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Wo ist die Liebe hin?, Teil 4

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Ich verfluchte das Kultusministerium dafür, dass es alle meine schriftlichen Prüfungen innerhalb einer Woche stattfinden ließ. Pädagogik am Montag, Deutsch am Mittwoch, Geschichte am Freitag und – ganz schlimm – direkt am nächsten Tag Biologie. Sechs Tage lang fuhr ich morgens zur Schule, mittags zurück, versuchte zwischendurch, letzte Fakten für die Prüfungen in mein Gehirn zu bimsen. Ich pendelte zwischen Schule, Freunden und meinem Zuhause hin und her und häufig war die Straßenbahn, in der ich an den Prüfungstagen die Unterlagen zum letzten Mal durchsah, mein letzter Zufluchtsort.

Dass es zu Hause nicht gerade toll war, war ja klar. Aber auch in meinem Freundeskreis war die Situation nicht die beste. Aurélie verhielt sich in letzter Zeit wie ein aufgescheuchtes Huhn und es war klar, dass das nicht nur an den Abiturprüfungen lag. Mit Freddy war das nicht anders. Sonst sehr ruhig, machte er jetzt alle verrückt mit seiner Nervosität.

Für Anna war natürlich klar, dass die beiden etwas miteinander hatten. Das fand ich gar nicht so schlimm. Vielmehr regte ich mich darüber auf, dass es Anna missfiel. Okay, Freddy war ein Sonderling, der nicht besonders viel sprach, seine Stoppeln orange färbte und Musik hörte, die wir nicht wirklich mochten. Aber wir konnten ihn doch trotzdem akzeptieren, oder? Er hatte immerhin dafür gesorgt, dass wir wegen der Sache mit der Parisfahrt nichts Schlimmes zu befürchten hatten. Dabei hatte er mir doch erzählt, dass er das hauptsächlich meinetwegen getan hatte. Er war ja zu diesem Zeitpunkt schon achtzehn gewesen.

Als ich Anna das genauso sagte, hatte sie trotzdem noch Bedenken. „Versteh doch, Sara“, meinte sie, „ich kann ihn finden, wie ich will, es kommt doch darauf an, wie Aurélie und er sich verstehen. Klar, er kann sich sofort in sie verlieben, aber wird sie von ihm dasselbe denken? Du kennst sie doch.“

„Gegensätze ziehen sich an.“ Mehr fiel mir dazu nicht ein.

„Und Gleich und Gleich gesellt sich gern. Außerdem: Überleg dir doch mal, wie das sein wird, wenn die beiden zusammen sind. Dann haben wir ständig ein knutschendes Pärchen um uns. Die beiden werden sich ablecken wie diese ganzen Pärchen aus der Leckecke.“ Mit der Leckecke war der Flur von den Schließfächern bis zum Vertretungsplan gemeint. Dort konnte man nie lang gehen, ohne mindestens zwei Unzertrennliche anzurempeln.

Das saß. Ich war schwer getroffen, ich war immer die gewesen, die sich am meisten über diese Pärchen geärgert hatte. Mit meinen Argumenten am Ende war ich, als Anna mir erklärte: „Und wie wird es wohl sein, wenn sie sich mal nicht mehr so gut verstehen? Besonders für dich. Dein guter Freund und deine gute Freundin zicken sich an. Wie ätzend wäre denn das für dich?“

Wir saßen gerade an einer Bushaltestelle und warteten auf Annas Bus. Da er herannahte, sagte ich noch schnell zu ihr: „Ach was. Es ist doch noch gar nicht gesagt, dass die beiden wirklich zusammen sind. Und selbst wenn, so schlimm muss es doch nicht werden.“

„Hast ja Recht“, meinte Anna und wollte in den Bus einsteigen.

„Ach ja, und, Anna…“

„Ja, was denn?“

„Bitte unternimm nichts dagegen, wenn sie wirklich…“

„Schon gut, so hab ich es ja gar nicht gemeint.“ Anna stieg ein und die Bustüren schlossen sich hinter ihr. Der Bus fuhr weg.

Ich sah dessen Rücklichtern hinterher. Ob sie sich an meine Bitte halten würde?

Erst in diesem Augenblick bemerkte ich, dass Freddy an dieser Haltestelle ausgestiegen war. Hatte er etwa die letzten Worte unserer Unterhaltung mitbekommen? Sah nicht so aus, er wirkte allerdings auch nicht gerade glücklich. Was war los?

„Hi, Freddy, du siehst nicht glücklich aus. Was ist los?“

„Nichts. Was soll los sein?“

Aha, kurz angebunden wie immer. Verdächtig, verdächtig.

„Das weiß ich nicht. Würde ich sonst fragen? Komm, mir kannst du’s ja sagen.“

„Kommst du mit zu mir?“

„Ja, gerne.“

Den ganzen Weg vom Nordkreuz bis zur Berliner Straße versuchte ich, herauszufinden, worum es ging. Doch Freddy war noch maulfauler als sonst, das machte es mir nicht eben leicht.

„Liegt es am Abitur?“

„Nein.“

„Oder machst du dir Sorgen wegen der Zeit nach dem Abi? Eine Uni nimmt dich schon auf, mach dir da mal keine Gedanken.“

„Nein.“

„Hast du Probleme mit deiner Oma?“

„Nein.“

„Mit mir?“

„Nein.“

„Kannst du noch ein anderes Wort außer ‚Nein’?“

„Nein.“

Er stöhnte. Ich stöhnte.

„Was ist denn jetzt los? Es hilft dir jedenfalls nichts, wenn du weiter so einsilbig bist.“

Wir waren an seinem Zuhause angelangt. Er schloss die Tür auf, schmiss die Tür hinter uns zu und ließ sich auf den Boden sinken. „Oh Mann.“ Freddy rieb sich die Augen.

„Sag schon, was ist passiert!“

Und jetzt platzte er mit der Wahrheit heraus.

„Du meine Güte, ich bin total in Aurélie verknallt! Ich hab ihr bei Chemie geholfen, neulich waren wir zusammen essen und sie findet mich auch nett, aber mehr nicht! Da bin ich ganz sicher.“ Er lachte bitter auf. „Vielleicht sollte ich mal nachschauen, ob ich auch in grauer Vorzeit mal französische Vorfahren hatte. Das würde bestimmt helfen.“

Ich schnappte nach Luft. Also war Annas Vermutung (oder eher Befürchtung?) richtig gewesen. Mir gingen tausend Gedanken gleichzeitig durch den Kopf.

War sie auch in ihn verliebt?

Würden sie ein Paar werden?

Bestimmt würden Anna und ich die beiden dann nur noch im Doppelpack antreffen. Aber würde es überhaupt so weit kommen?

Die Situation war wie in einer Fernsehserie, wo die Heldin sich mit jemandem unterhielt, was aber trotzdem an ihr vorbeizog, da sie – genau wie ich gerade – tausend Gedanken gleichzeitig hegte.

Was sagte er gerade?

