RSS-Feed

Schlagwort-Archive: fies

Freie Zeit, Ferien und foll wichtige Entscheidungen

Veröffentlicht am

Tagesordnungspunkt 1: Freie Zeit

Als ich in der zehnten Klasse war, bekam ich mit, dass meine Mitschüler unheimlich gerne Neon lasen. Allein das hat damals schon dafür ausgereicht, dass ich es unbedingt auch wollte. Aber die Zeitschrift war auch einfach gut. Themen für junge Leute, aber nicht so hirnlos wie Bravo und Konsorten. Jahrelang war ich Abonnentin.

Bis ich irgendwann mitbekam, dass die Zeitschrift nicht für Leute für mich gemacht war. Nicht mehr. Man könnte auch sagen, ich war herausgewachsen. Ich lebe auf dem Land, in einer stabilen Beziehung, mit meinem ersten Freund, wir haben nicht mal zwischendrin Schluss gemacht. Und das schienen Sachen zu sein, die in der Neon-Welt nicht vorkamen. Ich habe die Zeitschrift irgendwann kaum noch gekauft, und anscheinend war ich da nicht die Einzige, denn die Zeitschrift wurde eingestellt.

Ich bedauere das schon ein wenig, wenn das auch mehr die Art von Bedauern ist, die man (das vermute ich jedenfalls) nach dem Beenden einer früher so schönen Beziehung hat. Die Neon hat mich über zehn Jahre begleitet, ich habe über neon.de einen sehr lieben Freund kennen gelernt (falls du das liest: Ja, ich meine dich. :P), und jetzt ist es vorbei. Mal sehen, ob es in Zukunft eine neue Zeitschrift geben wird, mit der ich liebäugeln kann. (Nein, ich meine weder den Playboy noch die Tattoo Erotica.)

Tagesordnungspunkt 2: Ferien

Die Ferien sind nun schon zur Hälfte rum, und ich finde es toll, dass ich sie habe. Meine Hoffnungen darauf, die Tabletten nie wieder nehmen zu müssen, haben sich leider zerschlagen, aber man kann nicht alles haben. Ich nutze auf jeden Fall die Zeit, die ich habe, für familiäre und freundschaftliche Treffen.

Tagesordnungspunkt 3: Foll wichtige Entscheidungen

In meinem Beruf habe ich sehr viel Menschenkontakt. Außerdem kenne ich Leute, deren Immunsystem fast nicht vorhanden ist. Grund genug, mich impfen zu lassen. Meinen Impfausweis hatte ich leider verloren, jetzt habe ich einen neuen. Am Montag ließ ich mich gegen FSME impfen. Der Hausarzt sagte zwar, dass Norddeutschland kein Risikogebiet ist, allerdings zählen andere Teile von Deutschland dazu, in denen ich Freunde habe… und die skandinavischen Länder.

Bis ich bei meinen Eltern auszog, bin ich immer gegen alles geimpft worden, und 2012 gab es noch mal den Vierfachshot. Bei einer Sache konnte ich allerdings nicht zuverlässig sagen, ob ich dagegen geimpft wurde, und das ist Hepatitis B. Ich möchte an dieser Stelle einmal sagen, was das Prozedere in solchen Fällen ist: Der Arzt nimmt dem Patienten Blut ab und bestimmt den Titer, ergo den Antikörperstatus im Blut. Das Labor braucht einige Tage und kann dann sagen, ob der Impfstatus ausreicht oder nicht. Bei mir waren zwar noch Antikörper vorhanden, aber nur wenige. Also musste ich heute noch mal ran.

Zufällig habe ich erfahren, dass meine kleine Kusine heute auch geimpft wurde, und es war für uns beide aufgrund der großen Nadeln (uah) sehr unangenehm. Viel schlimmer fand ich aber die so genannten „Impfkritiker“, die mir dann weismachen wollten, dass Impfungen nur schaden und so weiter. Ich könnte jetzt aufzählen, aus wie vielen Gründen solche Menschen nur Affenscheiße reden, aber ich verweise da einfach mal auf den von mir sehr geschätzten Kinderdok. Und auf John Oliver.

