, wirklich!). Dort ergoogelte ich mir, wohin ich musste.

4.) Dort angekommen, informierten mich die netten Leute von der Fachschaft Erziehungs- und Kulturwissenschaften darüber, dass ich zum Erstsemesterfrühstück in Gebäude XY müsse.

Das fängt ja nett an, dachte ich. Ich erfuhr dort aber schließlich alles, was ich rauszufinden beabsichtigt hatte, und kam sogar in den Genuss eines Schokokussbrötchens. (Klingt schräg, schmeckt aber super.)

Nach dem Erstsemesterfrühstück der Pädagogen ging ich schon wieder essen, und zwar diesmal in die Mensa, mit einigen Erstsemesterstudenten des Fachbereichs Sozialwissenschaften. Die Mensa wurde nicht zu Unrecht mehrmals ausgezeichnet. Danach fuhr ich kurz nach Hause, um für eine Informationsveranstaltung zum Studiengang Politik wiederzukommen. Die war aber nicht sehr informativ.

Heute schließlich war die zentrale Begrüßungsveranstaltung für Erstsemesterstudenten. Zwei Freunde von mir sind mitgekommen, weil man dort Unmengen an Gratiszeug abstauben kann. Ich möchte an dieser Stelle aufzählen, was ich bekommen habe:

– ein Heft über Unnützes Wissen

– einen Walnussknacker

– vier Kondome

– vier Aufkleber (davon drei vom Schwulenreferat der Uni. Mein Favorit: I ❤ Penis.)

– 16 Gutscheine

– zehn Gratispostkarten

– neun Tüten mit Gummibärchen

– vier Bonbons

– ein Tütchen mit Erdnüssen

– zwei Stück Traubenzucker

– vier Luftballons

– drei Post-it-Blöcke

– einen normalen Block

– elf Stifte

– zwei Lesezeichen

– eine Ausgabe des Neuen Testaments

– einen Taschenspiegel

– einen Radroutenplan

– eine Haarspülungsprobe

– Kekse von der Islamischen Hochschulgemeinde

– einen Bierdeckel von Amnesty International

– drei Schlüsselanhänger (einer dient als Zahnseidenspender, ein anderer als Flaschenöffner)

– ein Päckchen Kaugummi

– ein Brillenputztuch

– eine Plastikhülle für den Studentenausweis o.ä.

Ich würde mal sagen, es hat sich gelohnt, dahin zu gehen. Nächstes Jahr mache ich das wieder – wie meine anderen Freunde.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Was ich seit Schulende gemacht habe

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Ich habe in letzter Zeit einige Artikel geschrieben sowie Beiträge fürs Radio erstellt (da mache ich nämlich gerade ein Praktikum):

http://www.spiesser.de/artikel/im-norden-nichts-neues

http://www.mitmischen.de/diskutieren/topthemen/schueler-bafoeg/streitgespraech/index.jsp

http://www.mitmischen.de/diskutieren/topthemen/bundesstiftung_baukultur/fotoreportage_lieblingsbauten/index.jsp (Bild Nummer 8)

http://www.schekker.de/content/pro-contra-%E2%80%9Eschulfach-internet-erziehung%E2%80%9C

http://www.schekker.de/content/weltsprache-deutsch

http://osradio-podcast.de/2012/09/07/umfairteilen-osnabruck/

http://osradio-podcast.de/2012/09/11/judischer-abend-im-felix-nussbaum-haus/

Auch in Sachen Uni hat sich einiges getan. Ich war mit sehr vielen Papieren beschäftigt, deswegen habe ich den Bafögantrag erst am Donnerstag abgegeben. Viel früher hätte es allerdings auch nicht sein können. Die Immatrikulationsbescheinigung lag nämlich erst am Wochenende davor im Briefkasten. Die Studiengebühren hauen ein ganz schönes Loch ins Konto, aber es ist ein schönes Gefühl, endlich eingeschrieben zu sein.

