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Schlagwort-Archive: Gedenkstätte

Holocaust-Gedenkblogartikel

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Heute vor 72 Jahren wurde das KZ Auschwitz-Birkenau befreit. Vor ungefähr anderthalb Jahren war ich mit einer Unigruppe dort. Ich habe hier schon einmal darüber berichtet, jetzt möchte ich noch mal einige Eindrücke niederschreiben.

Das Thema Nationalsozialismus hat mich schon immer sehr interessiert und von vielen Leuten wurde mir nahegelegt, mal nach Auschwitz zu fahren. Als es 2015 dann soweit war, fand ich sehr gut, dass ich diese Gelegenheit hatte, hatte aber gleichzeitig auch etwas Angst. 2014 hatte ich die Gedenkstätte Sachsenhausen besucht und es hatte mich unglaublich getroffen. Ich ging davon aus, dass es bei der Besichtigung der Gedenkstätte in Auschwitz genauso sein würde.

So war es dann nicht. Ich nehme an, dass das damit zu tun hat, dass es einen nur beim ersten Besuch einer KZ-Gedenkstätte besonders trifft und danach nicht mehr so. Nichtsdestotrotz war es sehr beeindruckend – im negativen Sinne. Ich hatte mich, auch auf Anraten der Dozenten, dazu entschieden, im Lager keine Fotos zu machen. Das hat für mich auch etwas mit Respekt zu tun (mal davon abgesehen, dass es eh schon unglaublich viele Fotos von diesem Ort gibt). Als ich dann aber sah, dass irgendwelche Leute dort Grinseselfies mit Peacezeichen gemacht haben, bekam ich Plaque. Wie kann irgendwer behaupten, dass man es mit diesem Teil der Geschichte doch langsam mal gut sein lassen müsste? Offensichtlich wissen die Menschen immer noch nicht angemessen damit umzugehen. Weder der Niederländer, der bei der Führung durch die Gedenkstätte fragte, warum die Deutschen die Juden denn bloß so gehasst hätten, noch ein gewisser AfD-Landtagsabgeordneter, der vom Berliner Holocaustmahnmal als „Denkmal der Schande“ sprach.

Teil der Führung durch die Gedenkstätte war eine Art Raum, in dem alle Haare der Häftlinge gesammelt worden waren. Als ich da war, war der Raum nur noch etwa halbvoll. Die Haare werden bewusst nicht konserviert, in einigen Jahrzehnten wird also alles verschwunden sein. Ich hoffe, dass nicht etwas Ähnliches mit dem Holocaust passiert. Die Erinnerung daran muss auf jeden Fall bewahrt werden. Auch wenn man über das Wie streiten kann.

Die Dozenten haben für den Rest des Exkursionstages nichts mehr angesetzt und uns so bewusst offengelassen, wie wir den Abend verbringen wollen. Das fand ich gut. Ich kann gut verstehen, wenn man nach so einem Tag für sich sein will. Ich habe aber auch nichts dagegen, wenn man die Schwere des Tages loslassen und sich amüsieren will. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Letztlich war es bei uns so, dass fast alle in der Pizzeria nahe des Hotels waren. Und es war ein ziemlich guter Abend.

Ich habe vor der Reise mit so einigen Leuten darüber gesprochen, auch über meine Ängste. Die Tante meines heutigen Mannes hat mir ein kleines Marienbild geschenkt. Wenn ich nach dem Besuch bedrückt sein sollte, hat sie gesagt, ich solle einfach zu Maria beten und das würde sicher helfen. Ich war sehr skeptisch, steckte das Bild aber ein. Und was soll ich sagen, ich habe es am Ende gar nicht gebraucht. Das Bild ist übrigens immer noch in meinem Portmonee.

Was will ich damit nun sagen? Es macht mir Hoffnung, dass es noch gute Menschen auf der Erde gibt. Ich hoffe nur, dass die schlechten am Ende nicht gewinnen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

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Berlin, Berlin, ich fuhr schon wieder nach Berlin

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Als unfreiwilliges Dorfkind liebe ich große Städte. Darüber hinaus begibt es sich, dass ich Freunde in großen Städten habe. Da liegt es ja irgendwie nahe, dass man mal in diese großen Städte fährt. Von meinem letzten Ausflug möchte ich jetzt erzählen.

Die Anreise

Man möchte sich ja auch mal was gönnen, also fuhr ich ab der nächstgrößeren Stadt mit ICEs Richtung Berlin. Ich probierte zum ersten Mal Handytickets aus und musste keine Angst haben, dass die wegen leerem Akku nicht angezeigt werden können – im ICE ist ja an jedem Platz eine Steckdose. Es funktionierte alles ganz gut, nur dass ich mich wunderte, warum meine Reservierung im „Familienbereich“ lag. Ich teilte mir den Vierer mit einer kleinen Familie, bestehend aus einem lebhaften Mädchen, der sich kümmernden Mutter und dem sich hinter englischer Literatur versteckenden Vater. Mit 20 Minuten Verspätung kam ich in Spandau an.

Ich hatte mir auf Google Maps angesehen, wo das Hotel liegt, rechnete aber nicht damit, dass ich im Dunkeln durch eine kaum beleuchtete Straße laufen musste. Rechts von mir ein Autobahnzubringer, links ein Friedhof. Und das, wo ich ein Schisser vor dem Herrn bin. Ich schaffte es aber, unversehrt im Hotel anzukommen.

Das Hotel

Es zeigte sich, dass ich Hotelbeschreibungen immer ganz genau lesen sollte. Bei der Ankunft stellte ich nämlich fest, dass ich eine Zimmerkategorie mit Etagenbad und -klo gebucht hatte. Ich wusste gar nicht, dass das in einem Dreisternehotel überhaupt möglich ist. Nun gut, wieder was dazugelernt.

Als ich dann merkte, dass das so genannte Restaurant nur für Frühstück und die Bar alles andere als einladend war, entschied ich mich, dass ich nicht mehr Zeit als nötig im Hotel verbringe. Abendessen gab es in der Stadt (siehe unten). Nach ein paar Cartoons im Fernsehen bettete ich mich auch schon zur Ruhe. Naja, zur kaum vorhandenen Ruhe. Die Fenster ließen sich nicht wirklich abdunkeln, also hatte ich das ganze schöne Licht von der A100 im Zimmer. Und laut war’s stellenweise auch.

Minimal erholt ging ich zum Frühstücksbuffet, um zu merken, dass dort anscheinend gelegentlich Taschendiebe unterwegs sind. (Mir wurde nichts geklaut, ich habe nur die Warnschilder gesehen.) Der Feta vom Buffet war anscheinend schlecht. Nun denn, wie gesagt, ich wollte dort eh nicht mehr Zeit als nötig verbringen, ich habe also schnell ausgecheckt. Wer demnächst vorhat, in Berlin zu übernachten, dem nenne ich auf Anfrage gern den Namen des Hotels, damit er dort nicht nächtigen muss.

Die Gastronomie

Ich konsultierte Google Maps, um zu schauen, wo es in Hotelnähe etwas Gutes zu futtern gibt. Italienisch mochte ich ja schon immer gern, also gewann letztlich der in Hotelnähe befindliche Italiener (auch hier gilt, dass ich auf Anfrage gern den Restaurantnamen nenne). Ich genoss eine exzellente Tomatencremesuppe und total leckere Makkaroni mit Rinderfiletstückchen. (Und einen Gratis-Amaretto.)

Die Stadt

Nach der Flucht aus dem Hotel beschloss ich, mir in meiner knapp bemessenen Zeit zumindest noch eine Sehenswürdigkeit anzusehen. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche kannte ich schon, nicht aber den nebenstehenden Neubau. Und genau den sah ich mir an. Ich bin normalerweise nicht so für moderne Kirchen, die hier hatte mir aber wirklich gut gefallen.

Spaß in der Stadt

Ich wollte am Alex einen Freund treffen. Ich war schon x Mal da und ich war sogar pünktlich, lief aber wegen der ganzen Buden trotzdem wie ein Eumel über den Platz. Nun gut, schlussendlich fand man sich… um zu merken, dass der Weihnachtsmarkt anscheinend erst ab 12 langsam zum Leben erwacht. War aber auch ein Erlebnis, mitten am Tag in einer belebten Stadt über einen ausgestorbenen Weihnachtsmarkt zu laufen.

Wir unternahmen Krams (TM) und hatten wirklich viel Spaß, unter anderem fand ich eine wirklich sehr wertvolle Zeitschrift mit dem Titel „Beef“ und wir merkten, dass gewisse Jugendzeitschriften… auch nicht weniger hirnlos sind als früher.

Die Abreise

Wir hatten uns so verquatscht, dass es am Ende verflucht knapp wurde mit dem Zug. (Dass ich nicht gesagt habe, dass ich meinen Koffer am Alex wieder abholen muss, könnte auch eine Rolle gespielt haben.) Hätte ich nicht meinen Freund dabeigehabt, der mir sagt, wie ich schnell von A nach B komme, hätte ich meinen ICE wohl verpasst. Ich hatte eine Reservierung und steige dann normalerweise auch in dem Wagen ein, wo sie ist, aber das wäre dann auch zu knapp geworden. Also war ich der Eumel, der den Verkehr im Gang aufhält.

Die Rückfahrt an sich verlief sehr unspektakulär. Neben mir saß ein sehr netter älterer Herr, der ein Buch „Quantenphysik und Spiritualität“ oder so ähnlich las. Ähm, okay.

Alles in allem war es klasse und ich hoffe, dass ich meine Großstadtvergnügungssucht bald wieder befriedigen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

Da hat man sich grad mal an 2015 gewöhnt

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und schon ist es wieder vorbei. Hier der Rückblick.

1.       Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war dein Jahr?

8. Großer Scheiß und richtig tolle Sachen.

2.       Zugenommen oder abgenommen?

Es wird wohl ungefähr gleich geblieben sein. Zumindest sehe ich nicht wesentlich fetter aus.

3.       Haare länger oder kürzer?

Mehr oder weniger gleich… irgendwie finde ich einfach, dass mir kurz vor schulterlang am besten steht.

4.       Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gleich geblieben, würde ich sagen.

5.       Mehr Kohle oder weniger?

Bis Oktober extrem wenig, danach bekam ich Arbeit und es wurde mehr.

6.       Besseren Job oder schlechteren?

Besser.

7.       Mehr ausgegeben oder weniger?

Ein Wort: Fahrschule.

8.       Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Im Adventskalender von “Gekreuzsiegt” wurde ein Buch von Nadia Bolz-Weber verlost und ich habe es gewonnen. Und ich habe eine „Tubeclash“-BluRay gewonnen. (Dabei habe ich nicht mal einen BluRay-Spieler.)

9.       Mehr bewegt oder weniger?

Unentschieden…

10.   Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Stresskopfschmerzen und die Flitterwochenkrankheit.

11.   Davon war für dich die Schlimmste?

Ersteres.

12.   Der hirnrissigste Plan?

Ähm… zählt Extremchillen?

13.   Die gefährlichste Unternehmung?

Mit Absatzschuhen auf eine Silvesterparty zu gehen.

14.   Die teuerste Anschaffung?

Nicht sicher. Bestimmt aber irgendwas für die neue Wohnung.

15.   Das leckerste Essen?

Das müssen Mamas Weihnachtsschinken und die Kartoffelsuppe von meinem Mann und mir untereinander ausmachen.

16.   Das beeindruckendste Buch?

„Orange is the new black“ von Piper Kerman.

17.   Der ergreifendste Film?

Ich habe dieses Jahr nicht besonders viele Filme gesehen. Ich glaube, diese Trophäe geht an „Spectre“, weil er so spannend war.

18.   Die beste CD?

„Russendisko Hits 2“.

19.   Das schönste Konzert?

Ich war dieses Jahr auf keinem Konzert.

20.   Die meiste Zeit verbracht mit?

Mit meinem Mann.

21.   Die schönste Zeit verbracht mit?

Mit meinem Mann.

22.   Zum ersten Mal getan?

Internet bestellt. Eine Abschlussarbeit geschrieben. Bei einer wichtigen Prüfung durchgefallen (und das gleich zwei Mal). In Bochum gewesen. Nicht jugendfreie Dinge. Auto gefahren. Standesamtlich geheiratet (und das hoffentlich auch zum letzten Mal). Paintball gespielt (das sicher nicht zum letzten Mal). Ein wissenschaftliches Interview geführt.

23.   Nach langer Zeit wieder getan?

In einem Dorf gewohnt. In Polen gewesen. Eine Herrentoilette aufgesucht. Meine alte Schule besucht. Ein ehemaliges KZ besucht.

24.   Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Stress mit Vodafone. Stress mit der Nachbarin. Stress mit Freunden. Spam (on- und offline). Stress durch Nazis. Religiöse Intoleranz. Fremdenfeindlichkeit im Allgemeinen. Knapp vier Monate ohne Küche. Betrunkene Fußballfans. Stutenbissigkeit. Bürokratie. Freipinkelnde Idioten. Stress mit Verwandten. Ein kaputtes Lenkradschloss. Gewisse Paketzusteller (ja, ich meine euch, Hermes). Unfähige Kassiererinnen. Faule Beamte. Einen kaputten Computer beim TÜV. Nervosität. Ewig lange Arbeitssuche. Leute, die mit mir spielen.

25.   Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Die Sinnhaftigkeit meiner Arbeit.

26.   Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Einen Kurzurlaub.

27.   Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Essen natürlich.

28.   Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Ja, ich will.“

29.   Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Ich glaube, siehe Frage 28.

30.   Dein Wort des Jahres?

Hochzeit.

31.   Dein Unwort des Jahres?

Nachbarin.

32.   Dein(e) Lieblingsblogs des Jahres?

„Nachrichten vom Abgrund der menschlichen Dummheit“.

33.   Verlinke deine Rückblicke der vorigen Jahre.

https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/01/jahresruckblick-2011/

https://kitschautorin.wordpress.com/2012/12/23/soundtrack-of-2012/

https://kitschautorin.wordpress.com/2013/01/01/2013-omfg/

https://kitschautorin.wordpress.com/2014/01/01/jahresruckblick-2013/

https://kitschautorin.wordpress.com/2015/01/01/2015-yeh/

Mit freundlichen Grüßen und Wünschen für das Jahr 2015

Die Kitschautorin

Man hat mir nichts geklaut

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Die wichtigste Info zur Polenreise, die vor allem meine Oma interessieren dürfte, gleich vorweg. Jetzt kommt der Rest.

Montag

In Garbsen hielten wir nach knapp zwei Stunden Fahrt das erste Mal. Auf der Toilette (die gleichzeitig auch Dusche war) lagen einfach mal ein paar Socken herum, ich habe keine Ahnung, wieso. An Marienborn fuhren wir vorbei und mir fiel wieder einmal auf, dass man kaputte Gebäude erblickt, sobald man die ehemalige innerdeutsche Grenze überquert hat. Am Rastplatz Börde-Süd hielten wir das zweite Mal. Wenn ich früher lange Fahrten unternommen habe, zum Beispiel zu Verwandten, bin ich ganz viel über die Rastplätze gelaufen. An dem Tag latschte ich herum und sah einfach mal, dass einer ungeniert in den Busch gepinkelt hat. Schwein.

Zwischendurch bemerkte Dozent 2, dass wohl keiner polnisches Geld dabeihabe. Ich und einige andere verneinten. Antwort: “Dann sind Sie wohl schlauer als wir.” Smiley mit geöffnetem Mund

Ein paar Kilometer später bot ich Dozent 1 selbstgebackene Brownies aus meinem Proviant an, er lehnte dankend ab. “Schade, ich hatte gehofft, einen Brownie-Bonus auf meine Bachelorarbeit zu bekommen.” “Da müssen Sie schon mit mehr kommen. Ab 300 Euro sind Sie dabei.” Ich überlege es mir.

Zu den Klängen von “Ya na mori”, die aus meinem MP3-Player stammten, überquerten wir die Grenze nach Polen. Für uns interessierte sich niemand, aber auf der anderen Seite der Autobahn standen Grenzer, die einzelne Vehikel herausgewunken haben. Apropos Vehikel – ich sah auf der Autostrada 4 sehr interessante Sachen, zum Beispiel ein Auto, bei dem die Heckscheibe aus ein wenig Plastikfolie bestand… Ansonsten bemerkte ich noch, dass weite Teile von Polen auch nicht anders aussehen als Ostdeutschland.

Gegen 21 Uhr abends kamen wir nach 14 Stunden Fahrt am Hotel an. Mit dem Etablissement, das nach polnischem Standard drei Sterne trug, war ich sehr zufrieden. Ich hatte ein Doppelzimmer für mich allein und in drei Minuten Entfernung gab es eine Pizzeria, bei der “klein” schon größer und billiger als zu Hause war. Und im Hotel gab es gratis WLAN. Lief bei mir! Die Pizza Don Corleone war so gut, dass ich glaubte, davon zu träumen. Nebenbei habe ich mich nett mit dem Sohn von Dozent 1 unterhalten, der auch dabei war.

Dienstag

Aufgewacht bin ich um 10 vor 6 dadurch, dass die Sonne in mein Fenster schien, es gab nämlich keine Jalousien. Aber ich konnte ja wieder einschlafen, also was soll’s. Ich habe übrigens geträumt, jemand klaut mein Portmonee und bedroht mich dann mit einem Messer. Habe dann den Rest der Reise wie ein Luchs auf meine Sachen aufgepasst.

Im Hotel (es geht übrigens um das Hotel Demel) war es entgegen gewisser Berichte gar nicht so laut und ich habe die Ohrenstöpsel umsonst mitgenommen. Das Frühstück war auch sehr lecker.

Wir haben mit Studenten der örtlichen Universität gearbeitet, danach habe ich ausgiebig die Altstadt erkundet und während des Abendessens ausgiebig mit der polnischen Dozentin geredet. Und mit einer kroatischen Erasmus-Studentin. Die wollte nicht neben Dozent 1 an der Ecke sitzen, weil das laut Aberglauben bedeutet hätte, dass sie nie heiraten wird. Aber Dozent 1 hatte so oder so seinen Spaß, der konnte mit zwei anderen Studenten nämlich in seiner Muttersprache reden. Der Weg zurück ins Hotel war sehr witzig, erst haben wir ewig nach der Straßenbahn-Haltestelle gesucht und dann war da ein Pole, der uns wohl erklären wollte, mit welcher Linie wir fahren und wie lange wir warten mussten. Problem: Er hat mit uns stumpf Polnisch gesprochen und das beherrschte keiner.

Mittwoch

Beim Aufwachen habe ich mich gefragt, ob man vergebene Leute daran erkennt, dass sie, auch wenn sie ein Doppelbett für sich allein haben, trotzdem auf einer Seite davon schlafen. Nachdem ich mich aus dem Bett, in den Frühstücksraum und zurück ins Zimmer geschafft habe, ging es los Richtung Auschwitz-Birkenau. Ich möchte an dieser Stelle den Leuten dafür danken, die mir Sonnencreme gespendet haben, ansonsten sähe ich jetzt vermutlich aus wie ein Steak. Und ich kann nicht glauben, dass ich mir über die Knallsonne mehr Sorgen gemacht habe als über das Lager an sich. Der kanadische Student, der zurzeit Praktikum in der Gedenkstätte macht, meinte, ich hätte später sicher noch einen Betroffenheitsmoment.

Im Lager haben wir aber schon komische Sachen erlebt. Leute, die Selfies vor dem Eingangstor oder an der Wand machen, wo viele Häftlinge abgeknallt wurden, ein Niederländer, der die Führerin fragte, warum die Deutschen die Juden eigentlich so gehasst haben… Manche Leute aus meiner Gruppe wollten ihm erst mal einige Zusatzstunden Geschichtsunterricht verpassen, was ich gut verstehen kann.

Am Abend ging es wieder in die Pizzeria nahe des Hotels und dort habe ich einige lustige Sachen erlebt… inklusive eines Spiels, das ich vorher selber nicht kannte und trotzdem gewonnen habe (“Tot, töter, am tötesten”), und die Dozenten haben auch mitgespielt. Ist das nicht cool – Dozenten, die so was mitmachen?

Donnerstag

An diesem Tag ist nicht so viel passiert. Ich schrieb ja, dass die Fahrt um einen Tag verkürzt werden musste, die Dozenten mussten die Planung also umschmeißen. Was sie nicht bedacht haben: Donnerstag war Fronleichnam und im hochkatholischen Polen haben da unglaublich viele Sachen geschlossen. Unter anderem die Programmpunkte Schindler-Fabrik und Alte Synagoge. Das nenne ich mal gelebte Interreligiösität.

Letzten Endes sind wir durch Kazimierz gelaufen und dort habe ich mich dann einem kleinen Grüppchen angeschlossen, das in eine Kneipe hinter der Izaak-Synagoge wollte. Ich habe dort einen sehr guten Virgin Mojito getrunken, die anderen haben sich an Honig- und Haselnusswodka gehalten. Wir kamen zu spät zum abendlichen Treffpunkt mit dem Rest, weil unbedingt noch im Alkladen eingekauft werden musste. Ich habe für ein Mädel Kippen gekauft (“damit ich mich nicht anstellen muss”) und für meinen Freund ein bisschen Honigwodka.

Zu Abend aß ich georgische Pfannkuchen (sehr, sehr lecker) und auf dem Rückweg war es wieder mal sehr lustig, weil die Straßenbahn rasanter fährt als die in Rostock und nebenbei noch Tickets gekauft werden mussten. Ich habe Leuten Zlotys für den Automaten geliehen und es in Euro wiederbekommen.

Übrigens, am Neuen Platz bekommt man Baguettes, die so groß sind wie ein Unterarm und nur 6 Zloty kosten. Das hätte ich mal der Caféteria-Dame vom Gymnasium sagen wollen, die einem für ein handgroßes Teil ein Euro zwanzig abknüpfen wollte.

Freitag

Die Fahrt war ganz in Ordnung. Blöd ist nur, wenn man grad dringend schlafen will und die Dozenten dann mit einer Gruppenarbeit kommen. Der Busfahrer, der uns die letzten vier Stunden kutschierte, kutschierte uns bei der Ankunft dann zunächst mal dorthin, wo Busse gar nicht reinfahren dürfen, inklusive eines Einbiegeversuchs zum Taxistand, in der falschen Richtung übrigens. Ansonsten ist aber nichts passiert.

Als ich gegen zwanzig nach neun zu Hause ankam, wusste ich nicht, ob ich glücklich oder traurig sein sollte. Eins steht aber fest: Ich werde auf jeden Fall wieder dahin reisen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

2015, yeh

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1.       Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war dein Jahr?

Ich würde dem Jahr glatt eine 10 geben, da das Bafögamt mich allerdings nicht mehr mag, gebe ich ihm nur eine 9.

2.       Zugenommen oder abgenommen?

Es wird wohl ungefähr gleich geblieben sein. Zumindest sehe ich nicht wesentlich fetter aus.

3.       Haare länger oder kürzer?

Mehr oder weniger gleich… irgendwie finde ich einfach, dass mir kurz vor schulterlang am besten steht.

4.       Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Kurzsichtiger, außerdem habe ich eine Hornhautverkrümmung. Lustig war, wie ich das Ganze entdeckt habe – eigentlich wartete ich nur auf meinen Freund, der einen Sehtest ablegte, und tat das dann auch. Zusätzliche –0,75 – ich habe direkt eine neue Brille bestellt. Als ich sie aufsetzte, sah ich plötzlich wieder alles total scharf – wie in HD.^^

5.       Mehr Kohle oder weniger?

Das Bafögamt hat entschieden, dass ich genug auf dem Konto habe und meine Eltern eh zu viel verdienen. Allerdings arbeite ich jetzt als Tutorin.

6.       Besseren Job oder schlechteren?

Unentschieden.

7.       Mehr ausgegeben oder weniger?

Genau kann ich das nicht sagen. Ich habe aber versucht, mich etwas zurückzuhalten.

8.       Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Im Adventskalender von “Gekreuzsiegt” wurde eine selbstgestrickte Bommelmütze verlost und ich habe sie gewonnen. Oh, und ich habe mit einem durch meine Mutter geschenkten Rubbellos sechzig Schwedische Kronen gewonnen. (Aber nicht ausgegeben.)

9.       Mehr bewegt oder weniger?

Das Schwimmen wurde beibehalten, zwischenzeitlich habe ich mal Jiu Jitsu an der Uni gemacht, und ich schätze, die Rennerei wegen des Umzugs kann man auch zählen.

10.   Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Der ganze Stress, den ich dieses Jahr erlitten habe, drückte mir Brust-, Kopf-, Magenschmerzen und einige Blutdruckausreißer auf. Ansonsten fällt mir nichts Nennenswertes ein.

11.   Davon war für dich die Schlimmste?

Siehe Frage 10.

12.   Der hirnrissigste Plan?

Mitten im Endstress eine Woche nach Schweden zu fliegen.

13.   Die gefährlichste Unternehmung?

Ähm… zählen die Narkoserisiken bei der Magenspiegelung?

14.   Die teuerste Anschaffung?

Die Möbel, die ich vor zwei Tagen gekauft habe.

15.   Das leckerste Essen?

Vor knapp drei Wochen habe ich die Schlüssel für meine neue Wohnung bekommen, zusammen mit fleißigen Helfern einen Haufen Krams in die Wohnung gestellt, dann eine Küche bestellt und danach Nudeln mit rotem Pesto gemacht. Das war so geil.

16.   Das beeindruckendste Buch?

*denkt lange nach* Die Bibel.

17.   Der ergreifendste Film?

*denkt auch hier lange nach* “Neukölln unlimited”. Ich weiß, der ist älter, ich habe ihn aber erst jetzt gesehen. Der Film hat mich auf so viele Weisen beeindruckt. Ich war traurig, wütend, aber auch optimistisch.

18.   Die beste CD?

“Bingo” von Bela B.

19.   Das schönste Konzert?

Bela B & Smokestack Lightning feat. Peta Devlin am 5. Mai im Bielefelder Ringlokschuppen.

20.   Die meiste Zeit verbracht mit?

Mit meinem Freund.

21.   Die schönste Zeit verbracht mit?

Mit meinem Freund.

22.   Zum ersten Mal getan?

Für die Uni gearbeitet. Bela B live gesehen. Bei einer Taufe mitgemacht (als Täufling). In Österreich gewesen. Das Bremer Überseemuseum besucht. Die Synagoge der viertgrößten Stadt Niedersachsens von innen gesehen. Einen Gottesdienst mit Flüchtlingen besucht. Ein Gedicht von mir veröffentlicht. Für den Störungsmelder geschrieben. Auf Uniexkursion gewesen (beinhaltend den erstmaligen Besuch einer KZ-Gedenkstätte sowie des Jüdischen Museums Berlin). Mich erfolgreich bei der Deutschen Bahn beschwert. Bei einem Adventskalender-Gewinnspiel was gewonnen. Einen Rubbellos-Gewinn gehabt. Mit Kanadiern gesprochen. In orthodoxen, einer methodistischen und reformierten Kirchen gewesen. Anhänger der Bahai-Religion kontaktiert. In Baden-Württemberg sowie auf einer katholischen Hochzeit gewesen. Einen Nachtzug benutzt. Pandas und Koalas live gesehen. Beschlossen, in einen Ort zu ziehen, den ich zu diesem Zeitpunkt noch nie betreten hatte. Eine nicht erfolgreiche Online-Bestellung getätigt. Eine Bahnreise aufgrund einer Bombenentschärfung zwangsweise modifiziert. Ein wenig Gebärdensprache gelernt. Eine Langzeit-Blutdruckmessung gemacht.

23.   Nach langer Zeit wieder getan?

Im kleinsten Bundesland Deutschlands gewesen, ohne es nur zu durchqueren. Einige Zeit sehr viel Englisch geredet. Im Unichor gesungen.

24.   Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Stress mit dem Bafögamt. Die Frage, wo ich im neuen Jahr leben werde. Umzugsstress. Die Art, wie das letztjährige Weihnachten verlaufen ist. Es war zwar schön, aber trotzdem doof.

25.   Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Meine Taufe.

26.   Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Das Klingonisch-Wörterbuch.

27.   Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Eine neue Küche…

28.   Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

“Ich liebe dich und freue mich, dass du mir nach (hier Ort einfügen) folgst.”

29.   Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

“Ich liebe dich und möchte ganz lange mit dir zusammenbleiben.”

30.   Dein Wort des Jahres?

Christentum.

31.   Dein Unwort des Jahres?

Umzug.

32.   Dein(e) Lieblingsblogs des Jahres?

“Topf voll Gold” und “Gekreuzsiegt”.

33.   Verlinke deine Rückblicke der vorigen Jahre.

https://kitschautorin.wordpress.com/2012/01/01/jahresruckblick-2011/

https://kitschautorin.wordpress.com/2012/12/23/soundtrack-of-2012/

https://kitschautorin.wordpress.com/2013/01/01/2013-omfg/

https://kitschautorin.wordpress.com/2014/01/01/jahresruckblick-2013/

Mit freundlichen Grüßen und Wünschen für das Jahr 2015

Die Kitschautorin

Berlin, Berlin, ich fuhr nach Berlin

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Mittwoch und Donnerstag war ich in meiner Eigenschaft als Teilnehmerin der Veranstaltung “Exploring the past – Learning from the present – Developing the future” auf zweitägiger Exkursion in Berlin und Umgebung. Nach einer schlafarmen Nacht, einem Sprint zum Bahnhof, weil der Bus ausnahmsweise überpünktlich war, und einer siebenstündigen Busfahrt…

Moment, hat sie gerade siebenstündig gesagt? Ja, hat sie. Der Busfahrer hielt alle sechzig Minuten für dreißig Minuten an, warum auch immer. Aber seine und die Nikotinabhängigkeit eines Dozenten wird sicher eine Rolle gespielt haben.

Quelle: Photobucket / bawanaal

Also, nach all diesen Unannehmlichkeiten kam ich am Jüdischen Museum an, wo wir auf Studenten der University of Victoria (für alle Googlefaulen: Kanada) trafen, mit denen wir die Exkursion gemeinsam durchführten. Das Jüdische Museum war sehr interessant. Man erfuhr etwas über die jüdische Geschichte vor und nach dem Holocaust, wovon man ja nie was hört – immer nur vom Holocaust. Dazu sei aber noch gesagt: Mich haben vor allem die dargestellten einzelnen Schicksale der Verfolgten berührt. Wahrscheinlich ist das auch die richtige Art, sich an den Holocaust zu erinnern. Ansonsten sieht man immer nur die Masse und dann kann man all das leichter wegschieben.

Nach der Nachbesprechung mit den Kanadiern, bei der ich übrigens gemerkt habe, wie gern ich Englisch spreche, war der offizielle Teil zu Ende und ich nutzte meine freie Zeit, um mich mit einem Freund (dem mit dem Hasen-Spitznamen) zu treffen. Eigentlich wollte ich euch an der Stelle zwei kleine Videos zeigen, aber das eine lässt mich VLC leider nicht bearbeiten und bringt stattdessen meinen Laptop zum Hängen. Also seht ihr hier jetzt ein kleines Video (Mein erstes auf Youtube! Bitte lest euch auch die Beschreibung durch.): https://www.youtube.com/watch?v=6JQGUz1lYL8

Am nächsten Morgen ging es zur Gedenkstätte Sachsenhausen. Das, was ich da gesehen habe, war wirklich schlimm. Das Spezialgefängnis mit den Einzelzellen. Das Krematorium. Aber was ich auch schlimm fand: Die DDR hat fast alle Baracken plattgemacht, um ihren eigenen Gedenkplatz mit Massenkundgebungen und allem haben zu können. Auf dem natürlich nur an die politischen Gefangenen erinnert wurde. Jetzt verstehe ich jedenfalls, was mein Vater gesagt hatte, der das Lager in der Schulzeit zwangsbesichtigen musste und meinte, es gebe dort nicht mehr so viel. Mein Dozent meinte dazu: “Some way of memoralisation.” Ach ja: Oranienburg war übrigens voll mit NPD-Wahlplakaten. Und wieder:

Von der Gedenkstätte ging es für uns deutsche Studenten direkt zurück in die Heimat. Sie liegt von Berlin ungefähr dreißig bis vierzig Kilometer entfernt. Der Rückweg führte dann aber auf einmal über Hamburg, wodurch wir wieder einmal sieben Stunden unterwegs waren. (Dabei will man nach solch anstrengenden zwei Tagen einfach nur nach Hause!)

Von Busfahrten habe ich erst einmal genug. Was ich aber toll fand: Ich hatte in diesen zwei Tagen Kontakt zu so vielen tollen Leuten. Zum ersten Mal in meinem Leben hat mir eine Studienfahrt Spaß gemacht. Es war nicht so wie früher, wo ich mich immer total sozial isoliert gefühlt habe. Ich hatte Kommilitonen, mit denen ich gern geredet habe (andersrum wohl auch). Der Kontakt zu den Kanadiern hat mir auch gut gefallen. Ich hoffe, ich kann ihn aufrecht erhalten. Und nicht zuletzt war es klasse, dass ich meine beiden Lieblingsdozenten mal von einer menschlichen Seite erleben konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Die Kitschautorin

PS: Als wir am Busbahnhof meiner Heimatstadt standen, bat der Dozent uns, dem Unipräsidenten mitzuteilen, wie toll die Exkursion war, damit er und sein Kollege dann wirklich mal 50000 bis 60000 Euro im Monat bekämen. Eine Studentin entgegne, dann könne er Auschwitz ja selber bezahlen. (Gemeint war damit die nächste geplante Exkursion.)