„… und deswegen werde ich sie auch nicht fragen, ob sie dasselbe für mich fühlt. Hat ja sowieso keinen Sinn.“

„Natürlich hat das Sinn!“, protestierte ich sofort und überlegte fieberhaft, wie ich meine These begründen konnte. Denn manche von Annas und Freddys Einwänden waren, so fürchtete ich, leider berechtigt.

„Ich kenne Aurélie schon seit fast zwölf Jahren und ich weiß, dass sie einer der am wenigsten oberflächlichen Menschen ist, die es gibt. Glaubst du wirklich, dass sie so hirnlos ist, jemanden fallen zu lassen, nur weil er sich anders gibt als die anderen und keine französischen Vorfahren hat?“

Freddy zuckte nur mit den Schultern. „Machen wir uns doch nichts vor, Aurélie steht nie im Leben auf so ’nen Typen wie mich.“

„Ach, Quatsch.“

„Das sagst du doch nur so. In Wirklichkeit glaubst du doch selbst nicht daran, dass sie so was wie Liebe für mich empfinden könnte.“

Das brachte mich auf die Palme. „Verdammt, wie willst du es denn wissen, wenn du sie nicht fragst?“, empörte ich mich. „Meinetwegen kannst du in deiner Höhle hocken bleiben und dich ewig bedauern. Oh, ich bin ja so ein armer Kerl. Aber komm dann bloß nicht zu mir, um mich vollzujammern.“

Jetzt zuckte Freddy zusammen. So einen Ton war er nicht von mir gewohnt, denn auch wenn es bei mir nicht so extrem war wie bei ihm, war ich doch ein relativ ruhiger Mensch.

„Ist ja schon gut, Sara“, murmelte er und er tat mir beinahe Leid, wie er da auf dem Boden vor der Tür hockte und einfach nicht weiterwusste.

„Komm, steh auf.“ Ich hielt ihm meine Hand hin, an der er sich hochzog, und wir setzten uns auf sein Bett.

„Ich nehme mir ja so oft vor, es ihr zu sagen“, beklagte sich Freddy. „Aber wenn ich dann vor ihr stehe, verlässt mich jedes Mal der Mut.“

„Also, ich kann nur wiederholen, was ich gerade gesagt habe. Wenn du es ihr nicht sagst, wird sie es nie erfahren. Du kannst doch ein ganz lockerer Typ sein.“

„Wie? Wann denn das?“, fragte er erstaunt.

„Denk doch nur mal dran, als wir damals zusammen in Paris unterwegs waren. Da warst du lustig, relaxt… Wenn du das jetzt bei Aurélie anwendest, klappt es bestimmt.“

„Bist du sicher?“

„Aber klar.“

„Ach, ich weiß nicht. Nachher mag sie mich doch nicht und dann stehe ich total dumm da.“

„Sei kein Frosch. Du machst das schon. Du musst sie ja nicht sofort überfallen. Frag sie erst mal nach einem Treffen.“

„Na gut. Aber lass mich den richtigen Moment abwarten.“

Ich wusste: Wenn Leute das in Filmen sagten, zögerten sie die nötige Aussprache einfach immer weiter heraus. Aber ich sagte nichts.

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 8

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„Wieso habt ihr das getan?“

Darauf fiel Freddy und mir, die wir mittlerweile zur Moralpredigt in den Tagungsraum der Unterkunft zitiert worden waren, keine Antwort ein. Wieso hatten wir das getan? Wieso hatten wir miteinander geknutscht und wieso hatte er anschließend in meinem Bett geschlafen? Freddy und ich konnten das nicht beantworten. Wahrscheinlich war diese Frage sowieso rhetorisch gewesen.

„Vor der Parisfahrt hat man euch doch gründlich über die Regeln bei dieser Fahrt aufgeklärt. Und da hieß es auch klipp und klar: Niemand darf sich nach der verabredeten Ruhezeit in einem andersgeschlechtlichen Stockwerk aufhalten“, äußerte sich Herr Nowitzki in einem für ihn völlig untypischen Ton. „Und genau gegen diese Regel habt ihr verstoßen.“

Wieso wir? Freddy war es doch, der im falschen Bett geschlafen hatte. Als er diesen Einwand vorbringen wollte, schnitt ihm Frau Lacombe sofort das Wort ab.

„Was habt ihr euch nur dabei gedacht?“ Das wussten wir auch nicht so genau. So guckten wir uns auch an. Da bestand wohl noch eindeutig Klärungsbedarf bei uns beiden. Aber erst, wenn diese Sache hier durchgestanden war. Und es sah aus, als würde das noch sehr, sehr lange dauern. Oh Hilfe.

Frau Lacombe sprang auf und wanderte unruhig im Raum hin und her. Ein Tick, den sie mit Lea und Mama teilte. Oh Gott, Mama! Mir lief es kalt den Rücken herunter bei der Vorstellung, was zu Hause los sein würde.

Mittlerweile hatte unsere Französischlehrerin am Fenster Halt gemacht. Sie atmete tief durch und murmelte irgendetwas vor sich hin. Dann kehrte sie zurück zum Tisch, an dem Herr Nowitzki, Freddy und ich saßen.

„Wie Di… euh, Herr Nowitzki sagte, habt ihr gegen eine wichtige Regel verstoßen. Dies können wir auf keinen Fall auf sich beruhen lassen. Ihr bleibt heute den ganzen Tag in der Jugendherberge. Herr Nowitzki und ich denken uns eine passende Strafe für euch aus.“

Mit diesen Worten standen die Lehrkörper auf und bewegten sich zur Tür.

Da fiel Freddy noch etwas ein. „Gut. Aber wenn Sie uns deswegen bestrafen wollen, dann bestrafen Sie bitte auch noch die anderen männlichen Vertreter dieser Reisegruppe sowie Katja, die entweder Alkohol mitgebracht oder auf dieser Fahrt gekauft haben, obwohl das, wie Sie uns gesagt haben, strengstens verboten ist.“

„Ferme-la“, fauchte Frau Lacombe. „Und natürlich werden wir eure Eltern über diesen Vorfall informieren.“ Sie zerrte ihren Kollegen aus dem Raum und war weg.

„Scheiße“, fluchte ich und hätte meinen Kopf am liebsten gegen die Wand geschlagen, um mich für meine Blödheit zu bestrafen. Wieso hatte ich so viel getrunken, dass ich nicht mehr wusste, was ich tat? Wieso hatte ich es vorgezogen, einer Saufparty beizuwohnen, anstatt einen Abend mal ganz allein zu verbringen? Wieso nur?

„Meine Mutter bringt mich um“, stöhnte ich vor mich hin. „Mein Vater wird drakonische Strafen verhängen und mindestens drei Jahre lang herumjammern, dass ich seinen Ruf geschädigt habe und seine Kanzlei meinetwegen den Bach heruntergeht. Und meine Oma wird mich für noch verkommener halten als bisher.“

„Ach komm, so schlimm wird’s schon nicht werden“, antwortete Freddy.

Ich konnte nicht glauben, was er da gerade gesagt hatte. „Nein, für dich wird es garantiert nicht so schlimm! Du hast bestimmt keine schreckliche Familie!“, fuhr ich ihn an.

„Nein, habe ich auch nicht“, entgegnete er ruhig. „Ich habe nämlich gar keine Familie.“

Überrascht schaute ich auf. „Warum?“

„Meine Eltern und meine kleine Schwester sind bei einem Verkehrsunfall gestorben. Die einzige, die sich um mich kümmert, ist meine Oma.“

Ich biss mir auf die Lippe. „Tut mir Leid.“

„Schon gut. Ich war erst zwei, als es passiert ist. Aber reden wir nicht darüber.“

„Und worüber dann?“

„Na, über diese blöde Situation. Es wird auf keinen Fall schlimm. Ich habe nämlich bereits einen Plan.“

„Ach, und wie sieht dieser tolle Plan aus?“, fragte ich pessimistisch. „Willst du die Lacombe und den Nowitzki erpressen, wie in einem dieser billigen Filme?“

„Wird nicht verraten“, antwortete Freddy mit einem breiten Grinsen. „Aber hab keine Angst, dir wird nichts passieren.“ Sprach’s und verschwand.

Meine Güte, was hatte der Junge nun wieder vor? Eine brilliante Idee konnte das auf keinen Fall sein, so viel stand fest. Keine Idee war gut genug, um mich aus diesem Schlamassel wieder herauszuholen.

Während die anderen Paris erkundeten, saß ich in meinem Zimmer in der Jugendherberge und dachte nach.

In den schrecklichsten Farben malte ich mir aus, was sich zu Hause alles ereignen würde, wenn meine Eltern und meine Oma von dem Vorfall erführen. Wunderschön war die Aussicht nicht gerade.

Papa würde mir den Vortrag seines Lebens halten, der selbst seine besten Plädoyers in den Schatten stellen würde. Immer wieder stellte ich ihn mir vor, in den verschiedensten Variationen, mit rotem Kopf, wild gestikulierend, Wortfetzen rufend wie „Was hast du dir nur dabei gedacht?“, „Unverschämtheit“, „unreif“ und „Rufschädigung“. Natürlich. Rufschädigung. Diese verdammte Kanzlei! Bestimmt würde er das Ganze nur halb so eng sehen, wenn er nicht so verdammt stark auf seinen guten Ruf aus wäre. Vor Ärger haute ich mit der Faust gegen die Wand. Den Schmerz spürte ich schon gar nicht mehr.

Oma würde die Sache wieder auf Mamas ach so schlechte Erziehung schieben. Denn, wie sie bereits beim letzten großen Streit von vor ein paar Wochen gesagt hatte, habe meine Mutter ja angeblich bei der Kindererziehung total versagt.

Mama würde diese total falsche Behauptung natürlich nicht auf sich sitzen lassen, was wieder einen Riesenstreit zur Folge hätte. Wahrscheinlich würde Mama am Ende deswegen das Angebot ihrer Freundin sausen lassen und Hausfrau bleiben, weil man ja auf mich aufpassen musste. Sonst würde ich mich ja wieder zusaufen und mit irgendwelchen Männern in der Kiste landen und so weiter. Und natürlich würde Mama mir den Rest ihres Lebens nachtragen, dass sie meinetwegen nicht wieder gearbeitet hatte.

Tolle Perspektive. Ich stellte mich mental schon mal auf das Donnerwetter zu Hause ein. Klar, Freddy hatte einen großartigen Rettungsplan angekündigt, doch ich glaubte nicht daran.

Abends aßen wir alle gemeinsam im Speisesaal der Jugendherberge. Wie gerade erwähnt, hatte ich den lieben langen Tag damit verbracht, mir die Situation zu Hause vorzustellen und dabei hatte ich nicht eine Sekunde an das gedacht, was jetzt passieren würde.

Als Freddy und ich kurz hintereinander den Raum betraten, verstummten plötzlich alle Gespräche.

Super, dann hatte es sich also schon herumgesprochen. Ich wusste nicht, wer von den Tratschtanten es überall verbreitet hatte, aber als ich in Idas Augen sah, senkten die sich schlagartig auf den vor ihr befindlichen Teller. Aha, dann war sie es also gewesen. Wer hatte eigentlich noch mal die schwachsinnige Idee gehabt, sie als fünftes Mädchen mit in unser Zimmer aufzunehmen? War es nicht sie gewesen, die Frau Lacombe heute Morgen gesteckt hatte, wo ich war?

Da bestand ebenfalls Klärungsbedarf. Ich schlug mit meiner zur Faust geballten rechten Hand in die offene linke.

Ich setzte mich zu Lea, Anna und Aurélie. Erstaunlicherweise sagte keine von ihnen etwas. Alle blieben sie still, aßen ihr dîner so manierlich, dass es schon peinlich war.

Schließlich machte Anna den Mund auf. „War es sehr schlimm?“

„Anna und ich, wir besuchen dich die ganze Zeit in deinem Gefängnis, wenn du willst!“, schob Aurélie superlieb hinterher.

Mit einer stimmlichen Gelassenheit, die mich überraschte, antwortete ich: „Lieb von euch. Aber nach der Sache darf ich garantiert nicht mal mehr Besuch empfangen.“

Jetzt guckten alle betroffen drein. „Und… äh… weißt du schon, was jetzt passiert?“, wollte Lea wissen.

„Nein. Die Lacombe und der Nowitzki sagen Freddy und mir gleich, was für eine Strafe wir zu erwarten haben. Freddy hat zwar gesagt, er paukt uns beide da raus, aber da gebe ich keinen Cent drauf. Können wir jetzt bitte über etwas anderes reden?“

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 6

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Jeder kennt dieses Gefühl bestimmt: Morgens wacht man auf und spürt instinktiv, dass man einen super Tag vor sich hat, an dem alles super läuft, an dem man sich keine Sorgen machen muss und ganz viele tolle Sachen passieren. Die Sonne scheint einem beim Aufwachen aus einem wolkenlosen Himmel ins Gesicht und man fühlt sich einfach nur gut.

So fühlte ich mich jedenfalls am ersten Morgen, als ich in Paris aufwachte. Wir saßen noch im Zug, die meisten schliefen. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würden Frau Lacombe und Herr Nowitzki durch die Abteile laufen und alle zum baldigen Ausstieg in Paris-Est aufwecken. Aber noch war alles wunderbar ruhig und schön.

Ich sah aus dem Fenster des Zuges. In der Ferne war der Eiffelturm bereits auszumachen. Ganz dezent zwar, aber man sah ihn. Der Zug fuhr gerade über einen Kanal.

„Hey, Aurélie!“ Ich rüttelte an der Schulter. „Guck mal!“

„Mmm, was ist denn los?“, brummelte sie ganz verschlafen.

„Wir sind fast da!“, teilte ich ihr mit. Da sprang sie sofort ans Fenster, guckte heraus und rief: „Wunderschön!“

Langsam wachten auch Anna und Lea auf. Genauso wie Aurélie und ich schauten sie begeistert aus dem Fenster. Mit unseren Blicken saugten wir alles auf, was wir durch das leicht zerkratzte Zugfenster sehen konnten. Ich war wirklich der Meinung, dass es sich schon dafür gelohnt hatte, auch wenn ich so etwas sonst nie so schnell dachte. Als ich das den anderen Mädels erzählte, sahen sie es ganz genauso. Besonders, natürlich, Aurélie.

„Welch wunderbares Land meine Ahnen bewohnt haben!“, schwärmte sie.

Doch wir sollten nicht mehr lange das Vergnügen haben, aus dem Fenster zu starren. Unsere Begleitpersonen durchquerten wie erwartet unser Abteil und forderten uns dazu auf, unsere Sachen zu nehmen und uns für die Ankunft bereitzumachen.

Als unsere Reisegruppe schließlich in der Gare de l’Est stand, guckten wir weiter durch die Gegend, mit aufgerissenen Augen und offen stehenden Mündern. Sicher haben wir ausgesehen wie die kompletten Idioten. Mir fiel auf, dass bei einigen männlichen Vertretern noch ausgesprochen verkaterte Blicke dazukamen. Wie viel die wohl im Zug getrunken hatten?

Doch nicht alle unsere Männer guckten müde durch die Gegend. Herr Nowitzki war, wie immer eigentlich, blendend gelaunt und schäkerte mit Frau Lacombe. Die lachte die ganze Zeit und machte überhaupt insgesamt einen glücklichen Eindruck.

Ich schaute sie prüfend an. Lag das jetzt daran, dass sie wieder in ihrem Heimatland war, oder lag es an ihrem jungen, man war versucht zu sagen knackigen Kollegen? Oh là là! Wozu das nur führen würde…

Ich drehte mich herum, weil ich das Lea und Anna zeigen wollte. Doch da fiel mir wieder etwas auf.

Freddy starrte mich wieder so an. In diesem Augenblick zuckte mir ein Gedanke durch den Kopf: Die Kraft von eindringlichen Blicken wurde in der modernen Psychologie eindeutig unterschätzt! Jedenfalls hatte ich so etwas noch nie erlebt und mir wurde auf einmal ganz anders.

Was hatte dieser Junge nur vor? Denn er musste etwas vorhaben, so viel stand fest. Freddy drehte sich mal ein wenig nach links, mal ein wenig nach rechts, aber seine Augen wendeten sich einige Minuten nicht von mir. Zum Schluss lachte er sogar.

Beunruhigt drehte ich mich zu meinen drei Lieblingsberaterinnen.

„Habt ihr das auch gesehen?“

„Was denn?“, fragte Aurélie, was hier eher wie ‚Waf benn‘ klang, da sie zum Frühstück ein Croissant mampfte.

„Freddy!!“

„Wieso, was ist denn mit ihm!?“, wollte nun auch Lea wissen.

„Er hat mich schon wieder angestarrt!“

„Mmm, schon wieder?“, fragte Lea, nun etwas anzüglich.

„Ja!“, antwortete ich. „Als wir gestern Abend am Gleis gewartet haben, hat er das gemacht! Ich würde nur zu gern wissen, wieso?“

„Na, wieso wohl?“, antwortete Anna in ihrer typischen Art mit einer Gegenfrage. „Der Junge ist in dich verknallt, ganz offensichtlich!“

„Oh, nein, bitte nicht!“

„Was soll denn an dem so schlimm sein?“, brummte Lea leicht geistesabwesend, weil dieser braunäugige Schönling von vorhin sich näherte.

„Ich bitte euch! Seht ihn euch doch nur mal an! Ich möchte gar nicht, dass sich so jemand in mich verliebt! Ohne ihn beleidigen zu wollen, aber ich könnte nie im Leben was anfangen!“

„Ja, ja, das stimmt wohl“, pflichtete Aurélie mir bei.

„Sagt mal“, meinte ich lauernd, „ihr habt nicht zufällig irgendwas mit Freddy und mir vor, oder?“

Und in diesem Augenblick ereignete sich eine Szene, wie man sie sonst nur aus Filmen kennt. Alle liefen, ohne mir auf die Glaubensfrage zu antworten, mit einer kleinen Ausrede weg.

„Oh, da kommt Alex, ich muss sofort zu ihm hin!“, rief Lea und beeilte sich, ihm entgegenzulaufen.

„Ich hab noch eine dringende Frage an Frau Lacombe!“, behauptete Aurélie und verschwand ebenfalls.

„Und ich muss dringend mit Marie reden, wegen heute Abend!“, schob Anna vor und husch, weg war sie.

Anna? Mit Marie reden? Wegen heute Abend? Was sollte das denn nun schon wieder? Ich war irgendwie noch verwirrter als vorher.

Aber gut. Meine Freundinnen und meine Schwester waren eigentlich nicht die Art von Mädchen, die mich mit einem Jungen verkuppeln würden. Anna würde mir in so einem Fall höchstens zureden, dass ich den Betreffenden anspreche, selbst aber keinen Finger rühren. Aurélie hätte wohl wieder ganz viele romantische Vorstellungen, würde aber auch eher Zuschauerin bleiben. Und Lea, hmm…, na ja, die war eh abgelenkt, da sie momentan selbst einen Kerl in Aussicht hatte.

Schon am ersten Tag in Paris ging es richtig rund. Nachdem wir unsere Jugendherberge bezogen hatten, gab es grad mal eine kleine Führung durch die Unterkunft und schon begannen unsere Streifzüge durch die französische Hauptstadt.

Natürlich standen die großen Touristenattraktionen ganz oben auf der Tagesordnung. Zum Eiffelturm sollte es gehen, danach würden wir uns zum Arc de Triomphe sowie zum Musée d’Orsay bewegen. Nach der Besichtigung der Kathedrale Notre-Dame hätten wir dann einige Stunden Freizeit, sollten aber nicht die Ile de la Cité verlassen.

„Na toll! Wo sollen wir denn da billig essen?“, rief Lea dazwischen, wurde aber von Frau Lacombe zurechtgewiesen: „Soyez silente, s’il vous plaît!“ Wieso bestand sie eigentlich immer darauf, mit ihren Schülern Französisch zu reden?

Herr Nowitzki erklärte uns jetzt – Gott sei Dank auf Deutsch – den Weg zu einem netten, kleinen Bistro, wo man laut seiner Auskunft günstig speisen könne. Dies steuerten wir auch in der temps libre, wie Frau Lacombe es genannt hatte, an. Nur befand sich dort, dank der Ankündigung von Herrn Nowitzki, die halbe Reisegruppe. Ich schaute mich im Bistro um. Isa erzählte etwas und fuchtelte dabei mit ihrem Besteck in der Luft herum, Sören beschrieb seinem Gegenüber anscheinend, wie voll derundder gestern Nacht gewesen war, und in einer Ecke diskutierten Jessica und Lisa über die neueste Pariser Mode.

„Das ist ja wie beim McDonald’s auf der Hamburgfahrt, wisst ihr noch?“, raunte Anna zu Aurélie und mir.

Wir nickten. „Also, ich habe keine Lust mehr, hier zu bleiben!“, rief sie. „Wer ist dafür, dass wir uns was anderes suchen?“

Aurélie und ich riefen sofort einstimmig: „Ich!“ Lea zögerte noch etwas. Offensichtlich wollte sie mit der Entscheidung noch warten, bis sie wusste, ob sich ihr braunäugiger Lieblingsmitschüler hier aufhielt. Suchend glitt ihr Blick über die zirka fünfzig Schüler und die paar anderen Gäste. Schließlich schien sie festzustellen, dass er nicht hier war.

„Okay, lasst uns gehen!“, meinte nun auch sie.

Wir wanderten noch ein bisschen auf der Ile de la Cité herum und sahen dabei noch einige zugegebenermaßen ganz hübsche Gebäude und Häuser. Irgendwann stießen wir auf ein kleines Lokal, in dem niemand saß und in dem es außerdem ziemlich billige Gerichte gab.

Wir orderten etwas, das der Kellner „petites pizzas“ nannte, und unterhielten uns. Aurélie schwärmte wieder, wie wundervoll Paris doch sei. „Diese ganzen Sehenswürdigkeiten waren einfach wunderschön! Ich finde, es hat sich wirklich gelohnt, mitzufahren.“

„Aber dieser Angeber von Lars!“, warf Anna ein. „Habt ihr das mit dem Goldenen Schnitt an der Notre-Dame mitgekriegt? Natürlich musste er wieder als Erster damit herausplatzen!“

Lea nickte. „Das ist wie bei unserem kleinen Bruder, der kann auch kaum was und ruft deswegen bei jedem neuen Buchstaben, den er lernt, wie toll er das kann.“

Ich kicherte.

„Ach, vergiss doch den Blödmann“, wischte Aurélie den negativen Punkt beiseite. „Von dem werden wir uns doch nicht die wunderschöne Fahrt vermiesen lassen!“ Verträumt guckte sie an die rosa bemalte Decke.

Oh Mann, dachte ich und warf Anna einen Blick zu. Die schien das Gleiche zu denken wie ich.

„Aber“, nun versuchte ich, einen wirksam negativen Einwand zu machen, „hast du die Bettler am Eiffelturm gesehen? Alle Touristen haben sie um Geld angehauen. Nur uns nicht, aber wir standen auch ziemlich weit weg.“

„Ja, dieser Gegensatz von Arm und Reich, das ist faszinierend…“, sagte Aurélie nachdenklich.

Verstört schauten Anna und ich uns an. Mittlerweile dachten wir nicht mehr, dass unsere gemeinsame Freundin ein bisschen zu sehr für Frankreich und seine Hauptstadt schwärmte, wir zweifelten ernsthaft an ihrem Geisteszustand. Auch Lea merkte langsam, wie Aurélie drauf war, denn sie fing ganz schnell ein neues Thema an.

„Ich habe übrigens mit Marie wegen heute Abend gesprochen“, informierte sie uns. Sofort dachte ich wieder an die Szene in der Gare de l’Est. Dann war das mit Marie also doch keine faule Ausrede gewesen…

„Heute Abend wollen wir auf den Zimmern Party machen“, hieß es. „Katja und Alex wollen alles besorgen.“

Die beiden waren sitzengeblieben und würden deswegen keine Probleme mit den Verkäufern bekommen, wenn sie Alkohol kaufen wollten. Sie waren achtzehn, bald sogar neunzehn. Aber wie wollten sie es anstellen, dass Frau Lacombe und Herr Nowitzki nichts bemerkten?

Als ich Lea das fragte, schien das überhaupt kein Problem zu sein. „Ach, das schaffen wir schon. Die Lacombe und der Nowitzki sind doch eh mit sich beschäftigt.“

Da hatte sie nicht ganz Unrecht…

„Irgendjemand hat gesagt, die machen heute Abend eine romantische Fahrt mit einem Bateau-mouche“, berichtete Anna. Das ‚romantische‘ betonte sie ganz besonders, damit auch jedem die Brisanz des Gerüchtes klar wurde.

„Cool, dann kann die Party heute Abend ja steigen“, freute sich Aurélie.

Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte. Nicht, dass ich Partys überhaupt nicht mochte, aber wenn es auf eine Saufparty hinauslief, bei der irgendwann nur noch alle in den Ecken hingen und ihren Mageninhalt ein zweites Mal studierten, sprich: kotzten, dann wollte ich heute Abend nicht dabei sein.

„Hey, Sara, wieso siehst du denn so griesgrämig aus?“; sprach mich Aurélie auf mein Gesicht an.

Wieso konnte man nicht einmal nicht lächeln, ohne gleich Unverständnis zu ernten?, dachte ich unwillkürlich.

Zaghaft wagte ich, Kritik an den Plänen zu äußern. „Muss das sein? Können wir nicht lieber irgendwohin fahren, zum Beispiel an die Place de la Concorde?“

Alle guckten schon ungläubig.

„Die soll sehr schön sein, ehrlich!“, schob ich hinterher.

Nachdem sie erst ungläubig geguckt hatten, brachen meine Freundinnen und meine Schwester nun in Lachen aus.

„Natürlich kommst du mit!“, befahl Lea, die sich als Erste wieder beruhigt hatte. „Das wird total lustig!“

Ich schaute immer noch skeptisch drein.

Nun schaltete sich Aurélie ein: „Ach, Sara, komm doch mit! Was sollen wir denn da ohne dich?“

Blöde Frage. Die Stadt besichtigen? Gerade du, Aurélie, solltest daran doch das größte Interesse haben, wo du doch so auf Frankreich abfährst!

„Wieso kommst du nicht mit? Es wird bestimmt total lustig, ehrlich!“

Und das sagte Anna? Gerade sie? Es war klar, dass wir hier über eine Saufparty redeten und sie hatte doch sonst nicht so viel mit Alkohol am Hut. Sie erzählte uns immer wieder, dass Alkohol überhaupt nicht nötig sei und trank höchstens mal an Silvester ein kleines Glas Sekt oder so.

Jetzt schauten mich alle Mädels erwartungsvoll an. Eigentlich hatte ich gar keine Lust, mit auf die Zimmerparty zu kommen.

Andererseits konnte es schon sein, dass es recht lustig wurde, wenn alle von uns versammelt waren. Zusammen hatten wir Mädels immer einen Riesenspaß. Hm.

„Na gut, ich überlege es mir.“

Ihre Gesichter hellten sich auf.

„Aber das heißt nicht, dass ich auch mitkomme! Verstanden?“, schob ich hinterher.

„Ja, ja“, war die einstimmige Antwort. Offensichtlich dachten Anna, Aurélie und Lea, dass ich auf jeden Fall mitkäme. Aber zu diesem Zeitpunkt stand meine Entscheidung noch nicht fest.

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 3

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Am nächsten Morgen gab es in der Schule einen echten Knaller – der Meinung unserer Lehrerin nach.

Sie heißt Frau Lacombe und sie ist meine Französischlehrerin. Als ich sie zum ersten Mal fragte ich mich direkt, was meine Mutter denn in der Schule machte, so ähnlich sah sie ihr. Schon häufig hatte ich mir in langweiligen Unterrichtsstunden ausgemalt, die beiden wären in Wahrheit Zwillingsschwestern und direkt nach der Geburt getrennt worden, so ähnlich wie diese Zwillinge bei Erich Kästner. Sie tragen beide genau die gleiche Frisur, die gleiche Brille, die Gesichtszüge sind fast gleich und manchmal tragen sie sogar ähnliche Klamotten.

Aber ich schweife ab. Ich wollte ja erzählen, welchen angeblichen Knaller uns Frau Lacombe damals präsentieren wollte.

Es ging um eine Schulfahrt nach Paris. Alle, die mindestens sechzehn Jahre alt waren, durften mitfahren. Tagsüber würde es Stadtrundfahrten und ein pädagogisch wertvolles Programm geben, abends stünde uns „die Zeit zur freien Verfügung!“ Aber nur bis 24 Uhr selbstverständlich.

Frau Lacombe fragte, wer denn grundsätzlich erst mal Lust hätte, mitzukommen, endgültig entscheiden sollte man sich bis nächsten Freitag. Ein paar Hände gingen in die Höhe. Meine nicht. Ich hatte mich bereits entschieden. Französisch konnte ich hier zu Hause auch genug kriegen, und außerdem wollte ich nicht ins Froschschenkel-Esser-Land.

In der Pause ereiferte sich Aurélie: „Ist doch toll, diese Fahrt! So habe ich endlich mal wieder die Chance, mein Lieblingsland zu besuchen – und außerdem ist es ja das Land meiner Ahnen.“ Sie biss in ihr Croissant.

Oh Mann, dachte ich wieder. War sie denn nun voll durchgedreht? Morgen würde sie uns vermutlich mit der Ankündigung kommen, ab sofort auf das Lycée Saint-Antoine in Marseille zu gehen.

„Ja, drei wundervolle Tage mit Madame Langweilig und Monsieur Dragueur“, sagte Anna und verdrehte ihre Augen himmelwärts.

„Aber bedenke doch mal, wie viele wundervolle Plätze, Sehenswürdigkeiten und Läden es in Paris gibt!“, schwärmte Aurélie. „Ganz zu schweigen von den Clubs!“

„Die du wohl kaum wirst genießen können, da wir ja um Mitternacht alle brav wieder da sein müssen. Wie Aschenputtel“, machte Anna unserer gemeinsamen Freundin die Illusion zunichte. Und sie schob noch hinterher: „Die Lacombe würde da auch keine Ausnahme machen. Du kennst sie doch.“

„Hm, stimmt. Aber ich finde es unheimlich toll, die Chance“ – natürlich französisch total korrekt ausgesprochen – „zu haben, diese Stadt zu besuchen. Wusstet ihr eigentlich, dass meine Uroma…“

Und es folgten weitere Details zur Geschichte der Familie Müller-Desbrosses.

So interessant das auch alles war, langsam nervte das ewige Gerede über dieses Thema. Es erinnerte mich ein bisschen an werdende Mütter, die ja meistens auch nur das eine Thema – nämlich ihr Nachwuchs – kennen. Egal, worüber man zuerst redet, über Steuererklärungen, Beziehungsprobleme oder den neuesten Kinofilm, sie schaffen es irgendwie immer, das Gespräch auf die kleinen Lebewesen in ihren Bäuchen zurückzubringen. So war es auch bei Aurélie. Seit sie vor kurzem diese Sache herausgefunden hatte, kannte sie nur noch La France. Hatte sie überhaupt mitbekommen, was gerade bei mir zu Hause los war?

„Hey, Aurélie, ich muss dir was erzählen -„, setzte ich an, kam aber nicht dazu, weiterzuerzählen.

„…und dann kam am 8. Mai 1945 meine Oma zur Welt. Quasi als Kind der Versöhnung und des Friedens…“

„Aurélie, ich hab Probleme zu Hause!“

„…unglaublich, dass ich das alles erst jetzt entdeckt habe. So lange ist das jetzt ja nun auch wieder nicht her…“

„Aurélie, bitte hör mir mal zu, ich -“

„Vielleicht wird mir das irgendwann mal nützlich, ich meine, da sind bestimmt noch irgendwelche Verwandten, bei denen ich mal unterkriechen kann…“

Da reichte es mir. Ich hakte mich bei Anna ein und zog sie von Aurélie weg, Richtung Haupteingang.

„Aber was habt ihr denn?“, rief Aurélie noch hinter uns her und guckte dabei ziemlich verständnislos.

Darauf sollte sie mal von selbst kommen.

Zuerst wollten wir in die Aula gehen, doch dort führte gerade eine Lehrerin Aufsicht, die mich überhaupt nicht leiden konnte – ich mochte sie genauso wenig. Also verzogen wir uns einfach in irgendeinen leeren Klassenraum.

„Mann, das regt mich einfach auf! Dreht die denn jetzt völlig durch? Ich will ihr was über meine Probleme zu Hause erzählen und die hört mir einfach nicht zu! Ich verstehe nur noch Bahnhof – nein, gare.“

„Harharhar“, machte Anna und pflanzte sich auf die Fensterbank. „Natürlich ist das unheimlich aufregend für sie. So ist sie nun mal – wenn sie einmal was gefunden hat, das sie mag, lebt sie quasi dafür. Kannst du dich noch an die Grundschule erinnern?“

„Dunkel. Wieso?“

„Damals war sie doch der allergrößte Britney-Spears-Fan der ganzen Stadt. Zu jedem Konzert wollte sie unbedingt, hat alle möglichen Artikel gesammelt. Sogar die Haare wollte sie sich so blond färben wie Britney-Püppchen. Durfte sie aber nicht. Fand sie total doof.“

Stimmt, jetzt erinnerte ich mich wieder.

„Weißt du noch, wie plötzlich diese Phase damals aufgehört hat? Wegen diesem einen Lied? Und so wird es sicher auch bei dieser Frankreich-Sache sein.“

In diesem Augenblick gongte es zur Stunde. Ein paar Fruchtzwerge aus der fünften Klasse wollten den Raum betreten, doch Anna scheuchte sie weg mit den Worten: „Haut ab, die Großen haben hier etwas zu besprechen!“ Eingeschüchtert verzogen sich die Kiddies.

„Wir haben doch neulich diesen Artikel mit dem Paris-Syndrom durchgenommen. Weißt du noch? Diese ganzen Japaner, die nach Paris kommen und den Schock ihres Lebens kriegen, weil Paris überhaupt nicht so ist, wie sie es sich vorgestellt haben?“

Ich nickte.

„Siehst du“, meinte Anna zufrieden. „So wird es auch bei unserer lieben Aurélie sein. Wir fahren hin, sie lernt die Stadt richtig kennen und wird schwupps wieder die Alte. Komm, wir müssen, sonst reißt uns die Heidemayer wieder den Kopf ab.“

Ich habe die unterschiedlichsten Gefühle, wenn ich von der Schule nach Hause fahre. Häufig bin ich kaputt von dem ganzen Stress, den uns die lieben Lehrer verursachen. Manchmal bin ich auch traurig, weil ich eine verhauene Klausur wiederbekommen habe. Es kam auch schon vor, dass ich richtig gute Laune hatte, weil irgendein Experte in der Schule wieder einen richtig lustigen Spruch abgelassen hatte. Aber es war bis jetzt noch nie vorgekommen, dass ich gespannt auf das war, was mich zu Hause erwartete.

Ja, bis heute. Nach der merkwürdigen Harmonie gestern und auch heute Morgen war das wohl kaum verwunderlich. Bei uns war es ja zugegangen wie in der Werbung. Die wunderbare glückliche Familie mit Vater, Mutter und drei Kindern. Manchmal ist auch noch eine Oma dabei.

Wer würde sich da nicht fragen, was als Nächstes passierte?

Auf dem Heimweg zählte ich die Busstationen, bis ich zu Hause war, und überlegte, dass das alles doch nur die Ruhe vor dem Sturm war. Anders konnte das doch gar nicht abgehen.

„Nächste Haltestelle Brückenstraße.“

Oder vielleicht doch? Hatten sie sich schon auf irgendwas geeinigt und ich hatte es nur nicht mitbekommen?

„Nächste Haltestelle St.-Marien-Krankenhaus.“

Ach Quatsch, das hätten sie mir doch schon längst erzählt.

„Nächste Haltestelle Nordkreuz.“

Hier musste ich aussteigen. In der Imbissbude an der Haltestelle sah ich ein junges Pärchen mit einem Baby. Die Eltern fütterten ihr Kind mit Pommes und es schien den beiden zu gefallen. Dem Baby auch.

Ob die in fünfzehn Jahren in einer ähnlichen Situation stecken würden wie meine Familie?

Ich seufzte und lief die hundert Meter bis nach Hause.

Zum letzten Mal minderjährig, Teil 1

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Vor einigen Jahren begann ich eine Reihe über eine junge Frau namens Sara und stellte die entstandenen Teile auf neon.de hoch. Ich habe meinen dortigen Account gestern löschen lassen und werde die Sara-Geschichten jetzt im Blog präsentieren, in der Hoffnung, dass sie jemandem gefallen. Viel Spaß beim Lesen.

Alles fing damit an, dass meine Mutter wieder anfangen wollte zu arbeiten. Doch vielleicht sollte ich erst einmal unsere Familie vorstellen. Da wären meine Oma, meine Eltern, meine beiden Geschwister – und ich.

Meine Schwester heißt Lea und ist nur anderthalb Jahre älter als ich. Sie hat jetzt ihr Abitur und ständig musste sie sich von irgendwem anhören: „Wie willst du das nur schaffen?“ Meistens von meinen Eltern. Manchmal denke ich, sie verwenden ihre ganze Zeit dafür, zumindest solange sie nicht arbeiten. Mein Vater ist Anwalt, meine Mutter Ärztin. Als mein Bruder geboren wurde, hat sie aufgehört, zu arbeiten. Aber darauf komme ich später noch.

Genau, mein Bruder! Er heißt Paul und ist sieben Jahre alt. Seit Sommer letzten Jahres geht er zur Schule und ist total stolz auf alles, was er lernt. Ich glaube, am liebsten würde er bei jedem neuen Buchstaben und bei jeder neuen richtigen Rechenaufgabe laut rufen: „Siehst du, ich bin besser wie du!“ Diesen Sprachfehler macht Paul ständig. Oft korrigiert ihn dann Oma, die seit Opas Tod vor fünf Jahren bei uns wohnt.

Ich bin auch froh, wenn ich den Schulstoff korrekt behalte und wiedergeben kann. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich damit angeben möchte, oh nein. Ich freue mich einfach, dass ich so schwere Sachen kann. Ein Berg an Wissen, der sich anscheinend jeden Tag quadratisch vermehrt. Und wehe, ich behalte nicht alles richtig. Dann trifft mich auch schon mal der Satz, den sonst nur Lea zu hören kriegt. Ich bin achtzehn und mache nächstes Jahr mein Abitur, da ist das schon ziemlich wichtig.

Und eines schönen Tages saßen wir alle am Frühstückstisch, als Mama mit der sensationellen Neuigkeit herausrückte.

Eine Freundin von ihr wolle eine Arztpraxis aufmachen und sie könne mit einsteigen. Zunächst blieben wir ruhig sitzen. Papa und Oma nickten und brummten so etwas wie „Aha“, ich nahm mir eine weitere Toastscheibe und belegte sie mit Käse, Lea trank einen Schluck Milch.

„Und ich finde das eine ausgezeichnete Idee. Am liebsten würde ich sofort einsteigen. Was meint ihr dazu?“

Einen Moment lang guckten wir uns entgeistert an, dann redeten alle durcheinander. Kaum ein Wort war zu verstehen, doch eines war klar: Niemand war total begeistert.

„Wer macht dann den Haushalt?“, fragte Lea alarmiert.

„Kannst du dann nicht mehr mit mir spielen?“, wollte Paul ängstlich wissen.

„Aber ich verdiene doch genug Geld für uns beide!“, entgegnete Papa. Woraufhin Mama ziemlich wütend guckte. Als Oma dann auch noch meinte, dass sie lieber auf die Kinder aufpassen sollte, pfefferte sie ihr Brötchen aufs Brettchen, rief beleidigt: „Also, ich hätte von euch ein bisschen mehr Unterstützung erwartet!“ und verließ die Küche. Ich nehme an, sie ging zum Telefon.

Alles, was mir dazu einfiel, war: Oh Mann. Ich wusste gar nicht, was ich von den Plänen meiner Mutter halten sollte. Später saßen Lea und ich zusammen in meinem Zimmer und quatschten.

„Wie findest du es, dass Mama wieder arbeiten will?“, fragte sie.

„Hmm… weiß nicht“, antwortete ich und starrte an die Decke.

„Also, ich finde es überhaupt nicht gut“, rief Lea und haute zur Bekräftigung mit ihrer Handkante aufs Bett. „Wenn sie nicht da ist, wird Paul uns die ganze Zeit nerven und außerdem bleibt dann die ganze Hausarbeit an uns hängen.“

„Naja“, warf ich ein, „immerhin wäre dann eine Person weniger da, die die ganze Zeit auf uns aufpasst und an uns herummeckert. Und Paul ist doch eh ständig bei seinen Kumpels.“

„Sag bloß, du findest es gut, dass Mama wieder arbeiten will?“ Lea sprang auf und rannte auf und ab.

„Mir gefällt das jedenfalls überhaupt nicht. Und ich werde sie irgendwie davon abbringen. Ich weiß noch nicht, wie, aber irgendwas wird mir schon einfallen!“ Mit diesen Worten rauschte sie aus meinem Zimmer.

Oh Hilfe, was hatte sie bloß vor? Ich kannte meine Schwester. Wenn sie sich einmal etwas vorgenommen hatte, konnte sie nichts davon abbringen, ihr Ziel zu erreichen.

Abends kam Paul zu mir. Er trug bereits seinen Schlafanzug mit den Rennautos und hatte seinen Teddy in der Hand.

„Sara?“

„Ja, was ist denn?“

„Wenn Mama wieder arbeitet, dann kann doch niemand mehr mit mir spielen! Ich will, dass Mama hier bleibt!“

„Mach dir keine Sorgen, Kleiner!“, versuchte ich ihn zu beruhigen. „Es sind genug Leute da, die mit dir spielen können. Oma, Lea, ich, der Niklas aus deiner Schule…“

„Aber keiner kann mit mir so spielen wie Mama! Und sie kümmert sich immer um mich. Wer macht mir mein Lieblingsessen, wenn Mama weg ist? Nur sie kriegt das hin!“

„Weißt du, Mama –“, begann ich, wurde aber von Mama unterbrochen, die plötzlich in der Tür stand und fragte: „Wieso bist du noch nicht im Bett, Paul?“

Sie sah sehr betrübt und nachdenklich aus.

„Komm, Paul!“ Sie nahm die Hand, in der nicht der Teddy war, und ging mit ihm aus dem Zimmer. Ich hörte noch, wie Paul fragte: „Liest du mir die Geschichte mit den Dinosauriern vor?“ Und Mama erwiderte: „Aber natürlich!“

Ich war fast froh, als ich zur Schule musste. Beim Frühstück war außer „Holst du die Zeitung aus dem Briefkasten?“ so gut wie kein Wort zu hören. Das ist sonst immer ganz anders, da diskutieren wir über irgendwas und die Eltern wollen wissen, was die Kinder so vorhaben und wann sie aus der Schule kommen. Doch an diesem Tag hatte Papa Paul lediglich gebeten, die Zeitung aus dem Briefkasten zu holen.

Oh fantastisch. Mir gefiel die Stimmung beim Frühstück überhaupt nicht und ich spürte, dass irgendetwas nicht stimmte. So konnte es nicht weitergehen.

Als Lea und ich ins Auto stiegen, um zur Schule zu fahren, sagte ich ihr das ganz genau so. Sie meinte: „Ganz recht, so kann das nicht weitergehen.“ Dabei hatte sie einen entschlossenen Gesichtsausdruck, so, als wüsste sie ganz genau, was sie tun würde. Und wieder fragte ich mich, was sie nur vorhatte.

Am Schwarzen Brett traf ich auf meine beste Freundin Anna.

„Hi, Sara, du siehst ja müde aus!“, begrüßte sie mich.

„Vielen Dank“, muffelte ich, „eigentlich hatte ich eine andere Begrüßung erwartet!“

„Hey, was ist denn los?“

„Ach, Probleme zu Hause. Mama will wieder arbeiten, deswegen schieben alle total Stress.“

„Und was meinst du dazu?“, erkundigte sich Anna.

„Keine Ahnung“, antwortete ich und musterte nachdenklich den Aushang zu den Schulschachmeisterschaften. „Irgendwie bin ich weder dafür noch dagegen.“

„Bestimmt ist deine Mum relaxter, wenn sie wieder arbeitet. Immer nur zu Hause herumzuhocken, hat ihr auf Dauer wohl nicht mehr gereicht. Da wollte sie halt wieder anfangen.“

Das konnte ich mir gut vorstellen. Nach so vielen Jahren Haushalt und Babysitter-Spielen hätte ich wohl auch keine Lust mehr auf mein altes Leben. Ich würde etwas ändern wollen.

„Also, ich kann meine Mutter ja verstehen“, erklärte ich Anna, während wir zum Kursraum gingen. „Das eigentlich Ätzende sind die anderen aus der Familie. Besonders meine Schwester. Ich glaube, sie hat irgendwas vor.“

„Was denn zum Beispiel?“

„Keine Ahnung“, sagte ich und stieß die Tür zu unserem Kursraum auf.

„Du solltest dir nicht so viele Sorgen machen. Die beruhigen sich schon wieder, bestimmt müssen sie sich erst mal an den Gedanken gewöhnen.“ Sie setzte sich auf ihren Platz in der vorletzten Reihe.

Apropos gewöhnen, dachte ich. Da saß eine Neue bei uns in der Klasse. Komisch, war uns gar nicht angekündigt worden. Sie trug eine schwarze Franzosenmütze, eine Jeansjacke und ein rot-weiß geringeltes Shirt, außerde, starkes Make-up.

Ich ging zu Anna. „Du, sag mal, kennst du die da vorne?“

Plötzlich bekam Anna einen unkontrollierten Lachanfall. Sie konnte sich gar nicht wieder einkriegen. Schließlich antwortete sie keuchend: „Das ist doch Aurélie!“

Was, das sollte unsere gemeinsame Freundin sein? ich konnte das gar nicht glauben, so verändert sah sie aus.

Anna erläuterte: „Neulich hat sie herausgefunden, dass sie zu einem Achtel Französin ist. Und das hat sie dazu veranlasst, mal eben ihren gesamten Typ zu verändern.“

Da kam Aurélie auch schon auf uns zu. „Bonjour, mes copines! Comment ca va?“ Jetzt lachte sie auf ihre typische Art.

Anna und ich tauschten einen Blick. Oh Mann, dachte ich.

„Äh, hi, Aurélie, bei mir ist eigentlich alles in Ordnung. Was, ähm, hat dich denn dazu veranlasst, deinen Typ derartig zu verändern?“, fragte ich.

„Meine Uroma kam aus Frankreich“, erzählte Aurélie. „Ich habe es herausgefunden, als ich über meinen Stammbaum geforscht habe. Ahnenforschung ist ja so spannend…“

„Ja, ja, da hast du wohl Recht“, rief Anna mit hochgezogenen Augenbrauen, während sie ihre Deutschsachen auspackte. Ich wusste genau, was das bedeutete. Sie schien dasselbe über Aurélies Typwechsel zu denken wie ich. Oh Mann.

„Verstehe. Und da überkam dich einfach der Wunsch, dich so… äh… stark zu verändern“, bemerkte ich und starrte auf die Tafel, auf die irgendwelche Fruchtzwerge aus der Fünften gekritzelt hatten, wer nun alles doof ist.

„Ja, ich wollte mich einfach ein bisschen von meinen Vorfahren inspirieren lassen“, sagte Aurélie und lachte wieder.

Mittlerweile waren fast alle in der Klasse, wir warteten eigentlich nur noch auf unseren Deutschlehrer, Herrn Nowitzki. Er war mindestens so groß wie sein berühmter Basketball spielender Namensvetter und auch so athletisch gebaut, insgesamt sah er ziemlich gut aus und er war noch sehr jung. Deswegen rechnete ich mir aus, dass er noch mit irgendeiner Referendarin flirtete.

Aber eigentlich war es mir ganz recht, dass er noch nicht da war. Wie bereits erwähnt, war er noch ziemlich jung, er kam eigentlich gerade aus dem Studium. Und wie alle modernen Lehrer versuchte Herr Nowitzki, seinen Unterricht besonders pädagogisch wertvoll zu gestalten.

Ich packte mein Deutschbuch, meinen Block, mein Etui und eine kleine Dose Geleebohnen aus. Dann lehnte ich mich zurück, packte die Beine auf den Tisch und aß die Geleebohnen. Anna und Aurélie bekamen je zwei ab.

Fünf Minuten später betrat Herr Nowitzki die Klasse.