Da ich die erforderlichen Unterlagen endlich hatte, konnte ich mich auch für die Kurse eintragen. Es hat ein paar Stunden gedauert, bis ich alles zusammen hatte. Ich musste mich durch zwei Studienordnungen und unzählige Male durch die Uni-Suchmaschine wühlen. Es war schon lustig, als ich mal wieder eine Veranstaltung suchte, einfach nur “bla” eingab, um auf die gewünschte Suchansicht zurückzukommen, und trotzdem Ergebnisse bekam. Vorausgesetzt, ich habe jetzt wirklich alles zusammen, sieht mein Stundenplan sehr human aus. Ich beginne nur einen einzigen Tag vor zwölf Uhr, muss nie länger als bis sechs in der Uni sein, habe nie mehr als zwei Veranstaltungen am Tag und der Freitag ist komplett frei. Ich muss allerdings noch eine Überschneidung rauskriegen.

Ich freue mich schon auf die Einführungswoche. Meine Studentenfreunde, die alle schon mindestens vier Jahre studieren, gehen jedes Jahr wieder hin, weil man so viel Gratiszeug abstauben kann. Kugelschreiber, Essensproben, Zeitungen, Kondome und noch viel mehr. Für mich ist es natürlich noch wichtig, weil ich dort viele Infos über mein Studium kriege und mir vielleicht schon mal die anderen Studis ansehen kann. Der Anfang wird mir dadurch noch erleichtert, dass in zwei Veranstaltungen Freunde von mir sitzen. Die erste Veranstaltung am 8. Oktober muss ich allerdings noch allein besuchen. Aber es wird bestimmt trotzdem toll.

Mit akademischen Grüßen

Die Kitschautorin

100 Artikel – 20 Jahre

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Das hier ist der hundertste Artikel in diesem Blog, wheee! Aus diesem besonderen Anlass hier eine Geschichte von mir, die ich zu meinen besten Werken zähle. Ich hoffe, sie gefällt euch. Viel Spaß beim Lesen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Zwanzig Jahre

 

Was für ein bescheuerter Geburtstag. Bestimmt hatten sich die Leute vom Kultusministerium verschworen, um ihr diesen besonderen Tag zu versauen. Annika dehnte und streckte sich und sah dabei aus dem Fenster. Diesen Platz würde sie während der nächsten vier Stunden nicht verlassen. Höchstens, um auf Klo zu gehen. Und selbst das wäre nicht immer möglich.

Sie war frühmorgens an einem Ort, den sie nicht mochte, und das an ihrem Geburtstag. An einem normalen Schultag hätte sie wahrscheinlich in der Schule angerufen und irgendeine Entschuldigung vorgebracht, aber heute war das schwer möglich.

Vor ihr lagen mehrere blütenweiße Bögen, einige liniert, einige nicht, und ein bisschen Recyclingpapier. Auf allen Blättern stand der Name der Schule. Und die unlinierten weißen Bögen würde Annika in den nächsten vier Stunden mit Leben füllen müssen. Mit etwas Sinnvollem, das idealerweise mit Geschichte zu tun hatte. Ausgerechnet Geschichte. Das blödeste Fach, das Annika nur gewählt hatte, weil irgendwas aus dem Fachbereich dabei sein musste. Es war so wahnsinnig lernaufwändig gewesen. Pausenlos hatte Annika am Schreibtisch gesessen und versucht, sich alle möglichen Daten einzuprägen, und es war schwierig gewesen, da die Themen sehr breit gefächert waren. Altes Rom, Nationalsozialismus, Renaissance. Und jetzt saß Annika auf diesem Stuhl und hatte einen Aufgabenvorschlag auszuwählen und wusste nicht weiter. Der eine hatte mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun und der andere mit Augustus.

Wie entschieden sich die anderen wohl? Ben starrte wie sie gedankenverloren herum, Maria blätterte gerade um, Vanessa wechselte eine Füllerpatrone aus. Füller. Damit hatte Annika noch nie schreiben können, ohne sich mit Tinte vollzukleckern. Und es war immer so verdammt schwer, die Tinte wieder abzukriegen.

Meine Güte, was war hier gerade los? Sollte sie nicht längst an der Arbeit sitzen? Einer der Prüfer schaute ihr in die Augen. Dieser Moment dauerte nur kurz, aber Annika erkannte genau, dass er ihr am liebsten zurufen würde: Fangen Sie endlich an! Vergeuden Sie nicht ihre Zeit! Er hatte Recht. Annika schnappte sich einen der Aufgabenvorschläge und etwas Konzeptpapier.

 

Als Frieda ein Kind gewesen war, war jeder ihrer Geburtstage gefeiert worden. Sie hatte viele Geschenke bekommen, ein Geburtstagslied und viel Kuchen. Ihre Mutter konnte guten Kuchen backen. Dieser Geburtstag hingegen war kein schöner Tag. Es war kalt, der Wind pfiff durch die Straßen, überall nur zerbombte Häuser.

Frieda stand auf der Straße, sah sich um. Sie erblickte einen Mann, der mit Krücken und Holzbein die Straße entlanghumpelte. Sie seufzte. Immerhin hatte er überlebt. Viele andere, die sie gekannt hatte, waren tot.

Hinter ihr lagen harte, entbehrungsreiche Wochen. Ihr Zuhause hatte sie verlassen müssen, es war nicht mehr deutsch. Ein Onkel in Berlin hatte sie aufgenommen, da ihm eins der wenigen unzerstörten Häuser gehörte. Essen war knapp, so wie alle Güter des täglichen Bedarfs. Ständig hatte man Hunger.

Wie sollte es nur weitergehen? Die Aufbauarbeiten hatten schon begonnen, aber so kaputt, wie alles war, würden sie ewig dauern. Friedas Vater war in russischer Gefangenschaft und ihre Mutter musste fünf Kinder versorgen. Als Älteste musste Frieda mithelfen. Es war hart. Sie fragte sich, wie es nur weitergehen sollte – ohne Essen, Vater, Geld oder ein stabiles politisches System. Sie sehnte sich nach der Zeit ihrer Kindheit zurück, als noch nicht alles in Trümmern lag. Als ihr Vater ihr noch Gutenachtgeschichten vorlas und die Mutter noch Geburtstagskuchen backte. Frieda seufzte und ging ins Haus zurück.

 

Annika hatte in der Schule drei Mal Nationalsozialismus behandeln müssen. Das erste Mal war in der achten Klasse im Religionsunterricht gewesen. Ihr Lehrer hatte etwas von einem Mönch erzählt, der einen Mann gerettet hatte, der mit ihm im KZ inhaftiert gewesen war, indem er sich für ihn geopfert hatte. Annika hatte diesen Mann bewundert. Das zweite Mal war in der zehnten Klasse gewesen, im Geschichtsunterricht. Die Lehrerin hatte einen Haufen Referate verteilt und einen Besuch der einige hundert Kilometer entfernten Gedenkstätte Bergen-Belsen angeregt. Dies war schließlich an der schlechten Bahnverbindung gescheitert. In der zwölften Klasse war es schließlich Halbjahresthema geworden. Da hatten schon einige gemurrt. „Muss das sein? Wir hatten das doch nun schon rauf und runter!“ Das Thema war ihren Mitschülern zu banal geworden, zu uninteressant. Annika hatte sich dafür noch relativ stark interessiert, sich aus der Bücherei Anne Franks Tagebuch und ‚Schindlers Liste‘ ausgeliehen und viele Filme zu dem Thema gesehen. In der Zeit nach dem Abi wollte sie nach Frankreich fahren und bei der Pflege eines jüdischen Friedhofs helfen. Sie fand es schade, dass sich so wenige Leute um die Vergangenheit kümmerten. Und dennoch gab es bei weitem Schöneres, als eine Abschlussprüfung darüber zu schreiben, wie Annika seufzend feststellte. Sie atmete tief durch und schrieb weiter.

 

In diesem denkwürdigen Winter, der schon lange her war und von dem Frieda damals noch nicht wusste, dass er ihr Leben verändern würde, hatte ihr Vater gejubelt. „Jetzt geht es endlich wieder aufwärts!“, hatte er lauthals am Küchentisch verkündet. Er hatte sich im Recht gesehen, da seine Brüder wieder Arbeit gefunden hatten. Frieda wurde zur Mitgliedschaft im BDM gezwungen. Sie ging dort ohne große Freude, aber auch ohne großen Widerwillen hin. Im Grunde lebten die meisten Menschen so ihr Leben. Aber sie hatte sich des Öfteren einige Dinge gefragt. Ob der Feind wirklich getötet werden müsse. Wenn sie es jedoch wagte, so etwas laut auszusprechen, wurde sie ausgeschimpft. Sie verstehe davon nichts. Wie sie so etwas nur sagen könne. Und dann wurde sie in schöner Regelmäßigkeit auf ihr Zimmer geschickt. Schön war das nicht. Und dann kam der Krieg. Ihr Vater wurde eingezogen, seitdem hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Es gab gelegentlich Briefe, irgendwann kam gar nichts mehr. Mit dem Krieg kamen die Zerstörung und der Hunger. Ihr Heimatland verwandelte sich zu großen Teilen in ein Trümmerfeld und sie verlor so viele Menschen. Ihren Vater. Ihre Großmutter, die von einer Bombe zerfetzt wurde. Aber es wurde allenthalben verkündet, dass der Krieg notwendig war. War es auch notwendig, dass ihr ihr Vater und ihre Großmutter genommen wurden? Aber so etwas durfte man ja nicht sagen.

 

Hier wurde der Grundstein für ihre Zukunft gelegt und dieser Gedanke machte Annika verdammt nervös. Sie hatte Seite um Seite vollgeschrieben, alles zum Thema Zweiter Weltkrieg und Nationalsozialismus. Hoffentlich hatten ihre Lehrer nichts daran auszusetzen. Sie hatte Angst davor, die Blätter abzugeben, schaute alles zig Mal auf Rechtschreib- und sonstige Fehler durch, und als sie schließlich in Zeitlupe aufstand und mit den Blättern auf die Aufsicht zuging, zitterte sie am ganzen Körper. Ihr Geschichtslehrer nahm die Arbeit an, sortierte sie ein und nickte ihr lächelnd zu, als wolle er sagen: „Sie haben es geschafft!“ Aber er log. Drei Prüfungen hatte sie noch vor sich. Eine davon mündlich. Und an die wollte sie gar nicht erst denken. Nichtsdestotrotz fühlte Annika sich unglaublich erleichtert, als sie wieder vor der Tür zum Prüfungsraum stand. Sie hatte es überlebt. Federnden Ganges schritt sie durch die Schule, Richtung Fahrradständer. Und da sah sie etwas, was ihr gar nicht gefiel. Neben dem Fahrradständer machten Bastian und Julia einen auf oberglückliches Pärchen. Der leichte Wind trug einige Gesprächsfetzen zu Annika herüber. „Boah, war die Prüfung vielleicht anstrengend!“, stöhnte Bastian. „Ich finde, du hast das ganz toll gemacht!“ Nasereiben, Küsschen. Annika fand, dass Max Liebermann schon ganz Recht gehabt hatte: Manchmal konnte man gar nicht so viel fressen, wie man kotzen wollte. Auf einmal hörte sie von irgendwoher ein Lied von früher, obwohl eigentlich gar kein Lied zu hören war. Langsame Gitarrenklänge, ab und zu ein kräftiger Akkord. Und ein Sänger, der beklagte, dass Liebe wehtat. Ihre beste Freundin hatte es ihr vor über einem Jahr mal gezeigt, nachdem sie mit viel Herzschmerz erzählt hatte, dass Bastian jetzt mit Julia zusammen war. Danach hatte sie sich noch mieser gefühlt als vorher. Eine nahegelegene Kirchenglocke, die halb eins signalisierte, unterbrach Annikas Gedanken. Sie schloss ihr Fahrrad auf, stieg auf und fuhr los. Bastian rief ihr noch ein „Ciao, Annika“ hinterher, als ob er sich für sie interessierte. Von fern war ein Krankenwagen zu hören.

 

Es gab Augenblicke, in denen man sich fragte, wie das Leben nur weitergehen sollte. Diese Augenblicke hatte Frieda in den Jahren um 1945 sehr oft gehabt. Oft hatte sie ihre Mutter bewundert, die alles ganz allein geschafft hatte – Haushalt, Kinder, Leben… Sie war sehr streng erzogen worden. Natürlich hatte sie sich in einige Männer verliebt, aber zu mehr als gewöhnlichen Gesprächen mit einem Meter Mindestabstand war es nie gekommen, das hatte ihre Mutter schon zu unterbinden gewusst. Der erste Mann, den sie näher hatte kennen lernen dürfen, war der Sohn eines Freundes der Familie gewesen. Er hieß Walter. Sie hatte ihn immer nur unter Aufsicht der Eltern treffen dürfen, zum Kaffee. Als klar geworden war, dass etwas Ernstes daraus werden würde, war sofort eine Hochzeit anberaumt worden. Erst nach der kirchlichen Hochzeit hatte Frieda zu Walter ziehen dürfen. Der Pfarrer hatte davon erzählt, dass die Ehe heilig sei. Sie hatte neben ihrem Bräutigam gestanden und sich gefragt, ob es gut gehen würde. Es war gegangen, siebenundvierzig Jahre lang. Vier Kinder, sieben Enkelkinder. Obwohl es manchmal sehr schwierig gewesen war, hatte sie nicht im Traum daran gedacht, ihren Mann zu verlassen. Der Tod hatte allerdings daran gedacht. Er war ein grausamer Herr. Er hatte Frieda ihren geliebten Mann genommen, mit dem sie den größten Teil ihres Lebens verbracht hatte. Sie vermisste ihn sehr und dachte noch oft an ihn. Jetzt saß sie in der Küche auf dem Platz, auf dem er seine letzten Lebensjahre immer gesessen hatte, im Haus ihres jüngsten Sohnes. Vor ihr stand eine Tasse Tee. Frieda schaute nachdenklich aus dem Fenster. Wann würde sie Walter wiedersehen? Es würde sicher nicht mehr lange dauern, jedenfalls hoffte sie das. Er fehlte ihr. Seine Stimme, sein Geruch. „Walter“, flüsterte sie leise, „nimm mich zu dir…“

 

Während sie durch die Stadt radelte, stellte Annika sich vor, was sie zu Hause erwarten würde. Die Geschenke hatte sie heute Morgen schon gekriegt, zusammen mit der Ermahnung, bei der Prüfung auch ja alles zu geben. Ihre Eltern hatten damals darauf bestanden, dass Annika das Abitur machte. Ihre Oma war die gewesen, die immer auf gute Noten gepocht hatte und darauf, dass Annika unheimlich viel für die Schule machte. Wahrscheinlich würde sie ihr befehlen, nicht so viel zu jammern, wenn sie gleich von den Strapazen des bisherigen Tages erzählte, so stellte Annika sich das jedenfalls vor. Als sie mit dem Fahrrad in ihre Straße einbog, kam ihr ein Notarztwagen entgegen. Der war allerdings nicht im Einsatz. Das freute Annika sehr, denn sie erschrak immer fürchterlich ob der Lautstärke, die solche Wagen immer erzeugten. Sie lehnte ihr Rad an die Hauswand, schloss es ab und betrat das Haus. „Hallo, Leute, ich bin wieder da!“, rief sie. Niemand antwortete ihr. Das war ungewöhnlich, eigentlich müssten um die Uhrzeit alle wieder da sein. In der Küche war niemand, im Wohnzimmer nicht, auch alle anderen Räume im Erdgeschoss waren leer. Sie ging die Treppe hoch. Ein ungutes Gefühl beschlich sie. Im Zimmer ihrer Oma fand sie schließlich ihre Eltern und ihre Oma. Sie lag im Bett und schlief. Oder sah es nur so aus? Annika sah ihre Eltern an. „Was ist hier los?“ Ihr Vater teilte es ihr mit. „Oma ist gerade gestorben. Herzanfall. Der Notarzt konnte nichts mehr für sie tun.“ Annika starrte ihre Oma an, die im Bett lag und sich nicht mehr rührte, aber friedlich aussah. Ihre Eltern kamen auf Annika zu und nahmen sie in den Arm. „Wenigstens ist sie jetzt wieder bei Opa“, murmelte sie.