Impfmäßig bin ich jetzt wieder voll dabei. In zwei bis drei Monaten werde ich allerdings die Grippeimpfung hinterherschieben. Weil, wie bereits erwähnt: Viel Menschenkontakt. Und außerdem will ich niemanden anstecken, dessen Immunsystem das nicht verkraften kann.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Advertisements

Kann ich noch Christin sein, wenn ich an Gott zweifeln muss?

Veröffentlicht am

Heiner Geißler ist ja nun leider vor kurzem verstorben. Vor seinem Tod habe ich aber noch sein Buch „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“ gekauft – und mittlerweile auch gelesen. Einige Gedanken dazu möchte ich nun hier festhalten.

Er fragt, wie es sein kann, dass man Gott Allmacht, Güte und Allwissenheit zuschreibt, bei all dem Leid auf der Welt. Die Theodizeefrage also. Aus dieser Frage leitet er aber eine weitere Frage ab: Ist Christsein möglich ohne Gott? Er denkt, dass es durchaus möglich ist. Ich weiß nicht, ob das stimmt.

Er schreibt über seine eigenen Glaubenszweifel – etwas, das mir wohlbekannt ist. Ich frage mich immer öfter, wo Gott ist, wenn ich an das ganze Leid auf der Welt denke. Schon seit längerer Zeit. Und derzeit frage ich mich, ob er überhaupt existiert.

In diesem Zusammenhang zitiert Herr Geißler den afrikanischen Kirchenlehrer Lactantius, was ich an dieser Stelle auch tun möchte:

Warum hat Gott das Übel nicht verhindert?

Entweder Gott kann es nicht, dann ist er nicht allmächtig.

Oder er will nicht, dann ist er nicht gut und gerecht.

Oder er kann und will nicht, dann ist er ohnmächtig und böse zugleich.

Oder er kann und will, warum tut er es dann nicht?

Viele Menschen haben sich Gedanken zur Theodizeefrage gemacht, die großen Kirchen natürlich auch. Acht verwendete Antworten führt Herr Geißler in seinem Buch an:

  1. Leiden ist Strafe für Sünden

  2. Die Leiden sind von Gott geschickt

  3. Gott nach dem Leid zu fragen (Rechtfertigung Gottes), ist eine Anmaßung des Menschen

  4. Gott will geliebt werden, dies setzt aber den freien Willen des Menschen voraus, auch das Böse zu tun. Ohne das Böse gibt es keinen freien Willen

  5. Nicht Gott verursacht das Leid, sondern Hitler, Pol Pot, Assad, Psychopathen und Sadisten

  6. Leid wird verursacht durch den Teufel, Hexen, Zauberei

  7. Gott handelt, wie er will

  8. Gott sei Lob und Preis

Es gibt so viele Menschen, die nie etwas Böses getan haben, wofür werden die dann bestraft? Und wenn ich Gott nicht danach fragen darf, warum all das Leid passiert, dann finde ich das eine Anmaßung. (Und überhaupt, was ist das für ein Gott, der auf die Liebe der Menschen angewiesen ist?) Ich kann Gott auch nicht einfach so lobpreisen, wenn ich weiß, dass bei Anschlägen unschuldige Menschen sterben und mir nahestehende Menschen langsam von Krankheit zerfressen werden.

Ich war auch ziemlich schockiert, als ich las, dass Martin Luther der Meinung war, er dürfe Gott nicht danach fragen, warum er so krank sei, das sei ja Blasphemie. Ich muss zugeben, ich habe das trotz meines Lutheranerdaseins nicht gewusst. Man muss so was fragen dürfen.

Heiner Geißler ist nun also der Meinung, dass der Glaube an Gott letztlich irrsinnig ist. Jesus nimmt er dabei aber ausdrücklich heraus. Jesus mache nämlich den vom Pech verfolgten Menschen Mut. Er schreibe jedem Menschen Würde zu. All das, was Gott nicht tut. Er sei Helfer der Armen, Verstoßenen, Behinderten, die Verkörperung von Menschlichkeit und Barmherzigkeit. Er stelle etwas dar, an das man glauben könne.

Ich fand das Buch richtig gut. Und es gab mir zum Nachdenken. Wenn jemand das Buch auch gelesen hat oder auch einfach so Gedanken zum Thema hat, gerne damit in die Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Das Beste von letzter Woche bis jetze

Veröffentlicht am

Tagesordnungspunkt 1: Literatur

Neulich las ich ja „Der Junge muss an die frische Luft“ von Hape Kerkeling. Vermutlich dadurch animiert lieh ich mir auf der Arbeit seinen Reisebericht „Ich bin dann mal weg“ aus. Es war wieder toll, es zu lesen. Ich könnte jetzt einiges darüber erzählen, was er geschrieben hat, aber das würde dem Werk vermutlich nicht gerecht werden, also lest es lieber selbst. Nur über eine Szene möchte ich hier mal kurz ein paar Worte verlieren.

Irgendwo in Spanien kauft sich Hape Kerkeling eine Süddeutsche und liest sie. In der Zeitung ist auch ein Artikel darüber, dass Franz Müntefering alle schwulen Politiker dazu aufforderte, sich öffentlich zu outen, weil Schwule ja nun mal Menschen wie alle anderen seien. Die CSU ist dagegen, Begründung: Sexualität sei Privatsache eines jeden. Hape Kerkeling wird zu Recht total wütend darüber. Er gibt zu bedenken, dass ja auch niemand etwas dagegen habe, wenn ein Mann und eine Frau in aller Öffentlichkeit heiraten et cetera. Im Anschluss gibt er dann noch ein paar sehr wütende Statements zum Thema „Katholische Kirche und Homosexualität“ ab. Stellvertretend sei hier dieser Satz genannt, der meine Meinung dazu im Prinzip auch komplett wiedergibt:

Glauben die ernsthaft, dass Gott genauso kleingeistig und ideologisch wie sie selber ist?

(Ich muss das Buch bald mal wieder zurückgeben… aber es gefällt mir so gut… hach.)

Pilgern steht ja auch auf meiner Löffelliste. Mal sehen, wann ich das schaffe. Ich habe ja auch noch gar keine Ahnung, wo ich gerne pilgern würde und wie lange. Und wie viel mein armer, relativ schwach trainierter Körper aushält. (Tipps gerne in die Kommentare!)

Tagesordnungspunkt 2: Zeugnisse

Ich lebe und arbeite in Niedersachsen. Vor kurzem gab es hier Zeugnisse und am Dienstag kam eine Mutter mit ihrem Sohn beim Gemeindetreff vorbei. Und ich sag mal so, ich war meiner Mutter hinterher sehr dankbar dafür, dass sie nie in meiner Anwesenheit ihren Freundinnen mein Zeugnis gezeigt und detailliert die weitere Schullaufbahn erörtert hat.

Tagesordnungspunkt 3: Schlagzeug

Am Sonntag war ich mit einem Freund unterwegs und aus dem Schaufenster des örtlichen Trödelladens grinste mich ein Schlagzeug an. Ich überlegte hin und her… das Teufelchen auf meiner Schulter hat schließlich gewonnen und ich hab das Ding gestern tatsächlich gekauft. Der Besitzer des Ladens hat sich total gefreut.

„Wie, stand das Ding so lange bei Ihnen rum?“

„Ne, aber dauernd haben Leute drauf rumgetrommelt! Und die konnten das alle nicht! Das nervt!“

Nach ein bisschen Fachsimpelei über Phil Collins und andere Musiker machten wir uns ans Einladen. Als er meinen kleinen Wagen sah, staunte er nicht schlecht. Aber (*hebt den Zeigefinger*) nach ein bisschen Tetris-Spielen passte das Ding tatsächlich komplett rein. (Auch gut zu wissen.)

Das Schlagzeug steht jetzt bei mir im Keller. Mal sehen, wo es seinen endgültigen Platz bekommt… und zwar am besten isoliert, sodass ich nicht noch mehr Stress mit der Nachbarin kriege.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Ich las gerade, dass „Der Junge muss an die frische Luft“ verfilmt werden soll… das muss ich mir unbedingt ansehen.

PPS: Weiß jemand, wo ich gute Sticks herbekomme?

Sektweiber

Veröffentlicht am

Ich dachte immer, es gibt nichts Fiesereres, als an einem Samstagabend mit nem Kopf so breit wie ne Tür vom Blockseminar zum Bahnhof zu laufen und dort auf ne Horde Junggesellenabschiede zu treffen. Tja, denkste.

Kennt ihr diese Frauengruppen, die man (meistens freitagmorgens) an Bahnhöfen oder in Zügen antrifft und Sekt trinken? Normalerweise sind die nur nervig, ich durfte diese Woche aber gleich zwei Gruppen treffen, die darüber hinaus auch noch fremdenfeindlich waren.

Eine Gruppe echauffierte sich über „Zigeuner“, mit allen Vorurteilen, die man so kennt gegenüber dieser Gruppe. Besonders drollig fand ich eine Frau, die sich darüber wunderte, dass „einer von denen“ eine brandneue Lederjacke, die vor einem Dönerladen während der dortigen Bestellung „kurz abgelegt wurde“, klauen wollte. Is klar, Ali.

Heute Morgen traf ich nun erneut auf eine sekttrinkende Frauengruppe. Sie erörterte die Fahrkartenmodalitäten. „Ach, wir machen das einfach wie die Ausländer. Die sagen auch immer ’no ticket, no money‘ und fertig.“

Was freue ich mich, wenn ich irgendwann die Pendelei los bin und so was nicht mehr hören muss…

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Adoptiere einen Tag

Veröffentlicht am

Zwar habe ich es immer noch nicht geschafft, meinen Namen auf ein Buch zu bekommen, dafür aber immerhin wieder in ein Buch. Wollt ihr wissen, wie? Ich sage es euch.

Vor drei Millionen Jahren habe ich hier über das Projekt „Wurst mit Gesicht“ berichtet. Irgendwann landete bei einer meiner dortigen Bestellungen ein Zettel im Briefkasten. Der Mann, der schon das Wurstprojekt leitet, hat ein neues Projekt gestartet – „Adopt a day“. 365 Menschen sollten je einen Tag des Jahres 2014 beschreiben, den jeweilig tagesaktuellen Nachrichten gegenübergestellt. Die Idee klang ganz interessant, ich entschied mich also dafür, einen Tag zu adoptieren. Mein Wunschtag – der Tag, an dem ich getauft wurde – war leider nicht mehr frei, aber ich bekam einen anderen zugewiesen, den 29. April, also kurz nach der Taufe. Der Vorschlag hinter diesem Tag: mein Leben als frischgetaufte Christin zu beschreiben. Natürlich kam es ganz anders.

Der Autor hatte das Buch erstellt, weil er sich fragte, wie wichtig die großen Schlagzeilen für das Leben des Einzelnen sind. Ich habe mal versucht, das Ganze auszuwerten, und kam bei 365 Tagen auf 15,5, bei denen die von Dennis Buchmann ausgewählten Headlines irgendwie im Text vorkamen. Und es war nur deswegen so viel, weil in diesem Jahr eine Fußball-WM stattfand. (Wer sich fragt, wie ich auf den halben Tag kam: Bei einem Tag ging es um Fleischkonsum und eine Schlagzeile drehte sich um den Streit der Grünen über Fleischkonsum. Mein eigener Tag ist für die These, dass Nachrichten und das echte Leben nicht so ganz viel miteinander zu tun haben, ein prima Beweis. Headlines des Tages: Alstom-Übernahme, Snowden, Sparpaket in Frankreich und irgendein Russen-Radar. Nichts davon kommt in meinem Text vor.

Der Herausgeber der Chronik hat hinter den Schlagzeilen nicht angegeben, woher er diese hat. Es gab aber eine, da konnte ich mir schon denken, woher er sie hat („Hoffnung für festgefahrenes Kreuzfahrtschiff – Schumi bricht das Eis!“).

In dem Buch stehen viele traurige Geschichten. Unfälle, Krebs, Familienstreits in der Weihnachtszeit. Es gibt aber auch viele schöne. Neue Babys, bestandene Prüfungen, Treffen mit der großen Liebe. Ich kann die Lektüre dieses Werkes nur empfehlen. Wer es bestellen möchte, kann das hier tun: http://www.adoptaday.net/

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin (aber echt mal)

Weltschmerz, lachhaft, Widerruf

Veröffentlicht am

(Vielen Dank an dvda für den Titel. 🙂 )

„Und was machst du zurzeit so?“
„Och, es läuft ganz gut, ich hab vor kurzem endlich mein Ref angefangen.“
„Dann viel Erfolg.“
„Danke. Und was machst du zurzeit so?“
„Naja, ich muss morgen zum Arzt…“
„Dann hoffe ich mal, dass du nicht so lange warten musst. Ich bin ja jetzt privatversichert, da geht’s.“
„Privatversichert?“
„Als Beamtin auf Widerruf geht das.“
Nina seufzte laut. Ihre Oma hatte ihr neulich schon wieder in den Ohren gelegen. Nimm dir mal ein Beispiel an deiner Freundin!
„Oh, ich glaube, jemand hat gerade an meiner Tür geklingelt. Ich gehe mal eben hin.“
„Alles klar, bis dann!“
„Bis dann“, sagte Nina in einem möglichst neutralen Ton und legte auf.
Natürlich war niemand da, der an der Tür geklingelt hatte. Wer sollte auch an einer Tür einer Wohnung klingeln, die ab morgen leer stehen würde? Das Einzige, was sich noch in der Wohnung befand, waren eine Matratze, eine Kiste mit Habseligkeiten und die Noch-Mieterin selbst. Das heißt, eine Hälfte der Noch-Mieter. Aber Johannes war schon lange weg. Und er würde auch niemals wiederkommen. Er hatte alle seine Sachen abholen lassen, während Nina bei der Arbeit gewesen war. So schlau war er.
Nina war nicht so schlau gewesen. In einer Beziehung alleine sein, das konnte jeder. Trost bei jemandem suchen, das war normal. Sich von dem Trostspender küssen lassen, während der Partner gerade den Raum betrat, das war nicht normal.
Sie seufzte und schaute aus dem dunklen Fenster. Mit Kerstin hatte sie sich immer gut verstanden. Früher hatten sie sogar häufiger etwas zusammen unternommen… und dann zog Kerstin in eine andere Stadt und man hatte immer weniger Kontakt. Bei guten Freunden war das egal. Aber Nina merkte irgendwann, dass es ihr nicht guttat, wenn sie eine Freundin hatte, die geradewegs an ihr vorbeizischte. Leben mit langjährigem Partner, Studium beendet und baldige Verbeamtung. Und sie? Sie hatte ein Studium, das nicht voranging, einen Job, den sie hasste, und eine Beziehung, die sie in den Sand gesetzt hatte.
Wenn sie mal ehrlich war, hatte sie Kerstin auch nur deswegen angerufen, weil ihr langweilig war. Und weil der Computer schon in ihrem neuen Zimmer stand. Sonst hätte sie im Internet gesurft.
Vielleicht würde sie sich ja besser fühlen, wenn morgen ihr Vater kam und mit ihr die letzten Sachen holte. So aber war alles trostlos und leer. Die leere Vierzimmerwohnung, die sie früher mit Johannes bewohnt hatte. Ihr Herz sowieso. Alles war so schwarz wie die Nacht vor ihrem Fenster.
Ihr kam eine Szene aus der Serie in den Sinn, die sie und Johannes früher oft zusammen geguckt hatten. Die weibliche Hauptperson war aus ihrem Job gefeuert worden. Nachdem sie sich über die lachhafte Abfindung beklagt hatte, war sie von ihrem Ehemann in den Arm genommen und getröstet worden. Wie oft hatte Nina sich und Johannes mit den beiden verglichen? Wie oft hatte er sie in den Arm genommen, als sie traurig gewesen war?
Traurig guckte sie zu Boden und wollte fast weinen, da kam ihr ein trotziger Gedanke. Du weißt doch genau, dass er irgendwann gar keinen Bock mehr hatte, dich zu trösten. Da soll sich der Kerl mal nicht wundern, wenn du irgendwann in Christians Armen gelandet bist. Schön, Johannes hätte euch nicht unbedingt dabei sehen müssen. Aber hey, wenn alles in Ordnung gewesen wäre, wäre das nicht passiert.
Sie hob den Kopf.
Ich hab ihm sicher irre wehgetan.
Sie senkte den Kopf wieder.
Wie oft hat er dir wehgetan?
Sie schaute aus dem Fenster.
Spielt das eine Rolle?
Sie stand auf und ging durch die leere Wohnung. Dort hatten sie sich zusammen über Rechnungen gestritten. Dort hatten sie Sex auf seinem Sofa gehabt, bis sie einen Beinkrampf bekam. Dort hatte er sie in den Arm genommen nach ihrer verhauenen Prüfung. Und dort hatte er sie angeschrien, weil sie seine Pommes ein paar Minuten zu lang im Ofen gehabt hatte.
Nina seufzte laut. Was Weltschmerz anging, war sie schon immer gut gewesen. Nicht, dass das gut war. Eigentlich brachte es entsetzlich wenig. Aber hey, vielleicht konnte sie so immer noch Schriftstellerin werden.
Ihre Eltern wären natürlich dagegen, die würden lieber sehen, dass sie endlich ihr Studium beendete. Dafür hatte sie ja jetzt genug Zeit.
Sie konnte kaum erwarten, dass ihr neues Leben endlich anfing. Aber wer weiß, vielleicht erwartete sie in ihrem neuen WG-Zimmer drei Kilometer weiter ja letztlich auch nur die gleiche Lebensscheiße wie immer. Sie legte sich auf die Matratze in der fast leeren Wohnung und wartete darauf, dass die Sonne aufging und ihr Vater sie abholte.

Lebensupdate

Veröffentlicht am

Tagesordnungspunkt 1: Kloster

Richtig gelesen. Eine junge Frau in der Blüte ihres Lebens, die noch dazu knallrote Haare hat, verschwindet einfach mal für drei Tage ins Kloster. Ich will nicht zu viel darüber verraten, kann aber sagen, dass ich so einen Aufenthalt einfach nur empfehlen kann. Ich konnte viel nachdenken und einiges über diese der meinen sehr unterschiedlichen Lebensform erfahren. (Wobei, nicht so unterschiedlich. Immerhin wurde ich von den netten Schwestern auf eine Pizza eingeladen.)

Tagesordnungspunkt 2: Uni

Den Bachelorgrad und mich trennt immer noch einiges, das ich aus dem Weg zu räumen versuche. Seit einer Woche bin ich den Buchstaben hinter meinem Namen aber immerhin ein ganzes Stück näher gekommen, ich habe nämlich die Bachelorarbeit bestanden. Die Note ist nicht gut, aber immerhin. Ich habe den Kampf gewonnen. Hm, das Ganze erinnert mich stark an eine Kampfszene aus „Kill Bill“. Die Braut hat eine klaffende Wunde im Rücken, aber trotzdem ist es nicht sie, die tot am Boden liegt, sondern O-Ren Ishii.

Tagesordnungspunkt 3: „Ich heirate eine Familie“

Kennt jemand von euch diese alte Serie? Ein Mann heiratet eine Frau, die aus einer vorigen Ehe bereits drei Kinder hat, bekommt mit ihr noch ein viertes und muss mit dem ganzen Trubel irgendwie klarkommen.

Nun habe ich zwar keinen Mann mit drei Kindern geheiratet, Verwandte hat er aber trotzdem so einige. Und wenn man auf einem Treffen mit Selbigen dann ein Bild gezeigt bekommt, auf dem ein dunkelhäutiger Junge Kamelpisseurin trinkt (versehen mit der Bildunterschrift „Aber bei uns Ansprüche stellen“), dann… nun ja.

Dass man geglaubt hat, ich sei schwanger, war da schon fast wieder vergessen. Nur mal so nebenbei: Monsieur und ich haben gestern unseren ersten Hochzeitstag gefeiert. Schwierige Zeit, aber gute Zeit.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin