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Schlagwort-Archive: Fünfzehnjährige

Es ist und bleibt ein Rätsel

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Neulich lag auf der Fußmatte von Monsieur und mir ein Klatschblatt. Die Nachbarin hat es uns da hingelegt, weil sie beim Einkauf aus Versehen zwei erwischt hatte. Und man könne darin ja so gut rätseln, sagte sie. Ich rätsle ja eher, warum jemand so was kauft, aber jetzt hab ich die Zeitschrift, also kann ich auch nen Blogeintrag draus machen.

Die „Woche heute“ liegt nun also vor mir und ein Sticker auf dem Titelblatt behauptet, das Druckerzeugnis sei „bekannt aus der TV-Werbung“. Ich war selten froher, dass ich bei TV-Werbung immer wegschalte.^^ Wem die Woche heute vorher auch nicht bekannt war, darf gern mal hier nachschauen.

Nun gut, sehen wir uns das Titelblatt also genauer an. Ganz groß abgebildet sind die Nummer sechs der britischen Thronfolge und (noch größer, weil attraktiver) seine derzeit hochschwangere Ehefrau. Ich habe nie verstanden, warum in gewissen Kreisen der Adel immer noch so verehrt wird. Ich bin gegen die Monarchie und selbst wenn man anerkennt, dass die Queen für Großbritannien eine gewisse Galionsfigur darstellt – warum berichtet man so ausführlich über ihre in der Thronfolge recht weit hinten liegende Verwandtschaft?

In dem beworbenen Artikel geht es darum, dass Meghan schon mehrmals wegen Frühwehen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. In diesem Zusammenhang ist Folgendes zu lesen:

Mit ihren 37 Jahren gilt Meghan als risikoschwanger. […] Eine Situation, die Harrys (34) Frau enorm stresst. Dazu noch die ständigen Termine und die vielen Anfeindungen – Umstände, die die Hochschwangere gerade gar nicht gebrauchen kann.

Und die Woche heute machts mit ihrem Artikel garantiert besser…^^

Die weiteren auf dem Titelblatt dargestellten Prominenten sind ein ostdeutscher Schauspieler, eine Schlagersängerin, ein Fußballtrainer und eine ehemalige Tennisspielerin. Man sorgt sich um das private Glück des Schauspielers und wendet dazu den beliebten Schreiberlingstrick der Suggestivfrage an. „Zerbricht jetzt sein Glück?“ Finden wir das doch mal raus.

Der angebliche Bruch dieses Glücks besteht also aus einer harten Alltagsroutine (wer hätte das bei einem Tatortstar auch vermutet…), einer charakterlich starken Ehefrau und dem Wunsch ebendieser, er möge länger leben als sie. Tja, das war also ne Nebelkerze.

Eine Suggestivfrage wird auch beim Fußballtrainer verwendet, bei dem die Woche heute sich fragt, ob er total am Ende sei. Angeführte Begründung: Enge Freundschaften seien zerbrochen. Was dahintersteckt: Er hat drei Spieler aus der Fußballnationalmannschaft geworfen. Nun ja.

Über die Schlagersängerin berichtet man, dass sie im Rentenalter aufregende Pläne habe. Was steckt dahinter? Sie möchte mehr Party machen und es wird auf die Möglichkeit hingewiesen, dass sie ja jetzt mehr Zeit für eine Beziehung hätte. Und erneut: Nun ja.

Bezüglich der ehemaligen Tennisspielerin heißt es nun also, sie weine bittere Tränen und es gehe um die geliebten Kinder. Was ist da denn bitte los?, fragt man sich. Ich sage es euch: Die beiden sind 17 und 15 und werden bald auf eigenen Beinen stehen. Für die Eltern sicher eine schwierige Situation, aber seit wann ist das eine Schlagzeile wert? Das passiert Millionen Eltern tagtäglich, ob Promi oder nicht!

Oh Mann oh Mann. So viel Mist und ich bin noch nicht mal richtig drin in der Zeitschrift. Also dann, auf in den Kampf.

Auf Seite 3 geht es um die Gesundheit von Daniel Westling (dem Mann der schwedischen Kronprinzessin). Dieser brauchte bekanntlich mal eine Nierentransplantation. Und nun macht man sich bei der Woche heute erneut Sorgen um Herrn Westlings Nieren – weil er sich bei einem Auftritt einmal an den Rücken gefasst hat. Wollt ihr wissen, wohin ich mir gerade gefasst habe? An den Kopf.

Ähnliches Herbeireden von dramatischen Situationen findet sich in einem Artikel über das dänische Königshaus. Nach Ansicht der Autoren steht der Thronwechsel quasi direkt bevor, denn Margrethe gehe es ja sooo schlecht. Manche Menschen würden das ja als ganz normale Alterserscheinungen bezeichnen, die dänische Königin ist bereits 78, aber nun ja… Der nächste Artikel ist da schon deutlich interessanter: ein Bericht über eine Geisterjägerin.

Es folgen Serviceartikel und Rätsel. Gut, dazu kann ich nicht viel sagen (außer, dass mir wie bei den oben verlinkten Zeichentrickfiguren ein Rätsel ist und bleibt, warum man so eine Zeitschrift kauft). Aber auf Seite 62 geht es weiter mit Klatsch und Tratsch. Judith Rakers wird, obwohl sie nun schon elf Jahre lang die Hauptausgabe der Tagesschau vorliest, immer noch als Neuling gezählt.

Die Nichtnachricht, dass ein Schlagersänger seine Mutter zum Geburtstag mit einer Torte überrascht hat, ist schnell wieder vergessen, denn man versucht, einer Ex-Dschungelcamp-Teilnehmerin eine „Psycho-Krise“ anzuhängen, weil sie sich Sachen fragt wie „Was ist, wenn meine Eltern tot sind?“ oder manchmal traurig ist. Liebe Redakteure der Woche heute: Falls ihr das hier lest, ich möchte euch allen Nachhilfeunterricht in punkto „Wie berichtet man über seelische Gesundheit“ verordnen. #notjustsad

Und dann kommt noch ein Artikel über einen weiteren Schlagersänger, der 46 ist und eine 18jährige Freundin hat. Leider konnte ich gerade nicht herausfinden, ob die Beziehung schon vor ihrem Erreichen der Volljährigkeit bestand, aber wenn dies nicht der Fall ist: Warum zur Hölle berichtet ihr darüber? Sobald sie 18 ist, kann sie machen, was sie will. Lasst Leute doch ihr Leben leben! Ähnliches fragte ich mich auch, als ich den Artikel darüber las, dass im Hause des 98jährigen Schauspielers Herbert Köfer seine Frau das finanzielle Sagen hat. Wenn es nicht strafrechtlich relevant ist (und es ist davon auszugehen, dass es das nicht ist): Warum darüber berichten? Können die doch machen, wie sie wollen.

Zusammenfassend möchte ich sagen: Die Woche heute ist wie Zuckerwatte. Das Material ist groß aufgebauscht und schmilzt rasch zusammen. Nur hat man dabei dann kein süßes Gefühl im Mund.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Angeschmiert

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(Danke an meinen großartigen Freund für diese Überschrift.)

Ich glaube, mein Freundeskreis ist in vielerlei Hinsicht atypisch. Und mein Freund ist es auch. Jedenfalls dachte er sich, dass die Mädels mindestens genauso viel Spaß an Paintball haben wie die Jungs, wenn nicht noch mehr. Und so lud er auch die Mädels zu seinem Junggesellenabschied ein. Der dann eher so Polterabendcharakter hatte.

Wir waren in einer sehr großartigen Paintballarena in einem Vorort meiner Heimatstadt. Es war anstrengend, aber auch lustig. Ich bin übersät mit wachteigroßen blauen Flecken, den 1. Preis der Verletzungen hat aber der beste Freund meines Zukünftigen gewonnen (Platzwunde auf der Hand).

Zwischendurch musste ich mal Pause machen, weil man unter den Masken relativ schlecht atmet, aber ich habe versucht, mich durchzukämpfen. Auf dem Feld, wo wir nicht waren, beschossen sich irgendwelche Jünglinge, deren Freundinnen nur zuguckten… und so aussahen, als würden sie nie irgendwas machen, wobei man schmutzig werden kann. Nicht meine Welt.

Irgendwann habe ich auch mal ein Eins-gegen-Eins mit meinem Zukünftigen gemacht… und das Ergebnis war sehr überraschend. Ich habe gewonnen, dabei habe ich das noch nie vorher gespielt 😀

Fazit: Ich würds auf jeden Fall wieder machen, auch wenn’s manchmal wehtut.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Mein 2004

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Frau Nessy hat mir ein Jahr zugelost, zu dem ich was aus meinem Leben erzählen soll, und das tue ich doch gerne.

2004

Alter

12 bzw. 13 Jahre.

Aufenthaltsort

Ein kleines Dorf nördlich der damals noch drittgrößten Stadt Niedersachsens.

Beruf

Schülerin der achten bzw. neunten Klasse eines Gymnasiums. Erstaunlich, dass ich es noch in die neunte Klasse geschafft habe, ich bekam damals meinen ersten blauen Brief. Mein Dad hat ihn in der Küche aufgehängt, damit ich immer daran erinnert werde, mich ab jetzt mehr anzustrengen (was nicht geklappt hat). Im neuen Schuljahr bekam ich zum ersten Mal Politikunterricht, der aber aufgrund einer verplanten, kettenrauchenden Lehrerin nicht so gut war. Ich habe die Schule damals insgesamt gehasst, weil ich mich ständig gelangweilt und so gut wie keine Freunde hatte. Eher so das Gegenteil davon.

Beziehung

Ich war so einige Male verliebt, von einer Beziehung aber leider weit entfernt. Wer will auch ein Mädel mit hässlicher Frisur und schiefen Zähnen, die noch dazu viel jünger ist als man selbst? Rückblickend kann ich aber froh sein, dass nie was draus geworden ist, die Kerle waren charakterlich alle Ärsche.

Haare

Siehe oben. Ich erinnere mich dunkel, dass ich damals ein Experiment mit kupferroter Tönung gewagt habe. Ansonsten: aschblond und Länge so ungefähr bis zu den Schultern.

Urlaub

Irgendwo in Südschweden (mal wieder).

Bemerknis 1

Eines der wenigen Highlights in diesem Jahr: die Eröffnung eines Internetcafés direkt neben der Schule. Wir hatten ja kein Internet und ich habe fortan mein ganzes Geld dort gelassen, bis ich Leute kannte, bei denen ich das Internet nutzen konnte. Damals wie heute fand ich das Internet total klasse.

Bemerknis 2

Ich war damals die totale Fernseheule. Meine Eltern haben irgendwann versucht, meinen Fernsehkonsum zu unterbinden. Ich habe allerdings schnell herausgefunden, wo der Schlüssel zum Wohnzimmer ist, wie ich die Anlage wieder an den Strom anschließe und wann ich gucken kann, ohne dass meine Eltern was davon merken. Ich habe mir damals Sachen angeguckt, von denen ich heute nicht mehr glauben kann, dass ich sie jemals gut fand, z.B. “Freunde – Das Leben beginnt” und “Die Abschlussklasse”.

Weiterführende Literatur

Ich habe fünf Jahre nach dem hier besprochenen Jahr Abitur gemacht – hier der Artikel über meinen Jahrgang. Was nicht drinsteht: Der Schulleiter wollte uns die Abishirts verbieten, weil er den Spruch “Scheiß auf Abi – ich werd Pirat!” respektlos fand. Er war aber schon vorher nicht als guter Schulleiter bekannt – er hat einem Jungen aus dem Jahrgang unter mir einen mehrtägigen Schulverweis erteilt, nur weil der ein T-Shirt mit “obszönen Worten” trug, und für die Beschwerde eines Abiturienten, er sei in der mündlichen Prüfung ungerecht behandelt worden, hat er sich einfach mal null interessiert. Mittlerweile hat er allerdings die Schule gewechselt. (Die Armen…)

Sollte jemand von den Lesern Lust haben, daran teilzunehmen – nur zu! Einfach einen Kommentar hinterlassen, ich lose dann ein Jahr zu.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Untersuchung einer „Bravo Girl“

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Als ich heute Mittag wegen eines Nudelsoßen-und-Süßigkeiten-Einkaufs zur Kasse latschte, lief ich am Zeitschriftenstand vorbei und dachte: Diese Gelegenheit kann ich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Also gibt es heute zum ersten Mal seit Dezember 2012 einen Eintrag, der sich komplett einer Jugendzeitschrift widmet – der Bravo Girl.

Die vorgestellten Stars

Ich konnte mal wieder feststellen, dass die heute von der Allgemeinheit verehrten Stars nicht die aus meiner Zeit sind. Auf Seite 4 wird Katy Perrys Schmuckkollektion vorgestellt. Ich kann diese Frau nicht riechen. Eine Frau, die ein wahnsinnig erfolgreiches Lied darüber herausgebracht hat, dass es ja so toll ist, dass sie als Frau Frauen küsst. Ja, ich gestehe, dass ich mir diese Single auch mal gekauft habe. Das war aber, bevor ich gemerkt habe, dass Katy Perry eine Aufmerksamkeitshure ist, die das alles nur behauptet hat, um einen Charterfolg abzugreifen, und in mehreren Interviews gesagt hat, dass sie nicht das geringste bisschen lesbisch oder bi ist.

Jungs

Für die typische Bravo-Girl-Leserin ist es unheimlich wichtig, zu erfahren, wie Jungs ticken (die meist als Boys bezeichnet werden). In der aktuellen Ausgabe findet sich auf Seite 15 ein Artikel eines männlichen Jungexemplars der Gattung Homo sapiens, der eine Freundin hat, die nicht will, dass er Jogginghosen trägt. Ich verstehe ja schon nicht, warum die Freundin sich so darüber aufregt, es wird dann aber noch abgedrehter, weil irgendwann rauskommt, dass seine Freundin grundsätzlich den BH auszieht, wenn sie nach Hause kommt. Ich hoffe, der Kerl haut bald irgendwann richtig auf den Tisch, so wie angekündigt. So kann das ja nicht weitergehen. Auf das BH-Problem geht auch die Bravo-Girl-Mitarbeiterin ein, die sich in einem Kommentar an Mädchen wie die oben genannte Freundin widmet.

Auch den BH kannst du mal weglassen. Ganz ehrlich: Er liebt ja schließlich dich, nicht deinen Kleiderschrank!

Mein erster Gedanke: Ich glaube, es herrscht sogar Freude darüber, wenn frau den BH weglässt…

Auf Seite 60 dürfen einige Jungen ihre Meinung zum Thema “Beziehung im Herbst” abgeben. Der fünfzehnjährige Lukas sagt zu seinem Beziehungsstatus:

Ich hab zwar keine Freundin, bin aber auch nicht wirklich single – es ist kompliziert! (lacht)

“Sie glaubt, ich liebe sie, aber in Wirklichkeit will ich nur ne günstige Gelegenheit zum Ficken!”

Mode

Wenn ein Teil hohe Qualität besitzt und fair produziert wurde, darf es auch ein wenig mehr kosten. Anzahl der Produkte der Modestrecken, die teuer sind und auf die meine Kriterien garantiert nicht zutreffen: 52.

Tests

Auf Seite 23 gibt es einen Test darüber, wer an erster Stelle steht – man selbst, Freunde oder der Schwarm. Ich möchte drei Punkte dazu anmerken.

1.) Frage 5 lautet:

Deine Klasse macht jetzt jeden Freitag eine Party. Bist du dabei?

Mir fehlt die Antwortmöglichkeit “Nein, weil man mich nicht einladen würde, aber es ist nicht schade drum, weils eh alles blöde Spacken sind”.

2.) Ich kriege das Ergebnis, ich sei mir selbst am wichtigsten. Ich will mir zwar selbst kein Ausbleiben von Egoismus bescheinigen, aber mir fällt mindestens eine Person ein, die mir wichtiger ist als ich selbst. Sie sitzt rechts neben mir und trägt einen zu meinem passenden Ring.

3.) Wieso gehen die Macher solcher Zeitschriften meistens davon aus, dass die Leserin noch keinen festen Freund hat? Die Leserschaft der Bravo Girl ist laut Wikipedia 12 bis 19 Jahre alt, laut diesem Artikel hier haben Mädchen ihren ersten festen Freund im Alter von 13 Jahren.

Auf den Seiten 70 bis 73 befindet sich ein Test mit dem Titel “Macht dein Style Jungs an?”. Die erste Frage geht darum, was man sich im Fernsehen am liebsten ansieht. Ich wusste gar nicht, was ich antworten sollte, weil ich seit über drei Jahren keinen Fernsehanschluss mehr habe und alle vorgestellten Sendungen als Müllfernsehen bezeichnen würde. Ich habe dann die Antwort angekreuzt, in der “Shopping queen” vorkam, weil ich das immerhin schon mal gesehen habe, auch wenn ichs kacke fand.

Frage 5 dreht sich um das coolste Topmodel. Irgendwas musste ich ja ankreuzen, also habe ich Erin Wasson genommen, obwohl ich alle zu dürr finde (und Heidi Klum überzeugt auch noch junge Frauen im Fernsehen davon, dass das cool ist).

Bei Frage 7 (“Deine Freundin hat ein neues cooles Kleid, was machst du?”) weiß ich gar nicht, was ich antworten soll, weil mir die Antwortmöglichkeit “Ich kaufe es einfach nach” fehlt. Es gibt nur “Ich frag sie, ob es okay ist, wenn ich es mir nachkaufe”. Ich frag sie doch nicht vorher um Erlaubnis!

Mein Testergebnis ist “Sweet Girl”, das zwar an sich relativ gut auf mich passt, in der Beschreibung steht aber auch, dass ich ein gutes Gefühl für Trends habe. Dabei gehen mir Trends am Arsch vorbei.

Ein anderes mögliches Testergebnis wäre “Style-Queen” gewesen, es schließt mit folgendem Satz:

Also schalt mal ‘nen Gang runter, bevor du mit deinem Style Mister Right verschreckst. Zwinkerndes Smiley

Wenn Mister Right ansatzweise brauchbar ist, wird er sich von so was Unwichtigem wie “Style” nicht abschrecken lassen.

Qualitativ hochwertiger Journalismus

Auf den Seiten 24 und 25 befindet sich ein Artikel darüber, dass Mädchen auch mal böse sein dürfen. In dem Abschnitt über Faulenzer steht folgender Satz:

Wissenschaftler raten Eltern dazu, ihren Kindern genügend Raum zum Faulenzen und Langweilen zu lassen.

Wäre es denn so ein großes Problem gewesen, wenigstens einen Wissenschaftler, der das behauptet, namentlich zu nennen?

Auf den Seiten 78 und 79 gibt es einen Bericht über eine Zwanzigjährige, die in einer Seehundstation arbeitet. Wobei Bilder 75 Prozent der Doppelseite ausmachen.

Moralisch fragwürdiges Verhalten

Im Artikel übers Böse-sein-Dürfen steht Folgendes:

Aber wenn das Outfit der Angeberin aus der Parallelklasse so was von daneben ist? Der Klassenschwarm sich sieben Mal am gleichen Wort verschluckt hat? Die Absage der Freundin auf deine Einladung echt bescheuert ist? Dann muss das raus! Lästern ist sooo lustig! Und wichtig für die Gemeinschaft: Es stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe – tschakka!

Es ist auch lustig, wenn sich ein Kerl in einer Videomissgeschicke-Sendung mit einem Fahrrad auf die Schnauze legt, dem Radfahrer tut das trotzdem total weh. Passt auch nicht so wirklich dazu, dass einer Dreizehnjährigen auf Seite 33 Tipps gegeben werden, wie sie einer gemobbten Mitschülerin helfen kann.

Die Sorgenecke

Auf Seite 32 beklagt sich eine Vierzehnjährige darüber, dass ihre Eltern sie wegen schlechterer Noten jeden Tag, sogar in den Ferien, total viel und total schwer lernen lassen. Ich kenne sie zwar nicht, aber ich habe den Verdacht, dass dieses total schwere Üben daraus besteht, dass sie überhaupt irgendwas machen muss.

Auf Seite 33 macht sich eine Fünfzehnjährige Sorgen darüber, dass ihre Brüste nicht mehr wachsen. Das Team weist darauf hin, dass Brüste noch bis zum 20. Lebensjahr wachsen können. Das ist so nicht ganz richtig – meine sind z.B. noch gewachsen, als ich über die 20 hinaus war…

Weiter unten fragt eine ebenfalls Fünfzehnjährige, ob sie schwanger sein könnte, weil beim Sex mit ihrem Freund das Kondom abgerutscht ist. Unabhängig davon, ob ja oder nein – wenn Gefahr im Verzug ist, meldet man sich doch nicht beim Bravo-Girl-Team, sondern beim Gynäkologen!

Peinliche Erlebnisse

Auf Seite 61 erzählt eine Sechzehnjährige, dass sie ihre Gitarre vorm Schulgebäude noch mal auspackte, weil sich ihr Abholservice verspätete, ein vorbeigehender Fußgänger ihr ein Geldstück hinwarf und in dem Augenblick ihr Schwarm kam und sie auslachte. Dieser Vorgang wird mit “Wie peinlich ist das bitte?!” kommentiert. Ich würde sagen: Elena, du kannst froh sein, dass sich dein Schwarm enttarnt hat. Wenn er dich wirklich mögen würde, hätte er dich nicht ausgelacht.

Weiter unten berichtet ein Fünfzehnjähriger, dass er sich vor seiner großen Liebe darüber ausließ, wie blöd er weibliche Wesen mit roten Haaren und Sommersprossen findet. Pech für ihn: In dem Augenblick tauchten die Mutter und die Schwester der Angebeteten auf. Rothaarig, sommersprossig. Tja, Lästern ist wohl doch nicht immer so toll, was?

10 verrückte Jobs

Das ist mal ein wirklich cooler Artikel. Ich habe noch nicht gewusst, wie man Tatortreinigerin, Glasaugenmacherin oder Unterwasserschweißerin werden kann. Ufologin ist allerdings ein Job, für den man den typischen Bravo-Girl-Leserinnen erst mal beibringen müsste, dass Schule im Allgemeinen wichtiger ist, als zu wissen, wie man sich am besten schminkt oder stylt. Ohne Astrophysikstudium wird aus der coolen Ufo-Job-Chance nämlich nichts.

Die Überraschung des Tages

Die Youtuberin Bibi gibt auf Seite 64 bekannt, dass sie den Tipp fürs richtige Kämmen (erst Spitzen, dann nach oben hocharbeiten, sonst gibts Knoten) von ihrem Papa gelernt hat.

Wie man Freundschaften so richtig zum Blühen bringt

Empfohlen werden unter anderem ein Zauber mit grünen Knöpfen, einer grünen Schnur, einer Haarsträhne, Rosenöl und Rosen sowie einer mit Spielkarten. Srsly?

Bravo-Girl-Humor

Lebensende mit drei Buchstaben? – Ehe.

Der schnellste Weg zum Herzen eines Mannes? – Durch die Brust mit einem scharfen Messer.

Wohin guckt ein Typ als Erstes, wenn er eine schöne Frau sieht? – Zu seiner Freundin, ob sie ihn beobachtet.

Soziales Gewissen

In dem 82 Seiten umfassenden Heft gibt es ganze zwei Seiten, die sich um etwas anderes als den üblichen Styling-Schule-Jungsscheiß drehen (der Seehund-Artikel).

Fazit

Die Schülerin “Bravo Girl” hat große Defizite in fast allen Fächern aufgezeigt und muss das Schuljahr daher wiederholen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin